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Ein und Dasselbe. Uebrigens können wir dem Vf, einem tüchtigen und unbefangenen Theologen, unsere Achtung und Anerkennung im Allgemeinen nicht versagen, und wünschen nur, er möge die Ehre der theologischen Wissenschaft in dieser Weise auch ferner wahren, wenn ihm auch allseitige Anerkennung für den Augenblick nicht sollte zu Theil werden. – Sehr erfreulich ist es noch, eine Definition am Schlusse und nicht am Anfange der Abhandlung zu lesen, indem wir hieraus sehen, dass der Vf. weiss, welchen Zweck die Definition hat, die er uns ganz gewiss, wenn seine Auseinandersetzung blos von den Bestandtheilen des besprochenen Sacramentes handelt, in das einfache Wort Ordo concentrirt hätte, wiewol hier das weitläufigere Synonymum von Ordo zur Nachhilfe für das Gedächtniss nothwendig, und am gehörigen Orte ist. Bisher war es Sitte zu bezeichnen, bevor man wusste, was; unser Vf, will zuerst ein Object und dann das Wortzeichen, welches er dem Objecte associrt. Mangel an scharfsinnigen Logikern hat diese Zeitschrift nicht, wie uns die Abhandlung über den Ordo und die Recensionen von Leu's allgemeiner Theologie, so wie Dr. Fel– Ser's katholischer Moral beweisen. Bei den süddeutschen Theologen finden wir das Bewusstseyn einer Gottesidee, als Grundlage der theologischen Wissenschaft. Gegen dieses Got– tesbewusstseyn, als die Quelle des Glaubens, protestirt nun diese Zeitschrift, sowol in einer Abhandlung über die Gottesidee des heil. Anselm und seinen sogenannten ontologischen Beweis, als auch in der Recension von Professor Leu's allgemeiner Theologie, und weiset gründlich nach, dass sich der Mensch Gottes, oder der Idee Gottes nicht bewusst sey, sondern nur des Glaubens an Gott. Wie leicht einzusehen, ist die letztere Ansicht ebenso unhaltbar als die erste, und könnte gar leicht den Weg zu einer Gefühlstheologie öffnen, die sich zwar eines Süss und Sauer, aber keiner Frucht bewusst wäre. Sobald uns der Name Gott im Gedächtnisse ein Object, welchem der Sprachgebrauch dieses Wort associrt hat, zurückruft, sind wir uns dessen auch bewusst; werden wir uns bei der Sensation dieses Namens keines Ob– jectes oder keiner Idee bewusst, dann wird Niemand mehr behaupten können, dass er sich eines Glaubens an Gott bewusst sey, weil das Wort Gott demnach nur ein leeres, reproductionsloses Wort

wäre, und wir uns, so zu sagen, nur des Glaubens an das leere Wort, aber keines mit diesem Worte bezeichneten Objectes bewusst werden könnten. Es wird also ein ganz anderer Ausweg zu treffen seyn als der, welchen der Gegner des Gottesbewusstseyns eingeschlagen. Wir können weder der Ansicht der süddeutschen Schule über diesen Punkt beistimmen, noch deren Gegnern; sind aber überzeugt, dass sich die ganze Sache mit Beihilfe einer gesunden Logik gar leicht ins Reine bringen liesse. Dem Recensenten gegenüber wird es Hr. Leu nicht vermögen, Stand zu halten, indem er Psycholog und Beobachter seiner selbst genug ist, um deutlich zu beweisen, welche Worte im Gedächtnisse Dienste thun und welche nicht; jedoch erscheint uns eine Negation, wenn auch aus gutem Grunde, ohne sichere Position, in dieser Frage immer etwas bedenklich. Eine andre Schulansicht der Hermesianer gibt uns die Abhandlung über die Kirchensprache. Es werden darin die Vorzüge der lateinischen Sprache als der Kirchensprache gerade nicht auf die höchste Spitze getrieben, aber auch nicht verkleinert; jedoch wird der Wunsch laut, man möchte nach Umständen bei Taufe, Trauung, Begräbniss u. s. w. sich der deutschen Sprache bedienen, damit das Volk regeren Antheil daran nähme. Dieser Wunsch ist ganz und gar dem Zwecke der Sprache gemäss; denn der Zweck einer jeden Sprache ist die Mittheilung, und somit soll auch der betende Priester den Gefühlen des Volkes Worte leihen, durch Worte neue Gefühle in ihm erwecken, und zwar wie es der Zeit und den Umständen angemessen ist, damit nicht ein todter Mechanismus sich der Lippen bemeistere, und der Gottesdienst selbst in gedankenlose Formen ausarte. Vor Allem muss die Kirchensprache, wie jede andere, einen vernünftigen Zweck haben; und wenn man vorgibt, dass die Messgebete für das Volk nicht geeignet wären, so folgt nicht daraus, dass man sie als unzweckmässig und in lateinischer Sprache belassen müsse, sondern dass sie zweckmässig zu machen, und dem Verständnisse des Volkes möglichst nahe zu bringen seyen. Der Einwurf, dass der Ritus auf solche Weise, der Form und des unwesentlichen Inhaltes, von der Zeit bedingt wäre, fällt in sich selbst zusammen, weil gerade die Veränderung der zum Zwecke sich missverhaltenden Mittel von jedem gesunden Menschenverstande als nothwendig erachtet werden, indem sie sonst allen Werth verlieren. Die Unverständlichkeit und die dadurch erzeugte Ehrfurcht des Volkes gegen den Cult ist kein Motiv, es beim Alten zu lassen, und eine solche Ansicht über Schutz gegen Indifferentismus wäre sehr wenig geeignet, die Beibehaltung der lateinischen Kirchensprache gegen die Vernunft zu vertreten; vielmehr würde daraus folgen, dass die Kirche den Satz: „ der Zweck heiligt die Mittel“, sanctionirt hätte. Indem nun diese Zeitschrift auf besagte Weise die Ehre der Kirche wahrt, und mehr den Geist als das Formenwesen im Auge behält, wie auch aus der Abhandlung über das vierzigstündige Gebet hervorgeht, müssen wir ihr unsern vollsten Beifall zollen, wenn auch die Jesuitenpartei, die sich freilich keiner gar rühmenswerthen Erwähnung zu erfreuen hat, im blinden Gehorsam gegen ihre Obern, hiezu Nein sagt. Gerade diese war es aber, welche Hermes in ihrem Interesse verdächtigte, um nach ihrem Plane die Erzdiözese Köln, nach Entfernung des Erzbischofes, mit einem apostolischen Vikar, welchen die damals unter ihrer Leitung stehende Propaganda in Rom zu ernennen gehabt hätte, zu besetzen, und die niederrheinische Kirchenprovinz in ihre Hände zu spielen. Wie sich nun voraussehen lässt, ist die Stimmung dieser Zeitschrift gegen die Jesuiten nicht günstig, dennoch aber im vollsten Sinne unparteiisch, so dass jedem unbefangenen Leser über ihre Stellung zur Gegenwart die Augen könn– ten geöffnet werden. Der Artikel: „ die Jesuiten und die katholische Universität zu Löwen“, gröss– tentheils aus Bruchstücken aus Gioberti's „modernem Jesuiten" bestehend, führt uns derart in das Gebiet ihrer Intriguen, dass Niemand mehr über ihre unmoralischen Grundsätze, wie „der Zweck heiligt die Mittel", wenn solche ad majorem Dei gloriam abzielen, im Zweifel bleibt. tigungen des Professor's Abagh von Löwen hat Ref selbst mit eigenen Ohren vernommen, und sich überzeugt, dass sie nicht als ein Interesse Einzelner, sondern als Ordenssache angesehen wur–

den. Kaum waren die Jesuiten in Belgien über

die Professoren der Universität Löwen hergefallen,

und hatten Abagh's Orthodoxie verdächtigt, als an einem Lyceum in Bayern, wo sich ein Jesuitenzögling als Rector befand, Abagh's Handbuch der Philosophie, welches dort eingeführt war, als des

Die Verdäch

Pantheismus verdächtig abgeschafft wurde, wiewo. sich im ganzen Buche, das sich vor andern durch Gründlichkeit auszeichnet, nicht ein Gedanke V9" Pantheismus vorfindet. Dafür wurde nun das Handbuch des Jesuiten D. Dmowsky eingeführt, welches aller Methode entbehrt, und nur ein Aggregat ist von Sätzen aus den sich widersprechendsten SYstemen, wie sie gerade tauglich sind, die Vo Jesuitengeneral in Rom vorgeschriebenen Thesen, über welche die Vernunft bei strengster Strafe nicht hinaus darf, zu vertheidigen. In Rom ist vorgeschrieben, weder in der Philosophie noch Theologie ein System zu befolgen, um sich überall leichter hindurch zu finden. Man lese Dmowsky oder Perrone, und in des Letzteren Dogmatik besonders den Tractat über die Gnade, und man wird finden, dass er den Rath ertheilt, man solle, wenn man die Schwierigkeiten nach einem Systeme nicht lösen könne, ein paar Andere versuchen. werden die Jesuiten daher in ihrer Zeitschrift " von dieser Seite angegriffen, so hat sie ein begründetes Recht hiezu. Ueberdies urtheilt sie günsos über Prof. Imhofs Buch: „die Jesuiten in Lu?", wie sie kamen und gingen“, so wie über Gioberti's „moderne Jesuiten", und erkennt den Vorwurf an, den man den Jesuiten macht, dass sie sich über" zum Schaden der Völker in die Politik einmischten: Dieser Vorwurf, meinen wir, sei keineswegs V9"T eilig, und das Urtheil über Imhof's und Goberts Schriften nur ein gerechtes; denn wer da weiss, dass sich die letzten Fäden der Revolution in Po– sen in den Händen der Jesuiten befanden, dass sich jetzt Vereine zur Wahrung der Freiheit der katholischen Kirche bilden, an deren Spitze die Zöglinge der Jesuiten stehen, dass gewisse Lesevereine, wo sogar die allerradikalsten Zeitungen aufliegen, keinen andern Zweck haben.» als das Volk jesuitisch zu bilden, und, nachdem man sich dessen versichert, die missliebigen MagistratsPersonen zu entfernen und das Städteregiment in die Hände fanatischer Subjecte zu legen; wer dieses Alles weiss, der wird sich nicht mehr wundern, wenn eine katholische Zeitschrift mit Aktenstücken aus Giobertis „modernem Jesuiten" gegen die Feinde alles bürgerlichen Glückes auftritt, und " noch folgende Worte als Fortsetzung beigibt. „Der Sturm, der vor mehreren Jahren gegen Hirsch" " Freiburg heraufbeschworen wurde, hatte dieselbe Tendenz (wie der gegen die Löwener Professoren). In

der Schweiz wirkten viele Schüler Hirscher's an der Universität von Freiburg. Nun wollten sich die Jesuiten damals in Luzern festsetzen, und um die Nothwendigkeit dieses Schrittes der Welt und dem katholischen Volke darzuthun, sollte Ilirscher und in ihm alle seine Schüler verketzert und gebrandmarkt werden. Gleiche Absichten haben die Jesuiten geleitet, indem sie sich an der Verfolgung der Hermesianer betheiligten. Hier war es noch auf Grösseres abgesehen; ihre Absicht war keine geringere als das Erzbisthum Köln aufzuheben und die Erzdiözese durch einen Vicurius apostolicus wie Luxemburg verwalten zu lassen." Hiemit ist nicht zu viel gesagt. Herr Laurent wurde durch die Intriguen der Jesuiten von seinem Bisthume Luxemburg entfernt, und blieb es, so lange die Jesuiten auf dem päpstlichen Stuhle Sassen; jetzt wo sie abgedankt sind, hat Hr. Laurent wiederum die Erlaubniss erhalten, zurückzukehren. Das sind freilich lauter Zufälligkeiten in den Augen derjenigen, welche an die Providenz der Jesuiten glauben. Ref kennt die Jesuiten genau oder glaubt sie wenigstens genau zu kennen; er ist von ihren schlechten moralischen Grundsätzen überzeugt, muss aber zugleich gestehen, dass sie als strenge Religiosen mit ihrem angelernten Gewissen nicht in Conflict kommen, obschon sie vor keinem Mittel zurückschrecken, wenn es sich unter die grössere Ehre Gottes rubriciren lässt. -

Dieses ist, in Beispielen nachgewiesen, der Geist und die Gesinnung dieser Zeitschrift. Sie ist basirt auf den strengsten kirchlichen Glauben, indem sie durch eine wissenschaftliche Behandlung der Kirchenlehre, auch nach ihrem Inhalte, zu erkennen gibt, dass sie das Vertrauen auf die Vernünftigkeit desselben, wie ihre Opposition noch nicht verloren, und an der wissenschaftlichen Haltbarkeit der Religion noch nicht verzweifelt habe. Einen Verstoss gegen den katholischen Kirchenglauben konnten wir in ihr nicht wahrnehmen, und wenn sie auch weit ging, so doch nicht weiter, als sie unbeschadet der Orthodoxie gehen durfte. Sie möge sich aber hüten, nicht zuletzt in ein Gefühl des Absoluten, in ein blosses Be

wustseyn des Glaubens an Gott zu verfallen. Das formelle Verhalten gegen ihre Gegner wünschten wir etwas gelinder, und wenn wir auch zugestehen, dass sich die modernen Theologen, wie sie sagt, rücksichtlich des Glaubens und der Gnade auf protestantischem, mit pantheistischen Bestandtheilen untermischten Boden befinden, dass Staudenmaier in seinem projectirten Scotus Ergena deutlich ausgesprochen, das Christenthum, weil es noch nicht subjectiv. geworden, habe bisher noch nicht zu existiren angefangen; so muss man doch voraussetzen, dass Irren menschlich, und dass man es mit würdigen Gegnern, die allen Ernstes die Wahrheit suchen, und keinen Feinden zu thun habe. Was den materiellen Inhalt betrifft, so sindet sich in dieser Zeitschrift (65. und 66. Heft) die kirchliche Wissenschaft nach verschiedenen Seiten vertreten. Die Abhandlungen und Aufsätze an erster Stelle behandeln vornehmlich das Dogma, die Recensionen an zweiter die literarischen Erscheinungen der Gegenwart, die wissenschaftlichen Erörterungen und kirchenhistorischen Nachrichten an dritter Stelle bezeichnen durch den Namen ihre Objecte; die Miscellen und Aphorismen in bunter Reihe geben uns die nicht genug zu würdigenden Erfahrungen jener Männer, welche, über den Strom der Zeit erhaben, das Wellenspiel des Blutlaufes des menschlichen Herzens beobachten. Die Philosophie wird nur in sofern vertreten, als sie überall die Grundlage der wissenschaftlichen Forschung bildet. Als selbstständiges, wissenschaftlich kirchliches Organ erkennt diese Zeitschrift die Forderungen der Gegenwart, ist sich der Stellung der Kirche zu dieser und der Opposition derselben bewusst, aber auch der Stellung derer, die bei dem besten Willen dieser Opposition nur das Spiel erleichtern, anstatt sie zu bekämpfen. Es möge daher dieser Zeitschrift, welcher man unter den wissenschaftlichen Organen der kath. Kirche, ihres wissenschaftlichen Gehaltes wegen, mit Recht den ersten Rang zugestehen kann, auch von Seite Jener Anerkennung finden, welche bisher so skrupulös waren, die Ehre der kath. Kirche blos in den Händen der Jesuiten zu suchen.

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Alte Ge0graphie. Handbuch der alten Geographie, aus den Quel. . . len bearbeitet von Albert Forbiger, Dr. der Philosophie, Conrector an der Nikolaischule zu Leipzig. Erster Band. Historische Einleitung und mathematische und physische Geographie der Alten. gr. 8. 668 S. Zweiter Band. Politische Geographie der Alten. Asien, Africa. 920 S. Dritter u. letzter Band. Europa. 1180 S.

Leipzig, G. Mayer. 1842–1848.

Usher seinen Zweck erklärt sich der Vf. vorliegenden fleissigen und brauchbaren Werks, über dessen glückliche Beendigung wir uns um so mehr freuen, da es anfangs zu keinem Abschlusse kommen zu sollen schien, obgleich sein ursprünglicher Plan leider nicht ganz hat durchgeführt werden können, in der Vorrede zum 1sten Theile so: Obgleich an Werken für die alte Geographie kein Mangel sey, so fürchte er doch nicht, dass man das vorliegende für ein überflüssiges Unternehmen erklären werde, da es an einem dem jetzigen Standpunkte der Wissenschaft entsprechenden und für den Leser derselben, so wie für den Gelehrten überhaupt, bestimmten IIandbuche der alten Geographie noch gänzlich fehle. Das Mannert'sche Werk sey, seinen hohen Preis und seinen den Gebrauch erschwerenden Umfang ganz abgerechnet, zum Theil wenigstens schon veraltet und unbrauchbar geworden, auch trotz seiner Weitschweifigkeit in mancher Beziehung, besonders was die gänzlich vernachlässigte mathematische und physische Geographie betreffe, höchst mangelhaft; das sonst sehr vorzügliche Uckert'sche aber scheine leider unvollendet zu bleiben, und würde auch bei einstiger Vollendung, seines durch den grossen Umfang bedingten Preises wegen, nur Wenigen zugänglich werden. So sey denn auch der Gelehrte jetzt grossentheils nur an die übrigen kleinern Hand – und Lehrbücher der Geographie gewiesen, die aber, selbst das beste unter ihnen, das Schirlitz'sche, nicht ausgenommen, alle mehr den Schüler als den Lehrer vor Augen

hätten. Daher sey zu hoffen, dass ein das Interesse des Gelehrten berücksichtigendes Handbuch der alten Geographie von mittlerem Umfange und mässigem Preise für eine willkommene Erscheinung dürfte erklärt werden, wenn es anders nur zweckmässig eingerichtet sey und gerechten Anforderungen entspreche. An Fleiss habe es der Vf, wenigstens nicht fehlen lassen. Dass er nicht blos die Vorarbeiten von Mannert, Uckert, Gossellin u. s. w. benutzt, sondern dass es mit den Worten des Titels: „ aus den Quellen bearbeitet" seine Richtigkeit habe, werde schon ein Blick auf die vorausgeschickte historische Einleitung zeigen. Bei einer sorgfältigern Prüfung und genauern Vergleichung des Buches mit den Werken der eben Genannten aber werde sich fast auf jeder Seite etwas darbieten, was man bei jenen entweder ganz vergebens suche, oder doch anders und minder richtig dargestellt finde. Dass nun, was in diesen Worten von der Beschaffenheit der andern vorhandenen Werke über alte Geographie und über das Bedürfniss eines Handbuches derselben für Gelehrte von mittlerem Umfange und mässigem Preise gesagt ist, seine vollkommene Richtigkeit hat, darin wird gewiss ein jeder Sachkenner einstimmen. Nur hat sich auch der Umfang dieses Werkes unter den Händen und gegen die ursprüngliche Absicht des Vf's, der es anfangs nur auf 2 Bände und etwa 80 Bogen (s. Vorr. zu B. II.) berechnet hatte, so erweitert, dass es durch den hieraus erwachsenen hohen Preis leider für manchen Schulmann schwer anschaffbar geworden ist. Doch können diejenigen, denen das ganze Werk zu theuer ist, je nach ihren Bedürfmissen, entweder den für sich bestehenden und einzeln käuflichen ersten, oder den zweiten und dritten Theil sich anschaffen. Was dann den Fleiss betrifft, mit dem das Werk ausgearbeitet ist, so haben denselben schon andere Beurtheiler anerkannt, und Rec. bestätigt nicht nur mit Freuden das oben von Hrn. Forb. selbst hierüber Gesagte, sondern fügt auch noch hinzu, dass die neuern Reisebeschreibungen und geographisch – antiquarischen Werke über einzelne Gegenden und Oerter, welche Schriften von Mannert sehr vernachlässigt worden, in grosser Vollständigkeit und mit Sorgfalt benutzt sind. Man sehe das Verzeichniss der über Asien und Afrika verglichenen Reisen B. II. S. VII. Was Rec. in dieser Hinsicht noch vermisst, besteht darin, dass bei den Citaten aus alten Schriftstellern die Texte der neuesten Ausgaben und die Commentare der Historiker nicht genug zu Rathe gezogen worden sind, wie sich unten ergeben wird. Auch wird es sich dort herausstellen, dass es mit den Worten des Vf's, man werde bei ihm keine einzige Behauptung ohne aus den Alten selbst entlehnte Citate aufgestellt sehen, die auch wirklich bewiesen, was sie beweisen sollten, nicht zu streng zu nehmen ist. Indess einzelne Verschen in einer solchen Masse von Namen und Citaten können nicht als ein Beweis gegen die allgemeine Güte und Gediegenheit des Werkes gelten. Mehr zu bedauern ist, dass der Vf, seinen Plan während der Ausarbeitung und des Druckes zweimal zu ändern genöthigt worden und hieraus eine Ungleichheit in der Ausführung der einzelnen Theile hervorgegangen ist. Schon in der Vorrede zum ersten Bande glaubt Hr. F. selbst den Umfang der vorausgeschickten, 490 Seiten füllenden, historischen Einleitung, von welchem vielleicht mancher urtheilen werde, dass er in keinem gehörigen Verhältmisse zum Ganzen stehe, rechtfertigen zu müssen. Er bemerkt deshalb, da sich bei keiner Wissenschaft der Standpunkt so schnell und häufig verändere, als bei der Geographie, welche genau genommen für jedes Jahrhundert ihre Darstellung ver– lange, der Vortrag der politischen Geographie aber sich im Ganzen nur an ein fest bestimmtes Zeitalter anschliessen könne, wenn er nicht, wie in den gewöhnlichen Lehrbüchern der alten Geographie, ein Gewirr der verschiedensten und einander oft geradezu widersprechenden Ansichten und Er– kenntnisse aller Zeiten werden solle, so sey es ihm darum zu thun gewesen, in dieser historischen Einleitung dem Leser nicht nur den Entwickelungsgang der geographischen Erkenntnisse der Alten vor Augen zu führen, und eine vollständige und genaue Uebersicht der Quellen der alten Erdkunde zu geben, sondern auch die Systeme und Ansich– ten aller Hauptschriftsteller des Alterthums in diesem Fache, die als Repräsentanten der geographischen Kenntnisse ihrer Zeit anzusehen seyen, in

möglichster Vollständigkeit zu entwickeln. Man würde sich mit dieser Rechtfertigung vollständig befriedigt finden, wenn nicht erstens die ausführliche Behandlung der historischen Geographie im ersten Theile den Vf, wie wir unten sehen werdcn, genöthigt hätte, die politische Geographie von Asien und Afrika im 2. Bande ungleich auszuführen, und wenn er nicht zweitens trotz seiner Versicherung, in der historischen Einleitung auch deshalb so ausführlich gewesen zu seyn, um sich in der politischen Geographie einem bestimmten Zeitalter anschliessen zu können, im 2ten Bande, von Lycien an, sich gedrungen gefühlt hätte, eben das zu thun, was er in der Vorrede zum 1sten Bande an Andern so getadelt hat, nämlich eine nur durch die Lage bedingte Aufzählung der Städte ohne Sichtung der– selben nach den verschiedenen Zeitaltern zu geben (S. Vorr. zu B. II. S. VI.). Abgesehen aber von dem Uebelstande, den die Ausführlichkeit der historischen Einleitung für den 2ten Theil zu Wege gebracht hat, ist diese Abhandlung sehr schätzbar. Das Wesen derselben näher zu bezeichnen, hält Rec. für unnütz, da dieser Band schon seit so langer Zeit erschienen ist, dass mit Recht angenommen werden kann, seine Beschaffenheit sey denen, welche dieser Gattung der Literatur ihre Theilnahme schenken, hinlänglich bekannt. Die Richtigkeit aber der oben in Betreff der Genauigkeit der einzelnen Anführungen aus alten Schriftstellern gemachten Benmerkung möge durch eine kurze Prüfung der 4 Seiten (97–101) über die Thukydideische Geographie erhellen, in denen sich folgende Unrichtigkeiten finden. In Mysien soll nach S. 98. Polichna VIII, 14.32. II, 85. genannt seyn. Aber in den 2 ersten Stellen ist von einer Klazomenae gegenüber, also in Ionien, gelegenen, in der 3ten gar von einer kretischen Stadt die Rede. Dann wird Leuconion nach Aeolis mit Anführung von VIII, 24. gesetzt. Aber der dort genannte Ort muss auf Chios gesucht werden. S. dort Rec. Seltsam wird gleich darauf das allgemein bekannte Rhoeteion nach Ionien verlegt, und wenn hinzugesetzt ist, es heisse bei Thukydides IV, 52. VIII, 101. Rhoetion, so gilt dieses nur von der aus Handschriften jetzt berichtigten Vulgata. Dann soll die Stadt Korykos in Kilikien VIII, 14.33. genannt seyn, aber dort ist das Vorgebirge und der Hafen des erythräischen Gebietes, wie in der 2ten Stelle ausdrücklich gesagt ist, in Ionien gemeint. In Italien soll III, 99. die Stadt Peripolion vorkom

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