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Sept. 1787.

mit dem Statthalter hielten, und die andern, wo die patriotische Partei und die Bürgermilijen das Uebergewicht hatten, einander feindlich gegenüber. Selbst in den nördlidien Provinzen, die sonst für oranisch galten, zeigten sidy revolutionäre Regungen. An mehreren Orten hatte der Pöbel bereits Plünderungen und Er

cesse begangen, zwischen Bürgern und Soldaten war es zu blutigen Auftritten geSunt

kommen, als die Erbstatthalterin, eine fraftvolle, ents(lossene Frau, von Geldern 1787. aus, wo sich der Hof damals aufhielt, eine Reise nach dem Haag unternahm,

aber an der Grenze angehalten und von den Bürgermilizen zur Umkehr genöthigt wurde. Dieser Vorfall, der von der Prinzessin und dem englischen Gesandten als eine schwere Verlegung gegen die rechtmäßige Obrigkeit dargestellt wurde, schien dem König Friedrich Wilhelm II., dem Bruder der Erbstatthalterin, die königliche und ritterliche Pflicht aufzulegen, die beleidigte Schwester zu beschüßen. Er ließ eine ansehnliche Armee unter dem Herzog von Braundweig in Holland eins rücken, um den Prinzen wieder in seine Würde einzuseßen. Umsonst wandten sich die Patrioten, überrascht und außer Stand, mit ihren ungeübten Bürgertruppen den Preußen zu widerstehen, an Frankreid; die zunehmende Geldnoth gestattete diesem Reiche keine Einmisdung in fremde Angelegenheiten; so wurden Utrecht und Amsterdam mit leichter Mühe besegt und die Verfassung wieder in früherer Weise hergestellt. Großmüthig verzichtete der König auf die Rückerstattung der Kriegskosten; doch war der enge Bund Preußeng mit England und Holland ein genügender Ersaß. Der schnelle und leichte Sieg erfüllte das preußische Militär und namentlich die adeligen Anführer mit allzugroßem Selbstvertrauen, mit Uebermuth und mit Verad tung des Bürgerstandes.

S. 678. Gibraltar. Friedensichlüsse. Mit besserm Erfolg

kämpften Spanien und Frankreich gegen England. Eine französisch-spanische August

Flotte eroberte die Insel Minorka, die 80 Jahre lang gleich Gibraltar im Besige der Engländer gewesen, und nur vorübergehend im Anfange des siebenjährigen Krieges in die Hände der Franzosen gerathen war (S. 669). Dieser glückliche Erfolg füllte die Verbündeten mit der Hoffnung, sich auch Jamaika's und Gibraltars zu bemächtigen. Um das erstere zu bewirken, wollte

sich der französische Admiral de Grasse mit der spanischen Flotte verbinden, t" wurde aber von Rorney bei Dominica plößlich mit solchem Erfolg ange

griffen, daß seine Flotte durchbrochen ward und er selbst mit dem Admiralschiffe in die Gewalt der Engländer gerieth. Mit desto größerer Zuversicht hoffte man Gibraltar einzunehmen, das schon seit 1779 von der Landseite

blokirt war, und das man nun auch zu Wasser mit der größten Anstrengung Nov. vermittelst der sogenannten schwimmenden Batterien angriff. Diese von dem

französischen Ingenieur d'Arçon gemachte Erfindung bestand darin, daß eine Anzahl entmasteter Schiffe mit einem elastischen schrägen Dache von nasjen Häuten bedeckt wurden, an denen, wie man hoffte, die feindlichen Kugeln abs prallen würden, so daß man sich der Festung ohne Gefahr nähern könnte. Aber diese mit den ungeheuersten Kosten ausgeführte Unternehmung erties sich bald als nichtig. Die schwimmenden Batterien mit ihren Dädern von Häuten wurden durch glühende Kugeln in Brand gesegt und zerstört. Der Angriff scheiterte und die Vereitelung einer Belagerung, auf welche die Blide von ganz Europa gerichtet waren, bedeckte den englischen Commandanten Elliot und seine, meist hannoverschen, Truppen mit ewigem Nuhme.

1781.

12. prit

1782.

Nov.

1782

1783.

Bald nach dem gescheiterten Angriff auf Gibraltar wurde, weil Spanien und Frankreich die Friedensunterhandlungen in die länge zogen, zwischen den amerikaniiden Freistaaten und dem englischen Ministerium ein vorläufiger Vertrag (Provi- 1782. fional-Artitel) abgeschlossen, wodurch die junge Republik nicht allein die Anertennung ihrer Unabhängigkeit, sondern auch vortheilhaftere Grenzen und Antheil an der Fischerei in Neu-Foundland erhielt. Dieser leştere Punkt wurde in den zu Versailles abgeschlossenen Bräliminarien aud Frankreich zugestanden, das überdies 20: San. noch die Insel Tabago bekam und in Ostindien und Afrika die verlorenen Besigungen wieder erlangte. Spanien gab seine Ansprüche auf Gibraltar gegen die Zurüdgabe von Florida und Minorka auf. In England erregte der Abschluß dieser Prälimina= rien bei Volt und Parlament solche Unzufriedenheit, daß die Minister abtreten mußten

www 2. April und ein sogenanntes Coalition 8 - Ministerium, bestehend aus den Häuptern? der einander widerstrebenden Parteien, North und For, an ihre Stelle trat. Allein 20. Decbr.

1783. auch diese hielten die Bestätigung der Friedensartikel für durchaus rathsam, da die Schuldenlast Englands während des Krieges unermeßlich gestiegen war.

So hatte Amerika seine Freiheit erstritten und Washington konnte seine Ober- Decbr. befehlshaberstelle in die Hände des Congresses zurückgeben und sid, ein zweiter Cin= cinnatus, auf sein Landgut Mount Vernon in Virginien begeben. Aber noch viele innere Stürme waren zu bestehen, ebe Amerika zu der Verfassung gelangte, die es heutzutage genießt. Erst im Jahr 1788 vereinigten sich alle Staaten dahin, daß die geseßgebende Gewalt und die oberste Bundesregierung einem Congresse und einem alle vier Jahre neuzuwählenden verantwortlichen Präsidenten zustehen follte. Fener zerfällt in den Senat, in den jeder der 30 dermaligen Staaten zwei Abgeordnete sendet und worin der Bunde 8- Vicepräsident den Vorsit führt, und in das Haus der Repräsentanten, die alle zwei Jahre von sämmtlichen Bürgern der Föderativ-Republik aufs Neue gewählt werden, so daß auf je 70,000 Einwohner ein Abgeordneter kommt. Das Wahlrecht ist durch keinen Census bedingt und die Preise frei. Die richterliche Gewalt liegt in höchster Instanz in den Händen eines obersten Bundesgeridts, das aus einem Oberrichter und acht Beisigern besteht, über Staatsprozesse und Bundesangelegenheiten entscheidet und zugleich als Appellationsgericht dient. Unter ihm bestehen noch 35 Bezirks: gerigte, in jedem Staat eins oder mehrere, mit Gesdwornen, und sogenannte umgehende Gerichte, ebenfalls mit Geschwornen. Die richterliche Gewalt ist getrennt von der Administration und überal herrscht vollkommene Religion 8 freiheit ohne Staatskir dye. Jeder einzelne Staat hat eine freie selbständige Regierung zur Leitung seiner innern Angelegenheiten nebst einem Landtag. Dem Congreß steht das Recht der Gesetzgebung, Besteuerung, Zoll- und Şandelsbestimmungen, Kriegserklärung u. U. zu; der Präsident, der ein Jahrgehalt von 25,000 Dollars bezieht, ist Dberbefehlshaber der Land- und Seemadt, ernennt alle Beamten, vollzieht die Beschlüsse des Senats und Repräsentantenhauses, sdi&t und empfängt Gesandte, schließt Verträge u. dgl. m. Acht Jahre lang (bis 1797) bekleidete der würdige Washington diesen Ehrenposten, zu dem ihn die allgemeine Anerkennung seiner Mitbürger zuerst berief. Franklin starb 1790 als 84jähriger Greis allgemein betrauert. Er war ein praktisch-kluger Mann ohne Ideale, dem in seinem Thun und Handeln wie in seiner i driftstellerischen Thätigteit immer etwas von dem Kleinlichen und Sadyliden seines ersten Gewerbes an: klebte. In seinem „Kalender des armen Richard" erscheint er als eine jener Naturen, die da meinen, der Mensch lebe vom Brod allein. Troß vieler Vorzüge und guter Eigenschaften kann er darum keineswegs als Vertreter dessen gelten, was die menschliche Natur iin Großen bedarf und was sie zu erreichen wohl hoffen mag.

III. Die Reformationsversuche der Regenten und Minister.

1758.

pora von vende gegen den Kehna feindseligen Camisegründet hatte, den fremden

1. Westen und Süden. §. 679. a) Portugal unter Pombal. Unter König Peter II. (8. 606) und seinen kraftlojen Nachfolgern schritt Portugal rasch seinem gänzlichen Verfall entgegen. Die Colonien famen an fremde Besiger, Handel und Schifffahrt geriethen

in Stoden, die innere Industrie erlahmte, namentlich seitdem durch den sogenannten 1703.

Methvenvertrag, der den englischen Wollenwaaren freie Einfuhr in Portugal gewährte, die Handelsherrschaft der Briten im Lande begründet und bas einst so

regsame Volt ganz von England abhängig wurde. Der dem Klerus blind ergebene Jobannv. Johann V. verwendete die Einkünfte des Staats auf den Bau von Kirchen und

Klöstern (das mit dem königlichen Schlosse verbundene Franciscanerkloster Mafra fostete allein 45 Millionen Gulden !) und überließ die Regierung der Geistlig;teit. Dafür ertheilte ihm der Papst den Titel des Allergetre usten, aber das Land seufzte unter der Uebermadit der Möndye. Diesem elenden Zustande suchte der auf

geklärte, mit einer despotischen Herrschernatur begabte Bombal, der allmächtige geleph, Minister des sinnlichen, feigen und furchtsamen König8 Fojeph I. Emanuel, 1760—77. gründlich zu steuern; und da er die Jesuiten als die Haupturheber des Elends

ansah und jede Reforin Gefahr lief, an ihrem Widerstande zu sdheitern, so richtete er zuerst seine Angriffe gegen die reiche und mädytige Gesellsdaft Iefu. Ein Länberstreit in Südamerika, wo der Drden in Paraguay ein eigenes, allen Fremden unzugängliches Reich mit patriarchalischer Verfassung gegründet hatte, gab die willkommene Veranlassung zu den ersten feindseligen Schritten. Aber erst als ein mysteriöser Mordversuch gegen den König durch die den Jesuiten ergebene Adelsfamilie Tavora von den Eingebungen des radsüchtigen Ordens ausgegangen zu sein schien, wurde der allgemeine Unwille zu ihrer Verweisung benuşt. Mit großer Härte ließ man die bejahrten Väter gewaltsam auf Schiffe bringen und nach dem Kirdenstaat abführen. Der als Heiliger verehrte Pater Malagrida starb, durch die von Pombal zuerst mißbrauchte, dann geschwächte Inquisition als Keper verdammt, in den Flammen. Durch Aufklärungsschriften, durch Verbesserung der Volksschulen und des höhern Unterrichtswesens, durch Herbeiziehung fremder Lehrer und Buchdruder, durch Gründung einer Akademie u. dgl. m. hoffte man die Rückkehr der geistlichen Macht auf immer zu hindern. Alle vom König Johann der Kirde verliebenen Güter wurden der Krone zugestellt. Minderung der Feiertage und Bejdränkung der Papstgewalt sollte eine neue Zeit in Portugal begründen.

Die Berweisung der Jesuiten wurde zwei Jahre lang vorbereitet. Zuerst suditen mehrere Werke die Entartung und Verweltlichung des Jesuiten - Orbene, der sich mit Wuder und Sklavenhandel abgab und in Ost- und Westindien große Handelsunters nehmungen betrieb, der Welt kund zu machen und trafen mit den gleichzeitigen Bestres bungen der französischen Aufklärungsliteratur, deren Ansichten auch Pombal huldigte, que sammen. Dann verwies man sie vom Hofe, wo sie bisher alle Beichtstühle gefüjüt hatten, und untersagte ihnen, unter dem Vorgeben, sie wiegelten das Bolf gegen die Minister auf, alles Predigen und Beidh tebören. Während des nad dem erwähnten Mordverfud gegen sie eingeleiteten Prozesses wurden sie mit großer Härte behandelt, ihre Güter und Einkünfte eingezogen, ihre Unterrichtsanstalten geschlossen.

Mit demselben Ernst suchte Pombal auch die mangelhaften Zustände der

Staatsverwaltung, der Landwirthsdaft, des Kriegswesens und der Rechtspflege zu Norbr. bessern. Als in Lissabon durch ein schredlides Erdbeben 30,000 Häuser zerstört

wurden und Verzweiflung und Verbrechen alle Bande zu lösen drohten, war er un

1759.

1755,

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Maria

ermüdlich bedadit, die Wunden zu heilen. Durch strenge Justiz wehrte er den Dieben und Uebelthätern, durch Deffnen der königlichen Kornspeicher und durch Berbeischaf= fung fremden Getreides steuerte er der Noth und durch Wiederherstellung der Warserleitungen sorgte er für die nächsten Bedürfnisse. Bei dem Wiederaufbau der Stadt bestand er auf breiten Straßen und zwedmäßigen, ansehnlichen Wohnhäusern, damit das Volf an Reinlichkeit gewöhnt würde, und versdönerte Lissabon durch prachtvolle, gemeinnüßige Gebäude, wie Börse, Naufhaus, Arsenal. Als im siebenjährigen Krieg das mit England verbündete Portugal von Spanien bedroht wurde und der erbärm= lidze Zustand des Heer wesens zum Vorschein fam, berief Bombal den als Feldberrn berühmten Grafen Wilhelm von lippe-Sda umburg und brachte mit dessen Hülfe die portugiesisdhe Armee bald auf einen solchen Fuß, daß sie hinter andern Nationen nicht zurüdstand. Dabei war die Staatsfasse stets gefült, weil er viele unnüße Hofjdıranzen entfernte. Auch dem Acerbau und der Industrie widmete Pombal seine Sorge, um Wohlstand, Thätigkeit und Selbständigkeit in der Nation zu erzeugen, aber in Alem bewies er neben der hohen Kühnheit eines unternehmenden Reformators die Härte und Willkür eines Despoten. Ade Kerker waren mit Geistliden und Edelleuten angefüllt und furchtbare Stimmen erhoben sich gegen ihn, als diese nach Josephs Tod unter der Regierung seiner schwachen und abergläubischen 1777. Todter Maria zu Hunderten ihren Gefängnissen, die bisher ihre Gräber gewesen, 1816. entstiegen und um Rache schrieen. Pombal 30g sidy zurüd und vertheidigte seine Verwaltung in einer energischen Schrift; aber durch diese reizte er seine Feinde jo sehr, daß er als achtzigjähriger Greis noch vor Gericht gestellt und dann aus der Nähe der königlichen Residenz verwiesen wurde. In Kurzem gingen alle seine Neuerungen unter; Priester und Mönche herrschten wieder am Hof; Aberglaube, Unrein= ligkeit und Unwissenheit kehrten wieder bei dem Volke ein und die Nation sank zurüd in den traurigen Zustand, aus dem sie Pombals kräftige Hand zu reißen gesucht. Maria verfiel zuleßt in Wahnsinn, so daß ihr Sohn Johann VI. die Regentfdaft übernehmen mußte. Erst nach ihrem Tode führte er den Königstitel. seit 1816.

§. 680. b) Spanien und Neapel unter Karl III. und seinen Mi- Kart In. nistern. Karl III., ein aufgeklärter, der französischen Philosophie huldigender Fürst, nien 1759 fuchte zuerst als König von Neapel (seit 1735) durd) den geschidten und frei= –1788. finnigen Staatêniann Tanucci, bann als König von Spanien durch gleich gesinnte Minister, wie Aranda, Grimaldi, Squilaci u. A., die Zustände in Kirche und Staat auf eine die Volksbildung und den Nationalwohlstand fördernde Weise zu reformiren. Da aber der Iefuitenorden allen ihren Bestrebungen Hindernisse in den Weg legte, jo ahmten die bourbonischen Höfe Pombals Beispiel nach. In Frankreich hatte ein vor dem Pariser Parlament gegen die Jesuiten geführter ärgerlider Prozeß wegen Handelssachen die schlaffe Moral und die verderblichen Grundsätze des Ordens von Neuem ans Licht gebracht und die ungünstige Stimmung gegen die Gesellschaft Iesu so gesteigert, daß, als der Ordensgeneral durch den bekannten Ausspruch sint ut sunt aut non sint jede Abänderung ihrer Statuten verweigerte, der Minister Choiseul den König bewog, das Bestehen des Jesuiten: ordens als unvereinbar mit dem Staatswohl zu erklären und ihre Collegien schließen 1764. zu lassen. Dies ermuthigte den spanischen Minister Aranda zu einem fühnen Gewaltstreid. Nach einem angeblich von den Iesuiten bewirkten Aufstand gegen die Finanzmaßregeln der Regierung in Madrid, ließ er in Einer Nacht an 5000 Glieder des

31. März Ordens in allen Provinzen des Reichs verhaften, ohne Unterschied des Alters oder *1767. Ranges zu Schiffe bringen und gleid, Verbrechern nach dem Kirchenstaate abführen. 1970% Jhre Güter wurden eingezogen, ihre Anstalten geschlossen. Aehnliche Gewaltsdritte ferdis gefoaben in den spanischen und portugiesischen Tödyterstaaten Amerika's, ferner in nandan Neapel, wo Tanucci unter Karls III. minderjährigem Sohne, Ferdinand IV., 1759

1792.

Rou.

. Reapel

bas Reich fast unumschränkt verwaltete, und in Parma, wo der Papst durch eine heftige Bulle den bourbonschen Herzog und seinen französischen Minister von firchlichen Neuerungen abhalten wollte.

Tanucci's tirchliche Reformen waren für Neapel sehr wohlthätig. In diesem von den Päpsten als Lehn behandelten Reiche hatte die Kirche und der Klerus so sehr das Uebergewicht, daß die weltliche Regierung ganz machtlos war. 112,000 Geistliche waren nicht nur für sich und ihre Güter von den Landesgesegen befreit, sondern sơügten auo alle, die in ihren Bezirken ein Asyl suchten; der Papst betrachtete die geistlichen Stellen als sein Eigenthum und bezog die Einfünfte während deren Erledigung. Tanucci hob diese8 päpstliche Recht auf, verlieh dem Thron und der weltlichen Regierung höhere Ges walt, minderte die Privilegien und die Zahl des Aleru8 und säcularifirte eine Menge überflüssiger Klöster zum Vortheil der Staatsfasse. – In Amerika war die Ausweisung der Väter in Beziehung auf die Indianer ein schweres Uebel. „Am Marannon, in den öftlichen Ebenen der heutigen Ecuador verkamen, in Californien verschwanden die aufblühenden Missionen der Jesuiten; am Paraguay, erfolgte Zerrüttung und Verwilderung nach ihrem Abgange; den Eingebornen ging ihr gewohnter Unterricht, der Sporu ihrer Thätigkeit, die Zucht der Sitte verloren; die Indianersculen auch in den Städten ver, fielen.“ So nachtheilig aber die Unterdrüdung der gesuiten für die Indianer, die keiner andern Zucht fähig waren, erscheinen muß: so segensreich war dieselbe für die Fortbildung und Hebung der Weifen, die jetzt erst anfingen, sich den Studien zu widmeit und sich an dem geistigen Leben Europa's zu betheiligen.

Aranda's Neformthätigkeit erstredte sich über alle Einrichtungen in Kirche und Staat. Er beschränkte die furchtbare Inquisition und ihre Aeßergerite; er minderte die Gewalt der päpstlichen Curie, er machte das Unterrichtswesen unabhängig von der Geistlichkeit; er sorgte für gemeinnüßige Anstalten und für eine geordnete Verwaltung; er übertrug seinem Freund Olavides die Colonisirung der

öden, unbebauten Sierra Morena. Als aber die Geistlichkeit über den alternden 1773. Karl III. wieder Einfluß gewann, wurde Aranda von den Geschäften entfernt. Er

begab sich nach Paris, sein Freund Olavides aber wurde von der wieder zur Magt gelangten Inquisition vorgeladen, weil er Protestanten aus Deutschland und der Schweiz in der neuen Colonie (la Carolina) angesiedelt hatte, und mußte mehrere Jahre im Berker jdmachten, bis es ihm glüdte nach Genf zu entkommen, wo er seine freigeistigen Ansichten allmählich ablegte und sich dadurch wieder die Erlaubniß zur Rückehr in die Heimath erwarb. — Eine ähnliche Sinnesänderung beurkundete aud

ein anderer spanisder Minister Florida Blanca, der unter der Regierung Kari iv. Karl8 IV. als Mäcenas gepriesen ward, weil er Wissenschaft und Gelehrte begün

1806. stigte, Künste hob und die Hauptstadt verschönerte.

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1788

2. Der Norden Europa's.

rid IV,

§. 681. a) Dänemark. Struensee. Durch die Verfassungsänderung vom Jahr 1660 (S. 589) war die dänische Königsmadt unumsdyränkt (absolut) gewor

den und durd, die Eigens djaften der Herrscher ward der Zustand des Landes bedingt. Frieds Friedrich IV. (8. 640) ahmte die Pradt des französijden Hofes nady, war aber 1700--80. dabei doch ein guter Staatswirth, so daß er ein wohlhabendes Land und eine ge

Chri:, füüte Staatskasse hinterließ. Sein Nachfolger Christian VI. war ein äußerst 1730-46. frommer, auf Gottesdienst und firdyliche Zucht haltender Monarchy; aber über dem

Streben, seinen Unterthanen dieselbe fromme Gesinnung einzuflößen, vernadıläfrigte

er den Staatshaushalt so, daß sein Reidy in Schulden gerieth. Der Bau des pradni tigen Residenzschlosses in Copenhagen und eines andern stattlichen Solosses auf dem

ftian VI.

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