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in den Häusern Sammlungen für sich und ihre Kameraden zum Zwede ihrer besseren Berpflegung zu machen.

Garden! Glieder der mobilen Colonnen! - Durch Berabreichung des zus gesicherten Berpflegsbetrages ist für den Unterhalt aller mittellosen Streiter ohne Unterschied gesorgt worden. Euere Chefs sind unterrichtet, wo für Euch die täga liche Löhnung zu holen. Sør begreift, daß Communal- und Staatsfassen in den gegenwärtigen drückenden Finanzverhältnissen die ausgezeichneteste Hingebung, die offenkundigsten Verdienste nicht mit Maitressenhonorar (!!) ablohnen tónnen. –

Garden! Glieder der mobilen Colonnen! Euer Commandant erwartet, daß solche Klagen von nun an nicht mehr vorkommen. Er kennt den Geist der von einer verleumderischen Partei gern angeschwärzte: Bevölkerung Wiens. Arbeiter, waret Ihr es nicht, von welchen an einem denkwürdigen Tage die Worte verewigt worden: „Heilig ist das Eigenthum?!" Seyd Ihr nicht mehr die Männer des 26. May ? Ich füge hinzu: Beweist, daß in Waffen stehend die Mannszucht disciplinirter Saaren Euch nicht fremd seyn kann, nicht fremd seyn darf. Beweist, daß Ihr Künstler und Gelehrte ehrt; schüßt die Religion, schüßt hülflose Weiber und Greise. So stelle Schildwachen vor die Shore aller Gebäude, vor die Häuser aller Personen, welche unter dem Schuße unserer Nas tionalehre stehen müssen. Das maßlose Niedermegeln des Wildes in den Pratergehölzen muß mich mit Besorgniß erfüllen. Es ist überbieß nur zu geeignet, schädliche Adarmirungen hervorzurufen.

Garden aller Corps und Namen. Ehret die Warnung und Bitte Eures Führer8 ! Wien, 15. October 1848. M effenhauser, m.p., prov. Ober-Com.“

4 Uhr Nachmittag. Ignaz Paul, Reichstags - Abgeordneter, zeigte beim Ober-Commando an, daß Bormittags, während er in der Reichstagssigung war, Nationalgarden vom VII. Bezirk (Wieden) in seine Wohnung gedrungen wären, ihm dort gewaltsam eiu årarisches Gewehr, ein Privatgewehr, eine Pistole, das Gewehr seines Sohnes, und einige der 6. Jur. Comp. gehörende Gewehre, welche des Obigen Sohn als Feldwebel der Kompagnie in Verwahrung hatte, weggenommen hätten. Dieser Abgeordnete wünschte nun seine Waffen zurück zu erhalten. Die Gewehre hatte er im Kamin in seiner Wohnung (Wieden, Paniglgasse) versteckt, um bei einem Ueberfalle von Seite des Militärs fte nicht zur Schau und offen liegen zu haben. Diese Gewehre wurden ihm auch zurü&gestellt.

44/. Uhr. Ein Nationalgarde-Offzier berichtete beim Ober-Commando, daß er seinen Säbel in Meidling an die Kroaten abgeben mußte, und nicht mehr zus rüd erhielt.

5 Uhr. Jakob Wittinger machte beim Ober-Commando die Anzeige, daß im B.U.M.B. in Wullersdorf, Jammerdorf, Haugsdorf, Obrig und die ganze Pulfau-Gegend zum Landsturm bereits organisirt sex. Er berichtete ferner, daß

fich dieselben schon um Verhaltungsvorsýriften an Streffleur gewendet, aber fein Aviso erhalten hätten *). Der Vater des Berichterstatter8 sey Ortsrichter und Commandant der Nationalgarde in Mullersdorf, und der Berichterstatter hat die schriftliche Versicherung von seinem Vater und Bruder für die Wahrheit seiner Angabe vorgezeigt. Der dortige Landsturm belief sich auf ungefähr 5000 Mann, die einen Führer vom Ober-Commando zu erhalten wünschten.

Um dieselbe Zeit fand ein Plänklergefecht an der Favoritenlinie und Glogg: nißer Bahn statt, welches nach einem halbstündigen Sießen aus Gewehren und Sechspfünd:rn wieder ein Ende nahm. Die steyerischen Garden und Schüßen, beiläufig 200 an der Zahl, sogen nebst einigen Legionären vor die Linie hinaus und nahmen am Eisenbahndamme, gegenüber von Lagerwalde eine feste Stellung ein. Ein Proviantwagen, der gegen Abend um 6 Uhr den Feldweg zum Lager hinaufführ, und den die steyrischen Bedetten nehmen wollten, gab Pers anlassung zu jenem heftigen beiderseitigen Feuern, wobei die linte Flante der Steyerer in Kartätschenhagel stand. Mittlerweile gelang es einer größern Abtheis lung Militärs, die sich vom Abenddunkel begünstiget, genähert hatte, den Wagen ins Lager zu transportiren, worauf das Feuern beendigt war. Bon den Steyerern blieb ein Mann tobt.

Die t. k. Truppen sollen sich gegen Studenten, die ihnen in die Hände ges riethen, eine Behandlung erlaubt haben, deren sich die Kroaten nicht im Entfern: testen schuldig gemacht haben. Glaubwürdige, auf dem Lande bei den Bivouaques der Kroaten wohnende Personen erzählten das Beste von denselben. Freilich find die Kroaten nicht am 6. in Wien gewesen!

In Baden standen Grenadiere, welche die 12000 Arbeiter vom Semmering, die den Wienern zu Hülfe ziehen wollten, zurück schlugen, und den fie anführenden Studenten ins Lager brachten.

Eine Klage eines Milchweibeß bildete eine tragikomische Episode. Der Mann wurde bei einem Patrouillengefechte erschossen, in Folge dessen die Witwe Anspruch auf die vom Gemeinderathe für sich und die Waisen zugesicherte Pens fion machte und bedauerte – nur wenig mit Kindern gesegnet zu seyn.

Emiffäre, die im Auftrage des Ober-Commando die Gegend bis Juln zu Pferde durdystreiften, um den Landsturm aufzubiethen, meldeten, daß der größte Theil der Bauern solche zu bilden erböthig sey, wenn der Reichstag fie dazu auffordern werde, im entgegengesegten Falle würden sie aber nicht kommen, in welcher legteren Gesinnung fie durch die Beamten bestärkt werden.

In den Zeitungen erklärten die Herren Kleinert und Girgl, die von der Wiener Zeitung nach einem Plakate, welches Seite 268 enthalten ist, mitges

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*) Man vergleiche Seite 121. die Beweggründe.

theilte Erklärung für entstellt und protestirten dagegen, daß man ihre in Wien gegebenen Erklärungen als Ausdruc des Prager Studenten-Auschußes ansehe. Es scheinen fich somit die Herren im Wiener Studenten-Ausschuße ein Falsum erlaubt zu haben, um die Wiener über die Stimmung in Prag zu täuschen.

Nationalgarde - Hauptmann Wittenberg wurde Commandant der Mo: bilgarde des Karolinen-Viertels, Dr. Reiher aber Werbcommissär des dritten Bataillons der Mobilen, zu welchem in der Artillerie-Raserne der Landstrasse und im Seilerstatter Artillerie-Districts-Gebäude geworben wurde.

Die allgemeine österr. Zeitung brachte am 15. einen fulminanten Artikel gegen die Slawen und hoffte darin, daß die Deputirten Böhmens in Brűan ver: haftet werden; dann berichtete dieselbe Seitung, die Generale Frant und Bacani sepen in Wien gefangen. Beides war unrichtig.

Fürst Windis dy gräß, so hieß es allgemein, zieht mit allen disponiblen Iruppen herbei, um sich mit Jellačič zu vereinigen.

64% Uhr. Vormittags wurden zwei Offiziere des Oguliner Gränzregiments, Joseph Jovetič und Johann von 3er gollern, welche ihrer Kränklichteit wegen in das Badner Bad aus dem Jellačič'iden Lager gebracht werden sollten, von dem Fuhrmanne vorsäßlich, statt nach Baden, nach Wien geführt, daselbst von den an der Favoriten-Linie aufgestellten Garden unter dem Geschrei, daß fie Spione seyen, eingefangen und allen Insulten ausgeseßt.

Der Nationalgarde-Hauptmann Berr geleitete diese beiden Offiziere sammt dem Borspannswagen und dem Privatdiener Stephan Knefevič in das I. Sheresianum, woselbst sich das Hauptquartier des Wiedner Bezirkes befand, und übergab solche an den Bataillons-Chef Leopold Moser; von diesem aber wurden beide an das Ober-Commando durch den genannten Şauptmann überbracht, woselbst deren lleberlieferung von dem Plab-Offizier Dunder im Namen des Plaß-Commando dem Bezirke Wieden bestätiget wurde. Der OberCommandant ertheilte sogleich dem Plat-Hauptmann den Auftrag, diese beiden auf widerrechtliche Weise gefangenen Offiziere bis an die Vorposten der t. . Truppen geleiten zu lassen, zu welchem Behufe sowohl von Seite der Permanen; des Meichstages, als auch vom Ober-Commando selbst die nöthigen GeleitsDocumente ausgestellt wurden. Die beiden Plag-Offiziere C. Neisser und Wittmann wurden beordert, diese beiden t. Offiziere sammt ihrem Privat: diener in einem Magen an ihre Truppe zurüđzuführen. Allein faum beim Schmardahof auf der Favoritenstraße angelangt, wurde dieser Wagen um 6). Uhr von Garden und vom Wolle umzingelt, und unter dem Nufe: ,,Diese beiden Spione dürfen nicht fort, nehmt sie gefangen,“ wurde der Wagen umgekehrt und bewegte fich, begleitet von dem Menschenhaufen, gegen das Theres fianum. Wie sehr das Bolt fanatifirt war, ergibt sich aus der traurigen Shat

sache, daß eine Frau aus einem Fenster herunter rief, man solle die beiden Offiziere aufhängen. Bei dem Theresianum angelangt, machte die Masse Halt, und die k. Offiziere wurden an ihrem Leben bedroht, und vom Volfe sámählich beschimpft, in die Bezirks-Kanzlei gebracht. Mittlerweile wurde die Zusammenrottung immer größer; e8 waren bei 400 Menschen versammelt; die Erbitterung wurde immer heftiger, und aus dem Schreien und Toben vernahm man die Worte: „hängt die Spione auf!" Bewaffnete wollten mit Ungestüm in den Saal dringen, wo sich die fais. Offiziere befanden. Da traten der Bezirks-Chef Hirn, der Oberlieutenant Breitenfeld, und alle im Theresianum anwe: senden Offiziere und Garden den Wüthenden muthig entgegen, und nur mit vieler Mühe gelang es, die Menge einiger Massen zu beschwichtigen. Nun wurde der Plag-Offizter Reisser vom Bezirks-Chef an das Ober-Commando zurüdgesendet mit dem Auftrage, über dieses Ereigniß Meldung zu erstatten. Im Auftrage des Ober-Commando eilte der Legions-Hauptmann Prey zu Pferde in's Theresianum, und es gelang ihm, durch Ueberredung die Dislocirung der Ges fangenen auf die Universität zu bewerkstelligen, ohne daß ihnen weiter ein Leib geschah.

Nachdem im Studenten-Comitee ein Protokoll mit den Gefangenen aufgenommen worden war, wobei Jovetič erklärte : ,,Wenn Sie durch meinen Job Ruhe und Ordnung herzustellen glauben, so tödten Sie mich,“ wurden dieselben in das im Conviktsgebäude befindliche Spital abgeführt.

Ueber deren fernere Behandlung gibt Nachstehendes Aufschluß :

,,Berichtigung. Um die Gerüchte über die Behandlung der in Gefangenschaft befindlichen Offiziere zu widerlegen, folgt hier die eigenhändige Bestätigung der beiden Herren, das Original befindet fich im Studenten-Ausschusse.

,,Wir Unterzeichnete bestätigen, daß die Obsorge und Behandlung von Seite der akad. Legion nichts zu wünschen übrig läßt; wir befinden uns im Convitt: gebäude und werden in einem eigenen Zimmer von Dr. Fest ärztlich behandelt. Johann v. 3 ergollern,

Josef govetid, Lieut. d. Ogulin. Grânzreg. Nr. 3. Lieut. v. 3. Ogulin. Reserve-Bat. *)

Mit Ausnahme von Garden konnte bei der Linie Jedermann, wenn er einen Paffirschein des Ober-Commando vorzeigte, ungehindert passiren - die ungarische Armee und der Landsturm famen aber immer noch nicht. Sinsichtlich des legtern wurden ganze Armeen von Bauern angesagt. Auch Garden tamen wenige, selbst die Brünner waren meistens Arbeiter aus den dortigen Fabriten, die binnen eini*) Alles, was in deß angeblichen Dr. Schütte's Tagebuch über diese Dffigiere ers

zählt wird, it falsch. Das in jenem Tagebudje erffeint, ift in Mahler's Freimuthigen ersdienen, und somit ein Abdrud deß gedachten Sournals, jedoch gemäßigter gehalten. Nicht wenige der Data der Proflamationen sind auch falsch.

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gen Tagen schon unterstüßt werden mußten — doch die meisten gingen bei Zeiten heim. Auch die Zahl der Calabreser war mehr als decimirt - die Uleber: zahl war bereits - verreist.

Die Jagd auf die Praterhirsche dauerte fort, natürlich, Heilig war das Eigenthum, das heißt jenes, so den Plünderern und Raubschüßen gehörte.

Die Gemeinderäthe Hollauer, Winkler, Walter, $artmuth und Mannert suchten um - Urlaub an, welcher bewilliget, so wie die Zurüds legung des Gemeinderathes J. Glanz angenommen wurde.

Mehrere Anträge Freund's, Bernbrunn's, Wesseli's, bezüglich der Urlaube in Krankheitsfällen in Wesenheit dahin lautend, daß nach Ablauf von vierzehn Tagen, ein neuer Urlaub zu bewilligen sey, aber jedenfalls ein neues ärztliches Zeugniß beigeschafft werde, wurden mit dem Beifügen angenommen, hievon Meinert und Fehringer zu verständigen.

Ueber ein eingelangtes Dekret des Ministeriums des Innern, es möge das Gebäude der orientalischen Akademie, in welches ein Einbruch von der Bastei aus versucht worden, besser geschüßt werden, erließ der Gemeinderath diesfall: eine Buschrift an das Ober-Commando. Die Bewachung fand statt.

Auf ein erlassenes Detret an den Gemeinderath von Seite des Ministeriums des Innern, im Auftrage des Ministeriums des Yeußern, die Unterthanen fremder Mächte vom Waffendienste in der Nationalgarde zu befreien, und zu sorgen, daß dieselben feinen Insulten ausgesegt seyen, erließ der Gemeinderath eine derartige Zuschrift an das Ober-Commando. – War bereits vorgesorgt.

Die an den Gemeinderath gelangte Zuschrift der Regierung, die Anzeige enthaltend, welche Spitäler zur Aufnahme der Berwundeten bereit stehen, und welche Eintheilung mit denselben getroffen wurde, wurde zur Kenntniß genommen, und nach Wesseli's Antrag der Regierung bekannt gegeben, daß der Gemeinde rath künstighin mit derselben nur durch Noten korrespondiren werde, und sollte wieder ein Dekret in so befehlendem Tone überbracht werden, so würde sich der Gemeinderath an das Ministerium wenden.

Die Note der Permanenz-Commission vom Civilgezichte der Stadt Wien, daß, da die Frist zum Ausziehen bis zum 28. October verlängert wurde, audí die Zeit zur Auffündigung bis dahin verlängert werden müsse, nahm der Gemeinderath zur Kenntniß, und beschloß dieses durch Plakate zu veröffentlichen.

Ueber die eingelangte Eingabe des Dr. Jäger, daß er seine Arbeitsleute niớt mehr beschäftigen könne, der Gemeinderath die Auffündigung an dieselben übernehmen, und sein Eigenthum vor einem allenfälligen Argriffe schüßen möge, beschloß der Gemeinderath, den Bittsteller in Beziehung der Auffündigung motivirt abweiblich zu bescheiden, hinfichtlich des Shuges seines Eigenthums an das Nationalgarde-Ober-Commando zu verweisen.

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