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Wests

falen.

die größte Hälfte seiner Staaten; er mußte in die Abtretung aller Länder
zwischen Rhein und Elbe, in die Gründung eines Herzogthums Waríđau
unter der Oberhoheit des Königs von Sachsen und in die Erhebung Dan-
zigs mit seiner Umgebung zu einem Freistaate willigen und die unerhörte
Summe von 150 Millionen Thaler als Kriegsentschädigung genehmigen.
Selbst die Bitten der Königin Luise, die man nach Tilsit berief, vermochten
den rücksichtslosen Sieger nicht von seinen Forderungen herabzustimmen. Die
von Preußen abgetretenen Gebiete nebst Aurhessen, Braunschweig und Süds
Hannover vereinigte Napoleon zu einem neuen Königreich Bestfalen mit
der Hauptstadt Rassel und setzte daselbst seinen jüngsten Bruder Þierony:
mus (Jerome) als König ein mit der Verpflichtung, in Magdeburg eine Bes
sagung von 12,000 Mann zu unterhalten, dem Naiser die Hälfte des Ertrags
der Rammergüter abzugeben und als Genosse des Rheinbundes sein Truppen-
contingent zu den ferneren Kriegen zu stellen.
1. Deutschland 8 Prüfungsjahre. Schwer drückte die fremde Herrfdaft
auf die treuen Deutschen; aber durch sie wurde eine neue Zeit vorbereitet, ein neuer
Geist gewedt. Die Vortheile, die den Franzosen aus ihrer blutigen Umwälzung ge
blieben, kamen auch den Westfalen zu gute, Gleichheit der Besteuerung, Abshaffung
persönlicher Privilegien, Beseitigung der Grundlasten, landständische Verfassung, Ge-
werbfreiheit und Rechtsgleidheit aller Staatsbürger. Sie wedten das Selbstgefühl
des Bürgerstandes und brachten ihm seine Bestimmung, Lenker der Geschide der
neuen Zeit zu sein, zum Bewußtsein. Audy auf die übrigen Rheinbundsstaaten
(denen unterdessen noch der Kurfürst von Würzburg, die Fürsten von Sdwarz.
burg, Anhalt, Waldeck und die Herzöge von Meďlenburg und Dider:
burg beigetreten) ging der neue Geist über; die deutschen Krieger, die in fernen
Landen des Raisers siegreiche Schlachten fochten, erlangten wieder den alten Kriegs-
muth und Vertrauen auf eigene Kraft. Freilich kam mit diesen Gütern audy großes
Ungemad, über das deutsde Volt, namentlich über das westfälisdhe Königreidy. Das

Land wurde durd, die versdwenderische Hofhaltung des aussdweifenden, leichtsinni-
· gen, der Sinnlichkeit ergebenen, im Uebrigen aber gutmüthigen Königs Jerome mit
Abgaben und Staatsschulden schwer gedrüct; die leichtfertige, aus Abenteurern und
Glüdsrittern aller Nationen bestehende Umgebung des Königs übte eine idylimme
Wirkung auf die Sitten und verdrängte Tugend und ehrbares Leben aus der Haupt=
stadt; fremde Minister und Beamte, mit Ausnahme des thätigen Siméon größten-
theils Leute ohne Talent, Kenntnisse und Verdienste, verwalteten das Reid in ihrem
und ihres Gebieters Interesse, versd;leuderten die Staatseinfünfte und hemmten den

Einfluß der deutschen Minister, eines Bülow (Hardenberg8 Neffe), Maldus und Preußen. Johannes Müller. – Besonders wurde für Preußen die durch den unglüdliden

Krieg und den unheilvollen Frieden über das Volk verhängte Noth die Mutter mander heilsamen Einrichtung, wie hart aud die Geißel war, welche der ergrimmte Sieger über das Land schwang. Bis zur gänzlichen Abtragung der Kriegsentschädigungesumme, der Contributionen und der vielfachen andern Auflagen und Erpressungen, die nady offiziellen Berechnungen zusammen die Summe von 245 Millionen Thaler oder 906 Millionen Franken überstiegen und von dem unmenschlichen Oberintendanten Daru eingetrieben wurden, verblieben französisde von dem Lande zu unterhaltende Besatzungen in preußischen Festungen; selbst das im Tilsiter Frieden dem Kinig „aus Gnade“ gelassene Gebiet, das von 5570 D. Meilen mit 9,743,000 Einwohnern auf 2877 Q. Meilen mit nicht völlig 5 Millionen Bewohnern berabjant,

das tinh hödsten Friedern Stan Lalent, Muts

wurde durch Sriegsstraßen noch mehr verkümmert und durch gezwungene Deutungen geschmälert. Aber unter den Mißhandlungen des übermüthigen Siegers erwadite auch hier ein neuer Geist und Selbstvertrauen. Beyme und die französisch gesinnten Minister, die bisher den von Natur unsdlüssigen König zu der schwankenden Politik geführt hatten, wurden entfernt, und Männer von festem Charakter und vaterländischer Gesinnung an die Spiße der Regierung gestellt. Zastrow, der das Kriegswesen im alten Zustand und auf dem Standpunkt des siebenjährigen Kriegs erhalten hatte, verlor des Königs Vertrauen und seinen verderblichen Einfluß. Scharn horst, ein Hannoveraner, der sich durch Talent, Muth und Umsicht unter äußerm Druck und Entbehrung vom niedern Stande eines Bauernsohnes emporgear: 1756beitet hatte, und neben den höchsten Tugenden des Soldaten, Kühnheit, Vorsidt und Entschlossenheit, das findlid, einfache Wesen eines freundlichen, wohlwollenden, von jeder unreinen Leidenschaft freien Mannes besaß, schuf in Verbindung mit Gnei jenau, Grolmann, Boyen und Clausewiß das preußisdie Heerwesen gänz= lid um; an die Stelle der geworbenen Söldnertruppen trat die allgemeine Wehrpflicht und die verborgene Kraft der Landwehr; und das Ehrgefühl des Gemeinen wurde durch Eröffnung der Offizierstellen für Alle und durch Abschaffung entehrender Strafen geweđt. „Wehrhaftmachung des ganzen Volks und Veredlung des Krieg8= dienstes durch allgemeine Dienstpflicht ohne Stellvertretung, rasche und tüchtige Ausbildung der Massen, sittliche und wissenschaftliche Hebung der Offiziere, Gleichheit der Redite und Pflidyten für Alle ohne Rücksicht auf Geburt, Aufsteigen vom Soldaten bis zur höchsten Befehlshaberstelle nach Verdienst, in Friedenszeiten nach Maßgabe der Kenntnisse und Bildung, im Kriege durch ausgezeichnete Tapferkeit und Ueberblid, Begründung der Kriegszucht auf das Vaterlands- und Ehrgefühl mit Absdaffung der herabwürdigenden Strafen der Stodschläge und des Gassenlaufens, Einfadbeit und Leichtigkeit der Uebungen und Bewegungen des Einzelnen wie des Heeres mit Beschränkung des geisttödtenden und erbrüdenden Kamaschendienstes, Alles unter der Leitung träftiger, einsichtiger, charakterfester Befehlshaber, sind die Grundgedanken der Bildung des neuen preußischen Heeres,“ wie es, „eine neue Pallas, Waffen- und Weisheitgerüstet,“ aus Scharnhorsts Haupte hervorging. Der hodyfin= nige, vaterländische Freiherr von Stein führte, unterstützt von Schön und an= Stetn dern patriotischen Männern, das Volk und den Bürgerstand zum Bewußtsein seiner 1831. Nedte und Freiheiten, indem durdy seine Wirksamkeit das Erwerben von Grundeigenthum jeder Beschränkung entbunden, die Erbunterthänigkeit und die feudalen Ständeunterschiede aufgehoben, die Theilbarkeit der Lehnsgüter gestattet und eine auf Freiheit und Gemeinsinn gegründete Städteordnung nebst einer Provinzial- 9: Ost. vertretung eingeführt wurden. Es war der erste große Schritt, „einen freien Bauernstand zu schaffen und an die Stelle der fastenartigen Trennung ein vor dem Gefeße gleichberechtigtes Bürgerthum herzustellen.“ Stein's Wirksamkeit war eine große Wohlthat für das preußische Land, indem durch dieselbe nicht nur die schweren Leiden der Gegenwart möglichst gemildert, sondern auch die zukünftige Lage des Volfes gebessert ward. „Den Bürgern und Bauern ward vergönnt, Grundbesit zu haben, den Adeligen, Gewerbe und Handel zu treiben, ohne sich etwas zu vergeben; die Laften, welche aussdhließend auf den geringern Klassen ruhten, wurden aufgehoben, so laut aud Adle, welche vom alten Zustand Vortheil zogen, murrten. Die Verpflichtung der Landleute, denen, die in töniglichen Geschäften reisten, gegen geringe Bergütung Vorspann zu geben, hörte auf; Zwangs- und Bannrechte von Mühlen, Brennereien und Brauereien wurden abgeschafft oder sehr beschränkt und besser als porher bestimmt. Das Verhältniß der Rittergutsbesitzer zu den Bauern ward geordktet and die Ablösung mancher lästigen Dienste und Entrichtungen den Bauern möglich gemacht. Innungen und Zünfte wurden aufgehoben und Gewerbfreiheit ge=

borst

1813.

1757

Stellen dergelassen hiemandem veren die Stadtspiße und

währt; die Gemeinderäthe und deren Wahl anders eingerichtet und viele Klostergüter, Probsteien, Kapitel, deren Einkünfte niđịt für Kirchen und Shulen nöthig waren, fäcularisirt.“ Nach der neuen Communalordnung waren die Städte nada der Zahl ihrer Einwohner in drei Gruppen getheilt, in große, mittlere und kleine. In jeder Stadt stand ein Magistrat an der Spiße und ihm zur Seite eine von der Bürgerschaft gewählte Vertretung, die Stadtverordneten. „Es gab fortan nur ein Bürgerrecht, das Niemandem versagt werden konnte, welcher sidh in der Stadt häuslich niedergelassen hatte und von unbescholtenem Wandel war." Die meisten dieser Stellen waren unbesoldete Ehrenämter, zu denen jeder Bürger berechtigt und verpflichtet war; der Oberbürgermeister sollte aus drei Vorgeschlagenen von der Regierung ernannt werden. Ferner wurden die Abgaben gleichmäßiger vertheilt, durch Sparsamkeit, Gehalts- und Pensionsverminderung und guten Staatshaushalt die Kriegslasten gemindert und eine Repräsentation des Volts mit Zuziehung berathender, wissenschaftlich) - tedynischer Deputationen empfohlen, um die Wünsche und Debürfnisse der Nation an den König zu bringen, „da unter den damaligen Umständen an neue Stände nicht gedacht werden konnte." -- Diese „neuen Stände" oder vielmehr eine dem Zeitgeiste entsprechende reichsständisde Verfassung mit einem freisinnigen und gerechten Wahlgesetz und mit der Befugniß, bei der Gesetgebung und Besteuerung des Landes mitzuwirken, die Verwaltung des Staatshaushaltes zu überwachen und Beschwerden und Petitionen einzubringen, sollte den Soylußstein zu dem großartigen Drganisationswerke des Freiherrn von Stein bilden. Aber dieser legte Plan fam nie zur Ausführung; Anfangs hinderten ihn die Umstände und Steins Flucht, später reactionäre Einflüsse. Auch von den übrigen Entwürfen wurden manche gar nicht verwirklicht, andere verstümmelt und ges(wädyt. Aber dennod waren diese Anordnungen der Kern, aus welchem sich fast Åles entwidelte, was seit jener Zeit die preußische innere Verwaltung in vieler Hinsicht vor andern Regierungen ausgezeichnet hat." — Durd seine Reformen machte sich Stein unter der altpreußischen Aristokratie viele Feinde; diese verbanden sidh mit der französischen Bartei und suchten durch Ränke und Verdächtigungen die Entlassung des Ministers zu bewirken. Ein aufgefangener Brief von Stein an den Fürsten von Wittgenstein, in welchem unter Anderm geäußert war, man müsse den Geist der Unzufriedenheit im Königreich Westfalen unterhalten und Preußen zu einem Anschluß an Desterreid bewegen, wurde zu seinem Verderben benugt. Stein wurde dem König als der Mit

telpunkt einer großen Verschwörung geschildert und dadurdy seine Entlassung aus Januar dem Staatsdienst erwirkt. Naum war diese erfolgt, als ein Machtspruch Napoleons 1809. den ,,Namens Stein" ächtete und seine innerhalb des Rheinbundes gelegenen Güter

für verfallen erklärte. Zur Betrübniß aller echten Patrioten verließ nun der Freiherr eilig die preußischen Lande und flüchtete sich zuerst nach Böhmen, dann nach Rußland, nachdem er noch in einer Dentsdrift, die man in der Folge ald, Steins Testament“ verehrte, seine freisinnigen politischen Grundfäße tund gegeben. Sein Nachfolger, der Staatskanzler von Hardenberg, wirfte indessen nach Kräften in Steins Geiste fort und förderte die Verminderung mittelalterlicher Standesrechte und besdränkter Territorialbegrenzung. Unter den Auspicien des gewandten, tlugen Staatskanzlers wurde um 1809 durdy Humboldt, Altenstein, Niebuhr, Soleiermacher u. A. Die Berliner Üniversität gegründet, die für Erwedung einer freimüthigen, vaterländischen Gesinnung einflußreich wirkte. Auch Ficte's „Reden an die deutsche Nation" (Änh. 9. 63), worin er unter Anderm zu einer volksthümlichen Erziehung aufrief, die sittliche Bildung und die nationale Wiedergeburt als sich gegenseitig bedingend zusammenstellte und nur in der eigenen Kraft Hülfe und Erlösung aus der traurigen Gegenwart erbliďte, sowie der von dem IustigAssessor H. Bardeleben, von Mosqua, Lehmann u. A. gegründete Tugend: bund, dem viele edle Männer des Landes und eine Anzahl jüngerer Offiziere, die fidh später einen ehrenvollen Namen erwarben, angehörten oder doch geneigt waren, trug zur Erwedung eines patriotischen Sinnes und eines lebendigeren Gefühls für die Ehre der Nation in Deutschland bei, wenn auch der Einfluß des Bundes auf die nädste Gestaltung der Dinge nicht so bedeutend war, als man lange geglaubt. Das Mißtrauen der französischen Polizei und einzelne Uebertreibungen und Unvorsichtig= feiten des Bundes selbst führten schon am Ende des Jahres 1809 dessen Auflösung berbei. Auf diese Weise wurden die Grundsäge wahrer Ordnung, Freiheit und Nationalität wie ein stummes Geheimniß bewahrt, bis die Morgenröthe fam.“

III.

1207.

Türkei. Im Frieden von Tilsit wurden der mit Napoleon befreundeten und von ben Engländern und Russen befriegten Pforte die Donauländer (Moldau und Walladei) zurüderstattet. Der Großsultan Selim III., von dem französischen Gesandten Selim Sebaftia ni geleitet, suchte die Türkei der christlichen Cultur zu nähern und nahm meh. 1789– rere den mohammedanischen Eiferern verhafte Reformen vor. Durch Einführung des euros päischen Kriegs- und Seerwesen8 suchte er die trokigen Ianitídaren zu schwächen und zu verdrängen; dieser Versuch [dlug bald zu Selims Verderben aus. Unterstütt von dem Mufti und den Ulemas empörten sich die Janitscharen und zwangen den Raiser, seine Rathgeber ihrer Rache zu opfern. Zitternd trat der finderlose Sultan seine Macht an seinen Neffen Mustapha (IV.) ab, der durch Abstellung aller Neuerungen den Aufstand beo 1807. rubigte. Mustapha's Herrschaft war jedoch nicht von Dauer. Bairaltar, Basda von Rutídud, ein Anhänger Selims und seiner Reformen, empörte sich, drang in die Hauptftabt und stürmte das Serail. Aber seine Absicht, dem vorigen Sultan Selim die Herr- Juli daft zurüđzugeben, führte dessen Ermordung durch Mustapha herbei. Bairaktar rächte biele Blutthat burdh den Mord aller Rathgeber Mustapha's und durch die Absegung des Sultans. Sein Bruber Mahmud wurde Beherrscher der Gläubigen und Bairaktar al8 Mab: Großvezier stellte Selims Einrichtungen wieder her, rief aber dadurch einen neuen Auf- 7808Fland der Janitscharen hervor, der ihm und seinen Truppen nach der tapfersten Gegenwehr 1839. ben Untergang brachte. – Nach der Ermordung des frühern Sultans Mustapha willigte Ma bmud in die Rüdtehr des alttürtischen Wesen und rettete dadurch seinen Thron. Novbr. Die enge Verbindung Napoleons und Alexanders nach der Zusammenkunft in Erfurt führte einen Bund der Pforte mit England berbei. Bald darauf entstand ein dreijähriger blutiger Krieg zwijgen Rußland und der Türkei über den Besitz der Donauländer, der duro Englands Vermittelung in dem Augenblid mit dem Frieden in Bukarest beendigt warb, als Napoleon ganz Europa gegen Rußland bewaffnete. In diesem Frieben wurde ber Mai

1812. Bruth all Grenzfluß zwischen den beiden Reichen bestimmt.

1808.

8. 752. d) Frankreich. Rußland. England. Seit dem Frieden von Tilsit war Europa's Freiheit und Unabhängigkeit von drei Seiten bedroht, von Frankreich, Rußland und England. Zum Glück ließ sich die englische Regierung nicht so von Napoleons Neßen bestriden wie Alerander von Rußland, der nunmehr mit dem französischen Kaiser Hand in Hand ging und sein Reich im Süden gegen die Türkei und im Nordwesten gegen Schweben ebenso zu vergrößern suchte, wie Napoleon in der pyrenäischen Halbinsel und an andern Orten. England beherrschte die Meere ebenso despotijd, wie Napoleon das Festland; auch es achtete nur das Recht, dem die Kraft der Selbstvertheidigung beiwohnte. Nach der Zusammenkunft Napos seons mit Alexander auf dem großen Fürstentag in Erfurt, wo der 27. Sept. ganze Glanz europäischer Herrlichkeit entfaltet wurde und wo vier Könige

1808.

1808.

und 34 Fürsten aus Deutschland sich einfanden, um dem Gewaltigen ihre

Huldigungen darzubringen und „sein Gefolge zu vergrößern“, stand Europa 12, Dct. in Gefahr, theils unter die fränkische, theils unter die russische Botmäßigkeit

zu gerathen. Ein geheimer Vertrag verband die beiden Kaiser zu gegenseitigem Beistand und zur Anerkennung ihrer Macht auf Grund des dermaligen Besipstandes mit Einschluß der begonnenen Eroberungen. Aber der Bund der Mächtigen scheiterte an der Kraft der Völker, deren Gefühle und Leidenschaften man nicht in Anschlag gebracht hatte. -- Gestärkt durch Rußlands

Freundschaft richtete nunmehr Napoleon seine ganze Wuth gegen das unges 21. Nov. brochene Eiland. Das berüchtigte Blocadedecret vom Jahr 1806, das

allen Verkehr mit England verbot und alle englischen Waaren wegzunehmen befahl, war der Anfang des lästigen und drückenden Continentalsystems, dem das britische, von Portland, Canning, Castlereagh u. 4. geleitete Ministerium die Verordnung entgegenseşte, daß jedes neutrale Schiff das aus einem Hafen Frankreichs oder seiner Verbündeten auslaufe, weggenommen werden dürfe.

§. 753. Die Vorgänge in Scandinavien. König Gustav IV. von Schweden, der bisher im Bunde mit Preußen und Rußland den Krieg wider die Franzosen geführt, trat dem Frieden von Tilsit nicht bei, sondern seşte, von England mit Subsidiengeldern unterstütt, den Kampf allein fort. Erkannte man darin anfangs Charakterstärke und Großmuth, so zeigte doch bald sein grenzenloser Eigensinn und die gänzliche Mißkennung seiner Stellung und Kräfte, daß sein Geist sich in einem zerrütteten Zustand befände. Durchdrungen von der Heiligkeit der Königswürde versagte er dem durch das Schwert, nicht durch Gottes Gnade zum Beherrscher Frankreichs emporgestiegenen „General Bonaparte" den Kaisertitel; in religiöser Schwär: merei befangen glaubte er jich von der Vorsehung berufen, die Bourbons wieder herzustellen und das apokalyptische Thier (Napoleon) zu stürzen. Er ging in seinem Hasse gegen Napoleon so weit, daß er Preußen und Rußland, weil sie mit dem Usurpator Frieden geschlossen, durch Zurücksendung ihrer Drden und Verweisung ihrer Gesandten aus Stockholm tödtlich beleidigte. Durch dieses unfluge Betragen zog er über sein Volf unsägliches Unglüd

herab und brachte sich selbst um den Thron. Die Franzosen eroberten Stral: • 1807. sund und die Insel Rügen und raubten den Schweden die legten Besigun

gen in Deutschland, indeß die Russen mit Heeresmacht in Finnland eins Novbr. drangen und sich mit leichter Mühe dieses günstig gelegenen Landes bemädie

tigten. – Die Engländer, besorgt, die Franzosen möchten an der Ostsee festen Fuß fassen und durch Sperrung des Sundes ihre Schiffe von allem Berlebt mit den dortigen Küstenländern ausschließen, stellten an Dänemark Den

Antrag, sich mit ihnen zu verbinden und seine stattliche Flotte ihnen in Ber: 2.-5. wahrsam zu geben. Diese Zumuthung wurde von dem König mit Entrüstung 1807. abgelehnt. Da erschien eine englische Kriegsflotte im Sund, bombardirte

Februar

Septbr.

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