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leiteten! Diesem alten Theologen war er Teufelssaat, und mit Recht, aller Stolz ist's. Und je edler das ist, worauf der Mensch seinen Stolz setzt, je verderblicher, teuflischer ist der Stolz. Ein Gottestempel wird zu einer Teufelskapelle eingeweiht.)

„Der Mensch darf Nichts bitten von Gott, noch von Creaturen, denn bloße Nothdurft." (Das würde man leicht für falsche Demuth halten können; sollen wir ja nicht bitten, weil wir es verdienen. — Verdienen wir denn das Brot, das wir essen? die Luft, die wir athmen? — Doch die geistige Nothdurft des echt Demüthigen geht wohl so weit, daß er schon um sehr Viel bittet, wenn er um seine Nothdurft bittet.)

„Man sieht die Nothwendigkeit der Ordnung und der Gesetze ein. Man beklagt es nur, daß sie um menschlicher Blindheit und Bosheit willen nöthig sind. Man greift es selbst an mit denen, die nichts Besseres und Anderes wissen, und übt es mit ihnen, ob man sie möchte zu einem Näheren bringen. Jesus hat auch die Menschen unter dem Gesetze nicht verschmäht. Er sagt wohl (nur), es sey damit nicht genug, man müsse weiter kommen. Cr war über dem Gesetze." (Seine Speise, sein Genuß war, zu thun den Willen des Vaters. Ioh. 4, 34.) „So ist's auch mit dem Christen." (Ganz im Geist der Bibel! Lesen Sie Rom. 6, 1. 2. 15. Matth. 5, 17. 18. 1. Ioh. 3, 6. 9. Durch Legalität muß der Mensch zu Moralität gebildet werden. Dies geschieht durch das Gesetz, das nicht um der Gerechten, Wiedergebornen willen gegeben ist, (Rom. 13, 3.) Der Geschmack des wahren Christen ist ganz geändert. Er mag nicht sündigen, wenn er auch sündigen dürfte. Dazu liebt er seinen Herrn zu sehr. Man verähnlicht sich ja aus eigenem, innerem Triebe gern dem, den man liebt.)

„Wenn Christus spricht, man solle alle Dinge verlassen, so soll man das nicht so verstehen, daß der Mensch Nichts thun und beschicken soll. Der Mensch muß Etwas zu thun haben, dieweil er lebt. Man soll es so verstehen, daß man durch alles Thun und Lassen und Wissen Vereinigung nicht befördern könne." (Luc. 17, 10. Ioh. 14, 23. Eph. 3, 17.)

„Gott ist und ist doch weder dies noch das, das Creaturen, als Creaturen, erkennen, nennen oder sprechen mögen." (Aller wahren Philosophie und der Bibel gemäß! Um Etwas von dem zu erkennen, was Gott an sich in seinem Wesen ist, muß Gott dem Menschen irgend eine menschliche Seite geben, sonst fassen sie Nichts von ihm, berühren ihn nicht, werden nicht von ihm berührt. Die Philosophen, die alles Menschliche von Gott entfernen wollten, kamen ganz consequent so weit, daß sie Gott Alles, sogar die Existenz absprechen müßten. „„Niemand hat Gott je gesehen (erkannt), nur der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schooß war, hat ihn uns verkündigt."" — „„Ich bin das Licht der Welt."" Ohne Iesus wäre die ganze unsichtbare Welt für uns so unerkennbar, wie es die sichtbare wäre ohne Licht.)

„Das Gute muß gewollt oder gemeint seyn als gut und nur nichts Anderes. Nicht diesem oder Jenem zu Liebe oder zu Leid, auch nicht, um sich selber oder als sich selber, denn alle Selbheit und Ichheit ist abgefallen Wäre etwas Besseres als Gott, so müßte dies geliebt werden vor Gott. Gott hat sich selbst nicht lieb als sich selbst, sondern als gut. Ichheit und Selbheit ist ganz von Gott geschieden und gehört ihm nicht zu, sondern so viel sein Noth ist zu der Persönlichkeit. So muß es auch in einem vergotteten" (aus Gott geborenen, nach Johannes) „Menschen seyn. In einem solchen ist die Liebe lauter und unvermischt und gutwillig zu Allem." (Wie es jede echte Liebe ist.) „Man thue einem vergotteten Menschen wohl oder wehe, ja man tödte ihn, und er würde wieder lebendig; er müßte den Menschen lieb haben, der ihn getödtet hat." (Hat je ein alter oder neuer Philosoph eine erhabenere Psychologie — Sittenlehre paßt nicht hieher, denn es ist nicht von Vorschriften, sondern von innerer Natur die Rede — offenbart? Und hat sie je einer mit tieferen Gründen unterstützt? So konnte Jesus mit der größten Wahrheit beten: „Vater, vergib ihnen." Der aus Gott geborne Mensch weiß, daß ihm Alles durch Gott wird, was ihm wird, und wenn es ihm zunächst durch Satan würde; er weiß, daß ihm, der Gott liebt, alle Dinge zum Besten dienen müssen, daß jeder Feind sein Wohlthäter ist. So konnte Jesus den Judas noch seinen Freund nennen, konnte zu Petrus sagen: „Stecke dein Schwert ein. — Es muß so gehen!" Freilich, so kann nur der aus Gott Geborne im eigentlichsten Sinne Feinde — lieben.)

„In einem vergotteten Menschen ist wahre, gründliche Demuth; ohne Demuth ist er nicht vergottet; denn durch Jesus erkennt man in dem wahren Licht, daß alles Erkennen, Wissen und Vermögen des wahren Gottes und nicht der Creatur ist. Die Creatur hat von ihr selbst Nichts. Kehrt sie sich von Gott ab und will eigen wirken, so ist's lauter Bosheit." (Satan und seine Engel.) „Was gottgelassen und unterthan ist, das muß auch allen Creaturen unterthan seyn." (Wie wenig der biedere deutsche Theolog sich um möglichen Mißverstand kümmert! Wie wenig er daran denkt! Der Geradsinnige versteht ihn wohl. Er denkt, wie Sie, an Iesus Fußwaschen, und was er dabei sagt.)

„Daß die Creaturen sind, selbst Teufel (als Personen), das ist nicht wider Gott. Gott ist ja aller Wesenden Wesen, aller Lebenden Leben. Allein die Sünde ist Gott leid. Und was ist Sünde? Nichts Anderes, als daß die Creatur anders will denn Gott und wider Gott; denn Christus spricht: „„wer nicht für mich ist, ist wider mich."" — Aber wie kann Gott betrübt seyn über der Menschen Sünde, da in ihn, als Gott, weder Leid noch Betrübniß kommen kann? Es kommt in ihn, in so weit er Mensch ist, oder in einen vergotteten Menschen." (Und erkennen wir irgend etwas Göttliches in Gott, ohne das Göttliche in dem Menschen? Ohne Anthropomorphismus ist der Mensch ein Atheist, und wenn er auf zehnerlei Weise eine Gottheit demonstriren kann.) „Da ist Gott die Sünde so leid, daß er selbst gern wollte gemartert werden und leiblich sterben, damit nur die Sünde nicht bleibe, auch nicht die Sünde eines einzigen Menschen. Wie wehe muß ihm denn aller Menschen Sünde thun? Wo Gott Mensch ist. oder in einem vergotteten Menschen, ist über Nichts

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