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Figur in einem grossen Krankheitsgemälde, zu dem die blutigen Greuel vor den Augen; unter Napoleon jetzt eine allgemeine Idee den Grundton abgiebt. commandirten die Wahnsinnigen ihre Armeen, rühmSo werden wir von der Betrachtung des Einzelnen ten sich ihrer Trophäen und waren stolz, die Erde aus auf eine allgemeinere Fassung hingetrieben mit dem Klang ihres Namens zu erfüllen; als NaDenn wenn wir in einer Masse von einzelnen Fäl- poleon besiegt wurde, kam die Furcht vor den Kolen dieselben Züge wieder erkennen, wenn die aus

saken in die Irrenhäuser u. s. w.” Dies waren inschweifende Phantasie Vieler sich trotz der indivi- dess immer nur Einzelne, die, neben einer individuellen Zuthaten immer und immer wieder in die- duellen Disposition zum Wahnsinn überhaupt, von selben Schemata hineindrängt, so liegt darin auch der Gewalt der allgemein herrschenden Vorstellundie Nöthigung, diese allgemeinen, immer wieder- gen mit fortgerissen wurden. Von einem epidemikehrenden Gedankenkreise mit in das Bereich der schen Auftreten dieser Krankheit unter jenen BeBetrachtung zu ziehen. Die medicinische Beobach- dingungen ist uns jedoch nichts zu Gehör gekomtung lehrt uns, dass bestimmte Vorstellungen sol men, obschon die damals herrschenden Zeitideen che Gewalt auf den Organismus ausüben, dass sie nicht weniger tiefe Wurzeln im Volke geschlagen Erscheinungen des gestörten Hirnlebens hervorbrin- haben dürften, als früher der Glaube an Dämonen, gen können, dass sie Sinnestäuschungen erzeugen, Hexen, Wehrwölfe u. s. w. Wir sehen hieraus, dass die Aufregung des Gehirns Störungen in der dass aus der organischen Disposition im Verein mit Thätigkeit des Rückenmarkes, als: Krämpfe u. s. w. der Betheiligung an den schwebenden Zeitideen hervorruft. Diese allgemeinen Gedankenkreise müs allein die Entstehung des socialen Wahnsinns nicht sen also in der Weise der Untersuchung unterwor erklärt werden könne, und es müssen hier noch fen werden, dass wir wo möglich nachweisen, wie Momente wirksam seyn, die uns weder unsere sie überhaupt in sich die Keime zum Wahnsinn Kenntnisse vom Seelenleben noch von der Culturtragen, wie ihre rein abstracte Beschaffenheit in geschichte der Völker aufzuschliessen im Stande ihrer Hineinwirkung in die menschliche Seele diese sind. wahnsinnig machen kann.

Es liegt nahe, hier an eine geistige Ansteckung Ohne nun diesen Ansichten, die wir grössten zu denken, und der Vf. selbst bedient sich dieses theils mit den eigenen Worten ihres Vf.'s wieder- Wortes, ohne indess näher darauf einzugehen, welgegeben haben, ihr Verdienst schmälern zu wollen, chen Begriff er damit verbindet. An eine Uebervielmehr anerkennend, dass die Gesichtspunkte, tragung der Krankheit durch Contagium im gewöhnwelche er zur Beurtheilung des Gegenstandes be- lichen Sinne ist einmal nicht zu denken; denn ist sonders hervorgehoben hat, alle Berücksichtigung es auch bis jetzt noch nicht gelungen, ein solches verdienen und dem psychischen Arzte als leitende

isolirt darzustellen, so ist es doch gewiss, dass es Momente dienen können, müssen wir doch geste- mit organischen Stoffen verbunden, von einem orgahen, dass sie uns der Erklärung jener wunderbaren nischen Körper zum andern übertragen werden kann, Erscheinungen des socialen Wahnsinns nicht näher ja übertragen werden muss, um in diesem die gleizu führen scheinen. Das Ganze bleibt uns eben che Krankheit zu erzeugen.

Von einer solchen so räthselhaft als zuvor. Denn dass ein Individuum, stofflichen Mittheilung kann aber bei geistigen Zu-, welches sich vorzugsweise den herrschenden Ideen ständen keine Rede seyn.

Es bleibt daher nur seiner Zeit hingiebt, in die damals herrschenden übrig, eine sympathische Erregung von Seite des Träumereien und Schwärmereien auf's engste ver Geistes oder Gemüths in gleichgestimmten Seelen flochten ist, von Wahnsinn ergriffen wird, begreift anzunehmen. Allerdings sprechen dafür schon Thatsich wohl, ja, wie der Vf. selbst anführt, drücken sachen des gewöhnlichen Lebens. Die Vorstellung die verschiedenen religiösen, philosophischen, poli- einer Bewegung, die wir an einem Anderen wahrtischen Ansichten eines Volkes diesem Wahnsinn nehmen, ruft in uns eine Tendenz zu der gleichen häufig ihren besonderen Typus auf, allein wie sich Bewegung in dem ihr dienenden Muskelapparate ein solcher Wahnsinn ganzen Corporationen mitthei- hervor. Ein Gähnender, ein Lachender steckt Mehlen kann, ist damit noch nicht erklärt. „So schweb rere an. Joh. Müller beobachtete, dass die Zuten nach der, ersten Revolution in Frankreich den schauer von Fechtspielen oder Duellen die Streiche Unglücklichen, die während der Schreckensregie mit leisen unwillkührlichen Bewegungen ihres Körrung den Verstand verloren hatten, noch immer pers begleiten. Allein die Geschichte solcher Epi

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demien belehrt uns, dass die Krankheit bei dem Endlich kommen in manchen dieser Epidemien Einzelneri keinesweges immer von dem Anschauen Erscheinungen vor, die durchaus nicht auf ein symeines anderen von der geistigen und leiblichen pathisches Verhältniss in der oben bezeichneten Störung Behafteten ihren Ausgang nahm. Jene Weise zurückgeführt werden können. Wie der Convulsionäre am Grabe des heil. Pâris in Paris Anblick der Convulsionen, die bei einer Nonne wurden von Convulsionen befallen, nachdem sie nur ausbrachen, auch das gleiche Uebel in anderen herdas Grab besucht, ja, ehe sie nur die Erde jenes vorrufen konnte, lässt sich nach dem Gesetze der Grabes berührt hatten. Selbst ein seit der Geburt Sympathie einsehn, nicht aber, wie bei den Nonnen taubstummes Mädchen, auf den Kirchhof gebracht in der Grafschaft Hoorn (1551), die Mehrzahl eine und auf das Grab gesetzt, verfiel in heftige Kräm schwarze Flüssigkeit ausbrach, die so scharf und pfe, die sich jedesmal wiederholten, so oft man sie bitter war, dass sich die Epidermis der Zunge auf das Grab trug. Hier fällt demnach jede sym und der Lippen loslöste, oder wie die Nonnen im pathische Erregung mittelst des Gesichtssinnes weg. Kloster Kentorp (1552) über eine brennende Em

Während der unter den Calvinisten in den Jah- pfindung auf der planta pedis klagten, als wenn man ren 1686 - 1707 im Dauphiné, Vivarais und in den kochendes Wasser darauf gegossen hätte. Ebenso Cevennen herrschenden Epidemie wurden nach Ja unerklärlich sind manche Erscheinungen, wie sie ques Dubois's Zeugniss wohl an sechzig Kinder im bei manchen Convulsionärs am Grabe des heil. Pâris Alter von 3— 12 Jahren von der Krankheit befal vorkamen. Sie liessen sich mittelst Holzkloben len, bei denen man doch unmöglich weder eine Theil mit der grössten Gewalt schlagen, Steine von unnahme an den damals herrschenden religiösen Spal- geheurer Grösse auf den Magen werfen, so dass tungen, noch eine Uebertragung durch Sinnenein man hätte glauben müssen, der ganze Körper würdrücke annehmen kann.

de zerschmettert werden; Bretter über ihren Leib Ferner lehrt uns die Geschichte, dass Menschen legen, auf welchen eine Menge Menschen, bis an mit in den Kreis der krankhaften Erscheinungen zwanzig Personen, herumstampfen mussten, um zu hineingerissen, wurden, die an dem religiösen Zwie beweisen, dass Gott in seiner Gnade sie unverwundspalt gar keinen Antheil nahmen, ja sogar einer bar und unempfindlich gemacht habe. Je stärker entgegengesetzten Ansicht zugethan waren, als die die Schläge auf ihren Leib dröhnten, desto mehr jenigen, von denen der Impuls zur epidemischen Linderung ihrer krampfhaften Beschwerden meinten Krankheit ausging. In der oben erwähnten Epide sie zu empfinden. Es mussten oft die kräftigsten mie im Dauphiné u. s. w. hatte der Zustand der Männer ausgesucht werden, man musste EichenCalvinisten unter den Katholiken zuerst nur Gespött kloben, so gross wie Keulen nehmen und eiserne erregt, aber bald stahl sich das Gift der Theoma Stangen, weil sie von schwachen, mit gewöhnlicher nie auch unter sie. Die drei Söhne eines katholi Manneskraft geführten Schlägen nicht im geringsten schen Pfarrers bei Anduze fingen an zu prophezei befriedigt wurden. Die Sache würde unglaublich en und nahmen Theil an den Versammlungen der erscheinen, wenn nicht ganz Paris damals Zeuge Fanatiker. Die Kinder des Richters zu Vigan, der gewesen und die einzelnen Facta yon sehr vielen die Calvinisten mit grossem Eifer verfolgte, über Beobachtern bestätigt würden." Dergleichen Erkam der heilige Geist. Unter den Calvinisten selbst scheinungen können aber eben so wenig auf eine wurden zuweilen diejenigen plötzlich von Convul- sympathische Uebertragung, als auf Nachahmung sionen befallen, die noch kurz vorher über die Ver- zurückgeführt werden, und wenn sie Calmeil durch drehungen ihrer Glaubensgenossen gelacht und ge die Annahme eines somnambulen Zustandes erkläspottet hatten. Auch am Grabe des h. Pâris ren will, so lässt sich zwar nicht abläugnen, dass unterlagen Müssigänger, die durch die Neuheit des dieser sich von einem Individuum auf das andere Schauspiels angelockt, die Volksmasse vermehrten, übertragen könne, allein es bleibt dabei immer noch Gläubige und Zweifler, ohne Unterschied dem wun zu enträthseln übrig, wie dieser somnambule Zuderbaren Einfluss, – ein Beweis, dass das wichtig- stand bei Vielen unter der gleichen Form und mit ste Moment zur Erzeugung von dergleichen Krank derselben Unempfindlichkeit und Unverletzlichkeit heiten, die durch die allgemeine Seelenstimmung auftreten konnte. Eben so wenig reicht aber jeder gegebene Disposition, dazu nicht immer erforderlich andere Versuch zur Erklärung dieser merkwürdigen

Erscheinungen aus. Sie stehen als physiologische

war.

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und psychologische Wunder da, und weisen auf eine Vorkommen des Teufelswahns in Artois; die Annoch unverschlossene und geheime Verbindung der thropophagie in Deutschland 1484 1500, die menschlichen Seelen hin, von der sich zwar schwar Dämonopathie der Nonnen in Cambrai (Johanne che Analoga im gewöhnlichen Leben der Menschen Pothière wird ins Gefängniss geworfen). Das auffinden, die sich aber auf dem jetzigen Stand- sechzehnte Jahrhundert giebt uns zuerst Veranlaspunkte unseres physiologischen und psychologischen sung, die Ansichten der Schriftsteller der damaligen Wissens nicht deuten lassen.

Zeit zu besprechen. Hierauf folgt: der Teufelswahn Mit Recht macht Hr. Leubuscher darauf auf- epidemisch in der Lombardei (1504 1523); die merksam, dass Schwärmerei und Irrthum kein Inquisition zicht ein Mädchen, die an HallucinatioWahnsinn sey; dass grosse Ideen die Kraft haben, nen und ekstatischer Verzückung leidet, vor Gericht die Gemüther ganzer Völker in eine schwärmerische (1511); Mordmonomanie. Peter Burgot und Michel Spannung zu versetzen, die durch ganze Genera- Verdung klagen sich des Mordes und der Lykantionen sich forterbe und nachklinge, und dass end- thropie an und werden in Poligny verbrannt'(1521); lich der Schwung und die Begeisterung, welche Process und Verurtheilung des Dr. Torralba. Er solche Ideen erwecken, die geistige Natur zu einer glaubte einen Genius in seinen Diensten zu haben höheren Entwickelung bringen; während aber im (1528-31); Hallucinationen und Verurtheilung eiGanzen die höhere Bildungsstufe deutlich in die Au ner Aebtissin von Kordua (1544); Teufelswahn mit gen springe, oft dem Einzelnen das Grosse der hysterischen Erscheinungen. a) Die Hystero - Däneuen Idee nur in einer dunkeln Ahnung vor dem monopathie wird in der Grafschaft Hoorn epidemisch Bewusstseyn schwebe, und der von ihr für das In- (1531); 6) Hystero - Dämonopathie im Kloster Kendividuum gegebene Impuls dunkle und geheimniss- torp. Das Uebel verbreitet sich in die Nachbarschaft volle Anklänge in die Seele bringe, die zum Ver- (1552); c) Hysterische Convulsionen. Nymphomakennen des Wirklichen führen. Nun müssen nie und Dämonopathie in Köln (1564); d) Hysterowir zwar anerkennen, dass auf diese Weise auch Dämonopathie unter den Findelkindern in Amstereine grosse Idee die Veranlassung zum Wahnsinn dam (1565); ein Lykanthrop tödtet vier Kinder und bei Individuen werden könne, denen sie nicht ver isst Menschenfleisch, Ein Parlamentserlass erlaubt ständlich ist, die in ihrer Schwärmerei darüber zu den Bauern, auf die Wehrwölfe Jagd zu machen. extremen Ansichten und Vorstellungen getrieben Garnier, genannt der Eremit von St. Bonnot wird werden. Aber giebt es nicht auch Ideen, die vom verbrannt (1574); in Valery in Savoyen werden Hause aus das Gepräge des Wahnsinns an sich tra eine Menge von Wahnsinnigen verbrannt (1574); gen; die irgend ein Individuum unter die Menge Hallucinationen und Process von Johanne Hervilschleudert und von dieser begierig aufgenommen, liers. Sie wird in Ribemont verbrannt (1578); sich von Mann zu Mann fortpflanzt? Müssen wir Dämonopathie in Mailand (1590); in Brandenburg da nicht unterscheiden zwischen Schwärmerei für (1594); die Dämonomanie in Lothringen (1580–95); das Edle, Grosse, und zwischen einer solchen für Teufelsanbetung und Lykanthropie herrschen epideirgend einen verrückten Gedanken, der in anderen, misch im Jura (1598 — 1600); ein Lykanthrop, den gerade dafür Empfänglichen, zeugend fortwirkt? das Criminalgericht in Angers zum Tode verurtheilt,

Es würde uns zu weit führen, wollten wir die wird vom Parlament in Paris ins Irrenhaus geschickt einzelnen Abschnitte des Buches einer besonderen (1593); Marthe Brossier (1599). Das siebenBesprechung unterwerfen; es mag daher genügen, zehnte Jahrhundert eröffnen wieder die Ansichdie verschiedenen Erscheinungen des socialen ten der Schriftsteller, an welche sich folgende geWahnsinns, wie sie der Vf. in der Geschichte der schichtliche Ereignisse anschliessen: Jean Grenier vier letzten Jahrhunderte zusammengestellt hat, wird als Lykanthrop und Mörder angeklagt und' zů hier übersichtlich aufzuführen.

lebenslänglichem Gefängniss verurtheilt; eine Frau Das funfzehnte Jahrhundert bietet uns die glaubt mit einem Incubus Umgang zu haben, das Theomanie der Johanne d'Arc, die Mordmonomanie Parlament in Paris verurtheilt sie zum Tode (1606). und Anthropophagie der Waldenser, das epidemische

(Der Beschlussfolgt.) .

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ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat Januar.

1849.

Halle, in der Expedition

der Allg. Lit. Zeitung.

Kirchenrecht.

lichen, welches zum generellen Begriffe der Kirche Das gute alte Recht der Kirche. Zwei akade

nicht gehört, hineingezogen hätte. Davon abgemische Reden von Dr. Karl Hase, Prof. d.

sehen aber, sind die beiden anderen Elemente: Thcol. zu Jena, u. s. w.

gr. 8. IV u. 43. S. das religiöse Leben und die Gemeinschaft, als die Leipzig, Breitkopf u. Härtel. 1847. ( 13 Thlr.) wirklich nothwendigen Factoren der Kirche gebüh

rend ins Licht gestellt, und daraus ist mit sicherer Als akademische Reden beim Rectoratswechsel Iland die Folgerung gezogen, dass die Macht, durch gehalten, machen diese Vorträge keinen Anspruch welche die Kirche besteht, nur der Gesammtwille auf gelehrte Begründung, sind aber auch als Dar- aller Einzelnen, der Quell aller kirchlichen Macht, stellung eines wichtigen Gegenstandes in allgemei- also nur die Kirche selbst, die Gemeine seyn kann, nen Zügen, dem grösseren Publikum willkommen, folglich jede amtliche Macht eines Einzelnen nur und der Vf. hofft nicht mit Unrecht, dass das wis- eine frei zugestandene, übertragene, jedes Kirchensenschaftlich Durchdachte auch in dieser leichteren regiment nur ein die Gemeine vertretendes, und im Form, - dic seiner bekannten Gewandtheit ganz Falle des Missbrauches wieder an seinen Quell zubesonders zu Gebote steht, seine Bestimmung rückfallendes. Dass diese unbedingte; Souverainetät erreichen werde. Die erste 1838 gehaltene Rede des kirchlichen Volkes weder unmöglich, noch geist schon früher durch den Druck bekannt gewor- fährlich sey, wird dann zweitens aus Thatsachen den, und erscheint hier nur, wegen ihres Zusam- der Geschichte dargethan, unter denen besonders menhanges mit der zweiten 1847 gehaltenen, mit in den Vordergrund tritt, dass das ganze formelle einigen neu hinzugefügten Anmerkungen wieder. Recht der Reformation darauf ruhte, dass alle KirIhr Thema ist: ,, das Rechtsverhältniss der Kirche chengewalt von der Gemeine ausgehe, welche zur zum Staate, mit Beziehung auf die Zukunft der eigenmächtigen Durchführung der von der Ilierardeutschen Kirche.” Sie sucht zu erweisen, dass chie verweigerten Reformation ihr entwandtes, unStaat und Kirche in ihrer höheren Entwickelung veräusserliches Recht zurückforderte; dass aber nothwendig aus einander streben, der Staat als ein die Reformatoren, weil sie nur um Innerliches und Volk in rechtlicher Ordnung, zur Erreichung alles Ewiges sorgten, in grossartiger Unbekümmertheit Dessen, was ein Volk als solches zu erreichen hat: das äusserliche Recht der Kirche zu Grunde gehen die Kirche, einerseits in ihrer Wirklichkeit sich zu liessen, woher dann, bald nach dem Frühlingstraume abgeschlossenen Kreisen individualisirend, je nach- der Reformation, dic Luthers-Kirche in reichsständem Gläubige sich zu derselben Gestalt ihres reli dische Territorien zersplittert, hinsichtlich ihres giösen Lebens vereinigen können, andererseits in Rechtszustandes das grade Gegentheil ihrer Idee ihrer Idee alle Völkerscheiden überschreitend, um darstellte. Diesen Fehler hat unsere Zeit wieder die Menschheit in einem Gottesreiche zu einigen. gut zu machen, und dazu sind schon bedeutende Daran knüpft nun die zweite Rede die Beantwor- Schritte gethan. Selbst die Preussische Generaltung der Frage: „Welches ist die Quelle aller synode, nach dem vorangegangenen königlichen kirchlichen Macht, also auch jedes rechtmässigen Worte, dass die Kirche sich aus sich selbst erbauen Kirchenregiments ?” Die Antwort wird vor allen müsse, hat in ihren Berathungen schon Einleitung Dingen aus dem Begriffe der Kirche selbst abge- dazu getroffen, an die Stelle der Fürstengewalt leitet. Die Kirche ist „die von Christo gegründete in der Kirche das allgemeine Priesterthum der GläuGemeinschaft des religiösen Lebens", sagt der Vf., bigen zu setzen.” Der Vf. setzt hinzu: „Wer aber und wir würden diese Definition ganz untadelhaft auch das Kirchenregiment führe und mit welcher finden, wenn er nur nicht das Element des Christ Vollmacht: sie ist immer nur eine übertragene, also

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nie unbedingte, und allein die Kirche selbst der vatione majoris lucis, bis Gott ihm bessere Einsicht lebendige Quell ihres Rechts, d. h. aller rechtmäs schenke. Denn das religiöse Denken entzieht sici sigen Kirchengewalt. Nur dieses Princip wollte jeder Berechnung und selbst dem frommen Gelübde.“ ich darthun; aber ein Princip kann eine rettende Wir haben diesen Worten Nichts hinzuzufügen, Macht werden; still in der Tiefe der Herzen sich als: wer Ohren hat zu hören, der höre! Historia begründend, ist es die verborgene Wurzel, aus der magistra rerum! und: Naturam furca pellas, tamen in einem Frühlinge oder in einem Jahrhundert der usque recurret!

po Freiheitsbaum der Kirche aufwächst; er ist ihr Lebensbaum und wird gute Frucht tragen.” Es

De titulo missionis apud Catholicos, scripsit Otto wird den Vf. vielleicht selbst überrascht haben,

Mejer, Prof. jur. publ. ord. Regiomont. 8 maj. dass, seitdem er diese Worte schrieb, der Fern

34 S. Regiom., apud fratr. Bornträger. 1848. blick auf ein „Jahrhundert" schon zurückgetre

(1/2 Thlr.) ten, und der „Frühling” bereits angebrochen ist,

Phillips in München hat zuerst in seinem Kirwiewohl noch viel Regen und Sonnenschein kom

chenrecht (1845. I. S. 58) neben den vier bisher men muss, bevor wir zur gesegneten Ernte gelangen.

angenommenen Titeln der Ordination: beneficii, paEhe wir von dieser gehaltreichen kleinen Schrift trimonii, paupertatis, mensae, einen fünften Titel: scheiden, können wir uns nicht versagen, eine mit missionis, aufgestellt, und Richter hat in der neuetreffenden Bemerkungen begleitete, schlagende hi

sten Auflage seines Lehrbuchs dieser Aufstellung

Der verdiente Vf. widmet diesem storische Parallele unseren Lesern mitzutheilen. Sie beigepflichtet. ist eine wahre Apologie der Denk-, Glaubens- und Gegenstand eine genauere Erörterung, und bietet

uns das schon öfter beobachtete Schauspiel, dass Lehrfreiheit, und lautet so: ,,Ein geistvoller Monarch, der sein Ilerz eingetaucht hat in die Ideale Angelegenheiten der katholischen Kirche ihre erste der Vorzeit, nannte in öffentlicher Rede Diejenigen, gründliche Untersuchung einem Protestanten verdie mit dem Bekenntnisse ihrer Kirche zerfallen

danken. Der Vf. weist nach, dass der titulus misTreulose, Eidbrüchige. Er hat wohl nicht sionis, d. h. der durch den Missionsberuf erworbene daran gedacht, wie er nach diesem Maasstabe unter

Anspruch auf die Ordination sich nicht vereinzelt seinen erlauchten Vorfahren zwei fromme Fürsten

und ausnahmsweise vorfinde, sondern dass er renenne. Joachim II., der Kurfürst von Brandenburg, gelmässig den grossen katholischen Instituten zur hatte seinem Vater geschworen bei seinen fürstli- Verbreitung des Glaubens als Privilegium verchen Ehren und Treuen, für sich und seine Erben liehen sey. am alten christlichen Glauben der römisch-katho Bei der Gründung des Jesuitenordens kannte lischen Kirche fostzuhalten gegen die Neuerung. man den titulus missionis noch nicht, da die ZögEr hat dennoch nicht vermogt, dieser Erneuerung linge vermuthlich nichtordinirt aus der Anstalt entdes Christenthums zu widerstehen, und ist prote- lassen wurden (S. 10). So enthalten die Stiftungs-, stantisch geworden. Johann Sigismund hatte sei- urkunden des collegium Germanicum (1552) und . nem Vater geschworen, bei Luther's Lehre festzu des collegium graecum (1577) noch nichts von jehalten, und er ist zur reformirten Kirche überge- nem Privilegium. Dem collegium Anglicanum datreten, versichert, dass „in Gottes Sachen keine gegen (1579) wurde das Recht ertheilt, seine ZögReverse gelten.Wollte ich etwa den Meineid in linge sine aliquo beneficii vel patrimonii titulo zu Sachen der Religion rechtfertigen? Da sey Gott ordiniren. Als demnächst 1584 das collegium Gervor! Aber es ist eine grausame Collision, in die manicum eine neue Constitution erhielt, wurden die ein Gemüth geworfen wird, wenn geschworenen Privilegien des collegium Anglicanum auch ihm verEiden die junge, lebenskräftige Ueberzeugung ent liehen (S. 16). Dasselbe ist dann weiter der Fall gegentritt. Der Vater hat kein Recht, solchen Eid mit dem in demselben Jahrc fundirten collegium Mavom Sohne zu fordern, noch das gegenwärtige ronitarum, mit dem collegium Scoticum von 1600 Geschlecht vom künftigen, seinem Erben. Jeder (S. 17), mit dem wiedererrichteten collegium VienEid, wofern er dic religiöse Ueberzeugung trifft, nense, Pragense und Illyricum von 1627, und insträgt in sich den Vorbehalt, wie jener Pfarrer ihn besondere mit dem von Urban VIII. gestifteten colgemacht hat in den Tagen der Eidestyrannei durch legium Urbanum de propaganda fide von 1627, und die Concordienformel; er beschwor sie cum reser dem collegium Hibernicum von 1628 (S. 20). End

sind,

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