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früher Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts an der Uni-
versität Lüttich, dermalen Hof- und Staats - Bibliothekar Sr. Majestät

des Königs der Niederlande im Haag.

Z w eiter Theil.

Konkordate der neuern Zeit.

Leipzig, 1831.
J. C. Hinrichssche Buchhandlung.

Vorwort.

Der Herausgeber dieser Sammlung hat seiner Arbeit die grösstmöglichste Vollständigkeit zu geben gesucht und darum nicht nur die eigentlichen Aktenstücke, welche den Text der Konkordate enthalten, sondern auch diejenigen, welche auf die Geschichte ihres Entstehens, die geheimen und öffentlichen Unterhandlungen, so wie auf die aus ihnen entsprungenen Folgen sich beziehn, dem Publikum mitgetheilt; ferner ist aus Gründen, die in der Geschichte der neuesten Zeit liegen, der einen oder andern geschichtlichen Einleitung grössere Ausführlichkeit geworden; zumal gilt dies von der Rubrik „Schweizerische Konkordate“, wo das Publikum den grössten Dank einem geistreichen und durch Schicksale und Verdienste gleich verehrungswerthen Publizisten schuldig ist, welcher das Werk mit einer so ansehnlichen Beisteuer bereicherte. Der Herausgeber selbst besitzt jedoch noch wichtige Materialien, Aktenstücke und Denkwürdigkeiten mancherlei Art, welche mit den Konkordaten und deren Geschichte in genauester Verbindung, stehn; auch ist vielfach der Wunsch geäussert wor

den, dass dieser Sammlung noch die Unterhandlungen und Konventionen mit den Hussiten, als gleichsam ebenfalls Konkordate, sodann eine Darstellung der Oesterreichischen und Italienischen Kirchenverhältnisse, derUnterhandlungen der spanischen Cortes für ein Konkordat jm J. 1822, eine Schilderung der Negotiationen verschiedener Südamerikanischer Republiken mit dem heiligen Stuhl für ähnlichen Zweck, sodann auch eine Geschichte der Nuntiaturen, zumal in Teutschland, als mit den Konkordatsaffairen genau zusammenhängend, beigefügt werden möchten. Um dem anfänglichen Plan dieser Sammlung nicht allzu ungetreu zu werden und die ursprüngliche Verpflichtung gegen das Publikum zu erfüllen, hat man sich auf die zwei Bände beschränkt, welche somit auf jeden Fall ein geschlossenes Ganzes ausmachen; doch wird der Herausgeber in einem Supplementbande, der auch als für sich bestehend, und unter besonderm Titel angeschafft werden kann, das so eben Angedeutete nachliefern. Nicht minder wird er ein kritisch-litterarisch-historisches Verzeichniss aller wichtigern Schriften aus älterer, und neuerer Zeit, welche auf Konkordate und Konkordats-Verhandlungen sich beziehen und somit eine vollständige Uebersicht der Quellen für Bearbeiter des kirchenrechtlichen Faches dem Supplementbande anreihen. .

An der langen Verzögerung des Erscheinens der zweiten Abtheilung trugen die politischen Wirren

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schuld; der geneigte Leser wird übrigens auch erkennen, wie wahr sowohl in Bezug auf die Niederlande, als auf die Schweiz, in dem 'geschichtlichen Kommentar geweissagt worden ist*). Alles traf ein, ehe noch der Band ausgedruckt worden. Die Splitter des zerbrochenen Schwertes der weltlichen Macht in ersterm Lande drangen der niederländischen Freiheit in's Auge; die Ungebühr der Theokratie aber, welche mit ihrer Freundin, der Oligarchie, in Helvetien so eng sich ver

*) Der Herausgeber hatte manches inzwischen Erfolgte auch schon früher, im J. 1828, geweissagt, bei Anlass des Abdrucks und der Kommentirung des ersten nachtheiligen Entwurfs, welcher von der Nuntiatur den konkordirenden Kantonen aufgedrungen werden sollte. Dieser Aufsatz sollte zuerst in der Allgemeinen Kirchenzeitung zu Darmstadt abgedruckt werden; allein höhere Rücksichten nöthigten die Censur zur Verweige. rung des Imprimatur. Nichts desto weniger drückte der nunmehr verstorbene Minister von Grolmann sein Gefühl der Theilnahme und der Zuneigung zu allen Ansichten des Verfassers in einem Briefe aus, der noch vorhanden und für die Gesinnung jenes Staatsmannes ein nicht unrühmliches Denkmal ist; er drückte 'ferner sogar den Wunsch aus: der Aufsatz möge in irgend einem andern Journale dennoch erscheinen. Dies geschah im Hesperus, und er machte solchen Eindruck, dass er in der Schweiz in Vielen hundert: Exemplaren abgedruckt und verbreitet wurde und dass er die öffentliche Meinung über das Angedrohte nicht wenig aufklären half. Der Nuntius war damit, natürlich, böchst unzufrieden und die guten Freunde zu Lüttich, wohin der Verf. später berufen worden, waren bereits davon so genau unterrichtet, dass der Courier de la Meuse bald nach seiner Ankunft im wallonischen Athen den neuen Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts ganz besonders wegen dieser Konkordatsaffaire als Ketzer und Freigeist verschrie.

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