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Kaiser abgewiesen wurden 31). Damit jah freilich der Kaiser alle Uussidyt vereitelt, den Papst zum Bundesgenossen gegen Frankreich zu gewinnen.

Die Situation der politischen Mächte hat also seit 1538 jich auf's Neue geändert: den allerdristlichsten König von Frankreich unterstüşten jetzt Suleiman's Heer und Flotte in seinem Angriff auf den Naiser, und auch der Papst und die Curie zeigten sich je länger je mehr ihm geneigt. Der Kaiser aber, der nad allen Vergleichshandlungen den Protestanten Schonung und Duldung hatte zusagen müssen, gewann der Protestanten bereitwillige Hülfe zum Reichskrieg gegen Frankreich: der Reichstag nahm offen Partei für den Kaiser gegen den Herzog von Cleve; ja, auch den englischen König, den er vor wenigen Jahren mit einem fatholischen Kreuzzuge bedroht hatte, bewog der Kaiser, sich seiner Politik gegen Frankreich anzuschließen.

Wir verfolgen hier nicht den Gang des faiserlich-englischen Angriffs auf Frankreich), weder die militärische Seite desselben, noch audy das verschlungene Spiel der franzöjischen, der kaiserlichen, der päpstliden, der englischen Diplomatie. Wenn aud) die Erfolge der kaiserlichen Waffen hell glänzten, wenn auch überraschend und vernichtend der Heereszug des Kaisers in das Herz von Frankreich eindrang: im Großen und Ganzen ist auch dieser Krieg resultatlos geblieben.

Als alle Welt noch von den Siegen des Kaisers redete, ward plötzlich die Nachricht laut, daß Karl und Franz schon wieder einmal ihren Frieden geschlossen. Es war dabei nicht von Eroberungen des Kaisers die Rede; 68 wurden nur die alten Verträge auf's Neue bestätigt und alles auf den Fuß zurückgeführt, auf dem auch der Waffenstilstand von Nizza die gegenseitigen Beziehungen geregelt hatte. Wenn in einem geheimen Vertrage der Rönig dem Kaiser seine Waffen zur Verfügung gestellt32, um die Protestanten in Deutschland zur Wiederannahme der alten Religion zu zwingen, so war in der That für den Protestantenkrieg des Kaisers auch nur die Neutralität der franzöjischen Krone schon eine gewaltige Unterstügung: schon durch die Neutralität Frankreichs gewann der Kaijer die Möglichkeit, seine Pläne in Deutschland auszuführen.

31) Pallavicino V. Cap. 3. hat natürlid) Alles das Angeführte in Abrede gestellt; e8 genügt darauf hinzuweisen, daß bei den Freunden der Farneses sofort damals davon geredet und daran geglaubt wurde (Affò p. 47. 48.) und daß wir sowohl in Gojellini's Bericht (vita di Gonzaga p. 13.) als in dem don San= doval II. p. 433. bekannten, jetzt aber auch von Wolff in den Wiener Academieberichten publizirten Memoire Mendoza's attenmäßige Kunde über diese Verhandlungen besitzen.

32) Vgl. über diese geheimen Verabredungen des Friedens von Crépy die Erörterung bei Ranke D. G. IV. 250 ff ; ich glaube aber, daß soldan's Gegenbemerkungen (Geschichte des Protestantismus in Frankreich I. 187.) gegen Ranke das Richtige getroffen. Die Histoire particulière de la court de

Es hatte sich ihm schon wieder einmal – und dies Mal mit zwingender Gewalt – die Idee und die Abjicht erhoben, auf jeden Fall und um jeden Preis dem deutschen Protestantismus ein Ende zu machen.

Henry II. (Arch. cur. de l'hist. de Fr.) deutet auf Abmachungen gegen die Protestanten hin, und eine Versdärfung der kaiserlid) = föniglid)en Stellung gegen den Papst in Folge dieses Friedens läßt sich wohl nicht nachweisen.

Das Verfahren Karl's gegen die Protestanten in Deutschland ist in seinem ganzen Verlaufe der verschiedensten Deutung unterworfen gewesen. Eine Politik, die nicht immer sich in gerader Linie bewegt, die bald einen Schritt den Neuerern entgegen gethan, bald wieder in ihre ablehnende und feindliche Haltung sich zurückgezogen, eine Politik, die von dem Vorhaben des bewaffneten Anfalles zu den Versuchen einer Ausgleichung der Gegensäge übergegangen; eine solche Politik konnte den Zeitgenossen nicht anders als in zweifelhaftem, schwankendem Lichte erscheinen: allgemein hat man den Vorwurf der Treulosigfeit und Unredlichkeit gegen den mächtigen Kaiser erhoben.

Id meine, es hat auch den Schwankungen dieser Politik ein fes stes Prinzip zu Grunde gelegen: sobald einmal der spanische Herr

der von Deutschland der Bedeutung dieser deutschen Händel sid) bewußt geworden, hat er eine feste, eine unbeweglich feste Stellung zu ihnen ergriffen.

Fest katholisch ist stets der Sinn Karl's gewesen; und in dem festen Gefühle dieses alten, durch die Jahrhunderte des Mittelalters geheiligten Katholizismus hat er sich die Aufgabe gestellt, die Spaltung in der deutschen Kirche zu heilen, d. h. die abgewichenen Protestanten wieder beizubringen in den Schooß der Einen allgemeinen Kirche.

Allerdings verschiedene Wege konnte es geben, diese Aufgabe zu lösen. Auch dieje kirchlidie Frage, die über die Religion der deutschen Nation entscheiden sollte, auch sie behandelte der Staatsrath des Raisers, wie alle anderen Fragen der Politik, die ihm unterlagen: kein Mittel ward da als unberechtigt abgewiesen, das Aussicht bot, das gewollte Endziel zu erreichen; und kein Mittel der Politik, weder Ueberredung noch Bestechung, weder Ueberlistung noch Bewältigung, weder Diplomatische Kunstgriffe noch militärische Maßregeln, blieb auch in der religiösen Frage unbenugt. Und es kam hinzu, daß dieser Habsburger niớt der deutschen Nation König allein gewesen, daß die Stellung an ter Spiße der christlichen Welt ihm Verpflichtungen und Aufgaben brachte noch anderer Natur, daß endlich er Rüdsichten auf die Groß= mächte des ganzen Europa zu nehmer: hatte.

Die Ahnen von Habsburg-Burgund und die Erblasser von Spanien vererbten ihm beide den Krieg mit der französischen Krone; aber des französischen Franz aufstrebende Macht niederzuhalten, war schon an sich ein gewaltiger Kampf, der alle Kräfte der habsburgischen und spanischen Stellung in Anspruch nahm.

Des Osmanen Angriff auf die Christenheit erschütterte in bedenklidister Weise die Reste des mittelalterlichen Weltreiches; aber auch diesen Angriff abzuwehren, war vorzugsweise auf Karl's Schultern gelegt.

Die Grundlagen, die die katholischen Könige der spanischen Herrdaft über Italien gelegt, die Verfügung und Leitung über das Papsts thum, die sie als eine Lebensbedingung für Spanies Großmacht angebahnt, auch sie wiesen den Enkel auf Eroberung und Behauptung des italienischen Bodens hin. Aber in welche Weiterungen verstricten ihn nicht diese italiänischen und päpstlichen Händel!

Alle diese Beziehungen aber und alle diese Aufgaben verwickeln und verwirren die Fäden der Politik im Rathe des Kaisers; sie sind die Faktoren, die seine Stellung auch zu den Protestanten bestimmt haben. Nicht ein mathematisch sicherer und fester Punkt ist es gewesen, von dem aus der Kaiser die deutschen Verhältnisse überschauen konnte, nein, die verwickelten Verhältnisse seiner Stellung an der Spike einer Weltmacht verschieben und verändern ihm in jedem Augenblicke den Ausgangspunkt in der Verwirklichung seines großen und Einen Gedankens.

Durch die französischen, türkischen und italienischen Verhältnisse genöthigt, hat Karl auch jene Schritte den deutschen Protestanten entgegen gethan, die von seiner Nadygiebigkeit Beweis ablegen konnten, die durch Annäherung an den Standpunkt des Gegners eine Versöhnung zu erbandeln suchten. Aber wie ist im Grunde doch ein jeder dieser Scritte von einer wirflichen Vermittelung der Gegensätze entfernt! Was einst des Kaisers Lehrer auf dem päpstlichen Stuhle laut verfündet, daß die Mißbräude in Leben und Berfahren der Kirche einer ernstlichen und gründlichen Reformation bedürften, was nadyher Spaniens Theologen in Trident mit allem Eifer und ganzer Schärfe verfochten und erstrebten, das ist auch Karl's Ueberzeugung gewesen. Einer solchen Reforination der Kirche hat auch seine Politik den Boden zu bereiten und Interstützung zu leihen feinen Anstand gefunden. Aber eine Aende: rung in dem Dogma, eine Neugestaltung des firdlichen Lebens, wie man sie in Deutschland verlangte, und wie für Deutschland sie ein Bedürfniß geworden, — schon der Gedanke einer so gearteten Reformation war ihm ein Gräuel.

Auch in allen den Verhandlungen und den Vergleichen mit den deutsdien Protestanten ist in dem Kaiser die Idee lebendig geblieben, daß es noch einen anderen Weg zur Erledigung aller Sawierigkeiten gebe, daß er in anderer Weise weit leichter seine Aufgabe lösen fönne, daß er zuletzt doch zu jenem anderen Verfahren werde greifen müssen.

Die Unterwerfung Deutschlands unter die päpstliche Kirche und unter die spanische Herrschaft ist immer und unverrückt das Ziel Karl's geblieben.

Ein überlegender und vorsichtiger Politiker wie Karl ist aber von einer Liebhaberei an unnöthigen Gewaltsdritten gewiß niemals verblendet: zuerst mußte er diplomatische und friedliche Mittel zur Bezwingung des Protestantismus versuchen und zwar wiederholt versuchen; und erst als diese wiederholten Versuche sich nußlos erwiesen, als in den Verwicklungen der europäischen Verhältnisse und unter dem Einfluß der Religionsverhandlungen die Protestanten ihre Zahl, ihre Macyt, ihren Einfluß immer mehr ausdehnten, erst da hat er es unwiderruflic) entschieden, daß er die Protestanten mit Krieg überziehen wolle.

Wenn schon zur Zeit des Madrider Friedens die Befürchtung eines solchen Krieges einmal aufgestiegen war; wenn in den Verhandlungen nach dem Augsburger Reichstag schon einmal in nächster Nähe der katholische Angriff auf die Protestanten gedroht hatte, so hatten damals die Verwidlungen mit dem Papste und dem französischen Könige die Hand des Naisers von dem Schwertgriff wieder zurückgezogen. Jetzt aber nach dem erneuerten Frieden mit Franfreich war alles tanach angethan, der Wille des Kaisers und die europäische Lage, daß es diesmal Ernst, furchtbarer Ernst mit dem Kriegsgedanken gegen die Widerspänstigen werden sollte.

In der That, es wäre ein Wunder zu nennen, wenn dieser Kaiser diesen Protestanten gegenüber zu einem Ariege zu schreiten für immer vermieden hätte.

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