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endemischen und die Witterungsverhältnisse viel wichtigere Momente seyen. Die Zahl der im Ganzen von der Fpidemie ergriffenen Individuen kann nicht mit Sicherheit angegeben werden. Vf, schätzt sie auf 2000 und die Zahl der Gestorbenen auf 200; was bei einer Bevölkerung von 14000 Einw. und der nur dreimonatlichen Dauer der Epidemie allerdings ein überraschend ungünstiges Verhältniss ist Wir haben diese Angaben über den Verlauf und die aetiologischen Momente der Epidemie mit einiger Ausführlichkeit hier wiedergegeben, weil sie in der That den wichtigsten Abschnitt der vorliegenden Schrift bilden. Um so kürzer können wir in Bezug auf das Uebrige seyn. Aus der Symptomatologie finden wir nichts Besonderes hervorzuheben. Die Leichenöffnungen bestätigen die Lokalisation im Dickdarm. Die Entzündung des letzteren erscheint in verschiedenen Graden: zunächst wird nur die Schleimhaut ergriffen, theils für sich, theils für ihre Follikel, theils entstehen tief eingreifende Brandflecke und Geschwüre. Später nehmen auch die übrigen Darmhäute Theil und werden serös, blutig, eitrig infiltrirt und zuweilen auf eine Dicke von 1 Zoll hypertrophirt. Auffallend ist, dass Vf, einer plastischen Exsudation auf der Darmschleimhaut gar nicht gedenkt, und dass er den Abgang häutiger Konkremente in der Ruhr nicht hiervon, sondern von einer wirklichen Abstossung ganzer Darmparthien ableitet, worüber doch die Wissenschaft im entgegengesetzten Sinne längst entschieden hat. So oft die pathologische Anatomie der Ruhr grade in neuester Zeit Gegenstand ausführlicher Untersuchungen geworden ist, so wenig Uebereinstimmung lässt sich bisher darin nachweisen und es scheinen die verschiedensten pathologischen Processe dabei vorgehen zu können, die eben nur in dem gemeinsamen Sitze übereinstimmen. In dem vierten Kapitel, welches „zur Nosologie" überschrieben ist, spricht Vf, nach Diskussion der historischen Ansichten seine eigene über das Wesen der Ruhr aus und findet dasselbe in einem Allgemeinleiden, welches sich mit einem Lokalleiden complicirt. Diese allgemeine Definition theilt die Ruhr mit den übrigen epidemischen Fiebern. Was die Art des Allgemeinleidens betrifft, so fehlen alle näheren Bestimmungen für dasselbe: es ist ein Fieber, wie die andern und kann als solches einen verschiedenen Charakter tragen. Eigenthümlich ist ihm eben nur die besondere Art der Lokalisation. Wohl zu unterscheiden ist aber unserer Ansicht nach von dem Allgemeinleiden der schon ausgebildeten Krankheit dasjenige Allgemeinleiden, oder vielmehr diejenige Disposition, welche derselben vorhergeht und die unmittelbare Folge der epidemischen Einflüsse auf alle Individuen ist, aber zur Krankheit erst durch den Hinzutritt eines äusseren Anstosses wird. Hierin scheint ein wichtiger Unterschied zwischen den epidemischen Krankheits

formen zu liegen, auf den man bisher wenig aufmerksam gewesen ist. Das Masernkontagium erzeugt an und für sich die Masern bei jedem empfänglichen Individuum; ebenso die Malaria das Wechselfieber. Die epidemischen Einflüsse dagegen, welche der Cholera zu Grunde liegen, erzeugen bei Allen, welche in den Rayon derselben gelangen, nur eine Anlage zur Erkrankung, welche erst durch den Anstoss äusserer Schädlichkeiten zur Krankheit wird. Gewisse äussere Schädlichkeiten, Diätfehler, Erkältungen, selbst psychische Affekte, welche zu andern Zeiten nur eine geringe Verdauungsstörung oder einen Durchfall erzeugen, bringen auf dem Boden dieser epidemischen Anlage Cholera hervor, während die letztere ohne jene Einwirkungen sich gar nicht zur Krankheit gestaltet. Diese Vorstellung ist mit der Annahme eines Miasma immer noch vereinbar. In welche Kategorie die Ruhr aber gehöre, ob das Ruhrmiasma die Ruhr an und für sich oder nur eine Disposition dazu erzeuge, das steht vorläufig noch dahin; indessen deuten manche Thatsachen darauf, dass das Letztere der Fall sey und die Ruhr sich in dieser Beziehung der Cholera anschliesse. Schliesslich noch einige Worte über die Therapie. Der Vf, stellt an die Spitze des betreffenden Kapitels einen Ausspruch von Degener, welcher darauf aufmerksam macht, wie jede Klasse von Arzneimitteln in der Ruhr ihre Lobredner und ihre Gegner gefunden habe. Jedes Mittel kann in der That günstige und nachtheilige Wirkungen haben, je nach dem verschiedenen Charakter der Epidemie,

des Einzelfalles, nach dem Stadium der Krankheit

und den begleitenden Erscheinungen. Möchten das Alle diejenigen beherzigen, welche nicht müde werden, Mittel gegen Krankheiten zu empfehlen. Mittel können nur gegen Zustände; gegen Krankheiten können nur Kurmethoden empfohlen werden. So sehen wir denn auch unsern Vf, auf dem Standpunkte einer allgemeinen Therapie stehen, welche nicht nach Specificis hascht, nicht auf dieses oder jenes Medicament ein aprioristisches Vertrauen setzt und nach ungünstigen Resultaten etwa zu einem andern greift, um es in gleich unüberlegter Weise durchzuprobiren, sondern wir sehen ihn nach einem Verfahren suchen, welches sich der herrschenden Epidemie im Allgemeinen anschliesst, im Einzelnen aber den individuellen Verschiedenheiten Rechnung trägt. Die Mehrzahl der Fälle erforderte eine antiphlogistische Behandlung, wobei neben allgemeinen und örtlichen Blutentziehungen besonders das Natr. nitric., die Mercurialien und etnhüllende Mittel sich nützlich erwiesen. Demnächst fanden aus

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––z Geschichte. Oeser, Chr., Weltgeschichte für Töchterschulen und zum Privatunterrichte für das weibliche Geschlecht. Dritte, sehr verbesserte Auflage bearbeitet von Dr. Chr. Gotth. Neudecker. 3Thle. mit 3 Stahlstichen. gr. 8. I. XX 264. – II. VI 314. – III. VII 386. Leipzig, bei Fr. Brandstetter. 1848. (2/2 Thlr.)

Trotz des grossen Reichthums unserer pädagogischen Literatur sowohl an methodischen Anweisungen als an Compendien für alle Gegenstände des Unterrichts fehlte es doch in den Töchterschulen lange an zweckmässigen Hülfsbüchern. Namentlich war diese Lücke in der Geschichtsliteratur fühlbar; hier wurden, nicht etwa blos von einem besonders hohen Standpunkte des Lehrers aus, anhaltender Mangel an Beihülfe schwer gefühlt und literarische Kräfte schmerzlich vermisst. Nösselt, Bredow und Kohlrausch mussten noch für den Riss stehen, wohl auch Löhr, höchstens noch Becker in einzelnen Partien seiner früheren Ausgabe; im Ganzen wohl am meisten eine willkührliche Blumenlese aus ihnen. Noch die Rudolphi musste es klagend aussprechen, dass es nirgends ein brauchbares Compendium für Geschichte in den Töchterschulen gäbe und man „brauchbare Bücher sich selbst schreiben müsse."– Dies die erste Anregung für den erfahrenen und sachkundigen Oeser. Er stellte sich demnach die Aufgabe: die Weltgeschichte so nahe in eine Beziehung auf das weibliche Geschlecht und seine Bestimmung zu bringen, dass dadurch der Zustand des Weibes, wirklich und idealisch – besonders nach der Ansicht der Dichter anschaulich werde, und fand daher für eine solche Darstellung der Thatsachen weniger critische Wahrheit und Vollständigkeit als Zusammenhang mit dem Leben, insbesondere dem Frauenleben nöthig. Für dieses, behauptete er, habe der Geschichtsunterricht meist nur formellen Nutzen; Mädchen lernten nicht Geschichte um im bürgerlichen und wissenschaftlichen Leben von ihr Gebrauch zu machen, sondern einzig um

Geist und Herz zu bilden; sie sollten aber auch Geschichte lernen um ein göttliches Walten durch die verschiedensten Lebensbewegungen der Völker zu erkennen, und inmitten dieser den segensreichen oder unheilvollen Einfluss der mittelbar oder unmittelbar, geheim oder offen wirkenden Frauen – so viel derer zu finden – klar vor Augen zu sehen; sie sollten Geschichte lernen um endlich eine nationale Bildung im häuslichen und bürgerlichen Leben zu erstreben und zu fördern. Damit dies nun sicher erreicht werde schien es ihm (Oeser) Hauptsache das menschliche Gemüth in einzelnen Characteren, Scenen und Partieen darzustellen: biographisch-ethnographisch ; und hierbei schien es wiederum nöthig, mit nur flüchtiger Berührung derjenigen Theile der Geschichte, wo die Menschheit mehr zerstörend als bauend auftrete, länger zu verweilen bei den für Frauen interessanteren Entwikkelungen menschlicher Cultur, der Sitten und Gebräuche, der Kunst, Wissenschaft und Religion, am längsten aber bei ausgezeichneten weiblichen Characteren. Gleich der griechischen Tragödie, meinte Oeser, solle die Geschichte versöhnend und beruhigend wirken. Versteht sich, dass dabei die geschichtliche Darstellung ernst und würdig, lebendig, anziehend, einfach seyn musste, und ebensosehr einförmiger Zeitungston als sentimentale Ergiessungen und declamatorischer Schwulst, oberflächlich moralisirende Raisonnements, spitzfündige Erörterungen, zweifelhafte oder dunkle Abstractionen zu vermeiden waren. In Bezug auf letztere, jetzt ohne Zweifel die anstössigsten und fraglichsten Theile des Gesch. Unterrichts für jedes der heranzubildenden Geschlechter, galt es dem Vf, als ausgemacht, dass selbst auf Kosten der Gründlichkeit dem weiblichen Geschlechte die Abstraction fern zu halten sey, da Mädchen das allgemeine Wahre auch in dem Besondern von selbst schnell und richtig erfassten, und dass zum Behuf einer breiten Grundlage ästhe

tischer Vorbildung die Dichtung und die Geschichte

am Besten zu gegenseitiger Erklärung verbunden würden, deren eine der andern Eindringlichkeit fördere. Auf solcher Basis stehen beide ersteren Auflagen unseres Hülfsbuchs; genau detailirte entsprechende Gesch. erzählung wechselt mit eingestreuten anmuthigen Gedichten. Ein Vorwurf den man dem Vf. ziemlich einseitig dabei machte, dass er nicht gründlich genug gezeigt habe, „was die Weiber in jedem Zeitalter waren", verschaffte ihm gerade die Genugthuung, dass sein Lehrbuch auch in die Hände von Jünglingen und Männern überging und gern gelesen und viel gebraucht wurde von Allen, die mit ihm zwischen einer blos interessanten Frauengeschichte und einer instructiven Geschichte für Frauen nach der angegebenen völlig neuen Norm wohl zu unterscheiden verstanden.

Neudecker geht in seiner Bearbeitung der zweiten Auflage – wie sie fertig jetzt vor uns liegt – zum Theil anders zu Werke und geht weiter. Ihm hat sich Oesers Weltgeschichte wohl brauchbar gezeigt aber daneben schien sie ihm doch in der Grundanlage oft nicht richtig, oft dürftig und mangelhaft selbst in Sprache und Ausdruck an auffallenden Fehlern leidend (s. Vorr. III Aufl.). Diese Fehler sollten fortan in formeller und materieller Beziehung verbessert werden, damit (p. XVI.) das Werkchen womöglich für weiblichen Unterricht und Privatlectüre noch geeigneter werde; formell änderte sich deshalb Sprache und äussere Zusammenstellung, damit durch Pragmatismus ein Totaleindruck geschaffen werde, viele Gedichte fielen weg, und Ersatz boten Nachträge aus Cultur- und Staatengeschichte; materielle Aenderungen entstanden durch Weglassung unrichtiger Facten, durch Ergänzung fehlender besonders aus Cultur- und Religionsgeschichte, so wie dadurch, dass Zustände des socialen Lebens bei den vorbereitenden geistigen Gestaltungen hervorgehoben wurden und die religiösen Elemente schon in der vorchristlichen Zeit in den Vordergrund traten. Für die mittlere und neuere Geschichte wurden aber alle Momente sorgfältig in grösserer Ausführlichkeit zusammengestellt „damit sich in dem jugendlichen Gemüthe eine tüchtige Gesinnung bilde, die der Einseitigkeit des Dogmatismus entgegenstehend, Menschenliebe als die erste christliche, Vaterlandsliebe als die erste bürgerliche Tugend ansieht; und ganz besonders musste deshalb für das weibliche Leben auf Deutschland Rücksicht genommen werden, damit die deutsche Jungfrau schon frühe es deutlich erkenne und tief fühle, was ihr Vaterland für menschliche Bildung und Veredlung Grosses geleistet hat; damit sie in der Gesch.

ihres grossen und schönen Vaterlandes die B weise der practischen Moral ihres Geschlechts finde und erglühe von heiliger Liebe zum Vaterlande." – Man erkennt hier auf den ersten Blick die verschiedenen Standpunkte und veränderten Anforderungen. Oeser ist wesentlich Idealist, Neudecker Realist; Oeser sucht mit der Poesie und durch sie, Neudecker mit der Praxis und für sie zu vermitteln; Oeser verlangt Anschaulichkeit, herzergreifende Darstellung, Neudecker Pragmatismus; Oeser entbehrt oft willig des Zusammenhangs, der Vollständigkeit, Wahrheit, Neudecker verlangt Critik und übt sie Stets. Gemeinsam ist beiden im Ganzen fast nur noch der Gesichtspunkt einer so zu sagen theologischen Richtung und Cultur wie der nationalen Bildung des weiblichen Geschlechts. Es kommt aber diese Differenz unserer Autoren auch gleich so klar zum Bewusstseyn, dass man bei N's 3ter Auflage Alles das vermisst, was principiell weggelassen ist und was sich bei Oeser findet, und dass man bei Oeser in 1. und 2. Auflage nicht vermisst, was MV. als eigene Zuthat gegeben. Während nun Oeser zur Unterstützung etwa nach Wagners und seiner glücklichen und unglücklichen Nachahmer Kletke und Sydow's poetischen Geschichten greifen müsste, würde Neud. nebst seinen eignen Werken zu seiner Hülfe eher Rotteck und Kugler, Schlosser und Hinkel etc. gebrauchen. Wer es aber, wie höchst wahrscheinlich Oeser, mit Auerbach hält, wenn er sagt (s. Schrift u. Volk p.345): „die Stammesgeschichte bildet – den organischen AusgangsPunkt. Wenn nun auch die volksthümlichen Geschichtswerke vorherrschend unterrichtend sind , so gehören sie doch in das Bereich der Poesie, weil sie sich nicht blos an das rein Thatsächliche halten können, sondern durchaus neue Lebensbilder schaffen müssen; etwas vom historischen Roman wird hier einfliessen etc.“ – der wird anerkennen, dass noch neben M.'s angeblich blosser Ueberarbeitung des Oes'schen Buchs, die recht eigentlich eine Vervollständigung des ohnehin schon in 1. und 2. Auflage reichhaltigen Geschichtsmaterials ist, eine zweite Fortsetzung des Oeserschen Buchs möglich und gerechtfertigt wäre, die das Aesthetische fortbildend und vervollständigend, das weibliche Gemüth ebenso zu fruchtbarer Betrachtung und stiller Erhebung anregt, als Neud. durch seine Weiterbildung des geschichtlichen Elements die weibliche Intelligenz zur Begeisterung fortzureissen sucht. Eine solche doppelte Bearbeitung, solche zwei Fortsetzungen in

Eine Composition verschmolzen, würde, wenn auch umfangreicher doch wahrhaft volksthümlich seyn, – in vorliegender Gestalt trägt das Werk als „verbessertes" noch immer den Character bewusster Einseitigkeit. - - - - - - - - -

Manche Folgerungen ergeben sich hieraus schon von selbst. Da das Werk an Umfang nicht wachsen sollte, so ist je länger je mehr bei zunehmender Geschichtserweiterung das poetische Material verkürzt und in unstatthafter Vertheilung. Bd. IfI. weist äusserst wenig, Bd. II. vereinzeltes, Bd. I. im Grunde das Meiste auf; und wie anfangs zahlreiche Gedichte in Auszügen oder wörtlich mitgetheilt sind, so finden sich später statt solcher Inserate nur noch wie verwaist einige spärliche Citate einzelner Titel. Inzwischen sieht man nicht ohne Verwunderung und gegen N.'s Principien hier und da ein episches Gedicht ganz oder zum Theil auftauchen, auch wohl in Prosa übertragen. So die Nibelungen im vollständigen prosaischen Auszug (II, 83–88), den Herderschen Cid ausführlich (II, 178– 181); nichtsdestoweniger aber werden die „unübertrefflichen" Balladen Uhlands zu Ehren Graf Eberhard des Greiners (p. 263) nur unter dem Texte genannt, wo uns auch der kühne Taillefer begegnet (II, 141). Näheres über Dichter wie Dante, das selbst bei Nösselt nicht fehlt, findet sich selbst in den für sie bestimmten §§ nicht; Tassos befreites Jerusalem wird nur II, 184 erwähnt, Ariosts hingegen wird schon II, 102 gedacht. Auch fehlt Unwichtigeres nicht, wie Langbeins Schilderungen Luc. Cranachs etc. (III, 97), Hauffs romantische Sagen (III, 47), Schwabs Robert der Teufel ( II, 138), wenn wir auch Egon's böhmischen Mägdekrieg (II, 116) noch gelten lassen wollten. Aber zum wenigsten gleichberechtigt stand neben Langbeins Erzählung und besonders neben den unbedeutenden Producten Rückerts, Mosens, Pfizers (auch: Pfitzer p. 357) und dem überschätzten Immermann (man gedenke nur an Platens romantischen Oedipus) über A. Hofer (III, 324) sicherlich wohl Seidl's Franz I. und Carl V. u. A., und neben Bach's Siegfried (s. o.) Engels unerwähnt gebliebener Las Ca

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für Literatur von selbst dar. – Gleich siefmütterlich ist das Drama behandelt. Sollte nach M.'s Ansicht „Bekanntes" nicht weiter erwähnt werden, (wie denn auch z. B. II, 277 Schillers Jungfrau von Orleans übergangen ist), warum denn noch des Po Carlos (III, 127), der M. Stuart etc. gedenken? (III, 135). Warum des Körner'schen Zrini (III, 120), des Götheschen Götz v. Berlichingen (III, 31)? – und wenn sie nun einmal, als dem weiblichen Geschlecht ohnehin zur Genüge bekannt, fehlen durften, – Holtey's Leonore (III, 248) wäre gewiss auch unvermisst geblieben! Kam es aber bei le"terer hauptsächlich wieder auf eine hervorzuhebende Schilderung an, nun dann hatte wohl auch Shakespeare (Unzureichendes über ihn III, 188) Ansprüche und Corneille, ja hier selbst Immermann, Böttcher und Raupach, und bei Characterschilderung" nebst Prutz und Gutzkow (die nur namentlich aufgeführt werden) ausser jenen Ausländern noch Bulwer z. B. in seinem Richelieu. Mit Leichtigkeit würde gerade hier sich eine zahlreiche Liste" nenswerther und zugänglicher Dichterwerke en!“ werfen lassen. Hierbei darf nun nicht unerwähnt bleiben, dass Neud., wie es in der Ordnung so z. B. in Aufzählung dramatischer Dichter (III, 362) sich eines Urtheils über ihre Leistungen überhebe" zu können meint. Bei Andern dachte er Anders, und wir bedauern Urtheilen begegnen müssen wie etwa über Pope und Dryden (III, 260); wären namentlich Pope's Briefe der Heloise an Abaelard, die schon Bürger einer Uebertragung werth errachtete, schon II, 248 citirt worden, wohin sie recht eigentlich gehörten, so wäre Neud's Beurtheilung völlig unverzeihlich. Nicht minder ist es eine Verrückung des Oes.'schen Gesichtspunktes zuzuschreiben, dass zum Ersatz für fehlendes Poetisches sich Citate gelehrter Abhandlungen vorfinden, die dem weiblichen Geschlechte doch fremd bleiben werden. Wir rechnen hierher (III, 359): Religionsbeschwerden der Protestanten in Ungarn, wie sie auf dem Reichstage a. 1833 verhandelt worden, ed. Tibiscanus 1838. – Ebenso (II, 181): Grundriss der Gesch. Russlands von Nic. Usträlow, übersetzt von H. v. Brackel, 1841. – Flügels Gesch. der Hofnarren (II, 270; III, 237); – dann lateinische Titelbezeichnungen wie den orbis pictus des Comenius (II, 182), welchem widersprechend auf der andern Seite mancher Ausdruck seiner classischen Bezeichnung entbehrt (so u. A. II, 61); ferner gehäufte lateinische

Worte, deren eine grosse Anzahl in den stoffreichen Abschnitten über Investiturstreit, Scholastik, Wissenschaft, Bildung und Sitte (Thl. II); III, So Cs. Anm.) ganz lateinisch: Thuani historiarum sui temporis lib. 183. ed. Francof. ap. P. Kopffum; – ein Werk, das doch schon an sich weder beim öffentlichen noch beim Privatunterricht des weiblichen Geschlechts anwendbar ist. Anderntheils findet sich wohl wieder deutsche aber nicht immer erschöpfende Erklärung einzelner Fremdwörter und Redensarten, so II, 61, III, Nepoten = Anverwandte, Proselyten = Anhänger, II, 204: Concordat = Vergleich. Um lebensfrische Characterbilder besonders der Frauen und lieblich genug auch für zartfühlende Leserinnen zu schaffen, sind ausserdem die zuerst von Oeser eingewobenen Briefe und Gespräche historischer Personen zweckmässig beibehalten, auf deren Beibringung sich schon Oeser viel zu Gute that. Statt aber im Allgemeinen das geschichtliche Material massenhafter zu häufen, durfte hier vielmehr eine passende Vermehrung eintreten. Besonders glücklich ist so durch Luthers Briefe oft seine Catharina geschildert, wie durch ihre eigenen Maria Stuart, Antoinette u. A. – Schon Nösselt ist hier in den späteren Partien reichhaltiger und die von ihm mitgetheilten Briefe Malboroughs und Murats haben selten einen tiefen Eindruck verfehlt. Ueberhaupt hätte ganz matten und kahlen Partien, z. B. der Befreiungskriege und Napoleons Geschichte in unserm Buche durch lebensvolle Charakterzeichnung in dieser und ähnlicher Weise unendlich geholfen werden können. Dagegen bietet gerade in den beiden letzten Theilen die oft wörtliche Aufnahme kürzerer Charakteristiken und Schilderungen aus Quellen oder Hülfsbüchern alter und mittlerer Geschichte, die sichtbare Benutzung neuerer Geschichtswerke und geschichtlicher Aufsätze auch aus belletristischen Journalen, nebenbei auch Hinweisungen auf Romane (wie II, 24) der fortgeschrittenen Leserin nicht wenig Interesse dar (so II, 40. 53. 214. III, 293. II, 183 III, 217.193 u. A.). – Um so mehr ist es aber zu verwundern, dass gerade die „Geschichten der Frauen“ am wenigsten beachtet und benutzt zu seyn scheinen. Erwähnt findet sich nur Ramshorns Gesch. der merkw.deutschen Frauen, 1842 (II, 99), und wer z. B. Hek

kels gründliche Vorarbeiten kennt, bemerkt bald in M.'s Bearbeitung manche erhebliche und bedenkliche Lücke. Gerade nach diesem fleissigen Werkchen würde sich noch gar Manches anführen, erweitern, ergänzen, verbessern lassen; so, um nur Einiges anzuführen, das Leben der nur flüchtig erwähnten Chrodechilde, Gem. Clodwigs; Radegundis v. Thüringen, eine gar nicht erwähnte Heilige, gleich an Würde der zweimal genannten Ludmila (II, 146. 192); Mathilde, Gem. Heinrich I., nach Wittekinds vita Mathildis mit suppl. von Leibnitz; Adelheid, Gem. Otto I., nach Woltmann's Biographien Otto I. –III, bei Neud. (II, 155) verwechselt und falsch bezeichnet; Gisela, Gem. Conrad II., bei Neud. nur genannt (II, 158); Gisela, Gem. Königs Stephan (II, 193) – des Heiligen v. Ungarn; Hedwig, Gem. Heinrich I. des Bärtigen, Herzogs v. Schlesien, Zeitgenossin Elisabeths v. Thüringen, deren Schilderung bei Neud., gleich der der Mathilde schon Nösselts Schilderungen weit nachsteht; ferner die gar nicht genannte Schwester der II, 254 erwähnten Kunigunde, Gem. Wäcslaw II., Sohn Ottomars v. Böhmen; Mathilde v. Habsburg, Rudolphs Tochter, Gem. des Pfalzgrafen Ludwig am Rhein, Ahnmutter des jetzigen Kgl. Baierschen Hauses; Sophie, Gem. Wenceslaus v. Böhmen imp. Germaniae, Tochter Hzg. Johann v. Baiern und Pfalzgraf bei Rhein; nicht zu gedenken derer, die nur ein unvollständiges Bild nach dürftigen Quellen geben , wie Agnes, Gem. Heinrich III., Bertha (Heinrich IV.), Richenza, Gem. Miseko, Kg. v. Polen, und Richenza, Gem. Lothars II. (bei Meud. dennoch nebst ihrer Tochter Gertrud erwähnt II, 215), und der wenigen hohenstaufenschen Frauen, von denen wir Nachrichten haben, wie von Beatrix, geb. Prinzessin v. Burgund, Gem. Friedrich I.; von Margaretha, Gem. Albrecht des Unartigen Landgraf v. Thüringen (zu Neud. II, 256); – nicht minder der würdigen Elisabeth v. Preussen; M. Eleonore, Mutter Christians v. Schweden; Generalin Trescow u. A.; vorzüglich aber der Philippine Welserin und ihres Gemahls

Erzhzg. Ferdinand, der merkwürdigen Prototypen

des zeitigen Reichsverwesers Johann und seiner

Gemahlin. Ueber die Gräfin v. Schwarzburg findet

sich dagegen wörtlich Schillers ganze Relation. (Der Beschluss folgt)

Gebauer sche Buchdruckerei.

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