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und gründlichen Ernstes wegen mit der unsrigen (dem neuen Mysticismus) verglichen zu werden, die in der neuesten Zeit, genau betrachtet, doch eigentlich nur eine talent - und charakterlose Sehnsucht ausdrückt.

Goethe.

Alles Bildliche war Leiter, worauf wir hinaufstiegen zum Himmel. Wir glaubten ihm sehr nahe zu seyn, witterten schon im Wahne reine ätherische Luft, stießen die Leiter unter uns weg, und griffen verwegen nach oben. Da merkten wir erst unfern Geistestrug und sanken so wieder zurück zur mütterlichen Erde. Nur der Glaube konnte uns in jenem Aether der Begeisterung und Ahnung festhalten!

(Ob es nicht manchen Philosophen so geht? Aber ob sie es auch ehrlich bekennen?)

Wie der Mensch die heilige Schrift versteht, das richtet sich nach dem, was er selbst ist und geworden ist. Steht er noch im natürlichen Leben, so spricht ihm auch die Schrift vom Natürlichen; ist er aber selbst höher gekommen, so geht ihm auch das Wort der Schrift auf's Höhere; und je höher er steigt, desto höhere Zeugnisse entdeckt er im Worte Gottes. Doch ist das frühere, die Schrift nur auf's Niedere und Natürliche beziehende Verstandniß deswegen nicht unrichtig, weil das höhere und geistliche Verstandniß das richtige und eigentliche ist; denn ein und dasselbe Wort geht auf's Natürliche und Geistliche zugleich, weil alles Höhere ein Bild und Gleichniß in einem Niedern hat. (Mathes Weyer.)

Die Gott lieben und im Gebet beharren, werden heimlich gelehrt, was sie nicht wußten.

(Makarius.)

Meine echte Religion ist auch eine echte Magie. (Lavater.)

Jn göttlichen Dingen sieht man nur so viel, als man dieser Welt abstirbt; so viel man aber nach der Welt lebt, sieht man Nichts. (Augustin.)

Gott kann nicht demonstrirt werden, er muß im Herzen seyn; und da ist er immer besser, als ihn ein ganzes Concilium desinirt. (I. H. Vogt.)

Wer will wissen, was in einem Tempel sey, muß nicht draußen bleiben und blos lesen und hören sagen; das ist Alles ein todtes Ding; sondern hineingehen und selbst erfahren und besichtigen. Dann lebt erst Alles, und dies im Geiste sehen und erfahren heißt die Schrift glauben.

(Sebastian Frank.)

Das Gesetz wirkt so viel, daß du wissest, was zu thun sey; der Geist, daß du es wirklich thu est. (Augustin.)

Das Reich Gottes ist in uns; wer nur dazu einkehrt, suchet und nicht durch Auslaufen verliert. Es mag ja nicht von außen hineinkommen. Es sind böse Brunnen, in die man Wasser tragen muß. (Taulerus.)

Die Liebe ist höher als alle Vernunft, ja sie selbst ist die Quelle der Wahrheit. Wer einmal die Stufe der Liebe erreicht, der hat sich über alle Reflexion erhoben und wird daher die höheren Wahrheiten, welche das Gemüth in dem Worte der Liebe aufnimmt, nicht mehr dem Verstande zu leeren und müßigen Constructionen preisgeben.

(Fichte.)

Nur Persönliches kann Persönliches heilen, und Gott muß Mensch werden, damit der Mensch wieder zu Gott komme. Mit der hergestellten Beziehung des Grundes auf Gott ist erst die Möglichkeit der Heilung wiedergegeben. Ihr Anfang ist ein Zustand des Hellsehens, der durch göttliches Verhängnis) auf einzelne Menschen (als hierzu auserwählte Organe) fallt; eine Zeit der Zeichen und Wunder, in welcher göttliche Kräfte den überall hervortretenden dämonischen, die besänftigende Einheit der Vertheilung der Kräfte entgegenwirkt. (Schelling.)

Bei dem unendlichen Mißverhältnisse des Menschen zu Gott, — um es zu heben, aus dem Wege zu räumen, muß der Mensch entweder einer göttlichen Natur theilhaftig werden, oder auch die Gottheit Fleisch und Blut annehmen. (Derselbe.) Daß alle Erkenntniß, insbesondere aller Begriff von Gott von Liebe ausgehe, daß Liebe der Quell aller Gewißheit, aller Realität sey, hat schon Fichte gesagt. Er trifft darin mit Iohannes zusammen: „Wer lieb hat, der ist aus Gott geboren und kennt Gott." Nur insofern der Mensch liebt, ist er göttlicher Natur. Der Verstand und die Vernunft erkennen Gott nicht. Gott

kann nicht gedacht, er kann nur empfunden werden; und man empsindet weder durch den Verstand noch durch die Vernunft. Verstand und Vernunft wollen, wie jenes Gigantengeschlecht, zum Himmel heraufsteigen, nicht, um die Gottheit zu besiegen, doch um sich ihr gleich zu stellen. Liebe, wie die Sonne, verbreitet sich über Alle, strahlt herab zu uns; und wer sich ihr öffnen kann, der wird ihrer theilhaftig. Manche recht hoher Liebe fähige sind wie der Stein, der die Sonnenstrahlen in sich saugt.

Das Seyn an sich ist lauter Wesen, in dem Daseyn dagegen, das Reflexion ist, spaltet sich das Wesen und wird Form. Wie hängt nun Form und Seyn zusammen? —Sie hangt schlechthin zusammen; es gibt schlechthin ein solches Band, welches höher als alle Reflexion ist; und dieses Band ist die göttliche Liebe. In dieser Liebe ist Seyn und Daseyn, Gott und Mensch Eins, völlig verschmolzen und verflossen. Diese Liebe ist zuvörderst die Schöpferin unseres oft erwähnten Begriffs von Gott. Was ist es aber, was uns über alles erkennbare und bestimmte Daseyn, über

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