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Heeres Bardon zu geben. Sie wurden zu þunderten auf gräuelhafte Weise erschossen und alle Royalisten an Hab und Gut gestraft. Von der Spige von Cornwallis bis zum ichottischen Hochlande wüthete ein blutiger Meinungsfampf, aber die Energie der Fanatiker und Republikaner siegte. Umsonst bot iegt der gedemüthigte König die Hand zum Frieden; man traute ihm nicht, und Cromwell und Fairfar schidten sich an, ihn in Duford zu belagern. Da faßte Karl einen verzweifelten Entschluß: – als Diener verkleidet entfloh er mit zwei Begleitern aus Drford in das Lager der Schotten, in der Hoffnung, bei seinen Landsleuten das geschwächte Gefühl der Anhänglichkeit und Royalität wieder zu erweden. Allein in den durch harte Geistliche geleiteten Schotten war alle Bietät für die gefallene Größe erloschen. Sie hielten ihn in strenger Aufsicht, nöthigten ihn, den langen Predigten der Presbyterianer, deren gewöhnlicher Text seine umd seiner Vorfahren Missethaten waren, beizuwohnen und traten mit dem englischen Parlamente über sein Schidjal in Unterhandlung. Als Karl nicht dabin gebracht werden konnte, den Covenant zu unters jeignen, den Episcopat abzuschaffen, die Land- und Seemacht auf 20 Jahre dem Barlament zu überlassen und seine treusten Anhänger der Rache ihrer Gegner preis zu geben, opferten die Schotten ihren König um schnöden Sold. Gegen Entrichtung einer hohen Geldsumme wurde Karl den Commissarien des Parlaments ausgeliefert und in das feste Schloß Holmby gebracht, worauf Santa fich bas schottische Heer auflöste.

§. 599. Z wiespalt zwischen Independenten und Presbyterianern. Der Krieg schien beendigt und das größtentheils aus Presbyterianern bestehende Parlament wollte nunmehr die Armee, in welcher die Independenten die Oberhand hatten, vermindern oder sich ihrer durch Versendung nach Irland entledigen. Das þeer weigerte sich jedoch und verlangte tropig ben rücständigen Sold; es bildeten sich Vereine von Offizieren und Soldaten, die eine feindselige Haltung gegen die Presbyterianer annahmen. Cromwell und seine Freunde waren die Seele dieser Bewegung; aber jo jūlau wußte jener unter äußerer Scheinheiligkeit die innere Falschheit zu verbergen, daß das Unterhaus ihm den Auftrag ertheilte, das meuterische Heer zur Ordnung zurüdzuführen. Bald galt Cromwell bei den Soldaten mehr als Fairfar. Auf seinen geheimen Befehl entführte der Cornet Joyce, ein glaubensstarker Schneider, mit einer Reiterschaar ben gefangenen Rarl und bragte ihn nach Hamptoncourt in die Gewalt der Armee. Die Presbyterianer 3. Junt erscrafen und drangen auf eine Aussöhnung mit dem König. Aber schon näherte sich die Armee den Thoren von London und verlangte die Ausschlies sung von elf Presbyterianern aus dem Parlament. Das Unterhaus gehorchte. Adein die Ausgeschlossenen, unter denen Kollis sich befand, reizten die londoner Bürgerschaft zur Empörung. Mit den Waffen in der Hand forderte diese die Rüdehr des Königs und bedrohte das Independentenparlament. Da flüchteten sich viele Glieder, den Sprecher an der Spiße, zu dem Heer und gaben diesem Beranlassung, in die Hauptstadt einzurücken und die Geflüchteten

Novbr. 1647.

im Triumphe auf ihre Siße zurückzuführen. Zitternd fügten sich die Wider: strebenden der gebieterischen Macht der Independenten, die jegt im Parlament wie in der Armee die Oberhand hatten.

$. 600. Aarls Hoffnung vereitelt. Während dieser verhängniß: vollen Tage schien Cromwell nicht abgeneigt, dem König den Thron zurüdzugeben, sich aber hohen Rang zu sichern. Schon ward das Heer argwöhnis“: seine Gottseligen nahmen Aergerniß und die Soldaten bildeten drohende Ber: eine gegen den Verrath an dem Herrn. Eine fanatische Secte, revellere genannt, verlangte Gleichheit der Stände und des Vermögens, eine Staatsverfassung, wonach das Volf sich selbst regiere, und vollkommene Religionsfreiheit ohne kirchliche Gemeinschaft und geregelten Gottesdienst. Aber bald überzeugte sich Cromwell durch einen aufgefangenen Brief von der falschen Gesinnung des Königs; er brach die Unterhandlungen ab, gewann schnell sein altes Ansehen wieder und löste durch entschlossene Thatkraft den Verein der den Presbyterianern wie den Independenten gleich furchtbaren Levellers auf. Fortan herrschte unversöhnliche Feindschaft zwischen Cromwell und dem König.

Noch einmal ichien diesem ein Stern zu leuchten. Er entfam nach der Insel . Wight in demselben Augenblid, als die Schotten, beschämt, ihren Herrn um

Silberlinge verkauft zu haben, zu seiner Rettung die Waffen ergriffen und in Wales und Frland eine drohende Gährung sich kund gab. Allein Cromwells Energie überwand die Gefahr. Mit einem kleinen Heer schlug er die Schotten zurück, drang in ihr Land ein und zwang sie, den Bund mit England zu er: neuern. Mit geheimem Grauen vernahm das englische Parlament Cromwells Sieg, da Karl, von Jrland und dem Ausland Rettung erwartend, aud den legten Friedensversuch der Presbyterianer von sich gewiesen.

§. 601. Rar18 Ausgang. Cromwell, aufgereizt von seinem fanatischen Schwiegersohn Ireton, hatte bereits Karls Untergang beschlossen, so sehr er auch im Parlament immer noch christliche Demuth und gottselige Gesinnung heuchelte. Seiner geheimen Weisung zufolge bemächtigte sich die Ar:

mee des Königs und brachte ihn auf ein ödes, finsteres Felsenschloß an der December Meeresküste. Dann umstellte der Oberst Bride das Parlamentshaus mit

seinen Truppen und ließ 81 presbyterianische Mitglieder, unter ihnen Brynn, der im Kampfe gegen die Despotie an leib, Gut und Ehre gestraft worden, gewaltsam wegführen. Nach dieser unter dem Namen Bride's Reinigung (Purganz) bekannten That bezog Cromwell die königlichen Gemächer in Whitehau; denn jeßt war er Herr und Gebieter und das aus Independenten bes stehende sogenannte Rumpfparlament nur ein willenloses Werkzeug in seiner Hand. Es wurde beschlossen, den gefangenen König vor einem außers ordentlichen Gerichtshofe des Verrathe anzuflagen, weil er Krieg gegen das Parlament geführt habe. Als das auf 12 Mitglieder zusammengeschmolzene Oberhaus sich diesem Ansinnen widerseşte, erklärten die Independenten, „daß ihr Wille allein das Gesep mache, da die Urquelle aller rechtmäßigen Gewalt bei dem Volfe zu suchen und sie allein Volls-Repräsentanten seien." Demges

1648.

mäß wurde „farl Stuart“ viermal vor dem aus 135 Personen, theils Unters bausmitgliedern, theils Offizieren, theils Richtern bestehenden Gerichtshof, in bem der Rechtsgelehrte Bradshaw ten Vorsit führte, verhört und als Tyrann, Berräther, Mörder und Landesfeind zum Tode verurtheilt. Drei Tage gestattete man ihm noch zur Vorbereitung und zum Abschied von seinen Ains dern. Dann führte man ihn auf das am Schlosse Whitehall aufgeschlagene schwarz bedeďte Schaffot, wo zwei vermummte Scharfrichter in Matrosentracht die Hinrichtung vollzogen. Schweigend sah die unzählige Volksmenge dem entjeglichen Schauspiele zu. Erst als der Nachrichter das bluttriefende Haupt bei den Haaren faßte und ausrief: „Das ist der Ropf eines Verräs 30. Jan. there!" machte das versammelte Volk dem gepreßten Herzen durch ein dumpfes Stöhnen Luft.

1649.

2. Die Republik. $. 602. Cromwell: Siege. Das auf 80 Glieder herabgekommene Rumpfparlament wurde durd; neue Wahlen und Einberufung ausgestoßener Mitglieder auf 150 vermehrt und nach Aufhebung des Oberhauses als Parlament von Eng= land (Nationalconvent) mit der höchsten Macht bekleidet. Jeder über 17 Jahre zählende Engländer mußte der neuen Regierung „oyne König und Oberhaus“ den Cid der Treue leisten. Die a usübende Regierungsgewalt wurde einem aus 42 Mitgliedern bestehenden Staatsrath übertragen, dessen Präsident Bradshaw mar und zu bessen Secretären der Dichter Milton (8. 559) gehörte. Der leştere hatte durch seine schwungvollen Flugfdriften gegen Prälatenthum und absolute Königsmacht nicht wenig zum Sieg seiner Gesinnungsgenossen beigetragen und führte jeßt durch seine freiheitbegeisterten Rechtfertigungsschriften die Sache seiner republitanijden Freunde mit solcher Hingebung, daß er darüber sein Augenlicht verler. – Ein Obergerichtshof befaßte sich mit den Vergehungen gegen den Staat, gleid der frühern Sternkammer, und übte strenge Justiz gegen Royalisten wie gegen Radicale in Kirche und Staat. — Die presbyterianische Mirdenform blieb die herrschende; aber bei der religiösen Aufregung entstanden eine Menge Secten, unter denen die von dem Schuster Georg For gestiftete Gesell- 1649. fóaft der Freunde, vom Volte Quäfer (Zitterer) genannt, zu großem Ansehen gelangte. „In Felle gekleidet, zog For durch England, predigte auf den Straßen und in den Häusern Buße und Evangelium, klagte über die Sünden der Christen und verkündigte ein neues Gottesreich."

Die Quäter glauben: „daß das religiöse Bewußtsein unmittelbar vom göttlichen Geiste Quäter. berrirkt werde, daß Jeder, der diesen ernstlich suche, durch stille Beschaulichkeit und andächtige Einkehr in fid der göttlichen Offenbarung theilhaftig werden und das innere Licht in fich ents zünden könne. Das innere Wort, wie sie dies Licht nennen, stellen sie daber neben und zum Theil noch über das äußere oder die Bibel.“ – „Sie halten die Sacramente nur für Sinnbilder innerer Zustände, nicht mehr äußerlich zu vollziehen, verwerfen das Predigtait sammt aller Theologie als Menschenwerk und wollen nur eine Geiftkirche. Ihre religiöse Ents jöiedenheit verwirft Kriegsdienft, Eib, Zehnten und die Moben der geselligen Welt." In England lange verfolgt, fanden sie endlich eine Freistätte in Nordamerika, als William Benn († 1718) das Land am Delaware taufte und den Staat Pennsylvanien, „die Wiege der Freibeit für die Neger und die Welt“, zur Hälfte mit Quätercolonisten gründete. Zulegt erwarben fie sich auch in England Duldung, nachdem Rob. Barclay († 1690) ihre Lehre wissenschaftlich ausgebildet.

a) Irland. Die Nachricht von des Königs Tod erzeugte in Scottland und Irland eine furchtbare Aufregung. Dort hatte der hochherzige Montrose das königliche Banner in den Hochlanden lange aufrecht erhal

ten; endlich erlag er den Heeren der Covenanters und mußte für seine Ans 1650. hänglichkeit an das Königthum einen entseßlichen Tod erleiden. Sein Haupt

und seine Glieder wurden als schreckliche Warnung über den Thoren der vier größten Städte Schottlands befestigt. Dennoch wurde nach einiger Zeit der in Holland weilende Prinz von Wales herbeigerufen und als König Karl II. anerkannt, mußte aber zuvor den Covenant unterzeichnen und der presbyterianischen Kirche beitreten, so sehr auch der kalte Fanatismus der schottischen Geistlichen dem leichtsinnigen, genufsüchtigen Fürsten zuwider war und ihre stundenlangen Gebete und strengen Predigten über die Sünden und

Frevelthaten seines Hauses ihm das Leben verbitterten.“ Auch Frland ers 1849. kannte den neuen König an und griff zu den Waffen Da 30g Cromwel an

der Spiße eines entschlossenen republikanischen Heeres gegen die ungehorsame Insel. Drogheda wurde nach drei Stürmen erobert und die royalistische Befaßung bis auf den legten Mann niedergehauen. Ueber Blut und Leiden ging der Siegers Weg. Cromwells Schwiegersohn Ireton schritt auf der: selben Bahn fort, und als ihn ein schneller Tod dahin raffte, vollendete Fleetwood, Croinwells Schwiegersohn, das begonnene Werk in ähnlichem Geist. In drei Jahren war der drohendste Aufstand erstickt; aber Irland war ein entvölkertes, von rechtlosen Bettlern bewohntes Land.

Als das Schwert ruhte, wüthete ein hoher Gerichtshof mit Beil und Berbannung gegen bie Häuptlinge; Tausende verließen das Land ihrer Väter und suchten in den katholisoen Ländern Europa's und in Amerita neue Wohnsite, ale Kriegsgefangenen und eine große Zahl von Weibern und Kindern wurden nach Westindien gebracht und in Jamaica zum Z uderbau verwendet. Die Zurüdgebliebenen verloren den größten Theil ihrer Habe an englische Colonisten, und die Bevölkerung ganzer Districte wurde in andere Gebiete ver. pflanzt; alle tatholischen Geistlichen mußten das Land meiden; der römische Cultus wurbe verboten und seine Anhänger aller Aemter für unwürdig erklärt. Fortan blieb in 3rland Alles auf dem Kriegsfuß. Aber trop aller Härte und Gewaltthat iiberstieg die tatbolische Bes völkerung die protestantische noch um das Siebenfache. In Wäldern und Moräften verbargen sich die Berfolgten, horchten mit knirschendem Ingrimm auf die Worte ihrer Priester und fielen raubend und mordend über die Besigungen der neuen Ansiedler her.

b) Schottland. Da Fairfax den Krieg gegen die Schotten nicht über: nehmen wollte und vom Commando abtrat, so zog der mit dem Oberbefehl über die Gesammtarmee ausgerüstete Cromwell auch gegen dieses land. Das schottische Heer hatte eine feste Stellung bezogen, wo ihm Cromwell nicht beikommen konnte. Bald riß Hunger und Krankheit in dem englischen Heere ein und minderte die Zahl der Streiter. Cromwel dachte schon an einen Rüdzug. Da beredeten die im schottischen Heer anwesenden Parlamentsglieder und Prediger, denen das kriegerische Selbstvertrauen der Ropas listen und die heitere Lebenslust des Königs und seiner Umgebung anstößig war, den Heerführer zum Angriff. Als Cromwell die Bewegung des preg

1650.

Herr der Heersets und rückte nach sone (§. 375) gefräng

byterianischen Heeres sah, rief er aus: „Sie kommen hernieder, der Herr hat fie in unsere Hände gegeben;" die Schlacht von Dunbar, auf Croms wells Geburtstag (3. Sept.), entschied gegen die Schotten. Ihre Prediger idrieben die Niederlage dem Zorne Gottes über das sündhafte Treiben der Arieger zu. Während Karl II. zu Scone (§. 375) gekrönt wurde, eroberte Cromwell Edinburg und rüdte nach dem Herzen von Schottland vor. Der Herr der Heerschaaren, der von den Presbyterianern wie von den Independenten unter Fasten und Beten und mit heuchlerischem Lippendienst angerufen warb, war mit den Kühnen und Starken. Plötlich schritt Karl zu einem gewagten Unternehmen. Er rückte mit seinen Truppen über die englische Grenze und rief die Anhänger des Königthums zu seinem Beistande auf. Aber Ueberraschung, Furcht und Unschlüssigkeit hielt die meisten ab, Gut und Leben aufs Spiel zu seßen. So kam es, daß am Jahrestag der Schlacht von Dunbar das royalistische Heer bei Worcester eine gänzliche Niederlage 3. Sept. erlitt. Das Blut von Tausenden floß an den schönen Ufern des Severnflusses; was nicht auf der Wahlstatt blieb, gerieth in Gefangenschaft. Diese Solacht machte Karl zu einem heimathlosen Flüchtling, auf dessen Fahndung das Parlament einen hohen Preis segte. Unter tausend Gefahren, Nöthen und Abenteuern entfam er verkleidet nach Frankreich. Nun mußte sich auch Scottland vor dem siegreichen Schwert des republikanischen Generals Monk beugen und in eine Vereinigung mit der englischen Republik willigen. Die Einziehung der Krongüter und der Habe der Royalisten bewies jedoch, daß man Schottland nicht minder als eroberte Provinz ansah, wie Irland.

c) Niederlande. Mit der Republik der Generalstaaten beabsichtigte bie Regierung des britischen Gemeinwesens anfangs eine Verbindung. Als aber der englische Gesandte im Haag von flüchtigen Royalisten ermordet und sein Nachfolger schwer beleidigt ward, ohne daß man sie Thäter auswies, erfolgte ein Bruch zwischen Großbritannien und Holland. Die von dem Barlamente erlassene Schifffahrts (Navigations)- Acte, wonach „bei Det. 1651. Strafe ber Confiscation von Schiff und Ladung Auswärtige fortan keine andern Waaren als selbst erzeugte auf eigenen Schiffen nach England bringen dürften“, verseşte dem holländischen Zwischenhandel einen furchtbaren Schlag. A18 die geforderte Zurücknahme verweigert wurde, brach der Krieg aus, den Cromweú eben so sehr wünschte als ihn die Generalstaaten gern vermieden hätten. Anfangs behaupteten die Holländer ihren Ruhm im Seefriege; große Solachten wurden gewonnen und die holländischen Seehelden Tromp und Ruyter befuhren die Themse und verwüsteten die Gestade; aber bald nahm das unter den Stuarts vernachlässigte Seewesen einen mächtigen Aufschwung, die Tage der Armada kehrten wieder und der englische Admiral Blake, ein Februar M ann von altem Republikanersinn und rauher Tugend, trug in einer dreitägigen Seeschlacht über Tromp und Ruyter den Sieg davon. Monk, im Land- und Seesiege gleich erfahren und gleich glücklich, vermehrte Englands Ruhm durch neue Seefriege. Holland mußte einen nachtheiligen Frieden schlies 1654." Seber, Geschichte. II. 9. Aufl.

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