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Die

Kirchengeschichte

von

Spanien.

Von

Pius Bonifacius Gams,

0. 8. B.

Dritter Band.
Vom Ende des eilften Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Zweite Abthellung.
Jahr 1492 – 1879.

Regensburg.
Druck und Verlag von Georg Joseph Manz.

1879.

54 768
APR 12 1901
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Vorrede.

B ie nun in fünf Bänden vorliegende Kirchengeschichte von Spanien verdankt ihren Ursprung dem lebhaften Schmerze des Verfassers über die Verkennung des Bischofs Hosius von Corduba in der Kirchengeschichte, über seinen getrübten Ruf bei der Nachwelt. Ich war Jahre lang darüber betrübt, dass er, der nach meiner Ueberzeugung es verdient hätte, unter den Heiligen der Kirche verehrt und angerufen zu werden, durch die Verleumdungen der Luciferianer zu den Gefallenen und Abgefallenen gerechnet wurde und wird. Ein anderes, auch nur untergeordnetes Motiv hat mich zu meiner Arbeit nicht getrieben oder bei ihr festgehalten. Damit ist zugleich die Frage beantwortet, wie ein Deutscher, ein „Ultramontaner“, dazu komme, eine Kirchengeschichte von Spanien zu schreiben. Hosius gehört nicht der spanischen Special-Geschichte, sondern der allgemeinen Kirchengeschichte an. Was er in und für Spanien gewirkt, das tritt vollständig hinter dem zurück, was er in und für die ganze Kirche gethan. Ich wollte ursprünglich meine Arbeit beschliessen mit dem Jahre 357 oder dem Todesjahre des Hosius. Was ich am 27. August 1862 geschrieben, das wiederhole ich am 27. August 1879: „Wie der grosse Athanasius, so ist der grosse Hosius würdig der Liebe und des unsterblichen Angedenkens aller christlichen Geschlechter."

Warum aber aus der Geschichte des Hosius eine Kirchengeschichte von Spanien geworden ist, habe ich auf Seite 307 des zweiten Bandes gesagt. Dort habe ich auch angedeutet, dass ich keine spanische Kirchengeschichte im Detail, oder mit Eingehen auf alle mehr oder weniger wichtigen Ereignisse schreiben, sondern dass ich vorwiegend die Streitfragen in und

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über die spanische Kirchengeschichte behandeln wolle. Der richtigere Titel meines Werkes wäre gewesen: Abhandlungen über die in der Controverse befindlichen Fragen der Kirchengeschichte Spanien's. Dass ich aber diesen Titel nicht gewählt, wird man begreiflich und verzeihlich finden.

Bei jeder einzelnen Streitfrage habe ich einen Versuch der Lösung derselben gemacht, und ihn der Prüfung der Leser vorgelegt. Die Punkte oder die Streitfragen, die zum grössern Theile auch die allgemeine Kirchengeschichte berühren und in ihr zum Theile behandelt werden, sind aber: 1) Die Missionsreise des Apostels Paulus nach Spanien, und die muthmassliche Richtung seiner Wanderung durch Spanien. 2) Die Ankunft und die Thätigkeit der „apostolischen Siebenmänner“ (Septemviri apostolici) in Spanien im ersten Jahrhundert. 3) Die Erklärung des Briefes des heiligen Cyprian von Carthago an die Christengemeinden zu Emerita and Asturica-Leon. 4) Einige Streitfragen über die Zeit der grossen Christenverfolgung der Jahre 304-305, besonders über die heilige Eulalia von Barcelona, und über die Frage der Aechtheit oder Unächtheit angeblich alter christlicher Inschriften. 5) Zeit der Synode von Elvira – Mai 306; Bischofssize und Pfarreien der dort versammelten Bischöfe und Pfarrer; die Erklärung der schwierigsten Canones (1, 2, 3, 15, 26, 34, 36, 49, 56, 57, 59, 62). 6) Grundlegung und Einführung der kirchlichen Hierarchie in Spanien durch Bischof Hosius. 7) Schuld oder Schuldlosigkeit des Bischofs Hosius. 8) Ort und Zeit des Todes des Hosius († 27. Aug. 357 zu Sirmium in Pannonien). 9) Die Luciferianer in Spanien. 10) Zeit und Ort der Entstehung der Häresie der Priscillianisten, und ihre Verbreitung. 11) Ringen der Bischöfe von Toledo um ihre Anerkennung als Metropoliten. 12) Die Streitfrage über den Ursprung und die Ausbildung der altspanischen Liturgie. 13) Die Streitfrage über den Ort und die Zeit der Entstehung der Sammlung des altspanischen Kirchenrechtes. 14) Die Streitfrage über den Ursprung des Primats der Kirche von Toledo, und die Stellung dieser Kirche zu der römischen Kirche. 15) Die Frage über den Ursprung und die Urheber der Häresie der Adoptianer. 16) Die Streitfrage über den Apostel Jacobus Major und sein Verhältniss zu Spanien. 17) Die Streitfrage über die Anwesenheit des Primas Roderich Ximenes von Toledo zu Rom bei dem Lateranconcil von 1215, und am 8. October d. J. 18) Die Frage nach der Zahl der Einwohner Spanien's zur Zeit der Römer, der Gothen, der Mauren, und in der neuern

Vorrede.

Zeit. 19) Die römischen Strassen durch Spanien. (Die diesem Bande beigegebene Karte: „Hispania Ecclesiastica“ ist vorwiegend eine Karte der Römerstrassen in Spanien). 20) Die Entstehung und der Charakter der spanischen Inquisition, die Frage ihres kirchlichen oder staatlichen Charakters; ihre Lichtund Schattenseiten. 21) Die Gründe des Zerfalls der Macht und Grösse Spanien's von den Zeiten Philipp's II. an.

Bei allen Streitfragen habe ich irgendeine bestimmte Lösung vorgeschlagen. Die Gewohnheit Tillemonts und Anderer, zu sagen: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein, hat mir nie zugesagt. Die Gegner müssen wissen, was sie zu widerlegen haben. Weil aber die Leser manchmal im Ungewissen sind, was ich als geschichtliche Thatsache, was als Hypothese vorlege, 80 gebe ich hier eine kurze Uebersicht. Es ist geschichtliche Thatsache, dass der Apostel Paulus nach Spanien gekommen. Die von mir dargelegte Richtung seiner Reise durch Spanien ist meine Hypothese. Die Ankunft der „Siebenmänner“ in Spanien ist geschichtliche Thatsache, ebenso dass Torquatus erster Bischof von Acci, Indaletius von Urci, Caecilius von Elvira-Granada, Euphrasius von Illiturgi gewesen. Dass Secundus seinen Siz in Abla, Ctesiphon in Berja, Esitius in Cazorla aufgeschlagen, ist meine Hypothese. Dass es eine Eulalia von Emerita und eine andere von Barcelona gegeben habe, ist geschichtliche Thatsache. Dass die Synode von Elvira im Mai 306 gehalten worden, ist meine Hypothese; dasselbe gilt von meinen Erklärungsversuchen der schwierigsten Canones. Dass die spanischen Bischöfe von 306 bis 400 nicht nach der Zeit ihrer Ordination, sondern nach dem Alter ihrer Bischofssize unterschrieben, ist meine Hypothese. Was ich über die Schuldlosigkeit des Hosius, den Ort und die Zeit seines Todes sage, halte ich für geschichtliche Thatsache. — Es ist wahrscheinlich, dass Gregor von Elvira nach dem Tode des Lucifer von Cagliari Haupt der Sekte der Luciferianer wurde, und die Verleumdungen gegen Hosius von ihm, von Faustinus und Marcellinus stammen. Es ist wahrscheinlich, dass die Priscillianisten schon zu Lebzeiten des Hosius und Olympius entstanden, dass Marcus, ihr Haupt, in Spanien weilte. Es kann nicht bewiesen werden, dass der „Primas“ Julian von Toledo zu irgendeiner Zeit als Heiliger verehrt wurde. Es ist historische Thatsache, dass die altspanische Liturgie die Liturgie der Kirche von Toledo war; es ist wahrscheinlich, dass dieselbe von Tarragona nach Toledo, von Rom nach Tarraco kam. Es ist wahrscheinlich, dass weder Elipandus von

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