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Ben, die Stuart8 aus seinem lande entfernen und den minderjährigen Prin: zen Wilhelm von Oranien, Sohn einer Tochter Sarl8 I., von der Statthalterwürde ausschließen. Die Schifffahrtsacte aber blieb bestehen. Auch ein Krieg mit Spanien nahm für England einen glücklichen Ausgang. Der Hafen von Dünkirchen, damals wieder im Besige der Spanier, und die fruchtbare Insel Jamaica wurden dem auswärtigen Gebiet der Republik beigefügt. Die Corsaren von Nordafrika züchtigte Cromwell mit starker Hand und machte England zu Land und zur See gefürchtet und geachtet.

1653.

$. 603. Die Verfassungskämpfe. Diese Erfolge wedten das Selbstgefühl des Parlaments; e8 sudte die Seemacht auf Kosten des Landheeres zu heben und dachte auf Vermehrung seiner Mitglieder durch Einberufung ausgestoßener Presbyterianer. Von diesen Entwürfen fürchtete Cromwell Gefahr für seine Macht; daher beschloß er die Auflösung des langen Parlament8. Nadidem er das Haus mit Truppen umstellt, trat er in seiner schwarzen Puritanertracht in den Saal,

hielt eine mit Sdmähungen angefüllte Rede und trieb dann die Anwesenden mit 19. stol Hülfe der eingetretenen Soldaten hinaus, indem er dem Einen zurief : ,, Du bist ein

Trunkenbold !" dem Andern: „Du bist ein Ehebrecher!" dem Dritten: „Du bist ein Hurer!“ Ein neuer, größtentheils aus Offizieren zusammengesetzter Staatsrath übernahm nunmehr unter Cromwells Vorsiß die Bildung einer andern Parlamente. Hierzu ließ man in allen Bezirken Listen von frommen, gottesfürchtigen Leuten an: fertigen, und wählte dann aus den „Heiligen“ die Passendsten als Vertreter der drei Reiche aus. Diese, nach dem Lederhändler Preisegott Barebone (Todten: knoden) spottweise das Barebone- Parlament genannte Versammlung gab schon durch die biblischen Vornamen der meisten Mitglieder (Habakuk, Hesekiel, Tödtediesünde, Stehfestimglauben u. a.) ihre Richtung und religiöse Gesinnung kund. Dennoch waren Männer von tiefem Verstand und ernstem politischen Streben darunter ; sie beabsichtigten dem Lande ein einfaches Gefeßbuch zu geben, drangen auf Abschaffung der firchlichen Patronatsrechte und Zehnten und wollten den Ge meinden das Wahlrecht ihrer Geistlichen anheimgeben. Und als deswegen alle in ihrem Besite Bedrohten einen gewaltigen Sturm gegen das Parlament erregten,

nahm Cromwell, der mit den wunderlichen Leuten nicht so leicht fertig ward, als er 12. Dec. gehofft hatte, Veranlassung, das Ständehaus abermals durch Soldaten räumen zu 1653.

lassen, worauf die meisten Mitglieder freiwillig ihre Gewalt niederlegten. Eine neue, von General Lambert entworfene Verfassung trat hierauf ins Leben. Nad dieser wurden einem alle drei Jahre einzuberufenden Parlamente von 400 Mitgliedern für die vereinigten Reidye die gesetzgebende Gewalt und die Zustimmung bei BEfeßung der höhern Staatsämter verliehen; Cromwell aber sollte als lebenslänglicher Pord-Protektor im Verein mit einem Staatsrath die ausübende Gewalt und die Verfügung über Land- und Seemacht und das Wahlrecht seines Nachfolgers besigen.

Als protektor regierte Cromwell mit Glanz und Kraft nach Außen. Frankreich schloß ein Bündniß mit ihm, trieb die Stuarts aus dem Reive und gestattete, daß die durch gemeinsame Anstrengung den Spaniern entrissene Seestadt Dünkirchen den Engländern verblieb; Savoyen sah sich gezwungen, die Verfolgung der Waldenser einzustellen, als sich Cromwell, der als Haupt und Soubherr des protestantischen Europa galt, nachdrücklich für sie verwen

1658.

dete; Holland demüthigte sich; die englische Flotte beherrschte den atlantischen Ocean und brach die Uebermacht Spaniens, des alten Nationalfeindes; englische Schiffe beeinträchtigten die Hanseaten in der Nord- und Ostsee. Im Innern dagegen hatte er viele Widersacher an den Republikanern, gegen deren Kühnheit er stets Gewaltmaßregeln durch Ausschließung von Einzelnen oder durd Uuflösung des Parlaments anwenden mußte. So sehr man auch seine hoben Regentengaben gelten ließ, so sehr man seine sparsame bürgerliche Les bensweise und sein ehrfames Hauswesen achtete, das gegen Karls II. leichtfertige Hofhaltung in Köln und anderwärts vortheilhaft abstach – die Macht in der Hand eines Einzigen, der nicht legitimer Thronerbe war, erregte Neid und Widerstand. Darum strebte Cromwell zuleßt nach dem Königstitel. 1657. Schon war das Parlament gewonnen, aber der hartnädige Widerstand der Offiziere und des Heeres bewog ihn, den Gedanken aufzugeben. Dagegen suchte er durch Einführung eines Oberhauses sich der alten Verfassung 1658. wieder zu nähern. Da aber der stolze Adel sich weigerte, in dieses „andere Haug“ einzutreten, so wurden die neuen erblichen Peers aus den Söhnen und Berwandten des Protektors, aus Rechtsgelehrten und Militärbeamten zusammengesegt und die Macht blieb nach wie vor im Unterhaus. — Verdüstert duro Argwohn, bekümmert über das Leiden und den frühen Tod seiner royalistisch gesinnten Lieblingstochter und in steter Furcht vor Nachstellungen, starb 3. Sept. Cromwell an seinem Geburtstag, der ihm stets ein Glücstag gewesen.

§. 604. Anarchie und Restauration. Olivers Sohn Richard Cromwell, ein fraftloser, friedfertiger, den Lüften des Lebens ergebener Mann, wurde der Nachfolger des Vaters in der Würde eines ford - Broteftor 8. Aber ein in der behaglichen Ruhe des Privatlebens aufgewachsener Herr, der weder Ariegsmann noch Beter war, konnte sich auf dem hohen Posten nicht lange halten. Bald standen drei Gewalten, der protektor, das Barlament und die von unternehmenden Führern, wie Monf und lambert, befehligte Armee einander hadernd gegenüber. Die Militärmacht siegte; das Parlament wurde aufgelöst und das alte Rumpfparlament

fois 25. Mai wieder einberufen; Richard Cromwell mußte abbanken und da er, wie sein -1650. jüngerer Bruder Heinrich, bereits mit den Stuarts in Unterhandlung getreten war, so verlor er den ihm zugesicherten Unterhalt und mußte vor seinen Gläubigern ins Ausland fliehen. -- Aber bald gerieth die Militärmacht auch mit dem Rumpfparlament, worin der thatfräftige Haslerig seine freie Stimme von Neuem erhob, in Streit. Haslerigs Versuch, durch ein Bürgerheer Lambert und andere Befehlshaber verhaften zu lassen, schlug fehl und hatte abermals die gewaltsame Auflösung des Parlaments durch das Heer zur Folge. Eine Sicherheits-Commission, in welcher der schwache Fleetwood (Cromwells Schwiegersohn) und der fühne Lambert den Vorsit führten, übers nahm nun die oberste Leitung der Dinge; allein die Stimmung des Volfs war gegen eine solche Einrichtung; Unzufriedenheit herrschte überall und ein neuer Bürgerkrieg drohte. Allmählich gewann die Ansicht von der Nothwen

Avril 1659.

digkeit einer Restauration der vertriebenen Königsfamilie Boden. Mont, Befehlshaber der in Schottland aufgestellten Kriegsmacht, ein kluger, im Felde aufgewachsener Mann, ohne religiöse Begeisterung und politische Ideale, trat daher mit dem in den spanischen Niederlanden weilenden Karl Stuart in ges heime Unterhandlungen, hielt aber aus Furcht vor dem republikanischen Geiste der Truppen seine Gesinnung sorgfältig zurück. Er bewirkte die Wiedereins berufung des republikanischen Rumpfparlaments, von dem dann Lam

bert verhaftet und der Sicherheitsrath aufgelöst wurde. Ja, als die der Februar Wiedergetjieuung de

Wiederherstellung des Königthums geneigte Londoner Bürgerschaft einen Auf1660. stand erregte, ließ Mont sich von dem Rumpf zur Bewältigung desselben

gebrauchen. Aber schon am andern Tag trat er der Bürgerschaft bei und seßte die Einberufung der seit 1648 ausgeschiedenen Unterhausmitglieder durch. Gab sich schon bei diesen das Streben nach einer Rückführung der alten Ordnung kund, so daß der Republikaner Haslerig mit seinem nähern Anhang austrat, so wurde, als endlich das lange Parlament durch ein neugewähltes, größtentheils aus Royalisten bestehendes ersegt ward, die Restauration der Stuarts mit aller Hast und Uebereilung betrieben. Umsonst warnten wohlgesinnte Freiheitsfreunde, das Errungene nicht unvorsichtig aufs Spiel zu seßen, und der blinde Dichter Milton erhob zum legtenmal als „Prediger in der Wüste“ seine kräftige Stimme zu Gunsten einer republikanischen Bundesverfassung; der prosaische Heuchler Monk, unterstügt von der Stimmung des nach Ruhe und gesetzlicher Ordnung sich sehnenden und an die monarchischen Einrichtungen gewohnten Volkes, bot die Königskrone ohne Machtverminderung

an. · Amnestie und Gewissensfreiheit waren die einzigen unbedingten 29. Mai Zusagen, die Karl vor seinem feierlichen Einzuge in London, wo er von einem

jubelnden Volfe empfangen wurde, zu leisten hatte. Allein selbst diese Bes dingungen wurden nicht gehalten. Ueber Alle, die bei Karls I. Prozesse zu Gericht gesessen, wurde als über Königsmörder die Todesstrafe erkannt und zehn von ihnen, darunter Cromwells energischer Freund Harrison, wirklich hingerichtet; aber der Triumph der Cavaliere über den Untergang ihrer Feinde wurde sehr gemindert durch die Standhaftigkeit der Puritaner bei ihrem leßten Gang. Von den übrigen entflohen Viele nach dem Festland, – Andere huldigten den neuen Machthabern. Cromwells, Fretons und Bradshaws leis chen wurden ausgegraben und an den Galgen gehängt zum fröhlichen S auspiel der Royalisten. Lambert demüthigte sich und fam mit einer Verbannung davon; der hochsinnige Henry Vane dagegen starb nach einer muthvollen Bertheidigung auf dem Schaffot. Ebenso wenig wurde Glaubensfreiheit geachtet; die englische Kirche erhielt alle Rechte und Pfründen zurück, die Bischofsmacht waltete wieder in England und Schottland, und die Erneuerung der Uniformitätsacte legte allen Staats- und Kirchendienern die Verpflichtung auf, das Abendmahl nach englischem Ritus zu nehmen und die 39 Artikel zu beschwören. Dadurch verloren gegen 2000 presbyterianische Geistliche ihre Stellen. Die Käufer eingezogener Güter wurden ohne Ersat von dem neu:

1660.

erworbenen Eigenthum getrieben. Ein solches System der Rache schuf eine neue Aluft zwischen Thron und Volk und legte zu einer zweiten Umwälzung den Grund.

4. Das westliche Europa.

1. Spanien und Portugal.

Phi:

1621.

g. 605. Unter Philipp III. bietet Spanien ein trauriges Bild des tiefsten Berfaus dar. Ein kraft- und thatloser Monarch, der die Regierung An- lines. dern überläßt; ein allmächtiger Günstling, der Herzog von Perma, der bei der ganz von ihm geleiteten Staatsverwaltung nur die Befriedigung seiner . Þabgier und Ehrsucht und die Erhebung seiner Familie und seiner Freunde im Auge hat, und der mit seinem ehemaligen, zum Grafen (von Oliva) und Marquis erhobenen Diener Calderon a die Staatseinkünfte vergeudet, während in allen lassen des Reichs der äußerste Mangel herrscht; ein in Armuth, Schmut und Trägheit versunkenes Volk, das Handel, Verkehr und Industrie Fremdlingen überläßt und seine geistige Bildung dem stets zunehmenden Priester - und Mönchestand anheimgibt; ein fanatischer Klerus, der seine Macht zur unverrückten Handhabung der alten Religions - und Ketzergeseze und zu der harten, für Anbau und Bevölkerung so unheilvollen Bertreibung der Mauren gebraucht (S. 395), und ein verderblicher Steuerdrud, der vom Mark des Landes zehrt, dies sind die Erscheinungen in einem Reiche, dem von der ehemaligen Größe nichts blieb als der Hochmuth des Atels und der leere, auf Förmlichkeiten (Etikette) beruhende Glanz des Hofes. Noch trauriger wurde Spaniens Zustand unter Philipp IV., der dieses Hofceremo- Pht: niel auf den Gipfel führte. Zwar war der allmächtige Minister und Günst- 1621_65. ling, der Herzog von Olivarez, ein uneigennüßiger, von den besten Absichten durchdrungener Mann, der alsbald die Zahl und Besoldungen der Beamten beschränkte, aber zur Heilung der tiefwurzelnden Uebel gebrach es ihm an Talent und Kraft. Um die Kosten zur Theilnahme an dem dreißigjährigen Krieg in Deutschland und zu den Feldzügen in Italien und in den Niederlanden aufzutreiben, wurden neue, Handel und Industrie noch mehr gefährdende Zölle und Abgaben eingeführt, hochverzinsliche Anlehen gemacht, Aemter und Krongüter verkauft, die Colonien ausgebeutet und das Recht der Pfründenverleihung, troß des päpstlichen Widerspruchs, der Krone beigelegt. Als zuleßt auch noch ein verderblicher Krieg gegen Frankreich ausbrach, bejóloß Olivarez, die Landschaften Catalonien und Aragonien, die bisher vermöge ihrer Rechte weniger hart gehalten waren, in gleiche Verfassung mit Castilien zu bringen und durch Vernichtung aller besondern Provinzial-' einrichtungen eine gleichförmige Regierungsweise überall einzuführen. Zu dem

1640.

Ende wurde ohne Befragung der Stände eine neue Steuer ausgeschrieben und die Aushebung junger Mannschaft zur Ergänzung der Heere befohlen. Die Catalonier protestirten, ihre Abgeordneten wurden verhaftet. Da entstand in Barcelona und der Umgegend eine Empörung. Die französische Res gierung leistete den Insurgenten Vorschub und es erfolgte ein zehnjähriger, hartnädiger Bürgerkrieg. Frankreich stand auf dem Punkte, seine Besigungen bis zum Ebro auszudehnen, weil die gleichzeitige Erhebung von Portugal, Andalusien und Neapel Spaniens Streitkräfte in Anspruch nahm; aber die innern Unruhen Frankreich unter Mazarins Ministerium bewahrten Spanien vor einer Zerstückelung. Nur Portugal schüttelte das schwere Joch der spanischen Despotie ab. ,

9. 606. Portugals Losreißung von Spanien. 1640. Shon längst hatte hier der Uebermuth der spanischen Statthalter und Beamten, die ohne Befragung der Stände aufgelegten Steuern, Abgaben und Zölle, der Verkauf der Arongüter und die vielen Handel und Colonien gefährdenden Maßregeln eine unzufriedene , gährende Stimmung erzeugt. Olivarez' übers eilter Versuch, den reichen Herzog von Braganza, dem er die Schuld der

Aufregung beimaß, in seine Gewalt zu bringen, führte eine Empörung herbei. 1; Dec. Dem Beispiele von lissabon, wo der Aufstand an Einem Tag vollendet

war, folgte mit raschem allgemeinem Nationalgefühl das ganze Königreich. Der Herzog von Braganza, aus dem alten Königsgeschlecht, bestieg als Jos hann IV. den portugiesischen Thron. Die europäischen Mächte erkannten die

Umgestaltung an, nur der päpstliche Stuhl zögerte aus Wohlwollen für Span. nien noch 28 Jahre. Die nach langer Unterbrechung einberufenen portugieSokann sischen Stände bestätigten die Revolution und trafen über Steuererhebung 1940 on56. und Kriegswesen mehrere gute Einrichtungen. Ohne große Anstrengung be1656:67. hauptete sich Johann IV. gegen das machtlos ankämpfende Spanien. Sein * 1883. ältester Sohn Alfons IV. folgte ihm. Aber seine an Blödsinn grenzende

Schwachheit machte ihn zur Selbstregierung unfähig und sein unsittliches Les ben zog ihm die Verachtung des Volkes zu. Dadurch gelang es seiner frans zösischen Gemahlin mit Hülfe eines von dem jüngern Bruder des Könige,

Don Pedro, geleiteten Aufstandes, Alfons zur Entsagung des Thrones zu 1867. bringen. Don Pedro, mit der geschiedenen Königin vermählt, führte hierauf

mit Einwilligung der Cortes anfangs als Regent und dann, als sein in

stumpfsinniger Muße in Cintra lebender Bruder gestorben war (1683), als Peter II. König (Peter II.) die Regierung. Während seiner Regentschaft ward mit 1705. Holland ein Friede geschlossen, der den Portugiesen Brasilien und den

Rest ihrer ostindischen Besigungen sicherte. Dagegen wurde der Krieg mit
Spanien higiger geführt. Als aber Portugal von Frankreich und England

Unterstüßung erhielt und der französische General Schomberg den Spa1665. nieru zwei große Niederlagen beibrachte (bei Almerial und Villa Viçosa), da

fügte sich der Madrider Hof in die Nothwendigkeit und erfannte im Frie: 1668. den von Lissabon die Unabhängigkeit Portugals an. Aber die Sichers

haus Bragan

1640-56. Alfons

1683

1661.

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