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unsere Phantasie:c., und ist zu schlau, um es merken zu lassen, wer der eigentliche Verführer sey. Ist uns übrigens Alles, was zum Bösen verführen will, Satan, wie es unserm Herrn sein sonst so lieber Schüler Petrus war, so brauchen wir an keinen eigentlichen Satan zu denken, wie wir denn überhaupt handeln, hoffen und glauben sollen, als ob kein Satan wäre, da wir nie bestimmen können, ob hier oder da Satan wirke, was nur Menschen konnten, die in genauer Verbindung mit der Geisterwelt standen.

„Aber wird denn dem bösen Geiste immer ein Spielraum, ein Wirkungskreis bleiben, um Böses zu wirken?" Nein, das wird es nach der Bibel nicht. Seine Macht ist sowohl in Hinsicht auf ihre Ausdehnung als in Hinsicht auf die Zeit beschrankt. Iesus ist darum Mensch worden, damit er „durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hat, das ist dem Teufel." (Ebr. 2, 14,) Und wenn wir in der Apokalypse nicht blos eine Oper mit Prolog und Epilog finden wollen, so ist Nichts klarer, bestimmter und wiederholter ausgesprochen, als die Beschränkung und das Ende der satanischen Macht. Dabei hat uns der tiefblickende Paulus noch eine Aussicht geöffnet, die dem menschlichen Herzen unbeschreiblich wohlthut. „Christus muß herrschen," schreibt er an die Christen in Korinth, „bis er alle seine Feinde unter seine Füße legt. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod. Er (der Vater) hat ihm (Christus) Alles unter seine Füße gethan. Wenn er aber sagt, daß Alles unterthan sey, so ist's offenbar, daß ausgenommen ist, der ihm Alles unterthan hat." (Das ist die einzige Ausnahme in der Welt.) „Wenn aber Alles ihm unterthan seyn wird, alsdann wird auch der Sohn selbst unterthan seyn, auf daß Gott sey Alles in Allem." (1. Kor. 15, 24 — 28.) Ietzt also kommt der echte Deismus statt Christianismus! Dann gibt's ja wohl keinen Satan mehr, oder vielmehr, er ist nicht mehr Satan.

In einer Gesellschaft der verschiedenartigsten Köpfe wurde einmal die Aufgabe gegeben, Jeder solle sagen, was er sich unter Satan denke. Der selige Lavater antwortete: „Satan sey ein Wesen, das Alles könne, nur nicht lieben." Wie? wenn er nun lieben lernte von dem, der auch einen Satan lieben kann, der das höchste Opfer der Liebe brachte und um Vergebung bat auch für satanische Menschen, wenn Satan durch Liebe gebessert und selig würde? Oder wäre Gott im eigentlichsten Sinne Alles in Allem, wenn nicht so Etwas geschähe? —

Uebrigens ist der Uebergang von einem Lucifer zu einem Satan psychologisch wohl zu erklären. Freiheit ist der Adel der Geisterwelt; ohne sie wäre diese ein Reich von Maschinen, so große Kräfte sie auch haben möchten; haben sie aber Freiheit, so müssen sie sie auch mißbrauchen können. Ist es so unwahrscheinlich, daß Manche sie gemißdraucht haben? Ie größer das Wesen, je abscheulicher in seinem Verfall. Ein erhabener Engel kann dann kein halber Bösewicht, er muß ein Satan werden. „Er hat große Kräfte; ungebraucht wird er sie nicht lassen wollen, weil große Kräfte zu ihrem Gebrauch unaufhaltsam reizen, und nur durch höhere, religiöse Gründe, wie bei Iesus, bis in's dreißigste Jahr zurückgehalten werden; durch Gründe, die bei einem bösen Wesen nicht Statt sinden, das ja eben darum böse ist, weil es ohne Rücksicht auf Gott handelt. Wie es nun in der Natur eines guten, kraftvollen Wesens liegt, seine Kräfte zu brauchen, damit Gutes befördert und Böses verhindert werde, so liegt es in der Natur des bösen, kräftigen Wesens, Böses zu befördern, und entgegen zu arbeiten dem Guten, und am meisten dem Besten unter den Guten. Weiß das gute, erhabene, kräftige Wesen, daß die Menschen gut und glücklich werden, wenn man die Triebe und Kräfte in ihnen aufregt, wodurch sie demüthiger, selbstloser, geistiger werden können, so wird es sich bemühen, diese Kräfte aufzuregen. Und wie sollte es als ein weit über die Menschen erhabenes, geistiges Wesen Dies nicht wissen? Kennte es ein bösartiges, mächtiges Wesen, das mit Klugheit, Kraft und Erfolg das Böse befördert, also die Menschen stolzer, selbstsüchtiger, eigenmächtiger, sinnlicher zu machen sucht, so wird es natürlich, besonders diesem Wesen entgegen zu arbeiten und dessen Plane zu zerstören suchen. Bei dem bösartigen Wesen sindet gerade das Entgegengesetzte Statt. Das gutartige, glückliche Wesen möchte Alles um sich her beglücken, das bösartige, unglückliche Wesen Alles um sich her unglücklich machen. So ist denn also selbst der Vernunft die ganze biblische Dämonologie, himmelweit verschieden von dem damonologischen Aderglauben, — nicht unwahrscheinlich. Sie sehen, und wenn auch die Mystiker weit mehr von Satan sprachen oder schrieben, als sie thun, — sie, die den Hauptsatan immer in sich in jeder Aufregung des Stolzes und der Eigenwilligkeit sinden, so dürfte man sie nicht herabsetzen, oder man müßte die Bibel zugleich herabsetzen. Nicht so? Ein und dreißigster Brief.

An denselben.

Man hat Ihnen Viel über Perfectibilität im Allgemeinen und besonders des Christenthums gesagt. Man hat Sie aufmerksam darauf gemacht, daß die menschliche Natur einer grenzenlosen Perfectibilität fähig scy, daß also auch die für Menschen berechnete Offenbarung derselben fähig seyn, gleichen Schritt mit ihr halten müsse, wenn sie nicht antiquirt, oder wie Kinderfabeln zurückgelegt werden solle. Man hat Sie auf die mosaische Offenbarung gewiesen, „die für jenes Volk und jenes Zeitalter passend gewesen, es jetzt aber nicht mehr scy, da Jesus eine weit höhere, geistigere Religion — nicht für Ein Volk, sondern für alle Völker der Erde verkündigt habe. Es sey nun Zeit, sich auch über diese, an sich treffliche, göttliche, aber für unser aufgeklärteres Zeitalter in ihrer

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