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1800.

2. Aug.

1802.

und Pfiffen vertrauten Fouché u. A. stand. Diese Verfolgungen nahmen zu, als 2. Dec. der fühne Norse Arena und der talentvolle Bildhauer Cerac d i mit einigen Ge

fährten den Entschluß faßten, den ersten Consul niederzustoßen, aber, von Fouché entdeckt, mit dem Leben büßten. Von dem an wurden alle Verschwörungen und Mordanschläge zum Verderben der demokratischen Republikaner benuşt, auch wenn diese nicht im mindesten dabei betheiligt waren, so das verwegene Unternehmen, ver

mittelst der sog. Höllenmaschine, eines mit Pulver, Kugeln und Brennstoff fünst24. Dec. lich gefüllten Fasses, Bonaparte bei einer Fahrt nach dem Opernhaus in die Luft zu

sprengen, ein Attentat, dem Napoleon nur durch die Schnelligkeit seines Kutsers entging, durch das aber mehrere Häuser zerstört und viele Menschen getödtet wurden. In Folge dieser Frevelthat wurden 130 als Terroristen und Septembermörder bez zeichnete oder verdädytige Jacobiner zur Deportation verurtheilt und selbst dann nidyt begnadigt, als sich herausstellte, daß der Ansdylag von Royalisten aus der Umgebung des Grafen v. Artois (Cadoudal, Hyde de Neufville u. A.) ausgegangen sei.

Gefährlicher und ausgedehnter wurden die Verschwörungen gegen Bonaparte, als 48. ihm durch Volksabstimmung das Consulat auf Lebenszeit übertragen und das

Recht zugetheilt ward, seinen Nachfolger zu ernennen. Dadurch ward den Bour: bonen die legte Hoffnung abgesdhnitten, weshalb die Emigranten, von dem englisden Ministerium und seinen Gesandten und Diplomaten in Deutscland mit Geld und andern Hülfsmitteln unterstüßt, Ades aufboten, um Napoleon zu verderben. Als Werkzeuge ließen sich abermals der verwegene George Cadoudal und der riesenstarke General Picegrü, der (djon früher mit Condé in Verbindung gestanden und sich seit seiner Flucht aus Südamerika (S. 734) in England aufhielt, gebrauchen. Sie begaben sich heimlich nach Frankreid), hielten mit Moreau, der Napoleons Herrenthum haßte, eine Zusammenkunft, wurden aber entdeďt und mit etwa 40 Mit verschworenen verhaftet. Noch ehe über ihr loos entschieden war, ließ sich Napoleon, dem man vorgestellt hatte, daß der Herzog von Enghien, der ritterliche Entel des Prinzen von Condé, die Seele aller royalistischen Verschwörungen sei, zu einer

empörenden Handlung hinreißen. Auf seinen Befehl wurde der junge, talentvolle Sony Edelmann in dem badensden Städtchen Ettenheim durd) eine Sdjaar Bewaffneter 1804.

in der Nacht ergriffen, in größter Eile über Straßburg nadı Baris geführt, durd ein hastiges Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und trotz seiner hochherzigen Ver

theidigung, worin er jeden Antheil an dem Complot entsdieden zurüdwies, in dem 21. Mirz. Graben von Vincennes erschossen. Diese That, die Bonaparte in eine Reihe mit den

rasenden Scređensmännern vom Jahre 1793 stellte, empörte ganz Europa und machte das Lob seiner Bewunderer verstummen. Der romantische Dichter Chateaubriand, der Verfasser des berühmten Werkes „Genius des Christenthums“, das die Rückkehr des dyristlichen Cultus und den Abschluß des Concordats angebahnt hatte, entsagte dem Staatsamte, das ihm Bonaparte's Sdwester Elisa verjđafft, und begab sich nach der Schweiz. In Negensburg suchten Rußland, Schweden (für Pommern) und England (für Hannover) eine Erklärung zu erwirken, wie sie die Würde und Selbständigkeit des Reid)s bei folder Rechtsverlegung zu fordern sdien, aber die Bevollmächtigten der deutsden Regierungen zögerten mit der Abgabe ihrer Stimmen so lange, bis die Reichstagsferien ihre schleunige Abreise gestatteten. So

stark war die Furcht vor dem mächtigen Nachbar. Einige Monate später wurden 24. Oct. auch der englische Geschäftsführer Ruinbold aus derselben Ursache von dem Þam

burger Gebiet gewaltsam weggeführt, aber auf Preußen8 Verwendung wieder frei

gegeben. Bald nadher erfüdte sid, das Sdid jal der Verscwornen. Pichegrü war 25. Junt. bereits im Gefängniß eines gewaltsamen Todes gestorben, ob durch eigene Band

oder fremde, ist ungewiß; George Cadoudal bestieg mit elf MitversĐwornen die Guillotine und der jdwadhe, von seiner Frau und Schwiegermutter geleitete Moreau

15. M

willigte in eine freiwillige Verbannung nach Amerika, nachdem er durch ein höchst wiltürliches Gerichtsverfahren zu zweijähriger Haft und Tragung der Gerichtskosten verurtheilt worden war. Die Uebrigen wurden theils eingeferkert, theils unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Furcht vor der geheimen Macht der Legitimität bewirkte, daß Napoleon fortwährend mit Unruhe und Besorgniß auf die emigrirte Königsfamilie blidte, und die Enthüllung seiner Versuche, im Anfang des Consulats mit dem in Warschau weilenden Ludwig XVIII. in Unterhandlungen zu treten, von Seiten des Getäuschten, reizte den Zorn des Machthabers gegen die Bourbonen. Sowohl die Ermordung Enghiens als die spätere Entthronung der Bourbonen in Neapel und Spanien gingen aus diesem Gefühl des Zorns und der Rade hervor.

II. Das französische Kaiserreich (1804-1814). §. 745. Das Kaiserthum. Diese Verschwörungen wurden von Bonaparte zur Ausführung seines langgehegten Planes der Errichtung einer Erb monardie benußt. Durch die Macinationen seiner blinden Anhänger wußte er es dahin zu bringen, daß die Uebertragung der erblichen Kaiser würde mit dem Rechte einer entsprechenden willkürlichen Verfassungsänderung an den ersten Consul von dem Tribunat in Vorsdlag gebracht, von dem Senat bestätigt und von dem 18. Mat. Gesammtvolke mittelst Listen mit Namenguntersdriften gutgeheißen ward. Wäh=' rend nod; die Gemüther von den blutigen Hinriđịtungen in angstvoller Aufregung befangen waren, wurde Napoleon I. als Kaiser der Franzosen ausgerufen und am Ende des Jahres von dem Papste in der Notre-Dame-Kirche feierlich gesalbt. Die 2, Dec. Arone jedoch jeßte er sich und seiner vor ihm knieenden Gemahlin Josephine selbst auf: Þaupt. Das glänzende Krönungsfest schien der Schluß der Revolution zu sein, da nun allmählich alles Alte, dessen Vertilgung Tausende von Menschenleben geloftet, wiederkehrte. Der neue Kaiser umgab seinen Thron mit einem glänzenden Hofstaat, an dem die alten Titel, Drden und Rangstufen unter anderer Form wieder auflebten. Er selbst blieb zwar stets militärisd einfach, aber die Glieder seiner Familie wurden zu Prinzen und Prinzessinnen mit reichen Dotationen erhoben; feine Generale, fast sämmtlid, aus bürgerlichen Lebenskreisen und aus den Reihen gemeiner Soldaten emporgestiegen, wurden Marschälle; ergebene Diener und Förderer seiner Pläne wurden als Großwürdenträger der Krone oder als Senatoren mit großen Einkünften an den neuen Kaiserthron geknüpft. Die Bea gründung eines neuen lehen 8 - Adels mit den alten Titeln von Fürsten, Herzögen, Grafen, Baronen vollendete den neuen Prachtbau eines glänzenden Kaiserhofes. þeimgezogene Royalisten und Republikaner drängten sich um die Wette in den Raiserpalast, der bald an Glanz nicht nur den ehemaligen Hof von Versailles, sondern alle Fürstenhöfe überstrahlte. Reichbefoldete Hofbeamte, Sdimeichler und Dhrenbläser fanden sich wieder reidlich ein und das Volk vergaß abermals über den Fest= lidleiten und dem Gepränge den Verlust seiner Freiheit. Nur Carnot und Lafanette huldigten dem neuen Herrenthum nicht und trugen daher weder Würden fod Titel zum Lobne. Die republikanischen Einrichtungen gingen allmählid unter. Der alte Kalender wurde wieder eingeführt. Der neue Lebensadel durfte Majorate 1806. gründen, der Klerus und die Ordensgeistlichkeit griff wieder in die Erziehung ein, die Presie wurde strenge überwadyt, die persönliche Freiheit mißachtet, die politilde Thätigkeit des Voltes und das Wahlrecht der Bürger immer mehr beschränkt. Jeder Widersprudy war dem Herr der unerträglich; er bedurfte des einheitlichen Madytgebrauchs und konnte nicht wollen, daß ständijde Körperschaften über die Mit

Beber, Geschichte. II. 9. Aufl.

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tel der Macht verfügten. Darum verminderte er schon im Jahre 1802 die Zahl ber

Tribunen auf 50, verbot dann die algemeinen Berathungen und hob zuleßt das 1807. ganze Institut des Tribunats auf. Fortan galt nur Gehorsam; und Frankreid stand

unter einer Zwingherrsd)aft, die gewaltiger war als die des alten Königthums. Aber
dieser Zwingherr war ein großer Mann, darum beugte man sich williger unter ihn
und die Errungensdhaft der Revolution. „In den Ideen und Thatjadyen der fran:
zösisdhen Umwälzung erwadysen, rein gehalten von ihren Verbrechen, begabt mit der
Geistesstärke, ihre Wahrheiten wie ihre Verirrungen zu erkennen, war er in Zeiten
innerer und äußerer Zerrüttung der Retter Frankreichs geworden und schien berufen,
der Sammler der großen Ernte des Jahrhunderts, der Wohlthäter Europa's, der
Begründer einer neuen Ordnung der Zukunft zu werden.“ Gleichheit vor dem Ge-
setze, gleiche Besteuerung und Eigenthumsrecht des Bauern an dem Grund und Boden
madyte den Druck erträglicher. Wohl war das Conscriptionsgereg während
der blutigen Kriege eine sdwere Zucytruthe und die directen und indirecten Steuern
(Droits réunis) eine große last, aber dennoch mehrte sich die Bevölkerung und der
Wohlstand, weil der gemeine Mann ein Eigenthum besaß und das Gefühl persön-
lidyer Freiheit ihn zur Thätigkeit anspornte. Wohl war die drüdende Continen-
talsperre, wodurch der englische Handel ruinirt werden sollte, eine harte Plage,
die das unsittliche Gegengist eines großartigen Schleidhhandel 8 nothwendig
machte - aber im Innern des mädytigen Kaiserreid)s blühte der Handel ohne hem-
mende Schranken und an Geld war Ueberfluß. Die Industrie dritt mit Riesensdrit-
ten voran, bürgerliche Künste nahmen einen gewaltigen Aufschwung, Gewerbsqulen
bildeten Handwerker, die bei dem allgemeinen Wohlstand prosperirten und wohlhabend
wurden. Die praktischen Wissenschaften fanden Schutz und Beförderung und er:
reichten eine hohe Blüthe, und selbst Poesie und dramatische Kunst ermangelten nicht
der Aufmunterung. Großartige Straßen, wie die über die Alpen, Kanäle, Brüden
und Anlagen aller Art sind nod; heut zu Tage sprechende Denkmale der rastlosen
Thätigkeit dieses merkwürdigen Mannes. In Paris erhoben sich glänzende Paläste,
majestätische Brüden und herrliche Straßen; im Louvre war Alles vereinigt, was die
Kunst irgendwo Großes und Herrliches geschaffen hatte, die französisdie Hauptstadt
prangte in nie gesehener Pracht. Der Ruhm, der von dem Kaiser der Nation ver:
lieben wurde, madyte dieser jedes Ioch leidyt; sie vergaß, daß unter dem Geräusche der
Waffen und unter dem Schal der Trompeten die Sprache der Freiheit verbalte, und
daß der hodytrabende Ton der Schlachtberichte (Bülletins) und die Prunfreden
des Senats und des gesebgebenden Körpers Wahrheit und Aufrichtigkeit vertilgten.
,,Die Zöglinge und Erben der Demokratie überboten sich in Scmeidyelei und Weih-
raud, der Verehrung; der „große“ Napoleon genügte nicht mehr, es ward ein „ei-
liger“ Napoleon erfunden, in dessen Cultus zugleich die Wiederherstellung der He-
ligion und die Geburt des Kaisers vereinigt war."

Mai 1803.

1. Der dritte Coalitionskrieg. S. 746. Die neue Coalition. Während die Engländer den Wieders ausbruch des Kriegs mit Frankreich benugten, um holländische und französische Schiffe unerwartet wegzunehmen, ließ Bonaparte seine Truppen unter Mors tier an die Weser rücken, um das dem englischen Könige zugehörende Kurs fürstenthum Hannover zu beseten. Volk und Heer waren entschlossen, Gut und Blut an die Vertheidigung des Vaterlandes zu seßen, aber der selbstsüchtige Adel im Geheimerathecollegium und die feige Beamtenwelt zogen eine schmachvolle Capitulation, die das ganze Land bis an die Elbe den

Franzosen preisgab, einem ehrenvollen, möglicherweise mit Verlusten vers bundenen Kampfe vor. Anirschend mußte sich die tapfere Armee unter Wallmodens Oberbefehl nach dem schmählichen Vertrag von Suhlingen zuerst 3isoni über die Elbe ins Lauenburgische zurückziehen und dann in die von der mattherzigen Regierung befohlene Auflösung willigen. Waffen, Kriegsvorräthe 5. Juli. und treffliche Pferde kamen in die Hände der Franzosen, die nunmehr das Land mit ihren Truppen besegten, mit schweren Einquartierungen beimsuchten und durch Kriegssteuern und Lieferungen aussogen. Um Mitte Juli gab es kein hannöverisches Heer mehr und das arme Volk war schublos der freinden Zwingherrschaft und Polizeiherrschaft preisgegeben. Viele von Muth und Ehrgefühl erfüllte und von Vaterlandsliebe beseelte Männer flüchteten sich nach England, wo sie in die Reihen der deutschen Legion“ traten und die angestammte Tapferkeit in manchen Gefechten fern von der Heimath bes währten. „In dieser neuen Gestalt haben die braven Truppen im Kampfe gegen die Bonaparte'sche Zwingherrschaft die Scharte rühmlichst ausgewezt, die nicht sie selber, sondern eine unfähige Regierung verschuldet hatte.“

Man hat berechnet, daß die 26 Monate französisder Occupation dem Lande 26 Millionen Thaler gekostet haben, während man die jährlichen Einkünfte des Landes damals höftens zu 5 Millionen ansølug. ,,Der Zustand war so mitleiderregend, daß die Nachbarn þannovers, die Hanseftädte und selbst der Kurfürst von Hessen, unter der Form eines Anlebens der Lande, eine Beisteuer zusammenbrachten, die sich auf mehr als 2 Millionen Thaler belief, aber body nur einen kleinen Theil des Bedürfnisses deďte. Es ist shwer zu sagen, weld größeren Druc man hätte fürchten müssen, wenn man sich den Franzosen gewaltsam widersekte und als Ueberwundener nach der Strenge des Kriegsgesebes behandelt ward.“

Die drohende Haltung, die Napoleon von Hannover aus gegen den ganzen Norben annahm, verbunden mit seinen gewaltthätigen Uebergriffen in Italien, trugen dazu bei, das schon seit der Ermordung Enghiens erkaltete Bündniß zwischen dem französischen und russisdien Kaiser vollends zu zerreißen. Als daher Pitt, durch drungen von der Ansicht, daß für England und Europa feine Ruhe bestehen könne, jo lange die alle historisden Rechte und alles Staatswesen gefährdenden Ideen der Revclution in Frankreich Geltung hätten und von einem despotisden, allezeit schlag= fertigen Soldatenfaiser aufrecht erhalten würden, den von Napoleon nady Erridytung des Kaiserreichs abermals angebotenen Frieden zurückwies und mit Rußland über den Abschluß einer neuen Coalition Unterhandlungen anknüpfte, fand er eine günstige Stimmung. Kaiser Alerander, besorgt und eifersüchtig über Napoleons wadysende Madt in Italien (wo er sich durch eine nad Paris berufene Consulta zum König von Italien erklären und in Mailand mit der eisernen Krone der Lombarden feierlid frönen ließ), in Deutsdland (wo bei den Entschädigungsverhandlungen keine 17, März

1805. russischen Gesandten zugelassen wurden und die Huldigungen und Schmeicheleien, die Napoleon nach Errichtung des Kaiserreichs auf seinem Triumphzug durch die rhei= Sept. nisden Städte in Aachen, Köln und Mainz von Fürsten und Volt entgegennahm, das wachsende Ansehen und die schiedsrichterliche Stellung des neuen Gebieters fund gaben), in Spanien (das durch einen neuen Vertrag sich zur Lieferung von Schiffen und zur Entridhtung jährlicher Subsidien an Frankreich verpflichtete) und in Holland (wo der wadere Schimmelpennink gegen seinen Willen zur Errichtung einer monandijden Verfassung bebülflich sein mußte (S. 747. 2), und gereizt durcy man=

1804.

April 1805.

cherlei Kränkungen, die der französische Kaiser in seiner Heftigkeit dem russischen Ger fandten in Paris zugefügt, schloß mit England ein Bündniß, um Europa vor Napoleons Herrschsucht und Ländergier sicher zu stellen und Frankreich in seine frühern Grenzen zurückzudrängen. Bald trat Desterreid und wenige Wochen später So weden bei, und auch Neapel wurde leicht zum Anschluß gebracht, als eine englisch-rusfisde Flotte an der campanischen Küste erschien. England bezahlte mit Subsidiengeldern die Vortheile, die es durch die Coalition zu gewinnen hoffte. Preußen dagegen blieb neutral, so sehr auch die kriegeris gesinnte Partei, die hochherzige, mit allen königlichen und bürgerlichen Tugenden gesamüdte Königin Luise und den tapfern und lebensfrohen Prinzen Louis Ferdinand an der Spige, den vaterländischen Sinn zu beleben und den friedliebenden, unentblossenen König zum Anschluß an die Coalition zu bewegen bemüht war; dabei nahm es jedod) eine zweideutige, drohende Haltung an, die den französischen Machthaber beleidigte, ohne ihm zu schaden. Ein zwischen dem König und dem Staatsministerium stehendes Rabinet, worin die französisch gesinnten, alles vaterländischen Gefühls ermangelnden Kabinetsräthe $ aug wiß und Lombard und der eingebildete, besdränkte Beyme herrschten, besaßen des Königs Vertrauen und übten einen ver: derblichen Einfluß. Eine Denkschrift des Freiherrn von Stein, der damals die Stelle eines Ministers über Zol-, Handels- und Banksachen bekleidete und den König durch eine ,,Darstellung der fehlerhaften Drganisation des Kabinets und der Nothwendigkeit der Bildung einer Ministerialconferenz“ zur Entlassung seiner Räthe und zur Aenderung seiner Politik zu bewegen suchte, blieb vorerst ohne Erfolg.

Prinz Louis. „Dem Prinzen Louis Ferdinand, dem Better des Königs," fagt Häusser, ,,hatte die Natur die Talente verlieben, der ritterliche Held und Vorlämpfer dieser rauhen, eisernen Zeit zu sein. Mit den reichsten fürstlichen Gaben ausgestattet, voll tapferen, verwegenen Muthes und frischer Lebensfreudigteit, in allen ritterlichen Künsten Meister, geistreich, wipig, beredt, mit künstlerischen und geselligen Gaben verídwenderisch ausgerüstet, zugleich von einem freien Blid über die Weltlage und keineswegs befangen in dem blinden Aberglauben an die Vortrefflichkeit des alten Wesens, idien dieser Priny der jeßt in der vollen Jugendkraft des Lebens stand, mehr als jeder Andere geboren, den altpreußischen Heldensinn und die geniale Eigenthümlichkeit der Zeiten des großen Königs in sich zu einem Bilde zu vereinigen. Es fehlte ihm leider nur die alte preußische Strenge und Zucht. Nicht als wenn eine solche Natur in den Genüssen, womit er fich betäubte, in Spiel, Ausgelassenheit, Liebesabenteuern und frivoler Gesellschaft so leidit hätte untergehen können, der edle Stoff in ihm hat sich in den entscheidenden Momenten nie verleugnet, aber es warb doch eine Kraft zersplittert und vergeudet, die den Beruf zum Größten in sich trug.“

Italien. 3u Italien wurde nicht nur die italienische Republit in ein könig. reid Italien umgewandelt und als Stellvertreter der Kaisers sein Stiefsobn Eugen Beauharnais zum Vicetönig eingelegt, sondern Napoleon vergrößerte dasselbe aud durch Beifügung von Barma (welches die andern Mächte dem König von Sardinien als Ersay für Piemont geben wollten), verlieh die zur engbegrenzten Aristokratie eingeschrumpite Republit lucca mit Biombino und einigen umliegenden Orten seiner als Gönnerin der Gelehrten und romantischen Dichter gepriesenen Schwester Elija und ihrem torsijoen Gemahl Bacciocdi al8 erbliches Fürstenthum, bis sie später, als aud Hetrurier (Toscana) mit Frankreich vereinigt ward, die Verwaltung dieses landes erhielten. In Lucca blieb die Regierung Elisa's und ihres Gemahls in gutem Andenken. Sie war voll Thätigkeit und guten Willens. Der Code Napoleon wurde eingeführt, die Moble thätigkeitsanstalten und Gefängnisse, das Erziehungewesen der höbern Stände wie die Elementarsąulen für das Volt und namentlich die landgemeinden, Ađerbau und Gewerbe

1805.

1809.

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