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wenn sie den geistigen Theil des Gesetzes vollbringen, nicht durchaus der Verdammniss anheimfallen, wie das erste Buch in c. 53, 55, was also gleichfalls nicht auf eine sehr frühe Zeit zurückweist. Die Rekognitionen stimmen fast in allen Theilen viel mehr mit sich überein als die Homilien, deren Widersprüche der Vf, in seiner Analyse (nam. S. 230 ff) gut aufdeckt, um ihren sekundären Charakter nachzuweisen. Auch die letzten Bücher der Rekognitionen stimmen, wie der Vf, S. 310f. zeigt, mit den ersten zusammen (es kann hiefür weiter angeführt werden, wie 9, 3 in der Virtus, welche die Bessern aus der Welt auswählt und für den Sohn aufbewahrt, die Sapientia Dei wiederkehrt, welche I, 40 Jesu unter seinem bethörten Volke doch einige Gläubige zuführt, wie ebenda die Ver– setzung der Frommen ins Paradies I, 52 sich wiederfindet); auch in diesen letzten Büchern herrscht trotz aller mythologischen und philosophischen Gelehrsamkeit die einfache, dogmatisch inhaltslose ebionitische Vorstellungsweise, namentlich über Christus, die Bezeichnung der Christen als Judaei; wir dürfen uns also durch den einfachen, alterthümlichen Ebionitismus des ersten Buchs nicht verleiten lassen, für dasselbe in besonders frühe Zeiten zurückzugehen, obwohl wir damit nicht in Abrede ziehen wollen, dass die 3 letzten Bücher eine spätere, wie die Schriften des Bardesanes (9, 19 ff.), so wohl auch die Aud)oyo Ilétgov xa Aztovog benutzende Vermehrung des ältern Stammes des Gan– zen sind. Der Archaismus des ersten Buchs, dass (1,45) jede Klasse von Kreaturen einen princeps aus ihrer eignen Mitte hat, die Engel einen Engel, die Fische einen Fisch, die Menschen einen Menschen (Christus), wäre auch für einen Gnostiker oder Kabbalisten nicht zu stark; er zeigt, dass der Schriftsteller aus den ihm selbst heiligen Ueberlieferungen seiner Glaubensgenossen heraus redet und darum wol auch Manches beibehält, was ursprünglich dem Ebionitismus nothwendig war, um sich die Aneignung dieser oder jener Lehre, so hier der übermenschlichen Würde Jesu, zu vermitteln. Als den eigenthümlichen litterarischen Charakter der Rekognitionen bestimmen wir mithin diess, dass sie, Weniger selbstständig und individuell als die Homilien, den Lehrbegriff der ebionitischen Partei zugleich in seiner Ursprünglichkeit und damit auch in seiner Genesis aus dem Grundprincip der Einheit "d Gerechtigkeit Gottes, darstellen, – den Lehrbegriff der Partei, wie insbesondere aus der Scheu

vor Profanirung der Geheimnisse hervorgeht, welche nichts Andres ist als die Scheu, das, was nicht Sache des Einzelnen, sondern Gemeingut, Eigenthum einer ganzen, von Juden und Christen vielfachen Widerspruch zu befahren habenden Richtung ist, öffentlich bekannt zu machen und es so der Profanation durch eine sie nicht so tief respektirende Opposition, durch Hohn u. dgl. auszusetzen. Sämmtliche Bestandtheile weisen auf Eine Epoche, auf die Zeit, da durch das mächtige und gefährliche Auftreten der Gnosis die Polemik gegen den Antinomismus auf ihre Spitze getrieben und die Nothwendigkeit vorhanden war, dem Paulus durch Uebertragung der Heidenbekehrung auf Petrus seine Verdienste, sein Recht auf die Heidenchristen zu nehmen und mittelst einer Hauptperson des ersten Jahrhunderts, mittelst des Klemens, die authentische Lehre des Petrus allen Neuerungen gegenüberzustellen. Diesen seinen Zweck erreicht der Schriftsteller durch die Erzählung, wie Petrus durch die Christenverfolgungen des Paulus gezwungen Judäa verlässt, dem Magier Simon zum Trotz die Heiden und unter ihnen namentlich seinen Nachfolger Klemens mit der Bekehrung zum wahren Christenthum beglückt und bei dieser Gelegenheit dieses wahre Christenthum vor den Ohren seines treuen amanuensis vorträgt. Der Schriftsteller will (eben als Ebionit) seiner Sache den Sieg verschaffen weniger durch theoretische Bestreitung der Gegner als durch einfache Vernichtung derselben mittelst der Darstellung der innern (namentlich sittlichen) Ueberlegenheit und grossartigen Wirksamkeit der Person und Lehre seines Helden. Der Stand der Frage wäre nun dem Bisherigen gemäss folgender: sind die tagioôot unsre Rekognitionen ? ganz oder theilweise ? oder weist der Name IIegioôot auf eine Schrift hin, die, in Gemässheit der Stelle Ap. Constit. 6, 8 (Hilg S. 102) und der Stelle Recogn. 1, 74, wo Petrus Rom als Ziel seiner Reise angibt, den Petrus bis nach Rom gelangen, bis nach Rom Heiden bekehren, dort den Magier bei seinem Versuch zu fliegen vollends niederschmettern, den Klemens als Bischof einsetzen und dann den Märtyrertod sterben, seinen „ Kreislauf" vollenden liess? sollte damit die Sage, dass Petrus gleichfalls ein Gründer der korinthischen Gemeinde gewesen, zusammenhängen? Ich glaube nicht, dass sich alle diese Fragen entscheiden lassen, und dass, wenn auch der Verfasser der Rekognitionen diese tagioôot vor sich gehabt, er doch ihr alterthümliches Gepräge wol bewahrt und in ihnen eine gleichfalls der gnostischen Zeit angehörige Quelle gehabt hat, – wenn es überhaupt eine Schrift gab, welche die Wirksamkeit des Petrus in der Heidenwelt so gar ausführlich schilderte, wie es diese tagioôot gethan haben müssten. Der Ansicht, dass tagioôot und Rekognitionen (bis Buch 7) identisch, dass unsre Rekognitionen eine durch viele Hände, zuletzt auch durch die des Rufin gegangene und so natürlich in Einzelheiten von anderweitigen Citationen aus denselben abweichende Textrecension der regioôot sive övayvoguouol sind, ist günstig die Stelle aus dem Dekret des Gelasius (Fabric. Cod. apocr. N. T. 1. p. 135. 59), wo verworfen werden itinerarium [ts– gioôot ? nomine Petri Apostoli (das nomine ist, wie bei den gleich folgenden Actus oder IIgd§eg Petri von Gelasius als Zeichen des kritischen Verwer– fungsurtheils, nicht als Angabe des Vf's selbst beigesetzt), quod appellatur S. Clementis libri VIII. (welche Zahl der Hypothese des Vf's entsprechend auf eine ältere Recension der Rekognitionen hinweist, wo die letzten philosophischen Bücher noch fehlten), und sodann Actus nomine Petri Apostoli. Bei Eusebius (K. G. 3, 3) und Photius (a. a. O.) ist zwar nur von IIgd§eug Ilétgov die Rede; aber Isidor von Pelusium führt (Fabr. ib. p. 803. 321) die Stelle aus den Actus Petri an à zogjoausv Zygápausv' ö öé xóouog oööé ygapévra zögyoev: öyèg p?oxgjuatog oöx x6ögyos töv tjg áxtyuooüvng 7.óyov oöö ö ?ayvög röv 7tag oaoqgooövyg, ovx ö Gv– uéômg töv tag ttgaótytog, eine Stelle, welche die Verschiedenheit dieser IIgd Zeug von der klementinisch-petrinischen Litteratur in Bezug auf Inhalt und Anlage beweist. Es ist also neben diesen IIgášeug bei einer Gelegenheit, wo eine vollständige Aufzählung der pseudopetrinischen Schriften beabsichtigt wird, blos von einem itinerarium Petri auctore Clemente die Rede, mithin von keinen 7tsgioôot neben klementinischen Anagnorismen. Die athanasische Synopsis freilich (ib. p. 134) spricht, anders als Epiphanius und Gelasius, zuerst von zregioôot IIétgov, dann von einer Ötöox) äztootóov und erst hierauf von Koyuévtua; und noch mehr

scheint die Angabe der Stichometrie (ib. p. 143 sq.)

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zogiodo“ angegeben wird, sie haben 2750 Stichen, d. h. Gib.) nicht ganz dreimal so viel als die Offenbarung Johannis (1005 St.), zweimal so viel als der Brief des Barnabas (1306 St.), ein halb Mal so viel als die Ötöazi äztootó(ov (apostolische Konstitutionen mit 600 St.), welches Letztere namentlich zeigt, dass diese negioöo nicht so gross als unsre Rekognitionen waren. Was die Synopsis betrifft, so bezeichnet KAyuévtta wol die Rekognitionen und Homilien (es kann jedoch auch eine andere Ausgabe der apost. Konstitutionen als die mit ddozo ät. bezeichnete seyn, wie in der Stichometrie neben letzterer auch eine ööax Kxusyrog genannt ist, so dass diese beiden Angaben eine besondere, kleinere Schrift mit dem Titel zregioöo beWeisen. Freilich bleibt dagegen die Angabe des Epiphanius stehen, die auf Identität der 7tägioôot mit den Koluértu« lautet; und in beiden Stellen befinden sich neben den tsgioöo IIérgov sehr apokryPhische und sehr späte ztsgodot Ioávvov x« Gouä (s. Birch auctar. p. 261–307); es könnten diese kürzern ztegodot sogar ein Auszug aus den Ky“érrt« seyn. Wollen wir jedoch der Stichometrie Glauben schenken, so hätten wir also eine der Grundschriften der Rekognitionen; wir könnten damit in Verbindung bringen, dass am Schluss des fünften Buchs, also des grössten Theils der vom Vfin den Rekognitionen wiedergefundnen negioöo, wieder von Einsendungen des Klemens an Jakobus die Rede ist, indem dadurch der Schriftsteller auf eine in Buch 4 und 5 benutzte Quellenschrift hindeutete. Diess würde auch für 3, 74 beweisen, dass hier eine Quellenschrift angedeutet wird, und ebenso für 1,17 (hom. 1, 20), wo Klemens ein Buch devero propheta verfasst und Jakobus überschickt. Es würde daraus folgen, dass wir von Buch 6 an, wo keine Sendungen an Jakobus, mithin keine Zurückweisungen auf eine ältere Litteratur mehr vorkommen, den Verfasser der Anagnorismen, in den frühern Büchern zugleich Reste äl– terer Schriften vor uns hätten (obwol das Aufhö– ren der Erwähnung von Sendungen an Jakobus zufällig seyn, oder damit zusammenhängen kann, dass in den spätern Büchern nicht mehr Petrus Vorzugsweise der Sprecher ist, der Vf, somit diesen spätern Büchern selbst weniger heiliges Anschen geben will).

CD er Beschluss folgt.)

Gebau ersche Buch druckerei.

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S0cialiSIMUS, 1) Die Bewegung des Socialismus und Humanismus unserer Tage. Mit besonderm Bezug auf Deutschland und die Literatur der letzten vier Jahre. gr. 8. 123 S. Bautzen, Weller. 1848. (*/2 Thlr.) 2) Der Communismus und das Proletariat, von G. Scheidtmann. Zum Besten nothleidender Armen. 8. 127 S. Leipzig, Jurany. 1848. (/2 Thlr.) 3) Wohin führt die sogenannte Organisation der Arbeit? gr. 8. 15 S. Ebend. 1848. (1/2 Sgr.) 4) Arbeit und Geld. Von einem Arbeitgeber. gr.8. 16 S. Ebend. 1848. (1/2 Sgr.)

7 WW. fassen diese Schriften wegen ihres verwandten Inhalts zusammen. – Die erste hat uns unwillkührlich an Göthes Faust erinnert:

Mir wird von all' dem Zeug so dumm,

Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum – nicht, als wollten wir dem Vf, damit einen Vorwurf machen, nein, im Gegentheil mag ihm dies sagen, wie gut es ihm gelungen ist, uns die Literatur des Socialismus u. s. w. zu einem rechten Hexenbrei zusammen zu rühren. Es hat sich nämlich derselbe, der sich unter der Vorrede Benno nennt, bei seiner Schrift, die theils einen historischen, theils einen literarischen Inhalt hat, zum Hauptzweck gemacht, theils diejenigen, welche die neben den rein politischen Ideen sich geltend machenden Bestrebungen in Bezug auf eine Aenderung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse nur von Hörensagen oder aus Zeitungen kennen, über das Wesen und die Wichtigkeit dieser verschiedenartigen Tendenzen aufzuklären, theils endich durch Mittheilung besonders kräftiger Stimmen über die Unvernünftigkeit der socialen Zustände der Gegenwart und die Nothwendigkeit einer durchgreifenden Umgestaltung derselben anzuregen. Der Standpunkt, welchen der Vf, selbst einnimmt, dürfte daraus hervorgehen, dass er seine Schrift dem Herrn Ar"old Ruge als Zeichen freudigster Uebereinstimmung gewidmet hat, nur wird nicht aus den Augen zu

lassen seyn, dass der Ruge der Epigonen, der Briefe über Paris gemeint ist. – Zwar ist die Arbeit eine historische und literarische, aber sie ist doch nicht ohne Zweck in Bezug auf die socialistische Lehre, und daher tritt sie mit eigener Meinung theils in der Auswahl der Stellen aus andern Schriften, theils in der Kritik der Ansichten von Schriftstellern überhaupt oder der aus ihren Schriften herausgehobenen Stellen hervor. Wenn auch der Vf, sich gegen die übertriebenen Forderungen der Socialisten und Communisten erklärt, wenn er auch von der Abschaffung des Eigenthums und von der Einführung der Gütergemeinschaft nichts wissen will; so geht er doch auf andere minder schroffe, aber um nichts weniger unverständige und unpraktische Forderungen ein, die nur eben deshalb weniger in ihrer Nichtigkeit erfasst werden können, weil sie sich mehr im allgemeinen halten oder in der Hülle hohler und hochtönender Phrasen erscheinen. Dennoch sind wir dem Vf. dankbar für die Mühe, die er sich genommen, den Unsinn einer grossen Anzahl Träumer zusammengestellt und einigermassen geordnet zu haben. Hat er auch nicht alle Erscheinungen der Literatur auf diesem wüsten Felde aufgelesen, so hat er doch eine Menge zusammengebracht, und vornehmlich die Beiträge, welche Deutschland geliefert, mit Sorgfalt gesammelt. Wenn wir die Schrift deshalb empfehlen, so fürchten wir nicht, dass sie zu einem Gifte für die Leser werden wird; im Gegentheil ist sie geeignet, manchen zu heilen, der von dem Socialismus, Communismus oder Humanismus, wie er sich hier herausstellt, Abhülfe unserer Socialen Uebel erWarten. Der erste Abschnitt hat die Ueberschrift: Die alte und die neue Zeit. – Die französische Revolution und ihre Folgen. – Die moderne Culturentwickelung. – Socialistische Systeme und Bestrebungen in Frankreich. – Der Communismus, Socialismus und Democratismus in England. – Rückwirkung der socialistischen und communistischen Bestrebungen in Frankreich, Belgien u. s. w. auf Deutschland. – Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem reinen Communismus und Socialismus in Deutschland; gedenkt der unbedingten und der theilweisen Gegner der communistischen und socialistischen Theorieen, der Vereine und Bestrebungen zum Wohle der arbeitenden Classen und zur Bekämpfung des Pauperismus, der weitergehenden Vorschläge, der Demokraten, des Fröbelschen Systems der socialen Politik, des Humanismus und seines Verhältnisses zum Socialismus und Communismus, und giebt in einem Anhange Proben der socialen Poesie und Aeusserungen des Humanismus und Socialismus über die Fragen wegen der Reform der Volkserziehung im allgemeinen und des VolksSchulwesens insbesondere. Wir würden mit Lächeln bei dem angehäuften Unsinn vorübergehen, wenn er nicht für das Volk in seinen untern Schichten zu einer Brandfackel benutzt worden wäre, welche den politischen und socialen Bau der neueren Zeit einäschern soll, damit Raum zu einem neuen, unendlich prächtigen – Tollhause werde. "Die modernen Menschenbeglücker freuen sich (vornehmlich in Deutschand) den religiösen Glauben vernichtet und den Polizeistaat wenigstens um seine Kraft gebracht zu haben, und doch; wenn wir das Wenige von Verstand, was bei ihnen gefunden wird, näher betrachten, so sind es sittliche Vorschriften, welche sie der, von ihnen verachteten Bibel entlehnt haben, so sind es Grundsätze, welche der, von ihnen so sehr gehasste Polizeistaat immer befolgte. Geht nicht St. Simon von dem Satze aus: Du sollst deinen Mitmenschen wie deinen Bruder (Nächsten) lieben? Und ist dies nicht der Satz, über welchen auch der gepriesene Humanismus nicht hinausgekommen ist? Und wenn unser Vf. aus einer Broschüre von Fr. Feuerbach die Worte: „Der heiligste, unbedingt wahre Massstab, die höchste und letzte Instanz für die Entscheidung aller menschlichen Fragen ist die Rücksicht auf das allgemeine irdische Menschenwohl" – gross drucken liess, und in Parenthese hinzufügte: Welche einfache und doch so nnbestreitbare Widerlegung des Stirnerschen Egoismus! so hatte er, wie es scheint vergessen, dass der ganze moderne oder Polizeistaat auf dem Satze beruht: salus publica suprema lear esto! und nicht bedacht, dass man mit einer Behauptung nicht eine andere widerlegt. – Wenn unsere Socialphilosophen auch mit einer gewissen Verachtung auf St. Simon und Fourier herabblicken; so könnten sie doch von ihnen ler

nen, dass sie nur dann zu etwas Haltbarem kommen, wenn sie dies flüchtige Erdenleben an eine höhere Gesetzgebung knüpfen; so aber sind sie dem Schiffer vergleichbar, der den Compass ins Meer wirft und nun erst mit Sicherheit sein Ziel zu erreichen denkt. – Allerdings sind die Theorieen von St. Simon und Fourier unhaltbar und bieten des Thörichten mancherlei dar; aber viel trauriger erscheinen die Declamationen unserer deutschen Volksbeglücker. Von jenen lässt sich doch noch sagen: es sey zwar Unsinn, aber es sey doch Methode darin; aber die Deutschen haben nur den Unsinn ohne die Methode. Da spricht der Eine von dem Rechte der Menschen auf Arbeit; ein Anderer fordert eine nationale oder eine Volkserziehung auf Staatskosten; ein Dritter will Staatswerkstätten u. s. w. und dabei werden die Regierungen fleissig beschuldigt nichts für das Wohl des Volks gethan zu haben. Besonders kommt die Preuss. Regierung schlecht weg. Wahrlich man weiss nicht, ob man sich mehr über die Unwissenheit, oder über die Unverschämtheit wundern soll. CD er Beschluss folgt.)

PatriStik. Die clementinischen Recognitionen und Homilien, nach ihrem Ursprung und Inhalt dargestellt von Dr. Adolf Hilgenfeld u. s. w. CB es c h lus s von Nr. 76.) Aber damit kommen wir immer noch auf keine »Petrinische", sondern immer wieder nur auf eine klementinische Litteratur und zudem auf das fatale Buch de vero propheta, und eben immer nicht zu einer Grundschrift für 1, 27– 72, sondern für 1, 24–3, 62, und immer nicht Vor -, sondern durchaus antignostischen Grundschrift, die um ihres dogmatischen, theoretischen Charakters (nach 3,75) willen schwerlich „Predigt des Petrus" heissen konnte. Allein an der Existenz so rein dogmatischer Schriften wie de vero propheta (die auch der Vf, nicht annimmt) und der 10 angeblichen Bücher c. 3, 45 müssen wir fortwährend zweifeln, da keine Spur von solchen Schriften und von einer solchen Stufe der Schriftstellerei bei den alten Ebioniten vorhanden ist; die Inhaltsanzeigen für die 10 Bücher sind, wie ihre Ausführlichkeit zeigt, eine wohlberechnete Fixirung der Hauptpunkte der Lehre des Schriftstellers, ein Halt für das Gedächtniss der Leser, denen er hier dafür, dass er ihnen sonst so viele und starke Winke gibt, ja nichts zu vergessen, das Behalten, das Uebersehen des zerstreuten Stoffs, namentlich der Disputation mit Simon, erleichtern, zugleich aber auch zu Gemüthe führen will, dass Klemens, wenn er im Stande war, diese Bücher zu schreiben, in die Lehren seines Meisters vollkommen eingeweiht gewesen. Ist daher darin, dass der Schriftsteller 3, 74 diesen Absatz macht (nicht unmittelbar in dem Index selbst), die Andeutung einer benutzten Quelle zu suchen, so gälte dieser Index für den Inhalt dieser Quelle gleichfalls; die Quellenschrift behandelte demnach die Vertreibung der Apostel aus Jerusalem, wo ganz bezeichnend bereits auch die samaritische Auferstehungsleugnung mit Simon im Hintergrund eine Rolle spielt (1, 54. 57), die Lehre vom Christenthum, gegenüber vom Judenthum und Heidenthum, welche diese Vertreibung motivirt, und die Disputation mit Simon, woran sich etwa gemäss Const. ap. 6, 8 die Verfolgung des Simon durch Petrus nach Rom anschliessen mochte; also eine durchaus polemische, das Judenthum nach allen Seiten hin vertheidigende Schrift, deren antijüdische, antisimonianische und judaisirende Bestandtheile nicht zu trennen sind; denn das Zusammentreffen mit Simon ist durch den Bruch mit dem Judenthum, und dieser Bruch theilweise auch wieder durch Simon bedingt und gehört zur Totalschilderung Simon's, sofern die Op– position der Juden gegen die Apostel von den Samaritanern unterstützt, und dadurch, sowie durch die Verfolgungen des homo inimicus (Paulus) die Schuld der Trennung zwischen Judenthum und Christenthum von den Uraposteln weg, der heidenchristlichen Partei zugeschoben wird; auch diess gehört zu den Verbrechen der simonianischen Partei, dass sie die naturgemässe Bekehrung der Juden verhindert und die Apostel verfolgt hat, wie auf der andern Seite die Ausführungen des ersten Buchs über die Wahrheit und Göttlichkeit des ChriStenthums sowohl, als des ächten Judenthums der Disputation mit dem Christen – und Judenfeind Simon zur dogmatischen Grundlage dienen. Dass Petrus erst bei seinem Auszug gegen Simon Begleiter erhält, während er im ersten Buch keine hat Gwodurch der Vf, S. 101 seine Trennung zwi*ohen Buch 1 und 2 begründen will), ist natürlich, da °r Vorher mit den übrigen Aposteln zusammen *; und dass Petrus denselben Feind, vor welchem Ä9 eben (c. 71) floh, jetzt (c. 73) geradezu aufsucht, welcher Widerspruch beweisen soll, dass

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von c. 73 an ein anderer Verfasser vorhanden sey als vorher, diese Einwendung beruht auf der unrichtigen Voraussetzung, dass der homo inimicus des ersten Buches Simon sey. Für diese Trennung zwischen den 3 ersten Büchern und den tägioôot spräche weiterhin, was der Vf, S. 103 s. 150. 173 über die auf verschiedene Relationen hinweisenden Differenzen in der Angabe der Begleiter des Petrus beibringt. Wie die Bücher 8–10 zu den frühern Zusätze liefern, die gegen das Heidenthum gerichtet sind, so Buch 4 ff. (die tagioôo) zu den

3 ersten; an diese beiden Schriften (1–3 und 4–

7) zusammen hätte etwa der Verfasser des petrinischen Briefs bei seinen xngvyuárov ß8.ot gedacht.

Es ist wol denkbar, dass diese antipaulinische und

antignostische Litteratur mit einer polemischen,

hauptsächlich Simon bekämpfenden, die Kontinuität des Judenthums und Christenthums in der Weise

von Recogn. 1, 27–72 darstellenden Schrift (Buch

1–3) begonnen hat, die man aber auch deswegen

nicht xjovyua IIérgov nennen kann, weil alle Spu

ren ebionitischer Kerygmen des Petrus, namentlich die Angaben des Papias und Irenäus über die dem Markusevangelium zu Grunde liegenden Vorträge des Petrus und mehrere Stellen bei Grabe, die dem

K. II. (doctrina Petri) und dem Hebräerevangelium gemeinsam sind (sowie vielleicht auch einige die Apostel in erster Person von sich reden lassende angebliche Stellen aus dem ebionitischen Evangelium bei Epiphanius (30, 13), die nicht in ein Evangelium, sondern nur in ein apostolisches Kerygma gehört haben können), vielmehr beweisen, dass sich das K. II. vorzugsweise auf der Basis der evangelischen (nicht der Welt – ) Geschichte bewegte (wie Recogn. lib. 1). Sollte diese auf die Stichometrie gegründete Ansicht der Sache die richtige seyn, so hätten wir als Grundschrift der Rekognitionen anzusehen eine hierarchische (deswegen bereits u. d. N. des Klemens verfasst) in Buch 1–3 erhaltene Darstellung des Judenchristenthums gegen die antijüdischen Gegensätze innerhalb des Christenthums selbst; dieser hätte sich in Buch 4 ff ein schon gebildeterer Angreifer des Heidenthums bemächtigt (tagioôot) und von Buch 8 an ein philosophisch gebildeter Judenchrist das Ganze vollendet, und zwar wären diese Beiden dem Inhalt und Zweck der Grundschrift vollkommen treu geblieben. Klemens war Mittelperson in allen drei; auch die jezt vorliegende Erzählung von ihm und seiner Familie fällt wenigstens in Hinsicht auf Const.

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