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geschlossene englisch-französische Friede hat dazu beigetragen, die euros päische Parteistellung vollständig zu ändern.

Wie der neue Papst, sich von den Franzosen abwendend, immer engere Beziehungen zu dem Kaiser gewann, kam König Heinrich den Engländern immer näher. Die nächsten Monate haben dann eine Verbindung von England und Frankreich herbeigeführt, welche der Freundschaft von Kaiser und Papst entgegenstand. Wenn König Heinrich zum Kriege gegen den Raiser schreiten wollte, durfte er sicher auf eine freundliche Neutralität von England, vielleicht sogar auf eine englische Allianz rechnen.

In Italien hatte damals König Heinrich die päpstliche Allianz als Ausgangspunkt seiner italienischen Bestrebungen verloren, aber er hatte dafür die Nepoten des verstorbenen Papstes, die Farneses gewonnen. In dem Herrscher von Barma, dem kaiserlichen Schwiegersohne Ottavio Farnese, fand die französische Politik bas brauchbarste Werkzeug für ihre Pläne. Wenn es bei dem Kaiser zum festen Entschlusse geworden war, auf die eine oder die andere Weise auch Barma dem Herzogthume Mailand zu annectiren, so fand er in dem Papste einen gütigen Vermittler, der von den Farneses die Aufgabe ihrer Stellung in Parma verlangte. Aber Ottavio lehnte jegliche Vermittlung des Papstes ab: alle Compromisse, die Julius ersonnen und beiden Parteien vorlegte, wurden von Ottavio und seinen geheimen Freunden, den Franzosen, verworfen. Raiser und Papst hatten zulegt sich über einen Plan geeinigt, der auch Gonzaga's Beifall erlangt und in Rom von Mendoza auf das Wärmste vertreten wurde 13): Karl follte in den Besitz von Piacenza und Barma gebracht werden, aber er sollte diese beiden Städte von Bapst und Kirche zu Lehen nehmen; und dafür versprachen Bapst und Kaiser den Herzog Ottavio zu entschädigen: man dachte daran, ihn wieder in den Besiß von Camerino zu seßen und ihm etwa von faiserlicher Seite noch eine jährliche Rente auszuwerfen. Aber Ottavio ließ sich nicht darauf ein. Wiederholt versuchte der Bapst ihm diese Concessionen abzuringen, aber alle Versuche blieben erfolglos: Ottavio beharrte in seiner ablehnenden Haltung 14). In diesen legten Vorgängen hatte sich nun der Papst schon in so hohem Grade compromittirt, daß

13) Karl an Mendoza vom 30. October 1550 und Gonzaga an Karl vom 12. Dezember (A. V. S.)

14) Instruktion für den Bischof von Fano an den Kaiser geschickt, vom 26. Januar 1551 und Sendung des Pietro Camaiani an Ottavio vom 16. Februar 1551. (Beides in der Sammlung Berzosa8.) Vgl. auch Nibier II. 315 ff.

es für ihn nicht mehr möglich war, jene Abweisungen Ottavio's geduldig hinzunehmen, jene Auflehnung seines Vasallen gegen seinen oberherrs lichen Willen zu bulden. Da hielt er es für geboten seinen vertrauten Staatssekretair selbst an den Kaiser zu schicken und durch ihn dem Kaiser zu erklären 15), daß er sich fest entschlossen habe, in den italienischen Fragen eng vereint mit dem Kaiser zu bleiben: wenn er fähe, daß Ottavio, auf französische Hülfe gestüßt, Unruhen erregen wolle, sei er als Lehnsherr entschlossen, gegen den rebellischen Vafallen auch zu Zwangsmitteln zu schreiten.

So trat Papst Julius III. von Tag zu Tag entschiedener auf; in der Conzilangelegenheit und in der italienischen Territorialfrage Eines Sinnes mit dem Raiser, fuhr er in dem Consistorium heftig gegen die Farneses und ihren französischen Protektor heraus. Aber auch hier hatte sich mit den particularen Interessen Italiens die allgemeine Sache verwickelt. König Heinrich schien damals den Zutritt Frankreichs zu dem allgemeinen Conzile zu verweigern und schien seine Zuflucht zu gallicanischen Conzilen, zu gallicanischen Ideen zu nehmen 16). Und diese religiöse Haltung der französischen Politik stachelte den geistlichen Herrn zu heftigerem Grolle auf; es lag nicht in der Natur dieses Italieners, in seinen Aeußerungen Maß zu halten: er sprach von einer Absegung des französischen Königs durch sein päpstliches Machtgebot ; und Raiser Karl, der Feind der Franzosen, mußte ihm vorstellen, in seinen Drohworten gegen Frankreich vorsichtiger einzuhalten 17). Noch einen letzten Versuch, ob er König Heinrich in friedlicher Weise aufhalten könne, madyte der Papst, als er seinen Neffen Ascanio della Cornia an den französischen Hof sandte 18): Heinrich möge doch einsehen, daß Ottavio's Verhalten nicht mehr zu ertragen sei und von

15) Sendung des Dandino, des Kardinales von Imola vom 31. März 1551. P. d'Etat III. 504.

16) Ribier II. 317 ff.

.17) In Simancas ist ein Bericht: „Lo que passo su md. con el Dandino“ (leg. 876 fol. 150) über Karl’s Gespräche mit diesem päpstlichen Gesandten; Karl ertheilt darin dem Papst die Antwort: aunque su sd. avia apuntado a D. Diegoh que queria proceder a privacion del dicho rey como cismatico y envestir de su reyno a su mdo y a su alteza, teniendo en lo que devia esta voluntad y agradesciendola, no podia dexar de suplicarle que moderase como confiava lo haria el justo sentimiento que dello tenia para guiar las cosas por el camino que conviniese evitando de dar causa al rey de meterse en cosa no conveniente.

18) P. d'Etat III. 529.

Ottavio seine schüßende Hand abziehen. Aber auch dies half nichts. Man wurde in Italien bald handgemein. Von Seite Ottavio's und von Seite der Kaiserlichen fam es zu feindlichen bewaffneten Schritten.

Es hatte der Bapst sich entschlossen, gegen Ottavio von den kaiserlichen Waffen Gebrauch zu machen. Gonzaga führte das Heer, das im Namen des Papstes Ottavio ftrafen sollte, und der faiserliche Schat gab die Geldmittel her, des Papstes Politik zu unterhalten. Eine päpstliche Anleihe bei dem Kaiser war die Form, in welcher Unterstügung geleistet wurde: aber es wurde unter den Contrahenten im Zweifel erhalten, ob der Papst das geliehene Geld wirklich zurückzahlen müsse 19).

So sah man schon in den Sommermonaten des Jahres 1551 einen Zusammenstoß kaiserlicher und französischer Streitkräfte auf diesem italienischen Boden. Noch war der förmliche Bruch der beiden Mächte nicht erfolgt, noch verkehrten Karl und Heinrich nach üblichem Brauche in diplomatischem Verkehre, noch verhandelte man über die Beilegung der lokalen Differenzen; aber man schlug schon in Italien, der Franzose als Protektor des italienischen Rebellen, der Kaiser als Helfer des strafenden Bapstes. Es lag auf der Hand, daß dieser Zustand nicht bauern konnte, - und das hatte man auf beiden Seiten eingesehen. Auch der Kaiser jann in jenem Sommer auf einen umfassenderen und nach: haltigeren Angriff gegen Frankreich. In diesen Monaten, die den Höhea punkt seiner Macht in deutschen Dingen bezeichnen, beabsichtigte er einen recht nachdrüclichen Schlag gegen den französischen Rivalen zu führen, dessen geschäftige Thätigkeit er überall in seinem Wege fand. Mit den Erben, von Navarra waren schon in den lezten Jahren wiederholt Beziehungen eröffnet worden, den navarrischen Rechtsstreit durch irgend einen Compromiß zu beschließen und diese französische Familie in dienstbeflissene Ergebenheit von Spanien zu bringen. Jetzt nahm man diesen Plan ernstlich in Erwägung. In Augsburg wurde eine

19) Am 27. Juli 1551 Yegt Julius III. in langem Schreiben Karl feine Lage bar und ganz besonders seine italienischen Bedrängnisse, die ihn dazu zwingen, bei Karl Shutz zu suchen. Er dringt auf die Unterstüßung Karl'8, wie er ja auch Kari durch mezzi frutti unterstüten wolle; über die Anleihe bei Karl äußert er fich: si havero modo di render li denari il che piaccia pur a Dio che sia, li rendero piu volentieri che V. M. non li pigliera; si non havero il modo, so che ella non mi fara scomunicare ne mi mandara il bargello a casa. Die Neußes rung über das Conzil aus demselben Schreiben im Anhange VIII. 3.

dauernde Verbindung besprochen, die einen faiserlich-spanischen Einfall in Südfrankreich vorbereiten sollte. Aber nachdem man genauer ben Stand der Dinge auf dieser Seite untersucht hatte, entschloß sich Karl zulegt doch, dieses so gefährliche Wagniß nicht zu versuchen und mit dem navarrijchen Fürsten nicht eher sich zu binden, ehe nidyt sichere Garantien für den Erfolg des gemeinsamen Unternehmens beigebracht seien 20). Nichtsdestoweniger aber war Karl entschlossen, den ihm ges botenen Handschuh aufzunehmen und den Krieg gegen König Heinrich, wenigstens auf italienischer Seite, mit allen Kräften zu führen 21).

3m September 1551 waren die beiden Gegner überzeugt, daß auch der offene Krieg nicht länger zu vermeiden sei, fie schritten ungescheut zu dem definitiven Bruche. König Heinrich ging mit der rücksichtslosesten Entschiedenheit vor; dem kaiserlichen Gesandten ließ er seine Pässe geben; seinem Königreiche gebot er unter feinem Vorwande irgend eine Geldzahlung an den Papst zu leisten, und dem von Papst und Kaiser berufenen Conzile ließ er die Erklärung zugehen, daß die französische Kirche sich ihm nicht unterordnen werde 22).

Der enger geschlossenen Verbindung von Papst und Raiser ist hier: durch der französische König offen entgegengetreten. Heinrich hat sich offen als den Mittelpunkt aller europäischen Oppositionen gegen Habsburg hingestellt, er hat offen die Führerschaft in einem europäischen Kriege gegen Karl's Kaiserstellung ergriffen.

Und dieser Angriff sollte nicht auf einen Punft beschränkt bleiben: es war von vorne herein ein combinirter Plan allseitigen Angriffes in's Auge gefaßt.

Auch mit den Türken kam jetzt wieder eine französijde Alianz zu Stande 23). Man hatte vor einigen Jahren den Abschluß eines Friedens zwischen Karl und dem Sultan trop tes Aufgebotes aller Münste nicht zu verhindern vermocht. Und wie Suleiman in den Berserkrieg

20) Karl an Max und Maria (die Regenten von Spanien) 11. September 1550. (Leg. 645. fol. 45.) Karl an Maria vom 13. Juni 1551. (Lég. 646. fol. 29.) Memorial, das die letzten Forderungen Navarras enthält, vom 21. August 1551 in den Pariser Simancas-Papiereul. Karl an Philipp vom 13. September 1551, welches Schreiben die Bedenken Karl's darlegt. Leg. 646. fol. 82.

21) Karl an Philipp vom 23. September. (leg. 646. fol. 91.)

22) Renard an Karl ans Paris vom 14. September 1551. (Archives de l'Empire.) Vgl. auch Heinrichs Mandat vom 7. September Ribier II. 343 ff.

23) Vgl. über diese türkischen Beziehungen seit 1547 die Akten bei Charrière II. 30—170.

gezogen war, hatte das Abendland eine Zeit der Ruhe genossen. Jeßt aber war der Sultan siegreich zurückgekehrt, und jegt hatte der spanische Angriff an der norðafrikanischen Küste aufs Neue seinen Zorn gereizt. Der französische Diplomat in Konstantinopel wußte diese Umstände wohl zu benußen; es gelang ihm, einen neuen Türkenangriff auf Karl's Stellungen hervorzurufen. Man wünschte in Frankreich, daß die türkische und die französische Flotte sich im Mittelmeere zu gemeinsamen Operationen vereinigten, und daß vor Allem ein Angriff auf Neapel gemacht werde 24). Wenn so im Süden Italiens die spanische Herr- . chaft bedroht wäre, gewann Heinrich, selbst von Piemont aus operirend, mehr und mehr Aussicht, auch aus dem oberen und dem mittleren Stalien nach und nach die Spanier zu vertreiben.

Und wie in demselben Sommer die englische Macht sich an Frantreich anzulehnen Miene machte, wie in den ausgesuchtesten Höflichkeiten der beiden Monarchen sich die freundliche Gesinnung der beiden Regierungen äußerte, wie endlich auch der beabsichtigte Ehebund des jungen Königes von England mit einer französischen Prinzessin dem politischen Bunde Dauer zu geben verhieß 25), da famen in den Beziehungen zum Kaijer recht ärgerliche Vorfälle hinzu, die, in den religiösen Differenzen der beiden Mächte wurzelnd, Karl und Eduard vollständig zu überwerfen drohten. Zunächst war es freilich der englischen Regierung nicht möglich, in dem europäischen Kriege handelnd aufzutreten; aber auch dies konnte je länger je leichter herbeigeführt werden26); und einstweilen wenigstens stand die englische Macht in feindlich beobachtender Haltung dem kaiserlich - französischen Kriege gegenüber.

Die solideste Basis aber für seine Pläne fand Heinrich in den Zuständen Deutschlands. Anscheinend zwar war die kaiserliche Macht frafterfüüt über Deutschland verbreitet, anscheinend hatten die zuletzt errungenen Siege eine kaiserliche Regierung über die 'Nation aufgerichtet, wie sie lange nicht so kraftvoll gewesen; aber in vielen und gerade recht wesentlichen Beziehungen war der Sieg farl's doch nur ein scheinbarer zu nennen, den es jegt erst auf die Dauer zu bes festigen galt. Vor allem in der für den Bestand seiner Herrschaft so wichtigen Frage der spanischen Succession war Ferdinands Unlust zwar gedrückt, zwar niedergehalten, aber keineswegs entwurzelt, keines

24) Instruktion für mon vom 17. Mai 51 Ribi II. 297 ft.
25) Calendar 109. Tytler I. 385 ff. Froude V. 211 ff.
26) Sendung Wotton’8 zum Kaiser, Calendar 87 und 137 ff.

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