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BibliSche Medicin, Zur Bibel. Naturhistorische, anthropologische u. medicinische Fragmente von J. C. Friedreich. gr. 8. Erster Theil. VII 334 S. Zweiter Theil. IV 215 S. Nürnberg, Bauer u. Raspe. 1848. (32 Thlr.)

Studien, aus welchen das vorliegende Buch hervorgegangen, gehören gewiss zu den seltensten, denen ein Arzt in unsern Tagen sich hingeben mag. Wer in Choulant's Bibliotheca medico – historica den Abschnitt Medicina in theologicis und biblica durchläuft, wird kaum oder höchstens eine und die andere Schrift finden, die dem jetzigen Jahrhundert angehört; die meisten stammen aus einer Zeit, welche von vielen als eine längst überwundene fast nur mit Achselzucken betrachtet wird. Damals freiIich stand medicinische, auch mit der Theologie sich gern befreundende Gelehrsamkeit noch in Ansehn und Ehren, auf die sie heutzutage nicht mehr rechnen kann, wo anderen Göttern oder Götzen gehuldigt wird. Unsere Aerzte, oder doch ihre Stimmführer, welche jetzt alles Heil und den Ruhm einer 2, exacten Wissenschaft" für die Medicin von der Vervollkommnung ihrer mikroskopischen und aller übrigen mechanischen und chemischen Subsidien erwarten, aber in der That es nicht viel weiter gebracht haben als ihre Vorgänger aus der Perückenzeit um es am Ende gehn zu lassen, wie's Gott gefällt – haben jetzt weder Zeit noch Sinn für Forschungen, wie sie der Titel unseres Buches angiebt. Rechnen wir hiezu noch das allesverschlingende Interesse der Politik, welcher niemand sich entziehen kann, so tritt der Vf, allerdings unter ungünstigen Auspicien auf. Indessen zweifeln wir nicht, dass er für die Gleichgültigkeit der Fachgenossen durch die Anerkennung entschädigt werden wird, welche ihm bei Theologen und allen Freunden urgeschichtlicher Forschungen gewiss ist, und die gerade jetzt ein Buch willkommen heissen werden, welches aus der tobenden Gegenwart in die stillen Hallen der ent

ferntesten Vergangenheit führt und diese mit der Fackel der Wissenschaft beleuchtet. Der Weg, welchen der Vf dabei eingeschlagen, hat auf Beifall zu rechnen, da er den historischen Boden nie verlässt und gleich entfernt von blinder Orthodoxie, wie von frivolem, alles zu Symbol und Mythe ausdeutendem Skepticismus vorzugsweise derjenigen Betrachtung Raum giebt, welche „ das in der Bibel Gegebene als etwas Objectives erfasst, es jedoch so zu deuten sucht, dass es mit der Anschauungsweise der reinen Vernunft vereinbar sey." Dabei hat Hr. F. durchgängig von aller eitlen Erklärerei sich fern gehalten und keinen Augenblick die Pietät und den Ernst bei Seite gesetzt, welchen die Aufgabe erfordert. Versuchen wir nun den Inhalt etwas näher zu bezeichnen, welcher, ohne eine systematische Form zu beanspruchen, in einzelne Abhandlungen oder Fragmente zerfällt, wie der Vf. sie genannt wissen will.

Der 1. Theil bringt 14 solcher Fragmente in folgender Ordnung. 1. Erklärung von Thiernamen. In diesem neuesten Hierozoikon werden uns vorgeführt zuerst der Schaphan, nach Hrn. F. Hierar syriacus, der syrische Klippendachs. Von Vögeln Janschuph (wahrscheinlich der Uhu), Tinschemeth (von einigen ebenfalls für eine Nachteule gehalten, vielleicht der purpurfarbige Fischreiher) und Anaphah (Charadrius ?). Die in der Bibel vorkommenden vier Heuschreckenarten, Arbeth, Solam, Chargol und Chagab, welche Michaelis für die verschiedenen Verwandlungen einer und derselben Heuschrecke ansehn wollte, sollen nach Tychsen's auch nicht hinreichend begründeter Bestimmung Gryllus gregarius Forsk., Gr. eversor de Asso, G. gurges de Asso und G. coronatus Lin. seyn. Anak, Coach, Letaah, Chomet und Tinschemeth, welches auch als Vogel vorkommt, sind Eidechsen, doch dürfte es kaum möglich seyn, die Arten zu bestimmen. Mit grösserer Gewissheit kann man Akko, Dischon, Theo und Zemer für Antilopen – oder Gazellenarten erklären. Akko, von den Alexandrinern durch tgayé.apog übersetzt, soll Antilope Lervia seyn, Dischon A. pygarga, n. A. Capra Dorcas Lin., Theo A. bubalis, während Zemer, worin man ohne rechten Grund die Giraffe erkennen wollte, wohl nur eine nicht näher zu bestimmende Gazelle ist. Reem, ein gehörntes Thier, wird vom Vf, auf das Einhorn gedeutet; Behemoth auf das Nilpferd; Leviathan, gewöhnlich für den Wallfisch gehalten, auf das Krokodil. Semamith, von welchem Thier Salomo sagt dass es sehr klein, aber sehr klug sey, dürfte eine Eidechse (stellio veterum?), vielleicht identisch mit Letaah seyn. Thannim, überhaupt ein grosses Wasserthier, bedeutet nach des Vf's gewiss richtiger Erklärung wieder das Krokodil, und das in den Psalmen vorkommende Thier des Schilfes (Chajath –Kanah) wahrscheinlich keine besondere Thierart, sondern jedes im Schilfe lebende Thier, dessen Charakter Furchtsamkeit ist. 2. Vom Versehen der Thiere. Das bekannte Verfahren Jacobs, sich gesprenkelte Lämmer zu verschaffen, bcgründet der Vf, durch viele Beispiele aus dem Thierund Menschenleben vom Einflusse der mütterlichen Einbildungskraft auf die Frucht. 3. Zur Heilquellenkunde. Das Wort Jemim, nach einigen einen Völkerstamm, die Jemiten, nach andern Maulesel u. dgl. m. bedeutend, wird hier auf den Grund älterer und neuerer Zeugnisse von Reisenden durch warme Quellen (in der Wüste) wiedergegeben und weiterhin die Trinkbarmachung der bittern Quelle zu Mara durch ähnliche Beispiele aus neuerer Zeit erklärt. Sehr interessant sind die vom Vf, über die Heilkraft des Teiches Bethesda mitgetheilten Meinungen der Gelehrten; er selbst will darin ein Mineral–Schlammbad erkennen, welches von Zeit zu Zeit durch unbekannte Ursachen (den äyye og der heil. Schrift) in Bewegung, vielleicht Gährung gerieth. Die Quelle Siloah im Thale Hinnon soll die Verdauung befördert und in Augenkrankheiten gute Dienste geleistet haben. 4. Zur Wahrungsmittelkunde. Fleischspeisen; Milch (Chalab, frische süsse und Chemah, geronnene Milch, welche beide Abraham seinen Gästen vorsetzte; auch Kameclmilch wurde genossen ). Fische werden nur im Allgemeinen erwähnt. Heuschrecken (óxgtóeg), wie sie Johannes in der Wüste ass, haben einige Commentatoren anders interpretiren wollen, doch werden sie bis auf den heutigen Tag vom Volke in Aegypten, Syrien und Arabien als Speise benutzt. Wilder Honig, ebenfalls dem Johannes zur Nahrung dienend, kommt öfters vor. Feigen werden in meh– reren Sorten unterschieden, Gurken gehörten nebst

den Melonen, den Zwiebeln, dem Lauche und Knoblauche, welche sie zurückwünschten, zu den beliebten Speisen der Israeliten; für ein Linsengericht ist das Recht der Erstgeburt feil. Ginsterwurzel vertritt bei Armen die Stelle des Brodes (Hiob 30, 3). Getränke werden zuweilen mit Schnee gekühlt. Auch Wein, besonders der Christo dar

gereichte Myrrhenwein, und Essig werden bespro

chen, sehr ausführlich aber Manna und Wachteln, die in der Wüste als Speise dienten. Letztere, in welcher einige Ausleger Heuschrecken, fliegende Fische oder Perlhühner erkennen wollten, scheinen eine Krankheit erzeugt zu haben, welche wohl nicht richtig von Wavruch für Cholera gehalten wird. 5. Die Speisegesetze. Das Verbot Fleisch in seinem Blute zu essen, soll seinen Grund haben in der barbarischen Sitte der Orientalen, lebenden Ochsen Stücke Fleisch auszuschneiden und dies zu verzehren, dann die Thiere zu heilen und sie gelegentlich wieder so zu benutzen, von welcher Grausamkeit Moses die Israeliten fern halten wollte. Das Verbot Fleisch zu essen, das auf dem Felde zerrissen worden, erklärt sich wahrscheinlich aus der Schädlichkeit des Fleisches gehetzter oder von tollen Wölfen gebissener Thiere. Dass das Böcklein nicht in der Milch (?v yá?axr) seiner Mutter gekocht werden solle, will der Vf, durch an der Milch übersetzt wissen, d. h. als ein säugendes, da die hebräische Präposition ba ebensowohl „an" als „in" bedeutet. Wirklich hat auch schon Luther es mit an übersetzt. Das verschiedentlich erklärte Gesetz bezieht sich wohl auf die Unvollkommenheit und Unreife gar zu junger Thiere, die weder zum Genusse noch zum Opfer geeignet sind. Das Verbot Fett zu essen hat seinen Grund theils darin, dass dem Orientalen Fett überhaupt als das Beste galt, was zum Opfer bestimmt war, theils durch den Genuss desselben die Entstehung von Hautkrankheiten begünstigt werden soll. Endlich werden noch die mancherlei Gründe für das Verbot des Blutessens und der Unterschied reiner und unreiner Thiere erwogen. 6. Die ägyptischen Plagen. In diesen erkennt der Vf, wie schon Schnurrer u. A. vor ihm, die Reflexe kosmischer und tellurischer, jedoch keinesweges immer über das ganze Land verbreiteter Vorgänge. So findet die s. g. Verwandlung des Wassers in Blut noch heute statt, wenn zuweilen der Nil beim Steigen eine rothe Farbe annimmt, wozu sich damals eine eigenthümliche Insalubrität des Wassers gesellt haben mag

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In Folge derselben verliessen auch die in Aegypten noch heute sehr zahlreichen Frösche (Runa punctata L.) das Wasser, wenn nicht gleichzeitig auch andere Umstände eine plötzliche und zahlreiche Vermehrung derselben hervorriefen. Die Plage durch Läuse, wie man gewöhnlich das hebr. Kinnim übersetzt, will unser Vf, in Stechmücken verwandelt wissen, also eine Art Mosquitos. Schon die Septuaginta übertragen das Wort durch oxvqeg, Schlüpfwespen (nach Pape u. A. eine vorzüglich Feigen benagende Ameisenart). Die Mückenplage ist auch jetzt noch in Aegypten unerträglich. Unter dem in der vierten Plage erwähnten Arob, welches die Septuaginta durch xvvóuvua, Luther durch Ungeziefer übersetzen, und die Rabbinen u. a. Ausleger sehr verschieden erklären, will Hr. F. mit Oedmann die Blatta orientalis erkennen. Die fünfte Plage ist eine Viehpest, die keines Commentars bedarf. In der Plage durch Blattern (Schechim) haben einige bösartige Pocken erkannt, nach unserem Vf. soll es der öfter in Aegypten vorkommende, aus grossen Blattern bestehende Hautausschlag seyn, den man Nilsaamen oder Nilkörner (Habe – Nili ) nennt. Die Plagen durch Gewitterhagel und Heuschrecken bieten der Erklärung wenig Schwierigkeiten dar. Was die Ursache der Finsterniss gewesen sey, welche man übrigens nicht buchstäblich zu nehmen hat, dürfte schwer zu ermitteln seyn; möglich, dass dicke Nebel, schwarze Wetterwolken oder der heisse Südwind Chamsin die Atmosphäre verdunkelten. Beispiele ähnlicher Erscheinungen kommen auch in der späteren Geschichte Aegyptens vor. Ueber das Sterben der Erstgebornen theilt Hr. F. keine neue Ansicht mit. – 7. Zur GeburtsJeunde. Die älteste Geschichte derselben findet auch in der Bibel sehr interessante Beläge. Zuerst giebt der Befehl des ägyptischen Königs an die hebräischen Wehemütter Siphra und Pua dem Vf. Gclegenheit zu zeigen, dass ursprünglich alle Hülfe bei der Geburt lediglich von Frauen geleistet wurde. Das dabei im Urtext (2 Mos. 1, 16) vorkommende Wort Efnoim, welches von Luther durch Stuhl übersetzt, von den Septuaginta gar nicht berücksichtigt und von den neuesten Gelehrten durch steinerne Badewanne, Geburtsstuhl und selbst durch Hoden erklärt worden ist, will der Vf. durch Tö– pferstuhl wiedergegeben wissen, wodurch bildlich die Lage der Gebärenden bezeichnet und mit der Stellung eines auf seinem Stuhle arbeitenden, die Beine auseinander spreizenden Töpfers verglichen

werden soll. Veranlassung zu dieser Ansicht gab ihm eine im Talmud aufgefundene Stelle. Von einzelnen in der Bibel vorkommenden Geburtsfällen bespricht Hr. F. die Niederkunft der Rebecca, der Thamar (hiebei manches Interessante über die symbolische Bedeutung des rothen Fadens an der Hand des erstgebornen Zwillings), der Rahel und des Weibes Pinehas, deren Entbindung durch eine heftige physische Erregung beschleunigt wurde. 8. Von der Pflege der Weugebornen. Ein Commentar zu Ezech. 16,4 betreffend das Abschneiden des Nabels, Baden und Abreiben mit Salz bei Neugeborenen. Letzterem wird hier auch eine symbolische Bedeutung beigelegt. CD e r Beschluss folgt.)

Das Eigenthum. 1) Thiers. Ueber das Eigenthum. Ins Deutsche übertragen von P. E. Obermayer u. s. w. 2) Das Eigenthum. Von A. Tebeldi u. s. w. (Beschluss von Nr. 123.) Der Staat darf nicht mehr von seinen Bürgern fordern, als es die allgemeine gesellschaftliche Ordnung verlangt; auch darf er Keinen bevorzugen; vielmehr muss er Allen die gleiche Last aufbürden. Vor Allem zeigt sich das Recht des Staats über das Eigenthum der Einzelnen in dem Besteuerungsrechte. Ohne Steuern zu erheben, könnte der Staat gar nicht existiren. Dass nun der Staat nicht mein ganzes Eigenthum nehmen darf, dies beweist durchaus nicht, dass das Eigenthum vom Staate irgend wie selbstständig ist. » Wer das Recht hat, Theile meines Eigenthums für sich zu nehmen, deren Grösse er selbst und nur er zu bestimmen hat, der hat unstreitbar mit meinem Eigenthum zu verfügen." Wir sehen aus diesem Beispiele, wie leicht es sich der Vf. macht. Das Eigenthum ist in der Natur der Sache gegründet, kann doch nichts Anderes heissen, als: das Eigenthum ist eine wesentliche, nothwendige Bestimmung in dem Begriffe des Menschen; der Mensch ist wirklich, vollständig Mensch erst dann, wenn er die für sich herrenlose Sache in Besitz nimmt. Dieser Ansicht stellt der Vf, die andre gegenüber: das Eigenthum ist eine Staatseinrichtung. Der Vs. kennt in der eben angeführten Untersuchung nur diese Alternative. Welche Conscquenzen würden hieraus für den Begriff des Staats zu ziehen seyn! Soll denn der Staat nur im Gegensatz stehen zu dem in der Natur der Sache Gegründeten? Soll der Staat nur solche Gesetze geben, welche das Wesen des Menschen nicht ausdrücken? Hat nicht vielmehr der Staat eben dann das Eigenthum zu schützen und gesetzlich zu sanctioniren, wenn dies eine an und für sich nothwendige, durch die Vernunft der Sache geforderte Bestimmung des menschlichen Wesens ist? Und hat denn die Majorität, welcher der Vf, alle Entscheidung zuerkennt, nichts mit dem objectiven Wesen der Sache zu thun ? Gründet sich die Geltung der Majorität nicht eben in dem Vertrauen, dass der übereinstimmende Wille der Meisten auch der vernünftige, dem Wesen der Sache gemässe seyn werde? Eben darum, weil die Geltung der Majoritat nur diesen Sinn hat, hat noch kein Staat der blossen, kahlen Majorität ohne irgend welche Beschränkung die gesetzgebende Gewalt anvertraut. Die Behauptung ferner, dass der Staat bisher immer über das Eigenthum verfügt habe, ist offenbar – in dem Sinne wie sie der Vf. nimmt – eine sehr übereilte. Wenn sich der Vf, einfach auf das Recht des Staates beruft, Steuern zu erheben, so würde eine weitere Untersuchung über das VVesen der Steuer und über die Formen durch welche in einer freien Verfassung die Willkühr der Steuererhebung gebrochen wird, sehr bald gezeigt haben, wie der Staat durch Erhebung der Steuer gerade für die Erhaltung des Eigenthums sorgt, anstatt willkührlich darüber zu verfügen. Den „Vorschlägen zur Reorganisation des Eigenthums" lässt der Vf, vorausgehen drei Kapitel, welche handeln 1. von dem gebundenen Eigenthum und den Vortheilen, welche es der Gesellschaft gewährt; 2. von dem freien Eigenthum und seinen nothwendigen Folgen, und 3. von der Desorganisation der Gesellschaft. Der Vf, sucht zunächst zu zeigen, dass „die Sünftige Zeit die richtigste Vertheilung der Lebensbedingungen, welche der menschliche Geist bisler ins Leben zu rufen vermochte, verwirklicht habe." Die Formen dieser zünftigen Zeit sollen vom Staate zerstört seyn vor Allem, um mehr Geld und Militär aus den Unterthanen herausziehen zu können. Eben in dieser Zerstörung aber sieht der Vf, den wesentlichen Grund der allseitigen Desorganisation der Gesellschaft. Seine praktischen Vorschläge gehen daher auch im Allgemeinen dahin, das freie Eigenthum

wieder aufzuheben. So fordert also der Vf. 1. der. in zu kleine Stücke zerbröckelte Boden wird allmählig auf Besitze zurückzuführen seyn, welche hinreichen, eine Familie zu erhalten. 2. Der in grosse Besitze vereinigte Boden, welcher eine übergrosse Menge Tagelöhner in das Leben ruft, wird allmählig in Höfe abzutrennen seyn, welche nicht mehr Ertrag geben, als wovon eine Familie bequem auszukommen vermag. 3. Alle Einrichtungen, welche möglich machen, dass die einzelnen Bauerhöfe nicht zureichen, dem Besitzer und seiner Familie ein bequemes Auskommen zu geben, werden abzuschaffen seyn. 4. Der Gemeinde ist ein nicht unbeträchtliches Eigenthum wieder herzustellen. - 5. Das Loos der mit Feldarbeit beschäftigten Hülfsarbeiter ist sicher zu stellen. – Analoge Forderungen stellt Hr. Tebeldi auch in Bezug auf die Industrie. Die Stadt soll nach ihrer Grösse mit einer Anzahl Landgemeinden untrennbar verbunden seyn. - Diese dürfen ihren Bedarf an Fabrikaten nur von jener Stadt entnehmen, dürfen auch nicht selbst Fabriken anlegen u. s. w. Um eine Unterordnung des Kapitals unter Boden und Arbeit herbeizuführen, fordert der Vf eine viel höhere Besteuerung der Fabriken und Maschinen, dann Abschaffung sowohl der Staats- als der Handelsbanken u. s. w. Besonders um alle diese Vorschläge in die Wirklichkeit zu setzen, bedarf der Vf der absoluten Gewalt des Staats über das Eigenthum. Hat der: Staat das Eigenthum gehörig vertheilt, und so für das Glück seiner Unterthanen gesorgt, so hat er dann nur die Aufgabe, dieses Glück zu beschützen. Der Vf hat durch seine Darstellung sehr wenig dafür gesorgt, seinen praktischen Vorschlägen auch nur einiger Massen Eingang zu verschaffen. Ref. meint aber auch, dass hier alle Mühe vergeblich gewesen wäre. Das Ideal des Vf's „die zünftige Zeit" ist nicht so äusserlich zu Grunde gegangen, wie der Vf, es darstellt; sie ist vielmehr zu Grunde gegangen durch die nothwendige Entwickelung der socialen Verhältnisse ebensosehr wie des politischen Bewusstseyns. Darum ist es aber auch unmöglich, der Noth des gegenwärtigen socialen Lebens, welche doch immer nur die Schattenseite von historisch berechtigten Principien ist, in so äusserlicher und gewaltsamer Weise beizukommen, wie der Vf. es vorschlägt.

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Monat Junius.

ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG 1S49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Biblische Medicin. Zur Bibel – von J. C. Friedreich u. s. w. (Beschluss vom Nr. 124.)

9. nreinheit der Menstruirenden und Wöch– nerinnen. Die erstere ist wahrscheinlich begründet in der vollends im Alterthume sehr verbreiteten Annahme, dass das Menstrualblut schädliche, selbst giftige Eigenschaften besitze; die letztere, wie der Vf, nachweist, war auch bei vielen Völkern angenommen und von eigenen Reinigungsgebräuchen begleitet. Der Grund, weshalb Moses in Bezug auf die Zeit der Unreinheit einen Unterschied hinsichtlich des Geschlechts gemacht hat (während der lochia rubra war die Frau bei einem männlichen Kinde 7, bei einem weiblichen 14 Tage unrein), ist aus der Bibel nicht ersichtbar und physiologisch erklärbar, wiewohl es nicht an den wunderlichsten, vom Vf. mitgetheilten Meinungen hierüber gefehlt hat. In einem Excursus handelt Hr. F. noch von den Reinigungsbädern der jüdischen Frauen, wozu er hauptsächlich die Schrift Mombert's: das gesetzlich verordnete Kellerquellenbad der Israelitinnen. Mühlhaus. 1828 benutzt hat. 10. Ueber Pae– derastie und Sodomie. – 11. Zur Geschichte der Aphrodisiaca. Es handelt sich hier um die so mannigfach erklärten Dudaim, welche u. a. Rosenmüller für eine Art kleiner Melonen (Momordica Luffa L.), unser Vf, dagegen mit guten Gründen für den Alraun (Atropa Mandragora L. ) hält. 12. Die angeblich hohe Lebensdauer der Altväter. Bekannt1ich haben die grossen Jahrzahlen, zu welchen die Bibel das Leben der Patriarchen aufsteigen lässt, den Auslegern viel zu schaffen gemacht. Die Ansicht des Hrn. F. besteht darin, dass er, der biblischen Sprachweise folgend, in einem einzelnen Namen einen ganzen Stamm oder ein Volk erkennen will und die Ausdrücke „zeugen, leben und sterben" auf den Anfang, die Dauer und das Erlöschen eines ganzen Stammes oder Volkes bezieht. Mit jenen Namen und Zahlen wären also grosse geschichtliche Perioden bezeichnet worden; man habe

versucht mit den durch die Sage aus der frühesten Zeit übrig gebliebenen Namen ein zusammenhängendes Geschlechtsregister zu bilden, wobei die Lebensdauer der einzelnen Individuen verlängert werden musste; auch sey man dabei wohl von der Ansicht ausgegangen, dass vor der Fluth, in Folge einer einfacheren und naturgemässeren Lebensweise, die Longaevität grösser gewesen sey als spä– terhin. Und so sey die Angabe der hohen Lebensdauer rein mythischer Art. 13. Traumbilder. Von den in der Bibel vorkommenden Träumen bespricht der Vs. zuerst den Traum Jacob's am Jabok. Das sehr verschieden gedeutete Ereigniss des Ringens, welches Jacob mit einem Unbekannten bestand, erklärt er für einen Traum, veranlasst durch die Combination der Furcht Jacob's vor Esau's Ueberfall und seines Vertrauens zu Jehova; ein durch vorausgegangene körperliche Anstrengung erzeugtes Leiden des Hüftgelenkes sey die materielle Veranlassung zu dem einzelnen Traumbilde, der Verrenkung, gewesen. Der Traum der h. drei Könige, der sie veranlasste, bei der Heimkehr einen andern Weg als den über Jerusalem einzuschlagen, und namentlich der Umstand, dass drei Individuen dasselbe träumen, wird genügend erklärt. Nicht minder leicht erklären sich die Träume Joseph's, des Pflegevaters Jesu. Auch die Erscheinung des Tuches voll reiner und unreiner Thiere, welche Petrus zu Jaffa sah, hält der Vf, für einen aus der Lage und Stimmung des Apostels nicht schwer zu erklä– renden Traum. 14. Krankheiten und Missbildungen. Dieses schon häufiger von Gelehrten bearbeitete Thema verdankt auch Hrn. F. manchen interessanten Beitrag und Aufschluss. Die von ihm zur Betrachtung gezogenen Krankheiten sind a. die Pest. Als eine solche erkennt er die Niederlage an, welche der „Engel Jehova's" im Lager Sanherib's unter den Assyrern anrichtete. Das Geschwür des gleichzeitig erkrankten Königs Hiskiah, welches mit einem Feigen-Kataplasma behandelt wurde, deutet er auf eine Pestbeule, entgegen der Ansicht Häser's, der hier keine Spur von Pestbubonen finden will. b. Der

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