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Pflanzenkunde. MWanna oder über das Seelenleben der Pflanzen,

von G. Th. Fechner u. s. w. ( Fortsetzung von Nr. 78.)

Herbe drängt sich dem Vf, selbst der Einwurf auf: ist nicht Alles, war wir hierbei zweckmässig nennen, doch eigentlich nur die halbe Verbesserung einer ganzen Unzweckmässigkeit, die um so grösser seyn musste, je künstlicherer Mittel es bedürfte, sie zu beseitigen? Wäre es nicht am einfachsten und hiermit zweckmässigsten gewesen, sofern die Bestäubung der Narbe des Pistills zur Befruchtung einmal nöthig, den Blumenstaub gleich auf der Narbe oder unmittelbar in ihrer Nähe wachsen zu lassen, statt ihn in abgesonderten Staubbeuteln anzubringen, und oft sogar die Schwierigkeiten der Uebertragung zu häufen, und dann erst besondrer IIülfsmittel benöthigt zu seyn, sie dennoch zu Stande zu bringen? Der Vf, antwortet: Wer so spricht, beweist, dass er überhaupt den Geist der Teleologie der Natur schlecht gefasst hat. Ganz ebenso könnte man ja sagen: wäre es nicht am einfachsten und hiermit zweckmässigsten gewesen, dass die Natur die Aepfel in den Mund wachsen liesse, statt dass sie uns erst Hände gab, sie aus der Ferne zu langen; oder uns die Häuser fertig hinsetzte, statt uns mit Sinnen und Verstand zu versehen, um sie uns selber zu bauen? Warum liess sie uns überhaupt etwas übrig, selber zu thun ? Die Antwort ist die, weil eben im Ersehnen und Erstreben von alle dem, was uns nicht gleich fertig zugeworfen wird, sich unsre Seele fühlend und strebend äussert und äussern soll; und so Vielerlei es giebt, was wir haben müssen, ohne es doch zu haben, so viele Weisen des Fühlens und Strebens der Seele werden möglich. Durch diese Betrachtung und durch sie allein erhalten die mannichfaltigen Mittel, welche die Natur angewandt hat, den Zweck der Befruchtung bei den Pflanzen in die Ferne zu rücken, und doch durch Zwischenwirkungen erreichen zu lassen, eine vernünftige

Deutung; werden aber auch zugleich hiermit beweisend für das Walten einer Seele in den Pflanzen; denn ist keine Seele in den Pflanzen thätig, so ist in der That jenes Verschieben und dann doch künstliche Erreichen der Zweckerfüllung ganz ohne Sinn und Ernst; haben sie aber Seele, so wird jede andere Art der Verschiebung und nachherigen Erreichung des Zwecks auch ein anders gefühltes Bedürfniss und ein andres Spiel der Befriedigung für die Seele anzeigen. Indem der Vf. selbst diesen teleologischen Betrachtungen keine eigentliche Beweiskraft zugesteht, so überlässt es Ref. dem Leser, ob dieser vielleicht – wie es der Vf, hofft – wenn nicht Beweisendes, doch Ueberzeugendes darin finden möge. Wir wen– den uns sogleich zu den Parthien der Schrift, welche ein höheres wissenschaftliches Interesse in Anspruch nehmen. Bisher hat die Wissenschaft überwiegend die Beseeltheit der Pflanzen geleugnet. Der Vf, geht speciell auf alle die Gründe ein, welche von wis– senschaftlicher Seite seiner Ansicht entgegengesetzt werden könnten. Vor Allem sagt man: die Pflanzen haben keine Nerven; ferner fehlt ihnen ein Centralorgan und überhaupt Alles, was als Ausdruck einer verknüpfenden Seelen-Einheit zu sordern wäre; und endlich haben auch die Pflanzen keine freie willkührliche Bewegung. Bleiben wir zunächst bei dem letzten Punkte stehen. Der Vf. will sich auf keine weitern Discussionen über den Begriff der Freiheit und Willkühr einlassen, sondern nur nachweisen, „dass die Pflanze hinsichtlich keines der thatsächlichen Umstände, welche bei der Beurtheilung der Freiheit massgebend seyn können, schlechter als die Thiere gestellt sind." Wer dann die Thiere für frei erklärt, wird auch die Pflanzen für frei erklären müssen; wer aber die Freiheit der Thiere läugnet, wird sie freilich auch den Pflanzen nicht zusprechen, aber auch zur Beseelung nicht von ihnen fordern können, da er sie doch auch von den Thieren nicht dazu fordert. So bleibt den Pflanzen in jedem Falle so gut Seele als den Thie

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ren; mag man Freiheit in seinem besondern philosophischen Systeme definiren, leugnen oder zugestehen, wie und soweit man will. – Woraus – fragt der Vf. – schliessen wir auf jene Freiheit bei den Thieren, die wir als wesentlich zu ihrem Beseeltseyn auch wieder zu fordern pflegen? Daraus, dass wir das Thier da – und dorthin laufen, fliegen, schreien,

Futter suchen sehen, ohne dass wir von aussen

genügende Veranlassungen dazu finden; es wirkt Etwas von Innen heraus, was wir nicht berechnen können. Ganz ähnlich treibt aber auch die Pflanze ihre Knospen, Aeste, Blüthen bald hierhin und dorthin, ohne dass wir genügende äussere Veranlassungen dazu finden oder die möglichen innern berechnen könnten. Wer will einer Pflanze nach– weisen, warum sie ihre Blätter und Zweige so und nicht anders treibt? Freilich bleibt die Pflanze in ihrer Bewegung innerhalb allgemeiner bestimmter Regeln, die mit ihrer Natur zusammenhängen; ähnlich ist es aber auch beim Thier. Freilich wird die Pflanze sicherlich bei ihren Bewegungen durch äussere Reize, Licht, Luft, Feuchtigkeit, Erde mit bestimmt; ebenso aber auch das Thier. Freilich könnte man sich bei der Pflanze möglich denken, dass die Wirkung der äussern Reize zusammengenommen mit den Bedingungen, die innerlich im Bau, der Einrichtung der Pflanze liegen, ihr Verhalten unter allen Umständen ganz nothwendig bestimmte; aber wiederum ganz ebenso bei dem Thiere. Freiheit im höchsten, im moralischen Seyn wird unstreitig Niemand weder den Thieren noch den Poanzen beilegen wollen; was man in Bezug auf Freiheit für ein Geschöpf wesentlich fordern muss, um ihm Seele zusprechen zu können, ist überhaupt nur dies, dass es den Antrieb zu gewissen Thätigkeiten als seinen eignen fühle. Ob aber dies Gefühl des Antriebes mit Nothwendigkeit entstanden ist oder nicht, kann man zwar noch untersuchen, aber, wie die Antwort auch ausfalle, keinen Beweis gegen das Daseyn der Seele daraus ziehen. Am directesten und entscheidendsten spricht sich der Charakter des Handelns aus freiem Triebe oder nach Lust beim Thiere darin aus, dass es mit einem Aufwande innerer Kräfte die ihm günstigen Lebensbedingungen zu erreichen, die ungünstigen zu fliehen sucht. Indem es nach Nahrung läuft, fühlt es was es dahin laufen macht. Warum weniger glauben, dass die Pflanze, wenn sie nach Nahrung wächst, fühlet, was sie dahin wachsen macht? Blos äusserlich davon angetrieben wird sie so wenig als das Thier. Das Thier treibt der

Hunger, die Lust am Wohlgeschmack; warum soll die Pflanze weniger hungern, wenn ihr Nahrung fehlt, es weniger schmecken, ob sie zusagende oder nicht zusagende Nahrung findet? Die Bemü– hungen, die rechte Nahrung zu finden, sind..jedenfalls bei der Pflanze nicht geringer als bei dem Thiere, und sehr analog; nur dass das Thier sich ganz fortschiebt nach der Nahrung, die Pflanze Theile von sich fortschiebt nach der Nahrung; dass die Pflanze nicht durch Augen und Ohren bei ihrem Suchen geleitet wird, sondern durch Fühlfäden, die sie nach allen Seiten ausschickt. S Indem aber die Bewegungen der Pflanze überwiegend zugleich ein Wachsen derselben sind, so liegt der Einwand nahe: man könne diese Bewegungen der Pflanze unmöglich mit einer Thätigkeit ihrer Seele in Beziehung setzen, weil auch der Mensch durchaus keine bestimmte Empfindungen von seinem Wachsthum habe, auch durchaus nicht den Trieb fühle, so oder anders zu wachsen. Der Vf, sucht dagegen zu zeigen, dass das Wachsen der Pflanzen von dem Wachsen der Thiere specifisch verschieden sey. Das Thier nämlich füllt durch sein Wachsthum nur eine vorgeschriebene Form aus, die ihm dann zur weitern Gestaltung seines Lebens dienen muss; die Pflanze dagegen treibt, wenn ihr auch durch ihre bestimmte Natur eine Gestalt im Allgemeinen vorgeschrieben ist, doch nach Belieben Zweige, Blätter in unbestimmter Anzahl und Richtung ohne feste Regel. Des Thieres Wachsthum ferner richtet sich sehr wenig nach Jahres – und Tageszeit, Witterung und andern äussern Verhältnissen, aber sein Handeln wird darin ein anderes; die Pflanze dagegen wächst verschieden nach Jahres- und Tageszeit, Witterung und sonstigen äussern Umständen; ihr Wachsen verhält sich also wie des Thieres Handeln. Die Pflanze wächst ferner, so lange sie lebt; das Thier, statt immer fortzuwachsen, läuft endlich fort. Auch erzeugt die Pflanze nie, wie dies bei einigen Thieren der Fall ist, ein abgeschnittenes Glied, sondern treibt dafür ein anderes, auch wohl anders gestaltetes an andrer Stelle. Ihr Wachsthum dient eben nicht sowohl dazu, bestimmte Organe zum Wirken zu schaffen, als es selbst das Wirken seyn soll. – Der Pflanze stehen aber ausser den Wachsthumsbewegungen auch noch viele andere in Faltung und Entfaltung, Hebung und Senkung, Biegung und Drehung ihrer Theile zu Gebote. Der Vf, hebt specieller die Bewegungen hervor, welche am entschiedendsten auf Instinkt und Empfindungen deuten (S. 137– 172). Vor Allem gehören hierher die Reizbewegungen der Pflanzen (S. 173–195). Diese sind den thierischen Reizbewegungen durchaus analog. Eine besondere Eigenthümlichkeit der thierischen Reizbarkeit liegt darin, dass sie durch Reize der verschiedensten Art in ähnlicher Weise angesprochen wird; ebenso ist es mit der Pflanzenreizbarkeit. Auch der Galvanismus, dieser so eigenthümliche Lebensreiz für Thiere, spielt bei den reizbaren Pflanzen eine ganz ähnliche Rolle. Wie ferner ein gereizter thierischer Theil bei Wegfall des Reizes allmählig von selbst zu seinem früheren Zustand zurückkehrt, doch langsamer als der Reizzustand eintrat, ganz ebenso verhält es sich bei allen Reizbewegungen der Pflanzen. Auch stumpft sich die Reizbarkeit der Pflanzen durch öftere oder länger anhaltende Reizung ganz ähnlich ab, wie bei den Thieren. Dem Einwurf ferner, dass die Pflanzen unmöglich beseelt seyn können, weil sie keine Nerven haben, begegnet der Vf. folgender Massen: Allerdings zeigt die empirische Beobachtung, dass bei den Thieren die Empfindung durch die Nerven vermittelt ist, allein, wie die Natur auch sonst denselben allgemeinen Zweck durch die grösste Mannichfal– tigkeit von Mitteln zu erreichen liebt, so ist nicht abzusehen, warum wir nicht etwas Achnliches in Bezug auf das Empfinden annehmen sollten. Sollte wirklich die Natur so steif dabei stehen geblieben seyn, geistige Organisation an leibliche nur mittelst Nervenbanden zu knüpfen? Im Gegentheil, weil sie mir in diesem Falle ärmer und rathloser als gewöhnlich erschiene, so erwarte ich, dass es neben den Thieren, wo sie den Plan der physischen Organisation mit Hülfe von Nerven durchgeführt hat, noch ein andres Gebiet geben wird, wo sie ihn in anderer Weise durchgeführt hat. Was liegt denn überhaupt in der Eiweissmaterie so Wundervolles, dass sie allein zu Trägern oder Vermittlern der Seeenthätigkeit eignete. Mir scheint der Faserstoff "er Pflanzen, wenn man einmal Fasern verlangt, #" ebenso gut geeignet; er wird nun eben für die Dispositionen der Pflanzen passender seyn, und * Eiweiss für die der Thiere. Alles wili in seiÄZusammenhange betrachtet seyn. Auf der *" wird es weder Nerven von Eiweiss noch Faserstoff geben können, es würde Alles verbrenÄ Vielleicht giebt es da solche von Platin. Viel" giebt es dort auch gar keine; denn die Nerven

sind eben gewiss nur Mittel, in gegebenem Zusammenhange Empfindungen auf eine besondere Weise zu organisiren, was anderwärts durch andre Mittel vertreten werden kann. – Ausserdem aber ist darauf hinzuweisen, dass Athmen, Säftelauf, Stoffwechsel, Ernährung in den Pflanzen entschieden ohne Nerven von Statten geht, während dieselben Funktionen im Thiere durch Hülfe der Gangliennerven bewirkt werden. Kann aber die Pflanze ohne Nerven athmen und sich nähren, warum nicht auch empfinden? Man sieht hier unwiderleglich, dass in den Pflanzen Vieles in andere Mittel gelegt ist, was bei den Thieren in Nervenwirksamkeit gelegt ist. Wollten wir nun aber auch die Möglichkeit der Beseeltheit und des Empfindens ohne Vermittelung der Nerven einmal gelten lassen, fehlt nicht weiter dem Pflanzenorganismus die wesentliche Einheit und Centralisation, ohne welche keine Beseeltheit gedacht werden kann? Unterscheidet sich die Pflanze nicht grade dadurch vom Thier, dass das Thier ein sich schlechthin in sich abschliessendes, selbstständiges Ganze ist, die Pflanze dagegen, wie sie verwachsen mit der Erde, so auch ihre eigenen Glieder nicht zu einer untheilbaren Einheit zusammenhält, vielmehr ein mehr äusserliches Convolut selbstständiger Elemente ist? Der Vf, sucht zu zeigen, dass „man bei diesem Einwande Dinge von der Pflanze zur Seele verlangt, die man auch bei Thieren nicht allgemein oder nur scheinbar findet, und an sich keinen Grund hat, als wesentlich zum Daseyn einer Seele zu fordern, theils Dinge vermisst, die im Grunde doch ebenso gut bei den Pflanzen als bei den Thieren zu finden, wenn auch in anderer Form." Zunächst ist das Thier so gut als die Pflanze ein Haufe äusserlich verknüpfter Zellen. Wo ist nun im Thiere innerhalb dieses Zellenhaufens der centrale Punkt, den man in der Pflanze verlangt. Im Gehirn? Aber das Gehirn ist blos ein Gewebe neben und zwischen einander durchlaufender Fasern, nirgends ein Punkt, in dem sie zusammenlaufen. Oder ist das ganze Gehirn selbst der Centralpunkt? Es giebt aber Thiere, die statt des Gehirns blos zerstreute Ganglienknoten haben; warum kann nun die Seeleneinheit, wo Nerven überhaupt nicht nöthig sind, nicht auch mit einer Vertheilung an Millionen Zellen bestehen, da es offenbar auf die absolute Centralisirung bei der Seeleneinheit nicht ankommt? Im ganzen Nervensysteme kann man aber den Ausdruck der centralisirenden Einheit beim Thiere auch nicht suchen, da dieses ohne centralen Punkt eben nur ein Agglomerat von Fasern ist. Das schlagendste Beispiel, dass kein Centralorgan, dass auch kein in sich zurückkehrender Kreislauf von Säften als Träger, Ausdruck oder Bedingung der Einheit, der Herrschaft, des Abschlusses der Seele in sich, wesentlich sey, gewährt uns der Polyp. – Ueberhaupt ist es nun aber widersprechend, die Seele, welche man als das allgemeine, die ganze Mannichfaltigkeit des Leiblichen verknüpfende Princip betrachtet, doch wieder in dem sichtlichen Hervortreten eines ausgezeichneten Punktes oder Organs zu suchen. Was man als Ausdruck der Beseeltheit fordern kann, ist eben nur eine durchgreifende Wechselbeziehung aller Theile und Thätigkeiten des Leiblichen und Zusammenstimmung derselben zu zweckmässigen Leistungen für das Individuum. Diess muss man aber dem pflanzlichen Organismus nothwendig zugestehen. Die wesentliche Thätigkeit einer Zelle ist, wenn sie auch eine relative Selbstständigkeit hat, doch immer bedingt durch den Zusammenhang mit allen andern. Auch ist es durchaus der Erfahrung zuwider, wenn man behauptet, dass man Theile einer Pflanze losreissen könne, ohne dass sich in der übrigen Pflanze dadurch etwas änderte. Ebenso stehen aber auch die successiven Lebenserscheinungen der Pflanze in fortwährender innerer Beziehung. Der jetzige Zustand der Pflanze ist bedingt durch den vorangehenden, und geht auch im folgenden nicht verloren, sondern wird von diesem aufbewahrt. Weist man aber, um die Nichtbeseeltheit der Pflanze zu beweisen, darauf hin, dass sich die Pflanze in beliebige Stücke zerschneiden lasse, welche selbst wieder zu einer selbstständigen Pflanze werden, so kann man bekanntlich mit sehr vielen Thieren ganz dasselbe vornehmen, ohne dass man darum diese Thiere als nicht beseelte betrachten dürfte. Der Vf, geht nun auch endlich zu dem Versuche fort, die Constitution der Pflanzenseele näher zu bestimmen. Es kommt hier vor allem auf den Unterschied der Pflanzenseele von der Thierseele an. Zunächst ist fest zu halten, dass es entschieden eine einseitige Betrachtung ist, nach welcher das Pflanzenleben nur und in jeder Beziehung unter das Thierreich gestellt wird. Auch von dieser Betrachtung aus hat man gemeint den Pflanzen die Seele absprechen zu müssen. Indem nämlich

schon in den niedrigsten Thierarten die Zeichen der Beseeltheit immer zweifelhafter zu werden scheinen, so würde für die noch niedriger stehenden Pflanzen von der Beseeltheit gar nichts mehr übrig bleiben. Sofern aber Pflanzenreich und Thierreich durch ein Zwischenreich an einander grenzen, wo die Unterschiede beider zweideutig werden, dieses Zwischenreich aber so wohl die unvollkommensten Pflanzen als Thiere enthält, so kann man das Pflanzenreich dem Thierreich nicht schlechthin als ein tiefer stehendes unterordnen, da es sich vielmehr von dem Zwischenreiche durch die höheren Pflanzen wieder zu erheben anfängt. Diess und der Umstand, dass das Pflanzenreich und Thierreich in der Schöpfungsgeschichte gleiches Datum der Entstehung haben, spricht dafür, dass das eine dem andern auch in Betreff der Beseelung nicht schlechthin untergeordnet seyn wird. Das Seelenleben der Pflanzen wird nur ein specifisch anderes seyn als das der Thiere. Ohne Trieb und Empfindung ist keine Beseeltheit denkbar; beides ist also den Pflanzen zuzugestehen. Wenn aber die Thiere, obwohl ihnen Vernunft, Selbstbewusstseyn, das Vermögen, allgemeine Beziehungen geistig zusammen zu fassen, abgeht, doch entschieden noch Erinnerungen haben an Vergangenes und Vorblicke des Zukünftigen, so wird im Allgemeinen das Seelenleben der Pflanze zu denken seyn als aufgehend im Flusse sinnlicher Empfindungen ohne Vorbilder des Vergangenen oder Zukünftigen. Der Natur würde ein wesentliches Glied fehlen, wenn sie nicht auch diese Art des Seelenlebens in ihrer Reinheit zur Darstellung brächte. Dieser Mangel an Vorund Rückblick wird bei der Pflanze vor Allem mit dem Mangel eigentlicher Kreislaufphänomene zusammenhängen, der seinerseits wieder am Mangel von Nervensystem und Gefässsystem hängt. Es kehrt in der Pflanze nichts in sich selbst zurück. Alles was sie von aussen aufnimmt, wird nur Grund, dass sie noch mehr von aussen aufzunehmen trachtet, und dass sie es anders als bisher aufzunehmen trachtet; und dieser Causalbezug des Früheren zum Späteren reicht hin, einen psychologischen Fortbezug des Psychischen, welches sich daran knüpft, zu unterhalten; aber von reflectirten Functionen im Physischen ist nichts sichtbar, welche sich als

Ausdruck oder Träger entsprechender psychischer darstellten. (Der Beschluss folgt.)

G e bau ersche Buch druck erei.

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Pflanzenkunde.

AWanna oder über das Seelenleben der Pflanzen, von G. Th. Fechner u. s. w.

(Beschluss von Nr. 79.)

Mag daher auch im Ganzen die Pflanze niedriger stehen als das Thier, so steht doch die Sinnlichkeit der Pflanze höher als die des Thieres, weil sie eben hier die Bedeutung der vollen Lebenssphäre annimmt, beim Thiere nur die einer untergeordneten Seite. Die innere Einfachheit des Seelenlebens der Pflanze verträgt sich sehr wohl mit einer äussern Mannigfaltigkeit desselben nach andern Beziehungen. Sogleich in der Vielartigkeit der äussern Anregungen, denen die Pflanze unterliegt, der Mannigfaltigkeit ihrer Theile und der vielgestaltigen Art, wie sie mit diesen gegen jene reagirt, liegen hinreichende Gründe, auf eine Mannigfaltigkeit sinnlicher Empfindungen und Triebe bei ihr zu schliessen. Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Erschütterung durch die Luft, Berührung durch Insecten, Einfluss der Nahrungs- und Athmungsstoffe; alles wirkt in eigenthümlicher Weise auf die Pflanze. Ebenso sind aber auch die Wurzel, Blätter, Blüthen, und in den Blüthen die Blumenblätter, die männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorgane in verschiedener Weise gebaut, so dass alle diese Glieder des Pflanzenleibes gegen jene Agentien in eigenthümlicher Weise reagiren. Natürlich wird man nicht erwarten können, dass die Pflanzen von denselben Anregungsmitteln der Empfindung auch gerade dieselbe Empfindung als wir davon tragen; nur eine gewisse Analogie mag statt finden, wir wisSen nicht wie weit. Dass aber die Triebe und EmPfindungen der Pflanzen in ihrer einfachen Sinnlichkeit mannigfaltiger und dabei kräftiger als die des Thieres zu denken sind, dafür spricht einmal °hon die Analogie, nach welcher auch beim Men*chen die Sinnlichkeit um so kräftiger und entwik

kelter ist, jemehr das geistige Leben zurücktritt. Ferner aber ist die Pflanze der Einwirkung aller Sinnenreize vielmehr nackt und bloss gestellt und reagirt mit kräftigern Lebensthätigkeiten dagegen als wir. Endlich aber zeigt sich dies darin, dass das Thier seine Sinne, so zu sagen, gleich fertig, als Basis für seine höhern Entwickelungen mitbekommt, während das Leben der Pflanze selbst sich dazu bestimmt zeigt, seine Sinnesbasis quantitativ immer weiter und qualitativ immer höher auszubauen. Dem Thiere ist die Sinnlichkeit als eine abgemachte Sache vorgegeben, der Pflanze als erst abzumachende aufgegeben. Jedes neue Blatt kann als ein Organ mehr angesehen werden, womit es sich den Sinnenreizen darbietet und in der Blüthe schliesst sich zuletzt noch ein ganz neues und hö– heres Reich der Sinnlichkeit auf. Hiermit gewinnt die Sinnlichkeit einen immanenten Zweck, den sie im Thiere nicht hat, gewinnt ein inneres Leben, was dem Thiere abgeht. Die Sinnlichkeit ist beim Thier bloss die Thür, bei der Pflanze das Zimmer selbst, worin gelebt wird. Dies sind im Wesentlichen die Reflexionen, durch welche der Vf, uns von der Beseeltheit der Pflanzen zu überzeugen sucht. Wir fragen: in wie weit ist hierdurch eine wissenschaftliche Einsicht gewonnen? Der Vf, hält nicht viel von der Philosophie; er spricht von ihr fast nur mit Geringschätzung, als von einer subjectiven Abstraction, durch welche die Wirklichkeit nicht begriffen, sondern im Gegentheil verkannt, nach einseitigen Kategorien beliebig zurecht gemacht werde. Trotz dem dringen sich ihm wiederholt allgemeine philosophische Betrachtungen auf; er muss zugestehen, wie die specielle Frage nach der Beseeltheit der Pflanzen von den allgemeinen Anschauungen des Wirklichen auf das tiefste berührt wird. Er setzt aber sogleich hinzu: „Wer ist nicht schon ermüdet von dergleichen allgemeinen Erörterungen, und wer würde zuletzt etwas damit gewonnen halten? In der That,

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