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bokegierung Lunft geprise Gartenen, ergöstenung seiner ältere Pure Berserft

Fried:

Chris

1766180s.

Lande trug freilich auch dazu bei. Dennoch geschah Manches für Hebung der Industrie, des Handels und Åđerbaues und für Verbesserung des Schulwesens. Die Regierung Friedrich & V. wird als das goldene Zeitalter Dänemarks für Wissen: rid v. jdaft und Kunst gepriesen. Glänzende Gebäude erhoben sichy, Afademien wurden ge- 1746–66. gründet, ein botanischer Garten angelegt, Schauspiele und Opern, die unter der vorigen Regierung verboten waren, ergößten wieder den Adel und die Bewohner der Hauptstadt, Klopstod erhielt zur Vollendung seiner Messiade einen Jahrgehalt, und auf eine von nainhaften Gelehrten (darunter der ältere Niebub r) unternom= mene Reise in den Orient wurden große Summen verwendet; für Besserstellung des gemeinen Mannes, des Bauern und Handwerkers, geschah dagegen wenig. Nur der ältere Graf von Bernstorf, ein in jeder Hinsicht musterhafter Edelmann, dessen + 1772. Thätigkeit dem Handel, der Industrie und den Wissenschaften nicht minder zugewendet war, als der Hebung des Aderbaues, seşte die leibeigenen Bauern seiner Güter in Freiheit und versorgte sie mit einem genügenden Eigenthum, ein Beispiel, das dann die Krone und der übrige Adel bald nachzuahmen sich genöthigt sahen. Christian VlI. war ein geistessdwad)er, durch eine verfehlte Erziehung mißleiteter ftian VII. Fürst. Bald nad, seiner Thronbesteigung unternahm er eine so unvernünftige, tostspielige und für das arme land drüdende Reise, daß durch eine sogar auf Dienstboten ausgedehnte Kopfsteuer die Kosten dazu aufgebracht werden mußten. Von dieser Reise fam der aus dweifende König geschwächt an Körper und zerrüttet an Geist zurüd. Daber fiel es dem deutschen Arzte Struensee, der die Reise mit= gemacht und nun als Leibarzt angestellt wurde, nicht schwer, fidy unentbehrlich zu machen und mit Hülfe der Königin Caroline Mathilde, einer Schwester Georgs III. von England, von Stufe zu Stufe zu steigen, bis er als Reichsgraf und allmächtiger Minister den Monarchen und den Staat ganz nach seinem Willen leitete und mit der unerhörten Vollmacht ausgerüstet wurde, daß alle von ibm unterzeichneten und mit dem Nabinetssiegel versehenen Verordnungen dieselbe Gültigkeit haben sollten, als wenn der König felbst sie unterschrieben hätte. Struensee entfernte die bisherigen Minister und Gesellschafter des Königs aus dessen Nähe, verschaffte der hochsinnigen Königin, die dem Fremdling mit ungewöhnlicher Neigung zugethan war, größern Einfluß bei ihrem Gemahl und umgab den Monarden, dessen Geistesíchwäche immer sichtbarer wurde, mit zuverlässigen Leuten, unter denen besonders der gleich Struensee in den Grafenstand erhobene Gesellschafter des Könige, Brand, durch seinen Einfluß wie durch sein tragisches Ende merkwürdig war. Struensee, der aus dem fromm und orthodor erzogenen Sohne eines deutschen Bastors ein Freigeist im Sinne voltaire's und der Encyclopädisten geworden, führte nun eine Reihe höchst wichtiger Neuerungen in Dänemark ein. Bisher waren die meisten Beamtenstellen von den Edelleuten, die höhern an ihre Standesgenoffen, die niedern an ihre Diener vergeben worden, jene mit übergroßen, diese mit färgliden Besoldungen. Diesem Uebelstande steuerte Struensee gründlich und auf eine Weise, daß die Verwaltung besser und die Ausgaben geringer wurden. Ebenso machte er den Gerichtsgang einfacher und weniger kostspielig, schaffte die sehr zahlreiden Titel und Ehrenauszeichnungen ab und hob die Monopolien, Zünfte und Innungen auf. Während diese und ähnliche Einrichtungen (wodurch die Gewalt der Regierung erhöht, bürgerlidie Gleichheit begründet und Ersparungen im Staatsbaushalt eingeführt werden sollten) den mächtigen Adel verleşten, beleidigte Struensee durch die Anwendung der deutschen Sprache in seinen Edicten und im Verwaltungs- und Gerichtswesen das Natin algefühl der auf das deutsche Element chnedies stets eifersüchtigen Dänen und durch die Aufhebung der dritten Feiertage und Milderung der strengen Kirchenzucht die orthodor-lutherische Geistlichkeit. Unter diesen Umständen war die Aufhebung der Censur sehr bedenklich, indem die Presse

1772.

nun ihre Angriffe hauptsächlich gegen den Minister selbst richtete. Ueber dem Haupte Struensee'd und der mit ihm verbundenen Königin zog sich daher bald ein unheilvolles Gewitter zusammen, dessen Ausbruch er selbst durch Mangel an Muth und Entschlossenheit beschleunigte. Ein von 300 Matrosen erregter Tumult seşte ihn so in Soreden, daß er mit dem Hofe davonfloh und den Tobenden ihre Forderung gewährte. Die berittene Leibgarde, die er unter andere Regimenter vertheilen wollte, empörte sich und troßte ihm ihren Abschied und Geldgeschenke ab. Die bei diesen und anderen Gelegenheiten bewiesene Unentschlossenheit und Muthlosigkeit Struenfee's erfüūte die herrschsüchtige Stiefmutter des König8, Juliane, und ihre Vertrauten Guldberg und Ranza u-Ascheberg mit dem Gedanken, den Sturz des Ministers zu bewirken. Durch eine nächtliche Ueberraschung und durch Schilde: rung bevorstehender Gefahren brachten sie den König dahin, die gegen Struensee, Brand und zwölf andere einflußreiche und mit dem Minister befreundete Männer bereits ausgefertigten Verhaft&befehle zu unterzeichnen und die Königin durch ein Handbillet nadı der Festung Kronenburg zu verweisen. Hierauf wurden Struensee und Brand gefesselt in moderige Rerfer geworfen, nach einer unter Angst und Entbehrungen fünf Wochen lang ertragenen Haft vor ein außerordentliches, größtentheilt

aus ihren Gegnern zusammengeseptes Gericht gestellt und als Hochverräther mit 28. April Enthauptung und Verlust der rechten Hand bestraft. Die Königin Caroline Ma:

thilde, burdh Struensee's Schwäche verrathen, wurde von dem König gesdieden.

Sie lebte fortan in Celle, eine liebevolle Helferin der Armen und Bekümmerten, starb 1975. aber schon nach drei Jahren vor Gram. Nach Struensee's Sturz bemächtigte sich

Juliane der Regentschaft und ließ durch Guldberg alle mißfälligen Neuerungen abstellen. Erst nach zwölf Jahren wurden beide durch den Kronprinzen Friedrich

entfernt, der alsdann im Namen seines Vaters die Regierung führte, und die lei4 1797. tung des Ministeriums und der Verwaltung dem jungen Bernstorf, des Vorigen

Neffen, übertrug. Dieser ausgezeichnete Staatsmann stand bis zu seinem Tod den hohen Bosten mit Kraft und Klugheit 'vor und war auf Hebung des A&erbaues, der Industrie, des Handels und der Wissenschaft rühmlidst bedacht. Er bewies, daß selbst in einer absoluten Monarchie Breßfreiheit bestehen könne, wenn die Berwaltung sich in tüchtigen Händen befindet und die Regierung das Volkswohl gewissenhaft im Auge hat.

Der Haus-Vertrag mit Rußland, wodurch der Großfürst Paul als Herzog von þolftein seinen Antheil an diesem Lande und alle Ansprüche auf Schleswig an Dänemark ahtrat und dafür die bald nadher zum Herzogthum erhobenen Graficaften Didenburg und Delmen borst erhielt, war zwar für Dänemark vortheilhaft, begründete aber bafelbf den russischen Einfluß. Nicht lange darauf übertrug Paul das neue Herzogthum Oldenburg dem Fürstbischof Friedrich August von Lübec von der jüngern Holsteinischen Linie.

§. 682. b) Sdweden unter Gustav III. Die nad; Rarle XII. Ermordung in Schweden eingeführte Adelsherrschaft unter dem Scheinregimente eines Königs (S. 649) führte eine Periode der Sdymadh herbei. Die herrschende Ari: stokratie oder Dligarchie bestand aus Leuten ohne Ehrgefühl und Patrictiomus, die sich fremden Staaten verkauften und denjenigen Höfen dienten, von denen sie die größten Summen zogen; des Landes Ehre und Wohlfahrt fam dabet nicht in Betracht. Nach dem Abdylusse der erwähnten ichmadvollen Friedensschlüpje (S. 649) verkauften sich die Einen, Graf Gyllenborg an der Spite, an Frantreich, die Andern, unter dem Paniere des Grafen Horn, an Rußland. Sene bezeichnete man als Hüte, diese scalt man Müßen. Beide Parteien hasten und verfolgten einander aufs Blut und machten die Reichstage zum Schauplaß ihrer feindseligen Angriffe. Beim Ausbruch des österreichischen Erbfolgekrieg8 wünsdte

1778.

Der Baus.ulbeit an diesem Latum Herzogthur

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Friedrid

die französische Regierung Rußland zu beschäftigen, um es vom Anschluß an Maria Theresia abzuhalten. Sie bewirkte daher durch ihre Partei in Schweden,

1741. daß die Reichsstände an Rußland den Krieg erklärten, wozu die Ermordung eines schwedischen Gesandten durch russische Soldaten die Veranlassung bot. Da aber der herrschende Adel die von Frankreich gewährten Subsidiengelder unter sich getheilt hatte, so war das Seer in der erbärmlichsten Verfassung. Die Schweden wurden daher bei Willmanstrand in Finnland aufs Haupt geschlagen und bei Helsingfors so eingeschlossen, daß fie in ihrer Rathlosigkeit Finnland den Russen 1742. hätten prei@geben müssen, hätte nicht die Kaiserin Elisabeth unter der Bedingung, daß das Unredt an der mit Rußland verwandten Holstein-Gottorpschen Linie wieder gut gemacht würde, in dem Frieden von Å bo ihre Forderungen herabge: 1743. ftimmt. Die Sdweden ernannten den Herzog von Holstein - Gottorp, Adolf Friedrich, den nächsten Verwandten des russischen Großfürsten, zum Thronerben und willigten in die Abtretung Finnlands bis zum Flusse Rymene. Unter der Regierung der schwachen, mit einer Schwester Friedrichs II. von Preußen vermählten Königs Adolf Friedrich gelang es dem dywedischen Adel, die König = rechte noch mehr zu beschränken und die Krone vollends um alle Macht und aữes 175771. Ansehen zu bringen. Der Reichsrath mischte sich in die innern Angelegenheiten der königlichen Familie und in die Erziehung der Prinzen; er riß die Befugniß an sich, die wichtigsten Staatsämter zu beseßen und Beschlüsse, denen der König zweimal seine Zustimmung versagt, eigenhändig mit dessen Unterschrift zu versehen. Ein Versuch der „Müßen“, die Verfassung zu Gunsten des Monarchen zu ändern, schlug fehl und verschaffte den „Hüten" den vollständigsten Sieg. Die Folge davon war, daß Schweden als Bundesgenosse Frankreichs gegen den Willen des mit dem preußischen Hofe verwandten Königs in den siebenjährigen Krieg gezogen wurde, wodurch das ohnedies verarmte Land in die traurigste lage kam. Dies führte zwar den Sturz der französischen Partei herbei, aber die neue Oligarchie ber russijden Partei tyrannisirte König und Volt nicht minder als ihre Vorgänger, so daß Adolf Friedrich zuletzt durch die Drohung, die Krone niederzulegen, die Machthaber zwang, einen außerordentliden Reichstag einzuberufen. Die 1769. jer entließ den größten Theil der dem Monarchen widerstrebenden Räthe und gab dem Thron wieder einiges Ansehen zurüd; aber eine gänzliche Umgestaltung der bestehenden Ordnung, wie der fühne und kluge Kronprinz sie gewünscht, scheiterte an der Friedensliebe und Rechtlichkeit des Vater8.

Bei dem Tode Adolf Friedrichs befand sich sein Sohn Gustav III. in Paris. 1771. Er faßte alsbald den Plan, die Verfassung umzustürzen, und empfing von dem III. franzöfisden Hofe Mittel und Rath dafür, leistete aber dennoch den Eid auf die 177 bestehende Ordnung. Gustav war ein für französische Sitten und Bildung eingenommener Mann, beredt, flug, entschlossen und tapfer und bei dem dwedischen Bolte als eingeborner König sehr beliebt. Die Zwietracht des übermüthigen Adels, der Haß des rechtlosen Volfes gegen die herrschende Oligarchie, und die traurige Lage des Landes bestärkten den jungen, in der Runst der Verstellung geübten Monarden nach seiner Rüdfehr in dem Vorsav, der Krone ihre frühere Madht wieder zu geben. Bald nad seiner tostspieligen, pomphaften Krönung fündigte in Chriftianstadt verabredetermaßen ein Hauptmann mit seiner Mannschaft den versammelten Ständen den Gehorsam auf, und während diese Anstalten trafen, die Vermessenheit zu bestrafen, glüdte es dem ritterlichen König, durch eine wohlgesegte Rede die in der Hauptstadt liegenden Garden zu gewinnen und zu einem Eide, der sie nur ihm verpflichtete, zu bewegen. Leidyt brachte er dann das Volt, das dem freundlichen König ebenso gewogen als der stolzen Adelsaristokratie abgeneigt war, auf seine Seite, indeß seine Brüder in den Provinzen die Truppen zu ge

Gustav

1971-92

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getretenen, zumal das Sieung mit der fiche Stone Ehre und

winnen wußten. Unter diesen Umständen blieb dem am 20. Auguft zusammen: getretenen Reichstag nichts übrig, als die vom König vorgelegte Verfassung att: zunehmen, zumal das Sißungshaus mit Militär und Geschüß umstellt war. Durch diese unblutige Revolution, bei der sich Gustav mit großer Umsicht und Mäßigung benahm, wurde dem schwedischen Throne Ehre und Macht zurüdgegeben.

Der aus 17 Edelleuten bestehende Reicherath wurde in die Schranken einer be. rathenden Behörde gewiesen und ihm nur das Vorschlagsrecht bei der Beseßung erledigter Ratbestellen. gelassen. Die Stände durften fich nur in Folge einer töniglichen Einberufung versammeln und blos mit dem befassen, was der König ihnen vorlegen würde, wogegen sich dieser verpflichtete, feinen Krieg ohne ihre Zustimmung anzufangen. Die a ul. übende Gewalt aber, die Verfilgung über die land. und Seemacht, die Anstellung aller Staat8- und Kriegsbeamten und das Recht, mit fremden Nationen Verträge zu schließen, lag gänzlich in der Hand des Monarchen. Ja sogar die Besteuerung war seinem Willen fast ganz anbeimgestellt, indem er nur einen von ihm abhängigen Ausduf der Stände zu Rathe zu ziehen brauchte, eine bei einem so prachtliebenden und verschwenderischen Fire sten, wie Gustav III., höchst bedenkliche Bestimmung.

8.683. Gustavs III. Ausgang. Von den Einrichtungen, die Gustav III. nach der Verfassungsänderung traf, gereichten einige zum Wohle des Volfs, wie die Verbesserung des Gerichtswesens, wobei die Folter abgeschafft wurde, die Anlegung von Hospitälern und Waisenhäusern u. A. m., zum großen Theil aber gingen sie aus Bradytliebe, aus Nachahmungssucht französischer Sitten und aus Anhänglichkeit an versdwundene Ritterzeiten hervor. Die Gründung einer Akademie nad franzöfischem Zuschnitt, die Errichtung von Theatern und Opernhäusern und die Wiederherstellung der Turniere und Ringelrennen brachten dem Lande nicht den geringsten Vortheil und kosteten weit mehr Geld, als durch die Abstellung alter Mißbräuche erspart wurde. Des Königs unzeitgemäße Heldenträume, die Wiederbelebung einer untergegangenen Ritterlid)feit, die versucɔte Einführung einer allgemeinen Nationaltracht u. dgl. m. lenkten seine Thätigkeit und feinen Sinn auf nichtige Dinge und betrogen die Welt um die großen Hoffnungen, die sie von seinen Talenten gehegt. Seine oft unüberlegten Neuerungen erbitterten den gegen ihn aufgebraditen Adel immer mehr und das Geset, welches das Branntweinbrennen für ein königlides Vorredit erklärte und allen Schweden die Ber: pflichtung auflegte, das gewohnte, sonst von jeder Familie selbst bereitete Geträn! um theures Geld den föniglichen Brennereien abzukaufen, erregte auch bei den untern Ständen große Unzufriedenheit. — Die feindselige Stimmung gab sich zu= erst kund, als Gustav, ohne bei den Ständen anzufragen, einen Krieg ges gen Rußland unternahm, um die früheren schwedischen Besigungen wieder zu erobern. Die finnische Armee, durch russische Unterhändler verführt, erklärte fich nach einigen Gefechten gegen den verfassungswidrigen Krieg. Bestürzt verließ Gustav das Heer und wendete sich mit seiner eindringlichen Beredsamkeit an das Volf, besonders die kräftigen Dalekarlen im nördlichen Gebirgsland, die ihn bald in Stand septen, an seinen Widersachern Rache zu nehmen. Durch die sogenannte Vereinigungs- und Sicherheits- Acte, die er dem durch die Verhaftung von 30 seiner Hauptgegner geschwächten Reichstag abtroßte, riß der König das Recht an sich, ohne Befragung der Stände Krieg zu führen, hob den Reichsrath und alle bei der Aenderung der Verfassung noch übrig gelassenen Sqranten auf und gewährte dem Bürgerstand den Zutritt zu allen Aemtern und die Befugniß, Rittergüter zu erwerben. Durch eine neue drückende Steuer mit dein nothwendigen Selde versehen, legte jeßt Gustav den Krieg zu Wasser und zu Lande mit Ernst gegen Rußland fort; allein so viele Proben er auch von persönlider

1788.

Gustav, n Der Verbreitunudwigs Bio

Tapferkeit ablegte und so glänzend der Waffenruhm der Schweden auch erneuert 14. Aug. wurde, jo ließ der Friede von Werelä doch die frühern Grenzen bestehen und 1790. ber kostspielige Krieg blieb ohne allen Gewinn. Noch bluteten die Wunden, die der ruffische Krieg geschlagen, und eine id)were Schuldenlast drüdte das Land, als Gustav, nunmehr im Bunde mit Rußland, auf einen neuen Krieg mit Franfreich jann, um der Verbreitung der Revolutionsideen entgegenzutreten und in der Ret= tung des unglüdlichen Ludwigs XVI. seinen ritterlidhen Sinn zu bewähren. Schon hatte Gustav eine Reise nach Deutschland unternommen, um für diesen, die Kräfte feines Bolts weit übersteigenden Krieg Bundesgenossen zu werben, als sein Unternehmen zuerst an der hartnädigen Weigerung der Stände, die nöthigen Geldmittel zu bewilligen, scheiterte; und um einen neuen Gewaltstreich abzuwenden, bildeten einige tiefgefränkte Edelleute eine Verschwörung, in Folge deren Gustav III. 17,7 auf einem Maskenballe von dem ehemaligen Gardeoffizier Ankarström eine tödt- † 29. Mrz. liche Squfwunde empfing, an welder er zwölf Tage nachher starb. Sein Sohn Gustav Gustav IV., der bis zu seiner Volljährigkeit unter der Leitung seines Oheims 1792– Karl von Südermanland stand, erbte seines Vaters ritterliche Grillen, trieb 1809. fie aber zu seinem Unglüđ auf eine jo bedenkliche Höhe, daß sie seine Absegung zur Folge hatten (S. 753).

3. Deutschland zur Zeit Friedrichs des Großen und Josephs II.

§. 684. a) Das deutsche Reich (vergl. §. 656 b). Schon längst war das deutsche Reich als Staatseinheit um alle Achtung gekommen und sowohl das Oberhaupt als die Glieder verfolgten ihre eigenen Interessen, unbekümmert um Das Gemeinwohl. Der aus bevollmächtigten Gesandten der Fürsten und Reich 8ftädte bestehende ständige Reichstag in Regensburg (89. 585. 655) hatte alles Unsehen verloren, indem er vor Reden und Únterhandlungen selten zu einem Befoluß tam, oder, wenn er dazu fam, demselben feinen Nachdruck zu geben vermochte. Die alten Reichscollegien ,entbehrten des lebendigen Zusammenhange, boten feine wirkliche Vertretung des Reiche mehr und waren in ein Labyrinth idwerfälliger Formen und pedantischer Ceremonien verstridt.“ Durch Uebertragung waren in der Regel mehrere Stimmen in Einer Hand vereinigt und die Ubgesandten größerer Staaten vertraten zugleich die Rechte der kleineren, der Kostenersparung wegen. Mit kleinlicher Eifersucht verfocht man veraltete Rechte, wachte mit der größten Sorgfalt über Rang, Titel und Stimmberechtigung und widmete zwedlosen Streitigkeiten über äußerlide Formalitäten oder über zweifelhafte Redite und Befugnisse dieses oder jenes katholischen oder evangelischen Reichsstandes alle Beit und Thätigkeit, während Fremdlinge oder dem Reiche entfremdete einheimische Fürsten Deutschland zum Schauplaß ihrer Kriege machten und den vielfach getrennten und uneinigen Staatskörper mit Verachtung und Uebermuth behandelten. Burde nach jahrelangen Berathungen die Aufstellung eines Reichsheers beschlossen, so war dasselbe so mangelhaft und in jo elendem Zustande, daß es zum allgemeinen Gespötte diente. Die im siebenjährigen Kriege gegen Friedrich II. erlassene Ad tserklärung wurde mit Hohn und Gelächter vernommen und so gering war das Gewicht, das der Beitritt des deutschen Reichs in die Wagschale des Kriegs legte, daß dasselbe bei den Friedensunterhandlungen in Hubertsburg nicht vertreten war und der Abschluß ohne seine Zustimmung erfolgte. Der Reichstag hatte nichts dabei zu thun, als dem Kaiser zu danken, daß er mit landesväterlicher Sorge für Erhaltung der Verfassung, Würde und Freiheit des Reidzes bedacht gewesen sei, obwohl Deutschlands verwüstete Fluren und niedergebrannte oder ausgeplünderte Drtíbaften noch lange die Wunden zeigten, die der Krieg geschlagen.

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