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Das Aufgabsamt für Briefe bleibt übrigens zur Bequemlichkeit des Publikums bis 6 Uhr Abends offen, wenn gleich die nach den obigen Schlußstunden aufgegebenen Briefe erst am darauffolgenden Tage abgesendet werden. Wien, am 15. October 1848.

Bom t. t. Şofpostamte." ,,Die Nacht ist ruhig verflossen. — Es wird auch am Tage teine Verlegung unseres Weichbildes versucht werden. - Die Borposten müssen wie immer nach strengem militärischen Gebrauche zu treffen seyn. Die Nachtbereitschaft und die Lagesstellung find verschieden. Im legteren Falle muß ein bedeutender Theil jedes Postens hinlänglich ausruhen können. Die Herren Commandanten von Feldwachen, Piquets, Bereitschaften, Unterstüßungen, Reserven find mir hiefür verantwortlich. Dem Ansuchen um Geschüß auf Punkte, welche eine mindere Wichtigkeit im großen Vertheidigungszirkel einnehmen, darf von meinem Generalstabe keine Folge gegeben werden. Wien, am 15. October 1848.

M effenhauser, m. p., prov. Ober-Commandant." Am 15. wurden die von Süden antommenden Posten zum ersten Male im Hauptquartier des Feldmarschal-Lieutenant Grafen von A uers perg Behuf Zurückbehaltung von Dienstpaqueten eröffnet, aber das Briefgeheimniß bewahrt. Zu diesem Behufe und zur Regelung der Postabfertigung wurde ein t. t. Postbeamter nach Inzersdorf stationirt, an welchen die von Süden ankommenden und dahin abgehenden Posten zugefertigt wurden. Um aber der weiteren Influenz nicht durch jenen Aufenthalt störend einzugreifen, wurde die Abfahrt der sämmtlichen Posten von sieben Uhr Abends auf vier Uhr vorgestellt. Ferner wurden, da mit Ausnahme der Mariahilfer, recte Gumpendorfer Linie, der Ausgang von Reisenden sehr erschwert war, auch die böhmischen Posten über St. Pölten und Krems, die steyrischen über Schönbrunn nach Inzersdorf und Mödling instradirt.

Proklamation Sr. Majestät aus Olmüş. „An meine Völker ! Angekommen in Olmüß, wo ich vor der Hand zu verweilen gesonnen bin, ist es meinem väterlichen Herzen Bedürfniß, die wohlthuenden Beweise treuer Anhänglichkeit, welche ich a:af meiner Hieherreise von dem Volte allenthalben erhalten habe, anzuerkennen. Wenn ich in Mitte meiner Soldaten reiste, so geschah es darum, weil Uebelgefinnte das Land durchziehen, und ich nicht allenthalben Mich von meinem treuen Bolte umgeben finden konnte. Landleute meiner Staaten! vers traut auf euern Kaiser , - euer Kaiser vertraut auf euch. Die Befreiungen, welche das bereits erlassene Gefeß bezüglich der frühern unterthänigen auf Grund und Boden gehafteten Leistungen, als Robot, Zehent 2. euch zugesagt hat, find euch gefichert, und Ich erneuere euch diesfalls mein kaiserliches Wort, so wie ich es während Meiner Reise mehrmahls mündlich Rundgegeben habe. Es ist Mein fester Entschluß, euch diese Befreiungen zu wahren. Seid daher ruhig und uns besorgt Meine treuen Landleute, und wenn es Menschen gibt, welche das Wort

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eueres Kaisers, in eueren Augen zu verdächtigen suchen, so seht sie als Berrä: ther an Mir, und eueren eigenen Wohle an, und benehmt Euch hiernach. Ferdinand, m. p.

Wefsenberg, m. p.“ Uebersicht der bewaffneten Macht des Bezirkes Wieden.

(Hauptquartier, Theresianum.) Bertheidigungsleiter des Bezirkes Wieden: Johann Moser. Stab. Bezirks-Chef: Theodor Sirn; Adjutant, Oberlt. Breitenfeld;

Plaß-Offiziere beim Bezirte-Commando: Anton Werner *); Mathias Ehrenfeld.

Orbonanz - Offiziere beim Bezirks - Commando: Emanuel Wall ner; Ludwig Wallner; 2008; $uffon.

1. Bataillon. Bataillons-Commandant Ignaz Eschenb a cher; Adjutant, Lieutenant Joseph Schenk. 1. Comp., Sauptm. Ferd. Ulrich; 2. Comp., Sptm. sg. Brandeder; 8. Joh. Sreitl; 15.

Joseph Mayer; 20. Jul. Roller; 22.

Karl Schwab. 2. Bataillon. Bataillons - Commandant Leopold Moser; Adjutant, Lieutenant Franz Fr a n }.

3. Comp., Oberl. Anton Gilling; 4. Comp., Sptm. Ludwig Mobn; 6. þauptm. J. Smid;

7.

Fr. Aidhinger; 12. A1. Marqui8 v. Fabris; 16.

Laur. Rehmann. 3. Bataillon. Bataillons-Commandant: Johann Schweißer. 5. Comp., Hauptm. Jos. Bellmann; 13. Comp., Hptm. Lorenz Berr; 14. Rost; 17.

Johann Casel; 23. Joh. Schweißer; 24.

Friedrich Serr. 4. Bataillon. Bataillons-Commandant: Ram&perger; Adjutant, Lieutenant Rirer.

9.Sp., $ptm. Leop. Weißenberger; 10. Comp., $ptm. Egid. Heißer; 11. Adam uimer;

Karl Sylvester; 19.

Johann Schmid; 21. Lieut. S. R. Dantel.

Stärke der Bewaffneten des VII. Bezirtes: 1. Bataillon

1903 Köpfe 2.

1697 Fürtiag. 3600 Köpfe

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18.

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*) Unter den Se'te IV. genannten Mitwirfenden an dieser Schrift, ist vornehmlich

dieser au&gezeichnete, mir permanent behilfliche Offigier zu nennen. Dr.

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Uebertrag . 3600 Köpfe 3. Bataillon

2597 4.

2685 Artillerie, mit 4 Kanonen, Hauptm. Fr. Werner

206 Grenadiere, Hauptmann Linder

145 Schüßen, Oberlieut. Johann Steinmet

114 2. Comp. des Bürger-Regiments, Hauptm. Jof. Wieringer 243 3.

Jos. Mudenthaler 174 Linger- und Wiener-Freiwillige (nicht eingereiht)

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Zusammen. 9849 ,,Es schmerzt mich zu vernehmen, daß, aus dem Umstande, weil gestern Abends um 10 llihr von St. Stephan Rateten-Signale aufstiegen, beunruhigende Gerüchte Wurzel faffen fonnten. Mitbürger aller Alter und Stände! Ich beschwöre Euch, dem Ober-Commandanten unbedingt zu vertrauen. Der St. Stephansdom ist zur Beobachtung der lagernden feindlichen Gruppen ausschließlich von dem mir empfohlenen Vertrauensmännern besegt. Ich ganz allein gebe Befehle; Signale vom Thurme bei Tag oder Nacht dürfen Niemand beunruhigen, weil, wenn Grund biezu vorhanden, ich solches dem Publikum mitzutheilen nicht unterlassem werde. Bloß strategische Gründe der äußersten Wichtigteit, die ich Niemanden anvertrauen darf, tönnen mir das Gegentheil aufnöthigen. Neueste N a dh ridh t! Es ziehen sich große Sruppenmassen der t.t. Armee in größerer und geringerer Nähe im Westen und Norden zusammen. Ich werde den Umständen gemäß handeln. Wien, am 15. October 1848.

Meffenhauser, m. P.,

provisorischer Ober-Commandant." „Kundmachung über die Plakate von Seite des gegenwärtigen Ober-Commandos. Mitbürger! Der gefertigte Ober-Commandant hat es sich vom Antritte seines Amtes an zur Heiligsten Pflicht gemacht, mit vollster Offenheit zu dem gefammten Publikum über sein Wirten zu sprechen. Diese seine Absicht ist an der Mangelhaftigkeit der Einrichtung theilweise verunglückt. An den wichtigsten Pläßen find die von dem Ober-Commando biß nun zu verfaßten Plakate nicht gesehen worden. Ich betraue Herrn Christian Baute mit der emergischsten Ausführung dieser Maßregel. Sie ist eine Lebensfrage. Herr Baute ist dem OberCommando direkt verantwortlich. Wien, am 15. October 1848.

Messenhauser, m. p., provisorischer Ober-Commandani."

Aus vielfachen Aeußerungen des Ober-Commandanten hat es sich herausge: stellt, daß ihm die von den National-Garde-Bataillonen gepählten Plaßoffiziere ein Dorn im Auge waren. Bei Gelegenheit, als obiges Plakat verfaßt wurde, muthete der Ober-Commandant den Plaß-Offizieren zu, sie sollten die richtige

Affigirung aller seiner Plakate unmittelbar überwachen. Doch da die gedachten Şerren zu solchen Geschäften sich um so weniger herbeilassen wollten, als denselben der ultraradikal - demokratische Bombast und das ganze Getriebe der Fremden, ein Gräuel war, haben sie jene Zumuthung energisch zurückgewiesen, und so wurde Herr Baute vom Ober-Commandanten zu diesem Geschäfte erliefen. Flucht des Präsidenten des demokratischen Vereines, Tausena u.

Bon den Landleuten wurden in den ersten Tagen des October8 bedeutende Quantitäten an Brot, Erdäpfel 2., dem Central-Comitee der demokratischen Vereine zur Bertheilung an die ärmere Bevölkerung überbracht. Dieser Centrals Berein hielt seine Sißungen in der Shulenstraße, im Gasthause „zur Ente,“ und hatte daselbst auch seine Magazine, wo die vom Lande empfangenen Lebensmittel aufbewahrt wurden.

Am 15. Oct. Vormittags wurden alle vorhandenen Lebensmittel auf zwei Wagen geladen, mit der Bestimmung, fie an die im Belvedere lagernden Garden der mobilen Corp8 zu vertheilen. Doch diese Piktualien wurden nicht in das Belvedere gebracht. Ein Proletarier, dem die entgegengesegte Richtung, welche die Wagen nahmen, verdächtig vorkam, folgte in einiger Entfernung und machte die überraschendste Entdeckung, daß alle Lebensmittel in der Vorstadt Josefstadt, Schwibbogengasse nädst dem Auersperg'schen Palais, in einem Privathause hastig abgeladen und verborgen wurden.

Entrüstet und in höchster Wuth über diesen Raub eilte der Proletarier in die Stadt zurüd in das genannte Gasthaus, und erzählte den nach und nach in Massen sich versammelnden Genossen, den empörenden Diebstahl. Die Menge tobte, schrie, und nach längerem Berathen wurde der Beschluß gefaßt, den Präsidenten Saufenau und den Demokraten Chaises an die Laternen aufzuhängen. Doch diese beiden von der Volks justiz Verurtheilten ver bargen fich in einem Verstede und trafen die Berfügung, daß sämmtliche Lebensmittel Nachmittag8 4 Uhr zurückgelangten. Das Volt fiel über die Wagen her, nahm sich und vertheilte nach Widführ unter den Anwesenden, was jeder haben wollte; und so geschah es, daß auf die Execution der beiden Verurtheilten vergessen wurde.

Jaufenau, der Vater des Voltes, der zerreißer der pragmatischen Sanktion im Fenster von þanns Kudlich, verließ aber heimlich bei Nacht in einem Fiaker das Gasthaus *).

*) Das war der Präsident des demokratischen, d. 5. voltsfreundlichen Bereinet; mein

gute8, aber von solchen Polksfreunden verschachertes, betrogener, verführtes, auf die Schlachtbant geführtes Volt von Wien! – Freunde ! nehmt Euch die blutige Erfahrung zur Lehre, schließt ifnen Euer gute8, gemüthliches Berz nicht ferner auf, flieht die Apostel des Verderbens – sie sind Verbrecher gewesen an Euch,

Dieser Diebstahlsversuch an dem Gute der ärmeren Bevölterung war in Wien die leßte Sandlung des Präsidenten des Wiener-Demokraten-Vereines; er entfloh, für sein Leben Alles befürchtend, von Wien nach Ungarn; verachtet und verspottet von der Hefe des Bolfes, und mit dem Fluche aller Nedlichdenkenden belaben.

Chaise 8 dagegen blieb in Wien, vertheilte am folgenden Tage Brot an Weiber und Kinder, und suchte dadurch wieder in den Besig der verlornen Popularität zu gelangen

„Bürger von Wien! Unsere Sarhe ist der Entscheidung nahe! Die Magyas ren, diese tapfern Freiheitskämpfer haben sich mit ung vereinigt. Sie werden mit uns gemeinsam gegen Jellači č kämpfen. Ihr kennt ihn und sein Streben, und wißt, ob wir ihn zu fürchten haben. Aber Eines ist nöthig , Brüder! Standhaftigkeit, Ausdauer ! Wir müssen uns nicht von der Kampfbegierde, die uns beseelt, hinreißen lassen.

Wir haben einen biedern, energischen, thatkräftigen Commandanten, Herrn Meffenhauser. Vertrauen wir ihm ganz und völlig ! Wir handeln zusammen mit den tapfern Magyaren! Diese gemeinschaftlichen Maßregeln machen eß nöthig, daß wir im strengsten Einklange und mit Behutsamkeit vorgehen. Darum, theure Brüder ! Hütet Euch vor jeder Uebereilung. Wir fordern Euch auf, bitten und beschwören Euch, nicht ohne Befehl des Herrn Ober-Commandanten zu unternehmen, und von Eurer heißen Kampfeslust Euch nicht zu einem vorzeitigen Anfalle verleiten zu lassen. Wir wollen fichern und ruhigen Schrittes, aber um so fester und entschiedener unser Ziel erreichen. Dieses Ziel ist die Rettung des Baterlandes und die Wahrung der Freiheit. Wien, am 15. October 1848.

Der Ausschuß der Studenten.“

am Baterlande. – Die Erfahrung lehrt es ja. Mit Erhebung, mit wahrhafter Befriedigung nehme ich seit Ersdeinen dieses Werkes die Ueberz ugung wahr, daß die radikalften Wiener jegt, da sie wissen, wofür sie tämpften, ihre Verblendung bereuen. Biele Anerkennungen, öffentlich und privatim, tommen mir deshalb zu, woraus ich mit Genugthuung nur eine, von einem Hochachtbaren Manne, vorführe, und zwar: „In der von Ihnen verfaßten Denkschrift erkenne ich nach Lesung der erschienenen zwei Shelle ein Wert, welches sich durch Unpartheilichkeit auézeichnet. Eine weitere Zierde desselben ist der populäre Styl, der es auch den unteren Volteschichten leicht verständlich macht, welcher Umstand nur die wohlthätigsten Fol: gen haben muß, weil viele von denjenigen, welche nicht fähig waren über die ür: rachen der Ereignisse, so wie auch über die daran geknüpften Absichten, selbstftan: dig aburtheilen zu können, somit zur Anhänglicteit an die schlechte Sadie sich leicht verführen ließen, - qul Ihrem Werte zur wahren Erfenntniß fommen, und einsehen werden, daß sie hintergangen wurden a. ......"

Dr.

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