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und dabei so ruhig blieb, als ob sie wie Daniel im feurigen Ofen wäre; daß sie repanirt werden sollte, und sich's ruhig gefallen ließ, eben so ruhig aber auch hörte, daß man es doch nicht wagen wolle, weil die Sachverständigen fürchteten, sie möchte unter der Operation sterben. Noch sehe ich die Verklärung auf ihrem abgemagerten Gesichte, als sie mir sechzehn Iahre vor ihrem Tode sagte, daß sie nun auch ihren letzten Feind, den Wunsch nach dem Tode, überwunden habe.

So Etwas muß man gesehen und erfahren haben, um zu wissen, was wahre Mystik oder gänzliche Hingebung an Gott aus Liebe zu ihm vermag und ist. Früchte zeugen von dem Baum.

Und nun, darf ich doch sagen: Möchten Sie eine wahre Mystikerin seyn l

Sechs und zwanzigster Brief.

An den Herrn Präsidenten von S.

>2ie merkten wohl, sagten Sie, daß nicht alle Menschen zur Mystik fähig seyen; und das mag wohl wahr seyn, ob ich gleich nicht entscheiden will, ob sie sich nicht dazu unfähig gemacht haben und wieder fähig dazu werden könnten. Sind doch nicht alle Menschen fähig zu tiefem Gefühle, zu kindlichem Glauben, zu echter, reiner Liebe! Wie sollten sie es denn seyn zu dem tiefsten Ge« fühl, zu dem kindlichsten Glauben, zu der geistigsten, innigsten, erhabensten Liebe? Auch knüpft die Bibel das Schauen Gottes, das Gefühl seiner Nähe, seiner Berührung, das Wesentliche der Mystik an gewisse Bedingungen an, die nichts weniger als Kenntnisse sind, sondern weit mehr als diese. „Wer wird stehen an der heiligen Stätte des Herrn?" sagt David.*) „Wer unschuldige Hände hat und reines Herzens ist." — „Selig sind die reinen Herzen," sagt Iesus, „sie werden Gott schauen." **) Daher auch die Mystiker von einem dreifachen Wege reden: Reinigung, Erleuchtung, Vereinigung. Nicht Erleuchtung erst. Echte Reinheit des Herzens und nicht Sprachkenntniß, philosophischer Geist oder irgend eine Gelehrsamkeit. Im Gegentycil! Iesus preiset seinen Vater im Himmel, daß er den Geist seines Evangeliums den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen (den Kinderseelen) offenbaret hat. ***) Paulus schreibt an die Korinther: ****) „Das Wort vom Kreuz ist eine Thorheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft; denn es steht geschrieben: ich will zu nichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen. — Der gekreuzigte Christus ist den Iuden ein Aergerniß und den Heiden eine Thorheit, uns aber göttliche Kraft

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und göttliche Weisheit. — Nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was thöricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache. Und was schwach ist vor der Welt, das hat er erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist. Und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das da Nichts ist, daß er zu nichte mache, was Etwas ist." — Und nun der tiefe, psychologische Grund: „auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme;" damit der Mensch den Grund der hohen Wohlthat, daß Gott sein Liebstes, Einziges für die Menschen hingegeben habe, nicht in sich suche, und dadurch der Grund aller Sittlichkeit, Demuth verunreinigt werde, wobei denn auch die Dankbarkeit nicht mehr rein bleiben würde. Dies Wort des Apostels ist auch in allen Zeiten bei vielen hundert Vernünftlern, Grüblern, sogenannt."n Philosophen, die Musik sehen und Liebe anatomiren wollen, um zu wissen, ob Etwas daran sey, erfüllt worden. Keine Lehre des Christenthums hat mehr Anstoß gegeben, ist mehr für Thorheit, für schädlich erklärt, und deßwegen mehr verdreht, verwassert, in Schatten gestellt worden, als die Lehre von Erlösung des Menschen, und besonders durch seinen Tod, da

doch der Mittelpunct des Christenthums das tiefste, heiligste Geheimniß und zugleich die Feder ist, die den ganzen innern Menschen auf die natürlichste Art in Bewegung setzt, und allein so in Bewegung setzen kann, durch Glauben an Liebe und durch Liebe. Niemand soll sich indeß entschuldigen, daß er zu diesem mystischen Leben nicht tauge, weil sein Herz nun einmal unrein sey. „Das Blut Iesus Christus," der Glaube an die aufopfernde Liebe Iesus reinigt; ein reines Herz wird dann geschaffen. Auch ist/ es keine Entschuldigung, daß ein Mensch zu sehr in Geschäfte verwickelt sey, um so in sich zu kehren, wie es das innere Leben in Christus erfordert. Ist er einmal nur auf dem rechten Wege dazu, so wird ihn der Geist mitten unter seinen Geschäften erinnern, antreiben, warnen, leiten, wenn er sein Inneres nur offen erhält für diese Stimme. Gelehrte, wissenschaftlich Gebildete sind freilich in der Regel weniger empfänglich für wahre Mystik, weil sie zu wenig kindlichen Sinn haben, weil es ihnen schwerer wird, der Wahrheit recht zu geben gegen sich selbst, weil sie nicht so leicht wahrhaft dcmüthig sind, und weil sich in ihr Wissen sehr leicht manchmal unvermerkt der Zweck, etwas in der Welt zu gelten, einmischt. Schon das ist Hindernis), daß sie einseitig zu viel Werth auf das Wissen setzen, und

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