Gesammelte werke, Band 20

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Seite 150 - Von allen Schrecken des beginnenden Krieges erschien dem Volke selbst keiner so unheimlich, als eine plötzliche Entwerthung des Geldes. Für die Phantasie des leidenden Geschlechts wurde das Übel um so ärger, weil es in die trübe Stimmung der Jahre scheinbar plötzlich einfiel, weil es überall die gehässigsten Leidenschaften aufwühlte und Unfrieden in den Familien, Haß und Empörung zwischen Gläubiger und Schuldner, Hunger, Armuth, Bettelhaftigkeit und Entsittlichung zurückließ.
Seite 253 - Willenskraft gebrochen, das warme Herz erstarrt ist. Der klare, abwägende, billige Sinn ist dem Deutschen geblieben, der Adel politischer Leidenschaft ist ihm verloren. Es ist ihm gar nicht Freude und Ehre, Bürger eines großen Ganzen zu sein, er hat kein Volk, das er liebt, er hat keinen Staat, den er ehrt, er ist ein einzelner unter einzelnen, er hat noch Gönner und Mißgönnet, gute Freunde und arge Feinde, kaum noch Mitbürger, kaum noch Landsleute.
Seite 48 - Mätresse" des Obersten, einer großen Dame, die mit ihrem Hofstaat unter besonderer Bedeckung reiste und als einflußreiche Person vom Regiment eifrig besprochen wurde, bis zur Dirne eines armen Pikeniers, die, ihr Kind auf dem Rücken, mit wunden Füßen über das Blut der Schlachtfelder laufen mußte, und bis herab zu der Vettel, die aufgegeben hatte begehrenswert zu erscheinen, und durch die lange Gewöhnung an wilde Aufregungen beim Heer festgehalten wurde, wo sie sich durch die schmutzigsten...
Seite 344 - Seit der Erhebung des Volkes im Jahre 1813 ruht Leben und Gedeihen des Staates, Kraft und Fortschritt der menschlichen Bildung in dem deutschen Bürger. Das Bürgerthum ist nicht mehr wie im Mittelalter ein Stand, der andern Ständen gegenübersteht, es ist die Nation selbst geworden.
Seite 68 - Fünsen oder Sechsen, manche zwei Es oder Daus, andere waren mit Quecksilber und Blei gefüllt, mit zerschnittenen Haaren, Schwamm, Spreu und Kohlen; es gab Würfel von Hirschhorn, welche oben leicht, unten schwer waren, Niederländer, die man schleisend rollen mußte, Oberländer, welche „aus der bairischen Höhe" geworfen werden mußten, wenn sie gut fallen sollten.
Seite 60 - Iungen bekommen gute Aemter, sie werden Haushälter und Kellermeister über anderer Leute Gut. Wo der Wirth mit Weib und Kind verjagt ist, da haben Hühner, Gänse, sette Kühe, Ochsen, Schweine und Schase böse Zeit, Dann theilt man das Geld mit Hüten, mißt Sammt, Seidenzeug und Tuch mit langen Spießen aus, schlachtet eine Kuh um der Haut willen, schlägt Kisten und Kasten aus, und wenn Alles geplündert und nichts mehr da ist, steckt man das Haus in Brand. Das ist das rechte Landökuechtseuer,...
Seite 117 - Gemeindglieder noch zur Betstunde zusammen. Sie waren stark und eifrig im Trösten und Strafen, denn je größer das Elend war, desto mehr Grund zur Unzufriedenheit fanden sie auch in ihrer Gemeinde.
Seite 78 - Schlachttage unter dem Kleid angelegt. Erhielt der Träger doch eine Wunde, so war fremdes Garn unter das zauberkräftige gemischt worden. Gern suchte der...
Seite 88 - Die Erde ist mein Bett, der Himmel meine Decke, der Mantel mein Haus, der Wein mein ewiges Leben**.« »Sobald ein Soldat wird geboren, sind ihm drei Bauern auserkoren: der erste, der ihn ernährt, der andere, der ihm ein schönes Weib beschert, der dritte, der für ihn zur Hülle fährt"*.
Seite 12 - Gerade die Lehre aber, welche wie die Morgenröthe eines bessern Lebens erschienen war, sollte dazu beitragen, dem Volke das Bewußtsein seiner politischen Ohnmacht zu geben, und sie selbst sollte durch diese Ohnmacht einseitig und engherzig verbildet werden...

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