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nothwendig, und ohne weiteres fielen auf Pole zweiundzwanzig und in wenigen Tagen schon fünfundzwanzig : es ergab sich bei den täglichen Abstimmungen, daß mit aller Sicherheit Tag für Tag auf wenigstens vierundzwanzig Stimmen für Pole zu rechnen war. Seine Gegner boten Alles auf, es nicht zu dem naheliegenden Versuche kommen zu lassen, ihn chne eine förmliche Wahl als Papst zu adoriren: man hegte nachher die Meinung, daß ein solcher Versuch Erfolg gehabt haben würdes).

In dieser Lage bedurfte es auf französischer Seite der höchsten Anstrengung und der größten Gewandtheit, die Wahl bis dahin aufzuschieben, bis alle französischen Kardinäle aus Frankreich angelangt sein würden. Der Gesandte erschien einmal an der Thür des Conclave, den Kardinälen in feierlicher Weise den Auftrag seines Königs auszusprechen: vor der Ankunft dieser erwarteten Franzosen dürfe die Wahl nicht stattfinden und nöthigen Falles habe er die Vollmacht, gegen eine trotz jeiner Einsprache geschehene Wahl im Namen der gallicanischen Kirche zu protestiren. Im Innern des Conclave verbanden sich mit diesen festen Erklärungen des Gesandten die Künste des Kardinales von ferrara, – und so kam Pole's Wahl nicht zu Stande. Es gab einmal darüber eine sehr heftige Scene. Als trop aller Einsprache die Wahl Pole's noch in jedem Augenblicke drohte, erhob sich der alte Caraffa und warf mit seiner heftigen, glühenden, hinreißenden Beredsamkeit seinem Gegner offen den Vorwurf der Regerei ins Gesicht; es gab darüber Erörterungen und Erklärungen, es verlor aber offenbar Bole im Streite mit Caraffa an seinem Ansehen und seiner Würde: wenn ihm auch Nichts bewiesen wurde, so haftete doch der Makel des Verdachtes an seiner Rechtgläubigkeit.

Von Tag zu Tag schwand die Wahrscheinlichkeit mehr und mehr dahin, Pole’s Erhebung durchzusetzen. Endlich am 14. Dezember kamen von den erwarteten Franzosen fünf Kardinäle an, mit ihnen der geschickteste und gewandteste Diplomat für die französische Sache, der Kardinal von Guise, und auch der Rest der Franzosen traf in den letzten

Tagen desselben Monates ebenfalls ein. Jetzt hatten also die Franzosen ihrerseits, geführt von Ferrara und Guise, die Gelegenheit, von der Verhinderung einer gegnerischen Wahl zu der Erhebung Eines der 3hrigen überzugehen. Guise kam auf das Genaueste von den französischen Intentionen unterrichtet; auch er blieb vom Conclave aus in steter Verbin

8) Vgl. die citirte Sdyrist Guasterios und seinen Bericht über das Con= clave in L. de B.

dung mit dem Gesandten, der sogar wohl einmal über das Dach hin sich zu ihm wagte. Die Anweisungen Heinrichs aber lauteten dahin, zunächst den Kardinal Pole in jedem Falle auszuschließen, dann aus der französischen Partei entweder den alten Kardinal von Lothringen, Guises Onfel, oder Ferrara selbst oder Ridolfi oder Salviati wählen zu lassen, zuleßt, wenn sie zu einer Verbindung mit Farnese schreiten müßten, auch Cervino oder Monte als die Schüßlinge Farnese's unter ihre Candidaten aufzunehmen.

Wir wollen hier nicht alle einzelnen Intriguen dieses Conclave verfolgen und alle einzelnen Versuche erzählen, diesen oder jenen neutralen Candidaten von beiden Seiten annehmen zu lassen. In dem Gewirre aller dieser allgemeinen und persönlichen Interessen ist es das Wesentliche, daß wir über die Tendenzen der leitenden Mächte Aufklärung erhalten können.

Als man einmal von der Wahl des Defanes, des Kardinales von Trani, oder gar Caraffa's selbst redete, und als man auch jene beiden Conzillegaten Cervino und Monte wiederholt in Vorschlag brachte, liefen vom faiserlichen Hofe Schreiben ein, welche diese vier Persönlichkeiten als durchaus unannehmbare bezeichneten und im Namen des Kaisers ihnen die Exclusion gabeno).

Die Worte des Kaisers hatten überhaupt auf dieses Conclave einen ganz besonderen Einfluß: die ehrgeizigen Italiener, die alle Mittel auf boten, zu dem Papate - zu gelangen, suchten sich der kaiserlichen Zustimmung zu versichern. Salviati, der, mit Mantua befreundet, eben durch diese Fürsprache der so mächtigen Partei Gonzagas und Mendozu8 die Abneigung des Kaiserlichen Hofes zu überwinden hoffte, unterhandelte über eine Unterstüßung durch die kaiserliche Bartei; und hierdurch standen die eigentlichen Wahlverhandlungen in Rom eine Zeitlang. stille 10). Und auch den Franzosen wurde ihre Verbindung mit Ferrara hinderlich. Ferrara in seiner sanguinischen Auffassung und seinem ungebändigten Ehrgeize war nicht im Stande, einem seiner Mitfandidaten das Papstthum zu gönnen; er richtete alle Intriguen nur auf das Endziel hin, seine eigene Wahl zu befördern, er knüpfte sogar zu diesem Zweđe init dem kaiserlichen Hofe an, von dem er doch nur eine Zurückweisung erwarten konnte 11).

9) Trani und Monte wurden durch folgende Anweisung an Mendoza ercludirt: visto lo que screvis de Trana y Monte y qualidades de ambos, no cumpliriamos con nuestro dever si en alguno dellos concurriessemos, y assi los terneys por contradichos como a los demas, con advertiros que esto sea para vos solo, guiandolo por la mejor manera que os parescera, por no dar causa que publicandolos se den por nuestros enemigos. — Am 19. Dezember antwortete Karl auf eine Anfrage Mendozas – ob die kaiserliche Partei auf die von Franzosen und Farnese Aufgestellten, Salviati, Nidolfi oder Cervino eingehen Sürfe - mit einer naddrüdlichen Wiederholung des Veto gegen dieje: tras esto sera bien que por la via que mejor se pudiere — pues le podreis hallar le deis claramente a entender (a Farnese) que si por su respecto sale papa qualquier de los cinco que de aca se señalaron perniciosos, señalamente Santa Cruz (d. 1. Cervino) como dezis que podria ser, pues de otra manera no puede salir papa sino con su favor, que tenga entendido que jamas podre. mos satisfazernos del ni creer que aya procedido con buen pie ni con la verdadera aficion que ha ofrecido a nuestro servitio, – imd dieser Auftrag wurde don am 21. December nadidrüdlich wiederbolt. - Am 30. Dezember beißt es dann audo: en la contradiccion sea comprendido el Theatino (D. h. Carafia). 10) Der Vicekönig Pedro de Toledo und der Florentiner Herzog meldeten diese Intrigue der Diplomaten mit einem vom Kaiser ausgeschlossenen Kardinale und darauf erfolgte an Mendoza eine sehr darfe Rüge und das nad)drüdlicy wiederholte Gebot, für Toledo oder Pole zu wirken. (13. Januar 1550 mit ausgefan= genen Schreiben Gonzagas an Mendoza aus dem Dezember.) Noch im Jahre 1552 redynete Cosimo es sich als Verdienst an, zuerst dem Plane Gonzagas und Mendozas auf die Erhebung Salviatis begegnet zu haben.

Während dieser hin und hergehenden Verhandlungen schloß die Gesammtheit der Kardinäle unter sich einen Vertrag über die Bedingungen, auf die sich ein Jeder verpflichten sollte 12). Vor Allem beschworen alle Kardinäle, so schnell als möglich das Conzil der Kirche zu fördern und damit eine allgemeine Reformation der Geistlichkeit, vor allem in der römischen Kurie zu verbinden; sie verpflichteten sich aud), von dem Besitzthum des apostolischen Stuhles nichts abzubringen und nicht zu veräußern, aber sie verhießen doch dem Herzoge Ottavio Farnese als Lehen der Kirche Parma zurückgeben zu lassen. Diese allgemeine Verpflichtung sind alle Kardinäle eingegangen. Aber wenn einmal Mendoza es für nöthig erachtet hatte, dem zu wählenden Papste einen förmlichen bindenden Contract aufzuerlegen, ehe man seine Wahl unterstüße, so war eine solche Idee doch von dem katholischen Sinne des Kaisers zurückgewiesen worden. Karl sprach seine Ueberzeugung aus, daß ein jeder

Papst, wer es auch immer sei, sich in der Conzilfrage mit ihm einigen müsse: die Lage der Christenheit und die Natur der päpstlichen StelIn Derde cen corzilirea Zriit, in dem Buzit kuu! geiterben, nitt TSmór ertragen können 15).

11) Karl an Mendoza 25. Januar 1550. Vgl. bei Ribier II. 268.

12) Le Plat IV. 156: in einem handídristlichen Eremplar finde ich noch hinzugejet, daß aus der apostolischen Kajje den einzelnen Conclavisten (d. h. den Begleitern der Kardinäle im Conclave) jedem ein Geldgesdenk von 6000 Thlr. gemacht werden solle.

Ies Scarlate jeg fis in die vinge: mun toontz kiren kantitaten m edia maden, gegen den nibt rom ir ar siner Seite fich ein gefährs lites (interzi erosken Sätte urcinis zm ta'lim en bere gab man

3 cie cirurz auf, wud mit Bole i slih nec curtzueringen; man beitind auf einer Hasl, und ibifte vit just icgar an, direct mit dem Franzoni ben note zu unterbindeln, den gruncien die Bertheile divier Wahl benzeitlis ju maden und sie ielbit jur Kücrab me ibres Beto ju berezen!). ergab dies cod fein Raiulut. Mittfermeile aber rurte is: mechi Salviati als terrara ali meinung genommen, und höchit energi cie tzrierlife Partei in die Grenzen ihrer Initruktionen zurüfzemniejen.

3mmer mebr geitaltete fita ca sie unge in Rom jo, cuz es auf die Farnesite Bartei ankam. Farnese entidic sich Bole's Wahl fallen ju! Laiten: er horfte zuerst mit franzöttifer þülfe seinen alten Lehrer Terrino durchzusehen; und in der Tout dieser Cervino war ein Mann, curd seinen Charakter diejer höften Stellung in jeder Weise würdig: mur mire nat allen früheren Vorfällen seine Erbebung in diejem Augenblide ein offener Fruch mit dem Raijer gewesen. Hatte coch früher icon Mendeja jere gelegentliche Anspielung auf seine gandicatur nur mit der böchjien Entrüstung beantwortet, und auch jest konnte Mendoju zu förmlichen Drehungen gegen die Farneres jūreiten, wenn man seine Wahl wagen wollte 15).

Da fam Farnese auf den Gedanken statt Cervino's einmal Monte's Rancicatur zu versuden, ber ja ebenfalls eine von seiner Partei abhängige Rolle gespielt.

Monte war der erste legat am Conzile gewesen; ein derber, hef: tiger, aber nift übermäßig eifriger Charakter: so hatte er in der Verjammlung durch sein rauhes, unvorsichtiges und leidenschaftliches Benehmen die bestigsten und wildesten Scenen herbeigeführt, er hatte bei allen Kaiserlichen in Italien sich gründlich verhaßt gemacht, so daß Vonzaga die Einfünfte seines Bisthums Kavia mit Beschlag belegt hatte; er hatte aud zuleßt noch am heftigsten auf ein offenes rücjidhtsloses Vorgehen der päpstlichen Politik gegen den Kaiser gedrängt 16). Auch auf französischer Seite waren manche Rardinäle durchaus nicht seine Freunde; ia Guise hatte noch in diesem Conclave laut und unverhüllt über seinen Lebenswandel, seine Leichtfertigkeit, Lasterhaftigkeit und Unwürdigkeit geredet. 17). Und dennoch einigten sich die Franzosen zuletzt mit Farnese über diese Wahl Monte's 18). Diente es ihnen doch zur Beruhigung, daß er ein Feind des Kaisers sein Leben lang gewesen sei.

13) Rento; meinte: de ningun papa se puede tener seguridad en palabras si antes de la eleccion no se lo haze screvir poliça, con la qual despues de hecho papa le puedan deponer sino la cumple, como hizieron a papa Julio. y el cardinal Colona hizo a papa Clemente. – Der Kaiser aber ermiederte: quanto a lo que apuntais de la condicion que se podia pedir al que se pensasse que ha de salir elegido de que se prosiguiesse el concilio en Trento, nos pare ce que porque la eleccion se haga libremente sera mejor que esto se dexe para despues de aquella hecha, pues es de creer que qualquiera verna en ello y en el remedio de las cosas de la Germania.

14, Karl an Mendoza 21. Dezember.
15, BgI. Döllinger 94; und die Anweisung Karl's vom 19. Dezember 1549.

Wir sind nicht authentisch unterrichtet über den Gang dieser letzten Intrigue, die Monte das Papat verschafft hat: es scheint nur, daß Monte seinem Nebenbuhler Cervino sehr bindende Versprechungen machen mußte, um ihn zur Verzichtleistung auf die eigne Wahl zu bewegen: er sagte ihm zu, Alles darnach einzurichten, daß sicher Cervino sein Nachfolger werden müsse 19). Die faiserliche Exclusion wurde im Conclave night befannt gemacht; die Spanier, vor allen Pacheco, behaups teten zwar, 08 sei eine solche vorhanden, aber Farnese läugnete es ; und es wurde ihm der Beweis nicht geliefert, daß dieselbe dennoch an Mendoza erfolgt war; — wir wissen nicht, weshalb man es unterlassen 20). Es haben die kaiserlichen Kardinäle Madrucci, Mantua, Pacheco und Cueva noch einen Protest versucht, aber zulegt haben auch sie sich gefügt. Der Kardinal Monte wurde am 7. Februar 1550 gewählt und nahm den Namen Julius III, an.

16) Pallavicino X. 17. §. 3. XI. 1. §. 3; 2. §. 17.
17) Ribier II. 268.

18) Es ist fein Zweifel, daß die Coalition der Partei Farnese'8 und der Fran30sen diese Wahl entschieden: jo jagt es eben sowohl Guise (nod; aus dem Conclave heraus – Ribier II. 264) als auch der Papst selbst, am Tage nach seiner Wahl. (Raynaldus 1550. §. 1.) An dem französischen Hofe war man durchaus dieser Ansicht (que havia salido un frances). Renard, 22. Februar 1550.

19) So erzählte Papst Julius an den faiserlichen Gesandten, Don Juan Man= rique de Lara, dadurch des Kaisers Unterstügung für die beabsichtigte Wahl des Cervino zu gewinnen. Nad einer Depesche Manriques vom 12. April 1554.

20) Die Erclusion des Kaiser8 steht fest (oben S. 222.), nachher aber hat Karl e8 nachdrüdlich gut geheißen, daß man von diesem seinem Schreiben im Conclave nicht Gebrauch gemacht habe. Er schreibt an Mendoza am 18. März: los repectos que tuvistes para no mostar a Fernes la carta que contenia la exclusion de Monte fueron buenos y asi los terminos con que despues respondistes a su sd., quando os hablo en la volundad que tiene de conformarse con la nuestra.

Maurenbrecher, farl V.

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