Abbildungen der Seite
PDF

Balsam aus dem Orient in seltsamen Kapseln, Schnitzwerk aus Elfenbein, Dolche und Messer mit kostbarem Griff und Scheide,

Der König betrachtete mit Kennerblick Schmuck und Steine und schob hier und da ein Stück zurück. „Was bewahrst du in dem Kästlein?"

„Es ist ein Ring," erklärte Heriman, „mit dem Stein, den sie Saphirus nennen, er verändert die Farbe, wenn der Ringsinger einen Becher berührt oder auch einen Teller, in welchen. Gift ist. Der Stein wird jetzt sehr begehrt von vornehmen Geistlichen und Laien."

Der König warf einen gleichgültigen Blick darauf und wies an seinem Finger einen Ringstein derselben Art. „Nicht jeden Helden meines Geschlechtes hat dieser Stein vor dem Verderben bewahrt, Heriman, es ist sicherer, den eigenen Augen zu vertrauen, als der Warnung, welche aus Steinen kommt."

„Besseres hoffe ich dem König zu bieten," versetzte Heriman, „sobald ich von der nächsten Fahrt über den Rhein zurückkehre. Denn was hier im Lande Pilger und fremde Händler zutragen, das gelangt meist in die Hände der ungläubigen Iuden, und diefe legen es zuerst dem ehrwürdigen Herrn Willigis vor, weil er ihr Schutzherr ist; ich aber dem Könige."

„Du meinst also, die Iuden stören dir das Geschäft," frug der König, einen Edelstein gegen das Licht haltend.

„Sie haben das Geld, und wer mit kostbarer Waare handelt, vermag sie nicht zu entbehren. Auch klage ich nicht über sie, zumal Herr Willigis ihnen günstig ist, weil sie seiner Macht in der Stadt nützen."

„Und dir gefällt die Macht des Erzbischofs in der Stadt Erfurt," warf der König hin, in Betrachtung des Steines vertieft.

„Ein weiser Herr ist Willigis; bald werden die Mauern der Stadt zu enge sein für die Zahl der Unfreien, welche er von den Hufen des Stiftes und anderswoher unter seinem Gericht versammelt. Wir alten Burgmannen aber, die wir uns rühmen, von den Vätern her freie Männer zu sein, sehen ungern, daß der Vogt des Königs nicht mehr allein zu Gericht sitzt, denn es fehlt nicht an Schlägereien zwischen unseren Leuten und den Zugehörigen des Erzbischofs. Ich fürchte, in Kurzem sind wir die Minderzahl. Doch wir wissen, es ist schwer, den Heiligen zu widerstehen."

Der König legte den Stein weg und frug in verändertem Ton: „Wie war's mit dem Raub der Grafentochter? Erzähle, was du davon weißt."

„Die Leute des Erzbischofs haben die Nothglocke geläutet," entgegnete Heriman vorsichtig, „sonst würde die Stadt wenig davon wissen, zumal da Niemand erstochen wurde. Selten vergeht eine Woche, wo nicht größerer Lärm in den Gassen ist. Unter den Burgmannen sind viele dem Helden Immo und seiner Sippe wohl geneigt; denn diese gelten sonst im Lande für redliche Männer, und wer ungerecht bedrückt wird, sindet zuweilen bei ihnen Schutz."

Der König sah mit großen Augen auf den Goldschmied und befahl streng: „Packe deinen Kram ein, ich will heut deine Steine nicht sehen; denn du kommst nicht um des Kaufes willen, sondern du begehrst etwas Anderes von mir."

„Als ich todwund am Idisbach lag," antwortete Heriman seine Steine langsam in den Sack sperrend, „da war es Held Immo, der mich aufhob, und ihm verdanke ich, daß ich heut vor den Augen des Königs stehen kann. Ich wäre niederträchtig, wenn ich nicht gut von ihm redete, da der König zuerst mich seinetwegen gefragt hat."

Heinrich nickte: „Du hast Recht, laß nur liegen." Heriman packte aus, und der König fah wieder auf die Steine. „Also die Leute des Erzbischofs schlugen an die Glocke. Ich höre, daß Einige aus der Stadt den Räubern Vorschub leisteten und sogar mit ihren Wehren die Bewaffneten des Herrn Willigis an der Verfolgung hinderten. Weißt du auch darüber etwas?"

Heriman besann sich. „Sie sagen, daß scharfer Schwertschlag getauscht wurde und daß Held Immo nur darum ins Unglück kam, weil er einen Andern, der, wie sie sagen, ein Erfurter war, nicht unter den Schwertern der Reisigen zurücklassen wollte. Und da manche in Erfurt glauben, daß der Held wegen seiner Treue gegen ein Stadtkind verwundet und gefangen wurde, so trauern diese über sein Unglück"

Da schob der König den Kram heftig von sich und stand auf. „Räume fort, ich will gar nichts mit dir zu thun haben."

Heriman öffnete zum zweitenmal seinen Beutel und packte ruhig ein. „Wenn der Herr König meint, daß die Erfurter Lämmern gleich sind, welche sich scheren lassen und dann noch aus der Hand, die sie geschoren hat, das Futter nehmen, so kennt er seine treuen Bürger nicht. Bei uns lebt mehr als einer, der einen Racheschwur gegen den Grafen Gerhard gethan hat, weil dieser ein raubgieriger und ungerechter Mann ist."

„Ietzt verstehe ich," sprach der König sich setzend. „Das an dem Dolch ist ja wohl Byzantiner Arbeit, laß sehen." Und Heriman packte wieder aus. „Wie kommt's, daß man den Mann nicht mit Weiden geschnürt hat, der, wie du sagst, für den Räuber Immo das Schwert zog, und dem der Räuber, wie du sagst, seine Treue erwies. Mich wundert's, daß einer, der des Königs Frieden so frech gebrochen hat, frei in den Gassen wandelt."

„Die Wächter des Erzbischofs waren Stadtfremde," entgegnete Heriman argwöhnisch nach dem König blickend, „und die Erfurter haben vielleicht nicht sehr nach dem Einheimischen gesucht. Auch hat der Bürger eine Gewohnheit. Bevor er im Zwielicht das Schwert zieht, so streicht er sein Haar, wenn er es lang trägt, über das Gesicht; vielleicht birgt er auch seine Glieder in einem wendischen Kittel." Er trat an den Tisch, bereit die Steine wieder einzupacken,

„Laß nur liegen," sprach der König, „ich sehe, dein Haar ist kurz genug. Sagtest du nicht, daß sich die Dienstleute des Erzbischofs zu eurem Schaden in der Stadt mehren?"

„Herr, die Stadt wird dabei groß, und wenn auch schlechtes Volk unter den Zugewanderten ist, so muß man doch zugeben, der Stiftsvogt des Mainzers hält über seine Leute strenges Gericht. Nur sorgen bei uns die Alten, welche Bescheidenheit haben, daß die Königsmacht dadurch kleiner wird und daß sie vielleicht einmal ganz schwindet."

„Denken Viele wie du, daß sie lieber dem König dienen wollen als dem Erzbischof?"

„Das Mehrtheil wird sagen, es kommt darauf an, wie der König ist und wie der Erzbischof ist. Dennoch, wenn der König eine starke Hand hat und sein Vogt billig denkt, so wird der Bürger freudiger einem Helden dienen, der ein Schwert trägt, als einem geschorenen Haupte."

„Ihr selbst sitzt am liebsten daheim; aber ihr hört es gern, wenn der Spielmann vor euch singt, wie die Knie des Königs im Drange der Schlacht wund gerieben wurden," sagte der König mit trübem Lächeln. „Gemächlicher ist dein Herdsitz, Heriman, als der Sitz deines Königs, welcher das ganze Iahr im Sattel reitet. Geh in Frieden mit deinen Waaren, dies hier habe ich für die Königin ausgewählt, laß dir den Preis von meinem Kämmerer zahlen. Und vernimm noch eins, was ich dir in deiner Redeweise vertrauen will. Die bescheidenen Leute in Erfurt und anderswo meinen, der Mann handelt unweise, welcher mit unbedecktem Haupt auf der Straße läuft, wenn der Hagel herunterschlägt. Besser thäte er, sein Antlitz zu bergen, bis das Wetter vorübergerauscht ist."

„Das ist gute Lehre," versetzte Heriman demüthig, „zumal wenn sie ein König gibt. Aber wir im Lande haben ein Sprichwort, womit wir uns trösten: je treuer der Sinn, desto dicker der Kopf."

Als Heriman das Gemach verlassen hatte, sprach der König zu dem eintretenden Kämmerer: „Das ist ein redlicher Thüring. Sorge, daß er sein Geld ohne Verzug erhält."

[ocr errors]

12.

Das Gericht des Königs.

Auf niedriger Anhöhe stand unweit dem Mühlberg eine große Linde; dort wurde innerhalb gezimmerter Schranken dem Könige der Richterstuhl erhöht und Sitze für die Großen des Reiches, welche in seinem Gefolge ritten. Die Diener breiteten Teppiche und Polster auf das Holzwerk, das Banner des Königs ward aufgesteckt, der Rufer trat an den Eingang des Geheges und die Leibwachter schritten mit ihren Spießen in die Runde, das versammelte Volk abzuwehren. Die Frühliugssoime schien warm und die Lerchen sangen freudig von der Höhe, aber Landleute und Burgmannen, welche in großen Haufen herzugeeilt waren, hielten sich abseits, sprachen leise mit einander und sahen scheu nach dem Gerichtsbaum und zurück nach dem Dorfe, bei welchem das Lager des Königs war. Nicht die Ehrfurcht allein bändigte ihnen Stimme und Oeberdeu. fonst zogen sie wohl einem scharfen Gericht wie einem Feste zu und freuten sich, wenn das Haupt eines Missethäters auf den Rasen siel; diesmal war den Meisten der Muth beschwert, entweder weil sie dem Helden Immo wohlgeneigt waren, oder weil sie dem Grafen Gerhard geringes Glück gönnten.

In gesondertem Haufen standen die freien Bauern vom Nessebach, in ihrer Mitte der alte Baldhard mit Brunico und seinem Geschlecht, und Baldhard streckte den Arm nach dem Ring der rothen Berge aus, auf welchen die Mühlburg ragte: „Seht dorthin."

« ZurückWeiter »