Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

Coover 1789 1851.

auf die verschiedensten Kreise des Lebens und der Wissenschaft lehrreich und anziehend zu machen suchen. In dem historischen Roman blieb Walter Scott das unerreichte Vorbild; unter seinen Nachfolgern hat nur der Amerikaner James Fenimore Cooper durch die Schilderung amerikanischer Sitten und Naturscenen, durch lebendige Darstellung des Indianer- und Ansiedlerlebens und durch glüdliche Behandlung vaterländischer Stoffe neues Interesse zu weđen gewußt. ,,Das nordamerikanische Waldleben mit seinen Schönbeiten und Schrecken, seinen Gefahren und Fehden, mit seiner ganzen wilden Poesie" und die See mit ihren Stürmen und Gefahren bilden die anziehende Grundlage seiner zahlreichen Romane, unter denen der Spion“, ein Gemälde aus den Freiheitskriegen, „die Wassernize“ (water-witch) und der „Bravo“ am bekanntesten sind. Daß Seestoffe ein Lieblingsgegenstand der meerbeherrschenden Engländer und Amerikaner wurden, ist nicht zu verwundern, daher sich auch eine Reihe von Romanschriftstellern der „Seenovellistit“ zuwendeten. Unter ihnen nehmen Capitain Marryat, Basil Hall und C. Wilson („Tom Cringle's log“) den ersten Rang ein. Durch irländische Zeit- und Sittengemälde wie durch gelungene Reisebeschreibungen erlangte Lady Morgan literarischen Ruf; das reiche und mannichfaltige Familien- und Volksleben in allen seinen Abstufungen, vom Hof und der hohen Gesellschaft bis zum Räuber- und Proletarierleben herab, bildet den unerschöpflichen Stoff für die zahllosen Romane, mit welchen Theodor þoot, Sam. Warren, Benjamin d’Israeli, W. H. Ainsworth, W. M. Thade ray und eine Menge Anderer die lesebegierige Welt unterhalten. Den ersten Rang unter allen Romanschriftstellern Englands seit Walter Scott nehmen Bulwer und Dickens ein, jener wegen seiner vielseitigen, durch Studien und Reisen erworbenen Bildung, seines klaren, gesunden Geistes und seines philosophiidhen Urtheils, dieser wegen seines trefflichen, mit rührendem Pathos verbundenen Humors und Wißes und seiner tiefen Seelenkenntniß. Ed. Lytton Bulwer hat sich in der lyrischen und dramatischen Poesie versucht, Bulmer

geb. 1803. aber nirgends solchen Ruf erlangt wie in seinen Romanen, unter denen „Pelham“; „Eugen Aram“; „Ernst Maltravers“; „Night and morning“, so wie sein berühmtes Gemälde des Alterthums „ the last days of Pompeji“ und die historissen Nomane „Cola Rienzi“; „, the last of the barons“; „the Caxtons“ und „Harold“ hervors zuheben sind. Schöne harmonische Sprache, scharfer Verstand und Menschenfenntniß, feine Beobachtungsgabe und kunstmäßige Beherrschung und Anordnung des Stuffes geben side allenthalben fund; dagegen steht er an Macht und Fülle der Erfindung, an Mannid)faltigteit der Charakterzeichnung und an Entfaltung fräftiger Leidenschaften manchen Andern nach. „Er ist mehr ein reflectirender als schöpferischer Geist, mehr Künstler al8 Dichter und bleibt und läßt stets besonnen.“ Durch sein interessantes Buch „, England und die Engländer“ hat Bulwer eine neue Gattung ethnographischer Literatur hervorgerufen. Charles Didens genannt Boz begründete schon durch seine ersten humoristischen Werke ,,Sketches Didens of London“, wozu ihm das reiche Boltsleben der englischen Weltstadt den Stoff bot, geb. 1812. und die „Pickwick - papers“ seinen Ruf als wipiger und zugleich gemüthvoller Volfsföhriftsteller. Schärfe der Ansdauungskraft, heitere Laune, treffende Satire und hinreißende Komit, verbunden mit ergreifendem Pathos, sind die Vorzüge des mit harmloser Bewußts losigkeit geschilderten Abenteurerlebens des Herrn Picwid und seiner drei Freunde, worin das Leben und Treiben des englischen Volfs, besonders der untern und mittlern Klassen, ergößlich dargestellt ist. Seine nachfolgenden Werke „Oliver Twist“; „Nicholas Nickleby“; „Master Humphrey's clock“ u. a. find vielleicht in fünstlerischer Hinsicht ausgebildeter, stehen aber an Kraft und Naivetät den Pidwidpapers nach. Didens' voltes thümlicher Sittenroman vol lebendiger Gestaltungen aus dem wirklichen Leben gewährt nicht blog Unterhaltung und Belehrung, er sucht auch das loop der Armen und Gebrüdten zu bessern und Balsam in ihre Wunden zu gießen.

Lamb 1775

RB.Irving

1796

dreis bung:

Neben Bulwer und Diđens verdienen noch der als gemüthvoller Pyriter, als Dramatifer und besonders als Verfasser von Sfizzen und Erzählungen („, tales from

Shakespeare“) bekannte Charles lamb (Elia) und der Amerikaner Washington 1834. Irving von Neu - York genannt zu werden. Der lettere, duro vieljährige Reifen geb. 1783. in allen europäischen Ländern mit den Sitten und Eigenthümlichkeiten der meisten

Völker vertraut, hat in seinem weitverbreiteten „Skizzenbucht eine anziehende Goil: derung des englischen und amerikanischen Bebens und in ,,Alhambra" ein be geistertes Gemälde der romantischen Zeit Spaniens unter der Herrschaft der Mauren gegeben. Nadidem er noch in dem anmuthigen Buche „Bracebridge-Hall“ und in den ,, tales of a traveller“ seine Kunst in Natursdilderungen beurkundet, wens dete er sich der hier und da humoristisch und romanhaft gefärbten Geschichtsýreibung

zu (Neuyork; Columbus ; Mahomet), dod kommt er in dieser Gattung seinen beiden Prescott Landsmännern Prescott (,, Eroberung von Mexico und Peru“ 1. a. W.) und

1837. Bancroft (,,Geschichte der Vereinsstaaten von Amerita") an Ernst und GrünbGeschicht: lichfeit nicht gleidh. -- Audi in England ist in der neuesten Zeit die Geidiot:

a sdhreibung mit trefflichen Schriften, insbesondere über die Landesgeschichte, be: Turner reichert worden, Sharon Turner und John Lingard beschrieben die ältere 1768— 1847. Geschichte Englands in bändereichen Werken, jener vom Standpunkte eines Ungli: Lingar 1769—

iro faners, mehr gelehrt und gründlich al& geschmadvol, dieser mit der bewußten Para 1851. teilichkeit eines strenggläubigen Katholiken, aber mit Geist, Kunst und Quellenstu:

dium. Mit größerer Unparteilichkeit und klarer Durdydringung des Stoffs behandelt Hallam die Geschichte der englischen Verfassung und der durch die Reformation und Revolution bewirkten Umgestaltungen und schrieb zugleich eine Geschidyte dar europäischen Staaten und Literatur im Mittelalter; Napier verfaßte ein werthvolles und gründliches Buch über den peninsularisden Krieg, Tytler eine umfangreiche Gedichte von Schottland, Alison widmete seine Feder

der Darstellung der europäisdhen Verhältnisse während der Zeit der französijden Carlyle Revolution, welde legtere der geistvolle Kritiker Thom. Carlyle in ihren hervorgeb. 1795.

tretenden Erscheinungen als ergreifende Visionen lebendig dargestellt hat. Derfelbe Carlyle ist der größte Kenner der deutschen Literatur, die er durch gewandte Uebers setzungen (Wilhelm Meister u. a.) und durch Biographien („Sdilers Leben“) seinen Landsleuten zu vermitteln bemüht war. Auch sein neuestes noch im Erscheinen begriffenes Werf: „Geschichte Friedrichs II. genannt des Großen", zeugt von seinem Interesse für DeutsĐlands literarisches und geschichtliches Leben. 3. Dunlopé Werke über Literaturgeschichte, Lord Broughams Biographien berühmter Staatsmänner und eine große Menge von Schriften über einzelne Theile der einheimisden Geschidyte (Palgrave, d'98raeli, Godwin), so wie die vielen Sammelwerke von Urkunden und Schriften früherer Zeiten geben Zeugniß von der großen Negsamkeit der englischen literatoren auf dem Gebiete der Geschichtsdreibung und von dem Interesse der Nation für ihre große Vergangenheit. Unter Aden, die bisher ibre Muße der Erforschung und Darstellung geschichtlicher Begebenheiten und des histo

rischen Nationallebens gewidmet haben, nimmt der als Staatsmann und Redner, Macau: als geistreidher Kritiker und als Dichter berühmte Th. B. Macaulay den ersten geb. 1800. Rang ein durd) seine noch unvollendete „Geschichte von England", die als

Einleitung die Entwicelungsgeschichte der englisden Verfassung in übersilider Darstellung voraussdiđt und dann mit dem Regierungsantritt Jacobs II. die historische Erzählung beginnt. Mit gründlicher Erforsdung der Verhältnisse und mit tiefer Einsidit in die Natur und Eigenthümlichkeiten der handelnden Personen verbindet Macaulay einen unparteiisden durdy Philosophie und humane Studien ges weďten Sinn für Gerechtigkeit und historische Wahrheit, ein freimüthiges Urtheil, eine klare, lichtvolle Darstellung und eine edle, männlich kräftige Sprade. And feine kleineren historischen Schriften enthalten viel Treffliches.

lay

C. Frankreich (vgl. $9. 627 -631. §. 671). In keinem Lande ist die Charakter Literatur so innig mit dem öffentlichen Leben verflochten und übt folden Einfluß Literatur: auf die Sitten und Denkweise als in Frankreich. Sie beherrscht die Gesellschaft, drängt sich in die Politik und bestimmt die religiösen und firchlichen Ansichten der gebildeten Stände. Die französische Literatur hat daher auch nid)t die selbständige Stellung, nicht das freie Wachsthum, nicht die unbefangene, harmlose Selbstgenüg= samkeit anderer Länder. Sie ist bald Herrscherin, bald Dienerin der Politik und Religion und hat stets die innigste Beziehung zu den öffentlichen Zuständen. Nicht zufrieden mit dem geistigen Schaffen sucht sie die Ideen, Ansichten und Grundjäge auch zu verwirklichen und im praktischen Leben zur Geltung zu bringen. In den leßten Zeiten des alten Mönigthums theilte sie den allgemeinen Charakter der Auflösung, der Verneinung, des sittlichen Verfalls; in den Tagen der Republik stimmte fie den Ton wilder Freiheit&begeisterung an und diente dem Convent als Werkzeug zur Begründung seiner weltersdütternden Maßregeln; zur Kaiserzeit stieß sie in die Posaune des Ruhms und diente dem neuen Machthaber mit Sdmeichelworten und Brunfreden; unter der Restauration erlangte die neue Romantik mit ihrer religiöjen Sentimentalität die Herrsd;aft und stüßte und förderte das System der kirchlichen Gläubigkeit und Legitimität. Neben allen diesen Richtungen ging jedoch gleid)zeitig eine träftige Opposition her, die bald mehr bald weniger geschidt und erfolgreid gegen die herrschende Richtung Widersprudy einlegte und dadurch eine gefährlidie Einseitigkeit verhinderte. Diese Opposition ging zuerst von dem Romanticismus aus gegen die abgelebten und entarteten Formen der alten Klassicität; als jener aber selbst zur Herríqaft kam und seiner Eigenthümlichkeit ausschließliche Geltung verleihen wollte, erstand ihm im Liberalismus und im Hellenismus ein mächtiger Gegner, bis endlich der Socialismus auch in der Literatur einen breiten Boden gewann.

Die sittliche Entartung und religiöse Versunkenheit, die der Revolution voran: Die ging, gab sich zunächst in der Literatur fund. Nicht nur, daß die zerseßende Kritik ihe Zeit. und beißende Satire eines Voltaire die bestehenden Verhältnisse und überlieferten Meinungen und Grundjäge erschütterte; nicht nur, daß die skeptische und materialistijde Philosophie der Encyclopädisten (S. 671) den Kirchenglauben und die Grundwahrheiten der Religion angriff, auch die Begriffe von Tugend und Ehrbarkeit wurden durch die leichtfertige Romanliteratur der Zeit verkehrt und verwirrt und die Sittlichkeit in ihrem innersten Sterne vergiftet. Dieses lettere Uebel war um so wirksamer und folgenreicher, als die Romanliteratur sidh immer weiter verbreitete und in alle Klassen drang. Die schlüpfrigen, unsittlichen, zu Sünde und Bolust verlodenden Romane des jüngern Crebillon (+ 1777), des Marquis v. Sade, der im Irrenhaus endigte († 1814), des Choderlos de la C108 (+ 1803), eines Genossen des lasterhaften Herzogs Egalité v. Orleans; der berüdtiate Roman des Girondisten und Conventsglieder Louvet de Couvray († 1797) „ les amours du chevalier de Faublas“, in dem „, das Ideal der liebenswürdigen Liederlichkeit“ aufgestellt ist, hatten den sittlichen Boden der Ge= sellschaft bereits untergraben, als die Revolution wie ein göttlidhjes Strafgericht sie vollends niederwarf, um sie auf neuer Grundlage aufzuführen. Aehnlich in Zwed und Wirkung waren die in Anlage und Ausführung meisterhaften Lustspiele des Bühnendichters P. A. Caron de Beaumarchais („, der Barbier v. Sevilla"; Beau„ Figaro's Hochzeit"), worin mit allem Zauber der Kunst und mit hinreißender 1732–99. Lebendigkeit unter Wiß und Scherz die ganze Frivolität und der leidytfertige Muthwillen der höhern Stände dargestellt ist, so daß man behaupten kann, daß diese Dramen nicht weniger zum Sturz des Adels und zur Vernichtung der unsittlichen und verkehrten Verhältnisse der Gesellschaft beitrugen, als Rousseau'& Naturdildežungen.

[ocr errors]

mardaid

Ideatie:

Pierre 1737 1814.

Diesem Zustand der Entartung stellte nämlich 3. 3. Rousseau das Glüd und muß. die Tugend eines idealen Naturzustandes mit Freiheit und Gleichheit Ader entgegen

(8. 671) und sah nur in einer Rüdtebr zur Einfachheit und Natur das Heil der

Welt. Rousseau's Gefühlsleben und idyllische Glücjeligkeit wurde von dem sinnigen Bernar: Dichter Bernardin de St. Pierre in den lieblichen, ergreifenden Erzählungen din de St.

2. ,,Paul und Virginie“ und „die indische Şütte“ nachgebildet und mit dem Glanze eines südlichen Himmels übergossen.

„Paul und Virginia, ein Wert, wie es kaum eine andere literatur aufzuweisen hat, ist das einfache Naturbild einer Insel mitten im Meere, wo, bald von der Milde deg Himmels besdirmt, balb von dem Elemente bedroht, zwei anmutbvolle Gestalten in der wilden Pflanzenfülle des Waldes fic malerisch wie von einem blüthenreichen Teppio abbeben. Hier und in der chaumière indienne, ja selbst in den Etudes de la nature, welde leider durd abenteuerliche Theorien und physilalisde Irrthümer verunstaltet werden, sind der Anblic des Meeres, die Gruppirung der Wolten, das Rausden der Lüfte in ben Bambusgebüschen, das Wogen der hohen Palmengipfel mit unnachahmlicher Wahrheit geschildert.“ (A1. Humboldt.)

Eine der edelsten Naturen der Revolutionszeit, welche Rousseau's Idealismus

und idyllischen Natursinn in einer Welt voll Leidenschaft und Selbstjudit begründen Frau Ro- zu können glaubte, war Frau Roland, geb. Phlipon, zur Zeit der Girondisten14-1793. herrschaft die Seele jener politischen Partei, die auf den Trümmern des alten König

thums ihre republikanische Welt aufzurichten vermeinte. Ihre aus dem ,, Bernunftschwärmer“ Rousseau geschöpfte Begeisterung für Freiheit und Mensdenrechte verband sich mit einer feurigen Bewunderung des republikanischen und patriotischen Belden: finns der alten Welt, die sie aus Plutarchs idealen Schilderungen kennen gelernt, und trieb sie an, ihre schriftstellerischen Gaben und die ganze Thätigkeit ihres Geiftes der Begründung eines Zustandes in Staat und Leben zu widmen, der allein das Glück und Heil der Menschheit bewirken könnte. Ihre politischen Auflage sowie der bekannte, im Auftrage ihres Gemahls verfaßte Brief an den König (8. 718) sind unmittelbare Ergüsse einer für Freiheit, Vaterland und Wiedergeburt des Mensdyengeschlechts begeisterten Seele; wie edel, rein und lauter diese Seele war, wie fern von aller Eitelkeit und aller Beziehung nach Außen, geht aus ihrer erst vor zehn Jahren bekannt gewordenen Correspondenz mit ihrer Jugendfreundin hervor. Und als sie aus ihrem Traum erwachte und im Namen derselben Freiheit, die ihr theuerstes Gut war, in den Kerker geführt wurde, um ihn nach einiger Zeit mit dem Schaffot zu vertauschen, da bewies sie, welde Ruhe, Kraft und Größe in einer weiblichen von idealen Bestrebungen erfüäten Seele wohne, indem sie hier im Angesicht des Todes ihre interessanten Denkwürdigkeiten, ihre „Berufung an die Na dh welt“ verfaßte und, fürchtend, die erste Handschrift möchte verloren sein, turz vor ihrer Hinridytung das ganze Buch zum zweitenmal farieb. Die politisden An

sichten und das Sdhidfal der Frau Roland und ihrer Partei, aber nicht die jūriftteret stellerischen Eigenschaften derselben theilt der Marquis v. Gondorcet, Mitglied

der französischen Akademie und fruchtbarer Særiftsteller auf dem Gebiete der Philosophie, der Politik und der schönen Literatur. Durch seine Ueberzeugung und fein warmes Gefühl für Menschenwohl und Menschenwürde in den Strudel der Revolution und zu republikanischen Ansichten geführt, bewahrte er in seinen Sdriften doch stets das Gepräge der frühern klassischen Bildung und schrieb ,, im Geiste des rednenden und berechneten Enthusiasmus der encyclopädischen Scule." Condorcet „stüßte sich in seinen Schriften auf eine Reihe wissenschaftlicher Theorien, un barguthun, daß das mensdliche Geschlecht einer ins Unendlide gehenden Vervollkommnung fähig sei. Er gehörte zu der Zahl derjenigen, welche von einem fortbauernden Fort

Condorcet 1763-94.

1742

1x).

1757

1808. Rolney 1757

(dreiten menschlicher Weisheit, Gerechtigkeit, Glüdseligkeit mitten unter den Gräueln und Grausamkeit der damaligen demagogischen Gewalthaber träumten." Indem er aber somit ein stetes Fortschreiten und Verändern, wenn audy zum Bessern und Bollkommneren, als oberstes Princip hinstellte, mußte er nothwendig zur Verneinung und Bekämpfung alles Positiven und Bestehenden kommen. In den Sturz der Gironde verflodyten (S. 723) fand er bei einer großmüthigen Freundin ein Asyl und schrieb daselbst die treffliche Schrift: Esquisse d'un tableau historique des progrès de l'esprit humain. Als aber Ale, welche Geächtete verbergen würden, mit dem Tode bedroht wurden, verließ er seinen Aufenthalt in Bettlerkleidern und irrte eine Zeit lang umher, bis er erkannt und verhaftet wurde. Im Kerker nahm er Gift, das er stets bei sich führte. Condorcets Geistes - und Gesinnungsgenosse war der gelehrte R. Fr. Dupuis, der in seinem berühmten Buche: Origine de tous les Dupuis cultes ou religion universelle die alten Mythen durch die Astronomie zu erklären und die Religion mit der freigeistigen Philosophie der Revolution zu durchdringen suchte, während ein anderer Genosse, der Arzt und Physiker Cabanis, das ganze Cabanis Geistes- und Seelenleben des Menschen auf die Nerven zurüdführte. Wie Dupuis und Condorcet bekannte sich auch Graf Constantin Volney zu den materialistischen allen überlieferten Glauben vernichtenden Grundfäßen der Encyclopädiften. Durch 1820. gelehrte Studien, durch einen längern Aufenthalt in Syrien und Aegypten, burdy politische Thätigkeit während der Revolution und durch eine Reise nach Amerika mit vielseitigen Kenntnissen und Erfahrungen ausgerüstet, hat er viele namhafte Werke politijden, geschichtlichen und philosophischen Inhalts verfaßt, unter denen das durch glänzende Rhetorit und phantasiereiche Darstellung ausgezeichnete historische Ge= mälde „ die Ruinen" (les ruines, ou méditations sur les revolutions des Empires) am berühmtesten ist.

Die Girondisten, welche noch der alten Bildung angehörten und sich größten=' theils der eleganten Schreibart und Redeformen der Akademie bedienten, wurden Poesie. endlich überflügelt von den Jacobinern, die in der Literatur eben so entschieden mit der Vergangenheit brachen, wie in Staat, Religion und geselligem Leben. In den Sdriften und Journalen der Bergpartei herrschte ein wilder, zügelloser Geist, der die überkommenen Gefeße und Formen der Sprache und literarischen Darstellung eben so fed übersprang, wie er sich über die ererbten Sagungen in Staat, Kirche und Leben wegseşte. Dieser Geist der Freiheit und republikanischen Begeisterung theilte sich audy den Didhtern der Revolutionszeit mit, unter denen Joseph Rouget spinne de l'Isle, sonst ein unbedeutender Poet, darum den ersten Rang einnimmt, weil 1760

1835. der berühmte von ihm zu Straßburg gedichtete und in Musil geseßte Schladytge sang der Rheinarmee, nad den Marseiller Föderirten, die ihn zuerst nadz Paris brachten, die Marseillaise genannt, dieser Freiheitsbegeisterung den entsprechenden Ausdrud verlieh. Ihm zunächst steht Ponce-Denis Ecouchard Lebrün, der seiner Ge- Lebrin burt und Erziehung nach der klassischen Zeit angehörte, aber sid) so ganz der Revo- 1807. lutionsbegeisterung hingab, daß ihn der Convent als den französijden Pindar begrüßte und ihm als dem würdigsten Sänger der Republik im Louvre eine Wohnung anwies. Früher dem Kreise Voltaire's angehörend, hatte er sich durd, eine ode auf das Erdbeben von Lissabon und durch viele wiţige und scharfe Epigramme bekannt gemacht, bis er später hauptsädlich durch die Ode an den Rächer (au vengeur) unter den Dichtern des Terrorismus in die erste Reihe trat. Bedeutender durch literaris de und poetische Leistungen ist Marie Joseph Chénier und sein unglüd- M. 3

Cbénter lider Bruder André Chénier. Der erstere benußte vor der Revolution das 1764– Drama, um, dem Zeitgeiste huldigend, die im Volke oder doch unter den Gebildeten, berridenden Ideen, Ansidten und Neigungen auf der Bühne vortragen zu lassen. Chénier Während der Revolution politisch tätig hielt er sich zu den Jacobinern und Terro

Beber, Desdichte. II. 9. Aufl.

Die Revos lutions:

Ronget de

1'381e

1729–

181. André

1762-94.

« ZurückWeiter »