Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

bald darauf von allen Sorgen, stellte aber die Einigkeit der Staaten nicht her, die noch biß auf den heutigen Tag von Verfassungs- und Meinungskämpfen erschüttert werden.

Ober - Peru, zu einer selbständigen Republit eingerichtet, trägt der Befreier8 Namen – 6, B. Bolivia. - In Neu - Spanien (Merico) büßten die ersten Kämpfer für Mexico's

Gleichstellung mit dem Mutterlande ihre Unternehmungen durch schimpflichen und schmerzlichen Tob. Hidalgo, Morelos und Mina fielen als Märtyrer der Freiheit, aber ihre Grundfäße lebten im Volte fort. Die Einführung des Cortesregiments in Spanien be förderte die Unabhängigkeit Mexico's. Der Befehl der Cortesregierung, die Constitution vom Jahr 1812 auch in Neuspanien einzuführen, wurde von dem Bicetönig, geheimen Weisungen der Camarilla zufolge, nicht vollzogen, vielmehr der Kreole Iturbide, dem der Oberbefehl über das Heer ertheilt warb, zur Bekämpfung der Conftitutionellen aufges fordert. Durch diese Doppelzüngigkeit der Regierung glaubte sich Iturbide zum Brud der ihr gelobten Treue berechtigt. Er bemächtigte sich einer nach Spanien bestimmten gros

Ben Geldsumme und gab durch den „Ruf von Iguala" die lojung zum Aufflanb. August 1821. at In Kurzem waren die meisten Provinzen in seiner Gewalt. Der neue Vicetönig lab fid

zu einem Vertrag genöthigt, in welchem die Unabhängigkeit Mexico's anerkannt und der Thron dieses constitutionellen Kaiserthum & dem König Ferdinand, oder,

wenn dieser ihn aussdlüge, einem Infanten zugetheilt ward. Da die spanische Regierung 18. Mat diesen Vertrag verwarf, sprach der Congreß die Trennung Merico's von Spanien 1822.

aus und erhob Iturbide zum Kaiser. Dieser Beschluß erbitterte die Republikaner wie die Royalisten; er bildete sich eine mächtige Gegenpartei gegen den neuen Kaiser Augustin. Da löfte dieser, im Vertrauen auf die ihm ergebene Armee, ben Congres gewaltsam auf und ernannte eine Regierungejunta. Dadurch vermehrte er die Zahl seiner

Gegner; einige Heerabtheilungen fielen von ihm ab, und als sein General Santa Ana 8. April in More

" in Bera-Cruz die Republil a usrief, erhob sich ein solcher Sturm gegen ihn, daß er

sich zur Thronen tsagung und zur Entfernung nach Italien genöthigt sah. Mexico wurde zum Freistaat umgewandelt und ihm eine der nordamerikanisden nachgebildete Verfassung verliehen. Die fortdauernde Parteiung und Verwirrung erfüüte Sturbide mit der Hoffnung, die verlorene Macht wieder zu erlangen. Troß der von dem Congreffe

gegen ihn ausgesprochenen Acht landete der Bethörte in seinem Baterlande, wurde aber 19. Juft. ergriffen und erschossen. Merico behielt seine republikanische Verfassung mit einem Brä:

sidenten an der Spige. Der Versuch der altspanischen Partei, durch eine Gegenrers

lution die neue Ordnung umzustürzen, gab ihren Gegnern, den Kreolen, Beranlassung, 1829. den Volkshaß wider sie in Flammen zu seben. Ein Beschluß des Congresses beraubte die

geborenen Spanier, mit Ausnahme derer, die für die Republit gestritten, aller Hemter, und verwies sie dann aus dem Gebiete des Freistaats. 22,000 mußten sofort auswandern. Aber Ruhe und Eintracht sind bis jegt nod nicht in den vereinigten Staaten bor Merico eingekehrt. Zwei Parteien, die eine mehr demotratisch, die andere mehr ariftotras tisd, tämpften um die Herrschaft, jene unter dem Banner Santa Ana's, diese unter der Führung B ust a mente'l. Die Aufhebung der Sclaverei in Merico führte den Ab

fall von Teras herbei. Aud Guatemala errang seine Selbständigkeit und gründete ali die Bundesrepublit von Central - A merita. „Sicherlich hat derjenige, weløer

den Werth historischer Entwidelungen nach den Früchten der Civilisation berechnet, feinen Grund über den Abfall der spanischen Colonien zu jubeln. Ueberal stößt man auf groß: artige Monumente aus der viceföniglichen Zeit und überall auf Berfall und Unrath ses nachgebornen Geschlechts. 88 scheint, als ob hie und da der Abtömmling der Europäer seine Ueberlegenheit über die rothe Race eingebüßt hätte; denn die Comantiden und not mehr die berittenen Apatschen haben große Räume des nördlichen Merico, vorzüglid 50 nora und Chihuahua, in öbe Grüste verwandelt, blühende Städte entröltert und tünstli befruchtete Fluren der Wüste zurüdgegeben. Die Hauptschuld von diesem Berjal tragen die untauglichen politischen Formen, der bäufige Wed sel der Obrigkeiten, die landidatie und städtische Absonderung, der Bürgertrieg und Freischaarenunfug."

1823. 4. Dit.

1824.

1. Juli 1823.

ab, in dem fler Freunde des Baterbeit des deutschen

bie Behagel gehen, Befreiung, F

3. Deutschland. §. 792. Die deutschen Meinungstämpfe. Die Schöpfungen des Wiener Congreffes erzeugten bei der Mehrheit des deutschen Volts Unzufriedenheit und Berstimmung. „Die Freunde des Vaterlandes wandten sich in Bitterkeit von einem Werke ab, in dem für jenen Zweď der inneren Befreiung, für den man mitaufgerufen und mitaufgestanden war, nichts geschehen, in dem für die Befriedigung des vaterländischen Ehrgeizes, für die Beschäftigung des politischen Triebes fein tauglicher Inhalt war." Viele hatten eine Erneuerung des Kaiserreichs mit zeitgemäßen Reformen und mit Betheiligung des Volts an der Gefeßgebung und am Staatshaushalt gehofft und gewünscht, und betrachteten daher mit Mißvergnügen das zerstücelte und gespaltene Deutschland, aus dem sich, statt der erwarteten Staatseinheit mit entídyeidender Stimme nach Außen, ein aus einer Vielheit souveräner Staaten gebildeter Staatenbund mit machtloser Bundesvertretung der Regierungen ohne alle Voltsrepräsentation gestaltete. Andere, die ein constitutionelles Staatswesen nady Englands Vorbild anstrebten, waren unzufrieden mit der unbestimmten Fassung des 13. Art. der Bundesacte, worin im Allgemeinen die Einführung landständischer Berfassungen verheißen war, ohne Angabe der Principien und der Art und Zeit der Ausführung. Während diese, von demokratischen Grundfäßen ausgehend, der neuen Ordnung gram waren, weil sie die Betheiligung des Volts am Staatsleben zu gering fanden, zürnten die ehemals unmittelbaren Reichsstände über den Verlust ihrer Unabhängigkeit und der Adel über den Grundsaß der Rechtsgleichheit und über das Streben, die Standesverschiedenheit zwisden Edelmann und Bürger zu mindern und auszugleichen. Troß der allgemeinen Erschlaffung, in die Europa nadh Napoleong Sturz verfiel, wurde es daher den deutschen Fürsten nicht leicht, die losgelassenen Geister wieder in die Schranken des Gehorsams zu bannen. Die sichtbare Abneigung Desterreichs und Preußen8 gegen das neue Ständewesen, welches politijde Rämpfe und ein aufgeregtes Staatsleben in seinem Gefolge hatte, erhöhte die Berstimmung, und die Verschiedenheit der nach mancherlei Zögerungen und Unterbrechungen in einigen Ländern zu Stande gekommenen ständischen Verfassungsformen wedte Sehnsucht nach einer großen, die ganze Nation umfassenden Staatsform mit vollsthümlichen Grundlagen. Was half es, daß in den meisten Staaten von Südund Mittel - Deutídland landständische Verfassungen mit mehr oder minder liberalen Grundfäßen ins Leben traten, wenn der mädytigste Staat, Preußen, dem politischen Leben keinen andern Schauplaß gewährte als die Provinzialstände mit blog berathender Stimme ohne Deffentlichkeit und gemeinsames Interesse? Jenes Preu: ßen, das zur Zeit der Fremdherrschaft an freisinnigen und voltsthümlichen Einrichtungen dem übrigen Deutschland vorangegangen war, das in dem Aufruf von Halisd die Wiederherstellung eines einzigen freien Reichs „aus dem ureignen Geiste des deutschen Volkeg“ verheißen hatte, das nicht nur während des Kriegs, sondern audy nody auf dem Wiener Congreß auf der Bahn des politischen Fortschritts ge= wandelt – es gab sich alınählich gefangen unter den Einfluß der Metternichidhen Politik und steuerte der Reaction zu. Der ängstliche, unsdlüssige, stets von fremden Rathgebern abhängige König ließ sich einnehmen gegen die patriotischen Männer, die Preußen mit Deutsdland groß zu machen suchten, und verdammte das Streben, bem er die Wiederherstellung seines Reichs verdankte. Die ehemaligen Mitglieder des Tugendbundes und die für Deutschlands Freiheit und Größe begeisterten Männer der Befreiungskriege wurden zurüdgesegt und mit Mißtrauen betrachtet, indeß ihr verleumderischer Gegner, der geh. Rath Somalz, mit Orden und Ehren geziert ward; das Verfassungswert wurde verschoben, und wenn man auch nach einiger Zeit wieder darauf zurüdtam — das Resultat der langjährigen Berathungen, jene Provinzialstände, befriedigten in ihrer beschränkten Gestalt taum die mäßigsten Anforderungen. Lobredner des Rüdiritt8 „suchten das System der Bevormundung und Regierungswidfür historisch wie philosophisch als das einzig wahre zu begründen.“ Das deutsche Volt, das sich noch vor Kurzem willig und vertrauungsvoll um seine Fürsten geschaart, als es galt, das fodh der Fremdherrshaft zu brechen, fühlte sich in seinen Erwartungen getäuscht und verlor das Vertrauen in die väterlichen Gesinnungen der Regierungen. Bald died sich auch die deutsche Nation in die zwei erwähnten Parteien, in die aristokratische, die sich an die Fürsten und an die Regierungen anlehnte und ihnen ihre conservativen oder reactiona: ren Grundfäße einzuflößen suchte, und in die liberale (freisinnige), die eine fort: (dyreitende Entwicelung des Staatswesens in demokratischer Richtung anstrebte. Während in der lettern Partei die ältern, von praktischer Erfahrung geleiteten Männer ihre Blide auf England und Frankreich richteten und die modernen Staatsformen mit der Errungenschaft der Revolution in Deutschland zu begründen und die bestehenden Zustände allmählich umzugestalten suchten, blidte die Jugend, angeregt durch die romantische Poesie (Unh. $. 98 f.), mit sehnsüchtiger Phantasie auf die Gebilde des Mittelalters und suchte die neue Idee von Voltsherrschaft unter altdeutschen Formen und Benennungen ins Leben einzuführen. In idealen Träumen sich wiegend, ohne Klarheit des Ziels und ohne Kenntniß oder Würdigung der Hindernisse, trachteten sie nach einer utopischen Welt- und Staatsschöpfung, ein Tradten, das als Hirngespinst in sich selbst zerfallen wäre, hätten nicht die Regierungen, aufmerksam gemacht durch das Wartburgsfest und erschredt durch Sande blutige That in Mannheim, den „demagogischen Umtrieben“ durd gerichtlidie Unterfudungen und Verfolgung der Betheiligten eine unverdiente Wichtigkeit gegeben.

ner ihre Blide corrungenschaft bermugestalten (ud temit jehnsüchtiger Poin

[ocr errors]

Das Wartburgsfest und St. L. Sand. In dem für den geringen Mann so vers hängnißvollen Mangeljahr 1817 wurde das dreihundertjährige Jubelfest der Heformatisu in dem protestantischen Deutschland mit hohem Eifer gefeiert. Die Erinnerung an dieses großartige Ereigniß erweďte eine allgemeine Begeisterung und lenkte den Blid auf die Gebrechen der Gegenwart. Als Einleitung zu diesem Feste wurde von einer Anzahl Stu:

benten und einigen jüngern Professoren der Universität Jena (Ofen, Fries, Kieser) am 18. Det.

18. Oct., zur Erinnerung an die Leipziger Solact, auf der Wartburg bei Eisenad 1817." eine Feier veranstaltet, wobei feurige Reden gehalten und begeisternde lieder gesungen und

nady beendigtem Feste von einigen Studenten auf dem Wartenberge, nad Luthers Beispiel, die Titel einiger ihren Ansichten widerstrebenden Bücher von sogebue, Kampg, þaller u. A., worin der Absolutismus vertheidigt und der Ruf nad Freiheit und constitutionellem Verfassungswesen verdächtigt war, nebst einigen Zeichen einer veralteten, unfreien Zeit, wie Zopf, Schnürbrust, Korporalstoď u. bergl., in jugendlichem Uebermutbe verbrannt wurden. — Einer dieser Wartburggenossen, Karl Ludwig Sand von Wunsiedel, ein frommer, patriotisd füblender, aber von Sdwärmerei erfüllter und von Eitelkeit beberríóter Jüngling, faßte den verbrecherischen Vorsaß, durch Ermordung der russischen Staatsrathi Auguft von Kokebue (der durch seine gehässigten Berichte an den russischen þof über die in Deutschland herrschende Stimmung, durch seine leichtfertigen Schriften und besonders durch seine der Fürstengerralt und den Adelsvorrechten dienende Zeitschrift, worin er das Treiben der jugendlichen Weltverbesserer mit dem bittersten Spott überschüttete, den as der streng fittlichen, aber politisď verirrten akademijden Jünglinge auf sich geladen) die deutsde Nation von den verderblichen Rathsdlägen dieses „russisden Spione", dictes

„Verräthers am Vaterlande", zu befreien. Er nahte sich dem Arglosen mit einem Briefe 23. März und durchbohrte ihn während der Lesens mit Dolchflichen. Der Versudi, fid felbft zu

tödten, wurde vereitelt. Von seinen Wunden geheilt endete Sand auf dem Blutgerüfite in Mannheim.

Nun erfolgten die Rari8bader Befdhlüsse, welche die Freiheit der Presse Septbr. durch die Censur beschränkten, zur Unterdrüdung der demagogisden Um= triebe" ein Untersuchungegericht (Central-Commission) in Mainz anordneten, die bald nach dem Wartburgsfest auf den deutschen Universitäten gegründete ✓ allgemeine Burschenschaft“ mit ihren Turnanstalten untersagten und die Universitäten unter die Aufsicht besonderer Regierungsbeamten stellten und endlich den Beídlüssen des Bundestages unbedingte Gültigkeit für alle Regierungen beilegten. Zugleich wurden in der Wiener Schlußacte durd 15. mai

1820. nähere Bestimmung des 13. Art. der Bundesacte, wonach ein Unterschied zwischen den die Machtvollkommenheit der Regierungen keineswegs beschränkenden landständisden Verfassungen und dem auf dem Grundsaße der Volkssouveränetät aufgebauten Repräsentativsystem gemacht wurde, dem demokratischen Geiste der süddeutschen Landstände Sdranken gesegt. Preußen, so lange die Hoffnung und Zuversicht aller deutschen Patrioten, ging ießt mit reactionären und voltsfeindlichen Maßregeln voran und ließ sich von der Wiener Politik zu den gehässigsten Polizeidiensten gebrauchen. Männer wie Arndt, Jahn u. A., deren Wort und Beispiel in den Zeiten der Noth von so großer Wirkung gewesen, wurden nun als Förderer bemagogischer Umtriebe vor Gericht gestellt, ihrer Aemter entfeßt, von der Polizei überwacht; die edelsten Staatsmänner und Feldherren, wie Wilhelm v. Humboldt, Beyme, Boyen u. A., zogen sid verstimmt vom öffentlichen Leben zurück und überließen das Regiment den Männern des Rüdsdritte, einem Rampß und Genosjen, die jetzt im Rathe des Königs saßen und ihren Halt hatten an einigen zur fatholischen Kirche übergetretenen und von romantisch - absolutistischen Grundsägen erfüllten Staatsrechtslehrern, wie Haller, Jarde, Philippe, und an den Mitarbeitern und Freunden des Berliner „politisden Wochenblattes.“ Besonders einflusreich wirkte ,, die Restauration der Staatswissensdaften“ des Berners R. L. v. Haller († 1854) auf diese Stimmung des Tages. Nach ihm stammen die Rechte der Herrscher nicht aus Verträgen, sondern sie sind „ursprünglich eigene, natürliche und erworbene Rechte, auf das Eigenthum der Herrschenden an dem zuerst von ihnen ergriffenen Lande gegründet. Wie dies Eigenthum vor dem Staate ist, so sind die Herrsder vor und über dem Volke, das sich nur zu ihnen als Gutsherren oder Familienväter sammelt und in Dienstverhältnisse zu ihnen tritt.“ Dem Herrscher zur Seite als Berather steht der Adel, „nicyt eine mensdyliche Veranstaltung, sondern ein Naturerzeugniß, die nothwendige Folge der Verschiedenheit äußern Vermögens und innerer Kräfte,“ daher auch nur dem Herrscher verantwortlich und untergeben, wie dieser nur Gott. – Von dem an standen die Parteien einander schroffer und feindseliger gegenüber. Die Uebereilung und Unbesonnenheit der neuerungssüchtigen Jugend hatte der Reaction den Sieg über die Männer des Fortschritts verschafft. Deutidlands Einheit galt für einen Traum; wer den Wunsch darnach aussprady, machte sich demagogischer Bestrebungen verdächtig. Jeder einzelne Staat wurde als selbständiges Ganze angesehen und regiert, ohne Rüdsicht auf die Gesammtinteressen des Vaterlandes ; und wenn auch mandie gute Einrichtung in Verwaltung, Reditspflege, Kirchen- und Schulwesen getroffen ward, für Erwedung des Nationalgefühls und der Vaterlandsliebe geschah wenig oder nicht8. Zöle erschwerten den Verkehr benad barter Staaten, Sonderinteressen zogen die Regierungen von dem Streben nadı einem gemeinsamen Ziele ab. Da ersdjoù die Nadıricht von der französischen Julirevolution in Deutschland und regte die Gemüther mächtig auf. Die Fürsten, beforgt, das bekannte Gelüsten der Franzosen nad der Rheingrenze möchte einen neuen Krieg herbeiführen, gewahrten mit Unruhe die zwisdien Volf und Regierungen bestehende Uneinigkeit und eilten, durd billige Zugeständnisse die Unzufriedenheit, die sich in Sachsen, Hannover, Braunschweig, Surhessen u. a. O. durch Aufstände kund gab, zu heben. (Mehr §. 833 ff.)

5. Mai 1816.

1819.

§. 793. Deutscher Verfassung 8 wesen. Der erste beutiche Fürst, ber sein Land mit einer ständischen Verfassung beschenkte, war der Großherzog Karl August von Sachsen: at Weimar, derselbe hochgebildete Fürst, der einst die Zierden deutscher Poesie und literatur

um sich versammelte. Eine einzige, aus Rittergutsbesigern, Bürgern und Bauern gebildete Versammlung vertritt alle Staatsbürger und besigt die Theilnahme an der Gesetzgebung

mit dem Recht der Initiative, das Steuerverweigerungsrecht, Preßfreiheit und viele 1818. andere wichtige ftändische Rechte. – Zwei Jahre später folgte Nassau mit einer weniger

freisinnigen Constitution. In Würtemberg trat bie neue Repräsentativ - Berfassung nur nadh langen Kämpfen mit den Unterthanen Altwürtembergs, die auf Wiedereinführung

ihrer alten mit großen Rechten ausgestatteten Stände drangen, ins Leben. Erst unter Septbr. Friedrichs Nachfolger Wilhelm tam die neue Verfassung zu Stanbe, als die Karlsbader

Berathungen die Alt - Würtemberger von längerem Widerftand abgeschredt. — Im Jahr 1818 wurden auch in Bayern durch Mar. Joseph und in Baden Durd Großherzog Karl landständische Verfassungen eingeführt. In diesen drei füddeutschen Staaten besteht die Landesrepräsentation aus zwei Kammern, aus der ersten Kammer (in Daveru Reichsräthe), worin der hohe Adel, die Vertreter der beiden Landeskirchen u. A. Sit und Stimme haben, und die durd doppelte Bolte wabl gebildete zweite Kammer. Die sehr liberale badische Verfassung war das legte bedeutende Regierungswert des Großherzog8 Karl, ber noch in demselben Jahr starb und seinen Oheim ludwig zum Nads folger hatte. Nach dem Tode dieses wenig geliebten Fürften gelangte mit dem wohlwollenden, bürgerfreundlichen Leopold I. das Haus Hodberg (aus Karl Friedrichs zweiter Ehe)

zur Regierung. Baperus Ansprüche auf die Rheinpfalz und die Grafschaft Sponheim 1821. wurden von dem Aachener Congreß abgewiesen. – Im Anfang der 20 er Fabre erhielt

auch das Großherzogthum Heffen-Darmstadt eine den Nachbarstaaten ähnliche Constitutiot, aber mit einem minder demokratischen Wahlsystem. – In Norddeutídland wurde die Einführung des Repräsentativsystem 8 durd die Ariftotratie verhindert ober erschwert, bis spätere Volksbewegungen die Regierungen nöthigten, den Forderungen der Zeit nachzugeben. – In Hannover wurde eine allgemeine Lauderversammlung auf den Grund der alten Landesverfassung eingerichtet mit überwiegendem Einfluß des Adels und der Beamten. Bei dieser nach Ständen gesonderten Bertretung war die Mitverwaltung der Steuern und die Mitberathung der Landesgeseße von wenig Belang. Da die Unterhaltungskosten (Diäten) der Deputirten den Gemeinden zur fast fielen, so wählten diese meistens Beamte der Residenz, um der Ausgaben überhoben zu sein. Diese ganz im Siune der Regierung handelnde Kammer erregte bei dem von Steuern gebriidten Volfe Mißstimmung, die endlich mehrere Aufstände in Göttingen u. 4.

D. erzeugte und den Vicefönig (Herzog von Cambridge) bewog, mit Einwilligung des 1833. Königs von England ein neues Staatsgrundgeset mit erhöhten ständischen Rechten 1837.

zu gewähren. Als aber nach dem Tode des englischen Königs Wilhelm IV. Vannover an dessen Bruder Ernst August (Herzog von Cumberland) fiel, bob dieser Das Staatsgrundgeset wieder auf und stellte die alte Landesverfassung mit der ganzen Aristotratenund Beamtenmacht wieder her (S. 835). – In Braunschweig wurde während der Minderjährigkeit des mit dem englisden Königshaus verwandten Herzogs Aarl (einet Sohnes des bei Waterloo gefallenen Friedrich Wilhelm) von der Regentíaft eine ,, revidirte Landschaftsordnung“ eingeführt. Diese mißfiel dem Herzog; er gestattete fido nad seiner Voljährigkeit vielerlei Eingriffe in die Verfassung, die er als eine Besgräntung seiner Hobeitsrechte ansah, und behandelte Land und Volt mit großer Härte. Endlich

erreichte der Drud einen solchen Grab, daß fich die Einwohner der Hauptstadt emporten, 1830. das Soloß zerstörten und den Herzog zur Flucht zwangen. Nun übernahm dessen Bruder

Wilhelm die Regierung und versöhnte die Gemüther burd Verbesserung der Landesverfassung. Ein Versue des vertriebenen Herzoge, mit gewaffneter Hand bie verlorene Herrschaft wieder zu erlangen, scheiterte an der Entschlossenheit der Bürger. Seitbem

« ZurückWeiter »