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VERLAG VON GUSTAV MAYER.

18 5 7.

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VORREDE.

Es

war meine Absicht, in der vorliegenden Ausgabe das gesammte kritische wie exegetische Material nach streng philologischer Methode in möglichster Vollständigkeit zu verarbeiten; allein je weiter ich in der Arbeit vordrang, desto drückender fühlte ich die Mängel derselben und desto schmerzlicher empfand ich die Wahrheit des Göthe’schen Ausspruches, dass Alles, worin man sich ernstlich einlässt, ein Unendliches ist. Eine abschliessende Vollständigkeit vermochte ich schon desshalb nicht zu erreichen, weil mir nicht nur diejenigen Quellen und Hülfsmittel mangelten, welche ausschliesslich in England vorhanden sind, sondern mir auch manches deutsche Werk unzugänglich blieb, trotzdem dass mir die Benutzung der Königlichen Bibliothek zu Berlin verstattet war, wofür mir an dieser Stelle öffentlich zu danken vergönnt sein möge. Allein dessenungeachtet übertrifft meine Ausgabe, wie ich ohne Anmaassung sagen darf, die grosse Mehrzahl ihrer Vorgängerinnen an Reichhaltigkeit; ob auch in andern Beziehungen mögen kundige Leser und Beurtheiler entscheiden.

Die von mir benutzten Ausgaben sind die von Pope (Glasgow 1756), Theobald (1772), Warburton (1747), Collier und Knight (1847), die beiden Fleischer'schen von 1811 in 20 Bänden und von 1833 in 1 Bande, sowie die Ausgaben von Francke und Delius. Von Steevens' Reprint habe ich mich einer sorgfältigen Abschrift bedient und zu grösserer Vorsicht einige Stellen, wo ich mich auf diese allein verlassen musste, durch ein eingeklammertes Fragezeichen bezeichnet.

Bei der Gestaltung des Textes bin ich von der Ansicht ausgegangen, dass der beste Text in der Quartausgabe von 1604 (QB) enthalten ist, und dass alle übrigen Drucke und Hülfsmittel nur als Verbesserungsmittel desselben zu betrachten sind. Ob ich diese Ansicht überall folgerichtig durchgeführt habe, kommt mir zu entscheiden nicht zu; über einzelnes werden allerdings stets Meinungsverschiedenheiten obwalten. Den Umfang der Textkritik zeigt die Thatsache, dass meine Recension von der Collier’schen, welche durch den Abdruck in der Tauchnitzer Sammlung gegenwärtig wenigstens in Deutschland die verbreitetste sein möchte, an mehr als anderthalb hundert Stellen abweicht, ungerechnet die öfters nicht unwesentlichen Verschiedenheiten in Schreibung und Zeichensetzung. Den Text selbst habe ich in Paragraphen eingetheilt, eine Neuerung, die für das philologische Studium Shakespeare's unerlässlich ist und von der es unbegreiflich erscheint, dass sie noch kein einziger Shakespeare-Herausgeber eingeführt hat. Einen Versuch hierzu hat allerdings ganz kürzlich Professor Craik in Belfast gemacht, dessen vortreffliche Ausgabe des Julius Cæsar (The English of Shakespeare &c. London, 1857) mir erst während des Druckes

ugekommen ist. Allein Professor Craik hat die Reden gezählt, wodurch eine Antwort, die nur aus einem Halbverse besteht, in gleichen Rang mit einem seitenlangen Monologe gesetzt wird. Ich habe dagegen meinen Paragraphen eine möglichst gleichmässige Länge zu geben und dadurch das bisher äusserst beschwerliche und unsichere Nachschlagen und Anführen bequem und sicher zu machen gesucht. Eine andere Art der Einthei

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lung ist wegen der in Shakespeare's Stücke eingestreuten prosaischen Stellen unmöglich; aus demselben Grunde ist auch die Zählung in der Meyer'schen Ausgabe des Julius Cæsar (Hamburg, 1857) gänzlich unbrauchbar, da sie sich nicht in andere Ausgaben übertragen lässt.

Manchem Leser wird vielleicht die Zahl der Citate und Parallelstellen zu gross erscheinen; allein ich habe absichtlich auf diesen Punkt einen grössern Werth gelegt als gewöhnlich geschieht, nicht aus gelehrter Prunksucht, sondern weil hierin in der modernen Philologie bisher viel zu wenig gethan worden ist, und ein Uebermaass mithin weit weniger nachtheilig erscheint als ein Mangel. In der neueren Philologie hat sich noch nicht, wie in der klassischen, eine langjährige feste Praxis gebildet, und es ist daher hier doppelt schwierig, das rechte Maass zu treffen.

In allem Uebrigen mag das Werk für sich selber sprechen. Ich übergebe es der Oeffentlichkeit mit dem Wunsche, dass es das philologische Studium der englischen Sprache und Literatur befördern helfen und seines grossen Gegenstandes nicht unwürdig befunden werden möge. DESSAU, 4. Juni 1857.

K. E.

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