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Die Asiatische Gesellschaft in L0nd0n.

De Asiatische Gesellschaft in London (Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland) hat in den letztverflossenen Jahren in mehr als einer Beziehung einen neuen Aufschwung genommen, ihre Mittel haben sich besonders durch einige Schenkungen gehoben, ihre Verbindungen haben sich er– weitert, ihre Arbeiten ein tiefer eingreifendes Interesse gewonnen. Das Patronat der Gesellschaft hat die Königin Victoria übernommen. Vice-Patrone sind der Prinz Albert, König Leopold von Belgien und die beiden höchsten Autoritäten der Ostindischen Compagnie. Der Vorstand (Council) besteht aus 25 Mitgliedern, der Graf Auckland hat das Präsidium, Prof. Wilson steht ihm als Director der Gesellschaft zur Seite, Richard Clarke ist Secretär, AWorris Assistant Secretary, J. Shakespear Bibliothekar. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf ungefähr 350. Die acht „ IIonorary Members" sind der König von Preussen, der Prinz Johann von Sachsen, Louis Philippe, der Pascha von Aegypten, der Imäm von Maskat, der Raja von Satära, der Nawob Ikbal-ud-Daula Bahadur und der (kürzlich verstorbene) Schah von Persien. Unter den 60 auswär– tigen Mitgliedern (Foreign Members) figuriren ausser einigen jüngst verstorbenen, wie Balbi, J. J. Schmidt, sogar noch Th. Ch. Tychsen und F. Wilken. Dazu noch einige und funfzig correspondirende Mitglieder. Als besonderer Ausschuss besteht daneben der Oriental Translation Fund mit einem Committee an der Spitze und einer Reihe Subscribeñten, und in einer weniger engen Verbindung mit der Gesellschaft die Society for the publication of oriental Texts. Ausserdem haben sich der Londoner Gesellschaft die schon länger in Bombay und Madras bestehenden, sowie dic kürzlich in Ceylon und in Hong Kong zusammengetretenen Gesellschaften als Branch Societies angeschlossen, während die Calcuttaer als „the Parent Society in Bengal" bctrachtet wird. Die Einnahmen der Gesellschaft bcstanden im J. 1846 in: 1030 l. an Beiträgen der

Mitglieder, 100 l. Geschenk von James Alexander, 100 Guineas jährl. Zuschuss von der Ostind. Comp., 30 l. vom Or. Transl. Fund und 32 /. Erlös von verkauften Exx. des Journals. Die Ausgaben beliefen sich im Ganzen auf 1292 l., also bedeutend über die Einnahmen, woran besonders der kostspielige Druck der Rawlinson'schen Arbeiten seinen Theil trug. Im J. 1847 war die Bilance 1180 /. Kürzlich hat die Gesellschaft ein eignes geräumiges Haus acquirirt, zu welchem Behuf die Ostind. Comp. ihren Zuschuss verdoppelt hat.

Unter den Mitgliedern, welche die Gesellschaft neuerlich durch den Tod verloren hat, ist der Raja von Travancore, ein gelehrter Gönner der Gelehrsamkeit, der ausser den Sprachen und Litteraturen des südlichen Indiens auch Sanskrit, Persisch und Englisch verstand. Er hatte die Erziehung eines freisinnigen Brahmanen, eines Schülers des Missionar Schwartz, genossen. Mit 16 Jahren (1829) auf den Thron gelangt, richtete er Schulen, eine Druckerei und eine Sternwarte ein, für die er vortreffliche Instrumente und einen englischen Astronomen Namens Caldecott verschrieb, welcher dort regelmässige astronomische, meteorologische und magnetische Beobachtungen anstellte und ein astronomisches Jahrbuch drucken liess. Ferner starben General Vans Kennedy in Bombay, Verfasser der Researches into the origin and affinity of the principal languages of Asia and Europe, und der Researches into the nature and affinity of ancient and Hindu Mythology, der Sinologe Robert Thom, engl. Consul in Ningpo, der Major Eduard Moor, der Her– ausgeber des Hindu Pantheon (1810) und der Oriental Fragments (1834), auch Sir James Annesley, der durch einige gewichtige Schriften über die Krankheiten Indiens bekannt ist.

Was nun die Arbeiten der Gesellschaft betrifft, so ist das periodische Journal derselben, abgesehen von den ihm vorangegangenen drei Quartbänden ,, Transactions", jetzt auf 10 Bände gewachsen, deren jeder in 2 bis 3 Nummern oder Heften erschienen ist. Von dem Translation Fund sind in den letzten vier Jahren folgende Werke im Druck vollendet worden: ein Theil von Quatremères Geschichte der Mamluken, ein Theil von Slane's Ibn Khallikan, der 4. Band von Flügels Hägi Khalfa, der 2. Theil von Hammer's Travels of Evlia Efendi, das von Sir Gore Ouseley nachgelassene Werk » Critical Notices of several Persian authors" mit einer Biographie Ouseley's von James Reynolds, der 2. Th. von Garcin de Tassy's Histoire de litt. Hindoui et Hindoustani, Dr. Stevenson's Uebersetzung von zwei Büchern der Dschaina – Secte, nämlich Kalpa Sütra, das erste ihrer heiligen Bücher und Nawa Tatwa philosophischen Inhalts. Von der Text Society wurden in den letzten Jahren theils schon veröffentlicht, theils der Vollendung nahe gebracht: der zweite Theil des Schahrestäni von W. Cureton, das Däsa Kumära Caritra, zwei Gedichte des Ahli Schiräzi von M. Bland, die Festal Letters of Athanasius in syrischer Sprache von Cureton, von der Khamzah des Nizämi der zweite Theil des ersten Gedichts und von der des Gämi zunächst die ,,=-S X äs bearbeitet von Prof. Forbes Falconer, beide letztere unterstützt durch einen ausserordentlichen Geldzuschuss des Hrn. "J. B. Elliott in Calcutta, Mirkhond's Geschichte der Atä– begs von Morley mit Abbildung aller bis jetzt bekannten Münzen dieser Dynastie. Auch wurde Dozy's Geschichte der Almohaden unterstützt, und Prof. Duncan Forbes wird demnächst die IIadikah des Senäi nach zwei alten und guten Handschriften ediren. Schon die früheren Bände des Journals der Gesellschaft enthalten viele Aufsätze von wissen– schaftlichem Werth und dem verschiedenartigsten Interesse, z. B. Analysen des Inhalts mehrerer Purana's von II. H. Wilson und Dr. Stevenson, des letzteren Abhandlungen über die Cultusformen im südlichen Indien (Bd. VII u. VIII), über den Zustand Indiens in der Vormuhammedanischen Zeit von W. H. Sylkes (Bd. VI), Lieut. Mewbold's Aufsätze über die geologische Beschaffenheit des Dekkan, Dr. Royle über den Fortgang der Baumwol– lencultur in Indien und die Thee-Anpflanzungen in Assam *) u. a. m. – Auf die früheren Bände des Journals können wir jetzt nicht mehr zurückgehen. Während der letzten drei Jahre hat aber die Ge

sellschaft zwei Bände gleichzeitig und neben einander erscheinen lassen. Während der neunte Band in gewohnter Weise vermischte Abhandlungen brachte und in drei Heften (No. XVII, Part. 1. 2. und No. XVIII) 1846–1848 ausgegeben wurde, druckte man in derselben Zeit und gleichfalls in drei Abtheilungen den zehnten Band, welcher ganz für die schon berühmt gewordenen Arbeiten des Major Rawlinson über Keilinschriften bestimmt war. ( D ie Fortsetzung folgt.)

Medicin, Die pathologische Gewebelehre, von Dr. Friedr. Günsburg. II. Bd. Die krankhaften Veränderungen der Gewebe des menschlichen Körpers. Grundriss der pathologischen Lntwickelungsgeschichte. Mit 2 Taf. gr. 8. XII u. 412 S. Leipzig, Brockhaus. 1848. (2/2 Thlr.) Handbuch der allgemeinen und speciellen Gewebelehre des menschlichen Körpers für Aerzte und Studirende, von Dr. Jos. Gerlach. Mit zahlreichen in den Text eingedruckten Holzschnitten. Erste Lief. gr. 8. 152 S. Mainz, Janitsch. 1848. (in 3 Lief. zus. 3 Thlr.) Wie der Mensch, kann die Wissenschaft, die sein eigentlichstes Wesen ausmacht, nicht ohne IIoffnungen bestehen. Wie in der abstracten Wissenschaft, der Philosophie, müssen deshalb auch in jeder angewandten die Methoden wechseln. Die microscopische Methode dürfen wir aber immer noch eine glückliche nennen, weil sie ein grosses Factum, die Zelle, entdeckte. Aber dieses Factum selbst enthält auch ihre Kritik, ihre Begrenzung; denn weil die Zelle dem Thier und der Pflanze gemeinschaftlich ist, desorganisirt sie die animalische Structur nicht minder, als die chemische Elementar – Analyse, und wird es noch lange dauern, bis ihre einförmigen Endergebnisse schärfer individualisirt und gleichsam geometrisch formulirt sind, analog den chemischen Analysen. Diese nothwendige Gleichförmigkeit, dieses erste Stadium der Micrologie, kann begreiflich nur durch eine Art von Beweis bis zum Ueberdruss, oder durch massenhafte Bestätigung in eine weitere Entwicklung treten, und wir finden hier den eigentlichen Platz, welchen Hr. Günsburg in dieser Disciplin einnimmt, nämlich den Uebergangspunkt von jenem ersten beschlossenen zum zweiten begonnenen Stadium. G. bringt neue Facta hinzu, um sie physiologisch zu deuten und um das Gesetz des pathologischen Zellenlebens zu finden. Wir bedauern nur, dass eine gewisse Unsymmetrie und Unordnung im Stoffe liegt, dass weder alle Krankheitsgebilde beobachtet, noch die beobachteten mit gleichmässiger Sorgfalt behandelt sind, dass bei der Einrahmung desselben durch die verschiedenen Originalsysteme (Haut, Knochen, Gefäss, Nerven, Athmungs-, Dauungs–, Harn –, Geschlechtsorgane, 5 – 12ter Abschnitt), während die Krankheiten der verschiedenen normalen Gewebe den leitenden Faden abgeben mussten, Klarheit nicht gut erreicht werden konnte. In der That macht Vf, hier Nachträge zum 1. Bande, wie er sie ins Unendliche fortsetzen könnte, während in jedem Abschnitte alles, alle Leiden aller Gewebe zur Erscheinung hätte gebracht werden können. So sehr differirt aber der wesentliche und formelle Werth des Buches, dass z. B. Theile von Missbildungen (Transposition der Herzhälften etc.), die gar nichts mit der patholog. Gewebelehre zu thun haben, dennoch sehr instructiv beleuchtet sind. Auch gewährt der Inhalt eine genügende Uebersicht zum etwaigen Vergleiche von Vf's Fällen und eignen Beobachtungen, wozu das Buch besonders bestimmt seyn dürfte. Einer specielleren Analyse ist hier nur der 13te Abschnitt: Grundzüge einer pathol. Histogenese, fä– hig. I. Vf, postulirt vor allem für diese die gleichen Elemente: Zelle und Faser, und verwirft die Unterscheidung in homologe und heterologe Gewebe, welche histologisch nicht zu beweisen seyen. Aber eben deshalb sprechen wir von Desorganisation in Zelle und Faser, und wenn sich auch alles Harte in histologisch gleichen Staub verwandeln lässt und die verschiedenartigsten Körper in denselben Formen erscheinen können, so folgt doch nur, dass Histologie für sich keinen vollen Beweis abgebe. II. Die Identität der Entwicklung der pathol. und normalen Zelle muss ebenfalls in histologischer Hinsicht genommen werden. Die normalen Zellen bieten freilich so verschiedene Metamorphosen dar, dass diese Identität oder Analogie nicht schwer hier oder dort zu finden ist. Die Identität in der ersten Bildung (S. 345) scheint uns aber wenig zu bedeuten. III. Das Bildungsmaterial für die pathol. Zelle ist das Blutserum. Aber welches Serum? Ist die

*) Dr. Royle war Secretär des im J. 1836 von der Asiat. Gesellschaft ernannten Committee für Ackerbau und Handel in Indien, welches unter seiner Leitung äusserst thätig war, bis im J. 1839 die Ostind. Compagnie diese Angelegenheit in die Hand nahm, um sie in grösserem Maassstabe fortzuführen.

ses stets desselben Inhalts? Wenn „das Bildungsmaterial mit dem Medium der allgemeinen Nutrition identisch" wäre, so stände eben immer nur allgemeine Nutrition zu erwarten und die postulirte » selbsteigne Gestaltungsfähigkeit" des Materials bedürfte immer noch besonderer Determinationen. Auch gestattet Vf, begreiflich IV. Differenzen des Blastems und Verschiedenheiten der Bildungsstätten, als Ursachen der besonderen pathol. Formen. (Die Zelle spielt hier die Rolle, wie weiland die Entzündung oder ihre Lymphe, statt welcher ihre Körnchen etc. auftreten ). V. Diese Differenzen sind theils chemisch, je nach dem Fibrine – Gehalt und andern noch zu wenig bestimmten Stoffen, theils vital, wie wir die vom Vf, postulirte Zerfällbarkeit der Zellen zu andern, niederen Producten nennen. VI. Der Einfluss der Bildungsstätte bedinge Isomorphismus, Hypertrophie, oder analoge Bildung: Regeneration, oder der Einfluss finde nicht Statt, und es entsteht dysmorphe Bildung. Unseres Erachtens gehört nur letztere hieher, während Hypertrophie und Regeneration nur Variationen der normalen Nutrition seyn dürften. VII – X. Geistreich werden dann, um alles auf eine pathol. Zelle reduciren zu können, Hemmungs- und Excess– Bildungen der Zelle angenommen. Die Zelle bleibt in der Kernbildung stehen: Tuberkel; die Kernbildung ist unvollständig: typhöses Product; die Zelle bleibt auf der Stufe der höchsten, individuellen Gestaltung: Krebszelle. Diese Idee sucht Vf. zu begründen, indem er die Entwicklung der pathol. Zelle bis zu ihrer Vollendung in Hülle, Kern, Körperchen und Nebeninhalt nach dem Schicksale ihrer einzelnen Elemente verfolgt und die Ereignisse des Zellenlebens: Vermehrung und Wachsthum, Faserung und Schichtung in ihrer Mannigfaltigkeit vorführt. Er kommt dann zu den Excessbildungen oder vorschnellen Entwicklung der Zelle, wodurch diese sich gleichsam überlebt und in die Involution tritt. Dies geschieht durch übermässige Kernbildung (die Eiterkugel), in welcher sich ihre Bildungskraft er– schöpft, durch vorschnelle Faserbildung und Zerfallen in Moleculen, die ausgeschieden werden durch die normalen Exutorien oder Ulceration, Sphacelus etc., und endlich durch Verschmelzen oder Identification mit dem Mutterboden. Letzteres umfasst das Verhältniss der Neubildung zum normalen Gewebe, die verschiedenen Einlagerungsweisen, überhaupt, wobei die normale Structur öfters atrophirt wird. Vf, giebt deshalb auch eine nützliche Uebersicht vom Rückbildungsprozess der einzelnen normalenFormelemente. Wir glauben viel und wenig vom Buche gesagt zu haben; es ist reich an Beobachtungen, die aber durch nicht wenige Vermuthungen zu prägnanten und doch micrologischen Anschauungen verknüpft werden sollen. Leider fehlt es der Darstellung auch an Klarheit, die man in den reichhaltigen nützlichen und getreuen Tafeln nicht minder unangenehm entbehrt. Die zahlreichen und äusserst bestimmten Holzschnitte in Gerlach's Buch harmoniren ebenfalls mit seinem ganzen Charakter. Seltsamer Weise sind hier gerade diejenigen kleinen Ausstellungen, die wir hier und früher an G.'s Werk machten, sorg– fältig vermieden, und wird in didactischem Flusse und encyclopädischer Vollständigkeit weniger gemalt als gezeichnet, weniger geschlossen als demonstrirt und namentlich die chemischen Verhältnisse wohl beachtet. Vielfache eigene Beobachtungen befähigen den Vf, einmal den vorhandenen Stoff factisch zu sichten, dann aber auch sein zweites Augenmerk, das Selbststudium der micrologischen Histologie zu ermöglichen und zu provociren, mit Sicherheit zu verfolgen. Wir glauben freilich noch nicht an eine grosse Zukunft dieser Methode, aber jedenfalls müssen sie Handbücher wie Vf's ganz vorzüglich befördern. Wir dürfen bei der diesmaligen Zusammenstellung indess nicht vergessen, dass wie die Gesundheit schöner und gesetzmäs– siger ist, als die Krankheit, so auch die normale Histologie eine dankbarere und regelmässigere Aufgabe sey, als die pathologische. MW– n.

Jurisprudenz. Das Recht des Besitzes im Mittelalter und in der Gegenwart. Von D. C. G. Bruns u. s. w. ( B e s c h lus s . 0 m Nr. 6. )

Die Widerklage, die der Vf giebt, macht den Schaden nicht gut. Denn sie versteht sich nicht, wie im röm. Interdict U. P., vermöge dessen Duplicität von selbst, da das des Vf's an sich ein einfaches ist. Es müssen also stets statt eines zwei Besitzprozesse geführt werden. Ueberdies ist die Verwerfung der Einrede unjuristisch, da ein Widerklagrecht doch immer auch eine Einrede geben sollte. Endlich verdient des Vf's Legislation wegen Ausschliessung der interdicta adipiscendae possessionis eine Rüge. Diese stehen offenbar mit den

Klagen wegen Besitzentziehung auf gleicher Linie. Wenn der nicht mehr verkörperte Wille noch ge

schützt wird, so ist es eine Inconsequenz, den noch

nicht verkörperten schutzlos zu lassen, sofern er keinen fremden Besitzeswillen verletzt. Der hypothekarische Gläubiger muss aus dem Besitzvertrage,

dem pactum de ingrediendo, der provisorische Erbe

für die Apprehension der besitzlosen Erbschaft Schutz verlangen können, ohne Pfandrecht oder Erbrecht beweisen zu dürfen. Die Lücke, welche der Vf. hier lässt, würde bei richtigerer Erkenntniss des abgeleiteten Besitzes und der Besitzverhältnisse beim Pfandrecht wenigstens theilweise zu vermindern seyn. An den Besitzschutz knüpft der Vf. noch zwei

allgemeinere Klagen auf Wiedererlangung des Be

sitzes. - Art. 14. „ Ausser dem Schutz gegen Eigenmacht geniesst der Besitz auch noch in sofern einen rechtlichen Schutz, dass: 1) die allgemeinen Grundsätze über Wiederaufhebung und Widerruf geschehener Veräusserungen, so wie über den Ersatz zugefügten Schadens und der daraus entspringenden Klagrechte, auch bei dem Besitze anwendbar sind; 2) bei zufälligem Verluste des Besitzes beweglicher Sachen der Besitzer schon aus seinem Besitze die Rückgabe von jedem neuen Besitzer verlangen kann, ausser wenn dieser ein Recht an der Sache nachweist oder polizeiliche Gründe die gerichtliche Beschlagnahme und Verwahrung der Sache rechtfertigen." Die erste Klasse von Klagen, die condictio solius possessionis, er causa furtiva oder indebiti, die actio metus u. s. w. schliesst sich ergänzend an den Besitzschutz an, in sofern sie eintritt, wo dieser aufhört, nämlich beim Verlust animo. Aber sie gehört so wenig in die Besitzlehre, wie in die

Lehre vom Eigenthum, und nichts kann unbegrün

deter seyn, als der Vorwurf gegen Savigny, der sie übergangen, und dadurch der Vergessenheit überliefert haben soll, bis Hr. Bruns sie wieder entdeckte.

Die zweite Klage, welche der Vf, aus Zweck

mässigkeitsrücksichten, wegen Schwierigkeit des Eigenthumsbeweises erfunden oder dem Preussischen Landrecht I, 9. § 51 nachgebildet hat, dürfte bereits durch die Publiciana erledigt seyn.

Rudorff.

Gebauer sch e Buchdruckerei.

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C Fortsetzung von Nr. 8. )

Part. I. des Sehnten Bandes enthält die Abbildung der Inschriften von Behistun, die Transscription der persischen Texte mit lateinischer Interlinearversion, darauf die englische Uebersetzung derselben und die Noten zum Text, endlich den Anfang des Memoir's, nämlich Cap. 1 einleitende Bemerkungen, und Cap. 2 über Keilschrift überhaupt; Part. II. giebt als Cap. 3 die Feststellung des Alphabets; Part. III. endlich in Cap.4 die ausführliche Analyse der persischen Keilinschriften von Behistun und in Cap. 5 die von Persepolis, Hamadan und Van. Die Herausgabe dieser Arbeit und deren Anordnung für den Druck dankt das Publicum der auch schon von Rawlinson selbst anerkannten Bemühung und Sorgfalt des Hrn. Norris, zweiten Secretärs der Asiat. Gesellschaft. Der zunächst in Aussicht stehende 11. Band des Journals wird das Wörterbuch über die sämmtlichen persischen Keilinschriften enthalten, zugleich mit den nöthigen geographischen und historischen Artikeln, und weiter hat Hr. Rawlinson seine Untersuchungen über die von Layard zu Nimrud ausgegrabenen Inschriften in Aussicht gestellt, in welchen er bereits die Namen einiger Herrscher der grossen Assyrischen Dynastie entdeckt zu haben meldet. Dieselben Ausgrabungen haben Basrelief's zu Tage gefördert mit Abbildungen von Elephanten, Löwen, Rhinoceros, Kameel, Büffel, Pavian und Affen, was ihm auf eine Indische Eroberung zu deuten schien. Auch will er aus der Entdeckung von Sphinxen, Scarabäen u. dgl. auf einen Zusammenhang der Civilisation am Tigris mit Aegypten schliessen. Leider melden die Zeitungen, dass Layard's zweite Sendung in London in sehr misslichem Zustande angekommen ist. Indem wir nun den zehnten schon jetzt vorliegenden Band einer besondern Besprechung vorbehalten *), soll hier wenigstens über den Inhalt des neunten Bandes näherer Bericht erstattet werden.

*) Ein erster Artikel ist bereits erschienen A. L. Z. 1847.

The Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland. Vol. IX. 8. 452 S. London, John W. Parker. 1848. Zuerst zwei neue Artikel ( I. und II.) des schon im 8. Bande (Nr. XV) angefangenen Aufsatzes über die geologische Beschaffenheit des südlichen Indiens von Capit. Newbold, mit erläuternden Abbildungen S. 1–42 (noch unvollendet). III. A. Summary Account of the Civil and Religious Institutions of the Silhs, von dem jetzi

gen Director der Gesellschaft Prof. H. H. Wilson,

S. 43–59. Der Name Sikh bedeutet bekanntlich „Schüler“, „Jünger", es ist das Sanskritwort sischja (sskr. sch wird in den westlichen Provinzen stets kh). Sie heissen so als die Jünger des Bábá Mának oder Mänak Scháh, eines Reformators in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der Brahmanismus und Muhammedanismus zu verschmelzen suchte. Seine Anhänger im Pendschäb bildeten bald eine Secte, die allmählig zu einer Nation wurde. Die Secte hatte anfangs nur einen Guru oder geistliches Oberhaupt, und verbreitete ihre friedlichen Lehren über ganz Hindustan. Fast unbeachtet schaarten sie sich in Sangat's oder Klö– stern zusammen, wo sie ihre Zeit mit Gebeten und Gebräuchen hinbrachten, die sich vorzüglich auf das Andenken von Nänak beziehen. Ihr heiliges Buch, das „ Adi Granth” (d. i. das erste Buch, zum Unterschied von einer zweiten späteren Schrift der Art so benannt), ist eine unzusammenhängende Compilation von Versen mystischen und moralischen Inhalts, die meist dem Nänak selbst als Verfasser zugeschrieben werden, zum Theil aber Andern. Es ist sehr verbreitet in verschiedenen Dialecten. Einige ihrer Guru's erlangten weltliche Macht, die muhammedanischen Fürsten fingen an, sie heftig zu verfolgen, sie verbargen sich in den

Gebirgen und bildeten Räuberbanden. Die Grün

dung einer politischen Macht versuchte gegen 1700

zuerst Guru Gowind, der aber durch die Generale

des Aurangzib und der Rajas der Berge vernich

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