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Zwölftes IZapitel c) Salbadern.

Ebenso abgeschmackt wie mit der Benennung Kauderwelsch wird die Gaunersprache, wiewol selten, auch noch mit dem Auscruck Salbadern bezeichnet, weshalb denn dieses Wort hier Erwähnung verdient. Das Wort Salbader leitet Frisch, a.a.O., S. 144, ab „von einem Bader, der zu Jena an der Saal zugleich eine Balbier-Stube gehabt, dessen Bader-Di«cc>ur« sich allezeit vom Wetter angefangen, das Jedermann, der zu ihm kam, unter WegS genugsam empfunden". Schwenck, S. 543, kommt der Sache schon näher, da er den Salbader als den ehemaligen Lader beschreibt, der in einem Gemeindehause (Sal, Saal) das Bad zu halten pflegte. Die beste Erklärung ist jedoch wol die bei Zcdmid, S.491, von Seelhaus, Armenkrankcnhaus, wie solche «r der Reformation von Andächtigen zum Heil ihrer Seele gestiftet und von Beguinen besorgt wurden. Schmid führt dazu eine örnnger Urkunde von 1265 an. Der Aufseher hieß Seelvater, «nr die an Hautkrankheiten u. dgl. leidenden Kranken waren in den Seelenhäusern Seelbäder eingerichtet, wie z. B. 1503 eins in Ulm. Der Arzt hieß Seelscherer, Seelbader. Die Wandlung ,des Seelbader in Salbader ist zunächst niederdeutschen Ursprungs. Noch heutzutage hört man in Norddeutschland überall die Ausdrücke: „Min säl Vader, min säl Moder" >), mein seliger Vater, meine selige Mutter. So sehr nun aber auch das Uppi» et t«N8«ribu8 n«r,niu des Horaz (8at. 1, 7, 3) schon ein classisches Zeugniß für die unvertilgbare Beredsamkeit der Bader ist, wie denn die Rochlim des Mittelalters als ambulante Neuigkeitsträger (vgl. ll, 270) mit den Badern fast gleichbedeutend sind: so ist doch das Wort Salbader, salbadern niemals in die Gaunersprache aufgenommen worden und ihre zuweilen gewagte Bezeichnung mit Salbaderei durchaus falsch. 5

Dreizehntes Rapit'l
et) I«rgon.

Man bezeichnet zuweilen die Gaunersprache mit dem sehr weiten, jedoch dem Gaunerthum ganz fremden Ausdruck Jargon. Schwenck, S. 294, erläutert Jargon kurzweg als „die unverständliche Mundart" und fügt vergleichsweise das franz. Mrßou, ital. Mrg«, span. tzeriß«n«a, xei-M (guiriM, Kauderwelsch), provenzal. gvr^on«, altnord, Mrgr hinzu. ES ist auffallend, daß es in keiner Sprache eine deutliche Etymologie dieses Wortes gibt, mit

1> Die niederdeutsche Umlautung des „saalig" in „säl" lneben welchem auch „seclig" besteht), ist eine Anomalie, welche sich wol nur aus dem Jüdischdeutschen erklären läßt, in welchem bei Erwähnung verehrter verstorbener Personen stets die Abbreviatur ^"s, d. h, seedsr livroebo, sein Andenken sei gesegnet, besonder« in Briefen unp bei Unterschriften mit NamenSerwähnung des verstorbenen Vaters, der Mutter oder eines Verwandten oder geehrten Freundes gebraucht und im Sprechen phonetisch belebt wird zu säl, «A, z, B,: mein Bater säl, mein Bruder säl, meine säl Mutter, meine säl Schwester, Vgl. Kap. 48 da« phonetische Element der Abbreviaturen und Kap. 85 in dm svntaktischen Anmerkungen das über das Vinzlied und über den Briefstil Gesagte

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führt (II, 356) gerßorie, pärlar Zergone mit Hinweis auf gergg an und erläutert dieses ohne Nachweis der Abstammung mit lare uscur«, « sott« metatora, latein. v«rbg, arditraria, kurtiva loquemli kormg,. Eine genauere Etymologie ist somit nicht nachzuweisen und man muß sich daher mit dem Angeführten und mit Francisquc-Michel's Inrrmwetion zufrieden geben. Bei dem überall in Mrgon, Mrg«, goriß«n?a, xerga, Mrg«n« durchschlagenden wurzelhaften ger könnte man in Versuchung gerathen, auf das in den jüdischdentschen Gebrauch gekommene hebräische "IL, Mr, Fremdling, und Mr, Fem. !"!^, Mra, Hausgenosse (vom Stammworte ^ir, als Fremdling irgendwo leben '), jemandes Nachbar sein, bei oder neben ihm wohnen, in Schutz nehmen) zu blicken, namentlich da im Jüdischdentschen Pl. O'^., ßerim, besonders die Fremden bedeutet, welche sich zur jüdischen Religion hinwenden, Proselyten. Davon jüdischdeutsch sich megajer sein, sich bekehren (zur jüdischen Religion), z. B. der Goi hat sich megajer gewesen, der Christ ist zum Judcnthum übergetreten. Doch mag das gesucht erscheinen und anderswo weiter urgirt werden als hier, wo ^>ie Etymologie des ohnehin gar Nicht gaunerüblichen WortS wenig oder gar kein praktisches Interesse hat.

vierzehntes Kapitel,
e) Mengisch.

Die Bezeichnung Mengisch ist keineswegs gaunersprachüblick, sondern nur von PamphiluS Gcngenbach eingeschwärzt. In seiner „Gouchmat" heißt es V. 128 und 129:

Was rotwälsch und auch mängisch kan,

Die will sie allsandt nemen an.

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Hoffmann von Fallersleben erläutert ') das Mengisch als Mischmasch von Deutsch und Romanisch, sowie auch noch jetzt Messingisch ein Gemisch von Hoch- und Niederdeutsch genannt werde, was K. Gödeke, „Pamphilus Gengenbach", S. 680, mis^ billigt unter Hinweis auf den meng (keßler) deS leider Vagawnim, den man im Vocabular wie auch am Schluß der Notabilien sinder. ohne daß jedoch Gödeke eine andere Etymologie substituirt bat. Mengisch ist niemals in die Gaunersprache aufgenommen worden, obschon es volköbräuchlich geworden und in Messin zisch eS ausgeartet sein mag. Der meng, keßler des I^iKer Va»^ üätonim und ketelbode^) deS Bedeler orden ist mit dem menckeln deS 1^il>k>i- VaMwrum eines Stammes, vom lateinischen msmß«, Händler, Hansirer, OlitStenverkäufer, Waarenzurichtcr, ?on denen schon bei Plautus im verächtlichen Sinne die Rede und deren schon I, 43 erwähnt ist als der'ersten deutlichern gaunerischen Erscheinung auf deutschem Boden, nach Kap. 45 des (.'»pit. kraue primum mcerti anvi (Georgisch, S. 1391). Manger, Maniger und Menger hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten in guter und in schlimmer Bedeutung: Roßmänger, Pferdehändler; Mußmänger, Gemüsehändler; Fleischmänger, Hühnermänger, Eiermänger, Manghaus u. f. w. Schmaler, H, 599, führt zahlreiche Beispiele aus den ältesten Urkunden an und meint sogar, gewiß nicht mit Unrecht, daß die Eisenmannaaffe in München ursprünglich wol Eisenmangergasse geheißen habe, und Kält die Wittwangerwacht in RegenSburg für eine Eorruption ?on Wittmanger, Holzhändler (Witt, Wit, Wid, Holz, Brennholz, Schmeller, IV, 200). Aus dem ags. mmiMrs ist das mqlische mongei' entstanden, z. B. eKeesemonMr, rlskinonger, vc>a,I,„«iißer, ir«nm«u»er, letzteres besonders für Eisenkrämer

1) „Weimarische« Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur „nd Kunst", St. l. HeftL. s. 336.

2) Bezeichnend für das arge vaganlische Treiben der mengen, keteldode, ist, daß der in Norddeutschland önKerö hausigc „nd schädliche Aohl«iilmg oder Butrervogel, ?ieris örsssiese, sowie übcrhaurt der Schmetterli»z im Niederdeutschen Ketelbode oder Ketclbvter genannr wird.

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