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To die,

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The slings and arrows] So lesen StR, Pope, Theobald, Warburton, Collier; in den Ausgaben von Fleischer (Lpzg 1833) und Hoffa steht: stings. Woher ?

Against a sea of troubles,] Der Dichter fällt hier scheinbar aus dem Bilde, indem er eben von Schleudern und Pfeilen gesprochen hat und jetzt von Ergreifen der Waffen gegen ein Meer von Drangsalen redet. Wir sagen scheinbar; denn in der That hat das Wort “sea' in dieser und ähnlichen Redensarten seine ursprüngliche Bedeutung völlig abgestreift und bezeichnet nur noch eine Masse, Menge, Fülle. Nach Halliwell und Holloway s. Sea gilt das vorzugsweise mundartlich von der Grafschaft Sussex; nach des Letzteren Angabe wird auch Ocean' in dieser Weise gebraucht. Ebenso verhält es sich mit dem griechischen nélcyos. Die von Theobald und Warburton zu d. St. gemachten Verbesserungsvorschläge: siege, assay und assail sind daher vollständig überflüssig. Vgl. K. Henry VIII, III, 2: a sea of glory; Pericles V, 1: this great sea of joys.

to sleep, -] Dieser Gedanke ist nach Douce II, 238 weitläufig ausgeführt in Cardanus's Comforte, 1576, einem Buche, das Shakespeare ohne Zweifel kannte. Die Stelle ist parodirt in Beaumont und Fletcher's The Scornful Lady II, 1: Have patience, sir, until our fellow Nicholas be deceased, that is asleep; for so the word is taken: To sleep, to die; to die, to sleep;' a very figure, sir.

This mortal coil,] 'i. e. turmoil, bustle'. Warburton. “Noise, tumult, bustle, confusion'. Webster. Alle Herausgeber, so viel uns bekannt, haben sich mit dieser Erklärung begnügt. Schlegel: Wenn wir den Drang des Ird'schen abgeschüttelt. Allein mit welchem Rechte wird die Unruhe oder der Lärm sterblich genannt ? und wie können wir diesen sterblichen Lärm abschütteln oder abstreifen? Wir sind überzeugt, dass in "coil' eine Verderbniss verborgen ist, die sich vielleicht durch eine fast unmerkliche Änderung beseitigen lässt, wenn wir statt dessen "vail lesen. Vail' heisst überhaupt eine Decke, Hülle, und unser Leib ist die sterbliche Decke oder Hülle, welche wir abschütteln müssen, um in das jenseitige Leben einzugehen. In der Botanik bedeutet vail' die Mütze, welche die Vermehrungsorgane der Moose bedeckt und von diesen gesprengt wird (chalypter), und es ist nicht unmöglich, dass es überhaupt für die Hülle oder Kapsel der Knospen u. dgl. gebraucht worden ist. Wir wagen nicht zu behaupten, dass der Dichter diese Bedeutung des Wortes gekannt habe, obwohl wir schon anderwärts darauf hingewiesen haben, wie tiefe Blicke er

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in die Natur gethan haben müsse. Unbedenklicher, aber sich weniger an die überlieferte Schreibung anschliessend, würde “clay' sein.

The whips and scorns of time,] Warburton vermuthet: of th' time, 108 denn die hier erwähnten Übel, sagt er, seien nicht die Wirkung der Zeit an sich, sondern eines verderbten Zeitalters. Johnson wollte "quips' lesen.

The proud man's contumely,] So QB folgg. und MC. Fs: the

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poor man's.

Despis'd love,] So QB folgg, mit Ausnahme von QF, wo durch Versehen aus dem folgenden Verse gedruckt ist: the pangs of office. Fs: dispriz'd love; MC: despis’d.

Quietus] Ein Rechtsausdruck, welcher nach Nares s. Quietus die amtliche Abnahme einer Rechnung bezeichnet und bei den Schatzamts - Rechnungen noch jetzt üblich ist. Wegen der häufigen Anwendung von Rechtsausdrücken bei Shakespeare s. Drake 21 sq. Haml. 163 (audit); 206.

With a bare bodkin!] "A bodkin was the ancient term for a small dagger'. Steevens. Nares s. Bodkin.

Who would fardels bear,] So QB folgg. Fs: who would these fardels bear. Nares s. Fardel.

To grunt and sweat] Pope, Theobald und Warburton lesen : To groan and sweat. To grunt, sagt Johnson, is undoubtedly the true reading, but can scarcely be borne by modern ears. Vgl. Chaucer, The Monkes Tale v. 14,627 ed. Tyrwhitt.

The undiscover'd country &c.] Verschiedene Kritiker (z. B. The Dramatic Censor, London, 1770 p. 22 sq.) haben den Widerspruch getadelt, in welchen Shakespeare hier verfallen sei, indem er von einem unentdeckten Lande rede, von dem kein Wanderer wiederkehre, und doch selbst den Geist des alten Hamlet erscheinen lasse. Steevens beseitigt diesen Widerspruch dadurch, dass er sagt, Hamlet's Vater komme nicht aus dem wirklichen Jenseits, sondern aus dem Fegefeuer; A. W. Schlegel (Werke VI, 250) meint, Shakespeare habe geflissentlich zeigen wollen, dass Hamlet auf keine Überzeugung irgend einer Art fest fussen könne. Daran hat Sh. keinesfalls gedacht, sondern sich auch hier als einen gründlichen Kenner des Volksglaubens gezeigt. Hamlets Vater ist, gleich allen erscheinenden Geistern, noch gar nicht in jenes unentdeckte Land eingegangen. Weil die Geister, denen noch irgend etwas Irdisches zu büssen oder rächen übrig ist, nicht Bewohner des jenseitigen Landes werden können, darum eben erscheinen sie, um auch die

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of green.

letzten Bande zu lösen, die sie an die Erde fesseln und so zur ersehnten Ruhe zu gelangen. Ist das vollbracht, so kehren sie allerdings nicht wieder. Shakespeare soll übrigens diesen Gedanken entlehnt haben, nach Douce aus Hiob 10, 21 und 16, 22, oder aus der History of Valentine and Orson; nach Drake 276 aus der im Jahre 1588 in's Englische übersetzten spanischen Ballade Palmerin d'Oliva, wo es heisst: before he took his journey wherein no creature returneth againe'. Auch bei Chaucer, The Persones Tale (ed. Tyrwhitt, Oxford 1798, II, 289) findet sich derselbe Gedanke: Or (= ere) I go without retorning to the derke londe, ycovered with the derkenesse of death &c. Es ist möglich, dass eine oder die andere dieser Stellen Sh. vorgeschwebt hat, allein es giebt viele Gedanken, welche allen Dichtern fast in denselben Ausdrücken in die Feder fliessen, ohne dass sie darum einer vom andern entlehnt hat.

Does make cowards of us all;] Die Worte "of us all' stehen in QA und FA, fehlen jedoch (aus Versehen) in QB folgg.

The pale cast of thought,] · Cast' bedeutet nach Webster: A tinge; a slight colouring, or slight degree of a color; as a cast

Hence, a slight alteration in external appearance, or deviation from natural appearance.

Of great pitch] So lesen QB folgg.; Fs: pith. Dass die letztere Lesart nicht die richtige sein könne, zeigt schon das in keiner Weise dazu passende Beiwort 'great'. Auch der folg. Vers bestätigt, dass Sh. nicht an Unternehmungen von 'grossem Marke', sondern von 'grosser Höhe' gedacht hat, denn er lässt ja von diesem Gipfel herab ihre Strömungen einen verkehrten Lauf nehmen. Über die Bedeutung von pitch s. Webster.

Turn awry,] QB folgg. Fs: away.

Nymph, in thy orisons &c.] QA: Lady in thy orizons. "This is a touch of nature' bemerkt Johnson. Hamlet vergisst the antic disposition', die er angenommen hat. Vor den folg. Worten der Ophelia: Good my lord &c. giebt Collier's einbändige Ausgabe die Bühnenweisung: Coming forward.

I humbly thank you, well.] So QB folgg. (in QA fehlt die Stelle); Fs: I humbly thank you, well, well, well. S. zu Words, words, words, . 79.

No, not 1;] Statt dessen lesen die Fs: no, no. I never &c.
You know right well] QB folgg. Fs: I know right well.
Their perfume lost,] FA: then perfume left, nach Delius.
Your honesty should admit] So liest FA, bestätigt durch QA,

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wo jedoch die Worte “honesty' und beauty' versetzt sind. QB folgg.: you should admit.

Than with honesty?] So lesen QA, QB folgg. FA: than your honesty. MC: than with honesty.

Ay, truly; for the power fc.] Der Gedanke, dass Schönheit und Ehrbarkeit unverträglich seien, kehrt wieder in As You Like it I, 2 und III, 3. Hier, wo Shakespeare wiederum in Juvenalische Bitterkeit gegen das weibliche Geschlecht ausbricht, mag es vergönnt sein, mit Theobald auf Juvenals Worte (X, 297) zu verweisen : Rara est adeo concordia formae Atque pudicitiae.

Vgl. zu §. 78— 79.

Into his likeness:] Das besitzanzeigende Fürwort "his’ gilt noch bei Shakespeare ebensowohl für das sächliche wie für das männliche Geschlecht. Ursprünglich ist es der ags. Genitiv von "he' wie von 'hit' (it). Die Form 'its' ist erst entstanden, als `his' dem männlichen Geschlecht ausschliesslich zugeeignet wurde und zeigt sich bei Shakespeare nur in ein paar vereinzelten Fällen. S. Latham, The English Language (4th Ed.) II, 190. Fiedler, Wissenschaftl. Gramm. d. engl. Sprache 228. Haml. 35: his act; 41: his origin to his own scandal; 42: his ponderous and marble jaws; 43: o'er his base; 95: stoops to his base; 116: his form and pressure.

Cannot so inoculate:] So die Fs. In QA fehlen die Worte; QB: euocutat, woraus QF und QG: evacuate gemacht haben.

At my beck,] "That is, always ready to come about me'. 111 Steevens. Oder wie wir sagen: an den Fingerenden. MC: back; allein hierzu würde die Präposition at' nicht passen; es müsste heissen : on my back. Über den Inhalt der Stelle vgl. Macbeth IV, wo sich Malcolm in ganz ähnlicher Weise aller möglichen Fehler und Laster anklagt.

Thoughts to put them in,] Warburton hat noch 'name' hinzugefügt: to put them in name. "To put a thing into thought, erklärt Johnson, is to think on it'.

Between heaven and earth?] So liest QA. Die Lesart der übrigen Drucke kennen wir nicht. StR: between earth and heaven.

We are arrant knaves, all;] So lesen QA und wahrscheinlich die Fs. StR lässt all’aus.

No where, but in 's own house. So QA, QB folgg., MC. no way.

Get thee to a nunnery; farewell.] Die Fs schieben vor "farewell' noch 'go' ein.

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Fs:

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What monsters you make of them.] Das Ungeheuer, welches die Frau aus dem Manne macht, ist natürlich der Hahnrei mit seinen Hörnern. Othello IV, 1: a horned man's a monster and a beast.

MC;

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Heavenly powers, restore him!] FA: 0 heavenly powers &c.

I have heard of your paintings too,] Statt “paintings', das nicht nur in QB folgg., sondern auch in QA steht, lesen die Fs: prattlings; MC: paintings. Das Schminken des Gesichts und das Färben der Haare war zu Shakespeare's Zeit eine allgemeine Unsitte der Damen. Drake 391 — 393. "Too steht in QA und und den Fs, fehlt dagegen in QB folgg.

God hath given you one face &c.] So lesen QA, QB folgg.,
Fs: one pace.

Eine merkwürdige Parallelstelle bringt Reed aus Guzman de Alfarache, 1623, p. 13 bei: "O filthinesse, above all filthinesse! () affront, above all other affronts! that god having given thee one face, thou shouldst abuse his image and make thyselfe another'.

Douce II, 240 sq. You jäg, you amble &c.] QA liest: You fig. In QB folgg. lautet die Stelle: You jig and amble and you list you nickname God's creatures &c. Im Übrigen stimmen QA und Fs überein, nur dass in der ersteren: 'you lisp' fehlt.

Unter “you jig' versteht der Dichter, der hier die Modethorheiten der Frauen geisselt, wahrscheinlich einen tänzelnden Gang, wenn nicht geradezu das Tanzen selbst. S. zu S. 97. — To amble (lat. ambulare, frz. ambler) bezeichnet diejenige unnatürliche Gangart der Pferde, bei welcher sie die beiden Füsse derselben Seite zugleich aufheben, den Passgang. Da dies ein für den Reiter sehr bequemer Gang ist, so wurden gewöhnlich die Pferde der Damen und der Geistlichen dazu abgerichtet (trammeled, s. Nares s. Trammel). Vgl. As You like it III, 2. W. Scott, Ivanhoe I. 22. II, 159. III, 237. Auf Menschen übertragen bedeutet also amble' einen unnatürlichen, gekünstelten Gang. Das Lispeln ist vermuthlich zu Sh’s Zeit ebenfalls eine vornehme Mode gewesen; vgl. As You Like it IV, 1: Farewell, Monsieur Traveller; look, you lisp and wear strange suits &c.

And make your wantonness your ignorance.] QB folgg. lassen ‘your' vor 'ignorance', das sich in QA und den Fs findet, aus.

Der Sinn ist: Ihr stellt euere Leichtfertigkeit und üppigkeit als unschuldige Unwissenheit dar. Schlegel: und stellt euch aus Leichtfertigkeit unwissend'.

All but one,] Dieser Eine ist natürlich sein Stiefvater.

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