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testanten von seiner Seite eine genaue Beobachtung des ReichsfriedenK zu versprechen und ihre Stellung vor jeder Gewaltthat zu sichern.

Aber wie anders sind die Folgen dieses Schrittes geworden!

Das Aufreten Held's unter den Fürsten zu Schmalkalven brachte nicht diese Botschaft des Friedens, es trieb direkt zum Bruche mit den Protestanten. Wir wissen nicht, wie Held zu solcher Thätigkeit sich berechtigt glauben lonnte, aber das bietet keinen Zweifel: offen gegen seine Instruktion entzog er den Protestanten die Anerkennung» ihres Bestehens und versuchte er in den Weg der Gewalt die kaiserliche Politik zurückzulenken "). Wie man sich da auf protestantischer Seite nicht zur Annahme des von Papst und Kaiser gebotenen Conziles verstehen wollte, ging Held darauf aus, die katholischen Fürsten und Stände zu einem Bunde zu einigen, welcher dieser Opposition der Gegner Luft und Leben nehmen sollte. Was schon 1531 von dem Kaiser als da« beste und geeignetste Mittel zur Erhaltung eines katholischen Deutschlands bezeichnet, was dann mehrfach einzurichten angesetzt und nie aus den Augen gelassen war, das gedieh jetzt zu offener Wirksamkeit: es gelang, dem protestantischen Bunde eine enge Vereinigung der treu gebliebenen katholischen Stände und Fürsten entgegenzustellen''). Und so war Deutschland in zwei Bündnisse zerrissen, beide gewaffnct und beide entschlossen, dem andern bei der nächsten Gelegenheit mit Gewalt zu begegnen.

Da gewann es den Anschein, als ob ein Religionstrieg in der deutschen Nation, eine Fehde zwischen dem Schmalkaldener und Nürnberger Bunde nicht ausbleiben tonne!

In dem Kriege zwischen Franz und Karl wurden auf keiner Seite große Erfolge errungen; nur der Alliirte des Königs, der türkische Corsar, machte stets Beute und Eroberungen: die Christenheit erfüllte sich mehr und mehr mit dem Rufe dieser Fortschritte des französischen Freundes über die christlichen Brüder, mehr und mehr verlangte man an allen Stellen einen Stillstand der inneren Kriege und Fehden unter den Christen: Karl's Sinn und Eifer belebte sich immer energischer in der Absicht, einen großen Streich gegen diese Barbaren zu führen: in Spanien faßte man immer einstlicher den Plan eines großen Türlentrieges.

'y Vgl. Raule IV. 84 ff. und die Alten bei Lanz Staatspapie« 231 ff. Das ganze Verfahren ist doch wohl noch nicht hinlänglich aufgeklärt. Hat vielleicht Morone, der Nuncius, der in seinen Depeschen (bei Lämmer« p. 177 ff.) sich jeglicher Loncession feind zeigte und Held's Verfahren billigte, auch Einfluß auf ihn geübt? ich wage es nicht zu entscheiden. Jedenfalls den Abschluß eines katholischen Bunde« in Deutschland hatte der Kaiser befohlen. (Bucholh IX. 377.)

2») Abgeschlossen zu Nürnberg am 12. Juni 1538 (Bucholtz IX. 366.)

Und inzwischen blieb auch Papst Paul nicht müßig, in Sendungcn und Briefen den beiden Machthaber» die Nothwendigteit recht eindringlich vorzuhalten, daß sie einen Frieden zu schließen verpflichtet seien, daß die allgemeine Roth der Christenheit vor Türken und Ketzern sie zu der Einstellung ihres Streites bewegen müsse. Als da die Erschöpfung der 'Niederlande zunächst im Juli 153? zu einem localen Waffenstillstände geführt, als im November auch eine Waffenruhe für Italien sich angeschlossen hatte, da brachte im Winter der Papst eine vorläufige Annäherung der Gegner zu Stande. Endlich nach manchem fruchtlosen Schritte gelang es ihm, einen Friedenscongreß in Nizza zu veranstalten: indem er selbst hier als Vermittler von einer Partei zur andern ging, brachte er einen allgemeinen Waffenstillstand zum Abschluß, als Voraussetzung und Grundlage eines künftigen Friedens. Eine persönliche Zusammenkunft zwischen Karl und Franz und direkte Conferenzen ihrer vertrauten Minister waren darauf im Stande, allgemeinere und weiterreichende Verabredungen zu treffen, welche die öffentlichen Zustände des ganzen Europa angehen und eine neue Ordnung in Europa regeln sollten.

Die kaiserliche Politik ist im Sommer 1538 in eine neue Phase ihrer EntWickelung getreten.

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Fragen des ganzen Abendlandes in Eintracht vergehen wolle, daß zur Besiegelung dieser Uebereintunft man über Ehen zwischen den beiden Herrscherfamilien und über die gemeinsame Ausstattung der einzelnen Paare noch weiter verhandeln werde. Wenn jemals, so hat in jenen Tagen die allgemeine Lage der Christenheit zu erusten Bedenken Anlaß gegeben und die europäischen Herrscher zu reiflichem Nachdenken gezwungen.

Angelockt durch des Franzosen Erbietungen hatte der Türke einen neuen Angriff auf christliche Gebiete gemacht: mit den französischen Kräften verbündet hatte er sogar Italien angefallen und dann auch die venetianischen Besitzungen im Mittelmccr überzogen, kurz der Ungläubigen Macht war allenthalben in siegreichem Fortschritt. Dem entgegen hatten dann die italienischen Machte zu einem Schutzbündnis; untereinander gegriffen; auch der Papst tonnte sich endlich nicht weigern, auf der Spanier Vorstellungen zu hören, es nahm da Alles die Wendung, als ob er seine Neutralität im europäischen Kriege dem Türkenfreunde gegenüber werde aufgeben müssen. Des Spaniers Sinn, von mittelalterlichen Erinnerungen an seine glorreichen Kämpfe mit dem Islam erfüllt, wurde auch in Kaiser Karl lebendig: immer unruhiger, immer eifriger drängte es ihn, einen gewaltigen Zug gegen diesen Erbfeind zu führen. Und das hat ihn dann einem Frieden mit Frankreich stets geneigter gemacht.

Auch im Innern der Christenheit, wie manches trübe Zeichen war sichtbar geworden, seit die italienische Frage auf's Neue zum Kriege geführt hatte! Das von Papst und Kaiser berufene Conzil, das so allseitig verlangte, war von den deutschen Protestanten als ungenügend abgewiesen, die Protestanten in Deutschland hatten sich in ihrer Stellung nur immer mehr befestigt, ja eine der Großmächte des Abendlandes, England, war von der Einheit der Kirche abgefallen und näherte sich in bedenklicher Weise den Protestanten; in Deutschland aber, das, wie es damals schien, des Kaisers Politik aufgegeben', drohte der katholischen Fürsten Eifer den Ausbruch eines Bürgerkrieges: in solcher Lage der Dinge konnte der Kaiser unmöglich sich der Erwägung verschließen, daß ihn seine allgemeine Stellung zum Einschreiten in die protestantischen Händel im Schootze der Christenheit verpflichte. Die allgemeinen Fragen Europa's nach Innen und nach Außen zu lösen, war gewiß eine höhere, eine kaiserlichere Aufgabe, als den italienischen besitz gegen Frankreichs Eroberungslust zu vertheibigen.

Kaiser Karl V. hat die Eigenschaft eines großen Fürsten besessen, die Bedeutung solcher allgemeinen Aufgaben einzusehen, und dieser Einsicht hat er auch seine persönliche Kriegslust unterzuordnen gewußt 2). Und wie er einer einmal ergriffenen Tendenz sich ganz und lebhaft hinzugeben pflegte, so war er auch jetzt eine Zeit lang von dem Gefühle des Friedens, der Freundschaft, der Einheit mit Frankreich zu hohen, weitfliegendcn Plänen erhoben.

In persönlicher Zusammenkunft zu Aiguesmortes beschlossen die Monarchen, ihrer Politik diese gemeinsame Richtung zu geben; und sc^ fort noch im Herbst 1538 wurden die Verhandlungen eröffnet, die allen alten Hader für immer beseitigen und die Gemeinsamkeit der Politik fest besiegeln sollten '), Wahrend man einstweilen noch das Einzelne der Abmachungen in bindender Weise festzusetzen behutsam umging, fanden die Minister in der allgemeinen Geneigtheit und den freundlichen Gesinnungen beider Monarchen die sicherste Garantie dieser Lage. In Spanien war Gianvella ganz besonders thätig für die Dauer dieses Zustandes: er wünschte, daß Franz und Karl noch einmal persönlich sich sähen und sprächen, sei eS im Süden, wenn Karl in den Türlentrieg ziehe, sei es im Norden, wenn er nach den Niederlanden eile, in Deutschland eine bessere Ordnung zu schaffen. Ja wenn die allgemeine Monarchie der katholischen Christenheit stets das Ideal der kaiserlichen Politik gewesen, so durfte man sich wohl in dem Gedanken begeistern, daß eine Vereinigung des Habsburgischen und des französischen Besitzes in Einer Familie das Ziel sein müsse, auf das man seinen Lauf zu richten habe*).

Und was dieser Einigung von Karl und Franz zu einer großen gemeinsamen Politik noch höhere Bedeutung gab, auch den Papst hatte Karl in jenem Augenblick für seine Ziele gewonnen. Waren doch Paul und sein Sohn Pier Kuigi vornehmlich bemüht gewesen, jenen Stillstand im Kriege zu erwirken; an ihrer Zustimmung und Mitwirkung durften daher die alliirtcn Mächte nicht zweifeln. Auch den Absichten der Farneses, ein selbständiges Fürstenthuin sich in Italien zu gründen, waren ja diese allgemeinen Verhältnisse recht hold geworden; dem Herzoge von Castro hatte Karl schon Novara und dazu eine hohe Pension geschenkt; jetzt aber richteten sie noch bestimmter auf Mailand ihr Verlangen, oder sie redeten dem Kaiser auch wohl einmal von Siena oder von Florenz;') und zuletzt, als des Pier Luigi Sohn, Ottavio Farnese, mit der unehelichen Tochter des Kaiser«, Margarethe, verheirathet wurde, da fand es keinen Anstand, daß der Papst dem Herzoge von Urbino einen Krieg erregte und sich von ihm für den Enkel das Herzogthum Camerino abtreten ließ. Wenn nun auch die Ideen und Wünsche dieser päpstlichen Nepoten weit über diese geringen Anfänge fürstlicher Macht hinausgingen, so war doch alle Aussicht vorhanden, daß Kai« ser Karl, dessen Schwiegersohn ja der Erbe der Farneses war, einer Machterweiterung der Familie nicht entgegen sein werde: durch Freundlichkeiten und Gunstbeweise an den Papst und sein Haus konnte er für die allgemeinen Aufgaben und Zielpunkte feiner kaiserlichen Politik auch den Beistand des Papstthumes zu gewinnen hoffen.

-) Daß Karl persönlich der Abtretung Mailands entgegen und persönlich zum Kriege geneigt war, folgt aus dem Gutachten von 1536 (Lanz II. 266.)

3) lieber Alles das geben die Depeschen der französischen Gesandten aus Spanien Auskunft. Vei Ribicr I^ettrez et memoire« <I'e8wr I, 264,291 usf.

^) Vgl. Granvelln's Aeußerungen bei Ribier I. 262,

Auf diese Weise hat seit dem Sommer des Jahres 1538 der Kaiser seine Aufgabe zu lösen gesucht: in Frieden und Freundschaft mit dem Rivalen hat er sich auch die Hülfe des Papstes Paul's III. erworben.

Es waren aber diese Mächte dahin übereingekommen, einen großen Fcldzug zu Wasser und zu Land gegen den Türken zu eröffnen, auf der anderen Seite aber auch die deutsche und englische Frage gemeinsam zu erledigen. Da schien eine Zeit lang ein Krieg gegen England beabsichtigt, die Krone dem wankelmüthigen, erregbaren Heinrich zu nehmen und den Katholizismus gegen des englischen Königs Willen in England herzustellen, — und gerade des Papstes Wunsch wäre ein solcher Zug gegen England gewesen. Aber Karl entschied nach einiger Zeit, daß die Ordnung der deutschen Dinge dem englischen Unternehmen vorangehen müsse °). In dieser deutschen Frage war durch die Wendung von Nizza und ihre Folgen auch eine neue Politik eingeleitet worden. Mit Umsicht und Entschlossenheit Verhandlungen einzugehen, hatten die Herrscher beschlossen, Verhandlungen mit den Protestanten, die sie zur Rückkehr in den Katholizismus auf dem Wege der Güte und des Friedens führen sollten.

Wir sahen, wie doppelsinnig und wie wenig entschieden sich beS

5) Das Einzelne enthalten die Depeschen Grignan's aus Rom (bei Nibier I) Daß Pallavicino diese Absichten der Faineses in Abrede stellt, ist, ebenso wenig beweiskräftig, als es nicht auffällt,

«) Juni 1539 (Quirini LMuKe?oli, II, prael. 287).

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