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misse (Verhältniss zweier Begriffe), sondern in einer Verbindung von Hauptsätzen dargestellt. Diese logischen Verhältnisse der Gedanken (Gegensatz und Causalität) werden nun in der Sprache nicht eigentlich dargestellt (denn die beiordnenden Conjunctionen drücken ursprünglich nur grammatische Verhältnisse der Begriffe aus, und werden unbeschadet des Verständnisses oft ausgelassen), sondern aus dem Inhalte und aus der logischen Form der verbundenen Gedanken erkannt und verstanden. Die logische Form zweier verbundenen Gedanken dagegen wird, wie die des einfachen Satzes und der Satzverhältnisse, durch Tonverhältnisse bezeichnet. „Die Einheit des zusammengesetzten

Satzes zeigt sich darin, dass die verbundenen Sätze

nicht durch eine Schlusspause getrennt, sondern mit Continuität gesprochen werden; und die Unterordnung der verbundenen Gedanken darin, dass der Hauptgedanke mit dem Haupttone dem in dem logischen Werthe ihm untergeordneten Gedanken nachfolgt" (S. 51). - - Aber „unter der logischen Form des zusammengesetzten Gedankens ist nicht nur die Hervorhebung des Hauptgedankens, sondern auch die grössere oder geringere Hervorhebung des logischen Verhältmisses begriffen; und die Sprache unterscheidet in der Form der Darstellung, ob mehr Einer der verbundenen Gedanken oder mehr ihr logisches Verhältniss hervorgehoben wird. Sie bezeichnet diesen Unterschied mehr oder weniger durch die Conjunctionen, besonders aber durch die Verbindungsform der Sätze. Wenn nämlich die verbundenen Gedanken selbst als Urtheile des Sprechenden mehr hervorgehoben werden; so werden sie durch einander beigeordnete Hauptsätze ausgedrückt: soll hingegen mehr das logische Verhältniss der Gedanken zu einander hervorgehoben werden; so wird es insgemein als ein grammatisches Verhältniss dargestellt, und die Sätze werden mit einander als Hauptsatz und Nebensatz in der unterordnenden Form verbunden.” In § 23 ff bespricht der Vf, das Verhältniss der Stilistik zur Grammatik. Nachdem er zunächst im Einzelnen nachgewiesen, wie die ältere Grammatik, weil sie den Vorgang des Sprechens nicht als einen organischen Vorgang aufgestellt habe, der nothwendigen Grundlage einer Stilistik entbehrt habe; bekennt er, dass eine scharfe Scheidelinie zwischen Grammatik und Stilistik sich nicht ziehen lasse, sondern dass die Stilistik eigentlich eine Ergänzung

gestanden hat.

der Grammatik sey. „Je vollkommner also die Grammatik ihren Gegenstand in allen seinen Theilen entwickelt und nach seinem ganzen Umfange erschöpft, um so weniger bedarf sie einer Ergänzung, und umgekehrt." Im Allgemeinen jedoch lasse sich sagen, dass die Grammatik es mehr mit denjenigen Sprachformen zu thun habe, durch welche der Inhalt der Gedanken, die Stilistik dagegen mehr mit denjenigen, durch welche die logische Form der Gedanken dargestellt werde. Ist nun die allgemeine Stilistik eine Ergänzung der Grammatik, so behandelt die besondere Stilistik die besonderen Arten des Stils, die nach den besondern Arten der darzustellenden Gedanken unterschieden werden. Mit Recht bekämpft der Vf die bisherige Auffassung, nach der die besondern Stilarten nach den besondern Zwecken der Darstellung unterschieden werden. Denn nicht diese Zwekke, sondern die besondern Arten der Gedanken selbst und die mit ihnen gegebenen Formen der Darstellung sind es, worauf sich der Unterschied der besondern Stilarten gründet. Dass aber die Stilistik bisher wissenschaftlich so wenig entwickelt ist, daran ist die ungebührliche Abhängigkeit schuld, in der die deutsche Stilistik von der Rhetorik der Alten Aber Beide sind ganz verschiedene Dinge. „Die Rhetorik der Alten war eine besondere Kunst, die durch die besondere Gestalt ihres öffentlichen Lebens hervorgerufen und gepflegt wurde, und deren Anwendung auf besondere Geschäfte des öffentlichen Lebens beschränkt war. Sie wurde eigentlich nur angewendet bei der öffentlichen Rede vor dem Volke, vor dem Senate und vor den Gerichtshöfen. – Ganz anders verhält sich der Begriff und die ganze Aufgabe unserer Stilistik. Diese fordert zwar auch, dass die Rede sprachrichtig, deutlich und schön sey; aber die eigent– liche Stilistik ist nicht, wie bei den Alten, der Rhetorik als ein besonderes Moment derselben untergeordnet, und die Schönheit des Stils nur ein Mittel zu dem Zwecke der Rede (der Ueberredung). Unsere Stilistik ist nicht eine Kunst, die besondern Geschäfte des öffentlichen Lebens dienstbar ist; sie ist ein Gegenstand der allgemeinen Bildung geworden. – – Sie lehrt nicht, wie man in öffentlichen Reden seine Zuhörer überreden soll, sondern wie man überhaupt seine Gedanken in Wort und Schrift schön darstellen soll. Ihr oberstes Gesetz ist, dass die Rede ein adäquater Ausdruck der darzustellenden

Gedanken sey; und sie wird nur dadurch ein adäquater Ausdruck der Gedanken, dass sie, nach den organischen Gesetzen unsres Denk- und Sprachvermögens ausgebildet, zu einer schönen Rede wird." (S. 64 u. ff.). Die folgenden §§ handeln von dem Stil der verschiedenen Sprachen. Der Vf, erschöpft sein Thema natürlich nicht; es ist ihm besonders darum zu thun, die so oft anerkannten eigenthümlichen Vorzüge der Muttersprache vor andern, alten und neueren Sprachen nachzuweisen. Es ist die Macht des logischcn Geistes, die der deutschen Sprache ihren charakteristischen Unterschied aufgeprägt hat, eine Macht, so durchgreifend wirksam, dass sie andere Richtungen der Sprache sich völlig unterworfen hat. Diese Unterwerfung, die Vielen als Verstümmelung der Sprache erscheint, ist dem tieferen Forscher die aus dem Geiste und Charakter der Sprache nothwendig hervorgehende Entwickelung der Sprache, so dass der Sieg des logischen Geistes nichts als die gesunde Entwickelung der deutschen Sprache ist. Aber so entschieden der Vf, die Vorzüge unserer Sprache gegen grundlose Angriffe vertheidigt, eben so entschieden bekämpft er (§ 30) die modernen Ausartungen im Gebrauche derselben, die uns manche Schriftsteller in ihren Werken als glänzende Vorzüge verkaufen möchten. Der Vf, bezeichnet als solche Ausartungen den übermässigen Gebrauch der Abstracta, den Mangel an sinnlicher Anschaulichkeit der Darstellung, das gesuchte Streben nach geistreicher Darstellung bei dem trostlosesten Mangel an geistreichen Gedanken, und umfasst alle die besonderen Arten der Ausartung unter dem treffenden Namen der Vergeistigung des Stils. Auf den innigen Zusammenhang der geistigen Bildung mit der Ausbildung des Stils wirft der Vf (§ 31) einige scharfe Blicke, und weist nach, wie die Sprache bei Individuen sowohl als bei ganzen Völkern ein Hinderniss oder ein Förderniss der geistigen Bildung werden, wie die Beschränktheit der Sprache die Entwickelung der Gedanken schon im Keime verkrüppeln kann; wie andrerseits aber freilich auch der freiere Aufschwung des Gedankens und das stärkere Feuer des Geistes diese Schranken zerbricht und schmelzt , und neue Formen der Darstellung schafft oder doch die bestehenden zu neuem Dienste zwingt, so dass Bildung und Darstellungsvermögen, mit einander in innigster Wechselwirkung stehen.

Die Schwierigkeiten, welche die Entwickelung des deutschen Lebens der Entwickelung eines richtigen Sprach- und Stilgefühles entgegenthürmt, werden § 32 und 33 kurz durchgenommen. Der bis in die Gegenwart reichende Einfluss fremder Sprachen und Anschauungen, und der Uebelstand, dass wir mehr schreiben als reden, mehr lesen als hören, haben es bis heute noch nicht dahin kommen lassen, dass wir mit Recht behaupten dürften, es sey das Gefühl für schöne Darstellung überall verbreitet.

Wir haben die einleitenden §§, welche die Grundlage des ganzen Buches bilden, hier genauer, als sonst in Anzeigen zu geschehen pflegt, dargelegt. Wir waren dazu berechtigt: denn diese durchaus neue Grundlage einer Stilistik konnte nicht mit ein paar Worten abgefertigt werden, sondern, wie alle Gedanken aufs engste unter einander zusammenhangen, so mussten sie auch in ihrem Zusammenhange dargestellt werden. Es ist etwas Grossartiges um ächt wissenschaftliche Werke. Ein einfaches unscheinbares Princip, das den Mittelpunkt aller Werke Becker's bildet, wächst zu einem solchem Reichthume der Entwickelungen aus, das man erstaunt zuletzt den ganzen grossen Sprachorganismus von ihm beseelt sieht. Auch in der Stilistik erscheint kein neues Gesetz; dasselbe Gesetz, das die Grammatik in der einfachsten Sprachform nachwies, ist auch in der Stilistik wirksam. Die

tiefe von Unwesentlichem nicht beirrte Forschung nach der organischen Thätigkeit des Denk- und

Sprachvermögens zeigt uns, dass die schöne Darstellung nichts ist, als die gesunde organische Darstellung. Aber bewundern wir, wie aus Einem einfachen Princip Alles hervorwächst, so bewundern wir auch die sichere und klare Consequenz, mit der der Vf, diese Entwickelungen nachweist. Der Kenner seiner Grammatik findet sich in der Stilistik auf ganz bekanntem Boden: es sind dieselben bekannten Grundsätze und Gesetze, die er auch hier wirksam sicht; aber er wird immer vön neuem überrascht durch die Nachweisungen der weitgreifenden Wirkungen dieser Grundsätze und Gesetze. Dazu kömmt die treffliche, kläreünd präcise Darstellung des Vf's, die um so Ä wirkt, je seltener wir sie in Büchern ähnlicher Art finden. - 92 i.“ ( Der beschuss folgt.) r“:: . . . :

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StaatSWiSSenSchaft. Die Grundrichtungen in der Geschichte der Staatswissenschaft, von J. J. Rossbach, d. Phil. u. d. Rechte Doctor. gr. 8. 68 S. Erlangen, Palm'sche Buchh. (/s Thlr.)

as Thema, welches sich der Vf, stellt, ist gerade für unsre Zeit von dem entschiedensten Interesse. Der Vf, behandelt es aber in so dürftiger Weise, dass seine Arbeit der Wissenschaft nicht zu Gute kommt. Schon durch das Hervorheben von allgemeinen Grundrichtungen in der Staatswissenschaft entsteht der Uebelstand, dass die historische Entwickelung durchschnitten und Systeme zusammengestellt werden, welche der Zeit nach weit auseinander liegen. Wenn nun auch nicht zu leugnen ist, dass in den verschiedensten Zeiten ähnliche wissenschaftiche Richtungen auftreten, so dringt sich doch grade in der Staatswissenschaft, welche sich offenbarer als andere Disciplinen der Philosophie der Entwickelung des concreten sittlichen Geistes selbst anlegt, die Nothwendigkeit auf, in jenen historisch aus einander liegenden ähnlichen Richtungen den specifischen Unterschied anzuerkennen, welcher durch die Geschichte selbst wesentlich gesetzt ist. Wollten wir nun aber auch hiervon absehen, so sind ausserdem die Principien, von welchen aus der Vf, die Grundrichtungen in der Staatswissenschaft unterscheidet, so unbestimmt und schwankend hingestellt: dass durch ein Anlegen derselben die concreten Erscheinungen nimmermehr charakterisirt werden können. „Das Universum zeugt uns von zwei Factoren des Lebens der Welt, und von ihnen, wie von dem Geiste, der selbst ihr Urgrund ist, zeugt auch die Philosophie. Dieser Urgrund der Dinge ist Gott, und die Elemente seiner Offenbarung sind Natur und Geist. In diesen Worten liegt das Verständniss der ganzen Geschichte, in ihnen liegen ebenso die bisherigen Ausgangspunkte einer philosophischen Weltansicht.“ „Diese Ausgangspunkte der Philosophie kehren auch auf dem Gebiete der Staatswissenschaft wieder. Die

Natur – überhaupt als Gegensatz zum Geiste gedacht – erscheint im Allgemeinen als die ausser unserm geistigen Leben ruhende Welt, Sey dieses die Welt als das unserer sinnlichen Wahrnehmung zugängige, oder als das in der Geschichte sich darstellende Leben der Welt. Die Naturansicht des Staats wird dann entweder eine empirisch-reale, oder eine historische; der Naturalismus betrachtet dann den Staat als Werk der Natur, oder materialistisch als blosse Anstalt des Nutzens. Die idealistische (subjective, rationale) Richtung erkennt dagegen im Staate das Werk der menschlichen Freiheit, wie die theistische ihn als Offenbarung oder als Gestalt Gottes betrachtet." Diese abstracten Gesichtspunkte reichen durchaus nicht hin, die Bewegung des wissenschaftlichen Denkens im Allgemeinen zu charakterisiren. Besonders misslich ist es, dass der Vf, in dem Naturalismus oder Realismus zwei Elemente zusammenwirft, die sehr heterogener Natur sind. Natur soll nämlich einmal die dem Geiste entgegengesetzte sinnliche Welt seyn, dann aber auch die historisch gegebenen Gestaltungen des Geistes bedeuten; der Begriff des Naturalismus, Realismus, Materialismus wird damit vollständig zersprengt. Ferner ist auch der Theismus, wenn er ausdrücklich neben den Realismus und Idealismus gestellt wird, eine höchst unbestimmte Gestalt, weil er sich durch die ganze Geschichte der Philosophie hindurch auch mit jenen beiden Richtungen verbunden hat. Indem es nicht die Absicht des Vf.'s war, auf die einzelnen staatswissenschaftlichen Systeme selbst Speciell einzugehen, so hätte er um so mehr Fleiss auf die Charakterisirung der allgemeinen Richtungen wenden sollen. Was er von den einzelnen Systemen hervorhebt, sind nur kärgliche Andeutungen, welche dem Uneingeweihten zu keiner Sachkenntniss verhelfen, für den Eingeweihten aber vollends überflüssig sind. Ausserdem aber sind die Ausführungen des Vf's der Art, dass sie die geringe Bestimmtheit, welche noch in den aufgestellten allgemeinen Richtungen enthalten war, fast vollständig zu Schanden machen. Der Vf, macht nämlich folgende Zusammenstellungen: 1. Der Naturalismus; Aristoteles, v. Haller, Craigh und Bentham. 2. Der Spiritualismus; Plato, Grotius, Hobbes, Locke, Pufendorf und Böhmer, Rousseau, Kant und Fichte, Pölitz. 3. Der Theismus; die christliche Staatsansicht und der Pantheismus; die Kirchenväter und germanischen Schrifteller; de Maistre, A. Müller, Bonald, Baader, Stahl, Schelling und Hegel. 4. Die Vermittelungsversuche; Cicero, Bako, Ancillon, Raumer, Warnkönig, Krause und Schmitthenner, Dahlmann, Vollgraff und Buss. – Schon die Auswahl der genannten Männer muss Anstoss erregen. Wollte der Vf, nicht bei den Helden der Staatswissenschaft stehen bleiben, so waren doch offenbar noch andere Namen zu nennen; das willkührliche Nennen von Namen, die Einem gerade zur Hand sind, hat doch unmöglich ein wissenschaftliches Recht. Wie ist nun aber der Naturalismus beschaffen, in welchem sich Aristoteles und Haller zusammenfinden, und der Spiritualismus, welcher ausser Plato, Fichte, auch Locke und Hobbes umfasst? Von Aristoteles führt der Vf. an, dass nach ihm der Mensch schon von Natur zum Staate gemacht sey; dass es naturgemäss sey, dass der Leib durch die Seele, die Leidenschaft durch die Vernunft beherrscht werde; ferner aber auch, dass nach ihm der Staat vor dem Einzelnen und der Familie sey, wie das Ganze vor seinen Theilen. Offenbar soll hier der Naturalismus in dem Worte: von Natur, stecken; dann ist aber der Naturalismus eine unübersehbar weite Rubrik. Natur heisst hier entschieden nichts anderes als ñesen; wenigstens hat sie doch sicherlich nicht die Bedeutung „ der dem Geiste entgegengesetzten Welt;" es soll ja der Natur gemäss seyn, dass nicht die natürliche, sinnliche Seite des Menschen, sondern die Seele, die Vernunft herrsche. (Der Beschluss folgt.)

Physik.

Beiträge zur meteorologischen Optik und zu verwandten Wissenschaften. In zwanglosen Heften herausgegeben von Joh. Aug. Grunert, Prof. zu Greifswald, u. s. w. I. Th. 1. Heft. gr.8. 168 S.

Leipzig, bei Schwickert. 1848. (1 Thlr) Es kann nicht geleugnet werden, dass unter fast allen Zweigen der Naturwissenschaft die „meteorologische Optik“ noch auf der niedrigsten Stufe der Ausbildung steht; denn nicht nur dass die bis jetzt

aufgestellten Theorien der in dieses Bereich gehörenden Naturerscheinungen noch gar Manches zu wünschen übrig lassen, so fehlt es auch an sorgfältigen, mit scharfen Messungen verbundenen Beobachtungen und darauf gegründeten Rechnungen so sehr, dass noch keine der bezeichneten Naturerscheinungen als genügend erklärt betrachtet werden kann. Es muss deshalb als ein ganz besonders verdienstliches Unternehmen anerkannt werden, dass der Hr. Prof. Grunert durch eine der genannten Wissenschaft speciell gewidmete Zeitschrift einen Weg eröffnet hat, aus welchem die Ausfüllung der in der allgemeinen Naturwissenschaft noch vorhandenen Lücke am ersten gehofft werden darf. Es sollen nämlich darin Platz finden zunächst streng wissenschaftliche, die Hülfe der Mathematik im weitesten Sinne in Anspruch nehmende Abhandlungen über die Theorie der atmosphärischen Lufterscheinungen, dann mehr populär gehaltene Aufsätze über solche Erscheinungen für den Kreis der nicht streng wissenschaftlich gebildeten Leser, endlich sollen besonders Resultate genauer Messungen und darauf gegründete Rechnungen mitgetheilt werden. Ueber die Lichterscheinungen, die in den Kreis der genannten Zeitschrift gezogen werden sollen, spricht sich der Hr. Herausg. in seinem Archiv für Mathematik und Physik näher aus und führt da an: Die Durchsichtigkeit der Atmosphäre, die Bläue des Himmels, die Morgen – und Abendröthe, überhaupt die verschiedene Färbung des Himmels, die scheinbare Gestalt des Himmelsgewölbes, die verschiedene Grösse und Gestalt der Sonnen und des Mondes in verschiedenen Höhen über dem Horizonte, die Dämmerung und was damit zusammenhängt, der Polarisationszustand der Atmosphäre, die sogenannten Rayons crépusculaires, das sogenannte Wasserziehen der Sonne, der Sonnen- und Mondregenbogen, die Höfe, Nebensonnen und Nebenmonde, die Krystallisation des Eises, das Funkeln der Sterne, die Luftspiegelung, die terrestrische und astronomische Strahlenbrechung, der Zusammenhang der atmosphärischen Lichterscheinungen mit den übrigen meteorologischen Erscheinungen, die atmosphärischen Lichterscheinungen als Vorboten des Wetters, u. s. w. Hieran sollen sich auch Phänomene, welche mit Lichterscheinungen am Himmel verbunden sind, z. B. das Nordlicht, das Zodiakallicht, die Sternschnuppen und Feuerkugeln anschliessen.

Wenn man den hier entfalteten Stoff überschaut, so erkennt man, dass die Bewältigung deslich Venturi diese Erscheinung aus einer abgeplatteten Form der Regentropfen herleitet, so ist man genöthigt Regentropfen von so vielen bestimmten Formen, als es die Anzahl der secundären Bögen erfordert, anzunehmen, welche Annahme doch unmöglich als statthaft anerkannt werden kann. Zu einer ähnlichen unstatthaften Annahme werden wir aber auch durch die Erklärung des Hn. Prof. Grunert geführt, nämlich zu der, dass es Regentropfen von so vielen bestimmten Dichtigkeiten gäbe, als die Anzahl der secundären Bögen erfordert. Wie es aber offenbar Uebergänge in den Formen giebt, so giebt es natürlich auch Uebergänge in den Dichtigkeiten, und dürfte sich deshalb aus der verschiedenen Form sowohl, als aus der verschiedenen Dichtigkeit der Tropfen nur ein, in der That aber aber nicht stattfindendes, Verschwimmen der verschiedenen Farben herleiten lassen. Am Schlusse des ersten Heftes unserer Zeitschrift sind noch einige interresante Mittheilungen aus dem „Jahresberichte über die Fortschritte der physikalischen Wissenschaften von Jacob Berzelius" über die Krystallformen des Eises gemacht worden. Das zweite Heft enthält zunächst eine Abhandlung vom Hrn. Schulamtscandidaten Kuhse in Greifswalde: „Die drei wichtigsten ältern Hof- und Ncbensonnen-Phänomene, nämlich das Römische, das Danziger und das Petersburger Phänomen, genau nach den Quellen dargestellt nebst Bemerkungen über derartige Phänomene überhaupt." Die Arbeit darf als das Resultat eines sehr sorgfältigen Studiums der über die betreffenden Erscheinungen vorhandenen Quellen angesehen werden und verdient schon deshalb, weil sie alles hieher Gehörige vereinigt, eine vorzügliche Beachtung*). Ihr folgt eine Abhandlung „über die Lehre von der Dämmerung“ vom Herausgeber. Dieselbeschliesst sich an Lambert (s. dessen Photometria, sive demensura et gradibus luminis, colorum et umbrae) an, erstrebt aber dadurch einen grössern Grad von Vollkommenheit, dass sie die Erscheinungen in eine richtigere Beziehung zur Horizontalrefraction setzt, als von Lambert geschehen ist. Aus der „Berechnung der Lambert'schen Dämmerungsbeobachtungen", welche der Hr. Herausgeber noch folgen lässt, ergiebt sich der bemerkenswerthe Umstand, dass die hieraus sich ergebenden Resultate

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selben nicht die Arbeit eines Einzigen seyn kann, sondern dass nur durch das thätige Zusammenwirken vieler Gelehrten der Zweck dieser Zeitschrift erreicht werden kann. Die beiden ersten Hefte derselben liegen bereits vor uns, und können wir nicht anders, als den gemachten Anfang als einen zu weiteren grossen Erwartungen berechtigenden bezeichnen. Das erste Heft enthält zunächst eine Theorie des Regenbogens, vom Herausgeber. Es muss schon als ungemein verdienstlich anerkannt werden, dass der Hr. Vf, hier gleichzeitig eine Uebersicht dessen giebt, was bis jetzt in Bezug auf diesen Gegenstand geleistet, namentlich was von Newton, Venturi, Brandes, Young, Arago, Airy und Andern zur Aufklärung dieses Phänomens gethan worden ist; sodann darf aber auch nicht verkannt werden, dass durch die Abhandlung selbst ein neuer wichtige Schritt zur Vervollkommnung dieser Theorie geschehen ist, namentlich schon deshalb, weil der Hr. Vf. der elliptischen Gestalt der Regentropfen die nöthige Berücksichtigung nicht versagt hat. Als eine ganz besondere Eigenthümlichkeit dieser Abhandlung muss namentlich die Erklärung der secundären Regenbogen, die der Hr. Herausg. versucht hat, erwähnt werden, und gehen wir deshalb auf diese etwas näher ein. Dieselbe gründet sich auf die Annahme, dass sich in der Atmosphäre Regentropfen von verschiedener Dichtigheit befänden, deren verschiedene Brechungskraft natürlich auf die Verschiedenheit der einer und derselben Farbe entsprechende Brechungsexponenten und die damit unmittelbar zusammenhängende Wiederholung der Bögen zur Folge habe. Diese Erklärungsweise hat nun zwar vor den früheren den entschiedenen Vorzug, dass sie nicht wie letztere den von Newton bei der Erklärung der Haupterscheinungen des Regenbogens oder der primären Bögen eingeschlagenen Weg nun mit einem Male gänzlich verlässt, ferner auch dass sie den Umstand, dass die secundären Bögen hauptsächlich an den Gipfelpunkten der primären sich zeigen, durch die nicht wegzuleugnende Thatsache vom Geringerwerden der Dichtigkeit der Regentropfen beim Eintritt in die tieferen wärmeren Regionen, ausreichend erklärt; gleichwohl können ihr nach unserem Dafürhalten dieselben Bedenken entgegengehalten werden, welche Brandes bei dem Venturi'schen Erklärungsversuche hat. Wenn näm

*) S. 193. Zeile 1, ist 1633 statt 1233 zu lesen.

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