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Carignan vermählte Nichte Olympia war die Mutter von Prinz Eugen. Lange in hoher Gunst bei dem König fiel sie später in Ungnade und nahm ihren Aufenthalt in Brüffel.

B. Das Zeitalter Ludwigs XIV. und der unumschränkten

Fürstenmacht.

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I. Ausgang des siebenzehnten Jahrhunderts.

1. Ludwig XIV. und seine Minister und Feldherren. §. 611. In Ludwig XIV. erreichte die königliche Angewalt den höchsten Gipfel. Das ganze öffentliche Leben drehte sich um den Hof und die Person des Monarden. Er ward als Halbgott verehrt und von seinen Unterthanen erhielt nur der Bedeutung, auf dem die Gnade des Gebieters ruhte. Er war von einem Selbstgefühl durchdrungen, das nicht den leisesten Schatten auf der spiegelhellen Fläche seines Glanzes dulden wollte. Dies hatte für den König die Folge, daß Befriedis gung seiner Eigenliebe, seines Stolze 8 und seiner Despotenlaune cas Hauptziel seines Strebens wurde, für die Üntergebenen, daß sie durch Sdmeidhelei, Servilismus und Kriecherei die Hofgunst, die allein zu Glüd und Ehre führte, zu erlangen suchten. „Es war, als ob sie Alle aufgäben, für sich selbst etwas zu sein; sie waren nur in so fern etwas, als sie im Verhältniß zu dem König standen, ein Abglanz von ihm." Jedes Zeichen der Gnade machte sie glüdlich, die mindeste Ungunst elend. Daher lagerten sich alle bösen Geister eines entarteten Hofes, Charakterlosigkeit, Berleumdung, Ränkesucht und Neid um den König und verschlossen allmählich der Tugend, Rechtschaffenheit und Tüchtigkeit den Weg. Um die verschiedenen Seiten der langen glanzvollen Regierung Ludwig8 XIV. zu beurtheilen, muß man die vier þaupteigenschaften seiner Natur, Herrs d sucht, Stolz, Prachtliebe und religiöse Devotion ins Auge fassen. Die erste verleitete ihn, durch vier blutige Kriege ganz Europa in Bewegung zu segen, sein Stolz spradfür den Hof von Versailles (wohin die königliche Residenz verlegt wurde) den ersten Rang an; seine Pracht= liebe machte Frankreich zum Muster des Gefdınads in Kunst, Literatur, Moden und Lebenseinrichtungen, und seine religiöse Devotion, die von Zeit zu Zeit sein sündhaftes Leben durchbrach, trieb ihn zur Verfolgung der Huguenotten. Alle seine Handlungen hatten übrigens ihren Grund in dem selbstherrischen (autokratischen) Geiste des Machthabers, der sich auch darin beurkundete, daß er nach Mazarins Tode feinen Bremierminister mehr duldete, sondern sich von den verschiedenen Ministern unmittelbar referiren ließ. Der Generalprokurator und Oberintendant Nicol. Fouquet, der unter Mazarin das ganze Finanzwesen fast unumschränkt geleitet und durd sein Anjehen bei den Geldmännern den Kredit des Staates aufrecht erhalten, fid aber dabei so bereichert hatte, daß er einen größern Aufwand machen konnte, als der König selbst, wurde seiner Stelle entsetzt und in Nantes, als er gerade vom König nach Hause ging, auf Ludwig8 ausdrüdlichen Befehl verhaftet. Das einige Zeit nachher von dem Gerichtshof gegen den Intendanten gefälte Urtel der Landesverweisung fdärfte der König, indem er den einflußreichen und geistvollen Mann, der Künstler und Dichter mit freigebiger Hand unterstüßt, aus fernen Gegenden seltene Gewächse Bebe, Geschichte. II. 9. Aufl.

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1661.

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Ausgang des flebenzehnten Jahrhunderts.

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Gegner, chroleur) bie Finanzeneriegen, zu den glänbne
und zu dem ben bag er auch der Patobelina-Teppiche);

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für seine prachtvollen Gärten und Landhäuser herbeigeschafft und Adel und Beamtenwelt durch Darlebn sich verpflichtet hatte, auf einer entlegenen Festung den Rest jei: nes Lebens zubringen ließ. Seitdem verwaltete Colbert (+ 1683), Fouquets Gegner, ein einfacher höchst arbeitsamer Mann, unter einem bescheidenen Titel (General-Controleur) die Finanzen des Reiches mit folder Weisheit, daß er nicht allein das Geld zu den kostspieligen Kriegen, zu den glänzenden Festen und Einrichtungen und zu den Bestechungen auswärtiger Minister ohne brüdende Maßregeln herbeischaffte, sondern daß er auch der Betriebsamkeit Frankreichs einen neuen Shwung gab, Fabriken und Manufakturen (Gobelins-Teppiche), Handel und Seewesen bob, eine glänzende Marine squf und Künste und Wissenschaften unterstüşte. Die Bestras fung aller „Partisang“ (. 610) und ihrer Unterbeamten an Geld oder Freiheit, die Herabsegung der Rente, die Verminderung der Zahl der Steuer-Eremtionen, die Einführung einer gleichmäßigen Zolordnung für das ganze Reich und die Einseßung eines Gerichtshofs zur Untersuchung finanzieller Unterschleife bildete den Anfang des neuen Staatshaushalts. Der Kanzler Pe Tellier besorgte mit Umsicht, Wohlwollen und Geschäftsthätigkeit die inneren, und der gewandte feine und scharfblidende Lionne mit Klugheit und Würde die äußeren Angelegenheiten. „Mit diesen drei Männern speciellster Befähigung verwaltete nun Ludwig XIV, die Geschäfte seines Reichs. Der Eine war der geübteste und darfsinnigste Diplomat, den es vielleicht in der Welt gab, der Zweite der in den innern Geschäften des Reichs erfahrenste Staatsmann von erprobter Zuverlässigkeit, der Dritte ein Mann von schöpferisden Ideen für allgemeine Reformen und einer nie zu ermüdenden Arbeitskraft. Sie hatten alle unter Mazarin die zweite Role gespielt, und waren zufrieden, eben so dem König zur Seite zu stehen, ohne Anspruch darauf, etwas für sich selber zu sein."

Neben ihnen machte sid, einige Jahre später Le Telliers ehrgeiziger Sohn, der Kriegs$ 1866. minister Louvois, berühmt durch die neue treffliche Organisation des Beerwe

sen8, dessen Einrichtungen bald von allen europäisdjen Fürsten nadygeahmt wurden, wie berüchtigt durch seine grausame und verwüstende Ariegsweise. Er vereinigte einen beweglichen, durchdringenden Verstand mit einem allezeit entschlossenen Willen, und da die Gunst und Gnade des Königs, „dessen geheimste Gedanken und Wünjdje er vecstand und an das Licht des Tages hervorrief“, sein höchstes Lebensziel war, so erlangte er den höchsten Einfluß. Auch Colberts Sohn, der Marquis von Seignelai († 1690) und sein Bruder Croissy Colbert erwarben sich als Minister hohe Achtung. In diesen beiden Familien war somit die gesammte Staatsverwaltung vereinigt. Dieselbe Ueberlegenheit der Talente, die Ludwig in seinem Cabinet vereinigte, zeigte sid, auch im þeer wesen und in der Flotte. Wie verschieden war seine Armee von dem freiwilligen und auf eine gemessene Zeit beschränkten Dienste des Adels, mit welchem Heinrich IV. seine Feldzüge hatte führen müssen, und von der zweifelhaften Ergebenheit ausländischer Söldner und ihrer Führer, auf welde Richelieu noch angewiesen war! Die königlichen Truppen standen unter Feldherren wie Türenne, Condé und luremburg; die Edelleute, welche die Offiziersstellen inne hatten, wetteiferten in Treue und Hingebung für den Monarden, dessen Gnadenzeichen, der neu gegründete militärische Orden, ihnen als höchste Ehre galt; Vaubatt, der berühmteste Kriegs-Ingenieur, verwandelte die eroberten Grenzstädte in uneinnehmbare Festungen, und suchte zugleich durch nationalökonomische Schriften alle Kräfte der Nation in den Dienst des Staats zu zwingen; Dü Que8 ne und Tourville brada ten das französische Seewesen zu hohem Ansehen. In den Künsten der Diplomatie was ren die französischen Gesandten allen andern eben so überlegen, wie Ludwig XIV. an Herrschergaben, gebieterischem Wesen und königlichem Anstand die meisten Fürsten seinerZeit übertraf. „Er besaß von Natur die zum Geschäft der Regierung erwünschtesten Eigenschaften: richtigen Verstand, gutes Gedächtniß, festen Willen. Er wollte nicht allein ein weiser oder ein gerechter, oder ein tapferer Fürst sein: nicht allein vollkom=. men frei von frendem Einfluß, unabhängig im Innern, gefürchtet von seinen Nochbarn, sondern alle diese Vorzüge wollte er zugleich besigen. Er wollte nicht allein sein, nod viel weniger blos deinen, er wollte beides: sein und dafür gelten, was er war. Er war verführerisd, hinreißend, wenn er es sein wollte, in demselben Grade aber idredlid, wenn er zürnte. Denn auch zu zürnen hielt er für königlich. Seine Stirne war, wie man sich ausdrüdte, mit dem Blig bewaffnet." Unbedingter Gehorfam galt ihm als Verdienst; jedes Widerstreben als strafwürdiges Verbrechen. ,,So start aber auch im Innern die Hand empfunden wurde, welche die Zügel ergriffen batte, so wird man doch nicht etwa die Þingebung der Großen wie des Adels, die fast ununterbrodene Nube der Provinzen, die Anhänglichkeit des Bürgerstandes der roben Gewalt zujdreiben wollen: der allgemeine Geborsam beruhte noch auf einem andern tiefern Grunde. Es waren die großen Ideen der Einheit der Nation, einer durchgreifenden geseglichen Ordnung und einer ruhmvollen Stellung in der Welt, die bem Königthum, welches fie repräsentirte, Dienstwilligkeit und selbst freudiges Anjďließen verschafften.“

rodjene Ruhe detien: der allgemeiner een der Einheit berniat in der Welt,

2. Die zwei ersten Kriege. g. 612. Der spanische Krieg (1667–1668). Nachdem Ludwig XIV. die ersten Jahre seiner Selbstherrschaft angewendet, um mit den rheinischen Kurfürsten Bündnisse zu schließen, Dünkirchen durch Kauf an sich zu bringen und Franfreichs Vorrang über England (das sich bequemte den Seegruß zu bieten), über Spanien (das dem französischen Gesandten den Vortritt gestattete) und den Bapst (der für den Ungestüm seiner korsischen Garde in einem Streite mit einigen Franzosen durch eine feierliche Gesandtschaft demüthige Abbitte thun mußte) zu begründen, benußte er den Tod seines Schwiegervaters, Philipps IV. von Spanien, um im Namen seiner Gemahlin die spanischen Niederlande für Frankreich anzusprechen. Zwar hatte die Infantin bei ihrer Vermählung mit Ludwig allen Erbansprüchen entsagt; dies hinderte aber den französischen König nicht, eine Bestimmung des in den Niederlanden gültigen Civilerbrechts, Devolutions - Necht genannt, wornach der Königin von Frankreich, als der ältern Schwester, näheres Recht auf die Erbfolge in den Niederlanden zustebe, als ihrem jüngeren Bruder, durch eine gezwungene Deutung auf die Arone auszudehnen und seinen Ansprüchen mit zwei wohlgerüsteten Heeren Nachdrud zu geben. Ludwig selbst unterwarf ohne Mühe die burgundische Freigrafichaft (Franche Comté), indeß seine Feldherren rasche und leichte Eroberungen in Flandern machten. Die Ohnmacht der spanischen Regierung während Karla II. Minderjährigkeit (§. 607) und der Hader der oranischen und republikanischen Partei in den Niederlanden begünstigten das Unternehmen. Aber die reißenden Fortschritte des eroberungssüchtigen Königs machten die Holländer besorgt. Sie schlossen daher unter Vermittelung des britischen Gesandten Will. Temple im Haag mit England einen Vertrag, der nach dem Beitritt Schwedens der Dreimöchtebund (Tripleallianz) hieß, und die Erhaltung der spanischen Herrschaft in Flandern und Brabant zum Zwed hatte. , Dadurch sah sich Ludwig XIV. genöthigt, den Frieden von Aachen einzu: 1688. gehen, wornach die eroberten niederländischen Städte Charleroi, Douai, Tour: nai, Courtroi, Lille und Dubenarde bei Frankreich verblieben (und durch Vaus ban zu unüberwindlichen Festungen umgeschaffen wurden), die Freigrafîchaft aber den Spaniern zurücgegeben ward.

2. Mat

§. 613. Einleitung zum Krieg wider Holland. Holland hatte gewagt, den Siegeslauf des großen Königs zu hemmen. Es hieß, eine ruhmredige Schaumünze sei geprägt worden, in der sich ein holländisdyer Gesandte als den Josua bezeidynet habe, welcher der Sonne, dem Sinnbilde des Königs, Stillstand geboten. Für diese Vermessenheit sollte es bestraft werden. Man machte in Paris geltend, wels dyer Zuwachs an Madyt für Frankreich entstehen würde, wenn es gelänge, die reide Republik mit ihrer Seemadt, ihren Colonien und ihrem Handel dem französijden Scepter zu unterwerfen. Würden dann nicht die spanisden Niederlande von selbst dem französischen Reiche zufallen? und wer wollte den großen Ludwig hindern, den Rhein zur Grenze seiner Herrschaft zu machen? Die kirchlichen und politischen Gegenfäße beider Staaten, ausschließender Katholicismus und protestantische Toleranz, Monarchie und Republif, Mercantilsystem und freier Handel, erhöhten nod die Ber= stimmung. Mit Eifersucht sdaute das monarchisde und katholische Frankreich, wo die ganze öffentliche Gewalt in den Händen eines Einzigen vereinigt war, auf das protestantische Holland, wo man Ades abzuschaffen bemüht war, war noch aus alten Zeiten an die Monarchie erinnerte, und wo die aus politischen oder religiösen Grün= der in Franfreich Verfolgten oder Flüchtigen eine Freistätte zu literarisder Thätigkeit und eine freie Presse für ihre freisinnige Polemik fanden (8. 630). Den verstimmten und gereizten Staatsmännern Frankreichs erschien die Zertrümmerung dieses Gemeinwesens, das so verbaßten Richtungen Leben gab, als ein wünschenswerthes Ziel der Waffenmacht. Die Zustände der wichtigsten europäisdhen Staaten waren dem Unternehmen günstig. Der deutsche Kaiser Leopold I. besaß zu wenig Staatsflugheit und war zu sehr im Osten seines Reichs beschäftigt, als daß er der schlauen Politik Ludwige, der mit dem Kurfürsten von Köln, dem Bischof von Münster und mehreren andern Reidysständen einen Bund gesd lossen und den ersten Minister des Kaijers, Lobkowit, durd, Bestedung gewonnen hatte, einen kräftigen Widerstand hätte bieten können; Sdweden, wo während Karls XI. Minderjährigkeit eine selbstsüchtige Aristokratenpartei die Herrschaft besaß, wurde leicht von der Tripleallianz abgelöst und in Frankreichs Interesse gezogen. Noch leichter geschah dies in England, wo der leichtfertige, charakterlose Narl II. mit Freuden einen Bund mit Ludwig XIV.

einging, als dieser ihm einen Jahrgehalt zusicherte und seine Sdwägerin Henriette 1670. von Orleans, Karls katholisch gewordene Schwester, in Begleitung einer sdönen

französisden Hofdame nadh London sdicte, wo legtere als Herzogin von Ports: mouth bald großen Einfluß erlangte und im Interesse Frankreichs und des Katholicismus wirkte. Ein nur den beiden Monardien bekannter Vertrag legte die Sub= sidien und die Abtretungen fest, die Karl für die Einführung des katholischen Glaubens in England und für die Unterstüßung im holländischen Krieg erhalten sollte. Der Beistand der englischen Kriegsflotte sdien den Ausgang des Unternehmens zu

sichern. So von allen Seiten gerüstet und gedeďt erklärte Ludwig XIV. den uneini1672. gen Generalstaaten den Krieg.

Seit dem Frieden mit Cromwell und während der Minderjährigkeit Wilhelms III. von Oranien (§. 602) stand der holländische Staat ganz unter der Leitung der Repu: blikaner. Die Häupter dieser Aristokratenpartei, besonders der Großpensionär Job. de Witt, gehörten zu den edelsten Männern und uneigennütigsten Patrioten, die polland je besessen. Der blübende Handel und der treffliche Zustand der Seemacht (wodurch fic die Republik zum Schiedsrichter des dänisd-sawedischen Kriege (9. 588) aufwerfen konnte)

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1667.

zeugten von der Thätigteit und dem vaterländischen Sinne dieser Republikaner. Aber als Keri II., der mütterliche Oheim des jungen Oranien und der Feind der holländischen Ariftotraten, die ihn einst aus ihrem Lande gewiesen (8. 602 c.), den englischen Thron teftieg, hob die in Seeland, Ober-Yljel und Gröningen mächtige oranische Partei ihr þaupt fühner empor. Bald entstand Krieg zwischen England und Holland. Streitigkeiten ber englischen und bolländischen Ansiedler auf der afrikanischen Westküste (Guinea) und in amerila gaben dem Londoner Sofe, der den Krieg wünschte, eine willkommene Veranlafsung. In einem dlachtenreichen Seefrieg maßen die beiden nach der Herrschaft des Meeres firebenden Nationen ihre Kräfte ; Ehrgefühl, Nationalstolz und Ruhmbegierde, vers 1004-07 bunden mit Eroberungsluft, Gewinnsucht und Handelsinteressen, trieben sie zu Großthaten. Der Herzog von York (Karls Bruder), als Groß- Admiral der englischen Flotte, und der zum Herzog von Albemarle erhobene Mont (8. 604) tämpften anfangs mit Glüd und Erfolg gegen die holländischen Seebelden de Ruyter und den jüngeren Tromp. Aber be Hitts Energie und de Ruyters Ueberlegenheit trugen endlich den Sieg davon. Der letztere fuhr siegreich die Themse hinauf, vernichtete die englische Flotte und blokirte die Väfen. Dies bewog die englische Regierung in dem Frieden von Breda die Navigationsacte (s. 602 c.) zum Vortheile der Holländer zu mildern und Surinam der Republik

1668. zu überlassen. Die erwähnte Triple-Allianz gegen Frankreid, mit dem die republitanische Partei bisher in gutem Vernehmen gestanden, war die nächste Folge dieses Fries tensídlusjes. – Die Republikaner, die sich während des englischen Kriegs genöthigt geseben batten, aus Rüdsicht für die oranische Partei nicht nur die Ausschließung 8 acte miebat aufzubeben, sondern aud dem jungen Dranien ein Staatsgebalt anzuweisen, bes jdlessen jeßt, das Ansehen, das ihnen der vortheilhafte Friedensschluß gewährte, zur Sicherfiellung der republikanischen Verfassung in Holland anzuwenden. Das von den holländischen Ständen beschlossene ewige Edikt bestimmte, daß in Zukunft der Oberbefehl über die Land- 1668. und Seemacht von der Statthalterschaft getrennt sein sollte; nur unter dieser Bedingung dürfe die Statthalterschaft wieder ins Leben treten. Diesem Beschluß traten allmählich alle Brevinzen bei.

§. 614. Der holländische Krieg 1672 – 1679. Noch ehe die Sriegserklärung an die Generalstaaten erlassen worden, hatte Ludwig XIV. das günstig gelegene Lothringen, dessen Herzog mit den Holländern im Bunde war, durch den Marschall Grequi in Besit genommen, chne Rücsicht auf Kaiser und Reich, unter deren Schuß derselbe stand. Jetzt rücte der Gönig selbst an der Spitze eines wohlgerüsteten, von den trefflichsten Felds herren (Condé, Türenne, Vauban) geführten Heeres von 120,000 Mann durch tas Gebiet des Kurfürsten von Köln (der sich von dem französisch gesinnten Domherrn Fürstenberg zu einem Bündniß mit dem Reichsfeinde „um Bortheil der fatholischen Reiigion“ hatte verleiten lassen) an den Rhein, erzipang, duró kölnische und münstersche Truppen verstärkt, den berühmten Uebergang über den Rhein bei Tolhuis (Zollhaus) und drang im reißenden Siegegzug in das Herz der Generalstaaten. Da war Hols land in Noth. „Ueber dem ganzen Lande lag jenes betäubende Gefühl, wo ein Jeder, an den öffentlichen Dingen verzweifelnd, nur sein persönliches Dasein zu retten sucht." Viele flohen nach Seeland, ja nach Hamburg und Dänemark. Die Republikaner, die bisher den Staat geleitet, waren mehr auf Hebung der Seemacht als auf Erhaltung und Mehrung der Landheere bedacht gewesen, und wenn gleich der große Rurfürst von Branden:

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