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gegründeten Orden der Jesuiten; ihr gab ein wirksamer und sicher treffendes Werkzeug gegen ihre Feinde die römische Inquisition – und da foute auch das allgemeine Conzil durch seine Reformation der gesammten Geistlichkeit in jene Formen einen neuen Inhalt, einen neuen Geist gießen.

Es sei gestattet, hier noch einmal darauf hinzuweisen, wie der Diplomat Rom's, der mit unermüdlichem Eifer in den deutschen Dingen gearbeitet hatte, Morone, mit immer steigender Dringlichkeit auf dies Conzil als den alleinigen Ausweg aus der traurigen Lage der Religion und Kirche hinwies, wie er dann auch die Besserung der deutschen Geistlichkeit immer dringender empfahl und zulegt nur von einer Verbindung der verschiedenen Mittel – des allgemeinen Conziles, der Reformation der deutschen Geistlichkeit und der festen liga der katholischen Stände – für Deutschland das angestrebte Heil erwarten wollte ?).

Von solchen Erwägungen geträngt und dem Wunsche des Kaisers entsprechend, berief da Papst Paul III. das Conzil endlich nach Tricent?) auf den November des Jahres 1542. Aber die Spannung, in die er jetzt immer mehr mit Kaiser Karl gericth, und der neue Krieg des Kaisers mit Frankreich machten noch einmal den Zusammentritt der Geistlichen unmöglich, und der Papst war noch einmal zum Auf(dub genöthigt 3). Als endlich der Friede von Crespy) geschlossen und der Christenheit die Aussicht auf einen etwas dauernderen Zustand geworden war, da erfolgte auch die erneuerte Berufung des Conziles auf ten März 15454).

So begannen nach so vielen Verzögerungen und Hemmnissen entlich im März dieses Jahres 1545 die Geistlichen sich in Trident zu versammeln. Freilich, der alte Widerstand der Protestanten war auch jeßt nicht überwunden; auch jezt wollten die Lehrer der neuen Kirche noch nicht die Wahrheit ihres Glaubens vor einer Versammlung crhärten, wie sie Kaiser und Papst zu Stande gebracht: sie erkannten Das Conzil in Trident nicht als die Vertretung der gesammten abendländischen Kirche an.

Wir sahen, wie eben in jenen Monaten ein Einverständniß des Papstes Farnese und des deutschen Kaisers sich angebahnt und die europäischen Fragen nach der Meinung ihrer Politik zu regeln begonnen hatte. Hier zeigt sich uns jeßt die erste Frucht dieser neuen liga: ohne sie wäre jenes Conzil unınöglich gewesen.

1) Es ist interesjant, der allmäligen Entwicelung dieser Ansichten Moro ne's in seinen Briefen vom Dezember 1536 bis April 1542 zu folgen. Vgl. bei Läm mers z. B. p. 180, 189, 242, 256 ff. 267, 276, 399, 403 u. 413.

2) Bulle vom 22. Mai 1542.
3) Bule vom 5. Juli 1543.
4) Bulle vom 30. November 1544.

Da der Bapst nicht in Person die Leitung der Versammlung übers nahm, jo sandte er drei seiner Cardinäle als seine Vertreter, als die Präsidenten der Versammlung nach Trident. Er wählte dazu Männer, verschieden an Begabung und an Bedeutung: der Cardinal Monte, der den ersten Rang unter ihnen bekleidete, war ein ziemlich unbedeutender Kopf, ohne irgend eine hervorragende Eigenschaft, ein Attagsmensch. Aber neben ihn hatte der erfahrene und überlegende Papst den Cardinal Cervino gestellt, den Erzieher der Farnesischen Enkel, einen Mann durch klassische Gelehrsamkeit, durch theologische Bildung, durch hohe Sittenstrenge ausgezeichnet. Und in ihm, dem Freunde Caraffa's, dem Genossen bei jener Neubelebung der italienischen Geistlichkeit war dem Conzil die Seele gegeben. Diesen beiden war als dritter der Cardinal Pole zugesellt, jener englische Aristokrat, den Heinrichs VIII. Schisina aus der Heimath vertrieben, der mit literarischen und politisch-literaris schen Dingen beschäftigt, in Italien lebte und dort ein Freund Contarinis und seiner milderen Weise geworden war; sein ichwächliches und zaghaftes Auftreten hat ihm aber niemals Einfluß im Conzile verschafft.

Als diese Legaten in Trident erschienen, war ihnen body eine Aufgabe unermeßlicher Bedeutung und unendlider Tragweite auferlegt. Wenn man zuletzt von allen Seiten der Idee dieses allgemeinen Conziles zugestimmt, so war man leichten Fußes über alle die Schwierigkeiten und Gefahren hinweggeeilt, die sich in der Praxis sofort auf jedem Sdritte und in jedem Momente der Behandlung so schwieriger und verwickelter Fragen entgegenstellen mußten; jogar nod) vor dem eigentlichen Anfang der conziliaren Verhandlung ergaben sich der Thätigkeit der Legaten allerlei Uebelstände. Auch abgesehen davon, daß noch fast Niemand zur Verhandlung erschienen war – es wollte doch nicht viel jagen, wenn nach und nach sich ein Baar Italiener einfanden – so hatte man nicht einmal eine Geschäftsordnung, nicht einmal eine allgemein anerkannte Form für die Berathungen, nicht einmal eine zweifellose Vorstellung von dem Umfang und der Zahl der als berechtigt zuzulassenden Prälaten: alle diese Dinge sind erst in den Verhandlungen selbst unter täglichen Schwierigkeiten und unter endlosem Haber festgesegt worden. Und wenn nun erst, wovon man bald schon hörte, unter den Legaten Uneinigfeit und Zwist entstanden wäre 5)! Nur zwei Dinge standen von Anbeginn aller Thätigkeit in Trident fest, und an diesen zwei Punkten war in keinem Augenblicke ein Zweifel: die Les gaten, die in der Versammlung fast allmächtig erschienen, durften in feiner Frage nach eigener Meinung entscheiden, sondern über Ales, über Kleines und Großes, sollten sie die Weisungen von Rom aus erwarten; und dann, es wurde Sorge getragen, daß der Bapst und seine Meinung stets auf die Stimmenmehrheit unter den Prälaten zählen, und daß in jedem Augenblicke, wenn es Noth that, eine Schaar abhängiger Italiener dort auftreten konnte.

Aber wenn schon in jenen ersten Vorberathungen und Vorbesprechungen in Trident manche Schwierigkeiten auszugleichen und manche Härten zu ebenen waren, so erwud)sen den Prälaten bald aus ihrer ganzen Stellung und Lage Bedenken auch allgemeinerer Natur. Ganz besonders schwierig war da das Verhältniß, in das diese Versammlung von Geistlichen auf italienischem Boden zu dem Reichstage der deutschen Stände jich stellen sollte, der in denselben Tagen in Worms zusammentrat: in dem Falle, daß dort in Worms audy religiöse Verhandlungen vorgenommen würden, daß der Kaiser aus eigener Machtvollkommenheit mit ren Protestanten Gespräche oder Verhandlungen erneuern würde, in dem Falle fonnte doch unmöglich das Conzil eröffnet werden. Wenn die weltliche Gewalt sich erfühnte, ohne Rücksicht auf Papst und Rirde die religiösen Fragen zu bespreden, wie hätte da ein Conzil und ein Papst, gleidysam in Concurrenz mit Kaiser uno Reidy, sich derselben Aufgabe unterziehen sollen! Wie hätte man der Welt das Schauspiel bieten dürfen, daß während eines ökumenischen Conziles noch neben dasselbe eine Versammlung von Laien sich als ebenbürtig hinstellte“)!

Da der Kaiser, in seiner Stellung zu den Protestanten völlig tlar geworden, die Gegenjäße der Protestanten gegen seine katholische Auffassung in diesem Augenblice an den entscheidenden Bruch hinzuführen noch Anstand nahm, so wünschte er, daß auch in Trident jene Frage über Religionsverhandlungen außerhalb des Conziles noch nicht zur Entscheidung gebracht werde. Auch in Trident wünschte er für einige Monate Alles in der Schwebe zu halten, und vor Allem drang er darauf, daß nicht etwa schon voreilig dogmatische Bestimmungen auf: gestellt würden ?). Aber weit entfernt von dem Ideengange der kaiserlichen Politik, wünschte der Papst nichts eiliger von dem Conzile, als daß es sich über alle Dogmen der Kirchenlehre ausspreche und besonders die streitig gewordenen Lehrsäte in bestimmter und unzweideutiger

5) Depesche Mendoza's vom 23. Mai 1545 spricht schon davon: lo peor es que cada dia se entienden peor entre sy Monte y Santa Cruz y Inglaterra, no es para concertallo. (A. v. Sim.)

6) Die legaten stellen diese Erwägungen auf in Depeschen vom 8. April, 26. Mai, 20. u. 26. Juli. (Vgl. Mendham Memoirs of the Council of Trent p. 20, 24 u. 28 und Quirini IV. p. 210 u. 216.)

Weije festileris svordenen Lehrfäße in beitimt ausspreche und besonders

Und in der That, an dieser Frage, ob die Festsetzung der Dogmen der großen Reformation der Kirche vorangehen oder folgen solle, zeigte sich sofort der Gegensatz der Anschauungen und der Ziele, in dem sid) der Kaiser und der Papst befanden.

Was war überhaupt die Idee, die der Kaiser mit diesem Conzile verband? War es wirklich für ihn ein Bedürfniß und eine Nothwendigkeit, daß die Dogmen der Kirche aufs Neue in Untersuchung gezogen, oder daß aufs Neue das ganze Lehrgebäude mittelalterlicher Ueberlieferung untersucht werde? Ich meine, für diesen Karl von Spanien war in diesem Sinne das Conzil etwas Ueberflüssiges. Für feine spanische Rechtgläubigkeit existirte diese Aufgabe einer conziliaren Erörterung und Festsetzung nicht. Der spanischen Kirche und der spanischen Politik erschien ein allgemeines Conzil nur als das Mittel, und als das geeignetste Mittel, die gewünschte Reformation der Kirche und der Geistlichkeit in's Leben zu rufen. So hatte Karl durchaus fein Juteresse daran, daß in Trident eine dogmatische Arbeit beginnen folle.

Und jetzt, in dieser Lage seiner Politik, in den deutschen Händeln mit den Protestanten, in diesem Momente, als er des Papstes Bündniß für seine Zwecke zu erringen das Glück gehabt, als er den beabsich) tigten Schlag auf die Gegner langsam und sicher vorzubereiten alle Anstrengungen machte: – jeţt war es doch das Wünschenswertheste für ihn, daß die Dinge in der augenbliclichen Lage verblieben, und daß das Conzil nicht durch formelle Erklärungen und endgültige Entscheidungen die Protestanten zum offenen, bewaffneten Aufstande hin= treibe. „Die Dogmen sind schon alle in Büchern enthalten“, sagte der

7) Aud das ist in jener Sendung Andelot'8 enthalten Pallavicino V. Cap. 14. §. 1 u. 2.

8) Depesdie der Legaten vom 26. Juli bei Mendham p. 29. Vgl. Quis rini IV. 216.

Gejandte 9) des Kaisers, „die Reformation kann der Papst und der Kaiser einführen, weit besser als die Bischöfe in Trident“: wenn man die Prälaten noch einige Monate dort versammelt halten und inzwischen die Reformdekrete in's Leben segen könnte, meinte man am besten auf die Gemüther der deutschen Protestanten zu wirken.

Naddem ferner in dem Abschied des Wormser Reichstages den Protestanten noch einmal ein Religionsgespräch ausgemacht und noch einmal ein Reichstag auf das fünftige Frühjahr angesegt war – wir missen, in welcher verborgenen Absicht – durfte nach der ganzen Andauung des Kaisers diese dogmatische Erörterung auf dem Conzile, welche unausbleiblich zu einer bleibenden Absonderung der deutschen Neuerer führen mußte, noch nicht erfolgen. Aber es drängte den Papst und die Legaten aus dieser unentschiedenen und schwankenden Lage sich zu befreien. Wie es ihr Streben war, ganz und unumschränkt des Conziles Meister zu werden, so wünschten sie das Conzil nach Rom over an einen anderen vom Papste abhängigen Ort zu verlegen. Die Verhandlungen in Trident waren noch nicht eröffnet, und schon machte der Gedanke sich geltend, das Conzil aus Trident wieder wegzubringen 10); sie ließen bald dem Kaiser diesen Antrag auf Verlegung des Conziles rortragen. Karl aber lehnte jede Verhandlung über diesen Gegenstand ab 11): wie er den Deutschen ein Conzil auf dem Boden des deutschen Reiches zugesagt, und wie er sich noch fortwährend bemühte, die Protestanten zum Gehorsam unter dieses Conzil zu führen, ersdien es nicht passend, das Conzil aus dem Reiche hinauszuschaffen; und wenn man meinte, nach der Eröffnung des Conziles würde dasselbe zu einem Verbot aller religiösen Verhandlungen und aller Religionsgespräche in Deutschland kommen müssen, so erinnerte der Kaiser daran, daß ja alle jene Verhandlung in Deutsgland und auf den deutschen Reichstagen nur als eine schützende Maske für kriegerische Unternehmungen gemeint sei; zugleich ertheilte er seine Zustimmung dazu, daß man in Trident die Verhandlungen beginne.

9) Depesde der Legaten vom 17. August 1545 bei Pallavicino V. 14. §. 8 und bei Quirini IV. 217.

10) Schon in einer Depesche vom 19. Juli 1545 bei Mendhain p. 27 (preden die legaten diese Ansicht aus. Vgl. für das Folgende Pallavicino V. 15

11) Die Antwort des Kaisers auf Dandino des Bischof von Caserta Antrag, 0. 9. October 1545 ist im Archiv von Simancas leg. 872 fol. 120: iiber das colloquium heißt es in ihr: su santidad sabe el fin con que se ha hecho esto del colloquio, que es para mejor enderesçar, proveer y exortar lo que se tracta; y ternan en ello el respecto que conviene.

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