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ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat April.

1 S 49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Patristik. Die clementinischen Recognitionen und Homilien, nach ihrem Ursprung und Inhalt dargestellt von Dr. Adolf Hilgenfeld u. s. w. (Fortsetzung von Nr. 73.)

De späten, namentlich arianischen Bestandtheile, die sich unter dem übrigen noch ganz archaistischen Stoffe der Schrift ganz wundersam ausnehmen, abgerechnet, enthalten die Rekognitionen in vielen Hauptpunkten, z. B. der noch nicht auf Adam, Moses u. w. s. ausgedehnten Lehre vom wahren Propheten und der noch nicht auf ihren abstrakten Ausdruck gebrachten, sondern nur erst angebahnten Syzygienlehre, die noch wenig entwickelten Anfänge von Lehren, die in den Homilien zu vollkommener Ausbildung gelangt sind, wie der Vf. S. 19 ff. mit Recht gegen Schliemann behauptet und noch bestimmter hätte behaupten können; denn die Stellung Jesu über Moses kommt in den Rekognitionen nicht von einer höhern Auffassung der Person Jesu als in den Homilien, wie wenn diese in Jesus C wie Schl. behauptet) blos den Propheten, nicht auch den Agtorög hätten, sondern von einer noch niederern (d. h. eben der gewöhnlichen) Auffassung des Moses. Die Identifikation Jesu mit Adam, Moses und den übrigen Säulen der Welt in den Homilien ist nicht eine Herabrückung der Stelle, die Jesus als Christus sive rex hominum in den Rekognitionen einnimmt dieses, sowie namentlich Herrscher der zukünftigen Welt, ist er auch in den IIomilien –, son

dern vielmehr eine Hinaufrückung der Heroen des

alten Testaments zu gleicher IIöhe mit Jesus, um das alte Testament gegen Marcion in seiner göttlichen Dignität zu retten. Die Lehre der Homilien von der Identität Jesu mit Adam, Moses u. S. w. ist für sich betrachtet so abenteuerlich, dass sie ohne eine allmälige Anbahnung und Vermittlung nicht zu begreifen ist; diese haben wir in den Rekognitionen vor uns, wo Jesus Herr der Menschen und wahrer Prophet, Adam und Moses blos Pro

pheten, die auf ihn hinweisen und daher auch noch keine übermenschlichen Persönlichkeiten sind wie jener. Ebenso setzt die Lehre der Homilien von den Syzygien nicht sowol die Gnosis, welche diesen Begriff hat, als die eben in den Rekognitionen vorliegende stehende Art und Weise ebionitischer Geschichtsanschauung voraus, Wahrheit und Irrthum, damit der Mensch freie Wahl zwischen ihnen habe und so die göttliche Gerechtigkeit bei Lohn und Strafe der Menschen stets gewahrt bleibe, fortwährend neben einander in geschichtlichen Personen auf der Welt auftreten zu lassen, so jedoch, dass, nachdem der reine Urzustand einmal verlassen ist, immer der Irrthum das erste der beiden auftretenden Glieder ist, eine Lehre (namentlich 3, 52–61), von der wir, da sie auf der den Rekognitionen so wesentlichen Idee der Wahlfreiheit und zugleich auf dem monarchistischen Interesse beruht, allen Irrthum und Abfall von der ursprünglich wahren Religion auf ein in der göttlichen Gerechtigkeit selbst liegendes Gesetz zurückzuführen, als ein in dem göttlichen Weltplan selbst begriffenes Moment darzustellen, nicht einsehen, warum sie, wie Schliemann behauptet und der Vf. S. 22 zugibt, in den Rekognitionen nicht innerlich begründet seyn soll; sie ist ja mit ihrem Grundprincip der Einheit und Gerechtigkeit Gottes von selbst gegeben, ihre ganze, sowohl die nothwendige Entstehung als die Unentschuldbarkeit und Strafbarkeit des Abfalls von Gott zu erklären strebende Religionsgeschichte und namentlich die Gestalt des Simon ist ein Ausdruck dieser Lehre, die hier eben ursprünglicher ist als in den Homilien, weil es hier noch zu sehen ist, wie sie sich ganz natürlich aus dem Begriff der Wahlfreiheit herausbildet, während sie in den Homilien als etwas schon Gegebenes, Vorausgesetztes (ö tjg ovvytäg xavov) in der ganzen Härte eines bereits erstarrten Dogma's auftritt. Die Homilien sind überhaupt ein viel fertigeres, abgeschlosseneres, seine Lehren selbst als etwas Positives in unfreier Gebundenheit hinstellendes Werk, dessen Posteriorität das sicherste Resultat der vorliegenden Schrift ist. Die weitern, S. 189 ff. aus den Homilien selbst dafür vorgebrachten Beweise übergehen wir hier, da der Hauptbeweis in der Heterogeneität, Unabhängigkeit des Stoffs eines grossen Theils der Rekognitionen liegt. Wie verhält es sich nun aber mit der litterarischen Kritik der Rekognitionen selbst, mit den verschiedenen über einander gelagerten Schichten ebionitischer Litteratur, in die der Vf, dieselben zerlegt? Die Grundlage soll seyn der Abschnitt 1, 27–72, eine gegen das bestehende Judenthum gerichtete Darstellung des Christenthums als der wahren Urreligion; daran soll sich in Buch 2 u. 3 eine in der Person des Magiers Simon das basilidianische System bekämpfende Erweiterung jener Grundschrift anschliessen, auf sie Buch 4–7, die auch sonst unter dem Namen IIgioöo bekannte cbionitische Schrift ihrem Hauptinhalt nach folgen, in welcher Petrus den Heiden das Evangelium verkündigt, späterhin soll in die drei so eben genannten Partien des Ganzen die Erzählung von Klemens und seiner Familie hineingearbeitet und in den folgenden Büchern fortgeführt, ihr wiederum in späterer Zeit in Buch 8–10 die philosophische Bekämpfung des Heidenthums beigefügt seyn, und zwar soll auch diese auf die apokryphische Schrift AuáAoyo IIérgov xa Aztiovog zurückweisen. Was wir hier zunächst einwenden möchten, ist diess, dass der Vf. zwar in der angegebenen Weise die Rekognitionen scharfsinnig in verschiedene Bestandtheile auflöst, aber nirgends angibt, ob und inwiefern sie desungeachtet eine innere Einheit haben. Er beweist die Verschiedenheit dieser Bestandtheile aus einzelnen dogmatischen und historischen Differenzen; aber dieser Beweis ist nur dann stringent, wenn auch der Versuch gemacht ist, das Ganze als Ein Werk aufzufassen, dessen Verschiedenheiten in seinen einzelnen Partien möglicherweise aus der Verschiedenheit der Gegenstände und der Situationen, zu welchen das Ganze fortschreitet, abzuleiten wären. Eine solche innere Einheit hat das Ganze offenbar darin, dass es zum Zweck der Apologie des Judenchristenthums darstellen will, wie nicht erst durch Paulus, sondern schon in den Uraposteln selbst das Christenthum, obwohl dem Wesen nach mit dem ursprünglichen Judenthum Eines und Dasselbe, doch eben um dieses seines von allen spätern Zusätzen reinen, ursprünglichen Charakters Willen sich von den gegebenen, mit weltlichen Elementen versetzten Judenthum losreisst und in

der Person des Apostels Petrus unter siegreichem Kampf gegen die verschiedenartigsten Gegner der wahren Religion in die Heidenwelt sich ausbreitet, daher die Schrift mit der Ankunft des Petrus in Antiochia und der Gründung einer basilica und apostolischen cathedra daselbst sich schliesst. Die Ä milien lassen wegen ihrer noch entschiedenern Polemik gegen alles von Paulus ausgegangene Antijüdische im Christenthum, namentlich gegen Marcion, diesen Gegensatz des Christenthums gegen das Judenthum weit mehr in den Hintergrund treten; die Rekognitionen dagegen heben ihn, um mittelst seiner Petrus zum Heidenapostel, das Judenchristenthum zum Universalchristenthum zu machen, nicht mehr und nicht weniger hervor als die Einheit und haben deswegen noch einen weitern Gesichtskreis; sie berühren sich nach dieser Seite hin, wie auch in manchen Einzelheiten, den 72 Jüngern, dem Zachäus, mit den Schriften des Lukas, die gleichfalls, wenn auch von einem ganz entgegengesetzten Standpunkt aus, das Hinaustreten des ursprünglich den Juden zugedachten Christenthums in die Heidenwelt durch den Unglauben der Juden rechtfertigen. Dieses mit dem ganzen Zweck der Schrift gegebene Interesse die Trennung der Apostel vom jüdischen Volk zu motiviren bringt es nicht anders mit sich, als dass der Ideenkreis in dem sich hiermit befassenden ersten Buch ein anderer ist als in den folgenden Büchern. Im einzelnen aber kann keineswegs eine Verschiedenheit dieses Abschnitts von spätern darin gefunden werden, dass er (S. 68) das ßánttoua nicht als einmaligen Einweihungsritus kenne, sondern wiederholte Waschungen darunter verstehe; geht doch aus der ganzen Art und Weise, wie davon gesprochen wird, und besonders aus den Stellen 1,55 (si quis Jesu baptisma non fuerit consequutus, was sich nicht auf Waschungen beziehen kann, wo eher exercuerit stehen müsste ) und 39 (baptisma eis per aquam statuit, in quo ab omnibus peccatis invocato ejus nomine [mit einem Malel solverentur et de reliqu0, vom Augenblick des Getauftseyns an, perfectam vitam sequentes in immortalitate durarent) deutlich genug hervor, dass darunter nichts Andres als die gewöhnliche christliche Taufe verstanden ist; und wenn der Vf, dieses wiederholte Batteo Gau aus dem Umstande beweisen will, dass die Opfer, an deren Stelle es treten soll, ein sich fortwährend wiederholender Akt sind, so übersieht er, welch geringen Werth

der Schriftsteller den Opfern beilegt. Die S. 47 ff. von dem Vf gesammelten Stellen der ersten Bücher, die ausser den wirklich referirten Vorträgen und Disputationen des Petrus noch auf weitere blos für den engern Kreis des Klemens und der andern Begleiter des Petrus gehaltene systematische Ausführungen über dieselben Gegenstände und damit nach der Ansicht des Vf's auf eine dem Schriftsteller vorliegende Grundschrift hinweisen, aus. welcher dieser was er wirklich referirt in die seinige verarbeitete, lassen sich auch anders erklä– ren, theils aus einem litterarischen, theils und zwar hauptsächlich aus einem dogmatischen Motiv, welches letztere allein die grosse Wichtigkeit erklärt, mit der der Schriftsteller von diesen Privatvorträ– gen zu sprechen pflegt. Das litterarische Motiv ist, dass der Schriftsteller einerseits den Petrus seinem Klemens gleich die ganze Wahrheit mittheilen lassen will, ( 1, 74 S. 48f.) weil Klemens einmal der Auserwählte unter den Heiden, der Held der Erzählung, der Depositär der Lehre des Apostels ist, dass er aber andrerseits mit diesen Mittheilungen etwas zurückhalten muss, wenn er für den weitern Verlauf seiner Schrift noch Stoff übrig behalten will (a. a. O.). Das dogmatische Motiv aber besteht darin, dass der Schriftsteller, was er eigentlich überall wo Ungläubige bekehrt werden hervorheben möchte, wenigstens bei Klemens, d. h. bei dem Manne hervorhebt, der die Lehre des Apostels treu der Nachwelt überliefern soll, nämlich einerseits die Wichtigkeit des Behaltens und damit des oftmaligen Hörens und Wiederholens der wahren Lehre der Irrlehre gegenüber (1, 23. 26, wo diess geradezu als Motiv der wiederholten Vorträge des Petrus angegeben ist), andrerseits die Scheu, die Perlen den IIunden, das Heilige dem Profanen vorzuwerfen (2,4. 67.) und überhaupt zu viel davon zu reden (1,48. 51. 21. 23: „das Höchste will durch Stillschweigen geehrt seyn"). Die von dem Schriststeller öfters eingeschärfte Nothwendigkeit des Behaltens der wahren Lehre ist nichts als ein Ausdruck des von ihm eingenommenen allgemeinen Standpunkts der Opposition gegen alle und jede Veränderung oder Fortbildung derselben, der aller Gnosis und Dialektik, allem Hinausgehen des Den– kens über den Buchstaben der nur Wenigen anvertrauten traditio schnurstracks entgegengesetzt ist; der Schriftsteller ergreift daher gern jede Gelegen–

heit auf diese Nothwendigkeit hinzuweisen, und

wie kann er diess insbesondere besser thun als da

durch, dass er Petrus und Klemens als Muster des richtigen Verfahrens aufstellt, den Petrus mit Klemens Proben seiner tenacitas memoriae abhalten lässt (1, 23)? So genommen ist diess ein für die ganze Anschauungsweise des Schriftstellers, für das ebionitische Traditionsprincip so bezeichnender Zug, dass wir daraus nicht auf eine ihm vorliegende schriftliche Darstellung schliessen dürfen. Auch das Geheimthun mit einigen Lehren, das Ausbleiben versprochner Eröterungen über einige Gegenstände, namentlich über das Eschatologische (1,51), über die Bekanntschaft des mosaischen Gesetzes mit dem Begriff der immensitas (2, 67), ist durch diesen Standpunkt des Schriftstelles nothwendig; er thut, ganz wie es auf der andern Seite von seinen Gegnern, den Gnostikern, bekannt ist, um die Lehren seiner Partei als heilige, unantastbare, nur mit Ehrfurcht zu behandelnde und nur Würdigen, d. h. Solchen, die ihnen schon Glauben beweisen, mitzutheilende Traditionen erscheinen zu lassen, gerade mit dem Eigenthümlichsten, so auch mit der Lehre von der Prophetie Adam's (1,45 ff), geheim, wirft blos eine Andeutung davon hin in nicht referirten Privatvorträgen, und spannt dadurch zugleich den Leser auf nähere Bekanntschaft mit diesen seinen Geheimlehren. Natürlich aber kann und will er dieses Geheimthun nur an einzelnen Punkten durchführen; mit wenigen Ausnahmen trägt er daher überall die ausführlichen Erörterungen, wenn er sie zuerst verschwiegen hat, nach; so von I, 26 an die c. 22 angedeutete Lehre vom Wesen und von der Geschichte der Religion bis zur Vertreibung der Apostel aus Jerusalem; 3, 55 ff. (vgl. 8, 52 ff.) die Lehre von 2 Menschenklassen, einer bösen und einer guten, die Petrus nach c. 52 dem Klemens privatim vorgetragen hatte, 4, 26 ff. die c. 13 versprochene Schilderung der Verderbniss der Religion nach der Sündsluth, wie auch 8,58 ff. die 1, 15 ff. nur kurz behandelte Lehre vom wahren Propheten, 8, 42 ff. die 4, 25 nur kurz angedeutete Lehre vom Nutzen des Bösen weiter ausgeführt ist; ein Verfahren, das, wie schon bemerkt, zugleich aus dem Interesse einer passenden Vertheilung des Stoffs auf die ziemlich lange Zeit und die verschiedenen Situationen hervorgeht, die der Schriftsteller der Wirksamkeit des Apostels geben musste, wenn er ihn als herumreisenden Bekehrer der Heidenwelt darstellen wollte. Allein Hilgenfeld geht noch weiter; er glaubt sogar in unsern Rekognitionen selbst noch die Schrift nachweisen zu können, welche dem Schriftsteller bei den ersten Büchern seines Werks vorgelegen, nämlich in den 3,75 nebst Inhaltsangabe verzeichneten Büchern petrinischer Vorträge, die dort Klemens im Auftrag des Petrus aufgezeichnet und an Jakobus übersandt haben soll. Der Vf. nimmt an, dass diese aus 10 Büchern bestehende Schrift wirklich existirt habe, er glaubt in ihr ein von dem bei Klemens AleX. vielfach citirten paulinischen Kjovyua IIétgov verschiedenes, ebionitisches K. II. zu erkennen, eine Schrift, in der Klemens noch nicht figurirte, die mehr in abhandelnder als dialogischer Form die Lehre vom Christenthum als der wahren Urreligion behandelte und ihrem Hauptinhalte nach 1,27–72 unsrer Rekognitionen erhalten ist. Die Zeit dieser Schrift, so weit wir sie aus diesem Abschnitt kennen lernen, soll die vorgnostische, das erste Jahrhundert seyn, wo es noch keine Härese gibt als Paulinismus, wo das Christenthum noch seine einfachste, unentwickeltste Gestalt hat als blosser Glaube an die Messianität Jesu. Ich glaube aber, dass diese Ansicht nicht haltbar ist, denn jene 10 Bücher weisen 1) auf die gnostische Zeit hin, und haben 2) gar nicht existirt. Es bedarf nur einer einfachen Zusammenstellung der Angabe des Inhalts der einzelnen Bücher, um zu sehen, dass Buch 1 (de verbo prophetae et de proprietate intelligente segis secundum id quod Moysi traditio daret), 3) (de Déo et his quae ab eo instituta sunt) und 7 (quae sint quae proscquuti sint Apostoli apud populum in templo) ausgenommen die nicht so diro. auf die Gnosis, sondern zunächst auf 1, 27 –72 zurückweisen, diese ganze fingirte Schrift Polemik go" die Gnosis und dogmatische Feststellung der orthodoxen Hauptlehren von Gott, Schrift, Gesetz, Freiheit, vom Bösen, von den Syzygien, wie sie gerade durch die Gnosis bedingt ist, und insbesondere gerade Dasjenige darbietet. Äo Buch 2 und Z jsrer Rekognitionen, in der erst nach trajanischen und antibasilidianischen Umarbeitung des K. I1.

enthalten ist; ja der liber decimus (denatiyitate hominum etc.) weist deutlich genug auf Buch 9 der Rekogn. (c. 7 ff.). Der Vf. selbst findet die Christologie des K. II. (S. 95) bei einer so frühen Abfassungszeit bedenklich, und wie kann er bei der Beweisart, die er bei den zwei vor. den Homilien stehenden Briefen angewendet hat, jene 10 angebichen Bücher zu einer noch nicht klementinischen, sondern petrinischen Schrift machen, wen doch angegeben wird, dass sie von Klemens goeroen seyen? Der Schriftsteller rekapitulirt seinem Prin cip gemäss, das Behalten der Hauptlehren überall j das Wesentliche hinzustellen, in der deswegen jateriell so ganz bestimmten und asführlichen Inhaltsanzeige dieser 10 angeblichen Bücher den Inhalt der 3 ersten Bücher seiner Schrift (neben

Hinweisung auf später erst auszuführende Hauptpunkte), ohne irgend einen Unterschied zwischen den Abschnitten die vor Simon fallen und den antisimonianischen zu machen, der Inhalt dieser beiderlei Bestandtheile der 3 ersten Bücher steht in dieser Inhaltsangabe gänzlich durcheinander; man kann also nicht sagen, dass die Rekognitionen selbst auf eine von dem „ Antibasilides" (Buch 2 und 3) verschiedene Grundschrift hinweisen; haben jene 10 Bücher existirt, so beweisen sie nicht eine beson– dere 1,27–72 erhaltene Grundschrift für Buch 1, sondern nur eine Grundschrift für die 3 ersten Bü– cher der Rekognitionen zusammen, aus der der Schriftsteller uns in diesen Auszüge geliefert hätte. Aber kann man wohl an die wirkliche Existenz dieser 10 Bücher, die Klemens an Jakobus ge– schickt haben soll, sowie des nach 1, 17 von ihm gleichfalls verfassten liber de vero propheta, glauben, die ja wesentlich dadurch bedingt ist, dass Jakobus wirklich der Oberaufseher und Obercensor war, an den alle Kerygmen des Apostels eingesandt werden mussten, die mithin mit dem ganzen fal– schen Gewebe der Urgeschichte des Ebionitismus, mit welchem sich diese im zweiten Jahrhundert mittelst der Idee des Episkopats der Gnosis gegenüber umgeben hat, steht und fällt? Der Vf, findet ein solches Verfahren, nicht etwa unter dem eignen Namen von Aposteln Schriften zu verfassen, sondern Schriften zu fingiren, auf die man sich

blos als auf seine Quelle berief, zu raffinirt, um

für solche Zeiten angenommen werden zu können, und zudem unklug, weil es Misstrauen erregen

musste, wenn man Schriften citirte, von denen

Niemand etwas bekannt war. Nun, dieses Miss

trauen wäre dadurch beseitigt gewesen, dass diese

von Petrus und Klemens an Jakobus gesandten

Schriften von diesen gemäss der contestatio Jacobi blos wenigen bewährten, gläubigen Lehrern aus

der Beschneidung mitgetheilt werden sollten, wodurch ihr „weniges Bekanntseyn sehr natürlich sich

erklärte; aber eine bestimmte Berufung auf diese und andere Schriften findet gar nicht statt, und die Fiktion selbst von Schriften, die, von

Petrus oder Klemens verfasst, hier ihrem Haupt

inhalt nach wiedergegeben werden, ergab sich aus dem ganzen Stande der Dinge, namentlich seitdem

auch Gnostiker wie Basilides sich auf Petrus berie

fen (S. 139), seitdem das paulinische K. II. (der erste Brief Petri) existiren mochte, ganz natürlich; sie war diesen Fälschungen der Lehre des Petrus gegenüber das einfachste Mittel, um das was nach Ansicht der Ebioniten seine wahre Lehre gewesen seyn sollte, auf authentische Weise der Gegenwart vorzuhalten, ohne durch direkte Fiktion eigener petrinischer Schriften ein zu gefährliches Spiel zu wagen.

C Die Fortsetzung folgt.)

Gebau ersche Buch druckerei.

ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat April.

1 S49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Patristik. Die clementinischen Recognitionen und Homilien, nach ihrem Ursprung und Inhalt dargestellt von Dr. Adolf IIlgenfeld u. s. w. C Fortsetzung von Nr. 74. )

De Verfasser von Schriften, wie die Rekognitionen gingen vollkommen sicher, wenn sie den Klemens und dieser den Petrus und Jakobus zu Gewährsmännern hatten; die diese Fiktion unterstützende, sie natürlich erklärende Anordnung der Geheimhaltung der älteren Schriften breitet zugleich über die ebionitische Sekte ihrem Traditionsprincip gemäss den hohen Heiligenschimmer des Besitzes von Geheimschriften aus, an deren kostbarem Besitz man mehr hatte als an den paulinischen und gnostischen Novitäten. Das Verfahren war ebenso klug, als dem ebionitischen Traditionsprincip, dem essäischen Geheimthun mit alten Schriften konform; Berechnung und Sektengeist führten hier auf ein und dasselbe Verfahren. Eine ähnliche Fiktion findet sich homil. I, 20, dass Petrus von Jakobus den Auftrag gehabt, seine öuiat und zogóZeug jedes Jahr schriftlich ihm zu überschicken, wogegen der den Homilien voranstehende Brief des Klemens an Jakobus c. 20 angibt, dass Klemens als fortwährender Zuhörer des Petrus dessen schon früher dem Jakobus schriftlich eingesandte Vorträge jetzt ihm in einem Auszug überschicke unter dem Titel Kyuavtog töv IIétgov ztuÖyuitov xygvyuártov étutouj. Von diesen beiden Schriftwerken, den alljährlich von Petrus an Jakobus überschickten Vorträgen und dem von Klemens gelieferten Auszug, ist nun blos das letzte, der Auszug ein wirklich vorhanden gewesenes, nämlich eben unsre klementinischen Homilien (nicht, wie der Vf, behauptet, die „Epitome", die ja in c. 145–147 diesen Brief des Klemens bereits auch auszieht, mithin ihn nicht erst noch voranstehen lassen kann, sondern schon voraussetzt); die Bücher aber, die Petrus alljährlich dem Jakobus zugeschickt haben soll, diese Massen von Vorträgen, sind natürlich fingirt, um dem von Klemens gelieferten kurzen Abriss (der IIomilien) eine heilige Grundlage und damit zugleich ein Kreditiv ihrer

Wahrhaftigkeit zur Seite zu stellen. Wie wollte es der Vf, der Homilien, der Rekognitionen anders angreifen, seiner Schrift Glauben zu verschaffen, wie anders als so, dass er in ihnen einen kürzern Abriss der von Petrus in der ganzen Welt gehaltenen Vorträge (natürlich nur einen Extrakt aus dem unendlich Vielen, was Petrus gepredigt und disputirt haben musste) zu liefern vorgab, das Auffallende, dass diese Vorträge nirgends existirten, durch ihre Geheimhaltung in den Kreisen des Jakobus hinwegschaffte, und damit zugleich seine Leser glauben macht, dass die wahren ursprünglichen Lehren des Petrus einmal wol ausgehoben vorhanden gewesen, unter gewissen, freilich harten und schweren Bedingungen (s. die contest.) vielleicht gar noch zu haben seyen? Auf „ Kygiyuat«” Petri geht er zurück, auch wenn es weit und breit keine ebionitische Schrift „ K. II." gab, weil eben die Kerygmen des Apostels, das was unmittelbar aus seinem Munde gekommen war, seine ächte Lehre enthalten musste; den Urtext der Verkündigung des Petrus herzustellen, das ist das Ein und Alles, das diese Schriftsteller mit allen möglichen Mitteln versuchen. Und damit hängt nun die weitere Frage zusammen, ob auch der den 140milien voranstehende Brief des Petrus an Jakobus nebst der contestatio von dem Vf des klementinischen Briefs (und der Homilien) herrühre. Der Vf, sucht S. 38 f. wesentliche Unterschiede zwischen beiden Briefen zu fixiren. Was zuerst die Beschneidung betrifft, die in dem klementinischen Brief nicht erwähnt wird, so ist zu beachten, dass dieselbe auch nicht im petrinischen Brief, sondern nur in der contestatio Jacobi zur Bedingung gemacht ist, unter welcher ein Gläubiger mit den Kerygmen des Apostels bekannt gemacht werden solle; ein Unterschied, der so zu erklären ist, dass Jakobus (der überhaupt zum Schrecken seiner Presbyter die von Petrus vorgeschlagenen Kautionsmaassregeln noch weit überbietet), weil nach der Angabe des Petrus c. 2 Heidenchristen seine gesetzliche Lehre verworfen und verfälscht haben, die Bücher desselben nur 6 beschnittenen Gläubigen, nur Volks- und Religionsgenossen des Petrus anvertrauen will, von denen

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