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leichteste Mittel, Sinn in diese Worte zu bringen, scheint allerdings die von Dr. Morehead empfohlene und von Collier aufgenommene Zeichensetzung, der wir daher gleichfalls gefolgt sind; Collier erklärt die Stelle danach: “that monster, custom, who is a devil, devouring all sense of habits, is still an angel in this respect &c.'

The next more easy With wondrous potency.] Auch diese
Verse fehlen in FA.

And master the devil,] So lesen QD, QF und QG; die übrigen
Qs: And either the devil. Wie haben die Fs?
Pointing to Polonius.] Fehlt in StR.

156 Their scourge and minister.] Their' bezieht sich auf 'heaven', als hätte der Dichter geschrieben: but heavens have pleas'd it so.

One word more, good lady.] Diese Worte fehlen in den Fs.
Let the bloat king] Die Fs lesen : the blunt king.

Wegen bloat' vgl. Nares und Webster.

A pair of reechy kisses] Dem schlemmenden Könige dringt der Weindunst und die Hitze gemeiner Sinnlichkeit aus allen Poren und bei jedem Athemzuge heraus; daher the rank sweat of an enseamed bed' (S. 150) und ‘reechy kisses’. Reechy = reeky; steaming with exsudation' erklärt es Henley. Nares s. Reechy.

A gib] Gewöhnlich "a gib - cat', soll eine alte männliche Katze 157 sein, jetzt ‘Tom - cat' genannt. Es kommt nach Nares von 'Gilbert'. Dass es auch von weiblichen Katzen gebraucht wird, zeigt Beaumont und Fletcher The Scornful Lady V, 1, wo eine Zofe 'your gibship’ geschimpft wird. In dem franz. Reineke Fuchs heisst die Katze Tibert, was Chaucer im Romaunt of the Rose 6204 durch 'Gibbe our cat' übersetzt hat. In dem alten Lustspiel Gammer Gurton's Needle spielt “Gibbe our cat' eine grosse Rolle. Vgl. Henry IV, 1 P., I, 2 (I am as melancholy as a gib- cat); B. Jonson Bartholomew Fair I, 4.

Unpeg the basket fc.] Hamlet spielt hier auf eine unbekannte alte Fabel an; nach Warner war es eine Fabel vom Affen und den Rebhühnem. Nach den hier gebenen Andeutungen muss der Inhalt folgender gewesen sein: Ein Affe findet auf dem Dache des Hauses einen Korb mit Rebhühnern stehn; eröffnet den Deckel, und die Rebhühner fliegen eins nach dem andern heraus. Darauf steigt er selbst in den Korb, um das ihm gegebene Beispiel nachzuahmen, springt heraus, um davonzufliegen, stürzt aber vom Dache und bricht den Hals.

To try conclusions] Conclusion' erklärt Nares: An experiment; something from which a conclusion may be drawn. “To try conclusions' ist eine formelhafte Verbindung; vgl. Merchant of Venice II, 2. Cymbeline I, 6.

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I must to England;] Wie Hamlet Kenntniss davon erhalten hat, dass er nach England geschickt werden soll, ist nicht klar. Allerdings hat der König schon in §. 113 seinen Entschluss gegen Polonius ausgesprochen, und wir müssen also annehmen, dass der ohnehin auf seiner Huth befindliche Hamlet gleich der Königin irgendwie von dem Vorhaben Kunde erhalten hat. Dass er nachher, als ihm der König die Sache ankündigt, sehr erstaunt thut, steht keineswegs im Widerspruch damit, dass er bereits von Allem

unterrichtet ist. 158

There's letters seal'd fc.] Dieser und die acht folgg. Verse fehlen in den Fs. Auch in QA ist keine Spur davon. Mit Delius Sh. - L. 192 eine Streichung derselben durch den Dichter selbst anzunehmen, erscheint sehr gewagt und unbegründet.

Wegen der Betonung school- fellows' vgl. Mommsen P.-S. 360 folg. und 496.

Adders fang’d] "That is, adders with their fangs or poisonous
teeth, undrawn.' Johnson. Es ist bekannt, dass die Taschen-
spieler den Schlangen die Giftzähne auszuziehen pflegen, nach
welcher Vorsichtsmassregel sie ihnen allerdings trauen können.

Hoist] hoised, von 'to hoise'. Dies war die ursprüngliche
Form, die aber jetzt in 'to hoist' verderbt ist.

I'll lug the guts] "The word guts was not anciently so offen-
sive to delicacy as it is at present'. Steevens.

Who was in life a foolish prating knave.] So lesen die Fs.
QB folgg.: a most foolish &c., was wahrscheinlich durch ein Ver-
sehen aus dem vorigen Verse in diesen übergegangen ist. QD:
Who was in 's life &c.

To draw toward an end with you.] Dieser Vers (und manche
ähnliche) verlangt scheinbar die Betonung toward; allein da in
dem heroischen Verse in jedem Fusse, den letzten ausgenommen,
ein Trochäus statt eines Jamben stehen darf, vorausgesetzt, dass
es nicht in zwei auf einander folgenden ssen geschieht, so halten
wir auch hier die gewöhnliche und von der Analogie geforderte
Betonung “tóward' für richtiger. S. zu §. 6.

Exit Hamlet &c.] Dies scheint die Fassung der FA zu sein. QA: Exit Hamlet with the dead body; QB folgg. bloss : Exit. 159 Act IV] Mit Recht bemerkt Johnson, dass die von Rowe

vorgenommene Eintheilung in Akte und Scenen an dieser Stelle
besonders unpassend sei, indem gerade hier die Handlung so un-
unterbrochen fortlaufe wie vielleicht an keiner andern Stelle des
Stückes. Der König treibt wiederholt zur grössten Eile an; die

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Sonne, sagt er, solle die Berge nicht berühren, ehe er nicht Hamlet zu Schiffe gebracht habe; noch in dieser Nacht müsse er nach England unter Segel gehen (S. 167). Der nächste Ruhepunkt, welcher sich für den Beginn des vierten Aktes geeignet zeigt, ist die vierte Scene (§. 168), wo Hamlet auf dem Wege nach dem Hafen dem Fortinbras begegnet. Wäre es überhaupt rathsam, von der hergebrachten Akteintheilung abzugehen, so müsste hier der dritte Akt endigen; allerdings würde er dadurch unverhältnissmässig lang, der vierte dagegen unverhältnissmässig kurz werden. Ob bei dem gegenwärtigen Anfange des vierten Aktes ein Scenenwechsel anzunehmen sei, oder nicht, ist in Bezug auf die Eintheilung selbst ohne Gewicht. Nach der Bühnenweisung der QA (Enter the King and Lordes) und der Fs (Enter King) kommt der König in das Gemach seiner Gemahlin, um sich nach dem Ergebniss der stattgefundenen Unterredung zu erkundigen; nach der Bühnenweisung der QB folgg. dagegen (Enter King, Queen, Rosencrantz and Guildenstern) sucht die Königin, nachdem Hamlet sie verlassen hat, ihren Gemahl auf, um ihn von dem Vorgefallenen in Kenntniss zu setzen; vermuthlich ist sie in der Gallerie mit ihm zusammengetroffen und tritt nun mit ihm und den beiden Hofherren in ein Zimmer des Königs ein. Demgemäss bezeichnet Collier die Scene als: The Same; Pope, Theobald und Warburton jedoch als: A royal Apartment.

Bestow this place &c.] Dieser Vers mit der darauf folg. Bühnenweisung fehlt in FA, weil nach FA Rosencrantz und Guildenstern erst auftreten, als der König sie ruft (S. 161).

Ah, my good lord,] Fs. QB folgg.: Ah, mine own lord.

Mad as the sea, and wind, &c.] Vgl. Othello II, 1: The great contention of the sea and skies Parted our fellowship.

He whips his rapier out &c.] So die Fs. QB folgg.: Whips out his rapier, cries 'A rat! a rat!' Obwohl die Lesart der Fs dem Verse sechs Füsse giebt, verdient sie doch den Vorzug. Pope, Theobald und Warburton folgen gleichfalls den Fs, setzen jedoch den Ausruf 'A rat!' bloss Einmal.

And in this brainish apprehension &c.] So QB folgg. Fs: in his brainish &c.

And out of haunt,] Johnson vermuthet: out of harm. "Haunt' 160 ist hier Verkehr, Umgang; vgl. As You Like it II, 1: and this our life, exempt from public haunt.

Like some ore &c.] Shakespeare versteht unter "ore' hier ein edles, goldhaltiges Erz. Mineral' erklärt Malone nach Minshew's

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Dict. (1617) als 'a rude mass of metals’; Steevens dagegen, sich auf eine andere alte Belegstelle stützend, sagt: Minerals are mines. Das Wort kann füglich in beiden Bedeutungen gebraucht worden sein. M. Mason conjicirt: of metal base.

Gertrude, come away!] So QB folgg. FA: O Gertrude, come away! 161 And what's untimely done :] In QB folgg. folgt auf diese

Worte unmittelbar: Whose whisper &c., wobei offenbar ein Halbvers ausgefallen ist. Da die Stelle durch diese Lücke unverständlich geworden war, haben die Herausgg. der FA die folgg. viertehalb Verse gestrichen, so dass in FA die Scene folgendermassen schliesst :

And what's untimely done 0, come away!

My soul is full of discord and dismay. Allein Theobald ist es gelungen, das Fehlende zu ergänzen: And what's untimely done. So, haply, Slander Whose whisper &c., oder wie er ursprünglich geschrieben hat: For, haply, Slander &c. Das grösste Lob dieser Emendation ist, dass sie von allen Herausgg. der Reihe nach aufgenommen worden ist, so dass sie gegenwärtig

einen fast unzertrennlichen Bestandtheil des Textes bildet. 162 Scene II] In QA fehlt diese ganze Scene, bis auf ein Bruch

stück, welches sich an die Unterhaltung über das Flötenspiel in §. 135 anschliesst. Bei den Bühnenweisungen zu Anfang der Scene fehlen wiederum die Angaben ihrer Herkunft.

Ros. and Guil. (Within). Hamlet! lord Hamlet !] Diese, Rede fehlt in StR; die Angaben über die Lesart der Drucke sind an dieser Stelle überhaupt sehr mangelhaft.

But soft!] Fehlt in den Fs. 163 He keeps them, like an ape, &c.] So lesen die Fs, und mit ihnen stimmt QA überein, wo 'es (in g. 135) heisst: he doth keep

an ape doth nuts. QB folgg.: like an apple. Farmer schlägt vor: like an ape an apple. Nach Sir T. Hanmer's Erklärung ist es die gierige Art der Affen, das erste, was sie essen, in die Backentaschen zu schieben und erst zuletzt zu verzehren. Ist diese Beobachtung richtig, so müssen wir hier wieder wie bei S. 47, 107 und 222 den Scharfblick bewundern, mit welchem Shakespeare die Natur betrachtet hat.

A knavish speech sleeps in a foolish ear] Dies ist seitdem sprüchwörtlich geworden. The body is with the king fc.] Es ist nicht zu verwundern,

es selbst dem unausgesetzten Fleisse der Herausgg. nicht

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immer gelingt, Hamlet's absichtliche Dunkelheiten zu enträthseln. Johnson bekennt hier ganz ungescheut, dass er den Sinn nicht versteht, und conjicirt: The body is not with the king, for the king is not with the body. Douce II, 251 glaubt, Hamlet wolle sagen, dass zwar der Körper d. h. die äussere Erscheinung des Königs, in seinem Onkel sei, dass aber der wirkliche und gesetzmässige König sich nicht in diesem Leibe befinde.

Steevens sagt: Die Leiche ist in dem Hause des jetzigen Königs, allein der richtige König ist nicht bei der Leiche. Für die richtige Erklärung halten wir die Eschenburg's: Die Leiche ist hier beim Könige, allein der König ist nicht bei ihr, d. h. er ist noch keine Leiche.

The king is a thing of nothing] d. h. ein ganz nichtiges Ding.
Vgl. Psalm 144, 5: Man is like a thing of nought. Fletcher The
Humorous Lieutenant IV, 6:

Lieut. Shall then that thing that honours thee
How miserable a thing soever, yet a thing still;

And though a thing of nothing, thy thing ever
Johnson hat daher ganz mit Unrecht conjicirt: a thing or nothing.
Nares s. Thing of nothing.

Hide fox, and all after.] Fehlt in StR. Nach Sir T. Hanmer's Angabe ist dies ein Kinderspiel, wahrscheinlich dasselbe, das auch ‘Hide and seek' oder 'All hid' genannt wird; allein der hier gegebene Name findet nirgends weiter eine Bestätigung. Vgl. Brand Pop. Ant. II, 391 (All hid) und Nares s. Hide fox and all after. Halliwell s. Hide - fox.

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Enter King and two or three.] So lautet diese Bühnenweisung 164 in QB folgg. Fs: Enter King. Steevens und Collier: Enter King, attended. Die ersten Worte des Königs (I have sent to seek him, &c.) scheinen offenbar an seine Begleiter gerichtet; beim zweiten Verse tritt er vor und spricht mit sich selber, während das Gefolge im Hintergrunde bleibt.

But never the offence.] QB folgg. und MC. Fs: But nearer &c.
Enter Rosencrantz.] StR liest: Enter Rosencrantz and all the rest.

A certain convocation of politic worms] So lesen QB folgg. 165 Fs: a certain convocation of worms; MC: of palated worms. Hier ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Verderbniss; die Herausgg. der FA haben das ihnen anstössige oder unverständliche politic' gestrichen, und MC hat es, vermuthlich durch eigene Emendation, zu verbessern gesucht; allein ‘palated', das doch nur vom Subst. “palate' herkommen kann, würde heissen: mit einem Gaumen, oder mit Geschmack versehen, was einen so frostigen und

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