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AUS der Zeit der Befreiungskriege. Das Kriegsjahr 1813. Ein Volksbuch von Richard Schneider. Mit einer Karte des Kriegsschauplatzes. Leipzig, Brockhaus. 1848. gr. 8.412 S. (1 Thlr.). Zugleich unter dem Nebentitel: Fünfter Band der Volksbibliothek.

In einer Zeit, wo edle deutsche Kräfte in Schleswig und Holstein zusammenströmen, um die Erbschaft des deutschen Reichs gegen die Dänischen Eindringlinge zu schützen und das gute Recht unsrer Landsleute gegen die Willkür eines ausländischen Staats zu vertheidigen, ist als eine werthe Erinnerung an eins der glänzendsten Jahre der Deutschen Geschichte das vorliegende Buch erschienen. Und auch in einer zweiten Beziehung ist es für die Gegenwart bedeutend. Denn wenn sich der beste Theil unsrer Landsleute jetzt endlich überzeugt hat, dass Deutschland und Preussen eins seyn müssen, so ist auch diese Einheit der Gefühle geeignet uns das Andenken an das Jahr 1813 zurückzurufen. Damals, wie in der ganzen schlimmen Zeit vom Frieden zu Tilsit an bis zu dem genannten Jahre, hatten die Gesüle, Bestrebungen und Wünsche ächter deutscher Männer den Mittelpunkt ihrer Gedanken in dem Wunsche einer kräftigen Erhebung des so zertretenen Preussens gefunden und von daher eine bessere Zukunft erwartet. Wer das läugnen wollte, den brauchte man nur auf die Lebensbilder Hormayrs aus dem Befreiungskriege, auf Schlosser's und Bülau's Werke über die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts (und diese drei sind keine preussische Schriftsteller), auf Arndt's Bücher, auf Varnhagen von Ense's Denkwürdigkeiten auf das Leben Karl Müller's, ja auch auf jenes berühmte Wort König Friedrich Wilhelms III. vom 17. März 1813 zu verweisen: „ehrlos vermag weder der Preusse noch der Deutsche zu leben.“ Um so mehr freuen wir uns dieses wohlausgewählten Bandes einer Volks-Bibliothek, die schon in den deutschen Eigenthümlichkeiten Nettelbeck's und Heim's in ihren frühern Bänden einen zahl

reichen Leserkreis gewonnen hatte und in den folgenden Bänden, in welchen die deutschen Sprüchwörter gesammelt und die Fahrten der deutschen Auswanderer dargestellt waren, fortfuhr tief in die innersten Interessen unsres Volkes einzugreifen und seine edeln wie seine schwachen Seiten uns vorzuführen. Der Vf, soviel wir wissen, ein junger Schlesier von vaterländischer Gesinnung, hat in die allgemeinen Zustände des Jahres 1813 die persönlichen Schicksale eines jungen freiwilligen Jägers aus einem kleinen Schlesischen Städtchen verflochten, Robert's, des alten Tischlermeisters Arnold Pflegesohn. Er ist allerdings keine historische Person, aber die Bezüge unter denen er auftritt, die Thaten, die er vollführt hat, seine Märsche, Schlachten, Wunden, Entbehrungen theilte er mit so vielen seiner Landsleute, dass unser Vf, hinlänglich befugt war, irgend einen aus der grossen Anzahl wackrer Streiter zum Träger dieser Begebenheiten zu erwählen und in seiner Person die Schicksale Vieler zu vereinigen. Und auch das erhöht den Reiz des Buches, dass wir in ihm die Erlebnisse eines einfachen freiwilligen Jägers und den Verkehr mit seinen Standesgenossen anschauen, während uns die trefflichen Bücher von Kretzschmar, Rahden und von andern die Kreise der Officiere in jenem denkwürdigen Feldzuge vorführen. Unser junger Freiwilliger ist stets munter und rührig, aufrichtigen Sinnes, so dass er auch gesteht, wie ihm allerdings bei den ersten Kugeln in der Schlacht bei Gross - Görschen ein gar unheimliches Gefühl ergriffen habe und wie es ihm vor der Schlacht an der Katzbach gar empfindlich gewesen sey, in Nässe und Schmutz zu waten und bittern Hunger zu leiden. Aber die allgemeine Begeisterung für den König und für das Vaterland, von der damals der Höchste wie der Niedrigste ergriffen war, erhob auch unsern jungen Freiwilligen und wie schlecht oft die Quartiere waren, wie dürftig die Lebensmittel, wie schwer es dem Hungernden ward, die eben bereitete Suppe und das mühsam errungene Fleisch bei'm unerwartet schnellen Aufbruche weggiessen zu müssen, so blieb ihm doch immer die beste Gesinnung und der frischeste Muth. So bewegen wir uns unter mannigfachen, naturgetreuen Scenen des Lagerlebens, unter Feldwachen und Patrouillen, unter Schlachten und Gefechten bis zur Leipziger Schlacht, wo unser guter Kamerad (denn auch diese Beziehung hat der Vf, nicht ausser Acht gelassen) von einer zerspringenden Granate so verwundet wird, dass er dem thätigen Soldatenleben zu seinem grossen Schmerze entsagen muss und in die Heimat zurückkehren. Fügen wir nun noch hinzu, dass Robert auch eine Geliebte daheim zurückgelassen hatte, und dass dadurch manche Verwickelungen, wie sie auf dem Lebenswege in kleinen Städten sich zu ereignen pflegen, herbeigeführt sind, so haben wir die Hauptbestandtheile des kleinen Romans in ziemlicher Vollständigkeit angegeben. Neben Robert ist noch der alte Oberjäger Lamitzki zu erwähnen, in dem der Vf, die Züge eines altpreussischen Soldaten, der schon bei Jena gesochten hatte, den muthigen Soldatentrotz, die Verehrung für Friedrich II. und allen Kriegeraberglauben recht glücklich ausgeprägt und ihm (S. 131) eine wohlgeschriebene Stelle über das eiserne Kreuz in den Mund gelegt hat. Wer die vom Vf geschilderten Zeiten durchlebt hat und selbst Soldat gewesen ist, weiss, von welchem grossen Werthe für junge Freiwillige solche alte, versuchte Krieger trotz ihres Fluchens und Lärmens gewesen sind. Neben und über diesen einzelnen Ereignissen zieht sich nun der grosse Kampf der Verbündeten mit Napoleon, wo dann vor den wichtigen Begebenheiten die Erwähnung Robert's und seiner Kameraden natürlich oft ganz zurücksteht und nach der Beendigung des grossen Tagewerks erst das Persönliche nachgeholt werden konnte. Wir müssen allen diesen Begebenheiten nachrühmen, dass sie allgemein verständlich und ausführlich erzählt sind. Als Belege nennen wir dazu die Schilderung der Preussischen Volkserhebung, dann die Schlachten bei Grossgörschen, in der trotz des Verlustes der Schlacht das edelste Blut der Preussischen Jugend die Saat grosser Thaten geworden ist, bei Bautzen, bei Haynau, an der Katzbach, bei Grossbeeren, bei Dennewitz, und finden es dem Zwecke unsers Buches ganz angemessen, dass der Vf, bei dem Siege, welchen die märkische Landwehr bei Hagelsberg über die besten Französischen Truppen am 27. August erfochten hat, länger verweilt. Aus den October

tagen nennen wir die Schlacht bei Wartenburg (3. Octr.) und den Bluttag bei Möckern; die Beschreibung des Letztern ist dem Vf, besonders gut gelungen. Unter den Feldherrn der Verbündeten leuchtet der Fürst Blücher als der Held des Buches hervor. Und wie hätte dies auch in einer VolksBibliothek anders seyn können? dagegen trifft den Kronprinzen von Schweden mehrfacher Tadel, wie er allerdings in den Jahren 1813 und 1814 nicht bloss im Munde des gemeinen Soldaten umlief, sondern auch von den ersten Heerführern, und hier von Niemand mehr als von Blücher, dem Gegenbilde jenes Zauderns, Besinnens und Schonens schwedischer Mannschaft, ausgesprochen worden ist. Der Französischen Tapferkeit und Kriegserfahrenheit wird die verdiente Ehre gegönnt. Aber streng und wieder ganz im Sinne einer Volksschrift sind. die Greuelthaten (S. 243–246) erzählt, durch welche die Französischen Truppen in Schlesien seit dem Waffenstillstande bei Poischwitz (fälschlich ist Prischwitz auf S. 169 gedruckt) bis zum Ausbruche der Feindseligkeiten ihren Namen geschändet haben. Grade jetzt, wo das Vaterland so bedroht ist, muss auch das jüngere Geschlecht die Leiden kennen, welche seine Väter von den Feinden des deutschen Namens zu erdulden gehabt haben und sich zur Abwehr rüsten, damit uns nicht wieder Aehnliches begegne. Den Kaiser Napoleon konnte die Volksschrift nur im gegnerischen Sinne des Jahres 1813 auffassen, aber unser Vf, hat sich von überflüssigen Schmähreden frei gehalten und den Bericht über das Verweilen des Kaisers am Abend des 18. Octobers bei der alten zerschossenen Windmühle, von wo aus er die Schlacht geleitet hatte, ernst und schön abgefasst. , Wir können zum Schluss noch versichern, dass der Vf gute Quellen benutzt und auch kleinere Schriften nicht ungebraucht gelassen hat. Ganz am Ende sind die Verluste des flüchtigen Französischen Heers beim Uebergange über die Unstrut am 21. October zu schauerlich geschildert. Die Unstrut ist für dasselbe nicht zur Beresina geworden. Gleich darauf ist auch dem Fürsten Wrede für die Schlacht bei Hanau zu grosses Lob ertheilt. Die Tapferkeit der Soldaten konnte die begangenen Fehler des Feldherrn nicht wieder gut machen. K. G. J.

Zur Synodalfrage. Geschichte der hessischen Generalsynoden von 1568 –1582. Nach den Synodalacten zum ersten

Male bearbeitet und mit einer Urkundensammlung herausgegen von Dr. Heinrich Heppe, Lic. der Theol. gr. 8. Erster Bund VIII u. 403 S. Zweiter Band 364 S. Kassel, Fischer. 1847. (3 Thlr.) Es ist ein gutes Zeichen unserer Zeit, dass sich der Bearbeitung des Reformations – Jahrhunderts wieder viele Kräfte zugewendet haben. Wir meinen nicht sowohl die äussere Geschichte desselben, wiewohl auch diese eine vorurtheilsfreiere Behand

lung gefunden hat, als vornehmlich die innere Ent-

faltung des Reformationswerkes, seine Licht – und Schattenseiten, sein Wesen und seine Verunstaltung, seinen Fort- und Rückschritt schon in den nächsten Generationen nach den grossen Urhebern. Lange stagnirte man auf dem Standpunkte sogenannter Orthodoxie und betrachtete die Reformation nur als eine Errungenschaft überlieferter und unantastbarer Dogmen. Endlich trat eine Zeit freierer Bewegung des Geistes ein, in der man auch die Reformation als eine nicht abgeschlossene, sondern immer fortschreitende zu betrachten anfing, aus dem Buchstaben den Geist, aus dem Dogma das Princip als das wahre, bleibende Wesen hervorhob und den evangelisch-protestantischen Charakter gegen papistische Misskennung und Ausbeutung in Schutz nahm. Aber je dreister die letz– tere in den Männern der Reactionspartei immer wieder auftaucht, desto nöthiger ist es, auf die ersten Kämpfe des ursprünglichen Princips mit der schon damals andringenden Buchstäblichkeit zurückzugehen und daraus den Nachweis zu führen, dass jede Knechtung unter einem symbolischen Lehrbegriff eine Entartung des freien reformatorischen Geistes und eine Abweichung von der kühn betretenen Bahn Luthers und seiner Freunde war und ist. Dazu reicht indessen eine allgemeine Geschichte nicht aus, wie sie Planck in seinem bekannten grossen Werke gegeben hat, – das ohnehin mehr die Bil– dung des Lehrbegriffs, als die Entwickelung des Princips ins Auge fasste, – sondern eine genauere Auskunft erlangt man erst durch das Eingehen in die Specialgeschichte der einzelnen Länder, in denen jener Kampf am heissesten entbrannte, namentlich durch unbefangene Benutzung der Urkunden, die man in unseren Tagen sorgfältiger aufzusuchen und vollständiger zu sammeln angefangen hat. Unter den Ländern, die hierbei vornehmlich in Betracht kommen, ist nächst Sachsen, der Wiege der Reformation, besonders Hessen zu berücksichtigen,

wo Philipp der Grossmüthige den wahrhaft evangelischen Geist so rein erfasste, so treu beschirmte und bis an das Ende seines Lebens auch ziemlich ungetrübt erhielt, wo aber, als nach seinem Tode das Land unter seine vier Söhne vertheilt ward, Zerwürfnisse und Parteikämpfe eintraten, die sich sehr bald um die Annahme oder Verwerfung der Concordienformel concentrirten und mit einer unheilvollen Spaltung zwischen den starren Lutheranern und freieren Philippisten endigten. C Die Fortsetzung folgt. O

Französische Werke über deutsche Phil0S0phie. Histoire de la philosophie allemande depuis Kant jusqu'à Hegel, par J. Willm etc. ( Beschluss vom Nr. 98. )

Darin wird das Verhältniss zu Fichte so bestimmt, dass Schelling – indem er die Einheit von Subject und Object, welche bei Fichte eine zu realisirende Aufgabe war, als Realität fasst – einen Real-Idealismus aufgestellt habe, in welchem, weil das Seyn und das Denken, Natur und Geist, durch eine harmonie préétablie gleichsam, völlig einander entsprechen, der letztere im Stande sey, die erstere a priori zu erkennen, d. h. zu schaffen p.372. Zwei Vorwürfe werden nun dem Identitätssystem besonders oft vom Vf gemacht: Erstlich dass es widerrechtlicher Weise sich rühme, a priori zu construiren, da doch Schelling nur das construire, was er empirisch wisse, oder was er für Erfahrung halte. Dieser auch in Deutschland gewöhnliche Einwand möchte wohl am Leichtesten durch eine Erinnerung an die Mathematik beseitigt werden, die manchen Satz enthält, von dessen Richtigkeit der, welcher ihn zuerst bewies, sich empirisch (durch Messung) überzeugt, und zu dem er dann nachher den Beweis a priori gefunden hat. In solchem Fall hatte wohl das erste Beweisen zu seiner Voraussetzung das empirische Wissen, nicht aber der Beweis. Den zweiten Vorwurf, dass das Identitätssystem Pantheismus sey, und demgemäss eine richtige Lehre von der Freiheit, dem Bösen u. s. w. unmöglich mache, hält der Ref. gleichfalls für richtig. Hier aber musste gezeigt werden, dass Schelling in seiner dritten Entwickelungsperiode, namentlich in seiner Abhandlung über die Freiheit den Versuch gemacht, ohne in Dualismus zu verfallen, den Pantheismus zu überwinden, indem er zeigte, wie die Selbstständigkeit des Menschen, und darum auch die carrikirte Selbstständigkeit, das Böse, zwar nicht selbst, aber in seiner (von ihm unterschiedenen, darum nicht bösen) Wurzel in das Absolute falle, indem er weiter zeigt, wie vermöge dieses „Grundes" in Gott, das Absolute als Subject über die Objectivität hinaus gehe, und also den Standpunkt des blos quantitativen Unterschiedes von Natur und Geist verlässt u. s. w. Dass Schelling diese Ueberwindung seines frühern Standpunkts nur auf mittelalterlich-mystische, Böhm'sche (nicht Neu

platonische, wie der Vf, will) Weise vollzogen hat,

liegt darin, dass nie ein Sterblicher – schon Fichte hat dies, und eben so Göthe im zweiten Theil des Faust, bewiesen – wenn er dazu berufen ist, nicht nur die eine Seite des aufgeschlagnen Blatts" zu beschreiben, auf der Rückseite eben so klassisch schrieb. Der Vf. hat leider den Unterschied zwischen dem Identitätssystem und der Lehre in der genannten Abhandlung nicht gehörig fixirt, und doch ist es dieser Unterschied, welcher begreiflich macht, wie Schelling dazu kommen musste, das Identitätssystem später nur als den „negativen" Theil (d. h. als Moment) des Systems zu bezeichnen, und wie er berechtigt ist, jene so häufig citirte „übergreifende Subjectivität" sich zu vindiciren. Die Philosophie der Offenbarung ist in ihrer geistreichsten Parthie, der Satanologie, nur eine weitere, exegetisch ausgeschmückte, Durchführung der Gedanken jener Abhandlung. Wurde jener Unterschied mehr hervorgehoben, so ergab sich auch das wahre Verhältniss zwischen der Schellingschen und Hegelschen Philosophie, zu welcher der Vf. p. 383 übergeht. Mit Recht hebt er hervor, dass bei Hegel ausser dem Identitätssystem das Fichtesche Element sich geltend macht. Dies aber ist auch der Fall in der Abh. üb. d. Freih., und diese verhält sich zur Hegel'schen Philosophie wie die „ veränderte Fichte'sche Lehre" zum Identitätssystem. Mit Recht wird weiter auf die logische Begründung aufmerksam gemacht, die Hegel dem Sy– stem gegeben. Es musste aber bemerkt werden, dass jenes prius von Natur und Geist, welches Hegel in der Logik entwickelt, schon in der Abhandlung über die Freiheit die Stelle bekommen hat, die Hegel ihm anweist, dass nämlich die Natur als die Mittelssphäre erscheint. Alle diese Bemerkun

gen werden hier nicht gemacht, um etwa. Hegel weniger originell erscheinen zu lassen, sondern um zu zeigen, wie Schelling selbst der Nothwendigkeit der Sache nachgegeben hat, welche in andrer Weise die Hegelsche Lehre aus seinem ursprünglichen System hervorgehen liess. Bei der Darstellung der Hegel'schen Philosophie nimmt der Vf, den eigenthümlichen Gang, dass er zuerst (Sect. 1) Hegel's Ansichten über Philosophie der Geschichte und Geschichte der Philosophie entwickelt und dann erst die ,, Analyse" des ganzen Systems vornimmt. Es ist nicht recht einzusehn, warum oder wozu dies geschieht. Mit jener ersten Section schliesst der dritte Band des Werks. Der vierte ist leider noch nicht erschienen, und bei den Schwierigkeiten, die in der gegenwärtigen Lage Frankreichs sich dem Verkauf eines Werks über deutsche Philosophie entgegenstellen, wird es vielleicht lange währen, ehe er erscheint. Der Ref muss sich daher hinsichtlich der Darstellung der Hegel'schen Philosophie begnügen, anzuerkennen, dass der Vf das Verhältniss derselben zu der Schelling'schen Lehre richtig bezeichnet, wenn er sagt, dass hier bewiesen werden soll, was jene behauptet hatte. Dass ferner Hegel's Lehre logischer Monismus genannt wird, kann zugestanden werden, wenigstens eher als dass sie als Pantheismus bezeichnet wird. Es ist endlich der leitende Gedanke Hegel's in seiner Behandlung der Geschichte richtig erkannt; wie die Schwierigkeiten bei der Exposition der Principien dieses „le plus allemand des penseurs de l'Allemagne", wie Hr. Willm ihn nennt, welche dem vierten Bande aufbehalten sind, wie diese gelöst werden, darüber sind wir auf Erwartungen hingewiesen. Sie sind indess nicht gering. Die vorliegenden Bände erwecken ein gutes Zutraun; nimmt man nun noch dazu, dass Hr. Willm bereits im Jahre 1835 sich so viel mit Hegel beschäftigt hatte, dass er einen eignen Versuch über dessen Philosophie, welche zunächst für die Revue germanique gearbeitet war, veröffentlichen konnte, so wird man mit Recht die Hoffnung fassen können, dass er uns ein Werk bieten werde, so gut wie kaum Einer unter seinen Landsleuten zu geben im Stande ist. Möge es nicht zu lange auf sich warten lassen.*). Dr. Erdmann.

*) Im Augenblicke, wo ich dieses Blatt corrigire, wird mir der vierte Band zugesandt, dessen Anzeige baldigst in die

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sen Blättern erscheinen soll.

Gebau ersche Buch druckerei.

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Zur Syn0dalfrage. Geschichte der hessischen Generalsynoden von 1568 –1582 – – von Dr. Heinr. Heppe u. s. w. C Fortsetzung von Nr. 99. )

Der vornehmste Schauplatz dieses Kampfes waren die hessischen Generalsynoden, die, ursprünglich so löblich und heilsam, eben durch jene Zerwürfnisse schon nach einem nur vierzehnjährigen Bestande wieder hinstarben und als ein trauriges Denkmal gefallener Grösse dem kundigen Betrachter das warnende: ruimus in pejus! zurufen. Es ergiebt sich hieraus von selbst, welch ein verdienstliches Werk Hr. Dr. Heppe, – dessen archivarischen Nachforschungen wir auch das Autograph der 15 Marburger Artikel verdanken, durch seine urkundliche Geschichte der Generalsynoden geliefert hat. Der auf dem Titel gebrauchte Ausdruck, dass diese Geschichte von ihm „zum ersten Male” bearbeitet sey, könnte allerdings buchstäblich beanstandet werden, da schon Garthe in seinem bekannten Werke vom hessischen Religionswesen, grade die Verhandlungen der einzelnen Synoden ziemlich vollständig gegeben hat. Dass sie hier aber zum ersten Male ganz vollständig (so weit dies, namentlich nach dem Brande des Casseler Archivs, möglich war), ganz urkundlich und ganz unparteiisch behandelt ist, wird ihm jeder Kenner mit Freuden zugestehen. Mit grossem Fleisse hat er die verschiedenen Actenstücke gesammelt, die sich theils in dem Regierungsarchiv zu Cassel, theils in der Superintendentur zu Allendorf fanden, die aber, da sie theils zerstreut lagen, theils oft aller äusseren Signatur entbehrten, erst mühsam geordnet und mit umsichtiger Kritik geprüft werden mussten. Leider waren nur von 5 Synoden, 1575, 76, 78, 81 und 82, ausführliche Protokolle vorhanden, von den übrigen 8 meist nur die Abschiede, deren Erläuterung dann in Correspondenzen über die Verhandlungen und anderen darauf bezüglichen Actenstücken aufgesucht werden musste. Von gedruckten Nachrichten konnte der Vf. wenig benutzen. Nur die grosse Sammlung

der hessischen Landesordnungen hat ihm oft gute Dienste geleistet. Seine speciellen Vorgänger auf diesem Felde aber waren entweder zu dürftig oder zu unverlässig und parteiisch. Dass in Leuchter's „Antiqua Hassorum fides christiana et vera“, Garthe's „Vom hessischen Religionswesen", scher's „Historia concors", Hutter's „Concordia concors", und Anderen, das dogmatische Interesse meist auf Kosten der historischen Treue befriedigt ist, muss jeder Kenner dieser Werke bezeugen. Dasselbe gilt sowohl von den niederhessischen »Wechselschriften", als von der Darmstädtischen » Special-Widerlegung" derselben, welche der Vf. zu spät erhielt, um sie benutzen zu können, und zu einseitig fand, um sie benutzen zu dürfen. Mit vollem Rechte sagt er in der Vorrede über diese Vorgänger: ,,Jahrhunderte lang hat auf der hessischen Kirche der Fluch geruht, dass die Geschichtschreibung derselben als willkürlich fragmentarische Chronistik sich von der elendesten Parteisucht musste knechten lassen; aus demselben Factum führten die Einen den unwiderleglichen Beweis, dass die Kirche ächt lutherisch, und die Anderen, dass sie von Anfang an ächt calvinisch gewesen sey.“ – Diesen Fluch hat der Vf, durch seine Arbeit glücklich gelöset, und wir haben hier zum ersten Male eine wahrhaft unparteiische und von keinem dogmatischen Interesse alterirte Geschichte. Um seine Leser auf den rechten Standpunkt zu stellen, giebt der Vf, zuerst eine Darstellung der Einrichtung der hessischen Landeskirche unter dem ersten evangelischen Landgrafen. Sie stand von Anfang an auf lutherischem Boden und bekannte sich, neben den ökumenischen Symbolen, zu der Augsburgischen Confession, der Apologie, dem kleinen Katechismus Luthers und den Schmalkaldischen Artikeln. Aber sie hielt sich fern von der Buchstäblichkeit der Gnesiolutheraner, huldigte entschieden der freieren Melanchthon'schen Lehrart, betrachtete daher auch das Corpus Philippicum als vornehmstes Lehrbuch, nahm die sogenannte Confessio variata als authentische Auslegung der ur

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