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ehrgeschichtliche Abschnitt nimmt auch bei dieser Periode mehr Raum ein als die drei ersten zusammengenommen, welche nur von S. 90 – 140 sich erstrecken; wogegen jener von da an bis S. 311 die zu dieser Periode gehörigen theolog. Schulen, theolog. Literaturgeschichte, die Streitigkeiten und Häresien, endlich die Ausbildung der nicht streitigen Dogmen schildert. Man sieht, dass der Vf. noch vielmehr als der Titel erwarten lässt, die dogmatische Entwickelung berücksichtigt hat. Die Theorien, welche Gegenstand der Streitigkeiten waren und die theolog. Systeme und Lehrmeinungen, welche auf irgend eine Weise auf dieselben Einfluss hatten, sind in extenso dargestellt, halbe Seiten aus den griech. und latein. Kirchenvätern extrahirt, auch ausführliche Verzeichnisse von deren Schriften und ihren Herausgebern mitgetheilt; so dass des Stoffes für ein zu Vorlesungen bestimmtes Compendium viel zu viel ist, daher sich das Buch weniger zu einem Leitfaden, der dem öffentlichen Vortrage der Kirchengeschichte zu Grunde zu legen wäre, als zu einem Hülfsmittel oder Vorbereitung und Wiederholung für Studirende eignet, die hier so ziemlich finden was sie brauchen, und andre dogmengeschichliche Werke für ihre akademische Laufbahn entbehren können; zumal da die Anordnung und Vertheilung des Stoffes, die Klarheit der Darstellung, die genaue Bestimmung und Hervorhebung der streitigen Punkte, nebst den für und wider vorgebrachten Gründen, die Uebersicht über die theolog. Schulen, die Reichhaltigkeit der literärhistorischen Notizen, nicht viel zu wünschen übrig lassen; auch die bedeutendsten der neueren und neuesten Arbeiten auf dem Felde der historischen Theologie nicht nur bemutzt, sondern auch grösstentheils namhaft gemacht sind. Nur wären zu dem genannten Behuf die vielen Fremdwörter besser vermieden worden, in Bezug auf welche der Vf sich zu sehr hat gehen lassen oder selbst affectirt scheinen könnte. Denn es giebt unter den Studirenden schwache Brüder von den Gymnasien her genug, denen Ausdrücke, wie „ Akribie, Optasie, der Glossolale, genuin – christlich, intrinsel" und manche ähnliche noch zu schaffen machen werden. Auch sind das Zeitwort „missioniren ”, das Par– ticip »entchristlicht" u. a. m. schwerlich zu billigen. Was die sonstige Einrichtung des Buchs berifft, so dürfte sich dieselbe in Hinsicht der zahllosen Verweisungen auf die Quellen, welche in den Text aufgenommen und eingeklammert sind, keiner

allgemeinen Beistimmung erfreuen, weil die Lectüre wirklich beschwerlich wird. Indess darf die Rücksicht auf Bequemlichkeit bei einem wissenschaftlichen Werke nicht zu hoch angeschlagen werden; wichtiger ist, dass die Citate besonders in den Angaben der Zahlen richtig sind, sonst haben sie wenig Werth. Eine günstige Vermuthung kann man diesfalls für unser Lehrbuch in Betracht der oben gerügten Defecte aber nicht schöpfen. - Oft sind auch, die Fehler schon in den Manuscripten, so dass der Setzer oder Corrector keine Schuld hat. Man hat Beispiele, dass solche falsche Citate fast ein Jahrhundert hindurch in zehn oder zwölf Werken reproducirt worden sind, wenn deren Vß. die Quellen nicht nachschlugen. Auf den Inhalt der Geschichtserzählung selbst näher einzugehen, verbietet der Raum dieser Blätter. Nur Weniges heben wir aus, um zu zeigen, zu welcher mit einer unbefangenen und vernünftigen Ansicht unverträglichen Auffassung kirchengeschichtlicher Data die sogenannte gläubige Wissenschaft, oder wer in kirchlichem Sinne, wie dies nämlich unser Vf. versteht, über Kirchengeschichte schreibt, durch ihr Princip geführt wird. Wiefern dieses schon auf die Darstellung der Literatur der kirchenhistorischen Wissenschaft in diesem Lehrbuch Einfluss gehabt habe, ist schon oben gezeigt. Hier fügen wir noch bei, dass Arnold, der Vs. der Kirchen – und Ketzerhistorie, der bei all' seinen Fehlern Epoche in der Geschichte unserer Wissenschaft macht, aus guten Gründen vom Vf, nicht erwähnt ist. Dass Cramer, der den Bossuet fortsetzte, einer der verdienstvollsten Bearbeiter der Kirchengeschichte in der 2ten Hälfte des vorigen Jahrhun– derts, dass der beiden Waleh, dass G. J. Planck's Arbeiten u. m. a. nicht genannt sind, muss auffallen und ist nicht zu rechtfertigen, wenn sie gleich keine vollständige und förmliche Handbücher der Wissenschaft geschrieben. Doch verlassen wir diese allerdings schwache Partie des Buchs und kommen zu Anderen. Wenn der supranaturalist. Theolog Stäudlin in Bezug auf die Bekehrung Pauli der vom V. geschmähten rationalistischen Aufklärung in seinem Lehrbuch noch die Concession macht, dass er sagt: „ P. wurde, indem er die Christen verfolgte, unwiderstehlich von der Wahrheit ihres Glaubens überzeugt und glaubte selbst durch eine himmlische Offenbarung von Jesus zu seinem Apostol berufen zu seyn“; so wird er nach unserm V. den Buchstaben der Apostelgeschichte gemäss »durc

„die Erscheinung Christi auf dem Wege nach Damaskus" bekehrt, aber auch der Kaiser Constantin wird dies durch eine himmlische Erscheinung auf seinem Kriegszuge (S. 91), ohne dass hier irgend ein sonstiges Motiv genannt würde. S. 22 liest man: „dass die älteste Kirche vielfach das Charisma der Wunder besass, kann nur Hyperkritik läugnen. Die alten Apologeten weisen häufig darauf hin, selbst die kritisch sichtenden, und die Gegner läugnen es auch nicht, sondern geben solche Thaten für dämonisch aus." Wir möchten wissen, wo der Vf, die Gränze ansetzt, über welche hinaus die Wunder schwächer, minder zahlreich geworden oder wann sie gänzlich aufgehört haben. Auch kann dem Vf, nicht unbekannt seyn, dass aus dem ersten Jahrhundert keine zuverlässige und bestimmte Zeugnisse über die Fortdauer der Wunder und Wundergaben angeführt werden können. Denn obgleich man in den Schriften der sogenannten apostol. Väter, eines Clemens von Rom u. s. w. Ausdrücke findet, welche Wundergaben zu bezeichnen scheinen, so sind sie doch nicht so deutlich, dass selbst vom wundergläubigen Standpunkt aus ein Beweis daraus geführt werden kann. (Der Beschluss folgt.)

Die Asiatische Gesellschaft in L0nd0n. (Beschluss vom Nr. 9.)

Die gewöhnliche Meinung ist, dass schon Sebuktegin ganz unabhängig gewesen, allein auf seinen und Ismail's Münzen, ja auch noch auf denen Mahmud's aus der früheren Zeit bis zum J. 389 H. findet sich fortwährend noch der Name des Samaniden – Souverains. Das Steigen der Macht Mahmud's drückt sich auf den Münzen sehr sichtbar aus durch das allmählige Hinzukommen immer neuer Titel, zuerst nur ä_20Js – a« (das Schwert des Reichs), später aber -S, xx« und die Beinamen s»OW Go“- und Ki Go», die er ven dem Khalifen Kädir Billäh erhielt, weiterhin Go-AW eta-, dann gar S„l EKL (König der Könige). Der Titel Sultan, welchen Mahmud zuerst geführt haben soll, erscheint auf den Münzen nicht, er ist also wohl von ihm nicht officiell angenommen worden, wenn es auch wahr seyn mag, dass er sich gern so nennen liess. Dieser Titel erscheint zuerst auf den Münzen des Ibrahim 451 H. Die einzige zweisprachige Münze Mahmud's (Nr.42) mit arabischer und indischer Legende scheint ein vereinzelter und

dazu missrathener Versuch, seinen indischen Eroberungen auf diesem Wege ein Andenken zu stiften. Die indische Legende ist nicht viel mehr als eine ungeschickte Umschrift und resp. Uebersetzung der Namen und Titel Mahmud's in einem Schriftcharakter, der dem Kutila genannten (Inschr. von Rohilkand, 10. Jahrh.) am meisten entspricht, und da das Datum der Münze unsicher, der Münzort aber unlesbar ist, so lässt sich daraus nichts machen. Die Angabe der Historiker, dass der Khalife Kädir Billäh anfangs in Chorasan nicht anerkannt worden, bestätigt sich durch die Münzen von Nischapur, welche jenen Namen erst vom J. 387 an zeigen, bis dahin immer Täi' zaub. S. hier– über schon Saulcy im Journal Asiatique 1842. Noch wird durch die Münzen Nr. 12. 19. 20 und 26 festgestellt und im Tarikhi Gusidah und Tabakáti Nä– ssiri berichtet, dass Kadir zuerst einen seiner Söhne unter dem Titel Ghälib Billah zum Thronfolger «X-E-x l L- bestimmt hatte, der aber noch bei seinen Lebzeiten starb. Man liest diesen Namen auf den angeführten Münzen. In unsern gedruckten Geschichtsbüchern ist davon nicht die Rede. Nachdem Hr. Th. die Brauchbarkeit dieser Münzen für die Geschichte, ihre allgemeine Beschaffenheit, die auf ihnen vorkommenden Münzzeichen u. dgl. besprochen hat, geht er sie nach der Zeitfolge durch und giebt in den eingestreuten Bemerkungen noch manche gelehrte Discussion über einzelne Schwierigkeiten. Ein Supplement S. 377 ff. führt noch einige der Localität nach verwandte Münzen und ein Paar Incerti auf. X. On the Inscriptions at Van, v. E. Hincks, S. 387–449. Die Inschriften, welche von Schulz in Vancopirt und im Journal Asiatique vom J. 1840 veröffentlicht sind, gehören bekanntlich einer Gattung von Keilschrift an, die der babylonischen oder sogenannten dritten Art nahe steht, aber doch ihre Eigenthümlichkeiten hat. IIr. H. sucht etwas zu ihrer Entzifferung beizutragen, indem er eine in jenen Inschriften öfter gleichartig wiederkehrende Stelle der näheren Betrachtung unterwirft. Wir können nicht sagen, dass die Erörterung einen befriedigenden Eindruck auf uns gemacht hätte, besonders was die Ermittelung der Sprache dieser Inschriften betrifft, welche Hr. H. dem Sanskrit verwandt findet. Gelungener mag das genannt werden, was er anhangsweise über das Zahlensystem beibringt. E. Rödiger.

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ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat Januar.

1849.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Gemeindegesetze,

Sammlung der neueren teutschen Gemeindegesetze. Nebst einer Einleitung: die Gemeinde als Corporation von Prof. Dr. Julius Weiske. gr. 8. LXIV u. 552 S. Leipzig, Hinrichs'sche Buchh. 1848. (2/2 Rthlr.)

Der verdiente Verfasser weist, indem er den Text sämmtlicher neueren deutschen Gemeindegesetze herausgiebt, jeden Anspruch eignen Verdienstes zurück. Es kann auch natürlich nur von einer Anerkennung die Rede seyn, welche der Verf. wegen der zur Sammlung der Urkunden aufgewandten Mühe gewiss verdient. Aber wir müssen gestehen, wir möchten dem Verf. einen Vorwurf daraus machen, dass er eben kein grösseres Verdienst erwerben und danach beanspruchen wollte; dass er also anstatt seine tüchtigen Kräfte zur Verarbeitung des von ihm gesammelten Materials selbst zu verwenden, sich damit begnügt hat, für fremde Arbeit die nö– thige Grundlage zu liefern. Jedenfalls werden wir dadurch gehindert, eine wissenschaftliche Kritik seines Werks zu geben, und müssen uns auf eine kurze Anzeige beschränken.

Aus der Inhaltsanzeige, sowie aus einer ausdrücklichen Bemerkung in der Einleitung ersehen wir, dass der Verf. nur die Absicht gehabt hat, solche Gemeindegesetze in seine Sammlung aufzuuehmen, welche entweder für städtische und ländliche Gemeinden gemeinschaftlich oder für letztere ausschliesslich erlassen worden sind, dass er dagegen die Städteordnungen zur Soziv von seinem Plan ausgeschlossen hat. Das letztere ist in sofern zu rechtfertigen, als fast überall nur für die einzelnen Städte Verfassungsgesetze erlassen worden sind, und es dem Plan des Buchs durchaus widersprochen hätte, auf diese Particulargesetzgebung einzugehen. Dagegen können wir es nicht gut heissen, dass die wirklich allgemeinen und besonders wichtigen beiden preussischen Städteordnungen nicht aufgenommen worden sind. Der Grund,

dass sie ohnehin verbreitet genug sind, scheint uns nicht haltbar. Denn zuvörderst dürfte diese Verbreitung ausserhalb des preussischen Staats in der That nicht allzubedeutend seyn, und dann ist es gerade das Verdienstliche von Sammelwerken, wie das vorliegende, dass sie wo möglich. Alles Gleichartige enthalten, und den Gelehrten oder sonst Wissbegierigen nicht erst veranlassen, noch in anderen Werken nachzuschlagen. Da der Verf, um sein Werk ganz vollständig zu machen, sogar die von den Gemeindeverhältnissen ausführlicher handelnden Abschnitte von Verfassungsurkunden aufgenommen hat, hätten die preussischen Städteordnungen um so weniger fehlen dürfen. Die Zahl der Urkunden, welche der Verf. mittheilt, beträgt 28. Es sind folgende: Aus Oesterreich: das Gemeindegesetz v. 26. Octbr. 1819 und die Instruction für Anwälte oder Gemeindevorsteher in Tyrol, ohne Datum. – Aus Preussen: die Landgemeindeordnung für Westphalen v. 31. Oct. 1841, und die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz vom 23. Juli 1845. – Aus Baiern: die Gemeindeverordnung v. 1. Juli 1834 nebst dem Gesetz über die Ansässigmachung de eod. – Aus Sachsen: die Landgemeindeordnung v. 7. Nov. 1838. – Aus Hannover: das dritte Capitel des Landesverfassungsgesetzes v. 6. Aug. 1840. – Aus Würtemberg: das Verwaltungsedict für die Gemeinden v. 1. März 1822 und das Gesetz über das Gemeindebürgerrecht v. 4. Dec. 1833. – Aus Baden: das Gemeindegesetz v. 31. Dec. 1831. und das Gesetz über die Bürgerrechte de eod. – Aus Kurhessen: die Gemeindeordnung v. 23. Oct. 1834. – Aus dem Grossherz. Hessen: das Gemeindegesetz v. 30. Juni 1831.– Aus Braunschweig: das dritte Capitel der neuen Landschaftsordnung v. 12. Oct. 1832. – Aus Nassau: das Gemeindeedict v. 5. Juni 1816. – Aus Weimar: die Allg. Landgemeindeordnung v. 2. Febr. 1840. – Aus Gotha: die Verordnung v. 30. Mai 1834. – Aus Meiningen: das Landgemeindeedict v. 15. Aug. 1840. – Aus Altenburg: die dritte Abtheilung des Grundgesetzes v. 29. April 1831. – Aus Oldenburg: die Landgemeindeordnung v. 28. Dec. 1831.– Aus Rudolstadt: die Gemeindeverwaltungsordnung v. 19. Dec. 1827. – Aus Hechingen: die Gemeindeordnung v. 19. Oct. 1833. – Aus Siegmaringen: das Gemeindeverfassungsgesetz v. 6. Juni 1820, und das Gemeindebürgergesetz v. 5. Aug1837. – Aus Lippe: die Landgemeindeordnung V2. März 1841. – Aus Frankfurt: die Gemeindeordnung v. 12. Aug. 1824. und das Gesetz über die Allmendenlose v. 7. Dec. 1830.

Diesen Urkunden schickt der Verf als Einleitung eine Abhandlung über die Gemeinde als Corporation voran. Er legt seine Betrachtungen darüber in folgenden Abschnitten nieder: Entstehung, Veränderung und Auflösung der Gemeinde als Corporation; Rechte der Gemeinde; die Statuten; die Gemeindevorsteher; der Syndicus; das Gemeindevermögen; die Verwaltung des Vermögens; die Gemeindeglieder; Rechte und Verbindlichkeiten derselben. – Der Verf hat es aber fast durchgehends vermieden, die verschiedenen Auffassungen des Gegenstandes in den geltenden Gesetzen principiell darzustellen und zu begründen, und verweist dafür meistens auf die von ihm selbst oder von Andern an andern Orten geführten Untersuchungen. Sondern er stellt fast nur die wichtigsten Bestimmungen der Gemeindeordnungen nach den bezeichneten Rubriken zusammen. Dies ist für die Benutzung der Sammlung allerdings recht förderlich und verdient alle Anerkennung. Zu einer wissenschaftlichen Kritik aber fodert auch dieser Theil des Werks nicht auf – sicherlich nach dem eignen Willen des Verfassers.

Halle. - Dr. Hellmar.

DeltSchCS Mati0nalleben.

Germania. Archiv Sur Kenntniss des deutschen Elements in allen Ländern der Erde. Im Verein mit Mehreren herausgegeben von Dr. Wil– helm Stricker. Band I. gr. 8. VIII u. 467 S. Frankfurt, Brönner. (1% Thlr.)

Bei dem so allgemeinen und energischen Erwachen des deutschen Nationalgefühls kann man das vor– liegende Archiv als ein zeitgemässes Unternehmen bezeichnen. Es ist nämlich bestimmt, die nöthigen Materialien zu einem künftig zu entwerfenden Gesammtbilde des deutschen Nationallebens in allen Theilen der Erde und den verschiedensten Seiten des deutschen Charakters zu sammeln. Die ge

machten Mittheilungen werden in 3 Hauptabthei

lungen geschieden: I. Beiträge zur Bestimmung der

deutschen Sprachgrenze. II. Beiträge zur Kenntmiss des deutschen Elements, a) in den jetzt oder ehemals mit Deutschland verbundenen Grenzländern gegen Osten und Westen; b) in den andern europäischen Ländern; c) in den andern Welttheilen; endlich d) Skizzen aus dem deutschen Leben in den auswärtigen Hauptstädten. III. Politische Betrachtungen und statistieche Nachweise über die deutsche Auswanderung im Allgemeinen und BesondernDazu sollen im 2. Bande kommen: eine Gallerie deutscher Männer, die für fremde Länder wichtig geworden sind und die Thaten der deutschen Heerhaufen, die in fremden Ländern unter fremden Fahnen gefochten haben. Auch befindet sich gewöhnlich am Schlusse jedes Hefts ein Bericht über die neueste Literatur, welcher von vielen Schriften nur die Titel anführt, bei manchen aber auch näher auf den Inhalt eingeht. Die Mittheilungen selbst, höchst verschieden in Rücksicht auf äussere Form und inneren Gehalt, fliessen aus sehr mannichfaltigen Quellen. Zum grossen Theil sind es Nachrichten aus Zeitungen und Journalen, als der Allgem. Zeit. , deutsche allgZeit., Weserzeit, deutsche Vierteljahrsschrift, Magazin f. d. Litteratur d. Auslands, östreich. Blätter f. Lit. u. Kunst, Schulers Archiv f. Siebenbürgen, Caspers Wochenschrift f. d. gesammte Heilkunde u. s. w. Einen zweiten Hauptbestandtheil bilden Auszüge aus grösseren Werken, namentlich Reisebeschreibungen z. B. von Sydow, Rochau, Kohl u. a., aus denen die für das Archiv interessantesten Notizen herausgehoben sind. Freilich sind es oft nur spärliche kurz abgerissene Notizen oder statistisch numerische Uebersichten, allein dieses liegt in dem Charakter des Archivs, welches den reichen Stoff nur sammeln aber nicht verarbeiten will. Auch sind solche Einzelheiten für ein künftig zu entwerfendes Totalbild unentbehrlich. Endlich finden wir auch mehrere zum Theil treffliche Originalaufsätze, wie von dem Herausgeber selbst, von Fester, Schott und von Ungenannten. Die Thätigkeit der Red., in so weit als sie hierbei zur Sprache kommt, verdient Anerkennung; denn die Anordnung ist zweckmässig, die Auswahl passend und keine wichtige Schrift der letzten Jahre scheint übergangen zu seyn. Auch verräth Alles einen warmen lebhaft deutschen Sinn, welcher für eine solche Arbeit nöthig ist. Um ein Bild von dem

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Desto deutlichere Zeugnisse von der Fortdauer der Wundergaben unter den Christen findet man im 2ten und 3ten Jahrh. – aber grösstentheils in Schutzschriften und Apologien; beides sind bedenkliche Umstände. Doch jenes Argument asilentio soll ja nichts gelten. Aber hatten nicht auch Juden und Heiden solche Wunderkraft, und der Teufel selbst nach dem klaren Buchstaben des N. T., desgleichen die Häretiker? Hatte sie nicht auch Vespasian, wie Tacitus nach der Erzählung von Augenzeugen berichtet, der sich aber sehr vorsichtig ausdrückt? – Justin der Märtyrer, der erste Kirchenvater nach den apostolischen Vätern, dessen Apologie für alle folgenden Verfertiger von Schutzschriften, also von Zeugnissen in eigener Sache, den Ton angab – gelangte durch den Platonismus seines Zeitalters zum Christenthum und ward Chiliast, war also von vorn herein abergläubisch, und da die Annahme eines tausendjährigen nahe bevorstehenden Reichs des Messias im 2ten Jahrhundert fast zur Rechtgläubigkeit gefordert wurde, so ergiebt sich, was von den Wunderberichten aus jener Zeit zu halten ist. Selbst den kritisch sichtenden war ein Wunderereigniss schon glaublich, wenn es nur nicht Gottes unwürdig, frivol und kindisch klang. Herrschender Aberglaube, Jagd machen auf das Ungewöhnliche, Verachtung des Gewöhnlichen und Natürlichen, vorwitziges Drängen nach vermeinter Erkenntniss des Verborgenen – dies waren die Charakterzüge dieser Zeiten, welche Lucian auch an den Philosophastern seiner Zeit persiflirte. Und ist anzunehmen, dass Leute, die im Glauben an die Götterfabeln aufgewachsen waren, die vor den Bildnissen der verstorbenen Kaiser zu knien gewohnt gewesen, durch ihre Annahme des Christenglaubens auf einmal Intelligenz und Geistesbildung genug erlangt haben, ihre geistige Disposition zum Wahnglauben und zur Schwärmerei, nur so leicht abgestreift haben, wie man ein Kleid wechselt ? dass die durch die

neuplatonische Philosophie gebildeten Bekenner mit ihrem Uebertritt zum Christenthum auch unbefangene, nüchterne Denker und Kritiker wurden? Man legt ein Gewicht darauf, dass die Gegner der Christen die Wunder, welche diese für sich anführten, nicht läugneten. Allein was beweist das weiter, als dass diese so wundergläubig und wundersüchtig waren, wie es ihre Zeit mit sich brachte und dass sie als Kinder ihrer Zeit nicht anders konnten! Celsus, der das Heidenthum gegen das Christenthum retten wollte, nahm zwischen Gott und den Menschen gewisse Geister an, welchen die Weltregierung vom höchsten Gotte übertragen worden sey. Er schrieb ihnen besonders die Kraft zu, Kranke zu heilen und wollte sie um deswillen got– tesdienstlich verehrt wissen. Er konnte, da er mit neuplatonischen Lehren gegen das Christenthum kämpfte, höchstens die Beweiskraft der für dasselbe angeführten Wunder bestreiten. Die Christen ihrerseits ziehen ebenfalls die Wunder des Heiden– thums nicht in Abrede, nur lassen sie solche vice versa mit Hülfe von Dämonen gewirkt seyn. Was nun? – Man hat gar nicht nöthig, mit dem Vf. an diesem Wunderglauben der alten Welt, über den noch viel zu sagen wäre, sich zu betheiligen, um das Wachsthum und den endlichen Sieg der christlichen Sache zu erklären. Denken wir an die Macht der Ideen, besonders der religiösen, die so wenig als die politischen mit Kanonen, durch Kerker, Richtschwert und Scheiterhaufen bezwungen wer– den. Gewalt kann den Fortgang der Wahrheit nicht hindern, wenigstens nicht auf die Dauer; sie muss selbst wider ihren Willen die Ausbreitung derselben befördern; sie muss durch die Anstrengungen, welche sie wider die Wahrheit oder doch in ganz andrer Absicht macht, den Sieg derselben beschleunigen. Die Gewalt, welche in den ersten Jahrhunderten des Christenthums das Blut so vieler Märtyrer vergoss, trug das Meiste bei, das Christenthum bekannter zu machen und ihm neue Anhänger zu verschaffen. Oft mitten im Sturm wilder Empö– rungen siegt die Wahrheit. Da werden die verkanntesten Lehren, gerade die Wahrheiten, welche dem Stolze, der Herrschsucht, dem Eigennutze die verhasstesten sind, so laut, so nachdrücklich, so unwiderstehlich gepredigt, dass man ihnen nichts weiter entgegenstellen kann – werden da mit einer Allgemeinheit verbreitet, bei welcher sclbst der gemeine Haufe sich ihrer bemächtigt. Denken wir

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