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Form, die man ausfinden konnte, zu erklären. Noch einige Wochen ließ Mentoza fich bewegen inne zu halten. Aber der Kaiser wies ihn an, auch gegen des Papstes Willen den beabsichtigten Schritt zu thun: wenn der Papst auf eine legte Sommation nicht hören wolle, solle er nicht länger mit dem Proteste zaudern.

Und so geschah es. Um 16. Januar 1548 erschienen im Namen des Kaijers der Fiscal Francisco de Vargas und der Doctor Martin Velasco in der Versammlung zu Bologna, im Namen ihres Raisers zu den Akten zu erklären, daß er eine Aeußerung dieser Versammlung nicht als den Spruch eines Conziles ansehe, und daß der Kaiser ten schmähligen Bruch der Kirchenversammlung von sich ab auf die S ultern des Papstes, der Legaten und der anwesenden Prälaten wälze: eine Erflärung, die 311 einigem gereizten Wortwechsel mit dem Kars dinal Monte führte 9).

Auch in Rom rar rie Wiederholung regjelben Aftes beabsichtigt, und trotz aller Versuche, welche von wohlmeinenden Rardinälen noch in der legten Stunde gemacht wurden, den drohenden Protest zurüczuhalten und die Differenz friedlich auszugleichen, blieb Mendoza bei der Meinung, daß Alles, was man ihm jeßt sage, nur Ausflüchte und leere Versprechungen seien, mit denen man Zeit gewinnen wolle. Auch er schritt am 23. Januar vor Bapst und Kardinälen zu einem ähnlichen Proteste, und auch er, der stolze spanische Cavalier, gerieth in einen heftigen Wortkampf mit dem alten italienischen Papste 10).

Gegen diese Erklärungen erhob sich der Bapst auch seinerseits zu einer breiten und ausführlichen Darlegung seiner Ansicht. Am 1. Februar ließ er Mendoza in dem Consistorium erscheinen und legte ihm selbst in einer langen Rede alle die Gründe auseinander, aus welchen die Versammlung in Bologna für das wahre Conzil gehalten werden müssen und weßhalb er nicht auf die deutsdien Forterungen habe eingehen lönnen. Ja, der Papst ging noch einen Schritt weiter: er selbst erflärte der spanischen Eröffnung entgegen, welche die Rechtsgültigkeit der Einen Versammlung anfocht, jelbst hier in Rom ein contradictorisches Verfahren zu eröffnen, und darnach dann aller Welt das Urtheil 311 verkünden, welche der beiden Versammlungen die allein gültige sei 10 ).

9) Protokol darüber bei Raynaldu8 1548. g. 7-14.

10) Ebd. §. 9–16. Vgl. Mendoza'8 Depesche vom 2. Februar bei Döl= linger. 134 ff.

102) Raynaldu 8. f. 29. 30.

Natürlich kein Mensch hat je einen Zweifel tarüber gehabt, für wen man sich in Rom aussprechen werde. Und so hat auch weder die Geistlichkeit in Trident noch der Kaiser sich diesem Schiedsspruche der Kurie unterworfen.

Wenn schon bei der Unterwerfung Deutschlands unter das Conzil auch eine zeitweilige Maßregel ins Auge gefaßt worden war, bis zu jener conziliaren Entscheidung mit der Gutheißung der Kirche wenigstens eine vorläufige Ordnung zu treffen, so konnte es bei dieser neuesten Wendung nur noch dringlicher erscheinen, die augenblickliche Gefügigkeit aller Stände benußend, wenigstens Etwas fest zu segen, das als Frucht der kaiserlichen Siege anzusehen wäre. Am 14. Januar ließ da der Ruiser dein Reichstage von den Entscheidungen der Kurie Mittheilung machen. Er ließ vorstellen, wie alles billige Begehren des Kaisers und tes Reiches beim Papste keinen Anklang gefunden, wie man in Rom jene Vereinigung von Prälaten in Bologna für ein öfumenisches Conzil ausgebe, was doch für Deutschland undienlich und unzuträglich sei, und wie der Kaiser gegen solches Verfahren und seine möglichen Folgen auf das Entschiedenste protestire. Weil aber diese Verhandlungen sich in die Länge ziehen könnten, so schlug der Kaiser seinen Ständen vor, einen neuen Ausweg aufzusuchen und, wie man das vorher schon bedacht habe, durch Deputirte aller Parteien eine Auskunft aufzurichten"'). Bei den Ständen fand dieser Vorschlag Eingang. Nach Erledigung einiger Formfragen konnte dies Wert einer deutschen Religionsvergleichung unter dem Schutze faijerlicher Hoheit begonnen werden.

Wir wissen, daß gleich nach dem ersten Feldzuge es König Ferdinand wiederholt tem Bruder vorgestellt hatte, wie leicht und wie vortheilhaft für das ganze Unternehmen eine solche nocy vor dem Conzile in Deutschland zu erzielende Vergleichung in der Religion sein werde; wir wissen auch, daß sogar in Rom diese Idee einer besonderen Abfunft mit den deutschen Protestanten, einer Uebereinkunft, die leicht als Uebergangsstufe zur unbedingten Rüdkehr aufzufassen war, nicht geradezu abgelehnt worden war 12). Das biltete in der That auch jetzt noch den

11) Vertrag des Kaisers bei Sastrowen 2, 198 fi. Relation des Kardinal von Trident bei le plat 3, 679 ff. – Ein Beridit über diese Dinge (in Simancas) bezeichnet die respuesta (die der Papst dem Kaiser ertheilt) als tan artificiosa y llena de inconvenientes que haviendose dado razon della a los dichos estados del imperio con la limitacion y moderacion que convenya para no indignarlos mas contra el papa etc.

12) Budolt IX. 407. und V. 560. Vgl. 0. S. 154.

Faden, der Kaiser und Papst in Verbindung erhielt. Die Sendung auss reichend bevollmächtigter Legaten nach Deutschland und die näheren Modalitäten dieser deutschen Ordnung sind die Gegenstände, über welche noch fortwährend die Verhandlungen im Zuge blieben. Auch jegt noch, als man den Protest ergehen ließ, hielt Karl es für angemessen, seinem Gesandten recht nachdrücklich einzuschärfen, daß er den Bruch mit Bapst Baul nicht auzu weit treiben dürfe. Ein Schisma in der Kirche hervorzurufen lag auch jest nicht im Willen des Kaisers : auch die zor: nigste Miene in Rom und die heftigsten Noten an den Papst waren als Drohung und als Schreckmittel gemeint, zur That zu schreiten war nicht die Absicht des Kaisers. So bemühten sich die kaiserlichen Räthe, die Billigung Roms zu dem vorzunehmenden Religionseditte schon im Voraus sich zu sichern 13). Und es schien wirklich, daß man der Kirche Mitwirkung zu diesem Vorhaben erlangen werde. Wenn Mendoza und der Bapst auch über die Bedeutung eines öfumenischen Conziles und über die Rechtsgültigkeit der Translation in erregter Weise stritten, jo sagte der Papst es diesem Gesandten doch zu, nach dem vorgetragenen Wunsche des Kaisers solche Legaten nach Deutschland zu ichiden, die, mit der nöthigen Vollmacht versehen, den sich unterwerfenden Deutschen auch ihrerseits durch Zugeständnisse diese Unterwerfung erleichtern follten 14).

Er konnte also der Kaiser mit einer gewissen Hoffnung des Gelingens auf diese religiösen Verhandlungen eingehen; und auch auf Seiten der Protestanten hatten ihm die Erfolge der letzten Jahres einen solchen Einfluß verschafft, daß er ihre Annäherung an den kirchlichen Standpunkt zu erzwingen erwarten konnte. Im Februar begannen da die Verhandlungen unter den beiderseitigen Theologen.

Wir gehen hier der Entstehungsgeschichte des Interim nicht weiter nach, wir erörtern auch nicht, was die sogmatische Stellung desselben zu den einzelnen controversen Fragen gewesen; wir begnügen uns mit dem großen politischen Resultate, das allein für uns Bedeus tung hat, daß eine Verständigung der großen Gegensäge, bis zu einem gewissen Grade, hier wirklich erzielt worden ist.

Und doch läßt sich nicht leugnen, daß das Buch, wie es zulegt vollendet herauskam, in allem Wesentlichen die katholische Rehre darstellt. Es sind einige wenige Zugeständnisse, die man der protestantischen Auffassung gemacht hat, nicht gerade wesentliche Lehren des Dogmas, aber Dinge, die in dem äußeren, praktischen, täglichen Leben einem

13) Karl an Mendoza vom 16. Januar 1548. (Sim. Leg. 875. fol. 18.) 14) Mendoza vom 2. Februar. Döllinger 142 ff.

Jeden handgreiflich entgegentreten und die für die äußere Ordnung der Kirche von trennender Bedeutung geworden sind: es wurde gestattet, daß der Priester verheirathet sei, e8 wurde auch den Laien der Kelch im Abendmahle angeboten, es wurde von der Verbindlichkeit der strengen Fastengesețe abgesehen.

Wenn wir nun die Geschichte der religiösen Verhandlungen zwischen der Mutterkirche und den sich trennenden religiösen Sekten überschauen, so wird und die Wahrnehmung entgegen treten, daß diese im Interim gewährten Concessionen dieselben Bunkte sind, für die schon in den Augsburger Verhandlungen von 1530 Melanchthon die Unterwerfung der Protestanten angeboten hatte. Und auch der Beobachtung können wir uns nicht entziehen, daß einsichtige Prälaten Rome, die in jenen bewegten Jahren religiöser Verhandlungen die deutsche Nation kennen lernten, oftmals der Meinung waren, gerade diese Concessionen solle man machen, um durch sie den Katholizismus in Deutschland zu erhalten. Ja, wir finden auch, daß unter der katholischen Geistlichkeit von Deutschland selbst sich manche Stimme erhoben, nicht für die Zweckmäßigkeit, nein für die Nothwendigkeit, in diesen Dingen von der sonst beobachteten Gewohnheit der Kirche abzugehen 15). Und so fönnte wirklich der heutige Beobachter die Ansicht gewinnen, als ob ebenso wohl den deutschen Protestanten wie den deutschen Katholiken durch das

Interim vollständig gedient gewesen, als ob des Kaisers Editt den Wünschen seiner Nation entgegengekommen wäre.

Aber was will es im Grunde heißen, daß man grundverschiedene Denkweisen in Eine Formel zusammenzwingt? Es ist doch die Religion der Menschen und der Nationen nicht durch Gesetze und Gebote zu leiten und zu regeln! Auch hier ist die Vereinigung nur ein Schein ohne Wesen geblieben.

Das freilich darf noch besonders betont werden, daß dies Religionseditt nicht als bleibende Drdnung der deutschen Kirche gemeint war, und dann, daß es nicht den Anspruch erhoben hat, als bindendes Geset für alle Deutschen zu gelten. Wenn wir aus den Akten dieser faiserlichen Politik einen Blick in den Steenkreis und die geistige Atmosphäre gewonnen haben, in welcher die Entschlüsse des Kaisers gereift sind, so werden wir nicht darüber in Zweifel sein können, daß Karl's Sinn weit entfernt gewesen und geblieben ist von der Prätention, der katholischen Kirche solche Ordnungen anmuthen zu wollen. In allen Schritten, die er für Deutschland in der Kirchenfrage gethan, ließ er deutlich erkennen, daß er den deutschen Protestanten wohl derartige Concessionen auf eine kurze Zeit zu erwirken vermochte, aber niemals ist auch nur eine einzige Handlung von ihm geschehen, die eine Allgemeingültigkeit und Unbedingtheit dieser neuen Einrichtungen ins Auge gefaßt hätte. Und ferner, wie es von Anfang an hierbei sein Sinn gewesen, solche Zugeständnisse für Deutschland von der allgemeinen Kirche gebilligt zu sehen, so ist er auch unablässig in Rom dafür thätig gewesen, Roms Zustimmung zu solchen zeitweiligen Concessionen zu erhandeln. Wir finden, daß auch ießt, während er das Interim mit den Deutschen zu vereinbaren suchte, er gleichzeitig von dem Bapstthum sich alle solche Anordnungen gutheißen lassen wollte. Und in allen diesen römischen Verhandlungen ist doch niemals die Rede von Anordnungen gewesen, die auf die ganze Kirche von Deutschland Bezug haben, sonbern immer nur von solchen Maßregeln, welche den sich reuig unterwerfenden Protestanten die Rückkehr in die Kirche erleichtern sollten?6).

15) Melanchthon's Forderungen an Campeggio, die er wiederholt und eindringlich als das nothwendige Geschenk bezeichnet, für das die Protestanten sich unterwerfen wollen: Corpus Ref. II. 169. 172. 174. 247. Dem entgegen= kommend eröffnete schon Campeggio die Aussicht auf eine Möglichkeit einer „Connivenz“ (lämmer8 32) und noch weit mehr Aleander (lämmer: 82. 89. 114. bes. 115. 133 f.) Auch der gutfatholisde Bischof von Speyer war der Meinung, daß man jene Concessionen machen müsse an die Lutheraner. (Lanz I. 464.) Contarini hatte ähnliche Ansichten und Absichten. (Quirini III. praef. 214.)

Aus den Verhandlungen am Reichstage selbst können wir allerdinge den Eindrud gewinnen, daß der Kaiser hier bei seinen Ständen nicht ganz offen verfahren ist. Es scheint in der That, daß er den

16) Die früher von mir geäußerte Meinung („Kaiser Maximilian II. und die deutsche Reformation“ in Sybel's Historischer Zeitschrift VII. 358) stehe ich nicht an, hierburch zurüdzunehmen: daß Karl in Rom fortwährend, schon vorher wie nadher, um die päpstliche Billigung folder Concessionen an die sich der Kirche Unterwerfenden gehandelt hat (vgl. im Anhang 115* ff.), entspricht seiner ganzen Sinnesart ebenso vouständig, wie eine solde religiöse Anordnung auch für die Katholifen Deutschlands ihr zuwider sein würde. Denn daß die Protestanten damals das Gegentheil annahmen (vgl. die folgende Note), beweist dod) nichts für Karl's Gesinnung. Der präcis gestellte Antrag Karl'8 bei dem Papste liegt überdies wörtlich vor; (Raynaldus 1548. §. 45) und diese nothwendige Ergänzung zum Interim. welche übrigens aud) gleichzeitig mit dem Eniwurse desselben nach Rom eingeschict wurde, spricht nur von personae ad gremium ecclesiae redeunte s.

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