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Rettung des Baterlandel, Wahrung der Freiheit! Hat der Kaiser seine Buficherungen zurüd genommen? Nein! - Şat Europa die Ermordung von Lichnowski, Xuer swald, Lamberg, Latour, Roffi gebilligt? — Nein! Kann ein Christ, Jude, Türte oder Heide solch gräuliche Thaten billigen? - Nein! Und doch haben die Aufwiegler jene Mordthaten gebilligt, - weil Niemand eigene Shaten verdammt! — Und auch die Studenten, die Kinder des Landes , welche einst þausväter , Beamte, beispielvolle Staatsbürger werden sollten, betheiligten fich an Gräuelszenen, die Wien und seine bisher so edle Bevölferung nie gesehen, oder unterhielten Bruderschaft, Gemein: schaft und Kampfgenossenschaft mit Mördern, Rebellen, Dieben und liederlichen Menschen aus allen Enden des Welttheile. , die Verblendung der gescheidten Jugend war unbegreiflich! Daß das Ausland, daß 5a8 Meichsministerium zu Frantfurt die vorgekommenen Gräuel verdammte und auf Bestrafung drang, ist in der österreichischen Geschichte ein unerhörter Fall, und ein Beweiß, wie gerecht auch das Ausland unsere Vollsjustiz beurtheilte.

Fürst Windisch grå$ hat, ehe er Prag verlafsen, folgende Proklamation erlassen:

„Un die Bewohner Böhmens ! Xnardie und deren gräuliche Folgen, die fich leider in Wien auf empőrende Weise entwickelt haben, und alle Grundfesten einer geregelten Berfassung zu untergraben drohen, legen mir die Pflicht auf, mit einem Sheile der mir unterstehenden braven Sruppen zum Schuße der geheis ligten Person unseres Kaisers und zur Wahrung der Einheit der constitutionellen Monarchie mich von hier zu entfernen. – Der nun schon seit geraumer Zeit hier bestehende geregelte, friedliche Zustand und die loyalen Xeußerungen der Bewohner dieser Hauptstadt gewähren mir die beruhigende Ueberzeugung, daß die so bedauerlichen Juni-Greignisse 5 a uptsächlich durch fremden Einfluß herbeigeführt wurden. - Ich verlasse daher diese Stadt und das Land mit dem festen Bertrauen, daß Ruhe und Ordnung nicht mehr gestört werden ; – die Ehre und die Wohlfahrt der Nation hängt wahrlich davon ab, daß dieß mein Bertrauen nicht getäuscht werde. - Prag, am 11. October.

Fürst Windischgräß, m. p., command. General." Daß der Fürst die Zustände in Prag richtig beurtheilt, und daß in Wien ebenfalls fremde Elemente hauptsächlich gewirkt, ist aus der folgenden Adresse zu ersehen:

Adresse des demokratischen Vereins in Breëlau an das Central Comitee der freifinnigen Vereine in Wien.

Deutsche Männer, tapfere Brüder in Wien! Der glorreiche Rampf, den Ihr gegen die im Finstern schleichende Reaction (!) bestanden habt, hat nochmals die Möglichkeit herbeigeführt, daß fich das souveräne Bolt auf den Neben der

Camarilla Europa's losreißen, und seine Rechte und Freiheiten gegen seine Unterdrüder vertheidigen kann.

Wir sind bereit, allen Euren Schritten in dieser Beziehung gegen diese nach Außen unmächtige, im Innern aber tyrannische Reaction zu folgen, und hoffen, daß die constituirende Versammlung in Berlin fich eben so den Beschlüssen dieser freiheitstödtenden Gesellschaft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegenstellen werde, wenn solche zum Nachtheile des großen deutschen Baterlandes ausfallen.

Neue Wahlen würdigerer Vertreter in Frankfurt, an die Stelle der dor: tigen 300 deutscher absoluter Kaiser, erscheinen uns als das einzige Rettungsmittel des dem Untergange geweihten Volfes.

Wir wünschen Euch Glüd zu dem Anfange im entfcheidenden Siege, gegen das von der Camarilla angebahnte Panslawenthum (sic), dessen Joch man Euch und uns auflegen wollte. Wir gönnen (sic) jedem Slawenstamme seine Nationalität, und wünschen dessen Verbrüderung mit Deutschen, Magyaren, Italienern und Franzosen; fönnen aber unmöglich die Unterdrückungsgelüste der panslawischen (sic) Şorden gegen Deutschland gutheißen. Wir tanken Euch für das mit freudigem, hohem Muthe gebrachte Opfer, und wünschen, daß wir Euch thatsächlich beistehen können, unter der deutschen Einheitsfahne. Der allgemeine demokratische Landwehr-Verein für Breslau und Schlesien (2003 Mitglieder) und dessen Zweigvereine in Brieg, Oiwiß, Striegau, Soweidniß, Liegniß u. Breslau, den 11. October 1848. Der Präsident A. W. Beyse,

Baumeister, Ingenier, Premier-Lieut. a. D. *) (Die Unterschriften des Comiteeß und Aussdyufseß lagen bei.)

In der Sigung der constituirenden Reichsversammlung am 15. October be: richtete der Abgeordnete Souselta im Namen des permanenten ReichstagsAusschusses : daß die Ruhe der Stadt die ganze Nacht hindurch nicht gestört wurde; daß die Stellung der beiden sich gegenüberstehenden Kriegsheere, des ungarischen und kroatischen, noch immer dieselbe sey; daß mit Bestimmtheit auch nicht angegeben werden könne, ob das ungarische Kriegsheer die Gränze bereits überschritten habe, wiewohl heute gemeldet wurde, daß von der unga: risden Gränze her Kanonendonner vernehmbar sey; daß ferner die inneren Bustände der Stadt Wien fich auf erfreuliche Weise gebessert, mehr Besonnenheit, falte lleberlegung und Ruhe, als Bürgen entschiedener Tapferkeit in die Bevölkerung zurüdgekıhrt feye, und daß die Organisirung der bewaffneten Macht sowohl, als der Vertheidigungs-Anstalten rasch vorwärts schreiten. Zu*) Wer erinnert sich nicht an die saubere Historie mit uđmana, dem Präsidenten der

ungarischen Central-Eisenbahn und an obigen Namen, welche zum Standale der Welt vor einigen Jahren alle Zeitungen füllte !

gleich gab derselbe Abgeordnete bekannt, daß heute zwei telegraphische Depeschen angelangt seven.

Die eine vom mährisch-schlesischen Gubernial-Präsidenten Grafen Lazanjly aus Olmüş an das hohe Reichstag8-Präsidium ddo. 14. October 1848 um 8 Uhr 45 Minuten, und die andere vom Abgeordneten Alois Filder aus Olmüş an den permanenten Reichstag8-Aubschuß von demselben Tage um 10 Uhr 45 Minu: ten. Die erstere lautet: Der Kaiser ist heute um 4'), Uhr Nachmittags unter den Jubel des Voltes in Olműg eingetroffen.

Durch ganz Mähren begleiteten denselben die lautesten Beweise der Liebe, Anhänglichkeit und Dankbarkeit der Städte und der Landleute, denen Se. Majestät selbst versicherten, daß ihnen jene Freiheiten, die die allerhöchste Sanction erhalten haben, ungeschmälert belassen werden.

Der Wagen Sr. Majestät wurde in Olműg vom Volfe gezogen.
Der Inhalt der zweiten telegraphischen Depesche ist folgender :

„Die Heute von Wien abgegangene Deputation kam Nachmittags um 2 Uhr in Olmüş an. Se. Majestät der Kaiser traf zwei und eine halbe Stunde später ein, und ließ der Deputation sogleich eröffnen, daß er morgen um 11 Uhr Früb, fie empfangen werde. - Sollten weitere Mittheilungen von dem hohen Reichstage oder dessen Ausschusse an die Deputation nothwendig erscheinen, so steht sie denselben entgegen."

Der Abgeordnete 11 ml auft theilte mit, daß die Versammlung der Deut: schen in Tõpliß eine Petition an den hohen Reichstag beschlossen habe, des Inhalts, damit derselbe ja nicht seinen Sig aus der Residenzstadt Wien anders wohin verlege. Der Abgeordnete Zimmer theilte aus einem Prager-Zeitungsblatte eine Stelle mit, welche ganz falsche (?) Angaben über die hiesigen Ereignisse der jüngsten Zeit enthält, und darauf berechnet zu seyn scheint, die Meichsversammlung in den Augen der Wölfer Oesterreichs in ein falsches (?) Licht zu regen.

Zur Entkräftigung von derlei falschen Gerüchten trug er auf Veröffentlichung *) jenes Protokolls an, welches mit dem gewesenen Reichstag8-Präsidenten Strobach am 6. October I. J. im Präsidial : Bureau aufgenommen wurde. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen, und das bezeichnete Protokoli vor: gelesen, welches in dieser Schrift (Seite 114) abgedruct erscheint.

,,Hoher Reichstag! Die Lage der Gefahr, in denen über Desterreichs und mit ihm über halb Europas Schicksal, das Schwert an einem Haare hing, haben uns den Reichstag in einer Höhe des Muthes und der Ausdauer gezeigt, welche Seinen Namen der dankbaren Verehrung (!) der Zeitgenossen und dem Andenten der

*) Aber warum ist denn dieses Protokoll nicht sogleid, und warum erst am 19. De

tober, als bereite die Armee vor der Stadt gelagert war, veröffentlidit worden?

spätesten Nachwelt aufbewahren muß. Kann auch, gegenüber solcher Größe, der schwache Ausdruc unserer Gesinnung kein Gewicht in die Schale Seines Ruhmes legen, so bitten wir den Reichstag doch, daß derselbe unseren vollen Dant dafür annehmen möge.

Recht und Freiheit können nimmer verloren gehen, so lange ein solcher Reichstag als deren Wächter fie schüßet."

Görkau, kaip, Weingarten, þannerdorf und Gottersdorf im Saazer-Kreise, Böhmen, am 15. October 1848.

(Folgen die Unterschriften.) Um heutigen Sage stellte Fenneberg im Auftrage des Ober-Commando an den Gemeinderath das Ersuchen, die in dem Corps der Sicherheitswache befindlichen Individuen, welche in der Artillerie gedient hatten, sofort zur Dispofition des Artillerie-Commandanten zu stellen. An demselben Tage wendete sich Herr Josef Bronn, t. t. Major und Stuckguß-Director mit der Bitte an das Ober-Commando, seine Mannschaft, die seit dem 11. des Broteß entbehrte, da derselben der Durchgang durch die Stadt nicht gestattet wurde, entweder leşteren zu bewilligen, oder aber zur Vermeidung des Aufsehens, welches eine ziemlich zahlreiche Truppe erregen könne, einen Flechtwagen zur Ueberkommung von 530 Brotlaiben zu bewilligen. Legteres ist von Seite des Nationalgarde-Plaf-Commando bereitwilligst veranlaßt worden.

Am 15. langten 100 Centner Pulver aus Ungarn an, und wurden im Seilerstätter-Zeughause abgeladen. Es war größtentheils Stuckpulver und nur ein kleiner Theil war Scheibenpulver. Auf diese Nachricht verbreitete fich eine allgemeine Heiterkeit unter den Bewaffneten. Das Patronen-Erzeugen wurde von jeßt an großartig betrieben. Bei 200 Menschen, größtentheils Frauenzimmer, wurden zum Rollen der Patronenhülsen, und bei 80 zum Füllen derselben verwendet. Gleichzeitig wurden auch die Stuđpatronen erzeugt. Bei diesen Arbeiten waren viele mit Abschied entlassene Artilleristen angestellt.

Sämmtliche Munition sollte auf Befehl des Ober-Commando in diesem Zeughause erzeugt werden. Da jedoch der f. t. Artillerie Hauptmann Pecher die Waffen und die Munition in diesem Staat&gebäude zu retten nicht im Stande war, so suchte er wenigstens das Zeughaus vor jedem Unglücksfalle zu bewahren, und auf seine persönliche dringende Verwendung beim Ober-Commando ges dhah es auch, daß die Stuckpatronen nicht im Zeughause, sondern auf dem Bastion neben dem Karolinenthore erzeugt wurden. Für das Verfertigen der Infanterie

Es scheint, daß sogleide Beröffentlichung der Reic&tage - Prototode, besonder8 jene der stenographischen offizielen Reichstagsberichte eine große Nothwendigteit war, und nicht – so wie es mit legteren der Fall, erst dann geschehen sollte, als be: reits ein Theil der Beitgenossen selig entschlafen ist.

patronen aber wurden vom Gemeinderathe, auf wiederholtes Ersuchen des genannten Artillerie-Hauptmannes, zwei Markthütten aufgeschlagen; später aber ordnete das Ober-Commando an, daß alle Munition im l. Beughause in der Renngasse erzeugt werden mußte.

Am 15. erhielt $ auner, Lieutenant der bürgerlichen Artillerie, den Auf: trag vom Studenten-Comitee, mit zwei Kanonen und der nöthigen Bedienung zur Verfügung des Generals Bem fich zu stellen. Hauner, welcher diesen Befehl nur zu vollziehen sich erklärte, wenn ihn Messen haufer mitfertigen würde, schidte die Legionäre zum Ober-Commando, und dieselben famen nach furzer Zeit wieder zurüd mit demselben Befehl aber mit Messenhauser's Vidi versehen.

Artillerie-lieutenant þauner zog sohin mit diesen zwei Kanonen in das Belvedere ab; tafelbst angelangt, fand er vier bis fünf Bataidone Mobilgarden, eine Compagnie Brünner-Nationalgarden, eine starke Abtheilung Nationalgarde eines Stadtviertels, und achtzehn Geschüße mit der erforderlichen Bedienung und Bespannung.

Nachdem diese Befagung den ganzen Tag unter Waffen gestanden war, in der Erwartung der Dinge die da fommen werden, musterte General Bem Abends diese Truppe und ertheilte den Befehl einzurüden, aber als ein Theil der BesaBung eben im Begriffe war abzurücken, fielen einige Flintenschüsse, und ein oder zwei Schüsse des schweren Geschüßes vom Linienwalle aus, und ein panischer Schrecken überfiel einen Theil der Volfswehr. Viele liefen davon und ließen ihre Gewehre stehen. Bem sah fich veranlaßt, das Gitter beim Belvedere schließen zu lassen, er stellte das Feuern ein, welches abermals eine unzeitige Rampfbegier zum Grunde hatte.

Nachdem die Nuhe und einigen Theils die Ordnung wieder hergestellt war, rüdte die in das Belvedere commandirte Mannschaft ab, und es blieb nur die gewöhnliche Beragung in selber zurück.

Karl Schöffmann, bürgl. Bäder, Stadt, Naglergasse, berichtete dem Ober-Commando, daß, während er als Nationalgarde-Kavallerist im Dienste war, gegen zehn Bewaffnete in seinen Brotladen eindrangen, fein freiwillig angebo: thenes Brot annahmen, sondern die ganze Baarschaft, 10 fl. CM, von seiner Schwester unter Drohungen erpreßten, ebenso bei den bürgerl. Bädern, Gerber 5 fl., Wittmann 10 fl., Johann Spuller; in der Tabattrafil im Rothenthurmthore um 3 fl. Tabat und Zigarren. Legtere zwei Fälle wurden berichtet von Jos. Schnürer, Lieutenant und Wachcommandant am Rothenthurmthor.

In Folge derlei Vorfälle erschien nachstehende

„Rundmachung. Nach einer mir vom Gemeinderathe zugekommenen Mittheilung sollen bewaffnete Arbeiter und Garden hin und wieder herumziehen, um

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