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denen sie sich später allerdings an einzelnen Orten umgestalteten. Unter den vorgedachten Vorlesungen wählen wir Eine aus, die wegen der Bemerkungen, zu denen der specielle Gegenstand derselben G. Anlass giebt, von einem allgemeinen historischen Interesse ist. Es handelt sich nämlich in dieser Vorlesung insbesondere z, von der Entstehung und Ausbreitung des Hanseatischen Comptoirs zu Bergen in MVorwegen;” G. aber

nimmt davon Gelegenheit, sich über die Hanse und

die Ursachen ihres Erblühens zu verbreiten, die er, wie wir sogleich zeigen werden, in ganz andern Umständen findet, als frühere Geschichtschreiber deshalb geltend zu machen suchen. Es gewähren nämlich diese eben jene Ursachen vornehmlich in der Sicherheit, mit welcher die Hansestädte ihre Waarentransporte zu bewirken vermochten, indem sie solche durch Geleit gegen die Freibeuter schützten, die zur Zeit des Faustrechts alle Handelswege zu Wasser und zu Lande gefährdeten. In natürlicher Folge derselben Annahme aber verschwand der Vorzug der Hansestädte, so wie zugleich ihr Ansehen und der Flor ihres Handels von der Zeit an, wo der Landfriede auch den Handelsbetrieb gegen gewaltsame Störungen schützte. Dass etwas Wahres an dieser Behauptung giebt G. zu. Dass jedoch die Hanse, selbst als sie auf den Hochpunkte ihres Ansehens stand, jedem Strassenraube zu wehren nicht vermochte, dies, meint er, gehe schon aus den Lübecker Chroniken, mehr aber noch aus den Jahrbüchern der tiefer ins Land liegenden Bundesstädte hervor. Dagegen nun stellt derselbe folgende Betrachtungen an: ,,Die Despotie der Fürsten, sagt er, und der Eigennutz der Unterthanen schloss im Mittelalter Alles, was fremd hiess, von den Rechten und Gesetzen des Landes aus, und ein eigentlicher Zwischenhandel konnte nicht bestehen, weil der fremde Kaufmann sein Gut im Auslande auf keine Weise hinlänglich sichern konnte. Wollte er es dem Bürger einer fremden Stadt zum Verkauf einsenden, da hätte er gewiss jedesmal mit dem zu hoffenden Gewinn auch noch die Waare selbst verloren, denn man hielt es sogar für Verdienst, sich die Güter des Auslandes so schnell, wie möglich, zuzueignen. Wollte aber der Kaufmann selbst mit seinen Waaren die Reise machen, wie mühsam und wie gefährlich! Wie auf dem Lande, wenn der Wagen einbrach, die Waare schon deshalb dem Landesherrn verfiel, weil sie seinen Boden berührt hatte, so war ja auch das gestrandete Schiff mit Allem, was darin und daran gehörte, ein Segen dieses Strandes, für

den man Gott dankte, wie man ihn vorher darum gebeten hatte. Und kam auch ein Ausländer mit seiner Waare glücklich zur Stelle: wer schützte ihn denn hier gegen Betrug und Gewalt?” Unter diesen Uebeln der Zeit nun fand die Hanse zuerst einen Ausweg. Einzelne Städte derselben nämlich erwarben sich durch mancherlei Mittel, die ihnen List und Gewalt an die Hand gaben, das Recht einer bleibenden Niederlassung in den Häfen des Auslandes und dies Recht wurde ihnen um so eher von den Fürsten verkauft, als in jenen Zeiten ein Handelsvortheil noch nicht als ein Gewinn für den Staat selbst betrachtet wurde. Nunmehr konnten die deutschen Bürger, die sich auf diese Weise in der Fremde ansiedelten und auf der einen Seite den Gesetzen und Rechten ihrer Vaterstadt unterworfen blieben, auf der andern jedoch sich auch die fremde Sitte und Sprache aneigneten, den glücklichsten Zwischenhandel unterhalten. Ihnen sandte man zum gelegentlichen Verkauf die Waaren ein, die bei ihnen sicher genug lagerten und um so grössern Gewinn versprachen, je besser allmälig sie die Gelegenheit erkundeten, wie und wo solche am vortheilhaftesten zu verkaufen wären. Was aber die einzelnen Städte auf diese Weise an Freiheiten und Vorrechten in der Fremde erlangten, das liessen sie willig dem ganzen Bunde zu gut kommen und setzten es als ein sicheres Recht nach bestimmten Normen fest. »So entstanden die hanseatischen Comptoire in der Nord- und Ostsee, so entstand ein Commissionshandel, den man bis dahin nicht kannte und der, als ausschliesslich durch die Hanse gegründet, auch ihr natürlich nun den reichsten Gewinn sichern musste." – Sehr interessant sind die Näherangaben, die G. über die hanseatische Niederlassung in Bergen mittheilt, die um die Mitte des 14ten Jahrhunderts die königliche Genehmigung erhielt und bald so stark anwuchs, dass sich zu der Zeit, wo das Comptoir am blühendsten war, die Zahl der dazu gehörenden Personen auf 3000 belief. Hierzu kamen noch die Schuster oder Handwerker und die Schiffer, die sich, gleich den Niedergelassenen, in drei Ordnungen theilten: in Meister oder Hauswirthe, in Gesellen und Jungen. Keiner von der Kaufmannschaft durfte heirathen, oder er war des Niederlassungsrechtes verlustig. Ueberhaupt durfte nie ein Weib in den den Hanseaten eingeräumten Bezirk kommen, daher ganz natürlich, wie der Vf. sagt, das schöne Geschlecht neugierig ward auf das was in demselben vorging. In der That, so erzählt derselbe, soll sich ein hanseatisches Mädchen in Mannskleider versteckt haben und so unter die aufzunehmenden Lehrlinge eingeschwärzt worden seyn. Von den Bewohnern Bergens streng abgeschieden waren die Mitglieder des Comptoirs ganz auf sich selbst beschränkt, was freilich im Sommer zu ertragen war, wo die abgehenden und ankommenden Schiffe Geschäfte brachten; was aber im Winter, wo mit der Natur auch der Handel wie todt darnieder lag, die grössten Ungemächlichkeiten mit sich führte. Bewohnte nämlich im Sommer jeder Hauswirth mit seinen Lehrlingen und Gesellen sein eigenes Zimmer, so wurde im Winter, wo die schlecht verwahrten Kammern nicht zu heizen waren, der Schütting das gemeinschaftliche Quartier für alle Bewohner desselben Hofes. Dieses grosse Gemach hatte keine Seitenfenster, sondern wurde nur durch eine Oeffnung in der Decke schwach erleuchtet; das Feuer aber brannte, nach norwegischer Sitte, in der Mitte des Zimmers und der Rauch musste sich eben durch jene Oeffnung einen Ausweg suchen, bis, wenn das Feuer ausgebrannt war, das Fenster zugeschlagen wurde. In diesem Zimmer nun sass jeder Hauswirth mit seiner Genossenschaft um einen besondern Tisch, was, meint G., denkt man sich die halbe Finsterniss und den Rauch dazu, eben kein sehr reizendes Bild darbietet. „Aber hier an ihren Tischen voll Wein und Bier, erzählt Holbach, sannen sie auf alle die Bosheit, die sie den Bergischen zufügen wollten, und allerdings hatten die Uebermüthigen durch alle Tage, von Martini bis Fastnacht, Musse genug, ein Plänchen gegen die Bergischen zu schmieden." Zwei Jahrhunderte hindurch erhielt sich das Comptoir zu Bergen bei Macht und Ansehen und vermochte gegen ein ganzes Volk die drückendste Handelsdespotie zu üben. Als jedoch um die Mitte des 16ten Jahrhunderts Norwegen ein stehendes Heer errichtete, ward es dessen Urbewohnern möglich, das Joch dieser Kaufleute abzuwerfen, deren Niederlassung sich zwar noch erhielt, die jedoch, nicht mehr in dem Besitze des seither unbeschränkten Alleinhandels, auch keinen hinreichenden Gewinn mehr machten, um ihre frühere Macht und Bedeutung zu behaupten. Vielleicht die in wissenschaftlicher Hinsicht wichtigste Abhandlung der ganzen Sammlung ist die „Geschichte des Lübeckischen Münzfusses," die jedoch nicht vollendet ist, indem sie nur bis zum Jahr 1463 hinaufreicht. Die Herausgeber benachrichtigen uns,

es habe G. zehn Jahre lang an dem Werke thätiggearbeitet, das nach seinem Plane den Gegenstand in acht Abschnitten erschöpfen sollte. Indessen sind nur die drei ersten vollkommen fertig geworden und für die übrigen fanden sich nur unbedeutende Materialien vor. Eine flüchtige Inhalts – Anzeige der hier abgedruckten drei Abschnitte wird gleichwohl darthun, dass mit dieser Arbeit die grössten Schwierigkeiten der Aufgabe überwunden sind, deren Lösung G. bezweckte. Im ersten Abschnitt nämlich erzählt derselbe die Geschichte der Entstehung des Lübecker Münzfusses im Jahr 1226. Zwar errichtete bereits Heinrich der Löwe in der von ihm auf der Brandstätte des alten Lübecks neu erbauten Stadt eine Münzstätte; doch ward damit keinesweges dieser Stadt selber das Münzrecht ertheilt, sondern ihr Landes- und Schutzherr übte hier nur seine Münzgerechtsame aus. Ihr selbst wurde mit der Reichsfreiheit, unter andern besondern Privilegien, auch das Münzrecht, gegen eine jährliche Abgabe von 60 Mark Silbers, im Jahre 1226, nach ihrer Befreiung von der dänischen Herrschaft, von Kaiser Friedrich II. zugestanden. – Der zweite Abschnitt umfasst einen beinahe hundertjährigen Zeitraum, indem er den Leser bis zum Jahre 1325 führt, wo der wendische Münzverein gegründet wurde. Die vornehmsten Mitglieder dieses Vereins waren die Städte Lübeck, Hamburg, Wismar, Rostock und Lüneburg. Hervorgerufen wurde derselbe durch die immer zunehmende Verschlechterung der Münzen, ein Uebel, dem abzuhelfen sich die genannten Städte, denen früher oder später noch andere beitraten, vereinigten, überall nach gemeinsamer Abrede das Schrot und Korn der Münzen, ja selbst das Gepräge ihres Geldes, zu bestimmen. Bei dem Allen sank der Münzfuss mehr und mehr, was im dritten Abschnitte nachgewiesen wird, der bis zum Jahre 1463 geht, wo die ersten Versuche gemacht wurden, denselben wie der zu heben. Wie rasch aber diese Entwerthung vor sich ging, davon mag folgende Thatsache zeugen. G. berichtet uns, dass zu Anfang dieses Zeitraums die Lübeckische Währung auf 3 Mark Geldes für die Markfein stand, nach noch nicht 140 Jahren aber, d. i. zu Ende dieser Periode, bis auf tiefer als 11!/2 Mark gesunken war, so dass demnach das Geld der vereinigten Städte während dieser kurzen Zeit fast um vier Mal geringhaltiger wurde.

( Der Beschluss folgt.)

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( Beschluss vom Nr. 13. )

WWrwählen nun, zum Beschluss unsrer Berichterstattung, noch den letzten Aufsatz des dritten Bandes, überschrieben: »Kriegsbegebenheiten in und um Leipzig, im September und October 1813." G. erzählt als unparteiischer Augenzeuge, doch ohne seine echt deutsche Gesinnung je zu verleugnen. Einige dem Aufsatze entlehnte Fragmente mögen hier eine Stelle finden, um auch in diesem Betracht dessen individuelle Gesinnung und Strebnisse ausser Zweifel zu setzen. Von Napoleon, im französischen Feldlager bei Leipzig am 14. October, entwirft derselbe folgende Schilderung: »N., in einem einfachen grauen Ueberrocke, bis an den Hut, beim Reiten vorher, mit Koth besprützt, ging, die Arme zurückgeschlagen, ernst aber fest vor sich hinblickend, in dem Kreise auf und nieder, oder stand auch vor dem Lagerfeuer still und störte mit den Füssen zwischen den Brandscheiten. Deutlich las man auf seiner finstern Stirn, dass er viel und lebhaft denke; aber nichts in seinen Mienen verrieth eine Unruhe oder Unentschlossenheit, wie Viele sie ihm gern angedichtet hätten, wohl nur deshalb, weil er auch jetzt, wie immer, in seinen Bewegungen sehr schnell und lebhaft war. – Bald blickte er in die Karten, die halb aufgerollt auf einem Feldtischlagen, bald wandte er sich zu den Ingenieuren, die neben ihm ihre Reissbretter und Bestecke auf der flachen Erde ausgebreitet hatten; bald kehrte er wieder um zu den ansprengenden Adjutanten, liess sich einzelne Gefangene, Russen und Oesterreicher vorführen; aber, ohne weiter lange auf sie zu hören, ging er dann wieder auf und nieder, schnupfte viel, und blickte kaum von der Erde, wenn er den nahestehenden Generalen einzelne Worte zurief. – Die

Köche hatten indessen auf dem Felde ein Frühstück Ergänz. Bl. zur A. L. Z. 1840.

bereitet; im Gehen genoss der Kaiser wenige Bissen, liess darauf Tasse und Teller schnell wieder wegnehmen, und ging dann im lebhaften Gespräch mit Caulaincourt noch rascher im Kreise auf und ab.” Seine eigenen Gefühle, nach der Völkerschlacht, spricht G. also aus: - Die preussischen Jäger, welche durch alle Gassen der Stadt die versprengten Feinde verfolgt hatten, rief jetzt das wohlbekannte Horn zusammen; wie diese lang entbehrten Klänge mir das Herz so hoch und freudig hoben, will ich nicht beschreiben. Mir bangte nicht als die Gefahr am höchsten stieg, denn ich hatte in dem allgemeinen Unglücke nichts zu verlieren, als das eigene Leben, und das stand in diesen Tagen nicht hoch im Preise; aber jetzt war mir doch so froh, so freudig, als wäre ich aus Todesangst gerissen. Ich eilte wieder hinaus auf die Gasse. Aengstlich hatten sich die Bürger während des Sturms in die Erdgeschosse ihrer Häuser versteckt; jetzt aber riss sie wie mit einem Schlage Jubel und Freude an die Fenster und auf die Gassen, und das Victoria, das die Sieger riefen, hallte aus Aller Herzen und Aller Munde wieder . . . Gewiss es war ein gewaltiger, erhebender Moment, wie mitten in schrecklicher Noth alles Elend jetzt vergessen, jede Klage auf einmal verstummt war, und Tausende, die der Kummer und die Noth in ihren Häusern umlagerte, doch in diesem Augenblicke von der allgemeinen Freude fortgerissen wurden zu lautem Jubel: – waren sie doch nun frei von der fremden Zwingherrschaft!" Der Aufsatz schliesst mit frommen Wünschen. » Gebe Gott, heisst es daselbst, dass nach allen den blutigen Opfern, die schon gefallen sind, dass nach dem unsäglichen Jammer, der ringsum Alles darnieder beugt, endlich die Völker zum schönen grossen Ziele durchdringen! Wenn aber die Herrschsucht der Mächtigen, wenn der Eigensinn und die Engherzigkeit der Politik die zerbrochenen Ketten nur nett wieder umschmieden wollte, und das deutsche Volkerstände nicht wirklich wieder frei, – da muss

das Blut der Tausende, die im Tode dahin sanken, O

selbst zu einer Bedeutung emporschwang, die ein Gewicht in die Wagschale der Staatsangelegenheiten von Europa zu legen vermochte. Die einzige Quelle zur Geschichte dieses immer merkwürdigen, wenn auch durchaus nicht in allen seinen Handlungen und ihren Motiven löblichen Fürsten, war bisher, ausser den Staatsschriften seiner Zeit, und den grösseren Geschichtswerken, welche, mit den allgemeinen Staatsund Kriegsereignissen, auch seines Antheils an denselben gedenken, vornehmlich die von seinem gewesenen Generalvicar und sowohl in geistlichen als weltlichen Geschäften vertrauten Diener, Johann von Alpen, in zwei starken Bänden verfasste Biographie desselben, die zwar viele, genaue und interessante Nachrichten mittleilt, aber theils der Unparteilichkeit ermangelt, wie sich dies schon durch den apologetischen und panegyrischen Ton, in welchem sie durchaus gehalten ist, ausspricht, theils auch, bei aller Ausführlichkeit in einzelnen Gegenständen, doch

über manche andere, nicht minder bedeutende, nur

leicht hinweggeht, und Lücken oder andere Mängel bemerken lässt. Um nun die von Alpen gegebenen Nachrichten theils zu prüfen und nach Befinden der Umstände entweder zu bestätigen oder zu berichtigen, theils auch zu ergänzen und zu erweitern, fehlt es durchaus nicht an urkundlichem Material. Ausser den Nachrichten, welche wir, unabhängig von Alpen, in den grösseren Werken gleichzeitiger Geschichtschreiber, z. B. in dem bekannten Theatrum Europaeum, bei Pufendorf u. A. zerstreut antreffen, die aber grossentheils aus zuverlässigen Quellen geschöpft sind und daher selbst wieder als Quellen gelten können, ist auch noch ein grosser Theil amtlicher Schriften des Bischofs Christoph Bernhard und auf ihn bezüglich, vorhanden; aber was die Benutzung dieser Materialien ungemein erschwert, ist, dass sie sich nicht an einem Orte beisammen, sondern an vielen zerstreut und grossentheils in Privathänden befinden. Es kann also fürs erste noch nicht die Rede davon seyn, diese Quellenschriften einer kritischen Bearbeitung zu unterwerfen, sondern es kommt erst darauf an, das Wichtigste davon, so wie sich Gelegenheit dazu darbietet, aufzusuchen und allmälig ans Licht zu stellen, um so den Stoff vorläufig zu sichern und zugänglich zu machen. Einen Beitrag dieser Art, und zwar einen recht schätzbaren und dankenswerthen, hat der Vf, in dem unter Nr. 1 vorliegenden Werke geliefert. Den Inhalt dieses ersten Bandes, dessen Anzeige wir, in der bisher getäuschten Erwartung baldiger

Nachfolge eines zweiten, so lange verschoben haben,

umfasst folgende Mittheilungen, aus deren Angabe, wenn sie auch grösstentheils keines Auszugs und keiner eigentlichen Kritik fähig sind, doch der Reichthum und die Bedeutung des Ganzen hervorgeht. I. Unterhandlungen der Stadt Münster mit den General Staaten vor und während der zweiten Belagerung im Jahre 1660. (S. 1 –76.) – II. Einzug des Bischofs in Münster 1661. (S. 77–96.) – Diese beiden Stücke möchten wir für die am wenigsten bedeutenden Bestandtheile der vorliegenden Sammlung halten. Beide sind aus gedruckten, jedoch seltenen Werken entlehnt; das erste, dem Wesentlichen nach aus dem Holländischen des Lieuwe van Aitzema, Residenten der Hanse – Städte, und Agenten der Stadt Münster im Haag (s. dessen Historie of Verhaet van Saken van Staet en Oorlogh in ende omtrent de vereenigten Nederlanden; 1664; 9–10. Deel), verglichen mit dem Theatrum Europaeum, Th. IX.; das zweite aus eben dem jetzt genannten Theile des Theatr. Europ. Wir lassen dahin gestellt, ob die letztere Mittheilung von besonderem Nutzen war, da sie ein blosses Ceremoniell betrifft, und in dieser Hinsicht zwar für die Charakteristik des Bischofs, nach dessen Willen das Ganze angeordnet war, nicht unwichtig ist, aber auch nicht für unbekannt gelten kann, da der Einzug des Bischofs in dem vielverbreiteten Werke von Alpen's mit gleicher Ausführlichkeit beschrieben, und selbst das Theatrum Europaeum, aus dem sie hier entlehnt wird, nicht allzu selten ist. Die erste giebt über die betreffenden Unterhandlungen sehr genaue und vollständige Aufschlüsse, deren Werth jedoch dadurch einigermassen beschränkt wird,

dass jene Unterhandlungen zu keinem Resultate führ

ten, und man mithin aus ihnen nur vollständigere Beweise entnehmen kann, von dem leidenschaftlichen Hasse der Münsterschen Bürgerschaft gegen ihren Bischof, von der Begierde, mit welcher dieselbe alles anwandte, um ihre vollständige Befreiung von der Oberherrschaft desselben durchzusetzen, und auf der andern Seite von dem Kampfe zwischen Bereitwilligkeit und Unschlüssigkeit zu ihrem Beistande, der in Holland so lange währte, bis endlich die günstige Zeit verloren ging. Eine allgemeinere Bedeutung erhalten übrigens diese Verhandlungen dadurch, dass das Verhältniss zwischen den, vereinigten Niederlanden und der Stadt Münster, welches dem Bischof natürlich höchst ärgerlich seyn musste, nicht wenig zu der feindseligen Stellung beitrug, welche der Bischof gegen jene Republik späterhin einnahm, und welche so grosse geschichtliche Wirkungen hervorbrachte.

(Der Beschluss folgt.)

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STAATS WISSENSCHAFT.

LEIPZIG, b. Brockhaus: Ueber die Gesetzgebung der Presse. Ein Versuch zur Lösung ihrer Aufgabe auf wissenschaftlichem Wege. Von Franz Adam Loeffler. Erster Theil. 1837. LXII u. 558 S. 8. (3 Rthlr.)

Es mag vorliegendes, sehr umfangreiches Werk, das auf drei Bände berechnet ist, allerdings einen gemeinnützigen Zweck verfolgen; wir besorgen jedoch, dass dessen Erreichung durch die darin herrschende ziemlich dunkele Sprache gar sehr erschwert werden dürfte. Hr. L. nämlich hat sich kein geringeres Ziel vorgesteckt, als den „Prozess der Presse" mit einem Male für ,,Theorie und Praxis” zu beschliessen. Zu dem Behufe aber will er mit seinem Werke eine „Wissenschaft der Presse" begründen, über deren Absicht er sich etwa, wie folgt, vernehmen lässt: Diese Wissenschaft, sagt er, will „nichts Geringeres, als die Presse in das vernünftige Wissen hinauszuführen, sie in allen Momenten ihrer Existenz begreifen, die aus den Grundbegriffen abfliessenden Nebenbegriffe entwickeln und, während sie (die Wissenschaft) dies schlechthin für die Wissenschaft – (also um ihrer selbst willen!) – vollbringt, darauf die bessern Regeln für die öffentliche Behandlung der Presse erbauen (!?) und die Gesellschaft über eins der allerwichtigsten Momente ihrer staatslichen Existenz aufklären. Die Wissenschaft (nämlich die der Presse) überhaupt muss sich zur Aufgabe machen, je mehr statt ihrer das subjective Theorem zu Tage kömmt, das den Staat als ein todtes Schema gliedert, um ihn sodann später desto leichter und mit demselben Rechte zergliedern zu können, die Rechte des Staats wahrzunehmen, weil sie darin ihr eigenes lebendiges System vertritt. Wie jenes durch sein Bemühen Anarchie in das Literärwesen austrägt (!?): so rettet sie in dem ihren das Princip der Vernünftigkeit und der socialen Ordnung; je mehr sie das Persön

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liche Meinen in seiner leeren Blösse aufdeckt, desto glücklicher bestreitet sie darin das vornehme Heraufkommen der Meinung, als solcher: und in der Anwendung des wissenschaftlichen Gesetzes ehrt und befördert sie den Respect vor den lebendigen Gesetzen des Volks. Hier steht sie (es ist noch immer von der Wissenschaft der Presse die Rede) auf jedem Punkte des staatslichen Lebens, den sie in ihrj Anschauung aufnimmt und dadurch den casuistischen Umtrieben eines hergebrachten Raisonnements entreisst . . . auf der rechten Stelle, wo sie durch nur eine Barriere, welche sie selber ist » Sehr viele andere, oft weit hergehohlte überflüssig macht: und sie kömmt zum Heile des Staats, wie der Staat zu dem ihren G) allemal einen Schritt weiter in der Erkenntniss staatslicher Dinge." – Verstehen wir den Vf, recht, so will er mit seiner Wissenschaft der Presse, die Freiheit der Presse begründen, von der Ansicht ausgehend, die freilich vielfältig getheilt wird es werde durch die unbeschränkte Diskussion mittelst gegenseitigen Ideen-Austausches, die was heit um so gewisser ans Licht gebracht werden. Doch setzen wir unsere Anführungen noch einen Augenblick fort, um den Leser zu einem selbsturtheo ZU. befähigen: »Ob die Presse, sagt Hr. L. weiter, der wissenschaftlichen Auffassung fähig Sey, oder ob etwas dadurch für den Staat und die Wissenschaft Cwelche?) gewonnen werde, ist eben schon eine Frage, welche Völlig schon ausser der Wissenschaft liegt. Wirklich ist die Unkenntniss der öffentlichen Meinung nirgend so allgemein, als in der Pressfrage wiewohl sie gerade hier in ihrer ganzen Mündige sich glaubt. Lichthell offenbart sich dies jo der Furcht vor der Presse oder, was dasselbe Sagen will in den beiden, fast allein nur vernommenen Faj ob die Presse Ursache oder Wirkung Sey, und j eine Revolution machen könne oder nicht? Denn die Furcht VOr dem Dinge ist eben die Frucht davon dass man das Ding nicht kennt . . . Hiernach zu ur

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