Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat Mai.

18-49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Zur Kirchenreform. 1) Die freie deutsch evangelische Nationalkirche. Ein Votum zur Begründung dieser wichtigen Forderung unserer Tage von Rich. Möbius, ev. Pfarr. zu Traishorloff. 8. 23 S. Friedberg i. d. Wetterau, Bindernagel. 1848. 2) Vorschläge und leitende Gedanken zu einer Kirchenordnung für das protestantische Deutschland u. s. w. Von E. R. Redepenning, Dr. u. ord. Prof. d. Theol. zu Göttingen. 8. 120 S. Göttingen, Dieterich. 1848.

Beide vorliegende Schriften treffen darin zusammen, dass sie positive detaillirte Vorschläge zu dem kirchlichen Einigungswerke enthalten, doch mit dem wesentlichen Unterschiede, dass der mehr demokratisch gesinnte Möbius vorwiegend die Verfassung im Auge hat, während der mehr aristokratische Redepenning hauptsächlich die Harmonie und die Disharmonie des Glaubens zum Zwecke der Besprechung macht. 1) Hr. Möbius gibt zuerst einen „Rückblick auf die Vergangenheit, " worin er nach Hundeshagen's Vorgange ein Hauptgewicht auf die Uebereinstimmung der Verfassung in der kalvinischen Kirche mit der freiern demokratischen Staatseinrichtung ihrer resp. Länder so wie auf die Uebereinstimmung der lutherischen Kirchenverfassung mit der monarchisch – absolutistischen Regierungsform der norddeutschen Staaten legt. Der zweite Abschnitt: „Die Errungenschaften der Gegenwart," weist nur im Allgemeinen auf die Nothwendigkeit einer deutschen Gesammtkirche hin, und gründet diese auf die gewonnene Freiheit des Glaubens und des Kultus, ohne, wie man wol erwarten konnte, diese Güter in ihrer Bedeutung einer näheren Erörterung zu unterwerfen. Der Haupttheil ist der dritte und letzte, „Ausführung der Errungenschaften der Gegenwart." Der Vf berührt hier zwar die konfessionelle Frage und sagt in dieser Hinsicht: „aus der evang. Kirche selbst muss der Neubau hervorgehen und zwar durch eine zu bewerkstelligende Verschmelzung aller konfessionellen Unterschiede

und durch Zurückführung aller durch den früheren Glaubens- und Gewissensdruck ausgeschiedenen Glieder, wobei jedoch wieder jeder Glaubensüberzeugung die freieste Bewegung gestattet bleibt;" auch behauptet er die Nothwendigkeit eines gemeinsamen Glaubensbekenntnisses; allein wie dieses erzielt werden soll durch die Annahme der revidirten augsburgischen Konfession, und zwar in der Weise, dass es gestattet seyn soll, dieselbe entweder als die richtige Auffassung der Schriftlehre oder als ein blosses historisches Zeugniss aufzufassen, das hätte nach unserer Meinung wenigstens einiger weiteren Andeutungen bedurft. Dagegen dürfte die in den Hauptzügen klar und konsequent dargelegte Verfassung weniger Bedenken finden. Darnach besteht in jeder Gemeinde ein vom Pfarrer als Vorsitzendem geleitetes Presbyterium, welches hauptsächlich die kirchen und Sittenzucht zu handhaben hat, und dessen Mitglieder mindestens 30 Jahr alt seyn müssen. Bei der Anstellung eines Geistlichen schlägt der Ausschuss der Provinzialsynode oder der Kirchenrath, welchem zugleich die Prüfung der Kandidaten zusteht, der Gemeinde – ob den gesammten Urwählern oder dem Presbyterium, ist nicht klar – drei Kandidaten vor und bestätigt den Gewählten. Ueber den Gemeinden stehen die Bezirkssynoden, welche von den Mitgliedern der Gemeindepresbyter zu beschicken sind, während die halb aus Geistlichen halb aus Laien zusammengesetzten Provinzialsynoden und die jedes 3. Jahr versammelte Generalsynode (deren ständiger Ausschuss der Oberkirchenrath ist) aus direkter Wahl aller konfirmirten männlichen Glieder der Gemeinden hervorgehen. Die Generalsynode übt die oberste gesetzgebende Gewalt und stellt das Kirchenvermögen unter den Schutz der deutschen Reichsgewalt. Für die gesammte geistliche. Besoldung, die in vier Klassen aufsteigt, wird eine besondere Verwaltung eingesetzt. Während Rec. mindestens Zweifel hegt, ob die Gemeinden, denen die neueste Staatsgesetzgebung das Eigenthumsrecht an dem Kirchen – und Pfarrvermögen zuspricht, ihre wohldotirten Kirchen und Pfarren werden verkürzen lassen, muss er sich entschieden gegen die ultrademokratische Wahl zu den Synoden erklären. Denn 14 jährige Knaben haben auf keinen Fall die Reife des dazu erforderlichen Urtheils. 2) Nicht so leicht als Hr. Möbius kommt Hr. Redepenning über die dogmatisch – konfessionelle Frage hinweg. Er meint zwar, dass die neuere pantheistische Weltanschauung, welche übrigens manches Element der Wahrheit in ihrem Schosse trage (82), sich vor der Wissenschaft und dem gesunden Sinne des Volkes nicht lange halten (S. 11), und hofft, dass auf der nächsten Synode das antichristliche Element in verschwindender Minorität seyn werde (12); aber er gibt zu, dass es der jetzigen Zeit, welche von ihm als eine vorreformatorische bezeichnet wird (10), an Einigkeit innerhalb des christlichen Glaubens gebreche; nur dürfe man bei dem jetzt herrschenden Geiste, dem ein sehnlicher Drang nach religiöser Neugestaltung nicht einwohne (10), auf eine Einigung in der Lehre nicht rechnen (15). Desshalb könne für jetzt nur geholfen werden durch „rein geschichtliche Bestimmung der Begriffe, durch Unterscheidung des Glaubens von der wissenschaftlichen Form, durch Sicherstellung des übermenschlichen Offenbarungsgehaltes" (13). Es ist uns nicht recht klar, wie uns nur eine geschichtliche Betrachtung retten soll (14). Man kann sich als Kirchenhistoriker in die Vergangenheit flüchten und in ihr heimischer seyn als in den Räumen der Gegenwart; man mag alle alten Kirchenordnungen im Kopfe haben, man mag der Geschichte ihr geheimes Werden und Weben abgelauscht haben: Dies alles hilft über die Noth der Gegenwart nicht hinüber. Und wenn nun auch, wie dies der Sinn des geschichtlichen Standpunktes zu seyn scheint, den der Vf. fordert, die Lehre Jesu als solche aus ihrer Umhüllung und den jetzt obwaltenden Zweifeln rein und zweifellos herausgestellt ist, was ist dadurch gewonnen? Allerdings ein glänzendes Resultat für die Wissenschaft der Dogmengeschichte, aber keine Dogmatik, welche als Gefäss des übermenschlichen Offenbarungsgehalts auf allgemeine Anerkennung rechnen könnte. Der Vf, hält es für möglich, aus den biblischen Relationen die Vollendung der Offenbarung in der Person Christi herauszufinden (17) und eine Dogmatik zu rekonstruiren, welche eine Zeit lang wieder vorhalten werde (18). Indem er mehr als die Hälfte seiner Schrift der Verständigung über die Glaubenslehre widmet, und die Hauptlehren in ihrer wahren Bedeutung festzustellen, von der Spreu zu sichten sucht, beweist er thatsächlich, dass es vor

zugsweise die Differenzen auf diesem Gebiete sind, welche hinweggeräumt seyn wollen, wenn die Potestanten in Deutschland zu einer gemeinsamen Verfassung kommen sollen. Seine sichtende Kritik beginnt mit der Bibel, und führt zu dem Resultate: „Nur in der Bibel gibt Gott vollaus und klar die Worte des Lebens". Als ein Grund dafür steht die Frage da: „Was sollte uns denn auch die heilige Schrift, wenn nichts in ihr wäre, was wir nicht auch von selber in dem eigenen Geiste fänden?“ (21). Wir glauben, dass R. ohne Umschweif zugeben wird, er habe hier unbefangen vorausgesetzt, was erst zu beweisen war, und dessen Beweis eben eins von den grössten Problemen der Zeit ist. Wir gehen daher zu dem nächsten Artikel weiter, und dieser ist die Kritik der Vernunft. Die Etymologie muss beweisen, dass sie bloss da sey, um die Offenbarung, unter der als ihrer Richterin sie stehe, zu „vernehmen, und die Voraussetzung bringt den andern Beweis herbei, dass in der Bibel, resp. in Christo die höchste göttliche Offenbarung enthalten sey (22). Die Hauptsache aber, die Möglichkeit, und Wirklichkeit einer übernatürlichen Offenbarung, worüber sich die Parteien entzweit haben, ist übergangen. Das dritte Stück ist der Gottesbegriff. Wir freuen uns, den Vf, hier in offener Opposition zur alten und modernen Trinitätslehre zu finden, indem er die Unterscheidung Gottes in drei Personen ein Unding nennt (26), und dagegen protestirt, dass man Christum, als das Andere Gottes, mit der zweiten Person identisch setzt, und den offenbargewordenen Gott den Sohn Gottes nennt, da die Summe der Offenbarungen Gottes nur er selber sey (27–29). Was er aber als „die heilige Dreiheit des Ureinen" bezeichnet, welche – und somit auch die Welt, wenn man die Konsequenz zieht – von Ewigkeit sey, „ die Welt voll Leben Gottes, nicht sie ein Zweites in der Gottheit, sondern in ihr ein Zweites, aus dem freien Gott, in ihrer Mitte ein Sohn Gottes, der Vollstrecker der Erlösung und von ihm und seinem Vater her in der Geisterwelt wirksam der wahre, heilige, ewige Gottesgeist," das verhilft uns in seiner bildlichen Form nicht zu dem klaren Wesen eines festen Begriffes. Die Gottheit Christi leugnet R., und lässt diesen nur dem Grade nach, hauptsächlich durch die Sündlosigkeit, die keines Beweises bedürfe, von den übrigen Menschen verschieden seyn. Seine Ansicht von der Versöhnung durch Christus geht, wenn wir die Sündlosigkeit und die Auferstehung ausser Rechnung lassen, vollständig in die rationale und des endlichen Sieges gewisse Weltanschauung auf, indem sie der Liebe Christi, d. h. des Guten die sündentilgende Macht zuschreibt (33); und macht der Vf. mit seiner Behauptung, dass Gott die Weltgesetze nicht störe, und dass es ein eigentliches Wunder nicht gebe, einen konsequenten Ernst, so fallen auch die drei Wunder, welche er stehen lässt: die Schöpfung der Welt, die Sendung Christi, die Wiedergeburt des Menschen, diesem Princip zum Opfer. Auch seine Ansicht von der Sünde, die nur der Möglichkeit nach von Gott sey (36), so wie die Leugnung des persönlichen Teufels, in Rücksicht dessen sich Christus nur an die damals herrschende Volksmeinung angeschlossen habe, um sie zu vergeistigen (40), und vielleicht die Doktrin von der plausiblen Möglichkeit der Engel kann darauf rechnen, von keiner starken Partei als Hinderniss der Einigung betrachtet zu werden. Die Lehre von den letzten Dingen trägt in der Verwerfung der Auferstehung des Fleisches, der Verdammniss der ungetauften Kinder u. s. w. ebenfalls in einer Weise dem Zeitbewusstseyn Rechnung, dass nur von Seiten einer schwachen Minorität der „Starrgläubigen" Widerspruch zu fürchten ist. Wir vermissen in– dess hier wie in anderen Partien des Buches die bestimmte, präcise Form der Gedanken und die konsequente Durchführung eines Princips, deren Stelle häufig durch bildliche Ausdrücke in der biblischen Vorstellung vertreten sind. Doch wir dürfen dem Vf, nicht Unrecht thun; er stellt in der That als das Eine oberste Princip den Glauben an das alleinige Heil in Christo hin (51), und will den Glauben so von der Wissenschaft oder dem Wissen scheiden, dass Alles, was der menschliche Geist nicht finden konnte, dem Glauben angehören soll. Hier hätten wir doch gewünscht, dass der so wichtige Grundsatz: nur in Christo Heil, in Rücksicht auf den relativen Unterschied Christi von andern Menschen, scharf bestimmt, und dass ein Kriterium angegeben sey, durch welches ermittelt werde, was der Menschengeist selbst finden könne, was nicht. Denn bei der Behauptung, dass das Gefühl und der Glaube selbst „mit vollster Sicherheit" diese Sonderung mache (56), können wir uns nicht beruhigen, und R. selbst nennt ja diese „sehr schwierig” (57). Das apostolische Symbolum, welches an Magerkeit durch nichts übertroffen sey (62), wird als einigendes Bekenntniss verworfen und einer dogmatischen Formel überhaupt für die Gegenwart dieser Erfolg abge

[graphic]

sprochen (60); dennoch ist noch auf demselben Blatte eine in Worten ausgesprochene Glaubensregel oder wie es S. 70 heisst, „ ein gemeinsamer von uns anerkannter Inhalt unseres Glaubens" gefordert, wozu S. 64 bis 67 ein Entwurf gegeben wird, welcher eine biblisch-sentimentale Farbe und einen fliessenden, dass wir nicht sagen, verschwimmenden Charakter trägt, im Uebrigen aber die Härten der supranaturalen Dogmatik abstreift, beispielsweise den heil. Geist durch den in der Christenheit waltenden heiligenden Einfluss interpretirt. Indess legt R. selbst auf diese Formulirung des Glaubens keinen entscheidenden Werth, denn nach S. 71 kommt „dem in der Schrift enthaltenen Wort Gottes allein unbedingtes richterliches Ansehn” zu. Das heisst nun freilich Jemanden vom Pontius zum Pilatus oder von der Folgerung zur Voraussetzung und von dieser zu jener schicken. (Der Beschluss folgt.)

Aegyptiaca.

NWumerorum apud veteres Aegyptios demoticorum doctrina. Ex papyris et inscriptionibus nunc primum illustrata auctore Henrico Brugsch. Cum V Tabulis. Imper. 4. 32 S. u. 5 lithogr. Tafeln. Berlin, Amelang'sche Buchh. (London, Williams

u. Norgate. Paris, Klincksieck). 1849. Die demotischen Zahlzeichen waren bisher von Young (in den Rudiments of an Egpyptian dictionary 1831), Champollion, Kosegarten u. A., wie auch noch von Hrn. Brugsch selbst in seiner ersten Schrift (Scriptura Aegyptiorum demotica S. 45 ff.) weder vollständig zusammengestellt noch überall richtig bestimmt worden. Die gewöhnlich zu diesem Zwecke benutzten demotischen Texte, die beiden öffentlichen Decrete von Rosette und Philae, die kurzen Weih-Inschriften tgooxvvnuata, demot. Aki genannt (s. S. 4), die Kaufcontracte, die Quittungen und Grabschriften, enthalten von Zahlenangaben nur Regierungs- und Lebensjahre, Monatstage und weniges Andere; daher fehlten bis jetzt besonders die Zeichen für die höheren Zahlen und ein grosser Theil der Bruchzahlen. Hr. B. vervollständigt in vorliegender Schrift die Zahlzeichen hauptsächlich durch die genauere Untersuchung eines Papyrus aus der Sammlung Passalacqua's, welcher Rechnungen enthält, und Berichtigungen der Zeichen gewinnt er vorzüglich aus einem sehr schönen und unversehrten Papyrus aus Minutoli's Nachlass, worin die Capitel des hieratischen Textes durch demotische Zahlen bezeichnet sind. Die Behandlung jenes leider sehr beschädigten Papyrus von Passalacqua, worin eine Menge Zahlen, ganze und gebrochene, und dazu Additionen, Subtractionen, Multiplicatiomen und Divisionen vorkommen, macht die eigentliche Grundlage dieser Schrift aus S. 10–27. Die bedächtige und oft sehr mühsame Ermittelung und Feststellung des Einzelnen ist höchst dankenswerth, der Vf, hat durch Talent und Ausdauer das Verständniss der demotischen Schriftmonumente wieder um einige Schritte vorwärts gebracht, denn die von ihm gewonnenen Resultate scheinen uns in allen Hauptsachen sicher zu seyn. Dass namentlich in jenem Papyrus eine Berechnung nach Drachmen stattfindet, erhellt theils aus dem Zeichen der Münze, welches mit dem in manchen griechischen Papyrus von Champollion, Reuvens, und Peyron dafür erkannten Zeichen übereinkommt, theils aus der Duodecimaltheilung, die auf halbe Obolen hinausläuft. Eine gelehrte Mittheilung Böckh's (S. 14) stellt diese Sache für den Vf, wie für uns ausser allen Zweifel. S. 27 ff. untersucht der Vf. noch das System, auf welchem die demotische Zahlenbildung ruht mit steter Vergleichung der hieroglyphischen und hieratischen Zahlen, aus welchen letzteren die demotischen zum grössten Theil hervorgegangen sind. Die von den hieratischen abweichenden Zeichen sucht Hr. B. gleichfalls zu erklä– ren. Die Zeichen für 9, 50 und 90 entsprechen nämlich den Buchstaben t, n und k, er meint dass sie den griechischen G, v und Koppa nachgebildet, also neu eingeführt seyen. Das Zeichen für 20 entspricht dem demot. Buchstaben Ganja und ist daher vermuthlich der Anfangsbuchstabe des Zahlwortes für 20 juót, wie die Zahl 1000 offenbar der erste Buchstab des Zahlwortes scho ist. Zuletzt noch ein paar Worte über die Bildung der Bruchzahlen und zur Erklärung der Zeichen für die arithmetischen Operationen (die vier Species), bei welchen letzteren sich meist eine passende phonetische Deutung ergiebt. Die ersten vier Tafeln stellen neben dem von Young gegebenen Verzeichniss von Zahlzeichen die neu gewonnenen Resultate in ihrem ganzen Umfange auf, und ausserdem eine Anzahl einzelner Gruppen von demotischer, hieratischer und Hieroglyphen-Schrift, die gelegentlich im Texte besprochen werden. Die fünfte Tafel giebt eine Abbildung der beiden am vollständigsten erhaltenen Columnen des Papyrus von Passalacqua,

alles von der Hand des Hrn. B. selbst gezeichnet, wenn wir nicht irren, in der bekannten zinkographischen Manier. Das Aeussere des Buches ist splendid, der Text leider durch nicht wenige Druckfehler entstellt, die, wenn auch meistens leicht zu erkennen, doch den des Gegenstandes wegen etwas spinosen lateinischen Stil für den Leser noch dorniger machen. E. Rödiger. Nach schrift. Kurz vor dem Abdruck obiger Anzeige wurde Ref. darauf aufmerksam gemacht, dass einige der von Hrn. B. aufgestellten Resultate bereits von Prof. Seyffarth gefunden worden, s. dessen Alphabeta genuina Aegyptiorum, Leipz. 1840. Seyffarth's Untersuchung fusst besonders auf mehrern Turiner Papyrus, er benutzte aber auch schon den von B. gerühmten Minutolischen. Ref hielt es nicht für überflüssig, dies nachträglich zu bemerken, da es Hrn. B. entgangen zu seyn scheint, dessen Verdienst übrigens dadurch nicht geschmälert wird, zumal ihm vergönnt war, die Sache weiter zu führen und in allen Punkten sicher zu stellen. E. R.

Uebereinstimmung einer hieroglyphischen Inschrift von Philae mit dem griechischen und demotischen Anfangs Texte des Dekretes von Rosette, nachgewiesen von Heinrich Brugsch. Mit einer Tafel. 8. 19 S. Berlin, Amelang. 1849. Der hieroglyphische Text, welchen der Vf. mit dem Anfange der Rosette – Inschrift vergleicht und nach welchem dieser nicht allein, sondern auch der Anfang der Republication der Rosette – Inschrift in Philae (s. Lepsius in d. Zeitschrift der D. Morgenl. Gesellschaft Bd. 1), da beide diesem Theile nach zerstört sind, wiederhergestellt werden kann, findet sich nach einer Zeichnung Wilkinson's in Young's Hieroglyphics Taf. LXV, und ist auf der Tafel der vorliegenden kleinen Schrift wiedergegeben mit Beisetzung der entsprechenden demotischen Gruppen aus der Rosette – Inschrift. Es ist dies eine ebenso interessante als willkommene Entdekkung, welche der Vf. sicher stellt, indem er die Uebereinstimmung der betreffenden Texte in gelehrter und überzeugender Auseinandersetzung nachweist. Sie betrifft die vollen drei ersten Zeilen des griechischen Textes und den Anfang der vierten bis zu den Worten jyanmuévov önö roö. MGä. - E. R. ,

[blocks in formation]

*** ...:

[merged small][merged small][ocr errors][merged small]

Pater Wentura. Die Schule der Wunder. Oder: Homilien über die wichtigsten Werke der Macht und der Gnade Jesu Christi, des Sohnes Gottes und Erlösers der Welt. Vorgetragen in der hochheiligen Basilica des Vatikans von P. Joachim Ventura, Exgeneral aus dem Orden der Theatiner. Aus dem Italienischen. Zweiter Thl. gr. 8. 430 S. Regensburg, J. G. Manz. 1848. (1!/s Thlr.)

Da der Vf. vorliegender Homilien in dem Rufe des grössten italienischen Kanzelredners der Gegenwart steht, dürfte es nicht uninteressant seyn, einiges zur Charakteristik seiner neuesten Leistungen hier beizubringen. Der Zweck, den sich P. Ventura bei diesen Vorträgen setzte, ist einfache Belehrung, ohne Rücksicht auf sein Auditorium. Er fragt sich nicht, welche Belehrung seinem Auditorium gerade Noth thue, sondern was etwa für jeden Christen anhörbar sey, und so wählte er zum Gegenstande seiner Behandlung die sonntäglichen Evangelien, welche er beinahe Wort für Wort erklärt, ohne sich dabei von der Besonderheit seines Auditoriums in gewissen Schranken halten zu lassen. Sehen wir nun, auf welche Weise P. Ventura seine allgemeine Belehrung erreichen will, und gehen daher in's Besondere, um über die Wahrheit seiner Ideen und deren Ordnung und Einkleidung das gehörige Licht zu erhalten. In der ersten Homilie S. 6, wo er über das Evangelium Luc. XIX, 1–10 spricht, sagt er: dass der Stand der weltlichen Glückseligkeit an sich schon der Stand des Verderbens, wie der demü

thige und arme Stand an sich schon der Stand des

Heiles sey, weil die Noth den Uebermuth unterdrücke und den Leidenschaften die Nahrung entziehe, während sie der Reichthum pflege und noch brausender mache. P. V. entdeckt hier ganz neue psychologische Ansichten, die aber mit den Erfahrungen unserer Justiz ganz und gar im Widerspruche stehen. Glücklicherweise ist er nicht Almosenier; denn solche Grundsätze, dass die Noth der

kürzeste Weg zum Himmel sey, möchten für die Armen gar keine trostvollen Consequenzen hoffen lassen. Solche Ungereimtheiten werden überall mit wunderlichen Aeusserungen ihrer Nachfolge begleitet und zwar meistens lateinisch beigebracht, so dass gleich die erste Homilie nicht weniger als 73 solcher unverstandenen Redensarten enthält. Als Probe solcher Anführungen diene nur folgende aus S. 22, welcher ein fünf Zeilen langer lateinischer Text vorausgelit, ohne allen Zusammenhang mit dem Vorhergehenden: „ Auch Nathanael ward von Jesus Christus gesehen, aber unter dem Feigenbaume. Zachäus lässt sich über dem Feigenbaume sehen." Auf das: Warum jetzt dieses? lässt P. V. sofort den h. Ambrosius antworten. „Nathanael war ein Jude; er stand noch unter dem Gesetze und wollte vom Gesetze allein aus Christum erkennen. Zachäus, ein Heide, befand sich über dem Gesetze, weil er ihn durch seine Handlungen, durch seine Tugenden kennen lernen wollte." Also weil Nathanael ein Jude war, stand er unter dem Feigenbaume und Zachäus befand sich auf demselben, weil er ein Heide war." So geht es in Einem fort. Auch bei den folgenden Homilien gibt der Vf, nach jedem zu erklärenden Texte ein unzusammenhängendes Conto von Aussprüchen besonders mystisch allegorisirender Ausleger und Bearbeiter biblischer Schriften mit einem jedesmal angehängten O! der Verwunderung über die Trefflichkeit und Originalität ihrer Einfälle. In welchem Verhältnisse stehen aber die lateinischen Texte zur Belehrung, welche unter hundert Zuhörern kaum einer versteht? Ein Italiener möchte uns hier zur Antwort geben: P. V. bediene sich des Lateins, damit man wisse, dass er es verstehe, was unter dem italienischen Klerus etwas Seltenes und desswegen eine fortwährende captatio benevolentiae sey. Nach solchen ungünstigen Andeutungen über die erste Homilie wollen wir nur zunächst die besonders hervortretenden ächt römischen Ansichten und etwaigen rhetorischen Figuren des vielgepriesenen Redners zu einem neuen O! und Ach! vor

« ZurückWeiter »