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balb zur offenen Widerseßlichkeit gesteigert ward. Durch die eine wurde der Hafen von Boston gesperrt, durch die zweite die freie Verfassung von Massadujets bedeutend befchränkt, und durch eine dritte die Grenze von Canada nad den Vereinsstaaten zu erweitert und somit die dort herrschende absolute Verfassung audy über den dazu gezogenen Theil der legtern ausgedehnt. — Während dieser Vorgänge wurde das englische Volt durch Zeitschriften, Reden und Parlamentsdebatten in nicht geringerer Aufregung gehalten als das amerikanische, und da die öffentliche Meinung über die Maßregeln der Regierung und die Gerechtigkeit des Streits getheilt war, so entstand eine so heftige Parteiung, daß diese Jahre ganz den Charakter einer leidenschaftlich bewegten Revolutionszeit tragen. Zur Steigerung dieser Aufregung trugen vor Adem die berühmten Funiusbriefe (17694-1772) bei, eine durch die Kraft der Sprache, durch die Schönheit des Stils und der Darstellung und durch die Macht der Polemit ausgezeichnete Flugschrift, deren Verfasser bio jeßt nicht mit Sicherheit ausgemittelt werden konnte. Auch der englische Demotrat Thomas Payne Grieb im Interesse der Amerikaner.

§. 675. Ariegsbegebenheiten. Die Bostoner Hafenbill und die beiden andern Barlamentsbeschlüsse, die in schwarzrandigen amerikanischen Zeitungen bekannt gemacht wurden, erzeugten eine allgemeine Entrüstung und riefen einen planmäßigen Widerstand hervor. Ein Congreß von Abge- 14. Sept. ordneten sämmtlicher Colonien (nur Georgien schloß sich erst später an) trat in Philadelphia zusammen und faßte den Beschluß, keine Waaren und Erzeugnisse aus England und dem britischen Westindien weiter zuzulassen und nach Ablauf einer bestimmten Frist allen Verkehr zwischen Ames rika und dem Mutterlande abzubrechen. Zugleich erließ derselbe einige mit großer Geschicklichkeit, Ruhe und Mäßigung abgefaßte Zuschriften an den König, bas englische Volt, die Bewohner von Canada u. a., worin aufs Ueberzeugendste nachgewiesen war, daß die Amerikaner nur ihre anges bornen und mühsam erworbenen Rechte gegen die Wilfür und die Machtges bote der englischen Regierung und des Parlaments zu vertheidigen suchten. Diese Adressen machten den größten Eindruck und lenkten die Aufmerksamkeit von ganz Europa nach jenem lande, wo einfache und ruhige Männer mit der größten Besonnenheit und Entschlossenheit Freiheit und Menschenrechte gegen Gewalt und Uebermacht schüßten. – Die Engländer erklärten hierauf Massaçusets in Aufruhrstand, untersagten allen Verkehr mit den ames rikanischen Provinzen und verboten jede Einfuhr von Waffen und Kriegsbedarf. Da verstärkten die Amerikaner ihre Milizen, bemächtigten sich gewaltsam englischer Waffen und Munition und errichteten in Concord ein Vors rathshaus von Kriegsgeräth. Um dieses zu zerstören, rückte der Befehlshaber der Bostoner Bejagung mit seinen Truppen aus, wurde aber auf dem Hins weg und Rüdweg bei Lexington angegriffen und somit das erste Bür- 19. April

1775. gerblut vergossen. Diesem Treffen folgte bald die Schlacht von Buna fershill, wo zwar die Amerikaner nach dreimaligem Angriff zurückgeschlagen 1775 wurden, die Engländer aber so viele Leute verloren, daß sie Boston bald 1776. räumen mußten. Diesen Ausgang verdankten die Amerikaner ihrem hochherzigen, als Staatsmann und Feldherr gleich ausgezeichneten Mitbürger Georg

6. Juni

1776.

Washington aus Virginien, der dem hohen Ziel, Befreiung des Vaterlandes, seine Thatkraft und sein Vermögen widmete. Wie Er im Felde mit dem Schwerte für seine Mitbürger wirkte, so der als Erfinder des Bligableis ters, als Verfasser und Verbreiter nützlicher Volksschriften und als erster Begründer einer öffentlichen Bibliothek in Amerika bekannte frühere Buchdruđer Benjamin Franklin durch Rede und Schrift als fluger Geschäftsführer seines Vaterlandes an den Höfen von London und Paris. Die Er. scheinung des schlichten, verständigen Mannes im einfachen Quäkerkleide er: žeugte in Frankreichs erregbarer Hauptstadt einen solchen Enthusiasmus für Freiheit und Demokratie, daß der junge, reiche Marquis von Lafayette und andere gleichgesinnte Edelleute in edler Begeisterung über& Meer segten, um Gut und Blut für den amerikanischen Freiheitskampf zu wagen, durch welchen sie Rousseau's Ideale verwirklicht zu sehen glaubten. Im Vertrauen

auf diese in Frankreich herrschende Stimmung sprachen die Abgeordneten der 4. Juli 13 vereinigten Staaten die Unabhängigkeit der amerikanischen Co

(onien von England au 8.

Diese von dem klugen amerikanischen Staatsmann Jefferson ausgearbeitete Unabhängigkeitserklärung stellte das Recht der Amerikaner in ein jo helles Licht, daß ihr Kampf in Europa allgemeine Theilnahme fand, daß sich aus verschiedenen Ländern freisinnige Männer ihrer Sache anschlossen (Kalb, Steuben, Rosciuszko, Larochefoucauld, die Brüder Lameth, Rodhambeau u. a. m.) und daß alle für Freiheit empfängliche Herzen dem Ausgange eines Kriege, den man als Kampf der Vernunft und Menschenrechte gegen verjährte, angemaßte Ansprüche betrachtete, erwartungsvol entgegenschlugen.

Aber trotz dieser Sympathien, die selbst von den englischen DppositionsHäuptern Pitt, For u. A. getheilt wurden, und trop der Anstrengung der hochherzigen Führer des jungen Staats schien doch die Sache der Amerikaner einen schlimmen Ausgang zu nehmen, als die englische Regierung Verträge mit mehreren deutschen Fürsten abschloß und ein großes Heer von Hessen, Hannoveranern, Waldedern u. a. auf schmähliche Weise duro Wer: ber zusammengetriebenen und um Geld an England verkauften Deutschen über das Meer geführt wurde, um ihre europäische Kriegskunst an den freien Söhnen der neuen Welt zu erproben. Mit Mannschaft und Kriegsbedarf aufs Beste versehen, gelang es nunmehr dem englischen Feldherrn Howe, sich New - Yorks zu bemächtigen und die Feinde aus den angrenzenden Provinzen zu verdrängen, während andere Führer in Canada den Amerikanern, die auch dieses Land zum Abfall zu bringen suchten und darum einige Truppen dahin geschickt hatten, mit Glüc widerstanden. Aber durch die Sorglosigkeit Howe'e, der im Winter seinen Vergnügungen nachging, glückte es dem Wadjamen Washington, um Weihnachten unvermerkt über den gefrornen Delaware zu feßen, eine Truppenabtheilung Hessen (bei Trenton) gefangen zu nehmen und die Engländer (bei Princetown) zu schlagen. Die dadurch erlangten Bor= theile gingen zwar wieder verloren, indem Washington von dem wackern enga

wiew-Yorkehen, geri 34 eror

1776.

1777.

1777.

1778.

lischen General Cornwallis am Flusse Brandywine besiegt und dann Berbft Philadelphia eingenommen wurde; aber die bald darauf erfolgte Capitulation von Saratoga, wodurch 7000 Mann englische Truppen, die bisher unter 15, Oct. Bourgoyne in Canada einen höchst beschwerlichen Feldzug gemacht, nebst dem ganzen Kriegsvorrath in die Gewalt des amerikanischen Generals Gates fielen, änderte die Lage der Dinge so sehr zum Vortheil des jungen Freistaats, daß jeßt die Franzosen, welche die wachsende Blüthe der englischen Colonien schon längst mit Neid und Aerger betrachtet hatten, fein Bedenken mehr trugen, mit den Amerikanern einen Bund zu schließen, wodurch der Krieg eine andere Gestalt gewann.

8. 676. Erweiterung des Krieg 8. Nach der in Frankreich mit Jubel vernommenen Capitulation von Saratoga erkannte die französische Regierung, mehr die öffentliche Meinung als die Wohlfahrt des eigenen Staates berücksichtigend, die Unabhängigkeit Nordamerika's an und versprach in 6. Febr. dem mit dem Congreß abgeschlossenen Bunde die vereinigten Staaten mit 1 aller Macht so lange zu unterstüßen, bis diese Unabhängigkeit fest begründet wäre. Großmüthig entsagte dabei Frankreich allen eigenen Vortheilen, so sehr aus der neue Krieg die ohnedies schwierige Finanzlage zu verschlimmern drohte.

Der Bersuch des englischen Ministeriums, durch Anknüpfung von Unterhandlungen mit Amerika den Bund zu hintertreiben, scheiterte an dem richtigen Tacte des Congresses, der wohl einsah, daß er bei der Begeisterung der französischen Jugend für die Idee der Freiheit und eines geträumten Naturzustandes durch die Fortsegung des Kampfes größere Bortheile erringen könne, als ihm die Engländer zugestehen würden. War ja doch Frantlin in Baris so sehr der Held des Tages, daß man allenthalben sein Portrait erblicte und seine Ersdeinung im idmudlosen Kleibe und mit weißem, natürlichem Haare unter den gepuderten und besternten Herren überall einen begeisterten Beifall hervorrief.

Anfangs unterstügten die Franzosen ihre Bundesgenossen nur mit Geld und Schiffen, bis sich Lafayette nach Paris begab und die Absendung einer Armee, bei der sich viele durch Geburt, Reichthum und Talente ausgezeichnete Männer als Freiwillige befanden, durchseşte. Nunmehr zogen sich die Engländer aus Pennsylvanien nach New - York zurück und beschlossen dann den Krieg nach den südlichen Landschaften Carolina und Georgien zu verlegen, wo sich noch viele Anhänger des englischen Königthums (Royalisten, Loyalisten) befanden. Sie eroberten Savannah und Charlestown und gewannen unter bem tapfern Cornwallis zwei Schlachten. Diese Unfälle, verbunden mit dem Geldmangel, dem die Freigebigkeit einiger Privatleute nur auf kurze Zeit abzuhelfen vermochte, mit Meutereien unter den Truppen und mit dem Verrath des amerikanischen Generals Arnold, wobei der als Unterhändler gebrauchte 2. Oct. englische Major André einen schimpflichen Tod durch Henkershand erlitt, brachte die junge Republik in große Noth. Dieser Zustand, der Dinge erhielt aber plößlich eine andere Wendung, als das französisch - amerikanische Heer unter Washington und Lafayette den General Cornwallis, der sich von

1780.

1781.

26. Junt

1779.

Virginien aus mit dem englischen Befehlshaber Clinton in New-York ver: 19. Oct. binden wollten in Yorktown einschloß und zu einer Uebergabe zwang,

in Folge deren Feine 7000 Mann starke Truppenabtheilung mit Geschüß und Ariegegeräth in die Hände der Sieger fiel. Dieses Mißgeschid des wadern Cornwallis wurde für den Ausgang des Ariege entscheidend. Die Engländer, die ihre Waffen gegen ihre europäischen Feinde kehren mußten, führten von dem an den überseeischen Krieg mit weniger Heftigkeit; auch war das neue, aus den bisherigen Oppositionsgliedern Sheridan, Burke und For ges bildete Ministerium einem friedlichen Uebereinkommen mit Amerika mehr ges neigt als das frühere unter Lord North.

Pitt war schon im Mai 1778 gestorben. Eine heftige Rede gegen die Maßregeln der Regierung bei der Nachricht von Amerita's Bunde mit Frankreich hatte seine geschwächte Gesundheit so erschüttert, daß er im Parlamente umfiel und bald nadher auf seinem Lands hause, wohin man ihn brachte, verschied. Eine trauernde Britannia wurde seinem Sarge vorangetragen.

§. 677. Die bewaffnete Neutralität. Holland. Der zwischen 20:39 Frankreich und Amerika abgeschlossene Bund, dem bald auch Spanien bei:

trat, hatte einen heftigen Seekrieg mit England zur Folge. So lange blos diese Mächte gegen das meerbeherrschende Eiland ankämpften, blieb die bris tische Seemacht ungeschwächt. Als aber der von Katharina II. von Rußland gefaßte Plan, die am Kriege unbetheiligten Seestaaten zu einem bewaffnes ten Neutralitätsbund zu vereinigen, raidhen Fortgang nahm, da schien Englands Seeherrschaft mehr als je bedroht.

Um nämlich die Uebermacht der Briten, die während des Kriege den freien Seehandel störten, durch ihre Raper alle Meere beherrschten und die Sciffe aller Nationen durch lästiges Untersuchen nach verbotenen Waaren (Contrebande) behelligten, zu beschränken, schloß Katharina II. mit mehreren Seestaaten einen Ber: trag, wodurch dem Grundsat: „Neutrales Schiff! Neutrales Gut!" Geltung verfdafft und der Handel der neutralen Staaten an der Küste und in den Häfen der friegführenden Mächte (mit einziger Ausnahme von Waffen und Kriegsbedarf) gestattet sein sollte.

Diesem Neutralitätsbund traten allmählich bei: Rußland, Dänemart, Schweden, Breußen, der Kaiser, Neapel und Portugal; aber Holland, bessen Anschluß seiner Lage und Seemacht wegen besonders wichtig gewesen wäre und dem Bunde im atlantischen Meer und in der Nordsee erst die rechte Bedeutung gegeben hätte, zögerte so lange, bis England von dem Vorhaben Kunde erhielt und sich beeilte, den Holländern den Krieg anzukündigen, ehe

diese die Erklärung ihres Beitritte, zu dem sie sich endlich entschlossen, nad Novbr. Petersburg gelangen lassen konnten. Dadurch schied Holland aus der Zahl

der neutralen Mächte und konnte folglich dem Bunde nicht mehr beitreten.

A18 Gründe für die Kriegserklärung machte England geltend, daß ihm die Holländer den durch frühere Verträge festgelegten Beistand verweigerten und daß die Stadt Amstera dam mit Amerika wegen eines Freundschafts- und Gandelsvertrag8, wovon die Urtunden in die Hände der Engländer gefallen waren, Unterhandlungen gepflogen.

1780.

UBIT:

1751

1781.

Den Generalstaaten kam der Krieg sehr ungelegen, da bei der steten Eifersucht der aristokratischen Republikaner (Patrioten) gegen das Haus Dranien und dessen Anhänger das Militärwesen und die Kriegsschiffe sich in der traurigsten Verfassung befanden. Herzog Ernst von Braunschweig, der, anfangs als Vormund des minderjährigen Erbstatthalters Wilhelm V. helm v. und dann, nach dessen Volljährigkeit, vermöge eines mit seinem ehemaligen 1795.

$ 1806. Mündel abgeschlossenen gesekwidrigen Vertrags (Consultation 8 - Acte), felt 1750. die Angelegenheiten der niederländischen Staaten leitete, stand ganz in Englands Interesse, während die Aristokraten, die nur ihre Handelsvortheile im Auge hatten, eine dem britischen Insellande feindselige Politik befolgten. Durch diesen Zwiespalt war der Staat, und besonders dessen Kriegsmacht, in Berfall gerathen, weshalb auch Holland aus dem Rampfe nur Nachtheile 30g. Denn bei dem auch während des Kriegs fortbestehenden Hader zwischen der Regierung und den Patrioten erlahmten die Kräfte der Republik so sehr, daß trop der unentschiedenen Seeschlacht auf der Doggersbank an der 5. August englischen Küste der alte Ruhm der Heländer einen empfindlichen Stoß erlitt. Am fühlbarsten jedoch war dem nur auf Handel und Erwerb bedachten Volke der große Berlust, den ihm der englische Admiral Rodney durch Ers oberung der Insel St. Eustathius und durch die Beschlagnahme alles PrivatEigenthums daselbst zufügte; und wenn gleich die Franzosen einige Zeit nachher ihnen wieder zum Besiß der Insel verhalfen, so war dennoch der ganze Krieg in Dst- und West - Indien jo sehr zum Nachtheil Hollands, daß dieses seine Bedeutung zur See gänzlich einbüßte, daß die ost- und westindischen Geselljchaften unersegliche Verluste erlitten, und daß dem Handel Wunden geschlagen wurden, von denen er sich nie wieder erholte. Die Abtretung der ostindischen Stadt Negapatnam an England im Frieden von Versailles 1788. war der geringste Schaden, den die Republik aus diesem unheilvollen Rampfe bavontrug. Doch trat seitdem Holland in eine engere Verbindung mit Frankreid, wodurch es einige Jahre später in Stand geseßt ward, den friegerischen Bewegungen, mittelst deren Kaiser Joseph II. die freie Ausfuhr auf der Schelde zu erzwingen hoffte, mit solchem Nachdruck zu begegnen, daß dieser von seinem Verlangen abstand und sich mit einer Geldentschädigung und mit der Aufhebung des drückenden Barrieretractats (§. 636), wornach holländijde Belatung in den belgischen Grenzstädten unterhalten werden mußte, begnügte.

Diese Vorgänge hatten den Haß des Volfs gegen den Erbftatthalter und dessen unberechtigten Leiter so gesteigert, daß der lettere es für räthlich hielt, seine Temter niederzulegen und das Land zu meiden. Damit war aber das Volt, zu

1784. dem auch die neuen Ideen von demokratischer Freiheit und von Menschenrechten gebrungen, nicht zufrieden, sondern es ließ seinen Groll sogar an dem Statthalter selbst aus. Wilhelm V. mußte zuerst den Haag verlassen; dann erhob sich die ganze Provinz Holland unter der Leitung der Patrioten, entzog dem Stattbalter den Oberbefehl über die Truppen und fing an die Verfassung zu ändern. 1785. Utrecht und Seeland folgten dem Beispiele, und bald standen die Staaten, die es Bebet, Geschichte. II. 9. Aufl.

21

1784

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