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8. Juli

bedeutenden Streitmacht vor Bultawa erschien und den Schwedenkönig, der

kurz zuvor am Fuße verwundet worden, zu einem Treffen zwang. Die °1709. Schlacht von Pultawa entschied wider die Schweden. Rhenstjöld, der

die Anordnung getroffen, Piper und viele der ersten Militärbeamten geriethen in Gefangenschaft, alles Gepäck und die reiche Kriegskasse fiel in die Hände der Sieger. Karl XII. wurde aus dem stolzen Ueberwinder dreier Könige ein hülfloser Flüchtling, der sich nur durch die angestrengteste Flucht in einer obdach- und nahrungslosen Steppe mit etwa 2000 Begleitern auf das türkische Gebiet rettete und kaum den Grenzfluß Bug bei Oczakow glücklich überschritten hatte, als die nachsetzenden Russen am andern Ufer ankamen. Löwenhaupt sammelte den Rest der Flüchtigen; da aber bei dem Mangel an Nahrung und Geschüß kein Rückzug möglich war, so ergab er sich mit 16,000 Mann. Keiner der tapfern Krieger sah die Heimath wieder; sie wurden in dem weiten Reiche zerstreut und starben theils in den Bergwerken Sibiriens, theils als Bettler auf den Landstraßen. So wurde das helbenmüthige Heer, gleich bewundernewürdig im Dulden wie im Handeln, vernichtet.

g. 647. Karl XII. in der Türkei. Karl XII, wurde von den Türken ehrenvoll aufgenommen und großmüthig behandelt. In seinem Lager vor 1710. Bender (ebte er als Gastfreund des Sultans in föniglicher Weise. Aber der

Gedanke, als Besiegter ohne Heer in seine Staaten zurückzukehren, war seiner stolzen Seele unerträglich. Er wollte die Türken zu einem Ariege mit Rußland zwingen und dann an ihrer Spige die Staaten seines Feindes durchziehen. Während er zu dem Ende in Bender Zeit und Kräfte vergeudete und alle Mittel anwandte, um die dem Kriege abgeneigten Türken für seine Pläne zu gewinnen, erneuerten seine drei Gegner das frühere Bündniß gegen Schweden. worauf Friedrich August den Altranstädter Vertrag für nichtig erklärte und nach Vertreibung Stanislaus Lesczinski's sich mit Hülfe des polnischen Adels wieder in den Besit des Thrones seşte, Zaar Peter seine Eroberungen an der Dstsee über Esthland, Livland und einen Theil von Finnland ausdehnte und der König von Dänemark an der Küste von Schonen landete, aber bald von einem kleinen Heer abgehärteter Bauernbursche unter Stenbod8 Oberbefehl zurückgedrängt wurde. Endlich Tchien Karls XII. Plan in Erfüllung zu gehen. Seinem Bevoümächtigten in Konstantinopel, dem gewandten Polen Poniatowski, gelang es, durch Hofränke die Entfernung zweier Großveziere und die

Kriegserklärung gegen Rußland zu erwirken. Schon rückte ein türkisches Heer 1711. in die Moldau, wohin sich der Zaar auf ähnliche Weise durch die Verheißun

gen des Hospodars hatte locken lassen, wie Karl durch Mazeppa in die Ukraine. Am Bruth kam das russische Heer in eine so mißliche Lage, daß es ohne Schwertstreich in türkische Kriegsgefangenschaft gerathen wäre, hätte nicht Beters Gemahlin Katharina, die aus einer Sklavin des russischen Ministers Menzikoff endlich Beherrscherin aller Reussen warb, das Mittel gefunden, den Großvezier durch Bestechung zum Abschluß eines Friedens zu bringen, in dem Beter nur versprach, a fo w zurückzugeben, die Festungswerke von Tas

27. Nov.

1714

0. Dec.

ganrog zu schleifen und dem Schwedenkönig den Durchzug durch seine Staaten zu gestatten. Karl XII. schäumte vor Wuth, daß das so nahe gedachte Ziel nun ferner als je gerüdt. Dennoch beharrte er in seinem Vorsate und blieb selbst dann noch in Bender (oder vielmehr in Warnißa), als ihm die Pforte die Gastfreundschaft fündigte, die bisher gereichte Geldunterstüßung entzog und das türkische Gebiet zu verlassen befahl. Er ließ sich von der Pforte das Reisegeld zahlen und blieb dennoch; endlich erstürmten die Janitscharen sein Lager, steckten seine Hütte, in der er sich mit Löwenkraft vertheidigte, in Brand und nahmen ihn bei einem wüthenden Ausfalle gefangen. Aber noch 18. febr. über zehn Monate verharrte er in türkischer Gefangenschaft und verzehrte seine Kraft in findischem Eigensinn. War es zu verwundern, daß man anfing, ihn für geistesverwirrt zu halten? Erst als man ihm meldete, daß auch die deutschen Besißungen bis auf Stralsund und Wismar in den Händen der Feinde wären und die Schweden mit dem Gedanken umgingen, einen Reichsverweser zu ernennen, verließ er nach fünfjährigem Aufenthalt die Türkei und langte nach einer vierzehntägigen, ohne alle Unterbrechung, meist zu Pferde fortgesepten Reise durch Ungarn und Deutschland plößlich vor den, Thoren Stralsunds an.

§. 648. Nar18 XII. Ausgang. Mit edler Anstrengung hatten inbessen die Schweden den zahlreichen Feinden Widerstand geleistet. Stenbod siegte bei Gadebuid zum zweitenmal über das zwanzigmal stärkere Heer Mizia.. der Dänen, eroberte und verbrannte Altona, gerieth aber bei weiterem Vor- 1718. rücken curd Holstein in Kriegsgefangenschaft und mußte bis an seinen Tod (1717) zu Kopenhagen in einem engen Kerker schmachten. – Aber wie sollte bas durch einen vierzehnjährigen Krieg geschwächte und seiner ergiebigsten Provinzen beraubte Land der vereinten Kriegsmacht der fünf Nachbarstaaten (da sich auch noch Hannover und Preußen den übrigen Berbündeten anges solossen) gewachsen sein? Karl mußte daher nach den größten Anstrengungen und nach Aufopferung der heldenmüthigen, eines bessern Schidsals würdigen Truppen die hartbedrängte Stadt Stralsund aufgeben und nach Schweden December überseßen. Ganz Pommern, nebst der von dem tapfern Leopold von Dessau eroberten Insel Rügen, kam sofort in die Gewalt der Preußen. Aud Wismar, die legte schwedische Besigung auf deutschem Boden, ging berloren. Und noch immer wollte der starrsinnige König von keinem Frieden hören. Auf den Rath des erfindungsreichen, ränkevollen Baron von Gö r 3, der aus holsteinischen in schwedische Dienste getreten und für die Fortsegung des Krieges war, um einen billigen Frieden zu erzwingen, ließ der König zur Bestreitung der Kosten für neue Kriegsrüstungen geringhaltiges Geld prägen und zu vollem Nennwerth ausgeben, und rückte dann im Februar in Norwegen ein. Aber Klima, Natur und die Tapferkeit der Einwohner bereiteten ihm solche Schwierigkeiten, daß er bald zur Rückehr genöthigt ward. Nun suchte Görz den russischen Kaiser, der ungehalten war, daß sich der Kurfürst von Hannover (Georg I. von England) in den Besig von Bremen und Verden

Weber, Beschichte. II. 9. Aufl.

1716

1716.

18

Januar 1719.

geseßt, zu einem Separatfrieden zu bewegen, und leitete zugleich mit Alberoni

ein Complot zur Rückführung der Stuarts auf den englischen Thron ein (8. 639), 1718.

allein noch ehe die Verhandlungen mit Beter zu Ende geführt waren, brad Karl XII., den die Unruhe rastlos vorwärts trieb, abermals mit zwei Heers abtheilungen in Norwegen ein. Die kleinere unter Armfeld richtete ihre Ans griffe auf Drontheim, mußte jedoch bei eintretender Kälte unverrichteter Sache abziehen und erlag auf dem Rückzug über die menschenleeren, mit Sonee und Eis bedeckten Berge dem Froste, dem Hunger und der Ermüdung. Noch ehe sie die eisigen Höhen des Nordens erklimmten, hatte ihr König vor der Festung Friedrichshall, die er mitten im Winter belagerte, seinen Tod

gefunden. Als er bei nächtlicher Weile an eine Brustwehr gelehnt den Ars "1718.6. beitern in den Laufgräben zusah, ward er getödtet. Die Kugel, die seinem

Peben ein Ende machte, fam wahrscheinlich von Mörderhand. – Karl& Tob hatte in Schweden eine Umgestaltung der Verfassung, eine Reihe nachtheiliger Friedensschlüsse mit den verbündeten Mächten und den Fustizmord des Ministers Görz zur Folge.

b) Die innern Zustände. $. 649. 1) S dyweden. Der schwedische Adel, des Militärdespotismus längst müde, benußte die streitige Thronfolge zur Wiedererlangung der ihm von Karl XI. entriffenen Rechte. Ebe farls XII. jüngere Sdwester Ulrile Eleonore und ihr Gemahl Friedrich von Hessen-Sajfel von den Ständen (die ihr altes Wahlrecht sich wieder beilegten und den rechtmäßigen Thronerben Karl Friede rich von Holstein-Gottorp, den Sohn von Karls XI. ältester Sowester, umgingen) auf den idywedischen Thron gehoben wurden, mußten sie der unumjøräntten König &madt entsagen und nicht nur in die Wiederherstellung der alten Verfassung willigen, sondern auch dem neu errichteten aristokratischen Reichsrath eine so unabhängige Stellung einräumen, daß dieser allmählich zu einer mitregierenden Behörde emporstieg. Als ständiger Ausí d uß der Reichsstände, denen die oberste Machtvollkommen beit (Souveränetät) beigelegt ward, sollte der Reichsrath nur diesen verantwortlich sein. – Dies hatte die Folge, daß nach und nach alle Regierung gewalt in die Hände des nach Stimmenmehrheit entideidenden Reichsrath 8 kam und die Königswürde zu einer machtlosen Ehre herabsant. Schwedens Verfassung wurde eine brüdende Oligarchie; der Reichsrath, in dem der König nur zwei Stimmen hatte, entschied über alle Regierungssaden und besegte die obersten Stellen im Heer, in der Justiz und in der Verwaltung. — ALS erstes Opfer der zur Madit gelangten Adelspartei (von der auch wahrscheinlich des Königs Ermordung ausgegangen) blutete Rarl8 verhafter Rathgeber Görs Ohne der beschuldigten Staatsverbrechen überführt zu sein, ward er dur, ein unge rechtes und höchst parteiisdyes Gerichtsverfahren zum Tode verurtheilt und grausam hingerichtet. Und damit der Reichsrath seine neu errungene Gewalt in Sicherheit

und Ruhe genießen könne, wurden alsbald mit den gegen Schweden verbündeten 1710– 21. Mächten Friedensfdlüsse eingegangen, bei denen der Adel mehr seinen Eigen:

nuß als den Vortheil und die Ehre des Landes berücksichtigte. Von dem an died Sdweden aus der Reihe der Großmächte; an seine Stelle trat Rußland.

In den Friedensídlüffen erwarb Georg I. von England gegen Entrichtung einet Million Chaler an die schwedische Regierung das Herzogthum Bremen und Berden für

1719

ein Stammland Hannover, Friedrid Wilhelm I. von Breußen behielt für zwei Mils 1720. fionen Thaler bas von ihm besepte Stettin und Vorpommern bis an die Beene, nebst den Inseln Usedom und Wollin. Dänemark erlangte den Befik der dem Herzog von Hole ftein-Gottorp entrissenen Brovinz Soleswig, gab aber die ich wedisden Eroberungen

1721. (Stralsund, Greifswald u. a.) zurüd, nachdem Schweben auf die bisher genossene Sund. Zollfreiheit verzichtet. Gegen die alten Grundrechte, wornach Saleswig und þolftein bereint und ungetheilt bleiben sollten, verband Friedrich IV. das Herzogthum Sdleswig mit Dänemark und unterwarf es widerrechtlich dem dänischen Königsgeseß, ein Verfahren, das in der neuesten Zeit seine blutigen Früchte getragen hat. – August II. wurde als König Don Bolen anerkannt. Am längsten dauerte der Krieg mit Rußland. Erst als Peter die swedische Küfte mit Feuer und Schwert barbarisd verheeren ließ, willigte endlich die Regie.

10. Sept. tung im Frieben von Nyftädt in die Abtretung der reichen Provinzen Ingerman. 1721. 1and, Eftland, Livland und eines Theils von Carelien an die Russen gegen die Hidgabe von Finnland und die geringe Entschädigung von zwei Millionen Thalern.

§. 650. 2) Rußland. Wie ganz anders ging Rußland aus dem Rampfe hervor. Der Zaar, der nunmehr den Kaisertitel annahm, hatte seinem Reiche blühende, cultivirte Länder erworben, seiner neugegründeten Seemat zwei Meere eriálossen, die wenig bevölkerte Provinz Ingermanland durch erzwungene Uebersiedelung volfreich gemacht, Petersburg, das der europäischen Cultur näher lag als Mostau, zum Siß der Regierung und zur Hauptstadt des Reiches erhoben und burd großartige Anlagen und Bauwerke in Äufschwung gebracht. Durch Anle= gung von Canälen und Landstraßen erleichterte Peter den innern Verkehr seines unermeßlichen Reiches; mit den Seestaaten des Auslandes wurden direkte Handelsver: bindungen angeknüpft und zu dem Ende Seehäfen angelegt und die Schifffabrt befördert. Gewerbe und Manufakturen erfreuten sich besonderer Bea günstigungen, und neu erschaffene Bergwerke förderten den inneren Reichthum des Landes zu Tage. Dies hatte zur Folge, daß am Ende des zweiundzwanzigjährigen Strieges der russische Staat nicht nur schuldenfrei war, sondern das Finanzwesen sich in so gutem Zustande befand, daß der Kaiser unmittelbar nachher einen Krieg ge- 1722—. gen Persien, hauptsächlich für þandelszwede, unternehmen konnte. Auch die ganze Berwaltung des Reiche bekam durch Beter eine neue Gestalt. An die Stelle des alten Bojaren hofs trat der vom Kaiser abhängige und von ihm ernannte Senat als oberstes Reidsgericht in Betersburg; und in den Ulafen Durde nicht mehr wie früher der Zustimmung der Bojaren zu dem Willen des Souderäns gedacht. Zehn neue Regierung 8- Collegien mit bestimmtem Geschäftstreis leiteten die Verwaltung in den Provinzen. Eine nach französischem Muster eingerichtete Polizei ficherte die Hauptstadt, aber leider glaubte Peter, daß eine geheime 3 nquisitionstanzlei auch zur guten Polizei gehöre, und ließ daher dieses von Iwan Wasiljewitíd gegründete schreckliche Institut bestehen. Auch die Verhält= nisje ber Leibeigenschaft wurden fest geregelt und den Herren die erweiterte Befugniß ertheilt, die Bauern nicht blos mit der Scholle zu verkaufen, sondern sie aud zu jeder beliebigen Haus- und Fabrikarbeit zu verwenden." — Ja selbst eine Alade: mie der Wissenschaften wurde in Petersburg gegründet, aber von ihren gelehrten Forschungen hatte das rohe Volt feinen Gewinn. – Eine der folgenreichsten Neues rungen Peters des Großen war die Aufhebung der Patriard en würde und 1700. die Errichtung der heiligen Synode als oberster Kirchenbehörde, welche vom Kaiser, ihrem Präsidenten, Verhaltungsbefehle empfing. Eine nach dem Tode des Batriarden Adrian von Peter angeordnete zwanzigjährige Verwesung seiner Stelle hatte das Bolt zuvor eines firdliden Oberhauptes entwöhnt. Von nun an stand in Rußland Kirche und Staat unter einem militärischen Regiment. Hätte Peter noch seinen Plan, dem ganzen Reiche ein allgemeines Gesetzbuch zu verleihen, aus

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1717.

1722.

Katha

rina l.

geführt, so wäre die Staatsorganisation zur Vollendung gebracht worden. — Aber wie viel Peter auch für Cultivirung seines Landes that, er selbst blieb bis an das Ende seines Lebens ein der Völerei und roben Sinnengenüffen ergebener Despot. Eine zweite, in Begleitung der Kaiserin Katharina unternommene Reise durch Deutschland nach Holland und Frankreich bewies, wie weit nod; die russischen Sitten hinter der europäisdjen Civilisation zurüdstanden; und Peter8 Verfahren wider seinen ein: zigen Sohn Alerei, auf den er die Abneigung gegen dessen verstoßene Mutter übertragen, zeugt von der harten Gemüthsart des Machthabers. Durch Troß und störrisches Wesen hatte Alexei die Liebe seines Vaters verscherzt, er hatte sich mißbilligend über die Neuerungen geäußert, hatte sich mit lauter Freunden des alten Zustandes umgeben und den Vorsaß ausgesprochen, seine Residenz einst wieder nad Mosfau zu verlegen. Umsonst suchte Peter ihn durch Vermählung mit einer deutsden Fürstentochter der europäisden Cultur zu befreunden; Alexei blieb bei seinem Sinn und entwich endlid, aus dem Reich. Da ließ ihn Peter, besorgt um den Fortbestand seiner Einrichtungen, verhaften, in die Heimath zurüdbringen und zum Tode verurtheilen. Ob Alerei hingerichtet ward, oder vor der Vollstreckung des Urtheils starb, ist streitig. Ein Ukas gab alsdann die Bestimmung der Thronfolge dem Willen des regierenden Naisers anheim. Dadurch verschwand aus dein ruffisden Reich der Begriff der Ligitimität; die czarische Thronfolge wurde rechtlos, ein Spielball der kaiser

lichen Laune. 1725 . Peters des Großen Tod führte eine Reihe schwankender Regierungen und stür

misdier Thronwechsel herbei, die an die Kaiserzeit von Rom und Byzanz erinnern. Menzikoff, der von dem niedrigsten Stande zum Günstling des Kaisers und all

mächtigen Minister emporgestiegen, verschaffte seiner ehemaligen Dienerin, der Kaiseazrin Katharina, den Thron und führte in ihrem Nanien ein unumschränktes Regi1725–27. ment; und als Katharina I. starb und nad Menzikoff8 Weisung den unmündigen 1727 – 30. Sohn des enthaupteten Alerei, Peter II., zum Thronfolger ernannte, riß jener

herrschsüchtige Staatsmann die Regentschaft an sidy, und gedachte durch die Vermählung seiner Tochter mit dem jungen Fürsten die Kaiserwürde an seine Familie zu bringen. Aber Dolgorudy), ein unternehmender Edelmann und Peters II. Jagds gefährte, bewirkte den Sturz des übermüthigen Emporkömmlings. Menzikoff brachte mit seiner Familie den Rest seiner Tage in Sibirien zu und von seinen Millionen

blieb ihm nur noch ein spärlicher Unterhalt. Gram und Schwermuth machten seinem 1729. Leben bald ein Ende. Aber auch die Herrschaft der Dolgorudy, die als Leiter des

Staatsraths eben so unumschränkt über den Senat und die Regierungscollegien geboten, wie Menzikoff, war von kurzer Dauer. Noch ehe die beabsichtigte Vermähs

lung des Kaisers mit einer Schwester Iwan Dolgorudy'8 zu Stande fam, starb 1730. Peter II. und seine Nachfolgerin Anna, Peters des Großen Bruderstodyter und ver= 10, wittwete Herzogin von Kurland, hielt sich nicht lange an die Kapitulation, we durd, die Dolgorudy und ihr Anhang iyr oligarchisches Regiment zu befestigen gehofft. Im Vertrauen auf den Wunsch.des Volfs und des niedern Adels, die mit Neid die Uebermacht jener aristokratischen Familien betrachteten, vernichtete sie die bedränkende Kapitulation, stellte die absolute Kaisermacht wieder her und wendete ihr ganzes Vertrauen ihrem Günstling Biron, den sie nach dem Erlöschen des Kettler'iden Regentenhauses zum Herzog von Kurland erheben ließ, und den beiden that: kräftigen Deutschen Ostermann und Münni di zu. Die Dolgorudy und Galigin wurden vom Hofe entfernt, und als sie neue Versuche machten, die verlorne Macht wieder zu erlangen, endeten sie theils auf dem Schaffot, theils in Sibirien. Dster: mann leitete nunmehr die äußern Angelegenheiten im Kabinet, der talentvolle, in Eugens Sdule gebildete Münnich aber gab der Kriegsmadt und dem Seewesen den vorigen Glanz wieder. In dem mit Desterreid, gemeinschaftlich geführten Tür:

Anna I 1730-40

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