Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

schöpften, denn nur wenige unter ihnen hatten Gelegenheit das Persische im Umgange mit Persern selbst zu erlernen. Ihre Werke bleiben deshalb, bei allem wissenschaftlichen Werthe, den man wenigstens einigen derselben nicht absprechen kann, für die Erlernung namentlich der neueren lebenden Sprache, immer nur sehr unvollkommene Hilfsmittel. Ein Werk, welches gewissermassen den persönlichen Umgang mit Landeseingeborenen ersetzt und uns in das Persische der Perser, nicht das Persische der Bücher einführt, wie der Vf. selbst unterscheidet, wird daher gewiss jedem Freunde der morgenländischen Studien willkommen seyn und in vollem Maasse die Beachtung der Sprachforscher verdienen. In wie hohem Grade diese dem vorliegenden Werke gebühre, dafür giebt der Name des deutschen Gelehrten, der dasselbe einer Bearbeitung werth geachtet, den sichersten Maassstab. Um jedoch den Vf. richtig zu beurtheilen, dürfen wir ihn nicht mit dem Maasse der neueren europäischen Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie messen, die übrigens, beiläufig gesagt, die persische GramImatik seit Lumsden und Jones nicht eben um ein Erhebliches weiter gebracht hat. Der Vf, ist ein wohlunterrichteter Perser, aber kein Gelehrter nach europäischem Begriff. Gebildet genug um seine Sprache vollkommen in Gewalt zu haben, den edleren Ausdruck von dem unedlen zu unterscheiden, die besonderen Eigenthümlichkeiten seiner Sprache dem Fremden gegenüber in das rechte Licht zu stellen, liegen ihm doch tiefere sprachwissenschaftliche Studien und sprachlich-historische Untersuchungen fern; seine Beobachtungen und Erklärungen werden desshalb nicht überall vor dem Richterstuhle der Kritik bestehen können, sie sind zuweilen rein äusserlich; aber auch selbst da, wo sie unrichtig sind, bleiben sie wenigstens immer interessant als Proben einer ächt nationalen zum Theil höchst naiven Auffassung. Uebrigens wollte der Vf. keineswegs die Werke seiner gelehrten Vorgänger überflüssig machen, sondern vielmehr dieselben nur ergänzen, in sofern sie die lebende Sprache ausser Acht gelassen. Sein Bestreben ging hauptsächlich dahin, auf eine möglichst leichte und angenehme Weise in die persische Umgangssprache einzuführen, und diese Aufgabe hat er nach unserer Ansicht vollkommen gelöst. In einer zweckmässigen Stufenfolge – wir dürfen nicht vergessen, dass er zunächst nicht für deutsche Sprachforscher schrieb, sondern für die persisch lernende

englische Jugend – schreitet er von dem Leichten » zum Schwereren; immer bedacht dem Schüler einen möglichst grossen Vorrath von Wörtern und Ausdrucksweisen zu schaffen, giebt er zugleich mit der Abwandlung der Wörter durch die ganze Formenlehre hindurch eine reiche Sammlung von Phrasen, die je weiter nach dem Ende zu destomehr die Gestalt vollständiger Sätze und Perioden annehmen, bis zur Syntax, die er auf eine ebenso anziehende als originelle Weise in einer Reihe von Gesprächen behandelt, welche sich jedoch sehr vortheilhaft von den gewöhnlichen Wetter – und Höflichkeitsdialogen unterscheiden. Ein deutscher, im Original ein englischer, Herr der sich in Persien aufhält, bedient sich in den hier gegebenen Unterredungen mit seinem persischen Freunde mancher Wendungen, die dem Sprachgebrauche oder den Regeln der Syntax widersprechen und welche der Perser auffasst, um seine syntactischen Belehrungen daran zu knüpfen. Zur Abwechselung erscheinen auch einige Personen aus niederem Stande auf der Scene, deren Ausdrucksweise ebenfalls zu lehrreichen Bemerkungen Anlass giebt, doch sorgt der Vf. dafür, dass dieselben wenigstens nicht grammatisch unrichtig sprechen. – Neben der Syntax verdient besonders das Capitel von den Verkleinerungswörtern hervorgehoben zu werden, die hier gründlicher und übersichtlicher behandelt sind, als in irgend einer anderen uns bekannten persischen Grammatik. Weniger befriedigend möchten die Bemerkungen über die Präpositionen, Conjunctionen und Adverbien seyn. Auch die Behandlung des Verbum, obgleich der Vf, ein einfacheres System der Conjugation angenommen hat, als frühere Grammatiker, lässt noch manches zu wünschen übrig. Was nun die Uebersetzung anbelangt, so hat das Werk unter der geschickten Hand des deutschen Bearbeiters, der überall mit richtigem Tacte die Körner von der Spreu zu sondern versteht, sowohl an Form als Pnhalt gewonnen, indem er sich angelegen seyn liess, alles Unnütze und Ueberflüssige auszuscheiden, Getrenntes zusammenzuziehen, Irthümliches theils stillschweigend im Texte, theils in zugefügten Anmerkungen zu berichtigen, ohne jedoch die interessante Eigenthümlichkeit des Wer– kes anzutasten, so dass wir ihm nur dankbar dafür seyn können, dass er sich nicht auf eine blosse Uebersetzung beschränkt hat. Die Abweichungen des Vf's von der regelmässigen Vocalisation persischer und besonders arabischer Wörter und seine

Schwankungen darin hat der deutsche Bearbeiter beibehalten, und gewiss mit vollem Rechte, denn wie im Türkischen, so ist auch im Persischen die Aussprache der Vocale nicht überall dem ursprünglichen Laute des arabischen Vocalzeichens entsprechend und deshalb sowohl die Aussprache als die Bezeichnung schwankend, und auch in den ursprünglich arabischen Wörtern wird in beiden Sprachen weder die arabische Orthographie noch die grammatisch richtige Vocalisation überall streng beobachtet, am allerwenigsten in der Sprache des gemeinen Lebens, mit der wir es hier zunächst zu thun haben. Man muss sich daher wohl hüten, dergleichen Inconsequenzen in der Orthographie und Vocalisation ohne Weiteres für Fehler zu erklären. Bei der Wiedergebung persischer Wörter mit lateinischen Buchstaben hält der deutsche Bearbeiter den ursprünglichen reinen Laut der drei kurzen Vocale a, i, u fest; nur statt des i, wo es wie ein hebräisches Schwa mobile, oder bei harten Consonanten stumpf wie ein slavisches y lautet, ist nach dem Vorgange des Vf's einigemale gesetzt. Diese Art die Vocale wiederzugeben hat den Vortheil, dass man sogleich das entsprechende arabische Vocalzeichen wieder erkennt, allerdings aber erleiden die Vocale in der Aussprache manche Nüancirungen, die freilich in der Umschreibung genau wiederzugeben zu mancher Verwirrung und Undeutlichkeit führen, in manchen Fällen sogar ohne Zusammensetzungen nicht gut möglich, und bei dem Schwanken der Aussprache höchst unsicher seyn würde. So lautet z. B. das Fath bald mehr dem a, bald mehr dem e, ähnlich, aber auch in vielen Worten, wenigstens in manchen Provinzen, dumpf und fast wie 0 oder ö. Das Persische steht übrigens in dieser Hinsicht nicht allein, man vergleiche z. B. nur das Englische. Die richtige Aussprache kann überhaupt nur im Umgange mit Eingebornen erlernt werden und alle künstlichen Beziehungen werden eben so wie die Regeln, die man über dieselbe aufstellen könnte, den Zweck immer nur halb erreichen. Bei der Umschreibung der Consonanten hat der deutsche Bearbeiter den Grundsatz festgehalten, den persischen Buchstaben immer durch nur einen entsprechenden lateinischen wiederzugeben, mit oder ohne durch zugesetzte Zeichen angegebene Modification. Die Buchstaben, welche in der persischen

Aussprache nicht unterschieden werden, giebt er»

da es sich hier eben nur um die Aussprache han

delt in der lateinischen Schrift durch einen und denselben Buchstaben wieder, z. B. e2 u. 2 durch t; E>, U. u. U2 durch s. Dieses System etwas weiter ausgebildet, so dass die in der Aussprache gleichen, in der Schrift verschiedenen Laute, durch dem Buchstaben zugefügte Punkte unterschieden werden, dürfte bei Umschreibung persischer wie arabischer und türkischer Worte allgemein zu empfehlen seyn, wie es auch bereits von mehreren Seiten Anerkennung und Nachahmung gefunden hat. Am Ende des Werkes ist ein alphabetisches Verzeichniss arabisch – persischer Schulwörter gegeben. Nach der ursprünglichen Anordnung des Vf's sollte dieses Verzeichniss zunächst eine Anleitung seyn, englische Schulwörter im Persischen auszudrücken; der deutsche Bearbeiter hat es jedoch umgekehrt und giebt uns anstatt des englisch persischen Glossars ein nach der Reihenfolge des arabischen Alphabets geordnetes arabisch deutsches Wörterbuch der arabischen grammatischen Kunstsprache, das zwar keineswegs vollständig ist, das aber jeder der an das Studium der arabischen und persischen Nationalgrammatiker geht, mit grossem Nutzen gebrauchen wird. Den Anhang bildet ein Capitel über den Gebrauch arabischer Wörter im Persischen, welches, obwohl zunächst für diejenigen bestimmt, die ohne Kenntniss des Arabischen sich an das Studium des Persischen wagen, doch auch für die nicht ohne Nutzen seyn wird, die sich bereits mit dem Arabischen beschäftigt haben, da es eine Uebersicht über diejenigen Arabischen Wortformen giebt, welche im Persischen besonderes Bürgerrecht erhalten haben. Fehlte es uns, wie für die übrigen orientalischen Sprachen, so auch namentlich für das Persische, bisher noch an guten, in unsrer Muttersprache geschriebenen Lehrbüchern, so können wir wohl behaupten, dass das eben besprochene Werk einem empfindlichen Mangel abhilft, und können wir den Wunsch nicht unterdrücken, das Beispiel des deutschen Bearbeiters möchte Nachahmung finden und wir wie unsere Nachbarn auch in dieser Beziehung bald auf eigenen Füssen stehen und die Sprachen Asiens mit Hülfe unserer eigenen Muttersprache verstehen lernen. Zenker.

Ge bau ersche Buch druckerei.

AI, LGEMEINE LITERATUR - / EIT UNG

Monat April.

11S49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Kirche und Staat. Ueber die deutsche Kirchenfreiheit – – von Dr. Jos. Ign. Ritter u. s. w. Katholische Kirche und katholische Partei von Dr. O. Mejer u. s. w. ( Fortsetzung von Nr. 91.)

Huer lässt Seite 13 diese Stelle, nach Weglassung der ersten Sätze, also abdrucken: S. 2. ,,Sie (die Kirche) hat niemals ein Geheimniss daraus gemacht u. s. w. Mit Recht replicirt deshalb Me

jer jetzt S. 22. 23. „Ich protestire gegen Ihre Verdrehung meiner Worte auf S. 13 Ihres Sendschreibens. . . . . Sie fügen einem Pronomen , sie” in Klammern hinzu, die Kirche”, wo es meiner Meinung nach jedem ungetrübten und nüchternen Auge, das deutsch lesen kann, klar seyn muss, dies ,, sie” deute auf die Partei. Ich frage Sie auf Ehre, ob Sie denn wirklich so ungenau zugesehen haben, das nicht zu erkennen?" In der oben mitgetheilten Stelle heisst

es dann weiter: ,, Ist sie doch schon längst, wie das in der Natur der katholischen Kirche liegt, mehr eine politische Partei, als eine kirchliche in Deutschland gewesen.” Dazu macht R. die Anmerkung: „ dass Sie die katholische Kirche in Deutschland mehr eine politische als kirchliche Par– tei nennen, vergebe Ihnen Gott, denn ich muss dies für eine Verläumdung erklären, für die ich Beweise verlange. Nicht als wenn ich jede politische Partei für etwas Schlechtes hiel– te, aber die Kirche hat ihre Mission compromittirt, wenn sie zur politischen Partei wird." Mild genug erwidert hier

auf der Angegriffene: „Ich frage an, ob es einem gebildeten Menschen geziemt, an solch einen eigenen groben Fehler noch eine grobe Beleidigung gegen einen Fremden anzuknüpfen? – die denn für diesmal freilich wohl auf Sie selber zurückfällt – . Ich kann mir diese Verblendung lhrerseits, die Sie unfähig macht zu unterscheiden, ob ich von der katholisehen Kirche oder der ultramontanen Partei spreche, kaum anders erklären, als wenn ich wirklich annehme, Sie seyen ein Mitglied dieser Partei. Denn das ist bekannt und alt, dass diese sich immerfort mit der Kirche verwechselt oder zu verwechseln sucht, und es möglichst festzuhalten strebt, dass eigentlich sie allein unter allen katholischen Fractionen die Kirche wahrhaft darstelle. Da könnte es wohl auch Ihnen begegnet seyn, wirklich zu glauben, dass die Kirche verletzt worden, wo ganz allein von der Partei die Rede ist." Dieser in's Persönliche übergehende Streit ist

unerquicklich genug. Die Wissenschaft kann dabei

nichts gewinnen. Freilich hatte H. diese Antwort provocirt; ganz angemessen haben wir es aber gefunden, dass M. hier zugleich Gelegenheit genommen hat, den Satz zu erläutern, wie aus dem Wesen der römisch-katholischen Kirche die politische Gestaltung der ultramontanen Partei sich mit Nothwendigkeit ergiebt. Dem Vf, wäre es übrigens leicht genug gewesen und nicht wenigen hätte er damit einen wahren Dienst geleistet, wenn er dies noch ausführlicher gethan hätte, als es auf S. 9. 11 fg. geschehen ist; doch ist es nöthig, darauf weiter einzugehen, indem wir den Inhalt beider Streitschriften genauer betrachten. Den eigentlichen Zweck seines Sendschreibens giebt R. im Schlusssatze desselben an: „Ich würde mich sehr freuen, wenn es mir durch diese Zeilen gelungen wäre , Ew. Wohlgeboren Besorgnisse, die katholische Kirche Werde ihre Freiheit dazu missbrauchen, den Staat entweder Zu beherrschen oder zu zerrütten und der jungen Freiheit die Flügel zu lähmen, zu zerstreuen". M. erscheint natürlich als Repräsentant vieler Gleichgesinnten und an alle diese wendet sich der Vf. durch das gedruckte offene Sendschreiben. Ist dem Vf, nun wirklich seine Ansicht gelungen? M. macht hier dem Vf, wie wir schon angaben, den Einwurf, dass er von ihm missverstanden sey – ob mit oder ohne Willen? – da es sich nicht um die Besorgnisse vor der katholischen Kirche, sondern vor der jetzigen ultramontanen, künftigen katholischen Partei handelt (s. besonders S. 8. 9 u. m. a. Stellen). Eristirt aber auch nun eine solche Partei? R. sagt: Nein. S. 7 , Ew. Wohlgeboren hegen also die Ueberzeugung, dass irgendwo eine Partei in der katholischen Kirche verborgen sey, welche die Herrschaft über den Staat sich erkämpfen wolle. Die Sache wäre keiner Widerlegung werth, wenn in unsern Tagen nicht das Unglaublichste geglaubt würde. ... Gäbe es in der katholischen Kirche eine Partei mit weitverzweigtem Einflusse, so würde sie gewiss vor allem den Papst aus seiner Bedrängniss retten, würde aus Wien die Liguorianer nicht haben vertreiben lassen, und sich einen erfolgreichen Einfluss auf die Wahlen für die Versammlungen in Frankfurt und Berlin verschafft haben, was, wie Sie selbst einräumen werden, nicht der Fall ist” und vorher S. 5 „Es soll in der katholischen Kirche eine Parthei geben, die eine im Innern festgegliederte, lebendige, geWir versagen uns ungern, beide Schriftsteller in der Erörterung dieses Punktes hier noch reifer sprechend aufzuführen und überlassen es denjenigen, die dafür Interesse haben, beide Brochüren selbst zu lesen. Die schlagenden Entgegnungen in M.'s Schrift werden auf sie den Eindruck machen, dass nicht Behauptungen aufgestellt sind, die etwa aus der Luft gegriffen wären. Auch bedarf es in der That hier keines weitern Commentars für jeden, der den Ereignissen der letzten Jahrzehnte mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist.

schlossene Verfassung mit verzweigtem Einflusse besitzt,

und doch ist mir, der ich die einflussreichsten Männer, we

nigstens in Deutschland, persönlich kenne und zum Theil mit ihnen befreundet bin, bis jetzt keine Spur vorgekommen u. s. w.” (vgl. auch S. 32, worüber unten). M. erwidert darauf S. 17 fg. : ,,Sie verlangen Beweise. Hochwürdiger

Herr , das können Sie nicht ernsthaft meinen ! Sie gewiss

nicht! Indess will ich mich auf Notorietät berufen u. S. W. Ich kann in Ihrem Verlangen nach Beweisen für das Daseyn einer Partei, die alle Welt kennt und die ich doch erst „entdeckt" haben soll, nur einen processualischen Kunstgriff erblicken, über welchen ich kein Wort weiter zu verlieren brauche". Er widerlegt dann die irrige Auffassung R.'s über die katholische Partei Belgiens, deren politischen Charakter derselbe auch nicht geleugnet habe. Dass diese Partei sich dadurch von der liberalen unterscheide, dass sie die Aufrechthaltung der Constitution, diese aber deren Umsturz, den Anschluss an Frankreich und die Republik wolle, sey eine Unwahrheit und widerlege sich durch einen einzigen Blick auf die heutigen Belgischen Zustände. Wenn R. ferner so thue, als gäbe es keinen andern Gegensatz gegen die demokratische Partei, als die ultramontane, und als hätte die katholische Geistlichkeit niemals für etwas Anderes, als die Monarchie geschwärmt, von revolutionären Gelüsten hingegen sich allezeit fern gehalten, so sey dies wiederum unwahr. Das lehre Belgien und Frankreich. Auch ,, möchten nicht wenige aufrichtige Anhänger der rechten Seite seyn, zu denen ich mich auch zähle, welche doch eine Vermischung und Verwechslung mit der ultramontanen Partei bestimmt ablehnen müssten. ” . . . . ., Aich sehe ich die Consequenz nicht ein, dass, weil Gefahr von den Republicanern droht, man nicht gegen die Ultramontanen schreiben solle. Im Gegentheile. . . . Ich muss Ihnen sagen, ich habe Furcht, dass sich – zwar gewiss niemals die katholische Kirche – wohl aber die ultramontane Partei, wie ehedem in Belgien, so nun auch in Deutschland, wenn es ihr zweckmässig erschiene, sich auf eine Zeit lang mit den Republicanern verbinden könnte.... Sie leugnen allerdings beinahe die Möglichkeit einer solchen Verbindung ab, in einer Stelle, die mir, ich gestehe es, die interessanteste in Ihrem ganzen Sendschreiben gewesen ist (S. 24); indem Sie sagen: Aber ich fürchte sehr, dass die (republicanische) Propaganda nach den neuesten Niederlagen in Prag, Paris und Frankfurt Alles aufbieten werde, diesen Frieden (der Confessionen) zu hintertreiben, um unter dem Mantel der Religion, wie im J. 1829 und 1830 in Belgien und seit 1844 in Deutschland und in der Schweiz, die politische Bewegung im Flusse zu er– halten: . Hier, glaube ich, sind wir an einem Punkte, wo, wenn Sie darüber weitere Aufklärungen geben wollen, wie Sie es zu können scheinen, Sie Ihrer Partei einen wahren Dienst leisten würden. Bisher ist doch wohl überwiegend angenommen worden, dass die revolutionär – hierarchischen Bewegungen, die Sie berühren, nicht allein der revolutionä– ren, sondern eben so sehr der ultramontanen Propaganda zuzuschreiben seyen u. s, w.”

Wir wenden uns nun zu einem andern Punkte, welcher für den eben besprochenen die Basis bildet. M. hatte in seiner ersten Schrift die Vermuthung ausgesprochen, dass wir in wenigen Monaten die gänzliche Unabhängigkeit der Kirche vom Staate proclamirt sehen würden. Wir hatten unsre Zweisel dagegen ausgesprochen und bemerkt, dass es allerdings dem Willen der strengen römisch – Katholischen gemäss sey, diese absolute Unabhängigkeit zu erlangen, um dann den Staat beherrschen zu können. Es überrascht uns daher nicht, dass R. (S. 2) auch diese Proclamation erwartet, obwohl er „nicht geradezu sagen kann, er freuete sich". Er hält es aber für nöthig, damit ein einiges und mächtiges Deutschland erstehe. Ja, auch S. 22, sieht er darin die einzige Möglichkeit, damit Staat und Kirche auf eine höhere Stufe gelangen, wo sie sich dann freundlich von selbst wieder die Hand bieten und vermählen werden“. Indessen ist die Meinung R.'s doch eigentlich nicht, dass es zur gänzlichen Unabhängigkeit und Beziehungslosigkeit kommen möge. Die Kirche soll (S. 3) „nur in ihre Rechte wieder eintreten, die sie in den ersten drei Jahrh. besass; sie tritt neben den Staat hin als moralische Person, und beansprucht nur solche Rechte, wie sie jeder andern Corporation nicht verweigert werden dürfen, und organisirt sich nach ihren Principien". Da die Kirche nur eine moralische Aufgabe hat, so leistet sie durch deren Vollziehung dem Staate den grössten Dienst und „auf diesen Grund hin darf die Kirche, die Bewahrerin der christlchen Religion, wiederum vom Staate dasjenige wenigstens fordern, was sie zur Realisirung ihres Zwecks nicht entbehren kann, und was er jeder andern Corporation zugesteht und leistet" und das Ziel? wird es nicht Herstellung der Grösse Deutschlands im Sinne des Vf's seyn?. Er sagt S.7 „Es gab allerdings Jahrh., wo der Einfluss der Kirche auf die Politik der Staaten sehr gross war, allein Geistlicher in einem sehr angesehenen Hause." (Das hier in Bezug genommene Factum ist uns unbekannt, dagegen scheinen die zehnjährigen Beobachtungen des Vf's sehr unvollständig gewesen zu seyn. In Bonn namentlich könnten wir ihm Exempel von „Herüberkarressirungen zur römischen Kirche" nennen, die dort keinem verborgen geblieben. Wegen der römischen Proselytenmacherei am Rhein und in Westfalen wollen wir aber nur auf die Thatsachen Bezug nehmen, welche in den gedruckten Verhandlungen der dortigen evangelischen Kreis- und Provinzial – Synoden näher nachgewiesen sind). „Wollen die Protestanten wieder in die katholische Kirche zurückkehren, so werden sie mit Freuden aufgenommen werden; aber niemand von uns denkt daran, sie mit Gewalt oder List zurückzuführen; das wäre unwürdig” (S. 22). Hierzu nehme man noch des Vf's Forderung der Verbindung von Kirche und Schule (S. 26 folg.), andrerseits die Bemerkung, es sey aus unbegründetem Misstrauen „ das Placet und das IHomagium" der Geistlichen eingeführt (S. 33)! –. Das Ergebniss wäre also: völlige Unabhängigkeit der römischen Kirche vom Staate, Herrschaft der römischen Kirche über die Schule und IHerstellung eines wirklich christlichen, d. h. römisch-katholischen Staats.

jene Jahrh. waren nicht die Jahrh. der Zerrissenheit und Erniedrigungen Deutschlands, es waren die Jahrh. von Deutschlands Grösse". Die Erniedrigung datirt seit der „Reformation“, welche „die politische Bedeutung der Kirche untergraben". Eine neue Einigung von Staat und Kirche wird dann wieder in Aussicht gestellt (S. 22 Anm.) „die concordia sacerdotii et imperii bleibt das Höchste, aber sie kann nur im wirklich christlichen Staate stattfinden”. Was versteht der Vf, unter „einem wirklich christlichen Staate"?. Ist es nicht etwa der, in welchem allein die römisch – katholische Kirche herrscht?. Thun wir ihm Unrecht, wenn wir dies als den eigentlichen Sinn seiner Erörterung betrachten? Darüber entscheide der Leser, dem wir nur diejenigen Stel–

len der Schrift vorlegen wollen, welche uns zu dieser Ansicht bestimmen. In einem Staate, der indifferent in Sachen der Religion ist, wo der Jude Deputirter, Präsident, Cultus-Minister, Minister – Präsident werden kann, ist sie (die concordia sacerdotii et imperii) ein Widerspruch oder eine Heuchelei” (S. 22. Anm.). „Der Meinung bin ich nicht (dass die evangelische Kirche dem Staate schwerlich zu thun machen werde), weil sie erst eine neue Organisation sich schaffen soll, und darüber kaum drei oder vier Geistliche unter sich einig sind (– woher weiss dies der Vf. ? –), kann sie ihm grossen Kummer verursachen. Wie nun, wenn in cinem Theile derselben das moderne Heidenthum die Ueberhand erhielte, wird ihm das recht seyn ? Nie darf, meines Erachtens, der Staat die Gewissensfreiheit so weit ausdeh– nen lassen, dass dem Volke der Atheismus oder Pantheismus öffentlich gepredigt werde. Die Freiheit der Kirche kann nicht dahin ausgedeutet werden, dass sie dem religiösen Sansculotismus Vorschub leiste. Der Staat kümmere sich nicht um das Gewissen des Einzelnen , aber er muss sich den Katechismus einer jeden neu sich bildenden Religionsgesellschaft vorlegen lassen" (S. 4). (!! Das nennt R.: „absolute Unabhängigkeit der Kirche vom Staate"). Es wird dann weiterhin (S. 17 folg.) ausgesprochen: „Es wäre eine grosse Thorheit, wenn ein Katholik noch glauben wollte, dass die protestantische Kirche durch Gewalt oder List könne gestürzt, ausgelöst oder unterdrückt werden" und dann in Beziehung auf „die Proselytenmacherei" erinnert, dass die protestantische Kirche sich deren schuldig mache, wo die katholische Kirche kein solcher Vorwurf treffe. „Ich habe selbst zehn Jahre in der Seelsorge gearbeitet, habe den Geist der katholischen Geistlichkeit in Schlesien, den Marken, am Rhein, an der Mosel und in Westfalen kennen gelernt und ehre ihn; aber nirgends habe ich eine Spur von Proselytenmacherei wahrgenommen. In Bonn z. B. habe ich nie bemerkt, dass ein katholischer Geistlicher Eintritt in eine Familie gesucht hätte, wo bei Eingehung gemischter Ehen die katholische Kindererziehung nicht war versprochen worden, um hinterher seinen Zweck

zu erreichen. Das Gegentheil aber that ein protestantischer

Nachdem wir unsere eigene Ansicht hier dargelegt, unabhängig von M.'s Replik, wollen wir auf diese selbst noch die erforderliche Rücksicht nehmen. Der Vf, bemerkt, dass die Kirche bisher vom Staate als Corporation betrachtet worden, „sie selbst aber hat sich meines Wissens mit dieser Stellung niemals einverstanden erklärt, durch welche sie allerdings den Charakter einer nicht bloss dogmatischen, sondern auch rechtlichen Einheit verlöre, den sie doch beansprucht. – Die Kirche will ihr Recht nicht von Anerkennungen (des Staats), sondern aus ihrer göttlichen Fundation als äusserliches, rechtliches Reich Gottes auf Erden, der die Welt sich fügen müsse, und daneben aus solchen Rechtstiteln begründen, die sie während ihrer mittelalterlichen Herrlichkeit erworben und deren Do– cumente in den Decretalen eines Innocenz III. und ähnlicher Päpste niedergelegt sind. Sie will von da her eine einzige grosse Corporation seyn, ausser dem Staate und neben ihm, dieselbe durch alle Staaten hindurch. Die Curie wenigstens, welche doch die Kirche den Staaten gegenüber einzig vertritt, bleibt noch heutzutage, wie seit fünf Jahrhunderten, starr und steif bei diesen Ansprüchen". Mit Bezugnahme auf Phillips Kirchenrecht wird dies

« ZurückWeiter »