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men, aber es ist dieses vielmehr als ein Appellativ
anzusehen. S. dort die Note. Sehr unrichtig heisst
es: Thukydides führe auf Sicilien eine Völkerschaft
der Lindier VI, 4. an, während er doch sagt: rö
zoglov, oö vöv tóug (Téa) ?or, xa ö rgêrov
èrexoSy, Aivôtot za?sitat, also Lindii für den älte-
sten Stadttheil und die eigentliche City von Gela
erklärt. Vgl. Arnold zu der Stelle. Ferner wird
Labdalon VI, 97. eine Stadt in Sicilien genannt, da
es doch blos ein von den Athenern auf dem Eu-
ryelüs erbautes Kastell war. – Nach S. 99. kom-
men bei Thukydides die Liparischen Inseln und die
Aeolischen vor. Aber die Liperischen Inseln ande-
rer Schriftsteller heissen bei ihm die Aeolischen
(Aió?ov vjoot) III, 88. 115. Fälschlich werden zu
den Inseln gerechnet Buphras IV, 118., welches
ein Berg oder Hafen bei Pylos ist (s. dort die Anm.
und unsern Vf, selbst im 3. Theile), Klaros III, 33.,
ein allgemein bekannter Ort bei Kolophon, Sidussa
VIII, 24., welche Thukydides selbst für ein rezog év
7f Egvögut erklärt. Uebrigens sind, um dieses
hier einzufügen, die Inseln, weil sie blos nach dem
Alphabet genannt sind, in der buntesten Ordnung
aufgeführt. Ferner soll Marathusa (richtiger Mara-
thussa) VIII, 31. eine Stadt auf Kreta seyn, da
doch Thukydides selbst hinzufügt, es sey eine bei
Klazomenae gelegene Insel. Thukyd. soll zuerst
auf Lesbos die Stadt Arisba anführen, welche aber
nirgend bei ihm genannt wird. Auf Leukas soll er
Ellomenon, eine korinthische Kolonie, III, 94. und
I, 30. nennen. In der 2ten Stelle kommt Ellomenon
gar nicht vor, in der 1sten heisst es schlechthin
'EAóuevov tjg Aevxuôlag, aber keineswegs eine ko-
rinthische Kolonie, das bekanntlich nur von Leukas
selbst gilt. Charadros in Argolis V, 60. wird zu
einer Stadt gemacht, da es doch ein Fluss war,
wie schon aus dem Namen und dem männlichen
Artikel geschlossen werden könnte, wenn es auch
die Ausleger nicht genügend erwiesen hätten (Vgl.
auch Th. III. S. 997., welche Stelle dort im Index
unter Charadrus fehlt). In Lakonien erwähnt Thu-
kydides nicht eine Stadt Skiros, wie gesagt ist, son-
dern nur die Landschaft Skiritis und die Skiriten. –
S. 110. wird falsch gesagt, in Attika käme der Fluss
Rheitos II, 19. IV, 42 vor. Der Wahrheit nach sind
in der 1sten Stelle die 2 Flüsschen oi “Peiro ka-
oüuévot genannt, die 2te aber, in der von einem
Flüsschen des korinthischen Gebietes die Rede ist,
gehört gar nicht hierher. Dann soll Daphnus VIII,
23. 31. eine Stadt in Lokris seyn, während es doch

ein Ort in Ionien in der Nähe von Klazomenae ist.
Ferner sollen die Eurytanen in Aetolien auch Omo-
phagen genannt seyn III, 94., während Thukydides
schreibt, sie genossen, wie man von ihnen sage,
rohes Fleisch: äyvootórarot öé y).äooav xa öuopáyot
sov (Ög Ayovrat (Vgl. über das, wie es scheint,
von unserm Vf, nicht verstandene Ög Aoyovrat Krüg.
Gr. I. 55. 4. Anm. 3.). Endlich werden die Agraeer
Thuk. III, 106. zu Akarnanien gerechnet. Aber ob-
gleich ihr Gebiet sich um Akarnanien nach dem
Ambrakischen Busen hinzog, so schreibt Thukyd.
gerade in jener Stelle tjg 24ygatov, oöxét Axagva-
vag, und im 3. Bande unseres HB. selbst wird die
Landschaft der Agraeer mit Recht zu Aetolien ge-
rechnet – Nach S. 101. sollen in Thrakien die
Thrakischen Pforten bei Amphipolis V, 10. vorkom-
men, während doch dort von dem Thrakischen Thore
von Amphipolis selbst die Rede ist, durch welches
Klearidas, der die Besatzung der Stadt befehligt,
einen Ausfall machen soll. In derselben Landschaft
soll die Völkerschaft der Arrhianer VIII, 104. ge-
nannt seyn, obgleich in Ansehung des übrigens un-
bekannten Namens, mag er nun im Nominativ Ar-
rhiani oder Arrhiana gelautet haben, so viel aus
Thukydides erhellt, nach welchem die Athenische
Flotte längs des Thrakischen Chersones ältö IÖäxov
uézg Agötavóv aufgestellt war, dass er keine Völ-
kerschaft, sondern einen Ort bezeichnet. Seltsam
werden auch gleich darauf die Bithyner nach Thrakien
versetzt, obgleich Thuk. IV, 75., wenn er auch die
Bithyner ein thrakisches Volk nennt, selbst hinzusetzt:
o aio zréoav Zv tj Moit. Zu den fehlerhaften Angaben
in den Sachen selbst oder den Citaten kommen nun
noch unrichtige Namen, wie ausser den schon ange-
deuteten S. 98. Brikinnia und Phokea statt Brikinniae
und Phokeae oder Phokaeae (Thuk. V., 4.), Syka statt
Syke (VI, 98.), S. 99. die Sybotae statt Sybota,
Leukimna (s. unten zu B. III.), Tomeäs statt To-
meus (IV, 118.), Erincon (s. unten). Ferner Un-
genauigkeiten anderer Art, wie wenn nach S. 98.
Thukydides die Völkerschaften der Etrusker VI, 88.
103. VII, 53. zuerst erwähnen soll, da doch der
dort von ihm gebrauchte Name der Tyrrhener auch
schon bei Herodot vorkommt, weshalb, wenn aus-
gedrückt werden sollte, dass die Thukydideischen
Tyrrhener ein anderes (später eingewandertes) Volk
seyen, dieses zu sagen war. Hierher gehört ferner,
wenn etwas als sicher aufgestellt wird, was als
zweifelhaft gelten muss, wie dass Brikinniae und
Daskon Kastelle heissen, obgleich dieses von dem

letzter nnicht sicher, von dem erstern unzulässig ist (s. zu Thuk. V., 4. und VI, 66.); oder dass Aktion eine Stadt genannt wird, wiewohl aus der ang°- - » - A führten Stelle I, 29. ététôj éyévovro év (bei) Azrip - F - 2 / / % ric Avaxroglag pig, oö tö iegöv toi Aztó orós sor, dieses keinesweges erhellt; ferner dass Namen als unzweifelhaft angeführt sind, gegen welche von den Kritikern sehr erhebliche Bedenklichkeiten Vorgebracht sind, wie Diktidion und die Peirasier. Noch übler ist es, dass spätere Grenzbestimmungen die Thukydideische Geographie übergetragen sind, wie wenn sich in Makedonien der Berg Kerkine, die Völkerschaften der Graaer, Laeaeer » Sintier u. a. finden sollen, die nach Thukydideischer Geographie sämmtlich nicht zu Makedonien gehören. S Damit hängt zusammen, dass der doch bei Thuky- - W Y W dides so häufige und so wichtige Name Tà 7 Gozy gar nicht vorkommt, Eben so wenig ist erwähnt, dass man aus diesem Schriftsteller allein den Umfang und die Bestandtheile des Reichs der Odrysen kennen lerne, über welchem Volke überhaupt in diesem Werke ein Unstern gewaltet hat, wie wir noch unten sehen werden. Unter den bei Thukydides zuerst, ja allein oder fast allein vorkommenden Ortschaften sind z. B. das oben erwähnte Idakos und in Attika Kropea nicht genannt: Hoffentlich ist die vom Rec. nicht mit solcher Sorgfalt geprüfte Geographie anderer Schriftsteller genauer als diese Thukydideische! Die politische Geographie wollte der Vf, ur– sprünglich auf eine Weise behandeln, welche von dem in den früher erschienenen Lehrbüchern der alten Geographie befolgten Plane wesentlich unterschieden wäre; in Folge dessen, so wie bei Sparsamer Benutzung des Raumes, hielt er es für möglich, eine vollständige, im Geiste des neuerlich von Ritter, Berghaus u. a. bei der Behandlung der neuern Erdkunde eingeführten Systemes entworfene, historisch-comparative Darstellung der ganzen politischen Geographie der Alten in einen, den Umfang des ersten wenig überschreitenden, Band zusammenzudrängen. (S. Vorr. zu B. I. S. XII.) Aber wie sehr er sich in Betreff des zu einer solchen Darstellung erforderlichen Raumes verrechnet hatte, ergab sich, als er zur Ausarbeitung des 2ten Bandes schritt. Denn er erkannte, dass er nach je

nem Verfahren, statt die ganze politische Geographie der Alten in Einem Bande umfassen zu können, nicht einmal ganz Asien und Afrika in demselben werde behandeln können, und dass zu einer planmässigen und consequenten Durchführung des Werkes noch 2 Bände von mässigem Umfange nöthig seyn würden. Er sah sich also genöthigt, seinen Plan wesentlich abzuändern, den ganzen bereits fertigen Theil des Ms. nochmals zu überarbeiten, und theils durch eine veränderte Anordnung, namentlich durch Verweisung eines grossen Theiles des Textes in die mit kleiner Schrift gedruckten Noten, und durch fast gänzliches Verzichten auf stilistische Ausschmückung, mehr Raum zu gewinnen, theils alles minder Wichtige und allenfalls Entbehrliche zu streichen. Damit jedoch das Publikum sähe, was er eigentlich zu geben beabsichtigt hatte, beschloss er von vorn herein, einen Theil des Ms. in seiner ursprünglichen und unverkürzten Gestalt abdrucken zu lassen, und wenigstens die Beschreibung von Kleinasien in der für das ganze Werk beabsichtigten Vollständigkeit zu liefern, jedoch auch diese, schon von der Schilderung Lykiens (S. 248 ff.) an, mit einigen in den Noten S. 248. und S.259. angegebenen Raumersparungen. Bei der Darstellung von Grossasien aber musste er einem andern, auf grössere Kürze bedachten Plane solgen, bei dem theils alle zu grosse Specialitäten zu vermeiden, theils alle kleineren und unbedeutenderen Berge, Flüsse, Städte u. s. w., wenn sich nicht irgend ein historisches Moment daran knüpfte, gänzlich auszuschliessen waren. Weil aber trotz dieser Beschränkung schon die Beschreibung von Asien allein den von der Verlagshandlung anfangs für den ganzen Band bewilligten Raum erfüllte, so blieb dem Vf, zumal da die Verleger wiederholt auf den Schluss des Werkes drangen, nichts weiter übrig, als die Beschreibung von Afrika im Ganzen noch etwas kürzer zu halten. Was aber Europa betrifft, so musste er bei Erscheinung des 2ten Bandes von seiner topographischen Darstellung ganz abstrahiren und es unentschieden lassen, ob die Verlagshandlung, durch die Theilnahme, welche dieses Werk fände, ermuthigt, sich ent– schliessen werde, einen jenen Erdtheil enthaltenden Nachtrag in einem 3ten Bande zu liefern.

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ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

Monat Januar.

11 S 49.

Halle, in der Expedition der Allg. Lit. Zeitung.

Alte GC0graphie. Handbuch der alten Geographie, aus den Quellen

bearbeitet von Albert Forbiger u. s. w. C Fortsetzung von Nr. 15.)

Aus dieser grösstentheils mit den Worten des Vf's selbst gegebenen Darstellung wird die allgemeine Beschaffenheit des 2ten Theiles auch denen, die ihn nicht in den Händen gehabt haben sollten, klar seyn. Was aber die Ausführung im Einzelnen anbetrifft, so ist das Material mit vielem Fleisse aus den Quellen und Hülfsmitteln zusammengestellt. Es scheint hierbei auch in diesem Theile eine grössere Sorgfalt als in dem ersten Statt gefunden zu haben. Wenigstens ist dem Ref. bei fleissiger Benutzung des Werkes keine Stelle aufgestossen, in der sich in einem kleinen Raume so viele der Berichtigung bedürfende Angaben finden, als in der oben betrachteten des 1sten Bandes. Damit jedoch Rec. auch von diesem nicht scheide, ohne wenigstens einen kleinen Beitrag zu der Vervollkommnung des Werkes bei einer etwa nöthigen neuen Auflage zu liefern, so macht er folgende Bemerkungen. S. 131. ist dreimal IIó uyva statt Iloizva geschrieben, und mit Unrecht gesagt, die neuern Herausgeber des Thuk. hätten VIII, 14. und 23. mit Recht das Appellativum toAyvav hergestellt. Dieses haben wohl Haacke und Didot gethan, aber nicht Bekker, Arnold und Rec.; auch müsste das Appellativum nothwendig tolzvyv heissen. Uebrigens widerspricht sich der Vf, im Vergleich zum 1. Theile. – Dass das S. 138. von Rhoeteum, wel– ches bei Thukydides “Poittov heisse, Gesagte, unrichtig ist, ergiebt sich aus dem oben Bemerkten. – Obgleich der Vf, mit Recht in Mysien 2 Städte Namens Larissa unterscheidet, so ist doch die Stelle Thuk. VIII, 101, in der nur von einer dieser Städte die Rede ist, bei beiden, S. 140. und S. 151., angeführt. – Nach S. 165. sollen die Einwohner von Methymna bei Herodot I, 23.151. IMGvuvaiot genannt seyn; dort steht aber, wie es sich gebührt, MySvuv. – Nach S. 166. Anm. 35. sollen ausser

Herodot und Plinius, bei welchen die Schreibart unsicher sey, die übrigen Schriftsteller stets Mtv).vy schreiben; aber bei Thukydides ist jetzt TMvt?.jvy aus guten Hdschrr. von allen neuern Herausgebern hergestellt. S. Bekk. und Rec. zu III, 2. – Nach S. 167 sollen die Arginusischen Inseln bei Thuk. VIII, 101. AoyuvoÜoat heissen; dort ist aber aus den besten Hdschrr. jetzt 210yevvoÜoat aufgenommen. Ferner wird behauptet, weil diese Inseln dem Festlande von Aeolis ganz nahe lägen, so würden sie auch bisweilen zu diesem gerechnet. Dieses ist aber eine sehr unwahrscheinliche Erklärung der Thukydideischen Worte 'Agyevvo.oag tjg jnaigov, über welche die Krüger'sche Ansicht nicht zu verschweigen war. Endlich hätte Thukydides nicht noch einmal (Z. 13.) bei der Schlacht bei den Arginusen erwähnt seyn sollen, die bekanntlich bei ihm nicht vorkommt. S. 170, ist unter den Stellen, in welchen Mykale genannt wird, Thuk. I, 14. zu streichen. – S. 175. fehlt bei Erwähnung des Kayster die Homerische Form des Namens Kaijotguov. – S. 192. und S. 195. ist Matoóztouv statt IMyto. gedruckt. – Einiges zu berichtigen findet sich S. 197 fg. Erstens soll Thuk. VIII,31. 2/giuvooa stehen. Aber eben in den Hdschrr. findet sich auch Agütuovooa, was Bekker aufgenommen hat, 40öuovoa u. a. Dann sind die Accente in Oivovooa statt OvoFooat und Xiog statt Xiog zu verbessern, wie überhaupt die Accente der griechischen Namen oft falsch sind. So steht S. 150. Aio)ug statt AioAig. S. 172. Aoyivov statt Agyivov, S. 173. Mvovvjoog statt Mvóvvyoog, S. 175. Kuijotgog statt Küüotgog, S. 180. (Doxaia statt (DaÖzata, welche Beispiele sich leicht sehr vermehren liessen. Doch damit wir zu unserer Stelle zurückkehren, so lehrt der Vf, die Oenussen hiessen jetzt Spermadori oder Egonuses. Der erste Name aber wird in der Regel Spalmatori oder Spalmadori geschrieben, der 2te, dem Rec. unbekannte, scheint aus dem bei Meletios vorkommenden Namen Agnusen ('Ayvoöout) verderbt. Nach S. 198. soll die Südwestspitze von Chios durch das Vorgebirge Posidium gebildet werden; aber aus den hinzugefügten Worten, wo sich die "Insel dem Festlande am meisten nähert, erhellt, dass die Südostspitze genannt werden sollte. Gleich darauf folgen über die Namen der Südspitze die Worte: „QDavai Thuk. VIII, 24. Strab., (Dévat bei Steph. Byz.“ Aber auch bei Strabo (p. 645.) steht CDävat, und bei Thukydides ist es aus den besten Hdschrr. jetzt aufgenommen. Dass dieses Vorgebirge jetzt Cap Mastico heisse, gilt nur von den Ausländern; bei den Eingebornen wird es noch j (Dáva genannt. S. Korays. Dass der Name Bolissus noch jetzt mit veränderter Aussprache (Volisso) besteht, ist übergangen. Ganz unerwähnt ist auf Chios Kardamyle Thuk. VIII, 24. geblieben. S. dort Rec. Nach S. 203. soll in der Nähe von Samos die Insel Tragias (Tgayudg Thuk. I, 116. Plut. Pericl. c. 25. Plin. V, 31, 37.) gelegen

seyn. Aber bei Thuk. heisst diese Insel Touyia, bei Plut. Tgayat, wovon der Accusativ Tragias bei Plin.

Doch wir wollen, ohne länger bei dem schon ältern 2. Theile zu verweilen, zum 3. fortgehen. Je mehr es, wie wir oben sahen, noch beim Erscheinen des 3. Bandes zweifelhaft war, ob überhaupt ein 3ter herauskommen würde, desto erfreulicher ist es, berichten zu können, dass dieser nicht nur wirklich hinzugefügt, sondern dass auch statt des höchstens in Aussicht gestellten mässigen Bandes ein sehr starker, den 2ten um 260 Seiten an Umfang übertreffender, erschienen ist. Freilich hatte der Vf, in der Vorrede zum 2. Bande (S. IV.) gemeint, es dürfe das Uebergehen von Europa vielleicht darin einige Entschuldigung finden, dass in den schon vorhandenen Lehrbüchern der alten Geographie dieser Welttheil auf Kosten der beiden andern ziemlich ausführlich dargestellt werde, und es auch sonst an andern Beschreibern der meisten Länder des alten Europas nicht fehle. Indess kann diese Aeusserung wohl nur als eine captatio benevolentiae für die Käufer eines damals unvollendeten Werkes angesehen werden. Denn es ist auch für einige Theile Europa's, namentlich für Griechenland, Macedonien und die benachbarten Länder, in der neuen Zeit so viel in Hinsicht auf alte Geographie und die Vergleichung derselben mit der neuern geleistet worden, dass die Darstellungen in den ältern geographischen Büchern nicht mehr genügen können, und dieser Band nicht blos, weil er ein Schätzenswerthes Werk vollendet, sondern auch für sich betrachtet willkommen zu heissen ist. Ueber die allgemeine Beschaffenheit desselben

wollen wir den Vf selbst hören. „Der Plan der Be

arbeitung” sagt er „ist im Ganzen derselbe geblieben, wie beim 2. Bande; nur habe ich, um den Umfang dieses Bandes nicht zu sehr auszudehnen, vom 54. Bogen oder der Beschreibung Griechenlands an von einer ganz consequenten Durchführung desselben in so weit absehen müssen, dass ich mich mit Uebergehung fast aller historischen Notizen blos auf dasjenige beschränkte, was in den bisher erschienenen alten Geographien entweder nur mangelhaft und ungenügend behandelt, oder noch gar nicht enthalten ist – , d. h. auf genauere Beschreibung der Grenzen, Gebirge, Vorgebirge, Flüsse, Seen u. s. w.. und auf möglichst sichere Bestimmung der Lage von Städten und Flecken. Doch habe ich, um diesen Mangel der historischen Nachrichten einigermassen auszugleichen, wenigstens alle wichtigern Stellen der alten Klassiker hinzugefügt, in welchen jene historischen Notizen über Völker und Städte enthalten sind. . . Dass ich manches in meine alte Geographie aufgenommen, was streng genommen in ein Handbuch nicht gehört, wie die kurze Uebersicht der Alterthümer unsers . . . deutschen Vaterlandes, eine in dieser Weise noch nie versuchte, ausführlichere Topographie von Rom (S. 655–707.) und Athen (S. 932–946.) u. s. w. wird mir hoffentlich um so weniger zum Vorwurfe gemacht werden. als überhaupt mein Werk gleich vom Anfange an die Grenzen eines gewöhnlichen Handbuchs weit überschritten hat. . . Doch kann ich dabei freilich nicht in Abrede stellen, dass ich mir durch diese Exkurse den Raum zu einer ausführlichern und dem Ganzen entsprechendern Darstellung jener zuletzt behandelten Länder (nämlich Griechenlands, Macedoniens, Thraciens, Mösiens, Daciens, des Europäischen Sarmatiens) selbst beschnitten habe, und wenn ich diese Nothwendigkeit, aus räumlichen Rücksichten dem Plane in den letzten Partien noch untreu zu werden, vorausgesehen hätte, sie wenigstens etwas kürzer gehalten haben würde." Auch Rec. bedauert diese Ungleichheit, zumal da sie drei der für die Geographie des klassischen Alterthums wichtigsten Länder trifft; für den gewöhnlichsten Gebrauch des Werkes würde sie jedoch von keiner grossen Erheblichkeit seyn, wenn sie zunächst nur in Weglassung der historischen Notizen bestände, wegen welcher man andere Bücher in der Regel zu Rathe ziehen wird. Die IIauptsache war eine möglichst vollständige Zusammenstellung und übersichtliche Anordnung des eigentlichen geographischen Materials, und diesc ist unter fleissigster Benutzung der neuern Reisebeschreiber geliefert. Was jedoch die Sorgfalt im Einzelnen betrifft, so scheint diese in dem 3. Theile nicht ganz so gross wie im 2ten. Wenigstens in den von Rec. genauer durchgegangenen Abschnitten über Sicilien, Griechenland und Macedonien hat derselbe verhältnissmässig mehr Sachen und Namen oder Zahlen gefunden, die einer Berichtigung bedürfen, als im vorhergehenden Theile. Unter andern hat er gleich bei einem einmaligen Durchlesen folgendes bemerkt. -

S. 779. Anm. 53., wo angegeben ist, nach Ephorus brauche man zur Umschiffung von Sicilien 5 Tage und eben so viele Nächte, fehlt die Berechnung des Thukidides (VI, 1.): Sixslag tsgiz?ovg ?otiv öxáÖ oö to.. tuv Äuooov iöz t (Ö – usgäv. Ebend. heisst es, Sicilien gelte bei den Alten für die grösste Insel des mare internum, das ist aber nicht allgemein der Fall; denn Herodot I, 170. und Skylax erklären Sardinien für grösser. Vgl. Bloomf zu Thuk. VI, 1. und Letronn. ad Fragm. carm. geogr. S. 232–781. steht "Hgata ögy statt “Hgaia, und so kehren auch in diesem Bande nicht selten falsche Accente wieder, z. B. S. 786. und S. 787. Kauugiva , S. 794. Kétavy, S. 795. SvguzoÜoat, S. 891. Oraia, S. 894. Auqt?.6xot, S. 897. Kovgojttg, S. 899. Evgvtáveg, S. 924. Tavdyga, S.935. äudFrog, S. 936. Ayatov u. s. w. – S. 782. ist II.euuügtov geschrieben statt ITyuugov oder IIAyuégtov. Nach dem Vf, heisst dieses Vorgebirge jetzt Punta di Gigante. Dagegen bemerkt Göller zu Thuk. VI, 66. „Hodic Massa d’Olivera secundum Dorv. Sic. p. 191., apud Kephalidem il Mondio." Wenn es ferner heisst „Plemmyrium mit einem gleichnamigen Kastell", so sind diese Worte sehr ungenau. Vor dem Zuge der Athener nach Sicilien gab es dort gar kein Kastell, Nikias aber erbaute drei. Thuk. VII, 4. – Dass der Sumpf Lysimelia auch den Namen Syrako führt (S. 784.), steht keinesweges fest; scheint unter Syrako ein verschiedener Snmpf verstanden werden zu müssen. S. Göll. zu Thuk. VI, 66. Auch fehlt der neuere Name für Lysimelea, nämlich Pantanelli. Ebend. heisst es in der Anm., der Pantagias heisse bei Thuk. VI, 4. Iluvtäxtag. Aber dass IIuvtaxiov nicht von Iluvrázuog, sondern von IIarraziug abzuleiten ist, erhellt aus den sonst vorkommenden Formen des Namens. Uebrigens haben Bekker und Rec. aus den besten Hdschrr. Ilavtazov aufgenommen, und auch bei Virgil steht in den vorzüglichsten Mss. Pantagyas. Wenn ferner gesagt ist: „Terias und Pantagias . . . der heutige Lentini mit seinen beiden Armen, von denen der nördliche oder der alte Terias jetzt Guaralunga heisst“, so sind dieses lauter unsichere Behauptungen. Denn der Pantagyas wird von Cluver und Dorville für den Porcari erklärt, der Terias für den Fiume di San Leonardo, und dass letzteres durch die Aufnahme des Capitän Smyth bestätigt sey, bemerkt Arnold zu Thuk. VI, 50. Ebend. ist nach dem Kakyparis ein Fluss mit den Worten genannt: »Orinus ('Ogtvog, vulgo 'Egiveog Ptol.)", statt dass es heissen sollte: „Orinus, oder richtiger

Vielmehr

Erineus ('Ogvog Ptol., 'Egysóg Thuk. VII, 80. 82.)." Dann ist blos bemerkt, dass dieser Fluss nach Mannert jetzt Gallo heisse, also übergangen, dass Cluver und Pianta ihn Miranda oder Fiume d'Arola nennen, Leake Falkonara. Dagegen kann bei dem Kakyparis nach Leake's Forschungen kein Zweifel seyn, dass er für den Casibile zu halten ist. Der Asinarus heisst in der angezogenen Stelle Thuk. VII, 84. nicht Aoivagog, wie bei Plutarch steht, sondern 'Moovagog. Dass diesser Fluss von Sickler jetzt Freddo genannt werde, brauchte als offenbar falsch kaum, wenn auch mit Beifügung eines Fragezeichens, angegeben zu werden; wohl aber war nicht zu verschweigen, dass statt des Noto von Cluver und Andern der Falconara genannt wird, diese beiden Namen aber denselben FluSS zu bedeuten scheinen, endlich dass Leake den Abisso verstanden wissen will. Auch über den Acesines giebt es noch andere Ansichten, als die in der Note 3 S. 784. aufgestellten. S. Blooms bei Rec. zu IV, 25. – S. 785. sind für den Fluss Acragas blos Cic. und Plin. citirt, es fehlt. Thuk. VI, 4., wo Rec. auch nach Kephalides angemerkt hat, dass die jetzigen Flüsse Girgenti und Fimme di St. Biago (Biagio, Biaggio) von einander zu unterscheiden sind. – S. 788 ff., wo der Vf, zur Betrachtung der Einwohner und Städte Siciliens fortgeht, ist zwar bei den einzelnen Angaben Thukydides ost citirt, aber nicht angegeben, dass die Stelle VI, 2 ff. überhaupt in diesen Beziehungen klassisch ist. – S. 789. Anm. 86., wo von den Laestrygonen die Rede ist, wird gesagt, die Ansicht der Alten versetzte sie an die Ostküste von Sicilien unterhalb des Aetna, und zum Beweis unter andern Thuk. VI, 2. angeführt. Aber aus dieser Stelle ist durchaus nicht zu ersehen, in welchem Theile der Insel der genannte Schriftsteller die Wohnsitze der Laestrygonen annahm. Ebend. wird behauptet, die Siculi hiessen bei den Griechen Szeo, auch Sza?.udsrat. Aber dass letzteres Wort nur die in Sicilien wohnenden Griechen, nicht die Sikuler bedeutet, und der für obige Angabe citirte Stephanus irrt, weiss jedermann. Vgl. zu Thuk. III, 115. IV, 58. Unser Vf ist, wie nicht selten, von Mannert irre geführt. – Dass Tyche wahrscheinlich unter Gelon ein Theil von Syrakus geworden sey (S. 797.), kann nicht angenommen werden; denn bei Thukydides kommt es noch nicht als Theil der Stadt vor; ja sollte VI, 98. entweder Töxyvstatt Svzjv zu lesen seyn, oder jenes wenigstens unter Svx verstanden werden müssen, so hätten

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