Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

die ganze Welt der absoluten Reflexion hinausführt? Offenbar nur die durch kein Daseyn auszufüllende Liebe. Was ist es, was uns Gottes gewiß macht? Die über alle Zweifel der Reflexion erhabene Liebe. Die Liebe ist die Quelle aller Gewißheit, aller Wahrheit und aller Realität. Die Liebe ist daher höher als alle Vernunft, die Wurzel der Realität und die einzige Schöpferin des Lebens. Die zu göttlicher Liebe gewordene und in Gott sich selbst vernichtende Reflexion ist der Standpunct der höchsten Wissenschaft. (Fichte.)

In der Liebe liegt die höchste und tiefste Mystik, und es gibt eigentlich keine Mystik ohne Liebe. Mystik stellt in Bildern und Symbolen die Entstehung, den Fortgang und die Vollendung der Liebe dar, wie der Wiedergeborene allmälig zu einem — ich möchte sagen — Blut- und Herzensverwandten der Gottheit erhoben wird. Wodurch könnte aber der Mensch diesen Gang anders gehen als durch Liebe, Glauben an Liebe, der Liebe erzeugt? Das ist Mystik, und doch an jedem Menschen, an jedem Kinde sichtbar. Was verahnlicht mehr, schmilzt mehr zusammen die Kinder mit der Mutter, als Liebe? Und wodurch wird Liebe bewirkt als durch Glauben an Liebe? Das ist Mystik des Christenthums.

Der erste Anfang zur Schöpfung ist die Sehnsucht des Einen (des Gottes des reinen Idealismus wie des reinen Realismus, die unpersönliche Wesen sind) sich selbst zu gebaren, oder der Wille des Grundes; der zweite ist der Wille der Liebe, wodurch das Wort in die Natur ausgesprochen wird, und durch den sich Gott erst persönlich macht. (Eschenmayer,)

Der Hang zum Geheimnißvollen ist uns angeboren und soll sich vom sinnlichen Mysticismus (dem erwachenden Geschlechtstriebe u.) immer weiter heraufbilden. Wir sehen, daß er ein unzertrennlicher Bcstandtheil unserer Natur, daß er die himmlische Dämmerung sey, in der unsere Sonne verborgen ist. Die Welt ist eine Mystisikation Gottes. Alle Offenbarung geschieht durch eine Mystifikation des Innern. Das Innere äußert sich. Es tritt als geheimnißvoller Zustand des Aeußern hervor. Das Sichtbare besteht aus lauter Geheimnissen. Nur im Unsichtbaren ist der Schlüssel dazu. (Isidorus Orientalis.)

Die Erscheinung Iesus ist eine Mystisication der Gottheit. (Das Wort ward Fleisch.)

(Derselbe.)

Alle Sehnsucht ist prophetisch. (Wahr gefühltes Bedürfniß ist Symbol, Orakel in uns, das Erfüllung verkündigt.) (Derselbe.)

Ihr sollt zu der Wissenschaft gelangen, daß es ein Unendliches gibt, das ich nie ermessen werde, in dem ich mich mit besinde, in dem ich selbst unendlich bin. Ich bin mehr, als ich weiß.

(Derselbe.)

Wenn ich hasse, so nehme ich mir Etwas. Wenn ich liebe, so werde ich um das reicher, was ich liebe. Verzeihung ist das Wiedersinden eines veräußerten Eigenthums, Menschenhaß ein verlängerter Selbstmord, Egoismus die höchste Armuth eines geschaffenen Wesens. (Derselbe.)

Liebe ist die Leiter, worauf wir emporklimmen zur Gottähnlichkeit. (Derselbe.)

Der kennt Mystik gar nicht, der glaubt, daß sie blos eine Ausgeburt der Phantasie sey. Philosophie und Mystik (Erhebung des Gemüths über sich selbst, in der es sich gleichsam von sich absondert, und Versinken desselben in sich selbst oder in einem Gegenstande außer sich, mit dem es sich gleichsam vermahlt, zusammenfließt), freie Reflerion und lebendige, innere Anschauung lassen sich sehr gut bis auf einen gewissen Grad im Gemüth verbinden, und gerade diese Verbindung vollendet den inneren Menschen, indem sie diese Totalitat mit dem Charakter der höchsten Menschheit verbindet. Die erhabensten Aussprüche Jesus, Paulus, Johannes sind Mystik. (Feßler.)

Jnnere Anschauung und Darstellung dieser Anschauung ist Mystik. Alles kommt darauf an: Ist diese Anschauung wahr? Und: Ist sie richtig dargestellt? (Derselbe.)

Die Form der Religion, in Verbindung mit Poesie, muß nothwendig mystisch seyn; in Verbindung mit Philosophie kann sie mystisch seyn, da das eigentliche Object der religiösen Anschauungen (Thätigkeit des Unendlichen und der religiösen Gesinnungen) Facta des inneren Menschen sind, welche von der Vernunft und dem Verstande an sich nicht können ergründet werden, oder wenigstens als unbegreiflich für Beide erscheinen müssen.

(Derselbe.)

Was man im ersten Augenblick versteht, wirft man im zweiten mit Gleichgültigkeit weg; man achtet nur das, was man mit Mühe und Anstrengung errungen, nicht, was man ungesucht gefunden hat. (Ein Anderes ist's, wenn es gegeben ward.) Der Verstand isolirt, die Phantasie vereinigt. Diese stiftet Gemeinden, während jener sich in jedem Menschen zum souverainen König seiner Umgebungen krönt. (Die Klugheit hat dies aus der Natur des Menschen abstrahirt. Die Gnostiker haben es benutzt.) Eine natürliche Empsindung fühlt das Flache, was man gleich durchsehen kann. (Doch muß es eine leichte Seite haben.) (Derselbe.)

Das eigentliche einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrige untergeordnet sind, bleibt der Conflict des Glaubens und Unglaubens. Alle Epochen, in welchen der Glaube herrschte, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mit- und Nachwelt. Alle Epo

« ZurückWeiter »