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1) Die niederdeutsche Umlautung des „saalig“ in „säl“ (neben welchem auch „seelig“ besteht), ist eine Anomalie, welche sich wo! nur aus dem Jüdischdeutschen erklären läßt, in welchem bei Erwähnung verehrter verstorbener Personen stets die Abbreviatur 57, d. h. secher liwrocho, sein Andenken sei gesegnet, besonders in Briefen und bei Unterschriften mit Namenserwähnung des verstorbenen Vaters, der Mutter oder eines Verwandten oder geehrten Freundes gebraucht und im Sprechen phonetisch belebt wird zu sal, säl, z. B.: mein Vater säl, mein Bruder säl, meine säl Mutter, meine sal Schwester. Vgl. Kap. 48 das phonetische Element der Abbreviaturen und Kap. 85 in den syntaktischen Anmerkungen das über das Vinzlied und über den Briefstil Gesagte

welchem man überall kaum etwas anderes als Kauderwelsch bezeichnen mag. Im Deutschen haben wir das Wort Jargon ledigich aus dem Französischen herübergenommen. Man darf also von den Franzosen Aufklärung fordern. Wirklich mühen sich diese nun auch, zum Theil auf seltsame Weise, ab, ihr jargon und argot zu erlautern. Die ganze Introduction bei Francisque-Michel) handelt diese Etymologie ab. Nach Nodier (Francisque-Michel, S. v) komm targot vom griech. &gYéz, otiosus, und ist identisch mit baragouin, „fait de ßdo et d' ägyó:“ (!), oder vom zigeun. zerg0, contraction de zingaro (das spanische xergo ist gar nicht erwähnt), wovon die Franzosen gergon und davon wieder jargon und daraus wieder argot gemacht haben. Gegen ägyóg erklärt sich (S. 1v) Le Duchat, welcher sagt, que ce mot (Targot) qui signifie le jargon des Bohémiens (?) vient . . . . très-vraisemblablement de Ragot, par une légère transposition de lettres, et non pas de la ville d'Argos etc. Ragot était un fameux beitre, contemporain de Louis XII et quelque peu de François I, souvent cité par les écrivains de l'époque et que les gleux du temps considéraient comme leur législateur etc. Das erinnert an des alten Lehmann schlechten Witz mit Rottweil. Es verlohnt der Mühe, die ganze Introduction des Francisque-Michel zu lesen, wie doch überallhin fehlgegriffen und endlich S. xxiv zu dem Resultat gelangt wird, que l'argot n'a pas de syntaxe, qui ni soit propre! Aehnliche misglückte Ableitungen hat der von Francisque-Michel ganz übersehene, sonst allerdings beachtenswerthe „Dictionnaire étymologique de la langue française“ (Paris 1694), S. 416, und Pierre Richelet, „Dictionnaire de la angue française ancienne et moderne“ (Amsterdam 1732), welder (II, 5) Jargon unter anderm sogar von Jars, Gänserich, ableiet. Das treffliche „Vocabulario degli Academici della Crusca“*)

1) „Etudes de philologie comparée sur l'argot et sur les idiomes "alogues parlés en Europe et en Asie“ (Paris 1856).

2) d. h. die Akademie der Kleie, der Barbarismen, von welcher sie das eine Mehl, die reine italienische Sprache, absondern wollte. Vgl. Vilmar, o. a. O., II, 13.

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1) „Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst“, Bd. 1, Heft 2, S. 336.

2) Bezeichnend für das arge vagantische Treiben der mengen, ketelboden ist, daß der in Norddeutschland äußerst häufige und schädliche Kohlreißling oder Buttervogel, Pieris Brassicae, sowie überhaupt der Schmettering im Niederdeutschen Ketelbode oder Ketel böter genannt wird.

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