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Dientesten Inlämuffichen Einfachheit, Shraichaftlichen Ton der er i felger Friedrid

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meister wurden gar oft bei Belegung hoher Hof- und Verwaltungs-Xemter den verdientesten Inländern vorgezogen, und ihre leichtfertigkeit und modische Genußliebe brachte der altdeutschen Einfachheit, Ehrbarkeit und Sitte tiefe Wunden bei und ver

giftetë das öffentliche Leben und den gesellschaftlichen Ton der größern Städte. Friedrich §. 690. Friedrich Wilhelm II. Friedrich II. Nachfolger Friedrid

i. Wilhelm II. befolgte in vielen Dingen andere Grundsätze als sein Dheim. Die 1786–97. lästige Regie sammt dem Tabafs- und Kaffeemonopol wurde aufgehoben, die fran

zösischen Beamten erhielten ihre Entlassung, das Heer- und Steuerwesen wurde auf eine den gemeinen Mann minder drückende Weise umgewandelt, der deutschen Bila dung wurde mehr Rechnung getragen und dem Unterrichts- und Erziebungswesen durch Einführung eines „Oberschulccllegium“ größere Sorgfalt gewidmet; aud Landwirthschaft, Gewerbewesen und Handel fanden Aufmunterung, und der Verkehr wurde durch Anlegung von Kunststraßen erleichtert. Aber durch verkehrte Politik nach Außen, durch ein unsittliches Hofleben und durch Besdränkung der Geistess freiheit im Innern verlor der preußische Staat die Würde und freie Haltung, die

ihm Friedrich verliehen. Der Minister Herzberg, ein Anhänger des Systems vom 1789. politischen Gleichgewicht, beredete den König zu einem zwedlosen Bunde mit der

Pforte, um Desterreich und Rußland abzuhalten, ihre Grenzen gegen die Türkei auszudehnen, oder eine neue Ländervertheilung zu erwirken, in Folge deren Danzig und Thorn preußische Besißungen werden sollten. Diese Politik, die Preußen eine Zeit lang zum Schiedsrichter der europäischen Angelegenheiten zu machen dien, nahm durch die schwankende, unsichere und unschlüssige Haltung Friedrich Wilhelms zulegt eine ungünstige Wendung; die Unterhaltung eines beträchtlichen Heeres auf dem Kriegsfuß verursachte große Ausgaben, wodurch ein bedeutender Theil der Ersparnisse Friedrichs nuglos versdwendet wurde. Aber noch schlimmer war die moralisde

Niederlage. Von Desterreich iin Reid en badher Congreß überlistet, gab Preu1790.

ßen die gebieterische Stellung auf, ohne die gehoffte Gebietserweiterung oder irgend einen andern Vortheil erlangt, oder auch nur der Pforte Erleichterung verschafft zu haben, und verließ somit die entschlossene, fühne und thatfräftige Politik früherer Tage. Die nächste Folge davon war der vollständige Sieg Desterreichs in den Nie= derlanden und in Lüttich. Hier hatten die Unterthanen den Fürstbischof zur Abstela lung einiger Mißbräude und zu einer Reform der Verfassung gebracht. Mißmutbig über die Aenderung entfloh der Bischof, widerrief treulos alle Zugeständnisse und suchte und erlangte Hülfe bei dem Reid)skammergerid)t. Executionstruppen rüdten ein, wurden aber zurückgeschlagen. Umsonst suchte nun Preußen eine Vermittelung

zu Stande zu bringen. Der Einfluß von Trier und Köln überwog in Weßlar und 1791. bewirkte, daß österreichisches Kriegsvolf von Brabant aus in Lüttich einrüdte und den

alten Rechtszustand gewaltsam wiederherstellte. Dies führte bald nachher den At fall dieses Grenzlandes an Frankreich herbei. Noch weniger fand die innere Regierung Friedrich Wilhelms II. Billigung und Lob. Um den firdenfeindliden Be strebungen, die unter Friedrich: II. Schutz in Preußen Eingang gefunden und in Flachbeit und Trivialität ausgeartet waren, entgegenzutreten, zugleich aber aus die denkgläubige (rationalistische) Richtung, die durch Nicolai und seine Gesinnung genossen in der deutschen Literatur Boden gewonnen (Anh. . 61) zu unterbrüden, erließ der König auf den Rath des pietistischen Oberfinanzraths Wöllner bas bez rühmte Religions- Edict, welches den Geistlichen bei Strafe der Absegung jede Abweichung vom kirchlichen (durch die symbolischen Bücher festgestellten) Lehrbegriff verbot, die Anstellbarkeit der Prediger und Lehrer von einer Prüfung ibrer Restit: gläubigkeit abhängig machte und sie einer strengen Aufsicht unterwarf und die Ge wissensfreiheit dem Einzelnen nur gestattete, wo lange er ruhig als guter Staats: bürger seine Pflichten erfülle, seine jedesmalige besondere Meinung aber für fid

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behalte und sich sorgfältig hüte sie auszubreiten.“ Diese Beschränkung der Lehr- und Glaubensfreiheit erregte beftigen Widersprud), der durch die geschärfte Censurverordnung nicht beschwichtigt wurde. Der Einfluß der zur Gräfin von lidh tena u erhobenen Frau Rieß, Tochter des Hofmusikus Ente, und der pietistischen Umgebung (Wöllner, Bisdoff 8 werder u. A.) auf den finnlichen und mystijden König war für Preußens Ehre und würdige Haltung eben so unheilvoll wie die unpatriotisde Politik eines Haug wig, Lucchesini und Lombard. Anfangs mit Jubel und Schmeichelei empfangen und als der ,,Vielgeliebte" begrüßt, wurde Friedrid Wilhelm II. in der Folge über Gebühr getadelt und geschmäht. — Durch die Erwerbung der fränkisden Fürstenthümer Bayreuth und Anspad (womit auch der rothe Adlerorden an Preußen überging) und durch Polens Theilung nahm unter Friedrich Wilhelm II. der preußische Staat an Umfang und Menschenzahl zu. Der rasche Aufidiwung Preußens und die bedeutende Vergrößerung seines Gebiets erfüüte Hof, Adel und Heer mit einer gewaltigen Selbstüberhebung, die, durch das Kriegøglüc in Holland (§. 677) noch gesteigert, in der Folge dem Staate hödist verderblid) ward. Man schrieb dem eigenen Verdienste zu, was doch vorzugăweise die gesegnete Arbeit eines genialen Herrscherg“ war, und überfah die Gebrechen, die unter der glänzenden Außenseite verborgen lagen.

Friedrich Wilhelm II. und seine Minister und Günftlinge. „Friedric Bilbelm II. (geb. 1744) vereinigte mit einem starten durch Studium der Geschichte beo, reiderten Gedächtniß einen richtigen Verstand und einen edlen, woblwollenden Cbaratter, ein lebhaftes Gefühl seiner Würde; diese guten Eigenschaften verduntelte Sinnlichkeit, die ibn von seinen Mätressen abhängig machte, Hang zum Wunderbaren, zur Geisterseberei, wodurch mittelmäßige, schlaue Menschen ihn beberrschten, und Mangel an Beharrlichteit. Einen großen Theil der Fehler seiner Regierung muß man jedoch der Nation zusdreiben, die sogleich ohne Rüdhalt und Anstand vor seinen Günstlingen Bildhoffe werder und

311ner und seinen Mätressen frodi, in der Folge seine bessern politischen Pläne vereitelte und seine Freigebigkeit auf eine unwürdige Art bei der Verschenkung der polnischen Güter mißbrauchte.“ – „Hans Rudolf von Bischoffe werder, um's Jahr 1741 im thüringisden Sachsen geboren, dann in militärischen und höfischen Diensten verschiedener Herren, hatte seit dem bayerischen Erbfolgekrieg fich näher an den Prinzen von Preußen berangebrängt und war seitdem sein unzertrennlicher Begleiter und Rathgeber geworden. Bon feinem intriguanten Geiste, einer unergründlichen Zurüchaltung, mit dem Höfling8talente ausgestattet, unbedeutend zu erscheinen, und doch auch wieder sehr geschidt, durch eine geheimnisvolle mystisch-feierliche Außenseite zu imponiren, vou Herrsdsucht, ohne sie äußerlich an den Tag zu legen, hatte er die arglose und offene Natur Friedrich Wilhelms böllig umstridt, und höchstens der Einfluß der Rieß war im Stande, vorübergehend den jeinigen zu durdfreuzen.“ – ,,Johann Christoph von W 311 ner, 1738 zu Döberiß bei Spandau geboren, von Hause aus Theolog und seit 1755 Pfarrer zu Bebnitz, hatte seit 1759 diesen Beruf aufgegeben und war der Gesellschafter eines märkischen Adeligen, seines früheren Zöglinge, geworden; bald ward der Begleiter des jungen Igenpliß der Mitpächter der Behniķ'iden Güter, später dessen Schwager. Früher nur durch gedrudte Bredigten als Sdriftsteller hervorgetreten, warf er sich nun völlig auf Land- und Staatswirthschaft; seine literarijden Bersuche madyten ihn sogar zum Mitarbeiter der Nicolaischen allgemeinen deutschen Bibliothek." Seit 1782 unterrichtete er den preußischen Thronfolger in denselben Fädern, war dann unter der großen Zahl derer, an die der König 1786 den Adelstitel beridwendete, und erhielt neben der Stelle eines geheimen Oberfinanzrath® zugleich die Intendantur über die töniglichen Bauten, sammt der Aufsicht über die sogenannte Dispositiondtasje. Dies bunte Leben zeugte von ähnlicher Geschidlichkeit, Menschen und Berhältnisse zu lenken und auszubeuten, wie bei Bischofføwerber; nur miste fich in Wil. nern die Natur eines Entriguanten mit Frömmelei und pfäffischer Herrschsucht. Beide, Bischoffswerder und Wölner, waren seit Jahren befreundet, dieser zum Theil durch die Unterstügung des Andern emporgekommen, beide in die mystischen Gesellschaften verflochten, deren Geheimbündelei, deren Geistersehen und anderer Spuf einen so wunderlichen Gegenjag zu der Auftlärungssucht jener Tage bilden. Es wird immer somer zu ergründen sein, wie weit diese Männer und ihre Genossenschaft das weiche Gemüth des Königs und seine reizbare Phantasie zu rosentreuzerischem Betrug mißbrauchten; unter den Zeitgenossen bestand eine reiche Uiberlieferung über das frevelhafte Gaukelspiel dieser Art, womit sie sich ihre Gewalt über Friedrich Wilhelms Gemüth gesichert haben sollen.“ – „Haugwit, ein kleiner Mann mit freundlichem Gesicht und verbindlichem Wesen, aber dem Ausdrud der Oberflächlichkeit und Unzuverlässigkeit, besaß einen gewandten, biegsamen, schlauen Bers stand, seinem Charakter fehlte Reinbeit, Stätigkeit und alle Wahrheit. Er hatte im Laufe seines Leben8 mannidsaltige und einander widersprechende Formen angenommen: ein süßlicher Student, dann Nachahmer der sogenannten Genies, deutscher Sgöngeister mit dem Streben nach dem Schein ungebundener Sonderlinge, dann Landwirth, Theosoph, Geisterseber, Frömmler, Anhänger der Herrnhuter, bei denen er erzogen war, in deren Sinn er ein Gebetbuch schrieb. Zuleßt ausschweifend und genußliebend bis zur Erschöpfung, init oberflächlicher schönwissenschaftlicher und Weltbildung, die er durch Lesen und auf Reisen erworben hatte, leer an gründlichen Kenntnissen, obne Geschäftserfahrung, faul, abgespannt, zerstreut. Mit solchen Eigenschaften flößte er weder dhtung nodi Vertrauen ein, nod war er fähig einen großen Gedanfen zu ergreifen und im Kampfe mit großen Hindernissen in die Wirflichkeit zu führen. Er war abhängig bon den Umgebungen des Königs, besonber8 vom Cabinet&rath Lombard, mit dem er in einer der cynisden Gemeinbeit nabe tommenden Vertraulichkeit stand; feine Verbindung mit dessen jüngerem Bruder, Peter Lombard, war von der verworfensten Art." - „lucdesini war ein Mann von vielem, burch wissenschaftliche Kenntnisse und Welterfabrung entwiđeltem Geist, böchst fein und dlau, ein volkommener, scarf berechnender Egoist, der immer bereit war, seine Meinung aufzugeben, um nicht anzustoßen, und der nach dem Genuß der höchsten Vertrauens damit endigte, eine Kammerherrnstelle bei der Elise Bacciocchi anzunehmen.

§. 690 b. d) Die geistlichen Staaten. Friedrichs und Joseph: Reformbestrebungen fanden auch in andern deutsden Staaten, besonders in den geistliden Fürstenthümern, Nachahmung. Während nod in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die geistlichen Staaten an Bildung und Wohlstand hinter den andern Ländern zurüdstanden, die bischöflichen Regenten, ohne Liebe und Interesse für das Volt, die meistens kurze Frist ihrer Herrsdaft in genußreichem Müßiggang zubrachten, jede Neuerung fern hielten und statt das Ehrgefühl der Arbeit in der Berölferung zu weđen und Handel, Aderbau und Indusmie zu fördern, die Trägheit und das arbeitlose Leben so sehr nährten, „daß man auf 1000 Menschen, die in geistlichen Landen die Quadratmeile bewohnten, 50 Geistliche und 260 Bettler zählte," gab sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sowohl in den geistliden Kurfürstenthümern am Rhein als in den fürstbischöflichen Staaten in Westfalen, am Main und anderwärts ein eifriges Streben kund, das Volf aus der Verdumpfung und Unthatigkeit zu reißen, der Bildung und der Betriebsamfeit Wege zu bahnen, die Tugend

der Toleranz in den Gemüthern zu wecken und die Stätten der Unwissenbeit und der Köln. Verfinsterung mit den Strahlen tes geistigen Lidhts zu durchdringen. In Köln,

wo Clemens August von Bayern 37 Jahre lang (von 1724—61) mit föniglidyem Glanze regiert, Schlösser und Prad)tbauten errichtet und seine aristofratisdie Umgebung mit freigebiger Hand beglüdt und bewirthet hatte, widmeten seine beiden Nachfolger, der sparsame Mar Friedrich von Königsegg (1761-84) and Maximilian Franz (Kaiser Joseph8 Bruder), ihre Sorgfalt der Verbesserung des

Srler.

Schulwesens und der Rechtspflege und suchten durch Verminderung der Feiertage und

Münster. Beförderung der Gewerbthätigkeit den Wohlstand des Landes zu heben. - In Mün: fter, das in dem Kurfürsten in Köln zugleich seinen Bischof hatte, übte der Domherr Fr. W. Franz d. Fürstenberg, der seit dem siebenjährigen Krieg dort leitender Minister war, eine höchst wohlthätige Wirkjamkeit im Sinne Friedrichs II. „Das durch den Krieg schwer beimgesuchte land ward gehoben, die Schuldenlast erleichtert, Aderbau und Industrie mit wachsamer Fürsorge gefördert, in allen Kreisen des kleinen Staats Leben und Bewegung geweckt, für bessere Schulen und tüchtige Erziehung der Geistlichen gesorgt und in Verwaltung, Rechtspflege und Polizei ein Zustand hergestellt, wie er sonst in feinem dieser firchlichen Gebiete existirte.“ – In KurTrier, wo nach dem schlidyten altväterischen Franz Georg d. Schönborn und dem prachtliebenden, verschwenderischen Johann Philipp (v. Walderndorff) ein sächsischer Prinz Clemens Wenceslaus den erzbischöflichen Stuhl bestieg (1768), lag die alte und neue Richtung im Kampfe mit einander. Altgläubig und den vornehmen und fünftlerischen Neigungen seines Hauses hingegeben, war er zwar innerlich den neuen Ideen fremd, konnte aber doch nid)t umbin, zur Hebung der Industrie und Arbeitskraft allerlei Verbesserungen einzuführen, im Unterrichtswesen Reformen zu unternehmen und durch ein Toleranzedict v. 3. 1783 die Niederlassung protestantisder Handelsleute und Fabrikanten in seinem Gebiete zu erleichtern. - Nur

Mainz. Mainz wurde vom 3. 1763 an elf Jahre lang von Emmerid Joseph regiert, einem edlen, einsichtsvollen Mann, „den die Tugenden des reinsten Wohlwoliens und unbegrenzter Herzensgüte schmücten, freigebig ohne Verschwendung, ein frommer Bildhof und zugleid, ein rühriger, wadsamer Regent.“ Er ließ neue Straßen anlegen, und die Fesseln, die auf den Handel drückten, erleichtern; und ohne in Glaubensjachen die Aufklärermeinungen zu theilen, aber von den humanen und milden Ansichten des Zeitalters beherrscht, legte er an das Kirchenthum und Klosterwesen reformirende Hand, verbesserte das Schulwesen und übte edle Duldung gegen Andersgläubige. Aber in einem Staate, wo auf 320,000 Einwohner 2928 Personen geistlidhen Standes und 2200 besoldete Beamte tamen, vermochte aud der wohlwollendste und ebelste Fürst nicht die Uebelstände zu heilen. Nur wer wenigstens sechzehn Ahnen zählte, durfte in dem Erzstift, das von dem edeln Willigis, dem Sohne des Radmaders, fein Wappen führte, in Domcapitel sitzen. Sein Nachfolger Friedrich Karl Joseph von Erthal, ein Prälat von französischer Bildung und franzöfisden Sitten, welcher der voltaire'schen Auftlärung huldigte, und die Toleranz mit einer gewissen Ostentation übte, so daß er mehrere literarisde Berühmtheiten protestantischen Glaubens, wie Johannes Müller, Forster, Sömmering, Heinje, um sich sammelte, war dennoch in seinem ganzen Thun ein fraftloser Fürst, der sich von Weibern und Höflingen leiten ließ und sich blos dem stiftsfähigen Adel, Priestern und Mönchen huldvod zeigte. „Die Bedürfnisse und der Lurus eines zahlreichen Adel8 und einer nidt minder zahlreichen Priesterschaft ernährten in Mainz eine ungeheuere Menge geschäftiger Müßiggänger, Vermittler oder Werkzeuge ihrer Ueppigkeit, und das Vorbild von Nichtsthun, Unwissenheit und sinnlichem Genusse, das oben gegeben ward, zog auch im Volte die Weichlichkeit, Leere und den Leichtsinn groß, der zur Physiognomie der geistlichen Bevölkerung gehörte." — In den fränkisden

SBamberg. podstiftern Bamberg und Würzburg führte von 1779—1795 Franz ludwig v. Erthal eine segengreiche Regierung nach dem Beispiele Friedrid; II. Wie burg. dieser, hielt auch jener fid für den ersten Bürger und Diener des Staats“ und trat allen Mißbräuchen ernstlich entgegen. Verwaltung und Rechtspflege wurden trefflich bestellt, die Finanzen umsidytig geordnet, das Armenwėsen musterhaft geführt, die Shulen gehoben, die Universität im freisinnigen und duldsamen Geiste gefördert. In den geistlichen Kreisen zu Würzburg herrschte heitere Geselligkeit, ein aufgeklärter

ura

dig v. Eribambergunder geistlichen te die Weiclembeit und fimm Wertzeuge

und ungezwungener Ton und wissenschaftliches Interesse. — Gegen diese geistlichen Staaten mit einem milden, patriarchalischen Priesterregiment bildeten die füddeut. idhen Fürstbisthümer einen grellen Contrast, wo man mit der geistigen „ duftlä: rung" auch alle materielle und moralische Verbesserung fern hielt. Åber hier wie dort gab sich im Volfe ein unbestimmtes Sehnen nach neuen Zuständen fund; die Ansicht, daß die geistlichen Herrschaften nicht länger haltbar seien, hatte unter allen Ständen Eingang gefunden. Die Reformen brachten die Schäden erst recht zu Tage und weckten auch in den übrigen eine fortwuchernde Neuerungssucht. ,,Die Trägheit des Klerus, die Ueppigkeit des Adels, die Käuflichkeit der Verwaltung und Redtspflege wurden erst recht Gegenstände allgemeinen Äergernisses, seit man in einzelnen geistlichen Staaten selber bessere Regierungen gesehen hatte."

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4) Nußland unter Katharina II. (1762—1796) und Polens Unfälle.

a) Das Innere. §. 691. Katharina II. saß auf einem blutbefledten Thron, der ihr nidit gebührte. Dies führte Einige auf den Gedanken, sie davon zu verdrängen. Der erste 1764. Versudy fostete dem unglüdlichen I wan III. (S. 650), der statt des Throns, ju

dem er in der Jugend bestimmt gewesen, einen Kerker gefunden hatte, das Leben. Zehn Jahre später empörte sich Bugatscheff, ein donischer Kosade, der einige dehn: lidhfeit mit Peter III. hatte und sich für diesen ausgab. Unterstügt von der Geistlichkeit und den altgläubigen, über die Abänderung einiger Kirchengebräuche erbitter:

ten Russen, sanımelte er große Sdaaren von Rosacken und Leibeigenen Bauern, 1773–75. denen er Befreiung von dem Joche der Grundherren verhieß, um sich und zog mor

dend und verheerend in den Wolgagegenden umher. Er bemächtigte sich der Stadt Rasan, ließ Münzen prägen mit dem Bildnisse Peters III, und richtete bereits seinen Lauf gen Mos fau, wo er eines großen Anhangø gewärtig sein konnte, als es den russischen Heerführern gelang, ihn über die Wolga zu drängen und sich seiner vermittelst der Verrätherei seines frühern Busenfreundes zu bemächtigen. Durch seine Rohheit und Grausamkeit hatte sich Pugatscheff die bessern unter seinen Un

hängern entfremdet und die altrusfischen Edelleute, die einen Thronwechsel nicht un-gern gesehen hätten, fürQyteten von seiner verheißenen Aufhebung der Leibeigenschaft

Verminderung ihrer Madt und handelten ihm entgegen. Pugatsdeff wurde in 1775. Moskau enthauptet und sein Leidnam zerstüdelt. – Katharina II. besaß große

Herrschergaben und einen empfänglichen Geist, so daß sie bei weniger Sinnlisfeit und Genußsucht eine würdige Nachfolgerin Peters des Großen geworden wäre. Sie war eine hochgebildete, für die französische Aufklärungsphilosophie eingenommene Frau, die mit Voltaire und seinen Gesinnungsgenossen in Briefwechsel stand und Diderot bewog, auf kurze Zeit seinen Aufenthalt in Petersburg zu nehmen. Sie war nadı ihrem eigenen Ausdruc ,, Republikanerin in der Seele." In diesem Geiste entwarf sie, wie andere gleichzeitige Herrscher, Reformpläne, von denen sich jedod bald die meisten als unpassend für die rusfisde, nod auf der niedrigsten Stufe der Cultur stehende Nation erwiesen und wieder aufgegeben werden mußten. Dabin ge: hörte das Vorhaben, ein allgemeines Gesebuch nach Montesquieu's Grundsägen in dem ganzen unermeßlichen Reiche einzuführen, ein Vorhaben, von dessen Unané führbarkeit sie sich schon bei den ersten Berathungen, wozu sie Abgeordnete aus allen Provinzen nach Petersburg berief, überzeugte. Dagegen wurde die Redtspflege verbesserte, die Verwaltung durch eine neue Organisation der Statthalteridaften und Vertheilung der Geschäfte besser geregelt und die Aufsicht über Schulen und Wohlthätigkeitsanstalten einer besondern Behörde übertragen. Sie beförderte die Zunahme einer freien Bürgerstandes durdy Unlegung und Begünstigung städtischer Gemeindeverbände, milderte das loos der Leibeigenen und war für die Čultivirung der

Bermine enthauptet einen empathy Folgerin bestiluft är

Januar

Şerrigherufsucht eine würfüze bie französischen uns

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